Adventskalender 2015 – 24. Dezember

von Hans – Willi Herrmann

Ein Türchen des diesjährigen Adventskalenders, das größte, ist noch ungeöffnet.
Es ist in diesem Jahr einem Gerät gewidmet, dem ich in über 20 Jahren intensiver Beschäftigung mit der Endodontie bislang keine besondere Bedeutung beigemessen habe.

Die Rede ist von der Gerätegruppe der Laser, die seit 1988 in meinem zahnmedizinischen Kosmos  bekannt sind. Damals wurde, in etwa zeitgleich mit dem ersten CEREC- Gerät an der Uni Mainz der ADL – Laser vorgestellt. Keine Ahnung, ob es die Firma überhaupt noch gibt, Fakt ist jedoch, dass dem Laser (der in jedem Bereich der Zahnmedizin als Ei des Kolumbus (was sonst) beworben wurde) bislang der entscheidende Durchbruch verwehrt blieb.

Weil all die angepriesenen Vorteile (man muss nur die bis vor kurzem veröffentlichten entsprechenden Studien für den Endo – Bereich, – für andere Teilbereiche der Zahnmedizin ist es ähnlich – genau lesen, um zur Erkenntnis zu kommen, dass) sich auf konventionellem Wege mit gleichen oder besseren Ergebnisse erreichen lassen. Teils mit deutlich weniger Zeit, deutlich weniger Aufwand, aber vor allem immer ohne die teilweise immens hohen Kosten für das Gerät ans sich und seinen Unterhalt.

Im Rahmen meiner assistenzzahnärztlichen Tätigkeit hatte ich kurz nach dem Studium die Möglichkeit, mehr als ein Jahr mit einem Neodym YAG – Laser zu arbeiten. Die gemachten Erfahrungen bestätigten meine bis dato Einschätzung. Seit dieser Zeit beschränkten sich meine Berührungspunkte auf das Lesen entsprechender Studien, die allesamt suboptimal ausfielen und auf die  Beurteilung der Ergebnisse von Patientenfällen, bei denen Laser alio loco eingesetzt wurden. Bedauerlicherweise trugen auch diese nicht dazu bei, dass bestehende Urteil, die Laseranwendung betreffend, zu revidieren.
Im Gegenteil.

Dann kamen Artikel und Studien David Jaramillos  zu PIPS und vor allem sein Vortrag auf der DGET Jahrestagung 2014 in Hamburg.

Und damit REM – Bilder von absolut sauberen Dentintubuli.
Ein bisher nicht dagewesener Quantensprung, die Wurzelkanalreinigung betreffend.

Jetzt wissen wir alle, inwieweit selektiertes Bildmaterial ein in vivo nur suboptimal vorhandenes Ergebnis vortäuschen kann.  Allerdings erweckt Jaramillo nun ganz und gar nicht den Eindruck, hier wieder einmal profitorientiert den Laser in die Zahnmedizin einschleusen zu wollen, sondern – im Gegenteil und insbesondere wenn man mehrmals die Gelegenheit hatte, ihn persönlich kennenzulernen er macht den Eindruck des integren und engagierten Wissenschaftlers.

Für mich stand danach fest, ich wollte den Laser für den Bereich Endo ausprobieren.

4 Monate hatte ich  die Möglichkeit, den Erbium Yag- Laser AdvErL Evo der Firma Morita in der Praxis einzusetzen.

Längst nicht  auch nur annähernd genug Zeit, um ein Fazit stellen zu können, will man nicht nur dem Laser, sondern vor allem der Gesamtsituation im Sinne einer umfassenden praxisrelevanten Bewertung gerecht werden zu wollen.

Wenn wir allerdings davon ausgehen, dass der Vorteil der maschinellen NiTi- Aufbereitung der letzen 20 Jahre in der verbesserten Formgebung und effizienteren Aufbereitung zu sehen ist, die Reinigungsleistung jedoch ähnlich schlecht einzustufen ist wie mit Handinstrumenten und wenn wir weiter dem altbekannten bon mot Bedeutung beimessen, dass es nicht so sehr darauf ankommt, was in den Wurzelkanal abschließend eingebracht, sondern vielmehr, was im Vorfeld herausgeholt wird, dann zeigt nachfolgendes Video exemplarisch den Wert des Morita AdvErL Evo Lasers, die Wurzelkanalreinigung betreffend. Im Video sieht man den Zustand das Wurzelkanals nach maschineller Aufbereitung. Was dann, durch Einsatz des Lasers, an Debris noch aus dem Kanal herauskommt, ist nicht anders als ungemein beeindruckend zu bezeichnen.

 

Themenwechsel und Gedankensprung.
Vergleichsweise unbemerkt – betrachtet man sein weithin bekanntes „lautes“ Auftreten –  wird Ende dieses Jahres ein engagierter Zahnerhalter die zahnärztliche Bühne verlassen.

Wenige werden dies bedauern.
Dafür hat er sich mit der ihm eigenen Art (er sagte mir mal, „Wenn ich in ein Zimmer möchte, dann nehme ich nicht die Tür, ich nehme den Vorschlaghammer und schlage die Wand ein“ zu viele Sympathien verscherzt.

Dennoch wird er fehlen.

Die Rede ist von Rüdiger Osswald.
Ein sicherlich oft unbequemer aber nicht desto trotz in der Sache wichtiger Streiter für den (endodontischen) Zahnerhalt.  Er gehörte zu den wenigen,  die sich dem wissenschaftlichen und politischen Mainstream energisch widersetzten.  Mögen ihm nicht Wohlgesonnene letzteres noch von Eigeninteresse motiviert wissen, so ist sein Einsatz für CHKM nicht so banal abzutun, sofern man bereit ist, unvoreingenommen sich der Sache zu nähern.

Warum ich dies schreibe ?

