Patienten-„Pingpong“

Von Bonald Decker

Diese Patientin muss sich mit Ihrem Zahnproblem zunächst vorgekommen sein, wie beim Pingpong…

Von „ihrem“ Zahnarzt wurde sie an eine universitäre Einrichtung zur Abklärung der Beschwerden Regio 13 verwiesen. Von dort erfolgte dann die Überweisung zum Oralchirurgen. Dieser war jedoch der (berechtigten) Meinung, dass sich das „Problem“ primär nicht chirurgisch lösen lassen würde… und so stellte sich die Patientin schließlich bei uns vor:

Ping Pong.001

Zahn 13 war vor mehr als zehn Jahren zunächst endodontisch und einige Zeit später zusätzlich mittels Wurzelspitzenresektion therapiert worden. Die Zahnverfärbung bestand bereits kurze Zeit nach Abschluss der endodontischen Behandlung.

Bei unserer Erstuntersuchung zeigte sich eine aktive „Fistel“ Regio 13. Die Zähne 14,12 und 11 reagierten wiederholt positiv auf Sensibilitätstest (Kälte und EPT). Alle anderen klinischen Befunde waren unauffällig.

Nach Erläuterung aller Optionen entschied sich die Patientin für eine Revisionsbehandlung mit nachfolgendem internen Bleichen.

Wie von uns häufig beobachtet war einer der Gründe für die Zahnverfärbung die zu weit ins Pulpakavum aufgefüllten Wurzelfüllmaterialien.

 

Situation intraoperativ- kaum war die Kompositfüllung entfernt imponierten bereist Guttapercha&Sealer

Die weitere Revision der Wurzelfüllmaterialien gestaltete sich unproblematisch und erlaubte schliesslich den Neoapex unter höherer Vergrösserung zu beurteilen.

Situation intraoperativ – nach vollständiger Entfernung aller WF-Materialien ist der Neoapex einsehbar.

Nach eingehender Spülung (wie bereits schon mehrfach an anderer Stelle beschriebenen) applizierten wir eine medikamentöse Ca(OH)2-Einlage und verschlossen die Zugangskavität temporär. Einige Wochen später erfolgte dann nach Abklingen aller Symptome die Wurzelkanalfüllung mittels MTA-Apexifikation (ohne kollagenes Widerlager) und nachfolgendem Guttapercha/Sealer-Backfill.

MTA plug und Abschluss der Behandlung radiologisch

Neben der Beseitigung ihrer Beschwerden konnten wir die Patientin ferner auch ästhetisch zufrieden stellen, da sich durch die Bleichbehandlung auch in diesem Punkt ein ansprechendes Ergebnis erzielen liess.

Klinische Situation prä- und postoperativ

Zukünftige Kontrolluntersuchungen müssen die Nachhaltigkeit der Behandlung noch untermauern. Bisher lässt sich aber für uns ein positives Fazit der Behandlung ziehen. So scheint sich das anfängliche „Pingpong“ für die Patientin gelohnt zu haben.

 

P.S.:Beim Anblick der Röntgenbilder bin ich immer noch „überrascht“, dass Zahn 12 keine Beteiligung an der ausgeprägten Osteolyse haben soll. Aber alle erhobenen Befunde liessen keinen gegenteiligen Schluss zu.

P.P.S.: Auch nicht das vorhandene DVT ;-)

 

Eisbachsurfer 2

von Hans – Willi Herrmann

Dem Wurzelspitze Ü- Day 2014 in München schloss sich nahtlos unser Osterurlaub an und der erste Urlaubstag führte auf Wunsch meiner Tochter wieder zu den Surfern am Eisbach hinter dem Haus der Kunst.  Im Sommer 2013 waren uns beiden aussergewöhnliche Fotos gelungen und so war auch dieses Mal unsere Hoffnung, das eine oder andere spektakuläre „Action“ -Foto zu schiessen. Während wir beim letzten Mal mit seiner Sony NEX 5N und einer NEX 6, sowie einer LEICA M 240 unterwegs waren, waren wird dieses Mal mit einer Sony NEX 6, einer Sony A 7R und einer LEICA M Monochrom ausgerüstet. Für die Fototechnik-Interessierten unter unseren Lesern gibt es also die Möglichkeit, die Schwarz-Weiss – Resultate einer Sony NEX 6 und einer LEICA M 240 mit denen hier in der Galerie der LEICA M Monochrom zu vergleichen. Alle Anderen dürfen sich an den Fotos per se erfreuen oder ignorieren einfach diesen Blog- Beitrag.

