elements free

von Oscar von Stetten
Sybron_KL-1Es war schon länger im Gespräch – die kabellose Obturations-„Einheit“ von Sybron. Anfang des Jahres 2014 gab es auch eine offizielle Ankündigung für uns Opinion Leader. Mitte des Jahres würde es die ersten Testgeräte geben. Es wurde November. Normal. Kleinigkeiten, die erst auffallen, wenn die Geräte ausserhalb des Entwicklungslabors in Gebrauch sind.
Ich war sehr froh das zu hören, denn kabellos ist für mich gleichbedeutend mit „ergonomisch“. Deswegen bin ich froh, sowenig wie nur möglich kabelgebundene Geräte handhaben zu müssen.

Dann kam es. Der Look: stylish. Ein bisschen Apple-like. Weiss, hochglänzend. Wie sich der Kunststoff nach Jahren der Desinfektion und des Gebrauchs aussehen wird, kann man nicht sagen.

Angeschaltet, die Akkus waren zumindest für einen kleinen Test noch ausreichend geladen. Die Displays sind gut ablesbar, die Einstellung denkbar einfach. Tipp: der Heatcarrier erreicht die Temperatur SEHR schnell. Man sollte nicht, wie ich, den Finger dranhalten, aber das ist eine andere Geschichte. Und er hat den alten Aktivierungsring vom originalen System B bekommen. Der auch noch stylish blau leuchtet. Ein kleiner Nachteil ist die hohe Empfindlichkeit des Ringes. Aber nur am Anfang, man gewöhnt sich schnell daran. Wenn man von der kabelgebunden Obturation Unit kommt, ist das wirklich eine Umstellung, da der Aktivierungsknopf der Elements Obturation doch stärker und vor allem genauer gedrückt werden muss. Man gewöhnt sich im täglichen Arbeitsablauf doch recht schnell dran. Neueinsteiger werden keine Probleme damit haben.

Die Extrudereinheit kommt klein und gut ausbalanciert daher. Die üblichen Kartuschen von SybronEndo passen ohne Probleme und werden auch gut fixiert. Das Display ist auch hervorragend ablesbar und die Einstellung einfach. Es wird eine Ladestation mitgeliefert, in die die Geräte nach Gebrauch zum Laden eingestellt werden. Die Heizleistung ist auch in Ordnung, bedenkt man dass das Gerät, so gross wie ein kabelloses Endohandstück, eine Kartusche GP auf 220° heizen muss. Zum Aktivieren des Extruders ist ein Knopf vorhanden, kein Ring. Damit muss das Gerät zwingend korrekt an den Behandler übergeben werden und zusätzlich muss die Kartusche korrekt einleget worden sein, d.h. die Spitze sollte schon mal Richtung des Zahne zeigen. Die Kartuschenspitze ist zwar drehbar, dreht man jedoch zu viel, fällt die Kartusche einfach aus dem Gerät oder aber rutscht aus den Sicherungen und wird vom Kolben herausgedrückt. Auch das ist Übung und wenn man die Elements Obstration gewöhnt ist, bedeutet das keine Umstellung.

Beide Geräte haben auch eine akustische Signalisierung, die allerdings wie ein erkältetes Tamagochi klingt und am Anfang zu viel Gelächter geführt hat. Man kann es ja auch einfach stumm schalten….

So weit, so gut. Die erste WF stand an und nach anfänglichen oben erwähnten Problemchen klappte es sehr gut. Doch dann: die Batteriewarnung leuchtete am Extruder. Nach einer Molaren-WF. Die Akkus lassen sich zwar einfach austauschen, es sind keine Hindernisse wie bei anderen Geräten eingebaut, aber das kam dann doch überraschend. Akkus benötigen mehrere Ladezyklen, um die volle Kapazität zu erreichen. Nach einer Wochen Nutzung hielt unser Extruder dann 3 volle GP-Kartuschen durch, das reicht für eine Weile. Und seien wir ehrlich, 3 Kartuschen sind eine Menge Guttapercha, die man wohl nur selten in einer Sitzung hintereinander braucht.

