von Hans – Willi Herrmann
Ein Türchen des diesjährigen Adventskalenders, das größte, ist noch ungeöffnet.
Es ist in diesem Jahr einem Gerät gewidmet, dem ich in über 20 Jahren intensiver Beschäftigung mit der Endodontie bislang keine besondere Bedeutung beigemessen habe.
Die Rede ist von der Gerätegruppe der Laser, die seit 1988 in meinem zahnmedizinischen Kosmos bekannt sind. Damals wurde, in etwa zeitgleich mit dem ersten CEREC- Gerät an der Uni Mainz der ADL – Laser vorgestellt. Keine Ahnung, ob es die Firma überhaupt noch gibt, Fakt ist jedoch, dass dem Laser (der in jedem Bereich der Zahnmedizin als Ei des Kolumbus (was sonst) beworben wurde) bislang der entscheidende Durchbruch verwehrt blieb.
Weil all die angepriesenen Vorteile (man muss nur die bis vor kurzem veröffentlichten entsprechenden Studien für den Endo – Bereich, – für andere Teilbereiche der Zahnmedizin ist es ähnlich – genau lesen, um zur Erkenntnis zu kommen, dass) sich auf konventionellem Wege mit gleichen oder besseren Ergebnisse erreichen lassen. Teils mit deutlich weniger Zeit, deutlich weniger Aufwand, aber vor allem immer ohne die teilweise immens hohen Kosten für das Gerät ans sich und seinen Unterhalt.
Im Rahmen meiner assistenzzahnärztlichen Tätigkeit hatte ich kurz nach dem Studium die Möglichkeit, mehr als ein Jahr mit einem Neodym YAG – Laser zu arbeiten. Die gemachten Erfahrungen bestätigten meine bis dato Einschätzung. Seit dieser Zeit beschränkten sich meine Berührungspunkte auf das Lesen entsprechender Studien, die allesamt suboptimal ausfielen und auf die Beurteilung der Ergebnisse von Patientenfällen, bei denen Laser alio loco eingesetzt wurden. Bedauerlicherweise trugen auch diese nicht dazu bei, dass bestehende Urteil, die Laseranwendung betreffend, zu revidieren.
Im Gegenteil.
Dann kamen Artikel und Studien David Jaramillos zu PIPS und vor allem sein Vortrag auf der DGET Jahrestagung 2014 in Hamburg.
Und damit REM – Bilder von absolut sauberen Dentintubuli.
Ein bisher nicht dagewesener Quantensprung, die Wurzelkanalreinigung betreffend.
Jetzt wissen wir alle, inwieweit selektiertes Bildmaterial ein in vivo nur suboptimal vorhandenes Ergebnis vortäuschen kann. Allerdings erweckt Jaramillo nun ganz und gar nicht den Eindruck, hier wieder einmal profitorientiert den Laser in die Zahnmedizin einschleusen zu wollen, sondern – im Gegenteil und insbesondere wenn man mehrmals die Gelegenheit hatte, ihn persönlich kennenzulernen er macht den Eindruck des integren und engagierten Wissenschaftlers.
Für mich stand danach fest, ich wollte den Laser für den Bereich Endo ausprobieren.
4 Monate hatte ich die Möglichkeit, den Erbium Yag- Laser AdvErL Evo der Firma Morita in der Praxis einzusetzen.
Längst nicht auch nur annähernd genug Zeit, um ein Fazit stellen zu können, will man nicht nur dem Laser, sondern vor allem der Gesamtsituation im Sinne einer umfassenden praxisrelevanten Bewertung gerecht werden zu wollen.
Wenn wir allerdings davon ausgehen, dass der Vorteil der maschinellen NiTi- Aufbereitung der letzen 20 Jahre in der verbesserten Formgebung und effizienteren Aufbereitung zu sehen ist, die Reinigungsleistung jedoch ähnlich schlecht einzustufen ist wie mit Handinstrumenten und wenn wir weiter dem altbekannten bon mot Bedeutung beimessen, dass es nicht so sehr darauf ankommt, was in den Wurzelkanal abschließend eingebracht, sondern vielmehr, was im Vorfeld herausgeholt wird, dann zeigt nachfolgendes Video exemplarisch den Wert des Morita AdvErL Evo Lasers, die Wurzelkanalreinigung betreffend. Im Video sieht man den Zustand das Wurzelkanals nach maschineller Aufbereitung. Was dann, durch Einsatz des Lasers, an Debris noch aus dem Kanal herauskommt, ist nicht anders als ungemein beeindruckend zu bezeichnen.