 

Wurzelspitze Ü-Day 5 2014 München – Nachlese

von Hans – Willi Herrmann

Am 11. und 12. April 2014 fand in München der 5. WURZELSPITZE Ü- Day, der Überweisertag der WURZELSPITZE – Praxen statt.

Nach dem traditionellen freitagabendlichen „Get Together“, dieses Mal im Paulaner- Braukeller am Kapuzinerplatz abgehalten, referierte am Samstag vormittag Jörg Schröder zum Thema Trauma- Erstversorgung, Christoph Kaaden zur Anästhesie in der Endo, Olaf Löffler zur Post- Endo – Versorgung, während ich zum Thema „gesetzeskonforme endodontische Patientenaufklärung und Dokumentation“ vortrug.

Unser besonderer Dank gilt Prof. Reinhard Hickel, der es ermöglichte, dass die Veranstaltungen im großen Hörsaal und Kons- Phantomsaal der LMU München stattfinden konnten. Und unserem externen Referenten Dr. Jan Hajto, der praxisnah das Thema vollkeramische Restaurationen beleuchtete und dabei sogleich einen kritischen und dennoch  unterhaltsam kurzweiligen Blick auf das Reizthema „Werkstoffkunde“ und „Keramikfrakturen“ legte.

Dem Ü- Day angeschlossen war der mittlerweile schon zum 6. Male ausgerichtete WURZELSPITZE- Teamday, welcher der internen Weiterbildung der WURZELSPITZE – Praxen – Mitarbeiter dient.
Während die ersten Jahre Vorträge zum QM und Praxisabläufen im Mittelpunkt des Teamdays standen, wurden beim letzten Teamday in Salzburg zum ersten Mal im Kreise aller Praxen praktische Übungen (Notfallmaßnahmen in der Zahnarztpraxis) durchgeführt. Und in diesem Jahr konnte ein lang gehegter Wunsch der Praxismitarbeiter in die Tat umgesetzt werden, nämlich (am Phantomkopf und mit Frasaco – bzw.extrahierten Zähnen) zahnärztliche Behandlungen einmal selbst vorzunehmen. Insgesamt 4 verschiedene Stationen waren eingerichtet, an denen endodontische Behandlungen unter dem Dentalmikroskop, Composite- Füllungstherapie, sowie  Provisorienherstellung durchgeführt werden konnten. Aus meiner Sicht des Endo- Stations- Betreuer kann ich berichten, dass das angestrebte Ziel, die endodontischer Behandlung aus Behandlerwarte mit allen Höhen und Tiefen (spektakuläre Aufbereitungsergebnisse, Instrumentenbrüche) näherzubringen, als voll und ganz gelungen bezeichnet werden kann. Das die vorgesehenen Frühstückspausen nur rudimentär genutzt wurden, kann als starkes Indiz für das Interesse und den Eifer der Teilnehmer gewertet werden.

Parallel zu den Übungen am Phantom gab es für die administrativ tätigen Mitarbeiter  einen Erfahrungsaustausch, den Verwaltungsworkflow der Endo- Behandlung betreffend.

Mit 93 Teilnehmern erzielte der diesjährige Teamday einen neuen Teilnehmerrekord.
Einige  Impressionen der Veranstaltung liefert die nachfolgende Bilder- Galerie.
Auch für 2015 ist wieder ein Ü- Day/Team-Day vorgesehen.
Er soll am 27. und 28. März 2015 in Leipzig stattfinden.

 

Saughilfe

von Christian Danzl

Ich möchte es mal vorsichtig formulieren:

Amalgam steht nicht im Ruf der Gesundheit des Menschen zuträglich zu sein.

