Adventskalender 2015 – 24. Dezember

von Hans – Willi Herrmann

Ein Türchen des diesjährigen Adventskalenders, das größte, ist noch ungeöffnet.
Es ist in diesem Jahr einem Gerät gewidmet, dem ich in über 20 Jahren intensiver Beschäftigung mit der Endodontie bislang keine besondere Bedeutung beigemessen habe.

Die Rede ist von der Gerätegruppe der Laser, die seit 1988 in meinem zahnmedizinischen Kosmos  bekannt sind. Damals wurde, in etwa zeitgleich mit dem ersten CEREC- Gerät an der Uni Mainz der ADL – Laser vorgestellt. Keine Ahnung, ob es die Firma überhaupt noch gibt, Fakt ist jedoch, dass dem Laser (der in jedem Bereich der Zahnmedizin als Ei des Kolumbus (was sonst) beworben wurde) bislang der entscheidende Durchbruch verwehrt blieb.

Weil all die angepriesenen Vorteile (man muss nur die bis vor kurzem veröffentlichten entsprechenden Studien für den Endo – Bereich, – für andere Teilbereiche der Zahnmedizin ist es ähnlich – genau lesen, um zur Erkenntnis zu kommen, dass) sich auf konventionellem Wege mit gleichen oder besseren Ergebnisse erreichen lassen. Teils mit deutlich weniger Zeit, deutlich weniger Aufwand, aber vor allem immer ohne die teilweise immens hohen Kosten für das Gerät ans sich und seinen Unterhalt.

Im Rahmen meiner assistenzzahnärztlichen Tätigkeit hatte ich kurz nach dem Studium die Möglichkeit, mehr als ein Jahr mit einem Neodym YAG – Laser zu arbeiten. Die gemachten Erfahrungen bestätigten meine bis dato Einschätzung. Seit dieser Zeit beschränkten sich meine Berührungspunkte auf das Lesen entsprechender Studien, die allesamt suboptimal ausfielen und auf die  Beurteilung der Ergebnisse von Patientenfällen, bei denen Laser alio loco eingesetzt wurden. Bedauerlicherweise trugen auch diese nicht dazu bei, dass bestehende Urteil, die Laseranwendung betreffend, zu revidieren.
Im Gegenteil.

Dann kamen Artikel und Studien David Jaramillos  zu PIPS und vor allem sein Vortrag auf der DGET Jahrestagung 2014 in Hamburg.

Und damit REM – Bilder von absolut sauberen Dentintubuli.
Ein bisher nicht dagewesener Quantensprung, die Wurzelkanalreinigung betreffend.

Jetzt wissen wir alle, inwieweit selektiertes Bildmaterial ein in vivo nur suboptimal vorhandenes Ergebnis vortäuschen kann.  Allerdings erweckt Jaramillo nun ganz und gar nicht den Eindruck, hier wieder einmal profitorientiert den Laser in die Zahnmedizin einschleusen zu wollen, sondern – im Gegenteil und insbesondere wenn man mehrmals die Gelegenheit hatte, ihn persönlich kennenzulernen er macht den Eindruck des integren und engagierten Wissenschaftlers.

Für mich stand danach fest, ich wollte den Laser für den Bereich Endo ausprobieren.

4 Monate hatte ich  die Möglichkeit, den Erbium Yag- Laser AdvErL Evo der Firma Morita in der Praxis einzusetzen.

Längst nicht  auch nur annähernd genug Zeit, um ein Fazit stellen zu können, will man nicht nur dem Laser, sondern vor allem der Gesamtsituation im Sinne einer umfassenden praxisrelevanten Bewertung gerecht werden zu wollen.

Wenn wir allerdings davon ausgehen, dass der Vorteil der maschinellen NiTi- Aufbereitung der letzen 20 Jahre in der verbesserten Formgebung und effizienteren Aufbereitung zu sehen ist, die Reinigungsleistung jedoch ähnlich schlecht einzustufen ist wie mit Handinstrumenten und wenn wir weiter dem altbekannten bon mot Bedeutung beimessen, dass es nicht so sehr darauf ankommt, was in den Wurzelkanal abschließend eingebracht, sondern vielmehr, was im Vorfeld herausgeholt wird, dann zeigt nachfolgendes Video exemplarisch den Wert des Morita AdvErL Evo Lasers, die Wurzelkanalreinigung betreffend. Im Video sieht man den Zustand das Wurzelkanals nach maschineller Aufbereitung. Was dann, durch Einsatz des Lasers, an Debris noch aus dem Kanal herauskommt, ist nicht anders als ungemein beeindruckend zu bezeichnen.

 

Themenwechsel und Gedankensprung.
Vergleichsweise unbemerkt – betrachtet man sein weithin bekanntes „lautes“ Auftreten –  wird Ende dieses Jahres ein engagierter Zahnerhalter die zahnärztliche Bühne verlassen.

Wenige werden dies bedauern.
Dafür hat er sich mit der ihm eigenen Art (er sagte mir mal, „Wenn ich in ein Zimmer möchte, dann nehme ich nicht die Tür, ich nehme den Vorschlaghammer und schlage die Wand ein“ zu viele Sympathien verscherzt.

