Unterkiefer-Prämolar mit Perforation

Von Bonald Decker

Hier ein in meinen Augen interessanter Fall, der uns seit einiger Zeit begleitet hat.

Kurz zu den Hintergründen: Aufgrund von klinischen und radiologischen Befunden wurde bei diesem 76-jährigen Patienten alio loco die (berechtigte) Notwendigkeit einer endodontischen Intervention an Zahn 35 im Sinne der Zahnerhaltung gestellt.

UK - Prämolar mit Perforation.001

Leider kam es in einer sehr frühen Phase der Therapie zu einer Behandlungskomplikation im Sinne einer Perforation. Daher wurde der Patient an uns verwiesen.

Bei der Erstvorstellung im April 2014 präsentierte sich die Situation als klinisch unauffällig. Nachdem mit dem Patienten die verschiedenen Behandlungsoptionen besprochen wurden entschied sich dieser zur Fortführung der endodontischen Therapie. Im ersten Termin sollte dann eine intrakoronale Diagnostik darüber Aufschluss geben, ob weitere therapeutische Maßnahmen im Sinne der Zahnerhalt erfolgsversprechend wären.

Leider kam es aus persönlichen Gründen des Patienten erst gut 4 (!) Monate später zu einer Behandlung bei uns. Zu diesem Zeitpunkt imponierte nun ein zwischen 33 und 34 gelegenes Fistelmaul. Zur näheren Klärung der Ursache fertigten wir ein Röntgenbild mit Guttaperchastift im Fistelgang an. Dieses verdeutlichte abermals, dass die alleinige klinische Position der Fistel (ggf.) wenig über den Ursprung der Ursache aussagt.

Intrakoronal stellte sich die Situation des Zahnes 35 wie folgt dar:

Klinisch und radiologisch kamen wir zu dem Urteil, dass es sich um eine (knapp) intraalveolär gelegene Perforation handelte. Aus diesem Grund wurde diese nach eingehender Desinfektion mit MTA (Fa.Angelus) abgedeckt. Eine darüber geschichtete Kompositfüllung sollte ferner verhindern, dass der (mühevoll) platzierte Verschluss während der weiteren Therapie wieder (versehentlich) verletzt wird.

Das weiter distal gelegene Kanalsystem konnte in der weiteren Folge recht schnell aufgefunden und chemo-mechanisch gereinigt werden. Die dann angefertigte Masterpointaufnahme kontrollierte den MTA Verschluss sowie die bestimmte Arbeitslänge inklusive Passung des Guttapercha-Meisterstiftes (ISO 35).

Gut drei Wochen später stellte sich der Patient nun gestern zum Abschluss der Behandlung erneut vor. Bei Beschwerdefreiheit und geschlossener Fistel (nach Ca(OH)2-Einlage) erfolgte daher der Verschluss des Kanalsystems mittels warm vertikal verdichteter Guttapercha und Sealer. Die Zugangskavität wurde mittels intrakanalär verankerter Kompositrestauration versorgt.

Es scheint als wäre es gelungen der komplexen (apikalen) Anatomie dieses Zahnes gerecht geworden zu sein.

Zukünftige („langfristige“) Kontrollen müssen die Nachhaltigkeit der Behandlung dieses kompromittierten Zahnes jedoch erst noch belegen…

 

Hausgemacht ?

Von Bonald Decker

Im Allgemein ist der Begriff „Hausgemacht“ positiv behaftet. Zum Beispiel bei kulinarischen Gaumenfreuden wie „hausgemachten Spätzle“ oder „hausgemachter Marmelade“. Hier zeugt der Ausdruck von Qualität und besonderer Hingabe. Leider gibt es natürlich auch eine negative Seite und die sprichwörtlichen „hausgemachten Probleme“. So eventuell „passiert“ im nachfolgenden Fall…

Bei einer 49 Jahre alten Patientin wurde laut Zuweiserin eine endodontische Behandlung an Zahn 15 notwendig. Im Vorfeld war es hier im Zuge einer Kariestherapie zur Pulpaeröffnung im kariösen Dentin mit nachfolgender Pulpektomie gekommen. Leider kam es in der weiteren Folge zu einer Instrumentenfraktur im bukkalen Kanalsystem. Hier die uns überlassenen Röntgenbilder:

Instrumentenfraktur während Wurzelkanalbehandlung

Bei dem eventuell hausgemachten Problem fällt auf, dass zur mechanischen Bearbeitung der Kanalsysteme wohl Hedström-Instrumente zum Einsatz gekommen waren. Diese „Feilen“ werden in aller Regel aber u.a. aufgrund ihres grossen Schneidekantenwinkels zur initialen Erschliessung und Instrumentation als eher ungeeignet angesehen. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich zum Beispiel hier (Seite 12-14) rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen dieser Instrumentengruppe im Vergleich zu Räumern oder K-Feilen betrachtet. Zur Freude der Patientin liess sich das Fragment mit moderatem Aufwand und ohne übermässigen zusätzlichen Substanzverlust entfernen. Der Behandlungsabschluss erfolgte dann im zweiten Termin mittels Verschluss der Kanalsysteme mit warm vertikal verdichteter Guttapercha/Sealer und mehrflächiger Kompositrestauration.

Zustand nach Fragmententfernung und endodontischer Therapie mit Wurzelkanalfüllung und koronaler Kompositfüllung

Auch, wenn nicht mit letzter Gewissheit festgehalten werden kann, dass die Wahl der Aufbereitungsinstrumente der entscheidende Grund für die Instrumentenfraktur war scheint die Benutzung von Hedström-Feilen zur (initialen) Präparation aufgrund der Instrumentengeometrie (u.a. wegen des grossen Schneidekantenwinkels) von Kanalsystemen als eher ungeeignet. Ggf. hätte sich diese Behandlungskomplikation bei der Verwendung von K-Feilen oder Räumern vermeiden lassen…