Aber, wie überall, muss man auch hier die Kosten/Nutzen-Relaton sehen, und so kann jeder Patient für sich entscheiden, ob dieses Füllungsmaterial für ihn in Frage kommt, oder nicht.
Der Patient hat ja die Wahl.
Der Zahnarzt und das zahnärztliche Personal meist nicht.

Oder haben Sie jemals einen Patienten weggeschickt, weil Sie die Amalgamfüllung aus Gründen der Quecksilberbelastung nicht entfernen wollen?
Wahrscheinlich nicht.
Somit bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, die Belastung für Zahnarzt und Personal so gering wie möglich zu halten.

Eine Möglichkeit ist ein spezielle Absaugkanüle, die den, beim Ausbohren entstehenden Spraynebel, möglichst vollständig absaugt. Die Schutzkappe wird über den Zahn gestülpt, sie dichtet das Arbeitsgebiet nach unten ab, von oben ist sie offen, um mit den Instrument an den Zahn zu gelangen.
Den Tip bekam ich von einem netten Kollegen im Ort.

Die Clean Up – Absaugkanüle.

Weitere Möglichkeiten, sich, das Personal und den Patienten zu schützen auf den Homepage der International Academy of Oral Medicine an Toxicology, IAOMT. Ob die, auf dieser Seite dargestellten Möglichkeiten oder Vorschläge zum Schutz vor Quecksilber/Amalgam, sinnvoll, notwendig oder übertrieben sind, muss auch wieder jeder für sich selber entscheiden. Jedenfalls ist es wert, die Sache einmal zu überdenken.

Was nun…was tun…? Saving hopeless (?) teeth?? Teil I

von Elwood Blues

Befundung Zahn 16:
Vipr. negativ, Perk. leicht positiv, Taschentiefe an 8 Messstellen: max. 2-3mm, vestibulär starker Attachmentverlust mit freiliegender Wurzeloberfläche. Lockerungsgrad 0, Brücke ca. 20 Jahre alt, Kronenränder kariesfrei, Brücke intakt.
Exponiertes Wurzelkanalsystem über mittleres bis unteres Wurzeldrittel der mb-Wurzel.
Mehrere Zähne mit ähnlichem Attachmentverlust vestibulär in allen Quadranten, aber ohne exponiertes Kanalsystem, teilweise mit Zahnhalsfüllungen versorgt.
Die Frage der Patientin war einfach: „Was können Sie gegen den Pickel tun?“ und „Muss der Zahn entfernt werden?“
Genau diese Frage möchte ich an die geneigte Leserschaft weitergeben und bin sehr gespannt auf die Behandlungsansätze und Kommentare zu diesem Fall.
Wie würden Sie vorgehen, bzw. was wäre Ihre Therapieempfehlung an die Patientin?

Zahnerhalt mit allen Mitteln? (2)

von Ostidald Wucker

Vorgestellt haben wir den Fall hier.
Der Patient wünschte den unbedingten Versuch des Zahnerhaltes trotz unserer kritischen Einschätzung.
Nach dem präendodontischem Aufbau, der Defektdarstellung und Kariesentfernung erfolgte die Aufbereitung des Zahnes mittels microabrsasiver Ultraschallpräparation. Das eingebrachte Ultracal (Ultradent) zeigte sich im Fistelmaul. Nach der ersten Behandlung hatte sich die Fistel verschlossen. Der apikale Defekt war größer Iso 120.
Das ProRoot MTA haben wir ohne kollagenes Widerlager eingebracht, da der mehr labial gelegene Defekt nicht vollständig einsehbar war. Weitere Zahnsubstanz wollten wir nicht opfern. Das Überpressen von MTA Überschüssen haben wir als notwendiges Übel akzeptiert.

Wir werden über den weiteren Verlauf berichten.

 

Terminierung von Schmerzpatienten

von Christoph Kaaden

Die zeitnahe und sinnvolle Terminierung von Schmerzpatienten zählt zu  d e n  grossen Herausforderungen einer jeden zahnärztlichen Praxis. Um dieser logistischen Aufgabe gerecht zu werden haben wir zum Beispiel mehrfach die Woche „Schmerz-Zeiten“ für solche Notfall-Patienten geblockt. Dies ist aber sicher kein Patentrezept und ich könnte mir vorstellen, dass „jeder“ Mitleser von Wurzelspitze für sinnvolle Anregungen und Tipps hierzu dankbar wäre.

