Blindflug


Die Patientin kam mit akuten Beschwerden ( Aufbissschmerz ), möchte den Zahn unbedingt erhalten. Auf Grund der geringen Rente sollten die Kosten überschaubar sein.
Der Zahn 46 zeigte kein Lockerungsgrad, keine erhöhten Sondierungstiefen, eine Krone, welche durchaus bemängelt werden kann, aber nun schon mehr als 20 Jahre auf dem Zahn ist. Was tun?
Das Obliteriertes Kanalsystem ist dank ProFile 15.04 und Morita Tri Auto ZX 2 Plus und OPG2 behandelbar ohne Instrumentenfrakturen. Die Krone wird sicher, wenn keine Sekundärkaries oder Leckage erkennbar sind noch weiter funktionieren. Also haben wir die Behandlung geplant.
DVT, die Kosten konnten wir dank unserer langjährigen endodontischenErfahrung einsparen.
( Zumal ich letztens erst auf dem Bayerischen Zahnärztetag gehört habe, viele DVT sind unnütz – Prof. Gabriel Krastl – den ich als einen Kollegen mit grandiosen Fällen und beeindruckenden Bildern kenne und wertschätze.)
Also los ging’s im Blindflug. Betriebsblindheit macht vor niemanden halt, besonders, wenn man sich ein gewisse Demut nicht erhält und Kraft seiner Wassersuppe nach voraus prescht…

Eine meiner Liebelingssätze zum Thema Röntgen: Es ist zu sehen, was nicht zu sehen ist, traf hier mal wieder zu. Wer sieht das Problem eher als ich es tat?

IDS – Nachlese 2025 (5) Neues Zoom-Mikroskop, neue Kamera bei CJ Optik

Irgendwie traurig.
Ich liebe unser Zeiss Pro Ergo.
Und sage trotzdem.

Ich würde vermutlich heute ein Flexion-Mikroskop von CJ Optik kaufen.
Das auf der IDS 2025 neu vorgestellte Flexion Zoom.
Mit Doppel-LED – Lichtquelle. Und dem mir von Carsten Jung versprochenen Anschluss für unseren Mitbeobachtertubus für meine Assistentin.

Warum?
Weil die Qualität sehr gut ist und Carsten Jung, der Chef von CJ Optik, sein Kind, ich denke man kann das Mikroskop so nennen, stetig weiterentwickelt, verbessert.
Und man auch nach dem Kauf nicht alleine gelassen wird.
Hilfe erfährt, wenn man sie braucht.
Dazu im Übrigen im nächsten Beitrag mehr.

Neueste Entwicklung(en) ?
Das Flexion verfügt jetzt über ein qualitativ hochwertiges Zoom-Objektiv. Nichts gegen Linsenwechsler und Festbrennweiten, aber stufenlos durch die Vergrösserungen gleiten zu können ist schon eine schöne und angenehme Sache.
Daumen hoch also.

Das gilt auch für eine neue Kamera am Mikroskop. Eine Eigenentwicklung, die – wichtiges Feature – Fotos mit vergleichsweise hoher Tiefenschärfe liefert.

Wie das geht ?
Hat man einen Weg gefunden, die Physik zu überlisten?
Natürlich nicht.

Vielmehr bedient man sich im Gegensatz zu den normalerweise verwendeten Systemkameras im Kleinbild-Full-Format oder APS C-Format eines vergleichsweise kleinen Sensors, der lichtstark genug ist, um rauschfreie Bilder zu liefern, dafür dann aber mit der erwähnten hohen Schärfentiefe aufwartet. Und nirgendwo ist das wichtiger als in der Mikroskop-Fotografie. Am Messestand konnte ich einen ersten, deutlich ins Auge fallenden Eindruck gewinnen von der Sinnhaftigkeit dieser Kombi.



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Mikrosabsaugung (3)

Heute möchte ich noch die Bilder, Texte und Links zur Mikroabsaugung aus den Kommentaren im Beitrag Mikroabsaugung vom Kollegen Wersch nachreichen.

Den Transcodent-Luer-Adapter (FC0003100) gibt es ja seit einiger Zeit nicht mehr zu kaufen. Obwohl noch bei Aera und Wawibox gelistet, so liefen Bestellversuche in der Vergangenheit ins Leere. Seitdem Medmix das Transcodent- Sortiment übernommen hat, wurde es nicht wieder in das Sortiment aufgenommen. 

