Hausgemacht ?

Von Bonald Decker

Im Allgemein ist der Begriff „Hausgemacht“ positiv behaftet. Zum Beispiel bei kulinarischen Gaumenfreuden wie „hausgemachten Spätzle“ oder „hausgemachter Marmelade“. Hier zeugt der Ausdruck von Qualität und besonderer Hingabe. Leider gibt es natürlich auch eine negative Seite und die sprichwörtlichen „hausgemachten Probleme“. So eventuell „passiert“ im nachfolgenden Fall…

Bei einer 49 Jahre alten Patientin wurde laut Zuweiserin eine endodontische Behandlung an Zahn 15 notwendig. Im Vorfeld war es hier im Zuge einer Kariestherapie zur Pulpaeröffnung im kariösen Dentin mit nachfolgender Pulpektomie gekommen. Leider kam es in der weiteren Folge zu einer Instrumentenfraktur im bukkalen Kanalsystem. Hier die uns überlassenen Röntgenbilder:

Instrumentenfraktur während Wurzelkanalbehandlung

Instrumentenfraktur während Wurzelkanalbehandlung

Bei dem eventuell hausgemachten Problem fällt auf, dass zur mechanischen Bearbeitung der Kanalsysteme wohl Hedström-Instrumente zum Einsatz gekommen waren. Diese „Feilen“ werden in aller Regel aber u.a. aufgrund ihres grossen Schneidekantenwinkels zur initialen Erschliessung und Instrumentation als eher ungeeignet angesehen. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich zum Beispiel hier (Seite 12-14) rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen dieser Instrumentengruppe im Vergleich zu Räumern oder K-Feilen betrachtet. Zur Freude der Patientin liess sich das Fragment mit moderatem Aufwand und ohne übermässigen zusätzlichen Substanzverlust entfernen. Der Behandlungsabschluss erfolgte dann im zweiten Termin mittels Verschluss der Kanalsysteme mit warm vertikal verdichteter Guttapercha/Sealer und mehrflächiger Kompositrestauration.

Zustand nach Fragmententfernung und endodontischer Therapie mit Wurzelkanalfüllung und koronaler Kompositfüllung

Auch, wenn nicht mit letzter Gewissheit festgehalten werden kann, dass die Wahl der Aufbereitungsinstrumente der entscheidende Grund für die Instrumentenfraktur war scheint die Benutzung von Hedström-Feilen zur (initialen) Präparation aufgrund der Instrumentengeometrie (u.a. wegen des grossen Schneidekantenwinkels) von Kanalsystemen als eher ungeeignet. Ggf. hätte sich diese Behandlungskomplikation bei der Verwendung von K-Feilen oder Räumern vermeiden lassen…

3 Gedanken zu „Hausgemacht ?

  1. Großes Kompliment – das Fragment saß schon richtig tief drin. Headströmfeilen „fressen“ sich gern auch fest.
    Wie haben Sie das lästige Stück expediert?
    Gruß,
    A. blohme

    • Hallo Herr Blohme. Im Endeffekt war es einfacher als gedacht. Primär, weil sich das Fragment gut Visualisieren ließ. Zur Entfernung Einsatz von US-Ansätzen und nach recht kurzer Zeit hat es aufgegeben. Die Behandlung (Fragment ex, ELM, WK, etc) hat alles in allem knapp unter einer Stunde gedauert. Ist für mich leider immer schlecht vorherzusagen …
      Frohe Ostern
      Christoph Kaaden

      • Hallo Herr Kaaden. Vielen Dank für die Antwort. Ich muß wohl mein Ansatz Sortiment erweitern oder den Energielevel vom Endo Piloten erhöhen. Bis dato habe ich mit max. 35% der US Energie gearbeitet, aus Sorge, ich könnte die WK Wand schädigen.
        Sonnige Grüße aus HH,
        Axel Blohme

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