Das Morita Root ZX 3 – oder macht es überhaupt noch einen Unterschied, welchen Apexlokator ich verwende ???

Auf der ESE 2 Jahrestagung in Paris wurde bei Morita am Stand ein neuer Apexlokator präsentiert: Das Root ZX 3.
Das ist heute kaum noch eine Meldung wert, oder ?
Sind solche Geräte doch mittlerweile unverzichtbare Grundausstattung jeder Zahnarztpraxis.

Ich arbeite seit rund 2 Jahren mit dem Root ZX 3.
Genauer gesagt mit einer speziellen Version mit Zusatzfunktion, aber das ist eine andere Geschichte.
Die Messeinheiten meines Gerätes und die des Root ZX 3 sind identisch und im Kopf überschlagen komme ich zu dem Ergebnis, das wir im Laufe der Jahrzehnte vermutlich mehr als 20 verschiedene ELM-Geräte in Gebrauch hatten.

Von denen immer wieder gesagt wird, dass es heutzutage keinen Unterschied mehr macht, welches davon zur Anwendung kommt.

Das deckt sich nicht mit meinen Erfahrungen.

Es gab in dieser Zeit immer wieder Geräte, die sich für das Arbeiten überhaupt nicht empfohlen haben. Und es gibt zwei unterschiedliche Aspekte diesbezüglich. Zum einen natürlich die Genauigkeit der Messung an sich. Das erkennt man am besten, in dem man Messungen mit zwei unterschiedlichen Geräten durchführt und die Ergebnisse miteinander vergleicht. Das ist der Grund, warum ich über viele Jahre hinweg zwei Geräte am Patienten parallel genutzt habe. Was im Übrigen, wenn man einen diesbezüglich optimierten workflow sich zunutze macht, keinen Mehraufwand darstellt, aber immer wieder hilfreiche Zusatzinformationen liefert.

Zum Anderen ist aber auch die Art und Weise, wie diese Messung zustande kommt und sich präsentiert. Diese beiden Aspekte sind schwer in Worte zu fassen. Vielleicht mit dem Begriff Souveränität. Am Ende des Tages oder sagen wir besser im Laufe der Zeit kristallisiert sich einer gewisse Affinität zu dem einen oder anderen Gerät heraus. Und abschliessend ist es immer ein Gerät, das als Favorit sich seinen Stammplatz sichert. Sprich, es gab immer ein Gerät, dass primär zur Messung genutzt wird und dann noch ein zweites, dass dann im Nachgang zur Absicherung des Messergebnisses dient. Woran erkennt man bei unterschiedlichen Messergebnissen den Favoriten? Weil es das Geräte ist, dessen Messergebnis man im Zweifelsfalle mehr vertraut. Und das sich dann im Nachgang als das richtig gemessen habende herausstellt.

Und dann gibt es noch, nennen wir es eine Hall of Fame.
Das sind die Geräte, die wir herbeiholen, wenn wir es mit einer wirklich schwierigen Situation zu tun haben: Diese Geräte sind: Das Original Root ZX, das Raypex 6, die ELM Messeinheit des Endo-Piloten.

Wie schlägt sich nun in diesem Illustren Kreis das Root ZX 3?

Ganz einfach. Es ist das Gerät, dass wir allen anderen Geräten gegenüber vorziehen und zwar ohne Zögern. Weil es die beschriebene Souveränität in der Messung an den Tag legt, die von keinem der anderen Geräte erreicht wird und ich will sogar soweit gehen, mit deutlichem Abstand.

Woran man diese Ausnahmestellung ermessen kann?
Dass ich nach einer entsprechenden Zeit der Evaluierung in Abkehr der als von mir heilig gesetzten Regel, mit zwei Geräten parallel zu messen, das Root ZX 3 nun als primär einziges Gerät einsetze und die Zweitmessung mit einem Alternativ- Geräte nun nur noch eine Option für die wirklich schwierigen Fälle ist, wobei ich mich nicht erinnern kann, wann wir zuletzt darauf zurückgreifen mussten.

Also ein Paradigmenwechsel in meinem Handeln?
Ein (zu) grosses Wort, zeigt aber, dass wir es in der Tat hier mit einer besonderen Situation zu tun haben im positiven Sinne.

