PathFile Video

von Hans – Willi Herrmann

Enge Wurzelkanäle sind immer eine Herausforderung und benötigen in der Regel eine Menge Zeit und Können sowie eine ganze Reihe an grazilen Handfeilen.
Und manchmal ist nicht einmal all das ausreichend.

Wenn man weiss, worauf man achten muss, aber auch nur dann, ist eine rein maschinelle Erschliessung dieser engen, gemeinhin als „obliteriert“ bezeichneten Wurzelkanäle  in bestimmten Fällen der einfachere und effizientere Weg.

Das nachfolgende Video gibt einen Hinweis darauf, wie so etwas aussehen kann.
Zur Anwendung kamen PathFiles der Firma Maillefer.

Saving hopeless teeth (XIV) Knochenersatzmaterial

von Bodald Necker

OK. Um eines gleich voraus zu schicken:

Die endodontische Behandlung erfolgte in diesem Fall nicht nur von orthograd.
Ein Chirurg war auch dabei. Allerdings nur, um das Knochenersatzmaterial wieder zu entfernen, welches der Vorbehandler alio loco großzügig eingebracht hat.

Die 25 jährige Patientin kam im September letzten Jahres auf Empfehlung eines MKG-Chirurgen zu mir in die Praxis mit Bitte um eine orthograde Revision. Klinisch war buccal 22 nicht nur ein Fistelmaul erkennbar, röntgenologisch zeigte sich ein unzureichend wurzelgefüllter 22 mit einer gut 1 cm großen apikalen Aufhellung, die ihrerseits wieder unregelmässig verschattet war. Mein Verdacht auf früher eingebrachtes Knochenersatzmaterial wurde von der Patientin bestätigt.

Vorgehen:

Die alte WF wurde entfernt. Durch den vom Vorbehandler großzügig erweiterten Apex drohte ein Guttaperchastück in die Läsion zu rutschen, es konnte aber mit etwas Glück doch noch orthograd entfernt werden. Nach weiter Aufbereitung und chemischer, us-gestützter Desinfektion wurde Calciumhydroxid eingebracht und mit Cavit verschlossen.

WV in 14 Tagen, zur Kontrolle, ob sich die Fistel verschlossen hat. Wenn ja könnte man über eine orthograde WF nachdenken, wenn nicht würde ich ein kombiniertes ortho- und retrogrades Vorgehen bevorzugen.

Zu nächsten Termin war die Fistel unverändert. Der Verdacht drängte sich auf, dass in diesem apikalen Prozess, welcher das Knochenersatzmaterial beherbergt auch noch diverse Bakterien ihr Unwesen treiben und eine Ausheilung verhindern.

Durch die großzügige Eröffnung des Apex schien mir ein apikaler MTA-Plug angemessen, der Rest des Kanals wurde konventionell mit Guttapercha obturiert. Koronal erfolgte ein adhäsiver Kompositverschluss.

Am nächsten Tag hat der Chirurg meines Vertrauens unter dem Mikroskop (wie immer) das Knochenersatzmaterial und die Wurzelspitze entfernt und trotz des MTA-Plugs zur Sicherheit nochmal eine retrograde Füllung gelegt.

Nach 8 Monaten stellte sich die Patientin bei mir komplett fistel- und beschwerdefrei vor.

Die Rö-Kontrolle zeigt eine deutliche Heilungstendenz, so dass eine Kronenversorgung des Zahnes demnächst in Frage kommen wird.

Zahnhalsfüllung – Nachtrag

von Christian Danzl

Im Lokschuppen Rosenheim ist derzeit eine Gewürzausstellung.

Dort hab ich ein Rezept zur Behandlung von Zahnhalskaries gefunden…

Es erscheint aus heutiger Sicht nicht besonders kostenintensiv, damals war es das mit Sicherheit.
Über die Wirkung wurde leider keine Angabe gemacht :-(

Hübscher Schnickschnack

von Jörg Schröder

Mittlerweile gibt es auch für nicht in Forschung und Lehre hauptberuflich Engagierte ausreichende Gelegenheiten moderne Präsentationstechnik einzusetzen.

Ob zu Großmutter 80. Geburtstag, anlässlich eines Studiengruppentreffens oder auf großer Bühne – nie war es leichter nahezu professionelle Präsentationen zu erstellen.

Zwar ist es richtig, dass der Informationsgehalt einer Präsentation nicht davon abhängt, ob der Folienhintergrund unifarben  oder im feinen Look gebürsteten Titans daherkommt.

Klar ist aber auch, dass eine Stunde gelbe Schrift auf blauem Grund die Zuhörer schneller ermüdet als eine etwas abwechslungsreichere Darbietung desselben Inhaltes.

Eine Mail in einer internationalen Endodontie-Newsgroup weckte meine Neugier und ich klickte auf www.keynotethemepark.com . Für Benutzer der Präsentationssoftware „Keynote“ stehen hier für relativ wenig Geld recht interessante Themen und Elemente zum Download bereit.