Meine Tüftlerlösung ist ein kürzbares Edelstahlröhrchen  mit 6mm Außendurchmessser und 4mm Innendurchmesser 60mm lang mit einem aufgeschnittenen M6-Gewinde. Hierfür gibt es zum Beispiel bei Ebay „Luerlock-male auf M6-Gewinde“-Adapter. 
Man benötigt etwas Hilfe von jemanden der eine Drehbank hat, um von 6 mm auf 5,8 mm zu verjüngen, um ein M6-Gewinde aufschneiden zu können.

Alles zusammen ergibt das eine sehr handliche, individuell kürzbare, zerlegbare, sterilisierbare Version mit minimalem finanziellem Aufwand (8,- Stck). Die Version ist ergonomisch und läßt die von Assistenzseite angereichte Microabsaugung kaum noch das Mikroskopobjektiv touchieren (bei 200…300mm Arbeitsabstand Spiegel-Objektiv). Man benötige keine schlauchhaltende Hand mehr seitens der Assistenz. Wer also die Microabsaugung von links gut findet, hat ein ähnlich handliches Instrument wie den Cerkamed-Endo-Aspirator (von Behandlerseite).

Anbei nochmal die Links zu Bezugsquellen.

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IDS – Nachlese 2025 (4) Zwei mal DVT neu

An einem der IDS Tage war ich bei Morita am Stand beratend tätig.
Vorrangig zum Thema DVT.
Viele Fragen. Aber auch viele Statements der Besucher.
Eines ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben: Der Kollege fragte mich, warum ich das Morita-DVT gekauft habe. Er habe ein Gerät angeboten bekommen, dass 10.000 Euro billiger sei. Ich antwortete: Ich möchte das Gerät mit der besten Bildqualität haben. Worauf er antwortete: Er sei Allgemeinzahnmediziner (also dass, was man in USA als General Practitioner bezeichnen würde), da käme es auf die Genauigkeit nicht ganz so an. Worauf ich antwortete: Wenn sie ein Abdruckmaterial für ihr Arbeiten auswählen, sagen sie dann auch, dass mit der durchschnittlichen Abbildungsqualität ist ausreichend? Oder würden sie nicht das verwenden, was die genauesten Ergebnisse liefert. Und wenn ihnen das Dentallabor die Krone liefert, sagen sie dann auch, du musst mir keine schöne Krone abliefern oder ich brauche keinen genauen Kronenrand, ich bin ja kein Prothetik-Spezialist, ich bin ja nur Allgemeinzahnmediziner. Nein, natürlich würde man von seinem Dentallabor erwarten, dass es die bestmögliche Qualität liefert und auch von 3 zur Auswahl stehenden Abdruckmaterialien würde man das wählen, das die bestmögliche Qualität liefert und erst dann die Frage nach dem Preis stellen. Ob ich den Kollegen damit erreicht habe ?
Ich weiss es nicht.

Natürlich wurde ich auch immer wieder gefragt, was ich denn von diesem oder jenem DVT anderer Anbieter halte.

An meinem freien Tag habe ich mir daher 2 solcher DVT´s angeschaut.

DVT Nr 1
Das Erstlingswerk von W&H.
Und ich finde bemerkenswert, das die Firma hier als Eigenentwicklung (zwei Geräte sogar) vorgestellt hat. Ich werde auf jeden Fall beobachten, wie sich diese Geräte im zahnmedizinischen Alltag bewähren. Rein äußerlich und von den Abläufen her macht es schon einmal einen sehr guten Eindruck und es gefällt mir bei W&H, dass hier hinter oder gar vor den Kulissen noch kein internationaler Großkonzern die Fäden zieht. Die Firma daher ein elementares eigenes Interesse hat, den Kunden mit sehr guten Produkten nachhaltig zufriedenzustellen, was zu merken ist.

Das zweite Gerät möchte ich nicht benennen.
Warum?
Weil es mich nicht überzeugt hat.
Auf der IDS.
Ich aber kein Urteil fällen werde auf Grund dieses Eindrucks.
Ein Kollege und Freund von mir war an diesem Gerät interessiert und bat mich um meinen Rat und um eine gemeinsame Betrachtung vor Ort.