Daher möchte ich Ihnen solche von Jennifer de St. Georges, einer sehr renommierten und international gefragten Praxismanagerin, „weitergeben“.

In diesem Video gibt sie zahlreiche Anregungen und Sichtweisen zu dieser Thematik. Die gut 20 Minuten dieses Videos sind in meinen Augen sehr gut investierte Zeit und können ggf. helfen das Management und die Terminierung von Schmerzpatienten in Ihrer Praxis zu verbessern bzw. zu optimieren.

Ferner würde mich interessieren, wie Sie diese Problematik in Ihrer Praxis handhaben und welche Tipps Sie weitergeben können… nutzen Sie dazu doch die Kommentar-Funktion.

P.S.:Auf der Homepage von Jennifer de St. Georges finden sich hier noch einige weitere sehenswerten Videomitschnitte einiger ihrer Präsentationen…

 

Pulpotomie

von Ronald Wecker

Auf der im vergangenen Jahr in Lissabon stattgefunden ESE-Tagung in Lissabon hatte ich die Gelegenheit mich mit Winfried Zeppenfeld aus Flensburg über seine in einem Poster veröffentlichen Behandlungsergebnisse nach Pulpotomie auszutauschen. Meine Erfahrungen mit dieser Art der endodontologischen Therapie beschränkten sich bis dahin auf eine Hand voll Fälle.

Ein Postgraduate-Student des Endo-Programms an der ACTA in Amsterdam erzählte mir vor kurzem, dass er derzeit ca. 100 Fälle mit einer Misserfolgsquote von ca. 10 % seit fast 5 Jahren im Recall nachverfolgt und gab den letzten Anstoss, diese Therapieform in Fällen einer Pulpaeröffnung vermehrt ins Kalkül zu ziehen.

Neben einer suboptimal ausgefallenen Wurzelfüllung des 16 fällt in nachfolgendem Röntgenbild der ausgedehnte kariöse Defekt an Zahn 14 auf. Akute Beschwerden lagen nicht vor. Nach absoluter Trockenlegung wurde der Defekt mit einem sterilen diamantierten Instrument unter Kühlung mit steriler Kochsalzlösung eröffnet und anschliessend versäubert. Die Blutung sistierte nach ungefähr 2 Minuten. Auf langsam rotierende Hartmetallinstrumente (Rosenbohrer) wurde bewusst verzichtet, da hier eine Gefahr des Verpressens von Dentinspänen in das Pulpagewebe gegeben ist.

Die Abdeckung der Pulpawunde erfolgte mit MTA Angelus in der weissen Darreichungsform. Anschliessend wurde die Kavität adhäsiv verschlossen.

Zwei Dinge bleiben zu hoffen: Beschwerdefreiheit für den Patienten und dass nicht eines Tages bei einer also loco durchgeführten Routinekontrolle die „zu kurze“ Wurzelfüllung moniert und eine „richtige“ Wurzelkanalbehandlung durchgeführt wird.

 

Zahnerhalt mit allen Mitteln?

von Ostidald Wucker

Zahnerhalt mit allen Mitteln ist eine anzukreuzende Option auf unseren Überweisungsscheinen. Selten wird diese Option angekreuzt, oder wenn, dann ist es bereits zu spät und es gibt kein „Mittel“ mehr.

In dem hier vorliegenden Fall eines oberen Frontzahnes, genauer gesagt 21 stellt sich nun wieder die Frage. Die Diagnose lautet Z.n. Trauma, externe oder interne Resorption, asymptomatische P. apicalis, chronischer apikaler Abszess.
Befund: keine erhöhten Sondierungstiefen, kein Lockerungsgrad, Fistel vestibulär, Sensibilität negativ, kein Perkussionsschmerz

Was spricht für die Option Zahnerhalt mit allen Mitteln. Der Zahn 22 fehlt und ist als Brückenglied ersetzt. Sollte der Zahn 21 ersetzt werden müssen, wird es mit Implantaten ein ästhetisches Problem (Rot/Weißästhetik) geben. Eine Brückenversorgung wird ebenso ästhetisch problematisch werden.

