DVT oder kein DVT?

von Christian Danzl

Hier auf Wurzelspitze erscheinen regelmässig Artikel, die die Vorteile eines Dentalen Volumentomographen im Bereich der Endodontie aufzeigen.
Wir alle hier sind von den Möglichkeiten, die so ein Gerät für die Diagnosenstellung bringt, begeistert. Es lassen sich Behandlungen, bei denen 2D-Röntgenbilder zu wenig Informationen bieten, einfach besser planen – oder eben auch vermeiden.
Neben den Vorteilen gibt es aber auch Nachteile, von denen die Strahlenbelastung mittlerweile eher zu den geringeren Übeln zählt. Ich sehe als den größten Nachteil momentan noch den Anschaffungspreis für ein gutes Gerät – aber auch das wird besser.

Einige Leser jedoch sind der Meinung dass ein DV-Tomogramm für eine Wurzelkanalbehandlung/Revision keine entscheidenden Vorteile bringt, die die Nachteile – welche auch immer – aufwiegen.

Heute nun eine Frage an Sie, liebe Leser, wann halten Sie den Einsatz für ein DVT in der Zahnheilkunde für gerechtfertigt?

DVT auf dem iPad

von Christian Danzl

OsiriX als kostenloser open-source DICOM-Viewer für Mac OS wurde hier schon beschrieben. Momentan ist die Version 3.8.1 aktuell. Auf dem Mac Book, iMac oder MacPro installiert ist es ein ausgezeichnetes Werkzeug zum Darstellen, Befunden, Bearbeiten und Weitergeben von DICOM Dateien.

Das klappt sehr gut.

Oft ist es aber ganz nützlich, wenn man das Volumen „mitnehmen“ kann, um es mit dem Patienten direkt zu besprechen, es bei der OP dabei zu haben oder wenn man es mit Kollegen besprechen will. Das funktioniert nur eingeschränkt, wenn man es auf einem stationären Rechner installiert hat.

Abhilfe gibt es seit dieser Woche.

Pixmeo hat nun einen mobilen DICOM-Viewer für iPhone, iPod touch und iPad herausgebracht: OsiriX HD

Leider ist dieser nicht mehr kostenlos und mit 23,99 € auch nicht sonderlich billig.

Vorraussetzungen um es zum Laufen zu bringen ist ein Netzwerk mit Zugriff auf die DICOM-Dateie über W-LAN oder 3G. Man kann entweder vom mobilen Gerät aus das DICOM-Bildarchiv durchsuchen und die gewünschten Daten übertragen, oder von der DICOM-Quelle die Daten per „drag and drop“ auf das mobile Gerät senden.

Einschränkungen:

  • Bildgröße maximal 1024 x 1024 Pixel, was größer ist, wird runtergerechnet
  • keine Zulassung als Diagnose-tool

Praxistest:

Um es vorauszuschicken, es ist noch nicht optimal.

Man kann das Volumen nur von oben nach unten und umgekehrt scannen, die 3 Ansichten wie in einem normalen Viewer sind noch nicht realisiert.
Das Volumen lässt sich  zoomen und drehen (im und gegen den Uhrzeigersinn, aber nicht 3-dimensional), Längen lassen bestimmen und Flächen markieren. Helligkeits- und Kontrastveränderungen sind beliebig möglich, Voreinstellungen sind vorhanden.
Einzelne Bilder können unter „Fotos“ abgespeichert werden. Von dort können sie dann mit geeigneten Programmen beschriftet oder anderweitig verarbeitet werden.

Fazit:

Nicht annähernd ausgereift.


Die Mindestanforderung, um es im laufenden Praxisbetrieb sinnvoll einsetzen zu können, wäre, das Volumen in 3 Dimensionen durchscrollen zu können. Es müssen ja nicht 3 Ebenen gleichzeitig dargestellt werden. Wahrscheinlich wird aber die Rechenleistung des A4-Prozessors im iPad die Darstellungsmöglichkeiten begrenzen.

Warten wir also auf updates.

Bei OsiriX HD und beim iPad.
Der Ansatz ist auf alle Fälle vielversprechend.

DICOM-Viewer

von Christian Danzl

Das CT wird durch die stetige Verbesserung und die immer feiner werdende Auflösung in der Zahnarztpraxis immer interessanter. Während früher die Technik noch sehr teuer war, fallen die Preise immer weiter in Bereiche, die ein CT auch für die Zahnarztpraxis interessant machen.

Auch werden die abbildbaren Volumina der CBCT (Cone Beam Computer Tomography) oder DVT (Dentale Volumen Tomographie) kleiner und somit für die Zahnarztpraxis geeigneter. Die Auflösung der Sensoren wird größer, die Umlaufzeiten kürzer auch die Strahlenbelasung sinkt in den Bereich der digitalen PSA.

Systeme auf dem Markt gibt es genug. Wenn ich einen Patienten zum DVT überweise bekomme ich einen USB-Speicher oder CD-ROM mit den Rohdaten und dem dazugehörigen Viewer. Der meisten Viewer laufen aber nur auf Windows.