Detail Nr 1: Es gab eine sehr gute Aufnahme, die natürlich verständlicherweise zu Recht stolz präsentiert wird. Aber wenn man dann andere Aufnahmen danach sich ansieht, dann fällt auf, dass es eine deutliche Diskrepanz zwischen der sehr guten und den anderen Aufnahmen gibt. Und wenn man jetzt noch sich vor Augen hält, dass man sicher im IDS Vorführ-Rechner von vorneherein keine ganz schlechten Aufnahmen verwendet …

Detail Nr 2:
Der Mitarbeiter am Stand betonte als besonderes Feature, dass das Gerät über einen Schnellaufnahme-Modus verfügt, mit verkürzter Umlaufzeit. Allerdings auch reduzierter Bildqualität, wie er auf Nachfragen zugab. Warum der schnellere Umlauf? Längere Umlaufzeiten führen zu Verwacklungen durch den Patienten und damit zu schlechteren Aufnahmen. Was sicherlich richtig ist, aber dennoch in Konsequenz dazu führt, dass man IMMER ein zwar verwacklungsfreies, aber damit von vorneherein kompromittiertes Bildergebnis hat.

Der falsche Weg.
Wie sollte man es stattdessen machen –
Dafür sorgen, dass der Patient nicht wackelt.

Wie macht man das?
Wir achten auf 3 Dinge:
1. Der Patient sitzt. Immer. Die ganze Zeit.
2. Genaue Instruktionen geben, wie der Patient sich verhalten soll. Das mache ich Stück für Stück und achte darauf, dass der Patient mir für jeden Teilschritt die Rückmeldung gibt, alles verstanden zu haben.
3. Die rigide Fixierung des Kopfes im Gerät. In diesem Zusammenhang – Vielen Dank an MORITA, dass ihr auf meinen Wunsch hin eine solche Fixierung entwickelt und gebaut habt, die deutlich dazu beiträgt, bessere verwacklungsfreie Aufnahmen zu erhalten.

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Zum Tod von Holm Reuver – eine Würdigung

Titanen der Menschheit?

Sind Menschen, die angetreten sind, „um eine Delle im Universum zu hinterlassen“.
Sagte Steve Jobs.

Wer darf sich in diese Kategorie einordnen? 
Seien wir ehrlich…vermutlich keiner von uns.

Walter Hess war so ein Titan der Zahnmedizin.
Im Studium  haben mich seine Zeichnungen von der Komplexität des Wurzelkanalsystems extrem beeindruckt.
Tun es heute noch.
Aber das ist 100 Jahre her.

Wer ist seitdem in seine Fußstapfen getreten ?

Holm Reuver. 
Der nun nach längerer Krankheit – natürlich viel zu früh – verstorben ist.

Holm Reuver war – mit seinen transparent gemachten Zähnen – auf Augenhöhe mit Walter Hess.
Kann es ein grösseres fachliches Kompliment geben.
Sicher nicht.

Dabei waren es nicht die vielen Präparate seiner transparent gemachten Zähne per se, sondern es war vor allem wie bei Hess die unglaubliche Qualität der Ausführung, die seine Fotos und Videos über die fachliche Information hinaus zu Kunstwerken machten.

Holm Reuver hat das anzuwendende Verfahren nicht erfunden – es war schon zu Lebzeiten von Hess bekannt – aber er hat es mit der ihm eigenen Resolutheit und Akribie in der Durchführung perfektioniert.
Auf die Spitze getrieben.

Ich habe etliche Fotos transparent gemachter Zähne auf Kongressen überall in der Welt gesehen. Keines davon konnte den Präparaten Holm Reuvers auch nur annähernd das Wasser reichen.

Wenn ich ihm davon erzählte, winkte er immer nur bescheiden ab. Negierte die Diskrepanz in der Ausführung: „Keine grosse Sache. Das kann eigentlich jeder.“

Aber war dem wirklich so…
„Hic Rhodus, hic salta !“
Es springen nur die Wenigsten.
Du bist weit gesprungen, Holm!