Daher mein Tipp.
Wer einen neuen Apexlokator braucht, der sollte sich unbedingt das Root ZX 3 anschauen.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Infraktur Zahn 26

Im Sommer 2020 wurde bei dem heute 55-jährigen Patienten eine „alte“ Amalgamfüllung gegen einen Kompositaufbau getauscht.

Prä-Op – alio loco

Schon damals fiel dem behandelnden Zahnarzt eine Infraktur über die mesiale Randleiste auf. In der weiteren Folge zeigte sich eine apikale Parodontits, weswegen eine endodontische Behandlung eingeleitet wurde. ‚

Zustand nach Kompositaufbau und alio loco begonnener endodontischer Therapie Zahn 26

Bei der intrakoronalen Inspektion imponierte die beschriebene Infraktur mesial. Eine weitere Ausdehnung über den Kavitätenboden oder in einen der Kanalsysteme fand sich nicht.

Deutlich ausgeprägte Infraktur mesial

Im Januar 2021 konnten wir die Behandlung abschliessen.

Vor Kurzem erreichte uns das Recall-Röntgenbild. Leider ist seit dem Abschluss keine prothetische Weiterbehandlung erfolgt.

Ich hoffe sehr, dass sich dies zeitnah ändert, damit die Infraktur möglichst keinen weiteren Verlauf nimmt…

26, 27 – Ein gutes Gefühl haben, oder auch nicht …

Hier hatten wir erstmals über die Vorgeschichte zu diesem Fall berichtet und hier über die Therapie 46 und hier 47. 36 konnten wir nicht erhalten, wegen einer Längsfraktur.


Diagnosen und Befunde:
26 P. apicalis, externe apikale Resorption pal., erhöhte Sondierungstiefen zirkulär, Lockerungsgrad 0, kein Perkussionsschmerz, symptomfrei, Sekundärkaries,

27 (Zufallsbefund DVT) P. apicalis erhöhte Sondierungstiefen zirkulär, Lockerungsgrad 0, kein Perkussionsschmerz, symptomfrei, Sekundärkaries.



Der Zahn 26 war mit einer Krone versorgt. 27 wurde bereits endodontisch anbehandelt. Dies war dem Patienten aber nicht mehr in Erinnerung. Beide Zähne waren symptomfrei. Durch die negativen Sensibilitätsproben an 26 und 27 kam es zur genaueren Untersuchung.
Im Zahnfilm zeigte sich der Verdacht einer P. apicalis am 26. und 27. mesial apikal. Zudem war an 27 die endodontische Zugangspräparation zu vermuten.
Im angefertigten DVT stellte sich die Situation eindeutiger dar. 
26 P. apicalis, externe apikale Resorption pal., 27 P. apicalis, retinierier 28.

Die Prognose für 26 sahen wir als günstig an. Durch die ausgedehnte apikale Resorption palatinal und die Möglichkeit eines persistierenden periapikalen Biofilms entstand die Prognose.
27 sahen wir im Bereich 70–80 %. Die Krümmungen im Bereich der mesialen Wurzel sind erschwerend, aber aus meiner Sicht technisch lösbar. Für den Zahn 26 hatten wir eine entsprechende Langzeitmedikation (ca. 3 Monate) mit CaOH J in der Planung.

Die endodontische Therapie startete mit dem Zahn 26, wie oben geplant. Die Krone wurde entfernt, da eine ausgedehnte Sekundärkaries imponierte. Nach Kariesex und präendodontischem Aufbau, Zugangspräparation, erfolgte die Desinfektion und chem. Reinigung mit 3,5 % NaOCl und Zitronensäure (10 %). Die Instrumentation erfolgte mit Handinstrumenten #8, #10, Profile 15.04 und Wave Gold #20, #25, pal. M2 50.04, 60.04.
Es wurde CaOH J für 3 Monate inseriert.
In diesem Zeitraum erfolgte die endodontische Therapie am Zahn 27. Nach präendodontischem Aufbau (Anmerkung: dieser erfolgt nahezu ausnahmslos, bei uns nach Kariesentfernung, Abdeckung offener Kanalsysteme mit Teflon unter Verwendung eines Sandstrahlers mit AlO 60 µm). Die Desinfektion und chem. Reinigung des Kanalsystems gelang mit 35 % NaOCl und Zitronensäure 10 %. Die Instrumentation erfolgte mit Handinstrumenten #8, #10, #15, Profil 15.04 und Wave Gold #20, #25, #35 (p). Für 14 Tage wurde CaOH eingebracht.
Die Wurzelfüllung an 26 und 27 erfolgte in vertikaler thermischer Obturation mit Guttapercha und Totalfill Highflow. Am Zahn 26 wurde die apikale Resorptionslakune mit MTA weiß und kollagenem Widerlager mit Resorba verschlossen.