In den letzten Beiträgen ist immer wieder angeklungen, wie schwierig es sein kann, im Wurzelkanal vorhandenes Calciumhydroxid vollständig zu entfernen. Der Laser scheint hier-  das mein Eindruck nach 4 Monaten – sehr hilfreich zu sein. Der Versuchsaufbau ist einfach. Kann der Laser nach Einsatz von Eddy und XPEndo noch Calciumhydroxid aus dem Wurzelkanal entfernen, so ist – und dies geschieht regelmäßig – zumindest der Nachweis erbracht, dass er dazu fähig ist, während die anderen Verfahren dies in der vorgegebenen Zeit nicht vermochten. Bei der Gegenprobe sollte nach Einsatz des Lasers es nicht mehr möglich sein, mit Eddy und XPEndo noch Calciumhydroxid aus dem Kanal zu befördern. Auch dies gelingt routinemäßig.

Es herrscht Einigkeit, das zurückgebliebenes Calciumhydroxid aus unterschiedlichen Gründen als suboptimal und ungewollt anzusehen ist. Weiterhin ist seit vielen Jahren bekannt, dass Calciumhydroxid die ihm zugeschriebenen Eigenschaften nicht in der ihm angepriesenen Form zu erfüllen vermag. Trotzdem  wurde allzuoft, allzu häufig viel zu lange und wird weiterhin mantraartig unreflektiert an diesem Mittel festgehalten, obwohl es EBD basiert deutlich schlechter ist als sein Ruf. Zieht man genau diese EBD heran, wird man feststellen, das CHKM deutlich besser ist als sein Ruf und es erhebt sich die Frage, auf welchen Studien die Abwertung dieses Materials basierten und ob diese Studien einer neutralen Beurteilung mit harten Kriterien heute noch standhalten.

Ist also CHKM deutlich besser als sein gründlich ruinierter Ruf ?
Bevor ich also ein Material verwende, für dessen möglichst vollständige Entfernung als Voraussetzung einer adäquaten Wurzelkanalfüllung ich eines teuren Lasers bedarf, dann möchte ich gerne wissen, ob dieses Material die in es gesetzten Erwartungen erfüllt.

Und welcher Tag – wenn nicht Heilig Abend – wäre besser geeignet, dafür zu bitten, daß im Sinne eines fairen Umgangs mit Menschen und Methoden offen und vorbehaltlos die benötigten Medikamente auf ihre Eigenschaften hin untersucht werden.

In diesem Sinne

Frohe Weihnachten !

 

Disclaimer
Vom Hersteller wurde ein Testgerät des Morita AdvErL Evo Lasers kostenlos für die Dauer des Praxistestes zur Verfügung gestellt.
Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

ÜDay 2016 – Teaser

Von Christoph Kaaden

 

Letzte Woche habe ich hier auf einige Fortbildungen zum Thema Frontzahntrauma verwiesen. Alternativ zu dem Kopenhagen-Termin Ende April 2016 gibt es noch eine weitere Veranstaltung mit interessanten Vortragstiteln

;-)

  • Das Erwachen der Macht“ – Klinische Anwendung eines Lasers in der Endodontie – Hans-Willi Herrmann, Jörg Schröder
  • „Vorsicht Falle“ – Röntgendiagnostik und endodontische Therapie in der Praxis –    Olaf Löffler
  • „Rette mein Lächeln !“ –  Endodontischer Zahnerhalt in der ästhetischen Zone – Christoph Kaaden
  • „Primum non nocere“ – gilt das auch für Patientendaten?  Ein Überblick über relevante Datenschutzvorschriften für die Zahnarztpraxis und praktikable Lösungsmöglichkeiten –  Haya Hadidi
  • Die Patientenaufklärung – Herausforderung und Chance für Behandler
    Was gilt es zu beachten und was sind mögliche Folgen? – Haya Hadidi

Hier ein kleiner Teaser zu einer der Präsentationen

 

Adventskalender 2015 – 22. Dezember

von Hans – Willi Herrmann

Auf den VDW Eddy – eine schallaktivierte Polyamid – Spülspitze –  treffen beide Kriterien zu, die seine Nennung im Adventskalender rechtfertigen. Er kann etwas besser als alles bisherig Verwendete und kommt daher obligat in jedem Fall in unserer Praxis zur Anwendung.

Was kann er besser ?
Die Aktivierung von Spülflüssigkeiten ?

Hier ist die viel beschworene wissenschaftlich untermauerte Evidenz gefragt, diesen Punkt zu klären. Ich als Praktiker kann nur anführen, dass die Flüssigkeiten in Wurzelkanal und Pulpacavum so ordentlich durcheinandergewirbelt werden, dass es zumindest rein subjektiv mit den bisherigen Varianten locker mithalten kann.

Definitiv besser ist aber folgendes: Die Kunststoffspitze macht keine negativen Veränderungen der Kanaloberfläche und sie bricht bei Benutzung so gut wie nie, demnach wesentlich, wesentlich weniger und ist daher wesentlich, wesentlich sicherer als die bis dato so hochgelobten und teilweise diese Eigenschaft im Namen tragenden, aber diesem Anspruch nicht gerecht werdenden Metallspitzen.

Schon mal versucht, solch ein dünnes Metallfragment aus einem vollständig präparierten und vielleicht sogar apikal offenen Wurzelkanal zu entfernen ?

Allein diese Problematik rechtfertigt schon den Einsatz des Eddys.

Woher aber weiss ich so genau, dass der Eddy in dieser Hinsicht deutlich besser ist als alles bisher dagewesene ?

Weil die Idee für den Eddy keine neue ist.
Winfried Zeppenfeld sprach darüber schon vor mehr als 7 Jahren und präsentierte einem überschaubaren Kreis von Kollegen auch als proof of concept eine Anleitung zum Selbstbau, die dementsprechend fleißig genutzt und angewendet wurde.

Kleiner Wermutstropfen.
So schön und praktisch es ist, nun eine industriell gefertigte Variante zu haben, in zwei Aspekten schlägt die DIY- Variante ihren professionellen Nachfolger: Die Materialkosten betrugen nur ein Drittel oder ein Viertel des Eddys und  der Prototyp war sterilisierbar und demnach etliche Male wiederverwendbar.

Disclaimer
Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

 

 

 

Neues von der Messe – Teil 3

von Christian Danzl

Vor der Messe ist nach der Messe. Hier ein paar Eindrücke aus New York. Das Wetter war diesmal sehr angenehm, bis 15° und meist sonnig.