Was Frank Paque in beeindruckender Weise um das Jahr 2009 herum in vitro mit einem großen apparativen Aufwand unter Zuhilfenahme eines Micro-CT´s gelang, nondestruktiv Einblicke in das Innere der Zähne zu erhalten, hattest Du schon etliche Jahre zuvor visualisiert und dokumentiert.

Mit Bordmitteln aus der Apotheke.
Zu Cent-Beträgen.

Methylsalicylat. Ein Einmachglas. Stativ, Lampe, Fotoapparat.
Im Vorübergehen.
Nebenbei des Praxisgeschehens, aber mit viel Einsatz.
Immer mit dem Ziel, Wissen weiterzugeben.

Lieber Holm, es war ein Wunder, das Du nach Manifestierung deiner Krankheit wider jeglicher Vorhersagen noch so lange Zeit für dich und deine Familie hattest. Und auch wenn ich in gewisser Weise darauf vorbereitet war, hat mich die Nachricht von deinem Tod dennoch sehr betroffen gemacht.
Holm, du sagtest mir, das längst schon über Dir schwebende Faktum des absehbaren Todes nicht mehr negierend könnend: „Wir sind privilegiert, das wir jeden Tag in unsere Praxen gehen und Zahnmedizin betreiben können. Es gibt für mich nichts Schöneres!“. 

Ein oft gehörter Satz, oft auch eine Floskel. Bei Dir allerdings war es genau so.

Und es war eine verdiente Gnade, dass trotz aller Widrigkeiten, die deine Krankheit für dich bereithielt, Du so lange dem dentalen Arbeiten, das Du so sehr gemocht hast, zum Wohle deiner Patienten nachgehen konntest. 

Holm, Steve Jobs war eine Egomane.
Kein Mensch wird jemals eine Delle im Universum hinterlassen.
Aber du hast deine Initialien tief in die Rinde des Baumes der Zahnmedizin eingeritzt.
Das war nur Wenigen überhaupt gestattet.

Und wenn wir alle schon längst vergessen sind, wird sich die zahnmedizinische Welt an Hand deines Schaffens noch immer an Dich erinnern.

Mehr kann und darf man von einem Leben nicht erwarten.

VD Morbus Paget

Dieser Fall hat bei uns eine Verdachtsdiagnose aufgeworfen, die ich in meinem bisherigen Berufsleben so noch nicht gesehen habe.
Neben dem kollegialen fachlichen Austausch der Behandler innerhalb unserer Praxis war das Memorix von Thomas Weber eine fundierte Sachquelle und Thomas selbst auch. Ein Dank an Thomas Weber an dieser Stelle!

Die in den Röntgenbildern und DVT Screenshots erkennbaren Hyperzementosen ließen den Verdacht auf eine Ostitis deformans Paget aufkommen.
Den Patienten (über 50 Jahre) haben wir informiert und mit der Bitte um diagnostische Abklärung zum Hausarzt überwiesen.
Im Ergebnis dieser Untersuchung hat sich dieser Verdacht nicht bestätigt.

IDS – Nachlese 2025 (3) NITI-Instrumente

IDS – Nachlese 2025 (3)
NITI – Instrumente

Brauchen wir überhaupt noch neue NITI – Instrumente?
Die Menge des Angebots ist auf jeden Fall schon jetzt kaum noch überblickbar. Und neben den Original-Konzepten gibt es nun eine noch wesentliche grössere Anzahl an Kopien, die natürlich alle laut Herstellerrepräsentantenaussage am Stand in Köln mindestens genauso gut sind, aber zu einem deutlich günstigeren Preis angeboten werden.

Ist dem so?
Ich weiss es nicht.
Weil ich es nicht ausprobiert habe.
Warum eigentlich nicht ?
Weil mein Leidensdruck, ein Misserfolgsrisiko und/oder Bruchrisiko einzugehen, nur um ein paar Euro einzusparen, ein nicht vorhandener ist. Zumal die Instrumentenkosten ein durchlaufender Posten sind. Und in der Gesamtsumme der Behandlungskosten nur einen geringen, nicht relevanten Anteil ausmachen.