Es wurden Röntgenkontrollen nach 6, 12 und 24 Monaten angefertigt.
2025 erfolgte ein DVT zur Darstellung des Zahnes 28 für die chirurgische Entfernung. Im angefertigten DVT ist eine nahezu vollständige apikale Regeneration am Zahn 26 p und 27 zu erkennen.
Offensichtlich hatte der Patient das voraus bereits im Gefüh ….
Nur weiß ich jetzt aus Afrika,dassß ein gutes Gefühl nichts zu sagen ha ….
Eine gewisse Demut muss man unbedingt behalten!





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Es ist zum Heulen (I)

Heute kontaktierte uns eine Mutter mit Bitte um einen Termin für ihre 8-jährige Tochter.

Hier die Information zu der Situation von ihr:

„Am 07.08.2025 hatte meine Tochter im Freibad einen Unfall, bei dem ihr linker Schneidezahn vollständig herausgeschlagen wurde. Wir sind anschließend zur Uni-Kinik gefahren, wo der Zahn etwa zwei Stunden nach dem Unfall replantiert wurde. Bis dahin lagerte der Zahn in Milch.

Zur Stabilisierung erhielt sie eine Schiene bis zum 25.08.2025. Im Anschluss wurden Vitalitätstests (Kälte- und Elektrotstests) durchgeführt, bei denen sie jedes Mal eine Reaktion zeigte. Bis heute hat sie keine Beschwerden, jedoch zeigen die Röntgenaufnahmen auffällige Befunde.“

Was soll ich beim Anblick der Bilder und der Vorgeschichte sagen…

Unfalltag Anfang August 2025 – alio loco
alio loco
alio loco
weitere vier Wochen später – alio loco

es ist schlicht zum Heulen…

P.S.: dieser Fall ist wieder ein guter Beleg dafür, warum Prof. Filippi den Kältetest bei der letzten DGET Tagung „verteufelt“ hat…

36 – Ein gutes Gefühl haben, oder auch nicht …

Hier hatten wir erstmals über die Vorgeschichte zu diesem Fall berichtet und hier über die Therapie 46 und hier 47.

Zahn 36.
Diagnosen und Befunde:
Z.n. WKB, P. apicalis, Instrumentenfragment, Lockerungsgrad 0, kein Perkussionsschmerz, symptomfrei, Sekundärkaries

Nach Kronenentfernung und Karies zeigte sich i der mesialen Wurzel ein Längsriss.

Zusammen mit dem erheblichen Substanzverlust durch die Sekundärkaries war der langfristige Erhalt des Zahnes nicht mehr gegeben. Deshalb wurde die Behandlung abgebrochen.

MTA und RET nach dentalem Trauma – Luis – Recall

Heute war Luis zum Recall bei uns…

es sieht weiterhin positiv aus…

:-)

3D- Druck in der Praxis – Wenn ´s mal der ganz kleine Sauger sein muss …

Hat jemand eine Idee, wofür diese beiden Konstrukte sein könnten ?

Wurzelkanäle trockne ich mit Papierspitzen.
Aber manchmal, bei nachhaltiger Exsudation aus dem Wurzelkanal ist es sinnvoll, diese Flüssigkeiten mittels Mikrokanüle abzusaugen. Dazu wird ein Luerlock- Adapter verwendet, der in die Aufnahme des kleinen Speichelsaugers eingebracht wird.

Unsere Behandlungseinheiten haben, wie vermutlich die meisten der verwendeten zahnärztlichen Arbeitsliegen zwei Saugschlauchaufnahmen. Eine dünnere für den Speichelsauger, eine dickere für den großen Sauger. Kommt nun der Luerlock-Adapter zum Einsatz, ist der kleine Speichelsauger nicht mehr nutzbar. Falls nun im Mund Speichel abgesaugt werden muss, steht nur noch der riesig grosse Speichelsauger zur Verfügung. Für Patienten wie für die absaugende Assistenz, die unter dem Kofferdam agieren muss, gleichermaßen unbefriedigend.