Wobei es nicht unbedingt Titan sein muss.

EPT sei Dank

von Bonald Decker

Der nachfolgende Fall wurde uns vor einiger Zeit zur endodontischen Therapie überwiesen.

Kurz zur Vorgeschichte: Der junge Patient hatte vor ca. 18 Monaten ein Frontzahntrauma mit folgenden Diagnosen erlitten: Avulsion Zahnes 21; extrusive Dislokation Zahn 22 (≤ 1mm)

Obgleich damals initial eine adäquate Behandlung durch den Hauszahnarzt durchgeführt wurde (Replantation bzw. Repositionierung mit anschliessender Schienung), wurde eine weiterführende Behandlung bzw. Nachsorge verpasst. Erst dank der Aufmerksamkeit eines neuen Kollegen in der Behandlerpraxis wurde ca. 18 Monate nach der Erstversorgung ein aktuelles Röntgenbild angefertigt.

Nachdem die Überweiser zu der Überzeugung kamen, dass beide Zähnen eine apikale Aufhellung bei negativem Sensibilitätstest (Kälte) aufwiesen wurde eine Behandlung der Zähne durch uns vorgeschlagen.

Bei der Erstvorstellung in unserer Praxis bestätigten sich zunächst die bereits erhobenen Befunde. Allerdings fiel uns eine deutliche (Teil-)Obliteration des Wurzelkanalsystems an Zahn 22 ins Auge. Der zusätzlich durchgeführte elektrische Sensibilitätstest (EPT:Elektrischer Pulpa Tester; Elements Diagnostic Unit; SybronEndo) zeigte bei diesem Zahn Hinweise auf eine sensible Pulpa. Daher beschränkten wir uns zunächst auf die Behandlung des Zahnes 21 (zweizeitiger apikaler MTA-Verschluss mit anschliessendem Guttapercha/Sealer-Backfill und adhäsiver Deckfüllung nach Ca(OH)2-Einlage) und vereinbarten regelmässige Nachkontrollen der betroffenen Zähne.

Bereits 6 Monate postoperativ zeigt sich eine deutliche Remission der apikalen Aufhellung. Ferner scheint nun an Zahn 22 ein „normal“ ausgebildeter PA-Spalt erkennbar. Diese radiologische Erkenntnis deckt sich weiterhin mit dem abermals positiven Sensibilitätstest mittels EPT.

Bei aller Freude über das bisher erzielte Ergebnis bleibt für uns das Fazit, dass insbesondere bei komplexen Fällen für eine korrekte Diagnosestellung mit der sich daraus ergebenden Therapie möglichst viele Befunde herangezogen und erhoben werden sollten…  und dies bedeutet ggf. auch dem „Mehreinsatz“ zusätzlicher diagnostischer Hilfsmittel. Zum Wohle unserer Patienten… Dem EPT sei (in diesem Falle) Dank

PS: Einen lesenswerten Artikel zu diesem Thema gibt es u.a. hier

Dens in dente

von Festan Cherv

Im vorliegenden Fall stellte sich eine 20 jährige Frau mit einem dunkel verfärbten, auf Kältereiz nicht reagierenden 12 vor. Klinisch war der Zahn leicht perkussionsempfindlich. Es waren keine Anzeichen für traumatische Taschentiefen oder eine Fistel gegeben.  Im Rahmen einer Retentionstherapie nach KFO war der Zahn palatinal mit einem Draht und Komposit gefasst. Das Röntgenbild zeigte eine apikale Läsion, die den Verdacht auf eine Gangrän bestätigte.

Die sichtbare Anatomie zeigte eine Anomalie: der Zahn 12 enthielt einen Dens in dente, eine Einstülpung palatinal, die sich tief in die Wurzel erstreckte.

Die Diagnose lautete daher Gangrän eines devitalen Zahnes mit einem Dens in dente. Die apikale Läsion schien primär vom Dens in Dente auszugehen. Als Ursache für die Gangrän war zum einen die insuffiziente Verklebung des Drahtes palatinal mit ausgedehnter Karies unter dem Komposit sowie die kieferorthopäischen Kräfte der abgeschlossenen KFO Therapie zu diskutieren.

Der Dens in Dente schien der Klasse II oder III nach Oehlers anzugehören. Die Klasse II unterscheidet sich von der Klasse III durch das eigenständige Foramen des Dens in Dente bei Klasse III Fällen.

Aufgrund der Gangrän war eine endodontische Behandlung beider vermuteter Wurzelkanalsysteme indiziert. Nach Trepanation stellten sich zwei Kanaleingänge für das eigentliche Kanalsystem wie an den mesialen und distalen Rand  neben dem Zugang des Dens in Dente gequetscht dar; Sondierungen führten zu immer wieder veränderlichen Längen. Es wurde vermutet, daß die Kontinuität durch den Dens in Dente unterbrochen oder verlegt war. Bei eindeutiger Kanalverlaufsbestimmung wäre ein Behandeln der offensichtlichen zwei Kanäle des eigentlichen Zahnes und ein separates Behandeln des Dens in Dente- bei Belassen der Anatomie des Dens in Dente –  indiziert gewesen. Aufgrund der Unübersichtlichkeit des Kanalverlaufes wurde in diesem Fall jedoch die Entfernung des Dens in Dente erwogen.