Insofern sage ich an dieser Stelle wieder einmal, was ich bei fast allen hochgelobten revolutionären Produkten sage, deren Nutzen sich mir nicht unmittelbar erschliesst. Soll doch erst mal der Kollege zwei Türen weiter das ausprobieren und ich schaue mir in Ruhe an, wie sich das Ganze entwickelt. In diesem Zusammenhang noch – Redet noch jemand von Resilon ? Ein revolutionärer Wurzelkanalfüll-Trend („Guttapercha war gestern!“, dem ich bewusst nicht gefolgt bin. Und auch die so hochgelobten biokeramischen Sealer müssen erst noch den Test der Zeit überstehen.

Zurück zu den NITI-Instrumenten. 
Das eigentlich spannende, was NITI -Instrumente angeht, fand auf der IDS weniger auf dem Messe-Tisch, als vielmehr unter dem Tresen statt. Man konnte nämlich gegebenenfalls neue Instrumente in Augenschein nehmen, die zwar noch nicht offiziell präsentiert werden konnten, deren Markteinführung aber im Laufe der nächsten 12 Monate wahrscheinlich sein wird. Zwei dieser Instrumentenkonzepte konnte ich vorab schon evaluieren, ein drittes zum ersten Mal in Augenschein nehmen und am Plexiglasblock/3D-Druck Zahn ausprobieren.

Am Stand von ZARC, einem spanischen Hersteller, der in China fertigen lässt, wurde noch ein weiteres neues Instrument gezeigt. Über dem Tresen. Wärmebehandelte Legierung ist ja nix Neues, aber hier wurden unterschiedliche Bereiche unterschiedlich wärmebehandelt. Macht das Sinn? Es klingt auf jeden Fall vernünftig, dem Bereich der Instrumentenspitze eine andere Produkteigenschaft zu geben als dem Rest des Instrumentenschaftes.

Wir dürfen also gespannt sein, was in nächster Zukunft uns alles diesbezüglich erwartet. 
Und ich werde berichten, sobald das offizielle Okay dazu gegeben ist.

RET nach einem Jahr – Sophia

Die heute 10-jährige Sophia erlitt im Januar 2024 ein Frontzahntrauma, in dessen Folge an Zahn 11 eine Pulpanekrose (+ Fistel) entstanden war.

Prä-op alio loco

Es oblag uns, eine Reparation Endodontische Therapie in zwei Terminen durchzuführen.

Die Compliance des zuckersüssen Mädchens war herausragend und so liess sich die Behandlung in gewohnter Manier problemlos durchführen.

Post-op

Bereits nach sechs Monaten zeichnete sich eine Tendenz ab…

Anfang der Woche war Sophia zum Einjahres-Recall bei uns…

es sieht so aus, als zeige die Therapie Wirkung

:-)

Recall – Z.n. Frontzahntrauma – Reparative endodontische Therapie (5 Jahre)

Vor einiger Zeit hatten wir diesen Fall vorgestellt.

Hier nun das aktuelle 5 Jahres Recall.
Die Patientin ist in einer kieferorthopädischen Therapie. Die apikal verbreiterten Parodontalspalten sind dieser Behandlung geschuldet.

IDS – Nachlese 2025 (III) – Metapex Plus – Alternative

Ebenfalls am Stand von Woodpecker.
Ein neues Medikament.
KP-Pex.

Für die meisten Besucher vermutlich keinen Blick wert.
Für den WURZELSPITZE -Leser aber eine sehr gute Nachricht.

KP-Pex soll dieses Jahr in Europa auf den Markt kommen.

IDS – Nachlese 2025 (II)

Endo-Motoren auf der IDS 2025.
Hier eine Auswahl und eine Beurteilung der Geräte, die ich mir angeschaut habe.

Morita Tri Auto ZX 2 Plus.
Immer noch meine erste Wahl, wenn es um die Nutzung vollrotierender NiTi-Instrumente geht.

Warum?
Weil der Motor zwei besondere Bewegungen anbieten kann, die beide vorteilhaft sind.

Da wäre zunächst die OTR – Bewegung.
Der Motor macht unterhalb der Drehmomentgrenze eine vollrotierende Bewegung. Wird das Torque-Limit überschritten, wechselt er in eine reziproke Bewegung, wie wir sie von VDW Reciproc oder WaveOne Gold her kennen.