Da ich aber auch auf MacOS die DVTs betrachen will, bin auf den Osirix DICOM-Viewer gestossen.

Dieser ist OpenSource und somit kostenlos (es gibt auch verschiedene kostenpflichtige Versionen).
Für den Anfang reicht aber die kostenlose Version. Dort sind die wichtigsten Funktionen enthalten.

Apple Online Seminare dazu gibt es hier.

Den japanischen Videopodcast auf iTunes von H. Fujisawa finde ich allerdings nicht besonders hilfreich.

Eine Version für das iPad ist auch angekündigt.

Dreidimensionale Defekte

von Bodald Necker

Eine Patientin sollte eine Krone auf den wurzelbehandelten Zahn 36 bekommen. Der Zahn war absolut beschwerdefrei, keine Schmerzen oder Missempfindungen, weder in Ruhe noch in Funktion. Eigentlich stand der Überkronung nichts mehr im Wege. Also ab zum Röntgen.

Das Bild zeigte eine, ich nenne es mal, Unregelmässigkeit an der distalen Wurzel. Der PA-Spalt war verbreitert, sonst war nichts zu sehen. Da uns jetzt im Nachbarort ein CBCT zur Verfügung steht, haben wir nachsehen lassen, wie die „Unregelmässigkeit“ genau aussieht.

Das Ergebnis war sehr ernüchternd:
Auf der 3-D Aufnahme war ein im Durchmesser ca. 6mm großer Knochendefekt zu erkennen.

Was sagt uns das nun?

  1. Auf einer 2-dimensionalen Durchsichtaufnahme können 3-dimensionale Dinge nur unzureichend beurteilt werden. Aber das wussten wir ja vorher schon.
  2. Ist auf einer Aufnahme, die o.B. zu sein scheint, doch immer eine Läsion? Wenn auch nicht ganz so groß wie im gezeigten Beispiel.

Da stellen sich folgende Fragen?

Reicht der Zahnfilm oder die PSA neben der klinischen Untersuchung nicht mehr aus als Diagnostisches Mittel?
Müssen jetzt alle Aufnahmen 3-dimensional gemacht werden, wenn wir „Gewissheit“ (nach dem momentanen Stand der Technik) haben wollen?

Konsequenz daraus wäre:

  • erhöhte Röntgenzeit, damit auch erhöhte Strahlenbelastung für den Patienten
  • erhöhte Diagnosezeit. Ein CBCT-Volumen ist nicht „eben mal schnell“ angeschaut. Allein das Einlesen der Daten in den Computer von CD oder USB-Dongle benötigt fast soviel Zeit, wie das Entwickeln eines analogen Zahnfilmes. Und nicht jeder Zahnarzt hat einen Rechner in der Praxis, der die Datenmengen verarbeiten kann.
  • erhöhter Speicherplatzbedarf. Irgendwo müssen diese Daten ja (10 Jahre) gelagert und gesichert werden.

Daraus ergibt sich für den Behandler ein deutlicher Mehraufwand, der bezahlt werden muss. Momentan ist dieses Diagnoseverfahren noch nicht im Bereich der GKV angesiedelt, und die Kosten muss der Patient tragen. Aber lange kann es nicht mehr lange dauern bis es eine BEMA-Position dafür gibt, und man es zu einem Preis erbringen muss, der nicht kostendeckend sein wird. Mit wiederum der Konsequenz, dass die Kosten über die anschliessenden Behandlungen wieder hereingeholt werden müssen.

Und da bleibt neben der Schraube nicht mehr viel übrig….

Extraorale Fistel (1)

von Hans – Willi Herrmann

Dies ist eine nicht alltägliche Begebenheit.

Eine Patientin, an der Uniklinik Mainz initial wurzelkanalbehandelt,  suchte unsere Praxis auf. Ihr Zahn 14, mit deutlicher apikaler Aufhellung, Brückenpfeiler in einer den gesamten Oberkiefer umfassenden Brückenversorgung, gilt als austherapiert. Die Wurzelkanäle konnten nicht gefunden werden. Der Zahn soll entfernt werden, was eine herausnehmbare Oberkieferversorgung notwendig machen würde.

Im mitgebrachten DVT zeigt sich, das der Zahn 14 beim erfolglosen Versuch, die Wurzelkanäle aufzufinden, fast perforiert worden war. Die Wurzel ist stark geschwächt.

Und die Patientin weist auf einen eiterabsondernden Pickel an der rechten Nasiolabialfalte hin.
Zweimal schon sei sie operiert worden deshalb.
Ohne dauerhaften Erfolg.

Heute war die Patientin wieder da. Mehr als ein Jahr nach unserer ersten Begegnung.

Die Fistel, denn dabei handelte es sich bei besagtem Pickel,  ist verschwunden. Nicht  die geringste Spur davon ist noch zu erkennen.