2D vs. 3D (XXXII)

von Ronald Wecker

Der klinisch deutlich dunkel verfärbte und nicht auf elektrischen Reiz reagierende Zahn 12 sollte einer endodontischen Behandlung zugeführt werden.

Im präoperativen Einzelbild imponierte neben einer nicht mit dem Pulpakammerhohlraum in Verbindung stehenden intrakoronalen Aufhellung mit röntgenopakem Randbereich, dass sich die apikale Hälfte der Wurzel von Zahn 13 sehr scharf und ohne die sonst übliche knöcherne Zeichnung darstellt.

Zudem erscheint die apikale Hälfte der Wurzel des 14 zu fehlen. Die Zähne 14 und 13 reagieren positiv auf elektrischen Reiz. Das angefertigte DVT zeigt zum einen das wahre Ausmass der Läsion und einen Zufallsbefund an Zahn 21. Eine klinische Symptomatik besteht nicht. Der Patient ist beschwerdefrei. Die Zähne 13 und 14 zeigen eine normale Beweglichkeit. Die Sondierungstiefen sind unauffällig.

Die Anregung zur endodontischen Behandlung kam vom aufmerksamen überweisenden Kollegen.

Der Behandlungsplan sieht vor, zunächst den Zahn 12 endodontisch zu behandeln. Parallel dazu wird ein erfahrener MKG konsiliarisch einbezogen, der die verschiedenen Behandlungsoptionen mit dem Patienten erörtern wird (chirurgische Intervention mit und ohne vorangehende Dekompression, Defektheilung, augmentative Massnahmen.)

Die Möglichkeit der Vitalerhaltung der Zähne 13 und 14 hat oberste Priorität, scheint jedoch insbesondere am Zahn 14 fraglich zu sein. Zahn 21 bedarf derzeit keiner Therapie. Die negative Sensibilitätstestung stellt keine Indikation für eine endodontische Intervention dar.

An ein zurückliegendes Trauma – die Horizontalfraktur des 21 lässt sich anders kaum erklären – kann sich der Patient nicht erinnern.

Wie hätte die Planung ohne das DVT ausgesehen? Wie hätte die Aufklärung ohne das DVT erfolgen können?

 

2015 Fallvorstellung 2

von Ostidald Wucker

Und noch zwei Fälle aus 2015, welche in meiner Erinnerung hängen geblieben sind.

Bei beiden Fällen haben wir die SAF eingesetzt. Diese gehört seit 2014 zum Standardprotokoll in fast jeder Aufbereitung.
Ausnahmen wären beispielsweise:
– schwer zugängliche Zähne mit geringer Mundöffnung ohne halbwegs geradlinigen Zugang,
– Kanaldurchmesser größer 2mm, bzw. Kanäle in denen die SAF rotieren würde.

Beide Fälle zeigen starke Krümmungen der Zahnwurzeln.

Der erste Fall zeigt ein extrem gekrümmtes Kanalsystem eines unteren Weisheitszahnes. Hier sollte im Überweisungsauftrag der Zahn mit allen Mitteln erhalten werden, da eine Implantation als Alternative nicht in Frage kam.
Die Diagnose lautet: infizierte Pulpanekrose, P. apicalis.
Der Patient wurde über die außergewöhnlich hohe Gefahr der Instrumentenfraktur aufgeklärt und wollte ebenso den Erhaltungsversuch wagen. Die Aufbereitung erfolgte in diesem Fall mit Profile und TwistedFile Instrumenten. Mesiobukkal konnte Patency nicht etabliert werden. Die SAF 1.5 wurde pro Kanal für 4 Minuten auf der gesamten Arbeitslänge nach Aufbereitung bis #25 eingesetzt. Interessant für uns ist die Frage – Wird es zur Heilung trotz fehlender vollständiger apikaler Aufbereitung kommen? Es sieht nicht danach aus.

Im zweiten Fall wurde die apikale Krümmung mit Handinstrumenten und Profilinstrumenten aufbereitet. Die apikale Krümmung konnte  sehr gut mit der SAF bearbeitet werden. Die Aufbereitung distal erfolgte bis #30.
Der Masterpoint distal gelangte überraschend nicht auf die genaue Arbeitslänge. Das Röntgenbild zeigte das Problem. Ein Fragmentenstück der SAF, nicht optisch erkennbar, war die Ursache. Das Entfernen war problemlos unter Einsatz des Eddy und Spüllösung möglich.
An der SAF war selbst haben wir unter mikroskopischer Kontrolle das fehlende Teil nur sehr schwer erkennen können. Bereits vor einiger Zeit haben wir einen ähnlichen Fall beschrieben. Damals konnten wir das apikal gelegene Fragment im Kanal sehen.

 

 

Jahr der Frontzahntrauma-Fortbildungen

Von Christoph Kaaden

Fortbildungen zum Thema Frontzahntrauma sind im Vergleich zu anderen leider rar gesät. Im kommenden Jahr verhält es sich anderes und es bieten sich dem Fortbildungswilligen einige „hochkarätige“ Optionen.

Los geht`s am 09. April 2016. Die Universität Würzburg lädt unter dem Motto:

Frontzahntrauma! Was nun?– herzlich ein.

 

Flyer Traumatagung Würzburg

Unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. G. Krastl (u.a.Zahnunfallzentrum Würzburg) sollen „in diesem Seminar Wege aufgezeigt werden, die die eigene Praxis zu einem Teil eines FZT-Netzwerkes machen, das sich mit allen Aspekten des FZT befasst. Ansprechen werden sollen alle, die aus ihren Bereichen wie Kinderzahnheilkunde, Chirurgie oder Endodontie Erfahrung im Umgang mit FZT haben und für Kollegen/innen in der näheren Umgebung zu einer/einem Ansprechpartin/Ansprechpartner oder der Anlaufstelle für einen professionellen Umgang mit Frontzahntrauma-Patienten/innen werden.“

Sicherlich eine sehr gute Idee, die hoffentlich sehr viel Zuspruch und Unterstützung erfährt.

