IDS – Nachlese 2025 (II)

Endo-Motoren auf der IDS 2025.
Hier eine Auswahl und eine Beurteilung der Geräte, die ich mir angeschaut habe.

Morita Tri Auto ZX 2 Plus.
Immer noch meine erste Wahl, wenn es um die Nutzung vollrotierender NiTi-Instrumente geht.

Warum?
Weil der Motor zwei besondere Bewegungen anbieten kann, die beide vorteilhaft sind.

Da wäre zunächst die OTR – Bewegung.
Der Motor macht unterhalb der Drehmomentgrenze eine vollrotierende Bewegung. Wird das Torque-Limit überschritten, wechselt er in eine reziproke Bewegung, wie wir sie von VDW Reciproc oder WaveOne Gold her kennen.

Und bietet damit das Beste zweier Welten an.
Im sicheren Drehmomentbereich vollrotierend, also effizient. Und vor allem die produzierten Dentinspäne aus dem Kanal mittels Förderschneckeneffekt heraus transportierend.

Ab dem Drehmoment-Grenz-Limit arbeitet sich der Motor „reziprokierend“ oder sollte ich präziser sagen in nicht kontinuierlicher teilweise rückgeführter Rotation vor. Stichwort „Echternacher Springprozession => 3 vor, 1 zurück !“ auf die Rotationsbewegung übertragen.
Er sucht sich so seinen Weg im Kanal nach apikal.
Das ist ja einer der Dinge, die ich an der „reziproken“ Bewegung so schätze, dieses „schrittweise in den Kanal Hineintasten „und dabei automatisch seinen Weg nach apikal finden. Der Motor wirkt auch erzieherisch. Man spürt die Änderung der Motor-Bewegung und wenn man dann den Druck auf das Instrument etwas verringert, wechselt der Motor zurück in die vollrotierende Bewegung und die Dentinspäne werden wieder aus dem Kanal herausbefördert. Mit ganz kurzer Lernkurve kann man sich so auf diesem Wege bestmöglich Richtung Wurzelkanalende vorarbeiten.

Die zweite nützliche Bewegung ist die OGP2- Bewegung.
Reziproke Instrumente können nicht brechen?
Das stimmt leider nicht.
Natürlich brechen diese, zumindest die dünneren.

Weil ja, wie schon erwähnt die „reziproke“ Bewegung ja doch eine vollrotierende Bewegung ist und beim Einklemmen der dünnen Instrumentenspitze es zum Torsionsbruch kommt. Bei OGP2 wird das Instrument zwar reziprok vor – zurück bewegt, also immer noch Echternacher Springprozession aber in der Summe immer nur 360 Grad in die eine, dann anschliessend in die andere Richtung gedreht.

Sehr schlau.
Und funktioniert sowohl mit vollrotierenden wie mit reziproken Instrumenten bei gleicher Motor- Einstellung. Das kommt natürlich unserem Arbeiten entgegen, denn wir mixen ja z.B. die ProTaper Ultimate Slider mit der Wave One Gold Small und müssen am Motor nichts umstellen.

Ansonsten setze ich biem TriAutoZX 2 Plus noch gedanklich einen Haken beim Ausstattungspunkt „Display am Gerät“. Auch wenn es kein KO – Kriterium ist, so ist es doch immer mein Feature der Wahl.

Warum?
Weil ich am Motor so schnellstmöglich Parameter fallspezifisch „on the fly“ anpassen kann. Sicherheitshalber das Drehmoment oder die Umdrehungszahl verringern ?
Ein Klick und man kann weiterarbeiten.
Mehr Effizienz durch höhere Umdrehungszahl?
Geht auf Knopfdruck und kostet nur eine Sekunde.

Einzig den Winkelstückschaft und Kopf hätte ich mir beim TriAutoZX 2 Plus etwas zierlicher und minimal stärker gekröpft gewünscht. Luxus- Problem? Mag sein. Aber es gibt immer etwas zu verbessern und das wäre mein Wunsch in der Sache.

Bei Meta Biomed habe ich ebenfalls einen neuen Motor gefunden. Den EQ-M.
Der, ich kann es nicht anders sagen, dem Morita-Motor rein äusserlich schon sehr ähnelt
Rein haptisch allerdings ein deutlicher Unterschied.
Der Meta Biomed Motor fühlt sich weniger wertig an.
Das muss für die Funktion keinen Unterschied machen, aber das sollte man zumindest am realen Arbeitsobjekt einmal antesten. Meta Biomed hat versprochen, mir einen Motor zum Test zur Verfügung zu stellen und ich werde zu gegebener Zeit berichten.

Und da haben wir noch die chinesische Firma Woodpecker.
Die tritt erneut mit einem allein schon von der Menge der Produkte her beeindruckenden Messeauftritt an. Schon lange vorbei die Zeiten, an denen ein paar asiatische Händer auf der IDS in der stiefmütterlich anzusehenden „Zweite und Dritte Liga Klasse“ Halle 3 im oberen Stock ihre schlechten Produktkopien renommierter Produkte zum vermeintlichen Schnäppchenpreis anboten.