Und bietet damit das Beste zweier Welten an.
Im sicheren Drehmomentbereich vollrotierend, also effizient. Und vor allem die produzierten Dentinspäne aus dem Kanal mittels Förderschneckeneffekt heraus transportierend.

Ab dem Drehmoment-Grenz-Limit arbeitet sich der Motor „reziprokierend“ oder sollte ich präziser sagen in nicht kontinuierlicher teilweise rückgeführter Rotation vor. Stichwort „Echternacher Springprozession => 3 vor, 1 zurück !“ auf die Rotationsbewegung übertragen.
Er sucht sich so seinen Weg im Kanal nach apikal.
Das ist ja einer der Dinge, die ich an der „reziproken“ Bewegung so schätze, dieses „schrittweise in den Kanal Hineintasten „und dabei automatisch seinen Weg nach apikal finden. Der Motor wirkt auch erzieherisch. Man spürt die Änderung der Motor-Bewegung und wenn man dann den Druck auf das Instrument etwas verringert, wechselt der Motor zurück in die vollrotierende Bewegung und die Dentinspäne werden wieder aus dem Kanal herausbefördert. Mit ganz kurzer Lernkurve kann man sich so auf diesem Wege bestmöglich Richtung Wurzelkanalende vorarbeiten.

Die zweite nützliche Bewegung ist die OGP2- Bewegung.
Reziproke Instrumente können nicht brechen?
Das stimmt leider nicht.
Natürlich brechen diese, zumindest die dünneren.

Weil ja, wie schon erwähnt die „reziproke“ Bewegung ja doch eine vollrotierende Bewegung ist und beim Einklemmen der dünnen Instrumentenspitze es zum Torsionsbruch kommt. Bei OGP2 wird das Instrument zwar reziprok vor – zurück bewegt, also immer noch Echternacher Springprozession aber in der Summe immer nur 360 Grad in die eine, dann anschliessend in die andere Richtung gedreht.

Sehr schlau.
Und funktioniert sowohl mit vollrotierenden wie mit reziproken Instrumenten bei gleicher Motor- Einstellung. Das kommt natürlich unserem Arbeiten entgegen, denn wir mixen ja z.B. die ProTaper Ultimate Slider mit der Wave One Gold Small und müssen am Motor nichts umstellen.

Ansonsten setze ich biem TriAutoZX 2 Plus noch gedanklich einen Haken beim Ausstattungspunkt „Display am Gerät“. Auch wenn es kein KO – Kriterium ist, so ist es doch immer mein Feature der Wahl.

Warum?
Weil ich am Motor so schnellstmöglich Parameter fallspezifisch „on the fly“ anpassen kann. Sicherheitshalber das Drehmoment oder die Umdrehungszahl verringern ?
Ein Klick und man kann weiterarbeiten.
Mehr Effizienz durch höhere Umdrehungszahl?
Geht auf Knopfdruck und kostet nur eine Sekunde.

Einzig den Winkelstückschaft und Kopf hätte ich mir beim TriAutoZX 2 Plus etwas zierlicher und minimal stärker gekröpft gewünscht. Luxus- Problem? Mag sein. Aber es gibt immer etwas zu verbessern und das wäre mein Wunsch in der Sache.

Bei Meta Biomed habe ich ebenfalls einen neuen Motor gefunden. Den EQ-M.
Der, ich kann es nicht anders sagen, dem Morita-Motor rein äusserlich schon sehr ähnelt
Rein haptisch allerdings ein deutlicher Unterschied.
Der Meta Biomed Motor fühlt sich weniger wertig an.
Das muss für die Funktion keinen Unterschied machen, aber das sollte man zumindest am realen Arbeitsobjekt einmal antesten. Meta Biomed hat versprochen, mir einen Motor zum Test zur Verfügung zu stellen und ich werde zu gegebener Zeit berichten.

Und da haben wir noch die chinesische Firma Woodpecker.
Die tritt erneut mit einem allein schon von der Menge der Produkte her beeindruckenden Messeauftritt an. Schon lange vorbei die Zeiten, an denen ein paar asiatische Händer auf der IDS in der stiefmütterlich anzusehenden „Zweite und Dritte Liga Klasse“ Halle 3 im oberen Stock ihre schlechten Produktkopien renommierter Produkte zum vermeintlichen Schnäppchenpreis anboten.