Was wäre Ihre Therapiewahl und warum?

 

 

Hausgemacht ?

Von Bonald Decker

Im Allgemein ist der Begriff „Hausgemacht“ positiv behaftet. Zum Beispiel bei kulinarischen Gaumenfreuden wie „hausgemachten Spätzle“ oder „hausgemachter Marmelade“. Hier zeugt der Ausdruck von Qualität und besonderer Hingabe. Leider gibt es natürlich auch eine negative Seite und die sprichwörtlichen „hausgemachten Probleme“. So eventuell „passiert“ im nachfolgenden Fall…

Bei einer 49 Jahre alten Patientin wurde laut Zuweiserin eine endodontische Behandlung an Zahn 15 notwendig. Im Vorfeld war es hier im Zuge einer Kariestherapie zur Pulpaeröffnung im kariösen Dentin mit nachfolgender Pulpektomie gekommen. Leider kam es in der weiteren Folge zu einer Instrumentenfraktur im bukkalen Kanalsystem. Hier die uns überlassenen Röntgenbilder:

Instrumentenfraktur während Wurzelkanalbehandlung

Bei dem eventuell hausgemachten Problem fällt auf, dass zur mechanischen Bearbeitung der Kanalsysteme wohl Hedström-Instrumente zum Einsatz gekommen waren. Diese „Feilen“ werden in aller Regel aber u.a. aufgrund ihres grossen Schneidekantenwinkels zur initialen Erschliessung und Instrumentation als eher ungeeignet angesehen. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich zum Beispiel hier (Seite 12-14) rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen dieser Instrumentengruppe im Vergleich zu Räumern oder K-Feilen betrachtet. Zur Freude der Patientin liess sich das Fragment mit moderatem Aufwand und ohne übermässigen zusätzlichen Substanzverlust entfernen. Der Behandlungsabschluss erfolgte dann im zweiten Termin mittels Verschluss der Kanalsysteme mit warm vertikal verdichteter Guttapercha/Sealer und mehrflächiger Kompositrestauration.

Zustand nach Fragmententfernung und endodontischer Therapie mit Wurzelkanalfüllung und koronaler Kompositfüllung

Auch, wenn nicht mit letzter Gewissheit festgehalten werden kann, dass die Wahl der Aufbereitungsinstrumente der entscheidende Grund für die Instrumentenfraktur war scheint die Benutzung von Hedström-Feilen zur (initialen) Präparation aufgrund der Instrumentengeometrie (u.a. wegen des grossen Schneidekantenwinkels) von Kanalsystemen als eher ungeeignet. Ggf. hätte sich diese Behandlungskomplikation bei der Verwendung von K-Feilen oder Räumern vermeiden lassen…

Karwoche

von Hans-Willi Herrmann

Hier war eigentlich ein Ü Day Rückblick in Bildern geplant. Leider habe ich nicht berücksichtigt, das dieses Jahr unmittelbar an den Ü Day Osterferien sich anschliessen. Und da ich bis Dienstag nächster Woche keinen Zugriff auf meine Computer zur Bildbearbeitung habe,  geht es daher für mich an dieser Stelle erst Dienstag in 14 Tagen weiter.

Allen Lesern von WURZELSPITZE wünsche ich Frohe Ostern !

… und 8 Jahre nicht erschienen

von Bodald Necker

Der Patient kam 8 Jahre nach der Eingliederung seines Zahnersatzes das erste Mal wieder in die Praxis, weil ein Stück der Verblendung abgeplatzt war. Er wollte es repariert haben.
Der Aufforderung den ZE zu entnehmen kam er sofort nach.
Aber er entnahm nicht nur den abnehmbaren Teil, sondern auch den festsitzenden Teil und das alles in einem Stück.
„Da stimmt aber was nicht, da haben Sie zuviel herausgenommen!“, meinte die Helferin.
„Wieso? Das hab ich immer schon so gemacht!“
„Das glaub ich nicht.“
„Immer schon, ganz sicher!“

Der Zustand war doch schon einige Jahre so. Die Mundhygiene war nicht gut, das fortgeschrittene Alter (89) hat auch oft keinen positiven Einfluss auf die Putzgewohnheiten, aber trotzdem waren die „Teleskopzähne“, obwohl stark dunkel verfärbt, nirgends kariös.