Themenwechsel und Gedankensprung.
Vergleichsweise unbemerkt – betrachtet man sein weithin bekanntes „lautes“ Auftreten – wird Ende dieses Jahres ein engagierter Zahnerhalter die zahnärztliche Bühne verlassen.
Wenige werden dies bedauern.
Dafür hat er sich mit der ihm eigenen Art (er sagte mir mal, „Wenn ich in ein Zimmer möchte, dann nehme ich nicht die Tür, ich nehme den Vorschlaghammer und schlage die Wand ein“ zu viele Sympathien verscherzt.
Dennoch wird er fehlen.
Die Rede ist von Rüdiger Osswald.
Ein sicherlich oft unbequemer aber nicht desto trotz in der Sache wichtiger Streiter für den (endodontischen) Zahnerhalt. Er gehörte zu den wenigen, die sich dem wissenschaftlichen und politischen Mainstream energisch widersetzten. Mögen ihm nicht Wohlgesonnene letzteres noch von Eigeninteresse motiviert wissen, so ist sein Einsatz für CHKM nicht so banal abzutun, sofern man bereit ist, unvoreingenommen sich der Sache zu nähern.
Warum ich dies schreibe ?
In den letzten Beiträgen ist immer wieder angeklungen, wie schwierig es sein kann, im Wurzelkanal vorhandenes Calciumhydroxid vollständig zu entfernen. Der Laser scheint hier- das mein Eindruck nach 4 Monaten – sehr hilfreich zu sein. Der Versuchsaufbau ist einfach. Kann der Laser nach Einsatz von Eddy und XPEndo noch Calciumhydroxid aus dem Wurzelkanal entfernen, so ist – und dies geschieht regelmäßig – zumindest der Nachweis erbracht, dass er dazu fähig ist, während die anderen Verfahren dies in der vorgegebenen Zeit nicht vermochten. Bei der Gegenprobe sollte nach Einsatz des Lasers es nicht mehr möglich sein, mit Eddy und XPEndo noch Calciumhydroxid aus dem Kanal zu befördern. Auch dies gelingt routinemäßig.
Es herrscht Einigkeit, das zurückgebliebenes Calciumhydroxid aus unterschiedlichen Gründen als suboptimal und ungewollt anzusehen ist. Weiterhin ist seit vielen Jahren bekannt, dass Calciumhydroxid die ihm zugeschriebenen Eigenschaften nicht in der ihm angepriesenen Form zu erfüllen vermag. Trotzdem wurde allzuoft, allzu häufig viel zu lange und wird weiterhin mantraartig unreflektiert an diesem Mittel festgehalten, obwohl es EBD basiert deutlich schlechter ist als sein Ruf. Zieht man genau diese EBD heran, wird man feststellen, das CHKM deutlich besser ist als sein Ruf und es erhebt sich die Frage, auf welchen Studien die Abwertung dieses Materials basierten und ob diese Studien einer neutralen Beurteilung mit harten Kriterien heute noch standhalten.
Ist also CHKM deutlich besser als sein gründlich ruinierter Ruf ?
Bevor ich also ein Material verwende, für dessen möglichst vollständige Entfernung als Voraussetzung einer adäquaten Wurzelkanalfüllung ich eines teuren Lasers bedarf, dann möchte ich gerne wissen, ob dieses Material die in es gesetzten Erwartungen erfüllt.
Und welcher Tag – wenn nicht Heilig Abend – wäre besser geeignet, dafür zu bitten, daß im Sinne eines fairen Umgangs mit Menschen und Methoden offen und vorbehaltlos die benötigten Medikamente auf ihre Eigenschaften hin untersucht werden.
In diesem Sinne
Frohe Weihnachten !
Disclaimer
Vom Hersteller wurde ein Testgerät des Morita AdvErL Evo Lasers kostenlos für die Dauer des Praxistestes zur Verfügung gestellt.
Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.