Für mich relevant – Endo-Geräte und alles drumherum (Röntgen-Geräte, Sensoren, Speicherfolien, UV- Lampen, NiTi- Instrumente)

Ein paar der Motoren habe ich am Stand in die Hand genommen.
Es gibt Standalone-Motoren und welche, die auf ein externes Bediendisplay zurückgreifen. Solider Auftritt aller Geräte. Von den mir bekannten China-Produkten sicherlich diejenigen, die sich am wertigsten anfühlen. Nicht ganz vorne dabei, es ist noch Luft nach oben, aber vielleicht muss es das auch gar nicht, was zählt ist auf dem Platz, also wie die Motoren im Wurzelkanal arbeiten. Ich bin gespannt, wie sich diese Szene weiterentwickelt. Für mich etablieren sich die China- Hersteller immer mehr de facto im Markt, vor allem weil sie ihr Billig-Image längst abgestreift haben und teilweise mit innovativen Geräten und guter Produktqualität aufwarten können, Attribute, die man den westliche nHerstellern bislang zugeschrieben hat, die aber teilweise schon länger nicht mehr vorhanden sind und der vermeintliche Glanz ein längst verblichener ist.

Mein Lieblingsgerät des Jahres 2023/2024 ist im Übrigen ebenfalls ein chinesisches. Der Bambulab Carbon x1 3D Drucker. Ein so herausragendes Gerät, dass es meine 5 anderen 3D- Drucker allesamt in Ruhestand geschickt hat. Das Beste bislang überhaupt und wenn sich die chinesischen Produkte insgesamt in die gleiche Richtung weiterentwickeln, dann zieht Euch warm an westliche Premium-Hersteller des 20. Jahrhunderts ….

Was fehlt ?
Den roten Woodpecker „Ferrari“ Motor habe ich nicht fotografiert.
Obwohl er direkt vor meiner Nase stand.
Ich persönlich finde den Motor so hässlich, das mich das Äussere vom Kauf grundsätzlich abhält. Da kann mich auch nicht die integrierte „Ultraschall“-Funktion nicht drüber hinwegtrösten. Bringt die klinisch was? Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, bin bis dahin aber skeptisch.

Auch die Firma Komet bringt demnächst einen neuen Endo-Motor auf den Markt.
Kabellos.
Endlich, möchte ich Komet zurufen.

Leider war es nicht möglich, den Motor auf der IDS in Augenschein zu nehmen.
Nicht weil er noch nicht marktreif wäre, er wird immerhin schon in den einschlägigen Anzeigen und auf Social Media beworben, sondern weil Komet auf der IDS gar nicht vertreten war. Vermutlich eine betriebswirtschaftliche Entscheidung, reichen 6 stellige Beträge heutzutage doch nicht mehr aus, wenn es um das Finanzierungsvolumen der Firmen für den entsprechenden IDS Messe-Auftritt geht. Auch etliche andere Firmen haben offensichtlich austattungstechnisch zurückgesteckt. Waren vor Jahren Maillefer und VDW noch mir riesigen Messeständen vertreten, muss heute teilweise ein einzelner Messetisch genügen. Fällt die Endodontie in der firmeninternen Wahrnehmung in einen Dornröschenschlaf ?
Es sieht danach aus.
Leider.

Zurück zum Komet – Motor. Der zählt für mich auch nicht zu den Sternstunden des New Millenium Industrie-Designs.
Kommt eher teutonisch hausbacken daher. Er ist nicht abgrundhäßlich, aber auch keine Schönheit. Das „Bochum“ der Endo- Motoren, um Herbert Grönemeyer zu zitieren. Dafür aber robust gebaut. Leider hat auch dieser Motor kein Display am Handstück. Aber er bietet für mich den grössten Vorteil von allen vorgestellten Motoren. Endlich nämlich gibt es wieder einen Motor, der von der Durchzugskraft bei reziproker Arbeitsweise mit dem legendären VDW- Motor IConnect Drive mithalten kann. Wir haben von diesem Motor bzw. von seinem eineiigen Zwilling von Maillefer insgesamt 6 Motoren in der Praxis. Gehen diese defekt (was bei dem Motor jetzt leider kein ganz unbekanntes Phänomen ist und vermutlich einer Gründe darstellt, warum er ohne adäquaten firmeninternen Nachfolger viel zu früh vom Markt genommen wurde) dann stehen wir ziemlich traurig da. Es gilt also durchzuhalten, in der Hoffnung, das Komet den Komet EnDrive, so heisst der Motor, möglichst bald zum Kauf anbieten wird.