Nach einiger Zeit ist es dem Patienten dann doch noch in den Sinn gekommen, dass es anders gewesen sein könnte. Zumindest hat er sich den festsitzenden Teil wieder fest einsetzen lassen, und die abnehmbare Prothese funktioniert wieder normal.

 

Teamarbeit

von Ronald Wecker

Woche für Woche werden hier auf Wurzelspitze die Ergebnisse endodontischer Behandlungen präsentiert.

Ohne ein funktionierendes Team wäre dies jedoch unmöglich.

Ein großes „Danke“ von Ronald an „sein“ Team.

Team 6 Hand Namen

Zufallsbefund

von Ostidald Wucher

Der bisher krümmste Verlauf eines unteren zweiten Moralen habe ich in diesem DVT als Nebenbefund sehen können. Das möchte ich der Wurzelspitzleserschaft nicht vorenthalten. Der Patient ist mir unbekannt. Ich fand die Kombination aus Krümmung und Radix entomolaris sehrspannend. Besonders anspruchsvoll erscheint die apikale Aufteilung der mesialen Wurzel.

 

Ja ist den heut` schon Ostern…

von Bonald Decker

In Anlehnung an einen Werbespot mit Franz Beckenbauer habe ich heute den Beitragstitel gewählt. Die „Idee“ dazu kam mir während der Revisionsbehandlung dieses oberen seitlichen Schneidezahnes:

Aber bei dem Blick in die Zugangskavität zu Beginn der Behandlung lag für mich dieses Wortspiel auf der Hand:

Ostereiversteck ? Singulärer Guttapercha-Stift in einem See aus Sealer

Wir haben uns „erlaubt“ dieses endodontische Osterei zu modifizieren.

postoperatives Osterei

Mittels Revision, chemo-mechanischer Reinigung gefolgt von apikalem MTA-Stop und Backfill mit Guttapercha & Sealer.

Intra- und postoperative Röntgenaufnahmen; aufgrund einer in der Vergangenheit schräg resezierten Wurzelspitze weichen WF-Endpunkt  und „Wurzelspitze“ stark voneinander ab

Wenn alles so gut weiter läuft wie bisher (Schmerzfreiheit nach dem ersten Termin) hoffen wir auf die erfolgreiche Nachuntersuchung in der Weihnachtszeit.  Dann wünschen wir uns eine Remission der apikalen Osteolyse…

wenn dem so wäre, dann wären für den Zahn quasi Ostern und Weihnachten zusammengefallen

:-)

 

Neue Wege gehen – UK – Prämolar, 90 Grad gedreht – so ging´s weiter

von Donald Becker

Über diesen Zahn hatte ich hier geschrieben und möchte nun berichten, wie es weitergeht.

Letzten Mittwoch war der Patient nach 12 Wochen Liegezeit des CaOH2 als medikamentöse Einlage nun bei uns zur Wurzelfüllung.

Anbei Fotos/Röntgenbilder zum Fall.

Der mit dem Blubb

von Bodald Necker

eine nette Kollegien aus dem Nachbarort hat uns die Patientin zur Endo-Beratung geschickt. Sie wollte wissen, ob der Zahn 11 noch zu retten sei.

Klinisch zeigt sich bei der 25 Jahre alten Patientin ein schmerzfreier 11 ohne Lockerung und auffällige Sondierungswerte. Er war nur dunkel verfärbt. Die Patientin gab an, vor Jahren einen Schlag darauf bekommen zu haben, gemacht wurde damals nichts.

Auf dem Röntgenbild war der Wurzelkanal nur noch sehr schlecht zu sehen und apikal war eine Transluzenz erkennbar.

 

Wenn der Kanal zu finden ist, sollte der Zahn erhalten werde können.
Also machten wir uns beim nächsten Termin auf die Suche.