 

Zum Ende des gleichen Monates findet dann eine weitere hochkarätige Fortbildung zum Thema >Treatment Challenges in Dental Traumatology< in Kopenhagen/Dänemark statt. Etliche international renommierte Referenten berichten dann über behandlerische Herausforderungen in der dentalen Traumatologie.

Traumatagung Kopenhagen 2016

Näheres zu den genauen Themen finden Sie hier.

Und das absolute Highlight folgt dann im Zeitraum vom 11.-13 August 2016. Dann lädt die IADT zur internationalen Traumatagung nach Brisbane, Australia ein.

Für uns Europäer nicht gerade der nächste Weg, aber das Programm weiss zu überzeugen…

IADT Tagung in Brisbane

Dies finden sie hier sowie hier nähere Informationen zu den Hauptrednern.

Vielleicht begibt sich ja der ein oder andere von Ihnen nach Down Under.

Ich hoffe also möglichst viele der WURZELSPITZE Leser auf einer dieser tollen Veranstaltungen zu treffen. Sollten Sie noch weitere lohnenswerte Veranstaltungen zu dieser Thematik kennen bitte ich Sie die Kommentarfunktion zu nutzen…

Adventskalender 2015 – 15. Dezember

von Hans – Willi Herrmann

Letzte Woche habe ich das Kriterium für die Aufnahme eines Hilfsmittels in die Kategorie „Adventskalender 2015“ benannt: die regelmäßige, sprichwörtlich tagtägliche, oder gar obligate Anwendung.

Es gibt aber noch ein anderes Kriterium, das zur Aufnahme berechtigt: Wenn ein Hilfsmittel irgendetwas besser kann als alle bisherig verwendeten.

Dies trifft auf das FKG XPEndo– Instrument zu.

Eine sehr dünne, sehr flexible NiTi- Schlaufe, die nicht der Aufbereitung, sondern der Reinigung dient.

Das Handling ?
Gewöhnungsbedürftig.

Wobei, stimmt nicht ganz.
Das Handling im Wurzelkanal ist einfach.
Rotieren lassen, 900 RPM, immer im Kanal auf und abbewegen.
Fertig.

Gewöhnungsbedürftig ist das Einführen in die Wurzelkanäle.
Weil das Instrument im Urzustand gerade ist, sich aber nach Herausnehmen aus der Kunststoffröhrchen- Zwangsverpackung krümmt und dadurch das Einführen in den Wurzelkanal erschwert wird. Es wird die Anwendung von Kältespray empfohlen, um das „transforming“ zeitlich zu verzögern.  Anfangs müht man sich auf diese Weise beflissentlich ab, um dann irgendwann dazu überzugehen, auf dieses „Vorbereiten“ ganz zu verzichten und durch Ausrichten der Instrumentenspitze zum Kanaleingang hin das Einführen des Instrumentes zu ermöglichen. Klappt in der Regel wesentlich besser als das Crypto- Management und geht wesentlich schneller.

Aber warum der ganze Aufwand ?

Weil – ich mit Calciumhydroxid arbeite.

Und jeden, der dies tut und – nach mehreren Minuten  Ultraschall- oder schallaktiviertem Spülens  durch das Dentalmikroskop in die Tiefe des Wurzelkanals blickt, um dann immer noch weiß nach oben blitzend CaOH2 Reste im Kanal vorzufinden- der Frust packt.

Selbst der Eddy kann daran nichts grundsätzlich ändern.
Genaueres dazu beim nächsten Mal, denn natürlich gehört er ebenfalls in diesen Adventskalender, aber Fakt ist.  Es kommt immer wieder vor, dass selbst nach 60 Sekunden Beschallung eines Kanals sich, je nach Kanalanatomie, immer noch Calciumhydroxidreste vorfinden lassen.

Oder – jetzt kommt das XPEndo- Instrument ins Spiel – sich mit Hilfe dessen noch Calciumhydroxidreste aus dem Kanal befördern lassen.

Großes Plus.

In die andere Waagschale muss allerdings der stolze Preis von rund 31 Euro pro Instrument geworfen werden. Da erscheinen plötzlich die 5 Euro für einen Eddy- Ansatz fast schon vernachlässigbar gering.

Aber es ist natürlich genau umgekehrt.
Wenn man bei einem Spülansatz wie dem Eddy die Frage der Wirtschaftlichkeit in den Raum stellt, ja angesichts seines Preises stellen muss, dann braucht über das XPEndo- Instrument gar nicht weiter nachgedacht werden. Eigentlich schade, denn es kann was.

Aber selbst für mich als Hardcore- XPEndo Fan und bei aller Sympathie für das Instrument, ist dieser Gedankengang des „Sorry, aber das ist zu teuer und das zahlt mir keiner“ nachvollziehbar.

Irgendwann, irgendwo, irgendwie ist auch für den leidensfähigsten Hiob die Grenze des „Die Materialien gehen im Honorar auf, weil  im Vergleich zur Gesamtsumme vernachlässigbar gering“ weit überschritten.

Dabei wäre die Lösung des Problems ebenso einfach wie naheliegend.
Und es ist, für den Falladaschen „Kleinen Mann“ und dessen gesunden Menschenverstand nicht nachvollziehbar, warum diese Dinge in die noch nicht allzulang zurückliegende GOZ 2012 – Reform nicht integriert wurden:

Es bedarf  einer aufwandgerechten Vergütung der dem Patientenfall geschuldeten Materialien. Kostenneutral selbstverständlich, aber die Auslagen des benötigten Materialbedarfs sollten gedeckt sein.

Jeder, wirklich jeder Handwerker hat dies.
Eine Schraube, eine Schelle, ein Rohr, jedes benötigte Kleinteil.
Was verwendet wird, wird berechnet.

Warum auch nicht ? Und dazu kommt der aufwandspezifische Arbeitslohn. Fertig ist die Laube.

Trägt im Übrigen zur Kostentransparenz bei. Und kein Handwerker und erst recht nicht der Kunde käme auf die Idee, diese Kostentransparenz aufzugeben gegenüber eines Pauschalhonorares, in dem alle verwendeten Materialien im Arbeitslohn aufgehen.