Der 3D Druck musste wieder einmal her. – und welche Tricks, Adapter und Druckvarianten am Ende herauskamen, warum es gleich vier unterschiedliche Versionen gibt und wie sich diese in der Praxis bewährt haben – das erzählen wir für unsere WURZELSPITZE Patrons in einem neuen Beitrag auf unserer Patreon- Homepage.
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Geschichten aus dem Endozän – Patienten-Email (II)

Heute also noch ein kurzes Update zu der Patienten-Email.

Nachdem wir der Patientin geschrieben haben, dass ein modifiziertes „Angebot“ nicht möglich ist erhielten wir folgende Antwort:

47 – Ein gutes Gefühl haben, oder auch nicht …

Hier hatten wir erstmals über die Vorgeschichte zu diesem Fall berichtet und hier über die Therapie 46.

Der Patient wurde uns mit mehreren behandlungsbedürftigen Zähnen überwiesen. Nach langer Vernachlässigung seiner Zahngesundheit hat er jetzt das Bedürfnis alles wieder gut zu machen.

Zahn 47.
Diagnosen:
Z.n. WKB, P. apicalis, erhöhte Sondierungstiefen circulär, Lockerungsgrad 0, kein Perkussionsschmerz, symptomfrei, Sekundärkaries

Nach Kariesentfernung und präendodontischem Aufbau erfolgte die endodontische Therapie in zwei Sitzungen im Abstand von 14 Tagen.
Der Kontaktpunkt wurde, wie bereits beschrieben, reinigbar eröffnet.
Die Aufbereitung des Kanalsystems gelang mit WaveOne-Gold-Instrumenten bis #35. Zuvor wurden mit Handinstrumenten #8, #10 und Profil 15.04 ein Gleitpfad installiert. Die Desinfektion erfolgte schallbasiert mit NaOCl 3 % und zusätzlich mit Zitronensäure 10 % zur Entfernung von Debris und Smearlayer. Die medikamentöse Einlage erfolgte mit Ca(OH)₂ für 2 Wochen. Die thermoplastische WF erfolgte im zweiten Behandlungstermin nach Desinfektionsprotokoll, wie im ersten Termin.
Die Röntgenbilder und Verlaufskontrollen sind anbei.

Geschichten aus dem Endozän – Patienten-Email

Vor einigen Tagen erreichet uns nachfolgende Mail. Wir waren im Vorfeld von der Hauszahnärztin gebeten worden eine endodontologische Behandlung an Zahn 46 durchzuführen. Nach der Erstuntersuchung und Beratung erhielt die Patientin, wie üblich alle notwendigen Unterlagen.

Wir haben ihr auf jeden Fall freundlich geantwortet, dass natürlich alle angeführten Positionen für die erfolgreiche Behandlung des Zahnes notwendig sind und wir uns ausser Stande sehen gewisse Positionen wegzulassen, damit die Therapie möglichst günstig wird.

Ich frage mich, was bei uns (und ggf in der Zahnärzteschaft allgemein) „falsch“ gelaufen ist, dass Patienten diese Gedanken haben. Nach dem Motto: Die schlagen ja sowie so unnötige Positionen drauf um möglichst gut abzurechnen..

hhhmh

Schmuck mit Nebenwirkungen ?

So richtig lässt sich die Historie der Regio 41 der kürzlich vorstellig gewordenen Patientin (heute Ende 40) nicht mehr rekonstruieren…

sie gab an, als jüngere Frau ein intraorales Piercing getragen zu haben, dass durch seine stetige „Interaktion mit den Unterkieferfrontzähnen dazu geführt habe, dass der rechte erste Inzisivus eine endodontische Behandlung benötigte…

Behandlung alio loco

trotz dieser Vorgeschichte wäre sie dennoch in der weiteren Folge nicht bereit gewesen auf diesen Schmuck und seiner negativen Wirkung zu verzichten.

Schlussendlich sei der Zahn deswegen verloren gegangen…

was folgte war eine Implantation nach zweimaligem Knochenaufbau (nachdem der erste Anlauf mit Fremdmaterial gescheitert war).

Nun zeigte sich leider, dass Zahn 42 eine progrediente externe Resorption entwickelt…

Behandlung alio loco

beim Anblick der Bilder gehen mir eine Reihe Gedanken durch den Kopf…

unter anderem frage ich mich, ob der „Schmúck mit Nebenwirkungen“ wirklich ursächlich für den Zahnverlust war? Oder könnte etwas „anderes“ zumindest einen Anteil daran gehabt haben?

Höre ich andere Gedanken?

46 – Ein gutes Gefühl haben, oder auch nicht …

Hier hatten wir erstmals über die Vorgeschichte zu diesem Fall berichtet.
Der Patient wurde uns mit mehreren behandlungsbedürftigen Zähnen überwiesen. Nach langer Vernachlässigung seiner Zahngesundheit hat er jetzt das Bedürfnis alles wieder gut zu machen.

Zahn 46.
Diagnosen:
P. apicalis, erhöhte Sondierungstiefen circulär, Lockerungsgrad 0, kein Perkussionsschmerz, symptomfrei, Wurzelkaries

Befunde:
Der Lockerungsgrad ist 0, es besteht kein Perkussionsschmerz und der Zahn ist symptomfrei.
Die Sensibilität ist negativ.

Nach Kariesentfernung, Gingivektomie und präendodontischem Aufbau erfolgte die endodontische Therapie. Diese Therapie wurde in zwei Sitzungen geplant.
Der approximale distale Bereich von 46 konnte nicht zum Zahn 47 mit einem suffizienten Kontaktpunkt aufgebaut werden. Beim Aufbau von 47 war die Kippung nach mesial eine von mir unterschätzte Schwierigkeit. Deshalb haben wir den Kontakt so gestaltet, dass er mit Interdentalbürstchen schnell reinigbar ist.
Die Aufbereitung des Kanalsystems gelang mit WaveOne-Gold-Instrumenten bis #35. Zuvor wurden mit Handinstrumenten #8, #10 und Profil 15.04 ein Gleitpfad installiert. Die Desinfektion erfolgte schallbasiert mit NaOCl 3 % und zusätzlich mit Zitronensäure 10 % zur Entfernung von Debris und Smearlayer. Die medikamentöse Einlage erfolgte mit Ca(OH)₂ für 4 Wochen. Die thermoplastische WF erfolgte im zweiten Behandlungstermin nach Desinfektionsprotokoll, wie im ersten Termin. Zwischenzeitlich wurde die Behandlung von 47 durchgeführt. Dies im nächsten Beitrag.
Die Röntgenbilder und Verlaufskontrollen sind anbei.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Au revoir Paris ! – Zurück von der ESE- Zwei-Jahres-Tagung (IV) – „« Le roi est mort, vive le roi »“

« Le roi est mort, vive le roi »


So scheint es.
Was unsere Wurzelkanal Sealer angeht.

Der neue König ?
Die sogenannten „biokeramischen“ Sealer.

Der alte König ?
Alle anderen Sealer.
Die von nun an mausetot sind.

So zumindest war für mich der Eindruck nach dem letzten Mittwoch.
In einer hochkarätig besetzten DGET – Abend-Fortbildung waren diese Sealer besprochen worden.

Und – um im königlichen Kontext und einer angemessenen Semantik zu bleiben – es wurde das hohe Lied auf diese neuen Materialien gesungen. Wer dem beiwohnte, der konnte eigentlich nicht umher kommen – sofern er nicht schon längst mit diesen Materialien arbeitete – schleunigst auf diese vielversprechenden Sealer umzusteigen.

„Ist gut für mich gelaufen“, sagte dann auch am nächsten Tag meine Kollegin in der Praxis.
Die, im Gegensatz zu mir, solche Sealer einsetzt. Und sich freute wie eine Schneekönigin.

Ein paar Wochen zuvor, in Paris bei der ESE – 2 Jahres- Tagung hatte ich schon einmal einem Vortrag mit dieser Thematik beigewohnt. Insofern war es für mich interessant, zu erfahren, inwieweit hier entweder unisono oder kontrovers die Thematik gesehen wurde, Der Redner – ein französischer Kollege. Frédéric Bukiet. Sein Vortrag war überschrieben:
Is hydraulic condensation with Calcium Silicate-Based Sealers as Simple as It Seems?

Und auch wenn die Überschrift eine gewisse Skepsis suggerierte, so war auch hier nach wenigern Minuten klar, dass auch dieser Referent ein Befürworter dieser Materialklasse war.
Allerdings.