Der Kanaleingang war unter Vergrößerung und mit überlangen Rosenbohrern schneller gefunden, als gedacht.
Aufbereitung erfolgte bis Apex auf 40/06.

Eine Sondierung mit ISO 20 einen Millimeter über den Apex hinaus liess etwas Pus aus dem Kanal steigen. Nicht viel. Vorerst.

Dann entleerte sich spontan etwas mehr. Durch leichten Druck mit der Fingerbeere auf die apikale Region des Einsers entleerte nun mehrmals schwallartig insgesamt gut eine teelöffelgroße Menge Pus.
Wir liessen die Patientin noch 20 min aufrecht sitzen, bis kein Exsudat mehr aus dem Wurzelkanal kam, Spülung mit NaOCl, Med mit CaOH2, Cavit.

Auf die anschliessende Frage, ob die Patientin denn vorher keine Schmerzen hatte, sagte sie: „Nein. Aber jetzt ist es besser.“

Ich werde berichten, wie’s weiter geht.

Eingang des obliterierten Kanals

 

 

Fischzug

von Ronald Wecker

Obwohl der größte Teil der vorhandenen Obturationsmassen entfernt und eine medikamentöse Einlage eingebracht worden war, zeigte sich der Zahn 37 nicht beschwerdefrei.

Nach initialer Darstellung der bereits deutlich erweiterten Kanalsysteme konnte ein feiner Isthmus zwischen Mb und ML ausgemacht werden an dessen Innenseite geringe Reste von Guttapercha anhafteten. Mittels vorgebogenem Micropener konnte der im mittleren Kanaldrittel befindliche Rest der Guttapercha zunächst gelöst und dann nach Korona entfernt werden. Die periapikal gelegenen Reste konnte aufgrund einer deutlichen Blutung von periapikal in der ersten Sitzung immer nur für kurze Zeit visualisiert werden. Nach einer Einlage von CaOH2 für 2 Wochen war der „Fischzug“, das Entfernen der periapikal gelegenen Guttapercha , in der zweiten Sitzung geplant. Nach Erweiterung des Isthmus bis zur apikal befindlichen Kommunikation konnten mittels Microdebrider die Guttaperchareste entfernt werden. Deutlich erkennt man die bakterielle Kontamination der Guttapercha.

Es erwies sich als hilfreich zunächst mit NaOCl zu spülen, um Gewebereste aufzulösen und nachdem dies geschehen war, nur noch mit CHX zu spülen, um ein weiteres Auflösen periapkal gelegener Gewebe zu verhindern, da es sonst zu einer unerwünschten Verlagerung der Guttapercha kommen könnte.

Die Obturation erfolgte nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA.

Trotz druckloser Applikation des Ultracal mittels Navitip und radiologisch kontrolliertem Abschluss der medikamentösen Einlage am Foramen, können in den weiteren Röntgenbildern deutliche Reste des CaOH2 im Periapikalraum erkannt werden. Dieses Phänomen tritt regelmässig an Zähnen auf, die große periapikale Lysen zeigen und bei denen es in der ersten Sitzung zu deutlicher periapikaler Blutung gekommen war.

 

ZE Planung (2)

von Ostidald Wucker

Kann ich einer Brückenversorgung (hier der Ausgangsbefund) zustimmen an Hand der Aufnahmen?

Ich kann nicht ausschließen, daß eine apikale Veränderung besteht. Wurde ein zweiter mesiobukkaler Kanal behandelt? 17 zeigt diese Variante deutlich geringer als der erste obere Molar.

Folgende Dinge fallen mir an den Röntgenbildern auf:

1. In keinem Bild kann ich eindeutig einen apikalen Prozess ausschließen. Einmal ist die Werbung des Sensorherstellers die Ursache, beim anderen Bild ist die Projektion des distalen und palatinalen Kanalsystems überlagert.

2. Die suboptimale Zugangskavität lässt nicht einen behandelten mb2 Kanal vermuten. Das Röntgenbild lügt wahrscheinlich. Wir versuchen dreidimensionale Objekte auf zwei Dimensionen dreidimensional zu beurteilen. Das kann nur in den seltensten Fällen gelingen.