Für mich relevant – Endo-Geräte und alles drumherum (Röntgen-Geräte, Sensoren, Speicherfolien, UV- Lampen, NiTi- Instrumente)

Ein paar der Motoren habe ich am Stand in die Hand genommen.
Es gibt Standalone-Motoren und welche, die auf ein externes Bediendisplay zurückgreifen. Solider Auftritt aller Geräte. Von den mir bekannten China-Produkten sicherlich diejenigen, die sich am wertigsten anfühlen. Nicht ganz vorne dabei, es ist noch Luft nach oben, aber vielleicht muss es das auch gar nicht, was zählt ist auf dem Platz, also wie die Motoren im Wurzelkanal arbeiten. Ich bin gespannt, wie sich diese Szene weiterentwickelt. Für mich etablieren sich die China- Hersteller immer mehr de facto im Markt, vor allem weil sie ihr Billig-Image längst abgestreift haben und teilweise mit innovativen Geräten und guter Produktqualität aufwarten können, Attribute, die man den westliche nHerstellern bislang zugeschrieben hat, die aber teilweise schon länger nicht mehr vorhanden sind und der vermeintliche Glanz ein längst verblichener ist.

Mein Lieblingsgerät des Jahres 2023/2024 ist im Übrigen ebenfalls ein chinesisches. Der Bambulab Carbon x1 3D Drucker. Ein so herausragendes Gerät, dass es meine 5 anderen 3D- Drucker allesamt in Ruhestand geschickt hat. Das Beste bislang überhaupt und wenn sich die chinesischen Produkte insgesamt in die gleiche Richtung weiterentwickeln, dann zieht Euch warm an westliche Premium-Hersteller des 20. Jahrhunderts ….

Was fehlt ?
Den roten Woodpecker „Ferrari“ Motor habe ich nicht fotografiert.
Obwohl er direkt vor meiner Nase stand.
Ich persönlich finde den Motor so hässlich, das mich das Äussere vom Kauf grundsätzlich abhält. Da kann mich auch nicht die integrierte „Ultraschall“-Funktion nicht drüber hinwegtrösten. Bringt die klinisch was? Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, bin bis dahin aber skeptisch.

Auch die Firma Komet bringt demnächst einen neuen Endo-Motor auf den Markt.
Kabellos.
Endlich, möchte ich Komet zurufen.

Leider war es nicht möglich, den Motor auf der IDS in Augenschein zu nehmen.
Nicht weil er noch nicht marktreif wäre, er wird immerhin schon in den einschlägigen Anzeigen und auf Social Media beworben, sondern weil Komet auf der IDS gar nicht vertreten war. Vermutlich eine betriebswirtschaftliche Entscheidung, reichen 6 stellige Beträge heutzutage doch nicht mehr aus, wenn es um das Finanzierungsvolumen der Firmen für den entsprechenden IDS Messe-Auftritt geht. Auch etliche andere Firmen haben offensichtlich austattungstechnisch zurückgesteckt. Waren vor Jahren Maillefer und VDW noch mir riesigen Messeständen vertreten, muss heute teilweise ein einzelner Messetisch genügen. Fällt die Endodontie in der firmeninternen Wahrnehmung in einen Dornröschenschlaf ?
Es sieht danach aus.
Leider.

Zurück zum Komet – Motor. Der zählt für mich auch nicht zu den Sternstunden des New Millenium Industrie-Designs.
Kommt eher teutonisch hausbacken daher. Er ist nicht abgrundhäßlich, aber auch keine Schönheit. Das „Bochum“ der Endo- Motoren, um Herbert Grönemeyer zu zitieren. Dafür aber robust gebaut. Leider hat auch dieser Motor kein Display am Handstück. Aber er bietet für mich den grössten Vorteil von allen vorgestellten Motoren. Endlich nämlich gibt es wieder einen Motor, der von der Durchzugskraft bei reziproker Arbeitsweise mit dem legendären VDW- Motor IConnect Drive mithalten kann. Wir haben von diesem Motor bzw. von seinem eineiigen Zwilling von Maillefer insgesamt 6 Motoren in der Praxis. Gehen diese defekt (was bei dem Motor jetzt leider kein ganz unbekanntes Phänomen ist und vermutlich einer Gründe darstellt, warum er ohne adäquaten firmeninternen Nachfolger viel zu früh vom Markt genommen wurde) dann stehen wir ziemlich traurig da. Es gilt also durchzuhalten, in der Hoffnung, das Komet den Komet EnDrive, so heisst der Motor, möglichst bald zum Kauf anbieten wird.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Ein Gedanke zu „IDS – Nachlese 2025 (II)

  1. Bzgl des woodpecker mt 812 – Terauchi liebt wie wir ja wissen Ferraris 😄
    Ergonomisch ist der Motor leider nicht.

    Die Schallfunktion nutzt Terauchi, der gerne WFs mit MTA zum verdichten des MTAs 🤷🏻

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