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Externe Wurzelresorption (update)

Auf Nachfrage (siehe Kommentare) stelle ich hier den weiteren Verlauf dieses Falles ein. Ich habe wohl total verschwitzt weiter davon zu berichten…

„Mittlerweile“ hat sich viel getan…

P. apicalis und extrudiertes WF Material (2)

Der Zahn 22 imponierte klinisch mit einer Fistel. Es bestehen kein Lockerungsgrad und keine erhöhten Sondierungstiefen. Im angefertigten DVT konnten wir eine Perforation durch den Stift ausschließen.
Unser Plan war die Krone als Langzeitprovisorium zu erhalten und nach Erkennbarkeit einer deutlichen Heilungstendenz die prothetische Therapie zu beginnen.

Eine Wurzelspitzenresektion ohne Revision ist primär nicht indiziert. Röntgenologisch können wir die Infektion im Wurzelkanalsystem nicht messen oder erfassen. Bei bestehender aktiver Fistel ist jedoch von einer Infektion im Bereich des Kanalsystems auszugehen, da die vorherige endodontishce Therapie mehr als 10 Jahre zurück lag. Die Entfernung des extrudierten WF Materials von orthograd ist in diesem Fall nicht wahrscheinlich. Die Entfernung des selben erscheint nicht zwingend notwendig, wenn es zu einer Regenration der apiakalen Osteolyse kommt. Im schlimmsten Fall rechnen wir mit einer „narbigen Abkapselung“, bzw. bei fortbestehender chronischer P. apicalis, bzw. möglicher infizierter radikalerer Zyste kann die chirurgische Intervention erfolgen.
Dies möchte die Patientin allerdings vermeiden.

Zum Behandlungstermin wurde die Krone palatinal eröffnet und der Zugang zum Stift präpariert. Wie geplant konnte der Stift entfernet werden und das Kanalsystem revidiert werden. Die Desinfektion erfolgte mit Natriumhypochlorit 3% und Zitronensäure 10% unter Schall- und Ultraschallaktivierung. Es wurde CaOH mit Jod als Langzeiteinlage eingebracht.
Die röntgenlogischen Kontrollen erfolgten nach 4 Wochen und 4 Monaten. Eine deutliche Heilungstendenz nach 4 Monaten war erkennbar.
Der apikale Verschluss erfolgte mit ProRoot MTA. Die apikalen Aufbereitungsgröße war größer #60. Die Wurzelfüllung erfolgte mit Guttapercha und BC Sealer Totalfill High Flow und es wurde ein Glasfaserstift mit Rebilda befestigt.
Es wurde eine provisorische Krone adhäsiv eingesetzt.

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IDS- Nachlese 2025 (I)

Mein erster Weg auf der IDS 2025 ?

Zum Morita-Stand.
Warum?
Ein Intraoral-Scanner war angekündigt worden. Und wenn es eine Sache noch gibt, die mir als Spielkind noch Freude machen würde, dann wäre es genau so ein Gerät. Das ich – ich weiss, in unserem Falle der rein endodontisch tätigen Praxis ein Luxus-Gadget, weil nicht oft benutzt – einsetzen würde, um Interimskronen herzustellen.

Die gute Nachricht.
Das Gerät hat mir gut gefallen. Die noch bessere Nachricht. Es weisst gegenüber der Konkurrenz ein paar nützliche Features auf, die das Handling erleichtern und zur Verbesserung der Ergebnisqualität beitragen.

Und jetzt die schlechte Nachricht.
Das Gerät – vermutlich eher die Software – ist noch nicht marktreif.

Und ich vermute, das der Morita IO-Scanner erst zur nächsten IDS vorgestellt wird.
Was aus mehreren Gründen bedauerlich ist.

Nützt aber nix.
Wäre schön gewesen.