3. Die aufnahmetechnisch bedingte Angulation im Oberkiefer und die Projektion des Jochbeins scheint hier nicht zu störend zu sein.

4. Die Panoramaaufnahme ist nicht optimal zur Beurteilung endodontischer Problematiken.

Die klinische Situation ist unauffällig. Kein Lockerungsgrad, keine erhöhten Sondierungstiefen. Die Füllungen sind o.B.. Das OPTG war von 2008. Die Zahnfilme sind aktuell. Der Zahn 17 hat eine Amalgamfüllung seit der Behandlung 1998.

Der Patient wollte unseren Rat. Wir heben ihm zu einer DVT Aufnahme geraten. Gleichzeitig haben wir ihn aufgeklärt, wenn ein koronales Lekage beim präprothetischem Aufbau erkennbar ist, dann sollte man revidieren unabhängig von den Röntgenbildern.

Wir haben zunächst ein DVT angefertigt. Hier die Bilder des Zahnes in einer Dual Curved Anordnung mit 1mm Einzelschritten.

Die palatinale Wurzel zeigt apikal eine Verbreiterung des Parodontalspaltes. Die anderen apikalen Bereiche sind unauffällig. Röntgenologisch würden wir derzeit keine Revision durchführen. Ein mesiobukkal zweiter Kanal ist nicht zu erkennen.

Interne Angelegenheit

Von Bonald Decker

Beim Anblick des Ausgangsröntgenbildes bin ich zunächst etwas „erschrocken“…

Präoperatives Röntgenbild…

Ein solch resorptives Geschehen, insbesondere bei einem Molaren, sehen wir im Praxisalltag sehr selten. Ferner war der Umfang der Resorption und dessen Ausprägungsgrad zunächst unklar.

Aufgrund der erhobenen Befunde (u.a. Sensibilitätstest positiv, Taschensondierung o.p.B…) lautete meine präoperative Diagnose: -interne Resorption-.

Als (mögliche) Ursache machte ich eine chronische Reizung der Pulpa im Sinne einer chronischen Pulpitis durch die pulpanahe Füllung „verantwortlich“

Intraoperativ bestätigte sich diese Diagnose:

Situation intraoperative

Blick auf das linguale Resorptionsgeschehen

Nachdem intraoperativ die Erhaltungswürdigkeit bejaht werden konnte erfolgten die weiteren Therapieschritte wie gewohnt.

Hier die postoperative  Aufnahme:

Postoperatives Röntgenbild nach interner Resorption

Es war einmal… in 1896

von Hans – Willi Herrmann

Die folgenden Textzitate verdanke ich Tomas Lang und dessen Vortrag auf einem Endodontie- Expertenforum am vergangenen Freitag. Sie sind dem Buch von W. D. Miller „Lehrbuch der conservirenden Zahnheilkunde“ von 1896 entnommen, das auch heute noch, fast 120 Jahre später ausgesprochen lesenswert ist und darüber hinaus an vielen Stellen den Leser sehr nachdenklich zurücklässt.

Aber sehen sie selbst – Zunächst das im Vortrag von Tomas Lang angeführte Zitat, das er seinem Vortrag über tatsächliche und vermeintliche Neuerungen in der Endodontie voranstellte:

Im Vorwort habe ich die nachfolgenden Sätze gefunden, den Stellenwert der Konservierenden Zahnheilkunde betreffend im Vergleich zur Prothetik:

Und führt weiter aus:

 

Zum Kofferdam schreibt Miller:

 

Aber auch – nachdenklich:

 

Wenn ich jetzt – so wie Tomas Lang bei mir (dem ich an dieser Stelle noch einmal herzlich danken möchte für den Literaturhinweis) ihr Interesse an diesem Buch geweckt haben sollte, dann finden sie im Internet an mehreren Stellen wie z.B. hier das Buch als PDF – Download. Abschließend noch ein weiteres Zitat zum Thema „Endodontie“ zur auch aktuell wieder heiß diskutierten Frage „einzeitig oder zweizeitig“, das zeigt, das in der Endodontie nur sehr sehr wenig wirklich neu ist: