Zu hart!

von Jörg Schröder

Guttapercha ist nicht gleich Guttapercha. Selbst wenn Guttapercha drauf steht.

Zugegeben, diese Nachricht wird wohl die wenigsten Leser überraschen.

Überraschend für mich jedoch war gestern, dass die in der seit 7 Jahren verwendeten Elements Obturation Unit eingesetzten Kartuschen der Qualität „Heavy Body“ eine Guttapercha entliessen, die unmittelbar nach Austreten aus der vorgewärmten Kanüle erkaltete. Und zwar ohne zuvor eine  Verbindung mit der bereits im Kanal befindlichen Guttapercha einzugehen. Was die Obturation der Kanalsysteme mehr als erschwerte und zeitlich erheblich in die Länge zog.

Die Temperatureinstellung war unverändert, die Kartuschen sahen aus wie immer.

Auf irritiertes Nachfragen meinerseits berichtete die Mitarbeiterin, dass die eingesetzten Originalkartuschen (Original Sybron Verpackung) von einem neuen Anbieter stammten.

Die daraufhin aus dem benachbarten Behandlungszimmer „geliehenen“ Kartuschen des bisherigen Anbieters zeigten dagegen in derselben Obturationseinheit die gewohnte Konsistenz.

Zufall? Qualitätsstreuung? Produktpiraterie?

Als Erstmassnahme werden die Kartuschen wieder nur beim bisherigen Anbieter bestellt. Ob die angestellten Nachforschungen zu den Hintergründen Licht in dieses Dunkel bringen werden, wird sich zeigen.

Implantat versus Zahn – schon wieder! – Part (II)

Von Bonald Decker

Vor einiger Zeit haben wir hier über ein ungleiches „Duell  zwischen „Implantat versus Zahn“ berichtet.

Heute das Update zur aktuellen Situation:

Das „Wichtigste“ zuerst.

Das Implantat musste (u.a. aufgrund fehlender Osseointegration) entfernt worden.

Dem Zahn soll(te) noch eine „Chance“ gegeben werden. Unter anderem aufgrund von Beschwerdefreiheit haben wir diesem „Wunsch“ entsprochen.

Da die laterale Perforation der Zahnwurzel einen Durchmesser von (nur) ca. ISO 030 aufwies entschieden wir uns für eine Wurzelkanalfüllung mittels Guttapercha und Sealer (AH plus). Von einer Instrumentation apikal der lateralen Implantat-Verletzung haben wir abgesehen, da dies in meinen Augen die Situation (wahrscheinlich) verschlechtern statt verbessern würde. Insbesondere, da es sich initial um ein vitales Wurzelkanalsystem handelte.

Wurzelkanalfüllung und post-operatives Röntgenbild

Wurzelkanalfüllung und post-operatives Röntgenbild

 

Prä-operatives vs. post-operatives Röntgenbild

Prä-operatives vs. post-operatives Röntgenbild

Über den weiteren Verlauf werde ich weiter berichten.

 

Petri Heil

von Christian Danzl

Die hier vorgestellte „Angelzubehör“ ist jetzt in Deutschland zu beziehen.

G. Hartzell and Son stellt die Guttapercha-Removal-Instruments her.
EGPR-L/R und EGPR-U/D

Das Stück zu 60,- €  über ADSystems.

Arbeitsende mit Widerhaken

Arbeitsende mit Widerhaken

2014-01-30-Hartz

Endo- Paro – Läsion

von Mesantiab Sanns

Die Patientin stellte sich wegen einer Fistel Regio 14 bei uns vor, die Taschentiefenmessung von 8mm mesial an Zahn 15 ließ schnell auf eine parodontale Beteiligung schließen. Zahn 15 ist seit einigen Jahren der distale Brückenpfeiler zu Zahn 13.
Die Ausgangsaufnahme wurde mit eingebrachter Iso15 Guttaperchaspitze, die sich ohne Widerstand fast komplett in den Fistelgang hat einbringen lassen, gemacht.
Nach der Röntgenaufnahme wurde ein 2. Kanalsystem vermutet, welches den Ausgang nach mesial in Richtung Regio 14 haben könnte, da dort die größte röntgenologische Aufhellung zu sehen ist.
Der palatinale Kanal wurde initial mit ProFile, final mit WaveOne revidiert. Nach Ausdehnung der Zugangskavität Richtung bukkal wurde tatsächlich ein zweites Kanalsystem gefunden und analog zum pal. Kanal aufbereitet. Interessanterweise lag hier eine deutliche Stufenbildung mit Instrumentenfragment im unteren Kanaldrittel vor, welches auf der Ausgangsaufnahme nicht zu erkennen war (evtl. überlagert durch in Fistelgang eingebrachte Guttaperchaspitze???). Die nur ca. 1,5mm lange Instrumentenspitze ließ sich erst nach ca. 30 Minuten mittels Ultraschall entfernen, was einen zeitlichen Mehraufwand für die Behandlung bedeutete, da ich Fragment und Stufe nicht erwartet hatte.
Nach elektrometrischer Messung (buc:16,5mm, pal:19mm) wurde Calciumhydroxid eingebracht und provisorisch Verschlossen, im Anschluss die PAR-Behandlung an 15 durchgeführt.
Nach 3 Wochen war kein Fistelmaul mehr zu entdecken, nach erneuter Messung und Ausformung der beiden Kanäle wurde mit NaOCl, Zitronensäure und CHX aktiviert gespült und thermoplastisch verschlossen. Gut zu sehen ist die abgefüllte Stufe des bukkalen Kanals, ein kleiner Seitenkanal wurde zusätzlich ausgepresst. Anschließend adhäsiver Verschluss und orthoradiale und exzentrische Röntgenaufnahme.
Obgleich der eher eingeschränkten Prognose des Zahnes wegen der großen Knochendefekte und Fistelbildung wagten wir den Versuch zur Erhaltung des Zahnes und somit der Brückenversorgung. Die Patientin ist beschwerdefrei und wird sich in 4-5 Monaten zur Kontrollaufnahme wieder in der Praxis einfinden, wir werden sehen was uns das Röntgenbild zeigt.


Abschließend hätte uns im Vorfeld evtl. eine weitere Ausgangsaufnahme ohne eingebrachte Guttaperchaspitze helfen können Stufe und/oder Fragment zu entdecken und somit eine bessere zeitliche Planung erlaubt.

Für Anregungen, Diskussionen und Kritik bin ich immer zu haben.

Viele Grüße aus dem Taunus,

Mesantiab Sanns

Großes Loch

von Bodald Necker

Ein Anruf vom Kollegen aus dem Nachbarort. Er hat bei einer Revision 27 nur einen Kanal gefunden. Ob ich die Endo übernehmen könne.
Auf dem mitgeliefertem Röntgenbild war schon zu erkennen, dass auch mit relativer Sicherheit nur ein Kanal vorhanden war, also doch kein Kanal bei der Primärbehandlung übersehen wurde.
Nach Inspektion des Kanalsystems war klar, es war ein seltener Fall von einem oberen 7er mit nur einem Kanal.
Der Kollege hatte schon die meiste der Guttapercha ausgeräumt. Mit einem Microopener konnte noch ein Stück GP aus dem periapikalen Bereich gefischt werden. Nachdem der Kanal von der GP befreit war, hatte man freien Blick auf die Kieferhöhlenschleimhaut.
Die Desinfektion erfolgte mit NaOCl und Ultraschall.
Das Formen war weit offen, sodass MTA das Mittel der Wahl war. Mittels eines Gelatine-Schwämmchens wurde die KH-Schleimhaut abgedeckt, um eine Extension des MTA zu verhindern. Um die Dicke des Schwammes röntgenologisch zu kontrollieren wurde eine dicke GP-Spitze bis zum Gelastypt-Schwamm in den Kanal eingeführt und mit einem Schaumstoff-Pellet fixiert. Anschliessend wurde MTA eingebracht und mit warmer Guttapercha der Rest des Kanals aufgefüllt. Anschliessend wurde die Wurzelfüllung mit Komposit adhäsiv verschlossen.

Der Tag im Leben eines Endo-Teams…

von Bonald Decker

eigentlich wollte ich heute einen anderen Beitrag einstellen.

Eigentlich.

Aber im Laufe des Behandlungsabends habe ich mich umentschieden und möchte kurz einen Tag im Leben eines (bzw. unseres) Endo-Teams vorstellen…

Hierzu jeweils die Eckdaten und wichtigsten Informationen zu den einzelnen Situation in Kurzform…(leider war unsere Fotodokumentationsvariante heute umzugsbedingt nicht verfügbar; daher also leider keine klinischen Fotos…)

Behandlungsbeginn 14:00 (Dienstag ist „unser langer Tag“ bis ca. 21:00 )

1. Patient: Nach erfolgter Beratung in Ersttermin über Diagnose, Therapie(optionen) und Prognose nun Behandlungsbeginn…

Lentulo-Entfernung

2. Patient: Zweiter Behandlungstermin (Diagnose: Z.n. Frontzahntrauma; jetzt apikale Parodontitis) nach initialer Trepanation und chemo-mechanischer Reinigung & med. Einlage (CaOH2)/ prov. Füllung. MTA-Plug (ohne Widerlager), Backfill mit Guttapercha / AH Plus; internes Bleaching für Beginn 2012 geplant.

 

MTA Apexifikation

3. Patient:

Z.n. Wurzelkanalbehandlung vor ca. 20 Jahren; Z.n. WSR vor ca. 8 Jahren, vor 2 Wochen beginnende Schwellung ausgehend von Zahn 46; Alio loco verordnete orale Antibiose; momentan Beschwerdefreiheit; Im Rahmen des Erstgesprächs Erläuterung der verschiedenen Therapien; Unsere Empfehlung: Entfernung des Zahnes 46 aufgrund von erheblicher Vorschädigung und parodontaler Situation; Patient (Orthopäde) wünscht Zahnerhalt mit allen Mitteln (da er aus eigenem Fachgebiet „Vorbehalte“ gegen Implantate hat!)

Revision bei Z.n. WSR und aktueller apikaler Parodontitis

Eine mögliche Wurzellängsfraktur bestätigte sich intraoperativ nicht. Die geschätzte Resektionswinkel mesial beträgt ca. 45 Grad (!) Die Messaufnahme zeigt die Instrumentenposition im mes-ling. Kanalsystem…

weiteres geplantes Procedere: Verschluss der Neoapices mit MTA (bei kontinuierlicher Beschwerdefreiheit) und weitere WF mit Guttapercha&Sealer sowie Glasfaserstift distal.

4. Patient:

Die „grosse“ Unbekannte…; Auf Wunsch des Vaters und der wohnlichen Situation der Patientin (im Ausland) Behandlungstermin _ohne_ „Erstkontakt“. Bei uns die _absolute_ Ausnahme! Unklarheiten über Ausgangsdiagnose (sowie Zahnart & Anzahl)…

die „Überraschung“ erfolgt nach Erhebung der Anamnese sowie der klinischen und radiologischen Befunde (daher auch eigentlich immer bei uns vorab Befundungs-/Beratungstermin).

Während die Situation von Zahn 17 auf den ersten Blick ggf. aufwändiger erscheinen mag, lag die tatsächliche heutige Herausforderung in der Gestaltung der adhäsiven Aufbaufüllung des Zahnes 15, die gefühlte 2/3 der Behandlungszeit ausmachte.

Später als gedacht war unser Behandlungstag beendet…

morgen (Mittwoch) gehts um 9.00 weiter…

:-)

mal schauen, was der morgige Endo-Tag so bringt…

 

;-)

 

PS: Danke Franzi für Ihren Einsatz :-)))))

Kurz oder lang?

von Ronald Wecker

Folgender Behandlungsfall zeigt die Wichtigkeit der endometrischen Längenmessung bei der Bestimmung der Arbeitslänge. Zugleich wird deutlich, daß das zweidimensionale Röntgenbild in diesem Punkt  Raum für Interpretationen lässt und kein verlässlicher Ratgeber sein kann. Darüber hinaus wird klar, daß der Einsatz von Lösungsmitteln im Zuge  der Revisionsbehandlung alles andere als vorteilhaft ist.

Die Patientin wurde zur Revision der Wurzelfüllung an Zahn 16 überwiesen. Das präoperative Röntgenbild zeigt eine apikale Aufhellung an der mesialen Wurzel. Das klinische Bild zeigt ein unbehandeltes 2. mesiobukkales Kanalsystem.

Die Entfernung des Obturationsmaterials aus der palatinalen Wurzel gestaltete sich überaus zäh. Im Gegensatz zu den anderen Kanälen liessen sich die im Dentalmikroskop im apikalen Drittel deutlich zu erkennenden Guttaperchareste nicht entfernen. Die vor der vollständigen Entfernung angefertigte Messaufnahme zeigt, daß das unter endometrischer Kontrolle eingebrachte Instrument deutlich vor dem Ende der Guttaperchaspitze endet. Da mehrfach wiederholte Messungen immer wieder die gleiche 0-Länge ergaben lag der Verdacht nahe, daß die restliche Guttapercha überwiegend periapikal liegt. Nach „Eindrehen“ einer Hedströmfeile der ISO Größe 30 unter endometrischer  Kontrolle gelang es schliesslich das Guttaperchstück in toto zu entfernen.

Das anschliessend angefertigte Röntgenbild zeigt eine mit der ersten Messaufnahme vergleichbare Lage des Wurzelkanalinstrumentes. Das röntgenologische Ende des Zahns weicht in diesem Fall erheblich vom Ende des Wurzelkanalsystems ab. Die Verwendung von Lösungsmittel hätte mit großer Sicherheit zu einem Verbringen von potentiell infiziertem Fremdmaterial in den Periapikalraum geführt.

Zwar dauert das Entfernen der Guttapercha mittels Handinstrumenten und Ultraschallansätzen auf den ersten Blick etwas länger. Der Vorteil der besseren Kontrolle über das zu entfernende Fremdmaterial wiegt diesen Nachteil jedoch mehrfach auf.