Im Gegensatz zu den deutschen Kollegen wurde deutlich differenzierter auf die verschiedenen „Reibungspunkte“ eingegangen. Aushärteproblematik, Löslichkeit, Inkompatibilität mit warmen Füllverfahren, Frage der Revidierbarkeit. Vor allem aber auch, das eine gewisse Diskrepanz zwischen den in vitro-Studien und der klinischen Realität besteht. Auch die im Vergleich zu den anderen Sealern teils exorbitant höheren Kosten wurden in Paris (Siehe Foto Vortrags-Folie) angesprochen.

Was zählt letztendlich ? Jörg Schröder würde sagen und Christoph „Nur der BVB“ Kaaden würde zustimmen: „Grau ist alle Theorie – entscheidend ist aufm Platz“

Wie das Ganze also in der klinischen Praxis abschneidet !
Die Studien hierzu: Nicht besser, nicht schlechter.

Am Ende brachte Frédéric Bukiet – ohne das eine Material auf einen ungebührlich hohen Sockel zu setzen und ohne die anderen Materialien schlecht zu reden – die Problematik in 2 Sätzen zusammengefasst auf den Punkt:

Warum einen teuren Sealer verwenden, der die klinische Erfolgsrate nicht verbessert????
Weil´ s Zeit spart und einfacher geht.

Dieser ehrliche Einschätzung kann ich zustimmen.
Warum ich dennoch die Entwicklung zwiespältig sehe und sogar so weit gehe, zu sagen, das das Material der Endodontie nicht zum Vorteil, sondern zum Nachteil gereicht, darüber schreibe ich auf unserer WURZELSPITZE Patreon-Homepage kommenden Freitag…

50 gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren (38) – Wenn ´s mal nicht so läuft

Es gibt diese Tage, an denen es nicht so läuft, wie es soll.
Die Erstassistenz meldet sich krankheitsbedingt nicht zur Arbeit. Die Zweitassistenz muss bei einem Schmerzpatienten der Kollegin aushelfen. Und plötzlich ist da das Gefühl, dass der sonst so reibungslose Behandlungsablauf aus dem Tritt gerät.

Was sich zunächst nur nach einem „etwas chaotischen Vormittag“ anhört, entpuppt sich schnell als eindrucksvolle Erinnerung daran, warum Spezialisierung und Struktur in der Endodontie so wertvoll sind. Denn erst, wenn gewohnte Abläufe ins Wanken geraten, erkennt man, wie viel Präzision, Teamarbeit und System hinter scheinbar selbstverständlicher Routine steckt.

In diesem neuen Beitrag der Reihe „50 gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren (38) – Wenn’s mal nicht so läuft“ geht es nicht um Misserfolg, sondern um Einsicht.
Darum, warum Perfektion kein Zufall ist – und warum man sie erst richtig zu schätzen weiß, wenn sie einmal fehlt

Für unsere WURZELSPITZE–Patreon-Unterstützer ist der Artikel in voller Länge auf unserer Patreon-Seite lesbar.
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10 Jahres Recall 21 und 22

Hallo aus München

Heute auch von mir ein langfristiges Recall.

Die Zähne 21 und 22 der heute 58-jährigen Patientin weisen eine lange dentale Historie auf.

Neben einem Zahntrauma in der Jugend „runden“ endodontische Bemühungen“ und eine apikale „Kürretage“ die Historie der Zähne „ab“.

Als wir die Situation im Februar 2015 beurteilen sollten imponierte eine Fistel Region 21

Das DVT zeigte, dass beide Zähne eine apikale Pathologie besassen…

In insgesamt zwei Terminen führten wir die endodontischen Revisionsbehandlungen durch. Nachfolgend das Abschlussbild von damals

Abschluss-Röntgenaufnahme nach Wurzelkanalfüllung Zahn 21 und MTA Apexifikation 22

Vor ein paar Tage erhielten wir das 10-Jahres-Recall vor geplanter prothetischer Neuversorgung.

Es sieht aus, als wäre die Behandlung von damals erfolgreich gewesen.

Zum Glück wird jetzt endlich die prothetische Versorgung angegangen …

Fragment im Recall

Hier hatten wir über diesen Behandlungsfall berichtet.
Die Patientin war wieder zum Recall da. 7 Jahre postoperativ.