Ich stelle mir gerade die kürzlich im Rahmen unseres Praxisumbaus in Anspruch genommenen Elektro – und Sanitärinstallateure vor, wenn ich Ihnen den Vorschlag gemacht hätte, für ihre Arbeit ein Pauschalhonorar zu zahlen, in dem auch noch alle verwendeten Materialien abgegolten seien. Die Berechnung des Pauschalhonorares ergäbe sich aus der durchschnittlichen Schwierigkeit aller Arbeiten dieses Typus und man ginge davon aus, dass pro Jahr nur eine bestimmte Anzahl dieser Arbeiten anfallen würden.

Es könne und würde demnach im Einzelfall nicht garantiert werden, dass die in unserer Praxis geleistete Arbeit durch das entsprechend vorab festgelegte Honorar adäquat vergütet würde. Müsse es auch nicht, der Handwerker habe ja im nächsten Fall, beim nächsten Kunden die Chance, mit dem vorab und grundsätzlich vereinbarten Pauschalhonorar besser hinzukommen.

One more thing.
Wie Inspektor Colombo.
Er war schon fast aus dem Zimmer, sie kennen das, „eine Sache hab´ich noch“.  Ganz beiläufig eine letzte Finte gesetzt, die Verdächtigen aufs Glatteis geführt:

Sollte gegen Ende des Jahres auf Grund hoher Inanspruchnahme vieler Kunden die Anzahl der zugeteilten Arbeiten überschritten werden, dann müsse der Handwerker diese Arbeiten umsonst oder mit reduziertem Honorar erbringen. Aufträge ablehnen, was in einem solchen Falle naheliegend wäre, dürfe er  nicht. Falls Reparaturen notwendig seien, dann müsse er diese auch durchführen. Selbst wenn dies bedeutet, auf sein Honorar zu verzichten und  darüber hinaus alle entstehenden Kosten aus eigener Tasche zu zahlen.

Und jetzt stellen sie sich bitte das Gesicht der Handwerker vor, wenn ich Ihnen dies, ohne eine Miene zuverziehen, allen Ernstes vorschlagen würde.

Nur für einen kurzen Moment.
Lassen sie das Szenario auf sich wirken.
Was denken die wohl ?

Jetzt bin ich aber ganz schön abgewichen.
Wie kamen wir eigentlich auf das Thema ?

Richtig. XPEndo.
31 Euro pro Einmalinstrument.

Ich prophezeie, das Instrument wird, um beim Medium Fernsehen zu bleiben und mit Frau Geiss zu sprechen, verkaufszahlenmäßig in Deutschland „nicht der Burner“.
Ich sag´s noch mal: Eigentlich schade. Das Instrument kann was.

Disclaimer
Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

 

 

 

 

 

Neues von der Messe – Teil 2

von Christian Danzl

Zwei weitere interessante Dinge sind mir auf dem GNYDM noch aufgefallen.

Zum einen ein Behandlungs-Klappstuhl. Ein durchaus stabil aussehender Behandlungsstuhl für den Patienten aus Alu-Profil mit integriertem Schwebetray und – mehr oder weniger eleganter – Op-Leuchte.
Mit einem mobilen Behandlungscart und einer mobilen Absaugung kann schnell mal eine Behandlungseinheit improvisiert werden. Interessant für Hausbesuche, daheim, in Krankenhäusern, in Senioren- und Behindertenheimen.

 

 

Zum anderen ein Matrizensystem von Walser-Dental aus Radolfzell (nein, auf der IDS bin ich nicht drauf gestossen). Ein automatisches System mit vielen verschiedenen Matrizen (ganzer Zahn oder Approximalbereich), die sich mit Federwirkung von selbst an den/die Zahn/e anpassen.
Nach Angaben am Messestand, sind die Matrizen ca. 50 bis 100 mal verwendbar. Ob ein akzeptabler Approximalkontakt erzielt werden kann, weiss ich nicht.

 

Set mit Matrizen für verschiedenste Aufgaben

 

Anwendungsvideos hier.

 

Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

Mal wieder Trauma …

von Ronald Wecker

… und mal wieder wäre es für die Pulpa des hier betroffenen 11 vielleicht vorteilhaft gewesen, wenn die Informationen zu möglichen Behandlungsoptionen in der nach dem Unfall aufgesuchten Praxis verfügbar gewesen wären.

AcciDent oder der DentalTraumaGuide hätten die optimale Behandlung „gewusst“.

So kam es, dass obwohl der junge Patient (14J.) 20 Minuten nach der komplizierten Kronenfraktur in zahnärztlicher Behandlung war, das koronale Fragment (obwohl noch am Retainer „baumelnd“) jedoch verworfen und die vitale  Pulpa exstirpiert wurde.

Mit einer Pulpotomie , einer Abdeckung mit einem biokeramischen Material und einem Reattachment des koronalen Fragmentes hätte der Defekt farb- und formkongruent versorgt werden können. Ob die Pulpa langfristig vital geblieben wäre, ist nicht sicher, aber ein Versuch wäre es wert gewesen.

So waren die Weichen für die endodontische Behandlung gestellt.

 

2015 Fallvorstellung 1

von Ostidald Wucker

Das Jahr 2015 geht dem Ende entgegen und es ist an der Zeit die Fälle des Jahres 2015 noch einmal vorüberziehen zu lassen. Manche Fälle werfen Fragen auf, die nicht einfach zu klären sind, obwohl auf den ersten Blick alles gut aussieht.

Beginnen möchte ich mit dem Fall eines unteren Prämolaren.
Die Hauszahnärztin hatte mir ein Röntgenbild zugesandt und sofort wurde mein Interesse geweckt. Einen dreiwurzeligen unteren Prämolaren sieht man nicht so oft und wenn, dann meistens im Stadium der völligen Unversehrtheit. Dieser nun war bereits anbehandelt und sollte revidiert werden.
Der Patient hatte akute Beschwerden. Nachdem wir ihm in der ersten Sitzung schmerzfrei behandelt hatten haben wir in einem Beratungsgespräch auf entstehende Kosten und Folgen, sowie Alternativen der Behandlung hingewiesen. Nach einer längeren Bedenkzeit wurde die Behandlung durchgeführt.

In der ersten Behandlung stellten wir die Aufzweigung des Hauptkanals im apikalen Drittel dar. Ziel war den möglichst geradlinigen Zugang zu jedem Kanal zu gewährleisten. Der distolinguale Kanal war bereits anbehandelt. nach der Sondierung mit einer #10 K Feile haben wir die apikalen Kanäle mit der Profile 15.04 rotierend, pickend aufbereitet. Nach der Erweiterung bis #25 erfolgte der Einsatz der SAF 1.5.
In der Masterpointaufnahme fiel mir der nicht zentral gelegene Kanalverlauf mesiobukkal auf. Ein nochmaliges Sondieren brachte keine Hinweise auf einen anderen Kanalverlauf.

Im abschließenden Röntgenbild ist eine unbehandelte Struktur zu vermuten. Diese habe ich rot auf dem Röntgenbild gekennzeichnet.

Warum wurde diese Struktur nicht aufbereitet, bzw. gefunden?
Hat ein zu forcierte Einsatz der Profile 15.04 zu einer Kanaltransportation oder statt der Aufbereitung des Hauptkanals zu Aufbereitung eines Seitenkanals geführt?
Wie wäre das zu vermeiden?
Vielleicht mit der bereits hier erwähnten Technik des Sondierens mit einer an der Spitze vorgebogenen Profile 15.04 (nicht rotierend), bzw. bei verblockten Kanälen
mit der Technik von Cliff Ruddle durch pickende Bewegungen ohne Rotation mit eine #8/#10er C-Pilot-Feile, ebenfalls leicht vorgebogen.

Das DVT lässt den Schluss zu, daß der Kanalverlauf richtig eruiert wurde. Allerdings könnte es noch unbehandelte Kanalanteile geben (blaue Pfeile), oder zeichnet sich das parodontale Ligament ab (roter Pfeil).
Wie ist Ihre Meinung?

Leider liegen uns keine weiteren Recallaufnahmen vor, da der Patient alle Aufforderungen zum Recall ignorierte und uns nur mitteilte, daß alles wunderbar sei.

Neustart (XV) – Praxisbekleidung – update

Von Christoph Kaaden

Vor ca. 15 Monaten habe ich hier über unsere neue Praxisbekleidung der Firma Stoiber berichtet. Nach diesem Zeitraum möchte ich ein persönliches Fazit ziehen…

Und dies fällt mehr als positiv aus.

Auch nach über einem Jahr sehen insbesondere die weissen Polohemden inklusive Stickereien (quasi) aus wie neu. Von Verschleiss keine Spur.

Praxisteam -Endodontie in München- mit Praxishemden der Firma Stoiber

Etwas anderes verhält es sich mit den dunkelblauen Hemden (die ich zusätzlich neben gelben für mich bestellt habe). Hier sieht man ein leichtes Verblassen des ursprünglichen Farbtons. Diese Entfärbung fällt aber sehr sehr moderat aus.

Von uns gibt es also – 2 Daumen hoch- für diese spitzen Praxisbekleidung, die wir uneingeschränkt empfehlen können.

 

Adventskalender 2015 – 08. Dezember

von Hans – Willi Herrmann

Die Wave One Gold Instrumente habe ich letzte Woche hier erwähnt.
Als Newcomer 2015, der es geschafft hat, sich in der Praxis zu etablieren.
Einen Stammplatz zu erobern.
Regelmäßig eingesetzt werden.

Wenn diese Kriterien dazu herangezogen werden, sich hier eine Erwähnung in dieser Rubrik zu sichern, dann hat es das nächste Gerät auf jeden Fall geschafft.
Weil es nämlich, seit März, seit der IDS 2015, in jedem einzelnen Endo- Fall bei uns in Verwendung ist.

Augenfälliges Design- Merkmal – Es ist kabelos.
Und damit (nachdem mit dem Maillefer XSmart iQ / VDW Connect Drive wir nun über ein akkubetriebenes Reciproc- Winkelstück verfügen) das letzte fehlende Puzzleteil, ergonomisches Endodontie-Arbeiten unter dem Dentalmikroskop betreffend.

https://wurzelspitze.blog/wp-content/uploads/2015/03/meta_genesys-1.jpgDie Rede ist von Meta Biomeds Genesys– Backfill- Gerät. Erste Erfahrungen gabs hier.

Und in diesen Beiträgen ist schon viel gesagt worden, die Beweggründe betreffend, warum ich als alter Hase mich überhaupt auf einen Newcomer eingelassen habe, und wie das Gerät sich in der Praxis bewährt hat.

Daher hier – am Ende des Jahres- nur ein kurzes Fazit, den nun schon 8 Monate währenden Test betreffend.

Einwandfrei.
Keine Beanstandungen bislang.
Eventuelle Befürchtungen, Heizverhalten und Akkukapazität betreffend, haben sich nicht bewahrheitet.

Und ergonomisch mit Abstand besser als alles andere, was es bisher gab.
Kein lästiges Aufbauen, keine Kabel, die im Weg hängen und zur Benutzung von der Assistenz aus dem Weg gehalten werden müssen.

Es macht Spass, damit zu arbeiten.
Mein Rat: Wer gegenwärtig ein neues Backfill- Gerät benötigt, der sollte sich auf jeden Fall das Meta Biomed Genesys Backfill anschauen, bevor er eine Kaufentscheidung trifft.

Disclaimer
Vom Hersteller wurde ein Testgerät sowie 10 Kartuschen kostenlos für die Dauer des Praxistestes zur Verfügung gestellt. Weitere Kartuschen wurden von mir käuflich erworben.
Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

 

Neues von der Messe – Teil 1

von Christian Danzl

 

 

 

 

 

 

Vom 27. November bis zum 2. Dezember fand wieder das GNYDM, Greater New York Dental Meeting statt.
Im Grunde eine Dentalmesse, wie jede andere auch, aber es gibt dort Dinge, die in Europa nicht – oder nur sehr schwer – zu bekommen sind. Ob man sie jedoch braucht, ist eine andere Frage.

Diesmal war der asiatische Markt (oft mit „Wühltisch“ zum günstigen Direkktauf) sehr stark vertreten, auch der Trend zum DVT/3D-Röntgen war nicht zu übersehen. Sehr viele Hersteller haben ihre neuen DVTs präsentiert.
Was allerdings auffällig war, dass die Diskussion über den Zusatznutzen nicht so übereifrig diskutiert wird, wie bei uns in Deutschland, wo zwar fast jeder wegen Knieschmerzen sofort ins CT kommt, aber …..Egal, das ist nicht das Thema hier.

Bahnbrechende Neuerungen habe ich auf der Messe nicht gesehen. Hier einige interessante Sachen:
Meta Biomed hat einen All-in-one Endo-Motor vorgestellt (Aufbereitung mit simultaner Längenmessung, Ultraschall und Warmabfüllsystem) vorgestellt – ähnlich dem Schlumbohm EndoPilot.  Ob er in Deutschland erhältlich sein wird, weiss ich nicht.

 

Sheer-Vision hat mit der Firefly ein kabelloses Lupenbrillenlicht präsentiert, es ist eine „kleine Taschenlampe“, ca. 5 cm lang, die auf einem Halter auf der Lupe eingeklickt wird und durch Drehen der Lampe im Halter aktiviert wird. Wenn der Akku leer ist wird jeweils die ganze Lampeneinheit gewechselt.

 

Und mein „Favorit“, die iBrush 360, eine vollrotierende Zahnbürste. Hat mich eher an eine Schmutzmaschine aus dem Hotel erinnert ;-)

Ach ja, und genau wie bei uns, die meisten Besucher waren immer dort, wo es gratis Zahnbürsten und Prophylaxebedarf gab.

Vertucci Typ VII

von Ronald Wecker

Das Kanalsystem oberer Prämolaren wird gelegentlich in ihrer Komplexität unterschätzt.

Dieser 25 wies eine Anatomie entsprechend des Typ VII der VERTUCCI-Klassifikation auf.

Ein schlitzförmiges Kanalorificium teilte sich im mittleren Drittel in zwei eigenständige Kanäle auf um sich 3 mm tiefer wieder zu vereinen, um sich auf den apikalen 2,5 mm wieder zu teilen und in 2 getrennten Foramina zu enden.

Das präoperative DVT lässt die apikale Aufgabelung und die bereits nach periapikal verbrachte Guttapercha erkennen. Ein Umstand, der angesichts der Nähe des Sinus maxillaris, welcher die Behandlungsstrategie und Technik sowohl hinsichtlich der Aufbereitung- als auch der Spültechnik entscheidend bestimmte.

Nach Darstellung der ersten Aufgabelung konnte ein Microopener gezielt so vorgebogen werden, dass er, wenn er im bislang nicht aufbereiteten palatinalen Kanal eingebracht wurde, im bukkalen Kanalsystem eine Bewegung des dort verbliebenen Obturationsmaterials hervorrief.

Daraufhin wurde mittels Endosonorefeile die zwischen P und B gelegene Dentinbrücke entfernt, um die apikale Region einsehen zu können. Überraschenderweise konnte ein bis dahin unentdecktes Instrumentenfragment aus dem Bereich unterhalb der ehemaligen Dentinbrücke herausgespült werden

Nach Darstellung der apikalen Aufgabelung wurde mit Hilfe von im Durchmesser allmählich zunehmenden Hedströmfeilen das letzte und zum Teil periapikal gelegene Guttaperchastück nach koronal entfernt. Dabei erscheint es wichtig, die Guttapercha zunächst unter endometrischer Kontrolle zu passieren, sie dann mit den größeren Hedströmfeilen zu erfassen und nach oben hin zu entfernen.

Die Obturation erfolgte in modifizierter Schilder-Technik. Das gesamte Kanalsystem ergab nach Abschluss der mechanischen Aufbereitung einen langen schmaler Schlitz mit apikaler Aufgabelung.

Lateraler Kanal (2)

von Ostidald Wucker

Im dem hier erstmals besprochenen Fall war das Auffinden des lateralen Kanals durch eine  starke Reizdentinbildung erschwert.
Der HZA versuchte den Wurzelkanal zu finden. Nach mehreren erfolglosen Versuchen wurde der Patient uns überwiesen.

Trotz des DVT und des im Röntgenbild zu vermuteten Kanals haben wir mehr als 60 Minuten gebraucht den „Abzweig“ darzustellen, bzw. aufzufinden.
Ohne die 3-dimensionale Information wäre eine gezieltes Auffinden des Kanals unmöglich gewesen.
Nach Entfernung des Reizdentins und der apikalen Aufbereitung erfolgte die Darstellung des lateralen Kanals. Die Sondierung gelang deutlich einfacher mit einer vorgebogenen Profile 15.04 als mit vorgebogenen Handinstrumenten. Die Aufbereitung des lateralen Kanals erfolgte mit Profile Instrumenten bis zur #20. Ein weitere, etwas apikaler gelegene Vertiefung konnte nicht weiter verfolgt werden.
Nach US aktivierter Natriumhypochloritspülung und dem Einsatz der SAF 2.0 im Hauptkanal mit Zitronensäure und NaOCl erfolgte die Wurzelfüllung in thermisch-vertikaler Obturationstechnik.
Ob der Versuch der gezielten, minimalinvasiven Aufbereitung und Desinfektion des lateralen Kanals gelang werden wir nachverfolgen und hier einstellen.

Anbei die klinischen Bilder und Röntgenaufnahmen.

 

Misserfolg nach Revitalisierung

Von Bonald Decker

“Gefühlt” haben wir in den letzten Jahren ca. 25 Revitalisierungsbehandlungen vorgenommen. Eine ganze Reihe dieser Therapien resultierten in den gewünschten Zunahmen an Wurzellänge und Wanddicke des entsprechenden Zahnes. Für mich ein echter “Erfolg”.

So wie in unserem absoluten „Prime“-Fall hier

Aber wir hatten auch eine Reihe von Fällen, in denen sich radiologisch keine Veränderung des Wurzelwachstums erkenne liessen. Hier zur Erinnerung ein solcher Fall.

Mit den Ergebnissen war ich bisher trotzdem zufrieden, da durch die Behandlungen immer die Symptome verschwanden und sich der apikale Befund (deutlich) verbesserte…

Mir sind aber auch kritische Stimmen zu dieser Therapie bekannt, da diese nicht vorhersagbar anschlägt…

vor Kurzem war es nun „auch“ bei uns so weit…

der oben gezeigte Fall des Stillstand wandelte sich zum Misserfolg.

Hier noch kurz die Eckdaten des Falles:

 

Abschluss nach MTA-Apexifikation

Ein solcher primärer Misserfolg lässt mich auf jeden Fall wieder demütiger mit dieser Thematik umgehen.

Hatten Sie ggf. schon ähnliche Erfahrungen nach Revitalisierung?

P.S.: Bei der Wiedereröffnung des Zahnes im Notfalltermin fand sich intrakanalär kein eingesprosstes Gewebe o.ä. Das Kanalsystem war quasi komplett leer…

P.P.S.: Es ist noch eine Bleaching geplant, daher habe ich bisher auf einen Glasfaserstift verzichtet…

Adventskalender 2015 – 1. Dezember

von Hans – Willi Herrmann
Ich möchte auch in diesem Jahr die Adventszeit zum Anlass nehmen, Geräte/Instrumente/Materialien, die sich in unserer endodontischen Praxis besonders bewährt haben, auszuzeichnen. Das Augenmerk liegt dabei besonders auf den Newcomern, also denjenigen Dingen, die 2015 erstmalig bei uns zum Einsatz kamen und die wir  innerhalb kürzester Zeit so ins Herz geschlossen haben, dass wir nicht mehr darauf verzichten wollen.

Eröffnen möchte ich den bunten Reigen (im Hintergrund läuft gerade im Radio Ponchiellis Tanz der Stunden aus  „La Giaconda“; das bewirkt zwangsläufig die blumigen Redewendungen) mit den Wave One Gold – Instrumenten der Firma Maillefer.

Über die Vorzüge dieser Instrumente habe ich im September, unter anderem mit beigefügtem Video hier berichtet und in jenem Artikel auch schon eine Reihe von Gründen genannt, warum ich diese Instrumente so schätze. Seitdem sind weitere 3 Monate vergangen und die Wave One Gold haben ihren Stammplatz im Team weiter ausgebaut. Zu Lasten der VDW MTwo- Instrumente, wohlgemerkt, mit denen ich seit nunmehr bald 12 Jahren standardmäßig arbeite. Und das alleine ist schon einmal eine Ansage.

An zwei Beispielen der letzten Woche möchte ich den besonderen Nutzen herausstellen:

Zum einen behandelte ich einen Unterkieferprämolaren mit einem im zentralen Kanal tiefer intrakanalär abgehenden zweiten lingual gelegenen Kanal.  Ich habe ein gelbes Wave One Gold- Instrument vorgebogen und bin dann tastend im Kanal nach unten, bis ich das Instrument mit der Spitze in den Kanaleingang einführen konnte.  Bei deutlichem  Widerstand erfolgte dann die Betätigung des Anlassers und los ging es mit der maschinellen Aufbereitung. Weitere Instrumente nun einzuführen ist von nun an nach dieser initialen Bearbeitung deutlich einfacher möglich, wenngleich weiterhin die vorgebogenen größeren Wave One – Instrumente von Vorteil sind. Auf konventionellem Wege hätte ich hier deutlich weiter nach vestibulär aufziehen müssen. Auch die maschinelle Aufbereitung wäre deutlich schwieriger gewesen.

Zweiter Fall.
Ein Zahn 27 bei extrem eingeschränkter Mundöffnung und extrem geringer interokklusaler Distanz. Selbst Instrumente von 21 mm Arbeitslänge liessen sich nicht einführen, weder mit Handstück noch von Hand. Hier war guter Rat teuer. Letzendlich war es möglich, die Wave One Gold Instrumente vorzubiegen, um dann unter Sicht die Instrumentenspitze des gebogenen Instrumentes in den Kanaleingang einzulochen. Danach erfolgte wieder die Betätigung des Anlassers und die maschinelle Aufbereitung der Wurzelkanäle. Es ist in diesem Zusammenhang im Übrigen sehr erfreulich , dass die Aufbereitung bis 35/100 mm mit 3 Instrumenten durchgeführt werden konnte. In solche schwierigen Situationen ist jedes Instrument, das nicht benutzt werden muss, ein riesiger Vorteil.

Eingehen möchte ich noch auf folgende Fragen, die ich in diesem Beitrag zur IDS 2015- Neuheit „Wave One Gold“in den Raum gestellt habe:

„Bliebe nun der Acid- Test: Die Bewährung in der tagtäglichen Praxis.

Ist Wave One Gold genauso fehlerunanfällig wie Reciproc ?
Genauso wenig bruchanfällig ?
Was ist in den Fällen, in denen Reciproc nicht/nicht optimal auf Arbeitslänge geht ?
Wird Wave One Gold hier eventuelle Vorteile ausspielen können ?“

Nach mehr als einem halben Jahr tagtägliches Arbeiten mit diesen Instrumenten kann ich sagen: Es kam bislang zu keiner Instrumentenfraktur eines Wave One Gold- Instrumentes. Ich persönlich halte die VDW Reciproc 25- Instrumente für weniger bruchanfällig als die Wave One Gold 20 und 25.

Bislang klinisch zum Tragen kam dies nicht.
Ich rate aber dennoch sicherheitshalber dazu, in schwierigen Kanälen die Instrumente während der Benutzung routinemäßig auf Aufdrehung hin zu untersuchen (kommt immer mal wieder  in schwierigen Kanälen vor) und dann gegebenenfalls auszutauschen.

In Fällen, in denen eine VDW Reciproc 25 nicht auf Arbeitslänge geht, leisten die gelben und roten Wave One Gold – Instrumente gute Dienste. Diese Art der Hybrid- Technik ist zur Routineanwendung in unserer Praxis geworden.

Ich möchte nicht mehr darauf verzichten wollen.