Es gibt noch ein System auf dem Markt welches vergleichbar wäre, die Alpha und Beta von B&L. Der Heatcarrier ist sicher miteinander vergleichbar, denn ein Gerät welches eine Metallarbeitsspitze auf Temperatur bringt ist kein Hexenwerk. Bei der Pistole ist die Vergleichbarkeit schwierig. Beides hat seine Vorteile und auch Nachteile. Ich persönlich komme mit den Pistolen nicht zurecht. meine Handhaltung dafür ist einfach nicht ergonomisch genug und ich hatte Probleme im Seitenzahnbereich die Pistole halbwegs vernünftig in den Zahn zu führen. Dosierten Druck anschliessen zu applizieren war dann noch eine andere Geschichte. Vielleicht bin ich auch zu sehr die Elements Obstration Unit gewöhnt, aber ich empfinde es als ungemein angenehm, nur einen Knopf drücken zu müssen anstatt aktiv dosiert Kraft auszuüben und den Applikator präzise in einen Kanal zu halten. Für mich DER grösste Vorteil.

Ein Nachteil des maschinellen Extruders, der immer gerne angeführt wird: ich kann immer nur Guttapercha benutzen. Und dann auch nur von einem Hersteller. Spielt für mich in meiner Umgebung keine Rolle, da ich ausser Guttapercha kein anderes WF-Material verwende. Bei Sybron bekomme ich die Mischungen light body, heavy body und regular body. Das reicht mir. Der höhere Preis der Kartuschen? Dafür habe ich keinen Ärger und gleichbleibende Konsistenz. Jetzt wieder. Aber das ist ein anderes Thema.

Bei dem B&L-Gerät sollen sich in letzter Zeit zudem vermehrt Risse in der Plastikverschalung gebildet haben, das hört man zumindest von Kollegen. Nach 6 Monaten. Und Austausch brachte wohl auch keine deutliche Verbesserung. Kein Gerät ist perfekt, das ist keine Frage! Für welches man sich entscheidet ist Geschmacks- und Workflowsache.

Fazit bisher: Ich mag es, meine Assistenz hat sich dem Sybronverteter in den Weg gelegt als er das Muster abgeholt hat weil sie so begeistert war vom den Gerät und der Erleichterung des Handlings bei der WF.

Werde ich es mir holen? Ja, sehr wahrscheinlich. Alleine schon, um meiner Assistenz die Erleichterung zu gönnen.

Vertikale Kondensation

von Christian Danzl

Wenn bei einer Wurzelkanalbehandlung die Aufbereitung, Desinfektion und Trocknung der Wurzelkanäle abgeschlossen ist, gibt es verschiedene Wege sie mit Sealer und Guttapercha (oder ähnlichem) zu füllen.
Am weitesten verbreitet dürfte die Einstifttechnik sein, bei der der Kanal mit Wurzelkanalsealer aufgefüllt wird und ein mehr oder weniger formkongruenter Guttaperchastift nachgeschoben wird. Einfach, schnell, stellt keine großen Ansprüche an die Aufbereitung, ist aber weit weg von High-End.
Bei der lateralen Kondensation wird nach dem Sealer ein Guttaperchastift eingebracht und anschliessend mit einem Spreader Platz für einen weiteren Stift geschaffen, dieser wird so weit wie möglich eingebracht, anschliessend wird wieder mit dem Speader Platz geschaffen … bis der Kanal gefüllt ist. Man kann so die meisten Kanäle gut 3-dimensional füllen, wenn die Krümmungen nicht zu stark sind. Zeitraubend.
Bei der warmen vertikalen Kondesation wird nach dem Sealer eine Füllspitze eingebracht, diese wird mit einem Heat-Plugger stückweise erweicht, der entstehende Überschuss entfernt und die im Kanal verbleibende GP-Spitze mit einem Plugger nach apikal verdichtet. Das wird wiederholt bis man auch die Guttapercha auf den letzten 3 mm vor Apex erweicht und an die Kanalmorphologie angepasst hat. So wird apikal ein relativ dichter Verschluss erzielt. Der Rest des Kanals wird dann mit warmer Guttapercha aufgefüllt.

Der Heatplugger (z.B. Touch’n Heat, System B) kann aber auch ersetzt werden durch ein Ultraschallgerät mit einer Spitze, die vorne plan ist, wie ein Plugger (z.B. NSK E5/E6). Durch die Schwingung wird die GP sehr plastisch und lässt sich schön in Nischen einbringen.
An sich gleiches Vorgehen, wie mit dem Heatpluger.

Vorteile:
– es braucht kein Heatplugger angeschafft werden, wenn ein US-gerät vorhanden ist
– Erwärmen/Verpressen der WF und Kondensieren mit einem Gerät möglich
– treibt die GP besser in Ecken und Nischen

Nachteile:
– Gefahr der Schartenbildung an der Kanalwand bei zuviel Leistung
– Hitzeentwicklung schlecht kontrollierbar
– Vorbiegen der US-Spitzen ist deutlich schwieriger bei Heatpluggern

Dieses System ist jetzt nicht neu, man muss auch nicht umsteigen, aber man kann in bestimmten Fällen die Guttapercha besser verpressen. Und man kann, wenn man ein US-Gerät in der Praxis hat, das System der vertikalen Kondensation ausprobieren ob es für einen selber Sinn macht auf warme vertikale Kondensation umzusteigen und sich dafür Geräte anschafft.

Interne Resorption

von Ronald Wecker

Diesen Fall werde ich aus verschiedenen Gründen im ganzen Leben nicht vergessen.

Der Patient klagte über ziehende Beschwerden im Bereich des rechten Unterkiefers. Die Sensibilitätsprobe fällt an allen Zähnen positiv aus, es liegen gesunde parodontale Verhältnisse vor, die Okklusion zeigt keine Auffälligkeiten, es gibt weder insuffiziente Füllungen noch kariöse Läsionen. Lediglich Zahn 47 weist eine geringe achsiale Perkussionsempfindlichkeit auf.

Das angefertigte Röntgenbild zeigte folgenden Befund:

Neben der pulpanahen Restauration fallen rundliche Erweiterungen des Pulpakammerhohlraums auf, die den Verdacht einer internen Resorption aufbringen. Typisch dafür die positive Sensbilitätsprobe sowie eine Erweiterung des Wurzelkanals oder des Pulpakammerhohlraumes.

Die endodontische Therapie mit Entfernung des Pulpagewebes stellt die einzige Möglichkeit dar, den resorptiven Prozess zu stoppen, da die Ernährung der Resorptionszellen aus dem Pulpagewebe heraus erfolgt.

Die endodontische Therapie wurde am gleichen Tag, genauer Abend, durchgeführt. Beeindruckend fand ich die Zahnoberflächen im Bereich der Resorptionslakunen. Sehr glatt und fast wie hineingefräst.

Das Besondere an diesem Fall ist, dass es mein erster Squirtingfall war. Dies allerdings ungewollt und nicht geplant. Mein damals in Benutzung befindliches System B hatte einen leeren Akku und das Laden dauerte bei diesem Gerätetyp noch länger als 1 Stunde. Da die Behandlung deutlich länger dauerte als gedacht, entliess ich die Mitarbeiterinnen nach der Aufbereitung in den Feierabend. („…das bisschen Obturation schaffe ich schon alleine!“) ohne zu wissen, dass das System B nicht funktionierte.

Masterpoints einprobiert und anschliessend: Nichts!

Dem Patienten, extrem empfindlich beim Platzieren des Röntgensensors und auch so genug gestresst von einer zahnärztlichen Behandlung, wollte ich einen weiteren Termin ersparen. Die Obtura Gun hatte allerdings einen direkten Stromanschluss. Also im Geiste noch einmal die Grundlagen des Squirtens durchgegangen und mit einigem Unbehagen obturiert. Das Ergebnis ist durchaus zufriedenstellend gewesen.

Noch mehr gefreut hat mich jedoch das Recall-Bild von dieser Woche nach nunmehr fünfeinhalb Jahren, wenngleich das Platzieren des Sensors ohne Anästhesie aufgrund eines ausgeprägten Würgereizes fast nicht möglich war.

B&L SuperEndo Alpha

von Hans – Willi Herrmann

Christoph Kaaden hat schon hier und hier darüber geschrieben, kurz nachdem er von einem Vortrag aus Südkorea das B & L SuperEndo Alpha mit nach Deutschland brachte.

Mittlerweile ist das  Gerät, eine kabellose, akkubetriebene „System B“ – Modifikation für die warme Wurzelkanalfüllung,  in Deutschland (z.B. bei ADS, Vaterstetten) erhältlich.
Seit ein paar Wochen verwende ich dieses in der Praxis – und habe großen Spass damit. Zum ersten Mal mit einem akkubetriebenen „System B“ – Gerät und das will was heißen, denn ich habe bereits 4 Vorgänger – Generationen kabelloser „Guttapercha – Lötkolben“ ausprobiert und bislang keines derer für so gut befinden können, dass ich von meinen kabelgebundenen Geräten abgekommen wäre. Am besten hatte sich das ( nicht mehr im Handel befindliche) Hufriedy Downpak geschlagen, war aber ebenso wie die beiden anderen Geräte (EndoTwin und Meta von 2008)  gegenüber dem Goldstandard „System B“ oder seinem „Elements“- Nachfolger mit so vielen Nachteilen behaftet, dass ein Kauf für mich nicht in Frage gekommen wäre.

Jetzt ist das anders.
Das B & L Alpha liegt gut in der Hand, tut einwandfrei seinen Job, liefert auf den Punkt immer genügend Hitze,  es nervt kein Kabel, was unter dem Dentalmikroskop ein riesiger Vorteil ist und auch die Verwendung in mehreren Zimmern ist dank Akkubetrieb kein Problem.
Apropos Akku. Natürlich wissen wir nicht, wie sich dieser im Langzeittest schlägt, ich kann also nur vermelden, dass bislang alles unauffällig, sprich einwandfrei, funktioniert, wäre aber angesichts des tollen Handlings bereit, es auf eine Probe aufs Exempel ankommen zu lassen. Und eine Marginale am Rande: Das Gerät gefällt durch sein schönes Industriedesign, es wäre zu wünschen das andere Hersteller dem Formfaktor die gleiche Bedeutung beimessen würden.

Mein Fazit:
Müsste ich mich heute für einen „System B“ – Lötkolben entscheiden, ich würde das B & L SuperEndo Alpha kaufen. Ohne Wenn und Aber. Und ich bedaure schon jetzt den Tag, an dem ich das Testgerät zurückgeben muss.

Saving hopeless teeth (VII), apikale Aufhellung, Regeneration des Septums,

von Bodald Necker

Die 35-jährige Patientin kam zur Routine-Untersuchung.
„Da unten links ist das Zahnfleisch ab und zu ein wenig komisch“, sagte sie zu mir.
Am 36 war nichts groß auffällig auf den ersten Blick. Buccal im Bereich der Furkation war die Gingiva leicht verdickt und gerötet.
Sondierungstiefen alle unauffällig bis 3 mm.
Nur bukkal an der veränderten Gingiva „fiel“ die Sonde drucklos bis 13mm.
Sensibilitätsprüfung auf Kältespray negativ.

Die Röntgenaufnahme zeigte dann das ganze Mass des Knochenabbaus:
Deutliche Aufhellung an beiden Wurzeln, röntgenologisch kompletter Verlust des interradikulären Septums

Nach Aufklärung über den Zustand und die Überlebenswahrscheinlichkeit die alles entscheidende Frage an die Patientin:
Erhaltungsversuch oder Implantat ?

Die Patientin  wollte den Versuch des Zahnerhaltes.
Und auch ich war der Meinung, das dieser Zahn erhaltungswürdig und erhaltungsfähig ist.

Es folgten maschinelle Aufbereitung, reichlich Spülung mit den entsprechenden Desinfizientien, Kontrolle auf Frakturen oder Cracks mit dem Dentalmikroskop, medikamentöse Einlage mit Calciumhydroxid, provisorischer Verschluss mit Cavit.

Nach einer Woche nach wie vor keine Schmerzen oder andere Beschwerden. Die Gingiva hatte sich bukkal normalisiert.
Die Sondierungstiefe hatte sich erstaunlicherweise von 13mm auf 3mm  reduziert (allerdings wollte ich das nicht mit aller Kraft wissen).
Medwechsel.
Wieder Calciumhydroxid, Cavit und jetzt Harvardzement  oben drauf.

Nach einem Vierteljahr – bei der nächsten Kontrolle  – wie gehabt – keine Schmerzen, keine auffällige Sondierung. Die Kontrollaufnahme liess eine Heilungstendenz erkennen.
WF mit SystemB und koronalem adhäsivem Verschluss.

Letzte Woche, ein halbes Jahr nach WF, ist durchaus eine deutliche Knochenregeneration zu erkennen.
Die Furkation ist noch nicht ganz knöchern regeneriert, wir werden aber dennoch zur Überkronung schreiten.