Dennoch wird er fehlen.

Die Rede ist von Rüdiger Osswald.
Ein sicherlich oft unbequemer aber nicht desto trotz in der Sache wichtiger Streiter für den (endodontischen) Zahnerhalt.  Er gehörte zu den wenigen,  die sich dem wissenschaftlichen und politischen Mainstream energisch widersetzten.  Mögen ihm nicht Wohlgesonnene letzteres noch von Eigeninteresse motiviert wissen, so ist sein Einsatz für CHKM nicht so banal abzutun, sofern man bereit ist, unvoreingenommen sich der Sache zu nähern.

Warum ich dies schreibe ?

In den letzten Beiträgen ist immer wieder angeklungen, wie schwierig es sein kann, im Wurzelkanal vorhandenes Calciumhydroxid vollständig zu entfernen. Der Laser scheint hier-  das mein Eindruck nach 4 Monaten – sehr hilfreich zu sein. Der Versuchsaufbau ist einfach. Kann der Laser nach Einsatz von Eddy und XPEndo noch Calciumhydroxid aus dem Wurzelkanal entfernen, so ist – und dies geschieht regelmäßig – zumindest der Nachweis erbracht, dass er dazu fähig ist, während die anderen Verfahren dies in der vorgegebenen Zeit nicht vermochten. Bei der Gegenprobe sollte nach Einsatz des Lasers es nicht mehr möglich sein, mit Eddy und XPEndo noch Calciumhydroxid aus dem Kanal zu befördern. Auch dies gelingt routinemäßig.

Es herrscht Einigkeit, das zurückgebliebenes Calciumhydroxid aus unterschiedlichen Gründen als suboptimal und ungewollt anzusehen ist. Weiterhin ist seit vielen Jahren bekannt, dass Calciumhydroxid die ihm zugeschriebenen Eigenschaften nicht in der ihm angepriesenen Form zu erfüllen vermag. Trotzdem  wurde allzuoft, allzu häufig viel zu lange und wird weiterhin mantraartig unreflektiert an diesem Mittel festgehalten, obwohl es EBD basiert deutlich schlechter ist als sein Ruf. Zieht man genau diese EBD heran, wird man feststellen, das CHKM deutlich besser ist als sein Ruf und es erhebt sich die Frage, auf welchen Studien die Abwertung dieses Materials basierten und ob diese Studien einer neutralen Beurteilung mit harten Kriterien heute noch standhalten.

Ist also CHKM deutlich besser als sein gründlich ruinierter Ruf ?
Bevor ich also ein Material verwende, für dessen möglichst vollständige Entfernung als Voraussetzung einer adäquaten Wurzelkanalfüllung ich eines teuren Lasers bedarf, dann möchte ich gerne wissen, ob dieses Material die in es gesetzten Erwartungen erfüllt.

Und welcher Tag – wenn nicht Heilig Abend – wäre besser geeignet, dafür zu bitten, daß im Sinne eines fairen Umgangs mit Menschen und Methoden offen und vorbehaltlos die benötigten Medikamente auf ihre Eigenschaften hin untersucht werden.

In diesem Sinne

Frohe Weihnachten !

 

Disclaimer
Vom Hersteller wurde ein Testgerät des Morita AdvErL Evo Lasers kostenlos für die Dauer des Praxistestes zur Verfügung gestellt.
Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

3 Gedanken zu „Adventskalender 2015 – 24. Dezember

  1. Laser, die Anwendung in der Zahnmedizin ist genau wie die Eigenschaften: entweder man glaubt daran oder nicht, es gibt Konstruktionsbedingt einfach keine Streuung nach links oder rechts. In der Endodontie war die Sachlage für mich auch eigentlich klar: ganz nett, aber nicht der Schlüssel zum Erfolg. Und dann stolperte ich vor 4 Jahren bei meinen täglichen Streifzügen auf Youtube nach neuem Weiterbildungsmaterial auf ein kurzes akustisch schlechtes Video einer PIPS Anwendung und war sofort interessiert an dieser Technik. Ein kurzer Check bei der Preisliste nach dem entsprechenden Gerät hat meine Euphorie dann doch extrem schnell gegen die Wand gefahren, aber der Gedanke ließ mich nie los. Vor zwei Jahren benutze ich eine Key 3 Laser mit den PIPS Einstellungen bei einem befreundeten Kollegen für ein paar Tests mit eigentlich sehr guten beeindruckenden Ergebnissen, aber der Kollege wollte es nie an einem Patienten testen.
    Später stieß ich auf folgendes Video und wieder war der „haben wollen“ Gedanke da (https://www.youtube.com/watch?v=4wmWAknVYOs).
    Preislich hat sich natürlich nichts positives ergeben, aber je länger man wartet umso mehr denkt man wirklich man könnte was großartiges verpassen. Dann schaut man sich in der Literatur um und findet widersprüchliches zum Thema Laser und Endodontie ( nettes Papier gibts hier http://www.laserandhealthacademy.com/media/objave/academy/priponke/20_28_demoor_laha_2014_1.pdf ) aber als Praktiker KANN MAN NICHT umhin kommen zu sehen und zu akzeptieren was da alles aus einem Kanal noch rauskommt bei PIPS oder LAI( wie in dem Video hier mit dem Morita Laser) , obwohl man denkt alles richtig gemacht zu haben.
    Der Morita Laser schaut ganz nett aus, aber folgende Punkte sehe ich kritisch ( wurden mir von anderen Laser Anwendern jedenfalls so von ihren Systemen berichtet, die aber kein Morita waren).
    1. Faserleitung: Diese erlauben nicht die volle Ausnutzung der Laserleistung, weil zum Schutz der Faser die Leistung reduziert werden muss. Auch meinten die Kollegen das Ihre Fasern alle paar Jahre für “ big bucks“ ersetzt werden mussten wegen irgendwelcher Probleme. Inwiefern die neuen Systeme besser sind weiß ich leider nicht, die Kollegen hatten unter anderem Waterlase Laser und rieten davon ab.
    2. PIPS vs. LAI (Laser Assisted Irrigation): hier soll PIPS deutlich mehr Äktschon im Kanal machen, oder besser in den Kanälen gleichzeitig ( Schönen Gruß an Oscar!). LAI wie hier beim Morita hat wiederum den Vorteil nicht so viel zu kleckern weil nicht die Hälfte der Spüllösungen durch die Interaktion aus dem Zahn fliegt, gleichzeitig muss aber jeder Kanal einzeln bearbeitet werden…
    Und wie schon so oft erwähnt: wichtig ist was raus kommt und nicht was rein bei einer Endo.

    Das andere Thema und die Steilvorlage mit dem Vorschlaghammer und „ab durch die Wand“. Jeder der hier mitliest und eine militärische Grundausbildung durchlaufen hat ( ich schließe mich da aus, ich war bei der “ Berittenen Gebirgsmarine“ 😀 ) kennt das Problem im “ Orts/ Häuserkampf“: ein verschanzter Gegner sitzt in einem befestigten Gebäude das genommen werden soll. Der Angreifer hat nun die Möglichkeit die normalen Eingänge zu nutzen und das Gebäude unter hohen Verlusten zu stürmen ( der Gegner kann seine Verteidigung genau auf diese Eingänge ausrichten ), oder aber sich unkonventionell eigene Eingänge schaffen mit Sprengmitteln – oder einem Vorschlaghammer… Es wird auch hier Verluste geben, aber vielleicht nicht so viele. Zuviel Sprengmittel und das Gebäude ist weg, zuviel Substanz weghämmern und das Gebäude stürzt ein. Die Analogie zum Kollegen Osswald und CHKM: es wurde mit ziemlich schweren „Geschützen“ ziemlich lange auf beiden rumgehackt, aber mit mässigem Ergebnissen, aber entsprechend „undiplomatisch“ fällt in solchen Gefechten irgendwann die Wortwahl aus. CHKM nach Walkhoff war das einzige mir bekannte Präparat was zur „Desinfektion der Wurzelhaut“ freigegeben war ( steht inzwischen nicht mehr auf den Flaschen), aber auch CHKM ist kein Heiliger Gral. Ja, es desinfiziert teilweise sehr gut und sehr schnell, aber die streitige Frage nach dem „wie lange wirklich?“ ( Studienlage variiert stark) und die kritischste Frage nach dem “ und was kommt danach?!?“ stehen immer noch im Raum. Heilen alle Fälle unter CHKM ab? Nein.
    Cacliumhydroxid ist zwar definitiv schlechter als sein Ruf, hat aber auch positive Aspekte die nicht zu verachten sind. Wenn wir aber dem Calciumhydroxid die definitive schlechte Entfernbarkeit aus dem Kanal anlasten, müssen wir das mit dem CHKM auch tun. Der Vorteil hier für das CHKM liegt einfach darin, das man es wegen seiner Transparenz im Gegensatz zum weißen Calciumhydroxid im Kanal ohne Lupe oder Mikroskop nicht als kleine Ölaugen in den Spüllösungen sieht wenn man vor der Obturation nochmal ein Spülprotokoll durchläuft. Wie gut kann eine Wurzelfüllungen abdichten wenn ein Ölfilm die Kanaloberfläche überzieht? CHKM hat je nach Liegedauer und Menge das Dentin in meinen naiven unwissenschaftlichen Augen förmlich getränkt, ist also nicht zu entfernen, außer man nimmt Dentin weg. Riskieren wir somit also mit jeder CHKM Anwendung vor WF eigentlich den langfristigen Erhalt von Zähnen? Ich weiß es nicht, aber in 10-15 Jahren können wir vielleicht diese Frage neben all den Anderen beantworten.

    In diesem Sinne noch frohe Weihnachten und gleich noch einen guten Rutsch ins neue Jahr!

    Gruß Gregor S.

  2. Dank für die tollen Beiträge! Ich habe nicht gewusst, wie viel es für Zahnärzte online zu lesen gibt. Ihren Blog habe ich dann meinem Zahnarzt in Luzern gezeigt und der war sehr begeistert. Vielen dank also nochmal für ihre Mühen und viel Erfolg noch! LG

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