Da die zweidimensionalen Röntgenaufnahmen keine weiteren Aufschlüsse über den Kanalverlauf brachten, wurde ein Accuitomo DVT angefertigt. Der Behandler entschied sich aufgrund des verdrängenden Verlaufs des Dens in Dente für eine Entfernung des Dens in Dente.

Dies gelang mit Hilfe des Dentalmikroskops, auch wenn die Schmelzanteile des Dens in Dente eine herkömmliche Entfernung mit Rosenbohrern erschwerten.

Nach Entfernung des Dens in Dente konnte das lateral-mesiale Foramen des Dens in Dente und die apikalen Verläufe der normalen Wurzelkanäle dargestellt  werden; nach einer CaOH Einlage, Hypochlorit- und CHX Spülung sowie Ultraschallaktivierung wurden die apikalen Wurzelkanalstümpfe thermoplastisch gefüllt, indem zwei Guttaspitzen nacheinander mit Sealerbeschickung der apikalen Spitze der Gutta appliziert und dann unter dem Dentalmikroskop abgeschnitten und verdichtet wurden . (Beefill) Die anschließende Abdichtung des Foramens des Dens in Dente wurde mit MTA vorgenommen. Der Zahn wurde nach Aushärtung des MTA mit einem Glasfaserstift, der umgekehrt eingesetzt wurde ( weil der ausgedehnte Hohlraum so voluminöser von dem Glasfaserstift ausgefüllt werden konnte), adhäsiv versorgt.

Einen schönen Überblicksartikel findet man von Manuela Baumgart, Stefan Hänni, Beat Suter und Adrian Lussi der Klinik für Zahnerhaltung,Präventiv- und KinderzahnmedizinUniversität Bern in der Schweizerischen Monatszeitschrift SSO Volume 07/2009.

Valo LED Polymerisationslampe (Ultradent) – Ein Erfahrungsbericht

von Hans – Willi Herrmann


Die Valo LED Lampe von Ultradent  ist nicht ganz neu auf dem Markt und sowohl Olaf Löffler als auch Stefan Verch haben sich hier bei Wurzelspitze schon euphorisch darüber geäußert.

Ich hatte in den letzten Monaten die Möglichkeit, diese Lampe auszuprobieren.
Hier meine Erfahrungen kurz zusammengefasst:

Zunächst war ich ein wenig enttäuscht.
Vielleicht hatte ich, angesichts der euphorischen Berichte, zuviel erwartet.

Ich glaube jedoch eher, daß es daran lag, dass ich schon zu lange mit Akku LED Polymerisationslampen gearbeitet hatte. Denn die Valo LED Lampe ist für mich die beste kabelgebundene Lampe auf dem Markt und hätte ich bislang mit konventionellen Lampen gearbeitet, wäre ich überglücklich gewesen, mit einer Lampe zu arbeiten, die erfreulich,  ja erstaunlich   klein ist, aber denoch gut in der Hand liegt und deren Kabel so gut wie nicht spürbar ist. Nach über 3 Jahren des kabellosen Arbeitens war es für mich jedoch  wieder eine Umstellung, mit einer kabelgebundenen Lampe zu arbeiten. Nichts, woran man sich nicht wieder gewöhnen könnte, wenn man müsste, aber solange meine Bluephase einwandfrei funktioniert,  ist das Bessere, in diesem Falle das Freierbewegliche der Feind des Guten. Sofern der Akku mitmacht, wohlgemerkt, denn bei Ultradent hat man sich nicht ohne Grund für eine akkulose und damit in diesem Aspekt fehlerunanfällige Lösung entschieden. Und  – ich könnte mir gut vorstellen, daß Kollegen, die mit akkubetriebenen Geräten schlechte Erfahrungen gemacht haben, gerne auf die Valo zurückgreifen werden.

Noch zwei Dinge, die mir aufgefallen sind.
Bestimmte Areale (zum Beispiel unter permanentem  Dentalmikroskopeinsatz und mit Ultraschallansätzen rein indirekt präparierte Zahnhalskavitäten an einem endständigen Zahn 46 distal) sind schwierig zu erreichen. Der Kopf der Valo ist nämlich gerade, trägt also keinen der bekannten gebogenen Glaslichtleiter. Ein Schrägstellen der Lampe ist notwendig, wird jedoch durch die Mundöffnung im Einzelfall limitiert.  Des weiteren ist durch den fehlenden Lichtleiter generell auch  die Aufsicht auf die Kavität von okklusal eingeschränkt. Man kann nicht so einfach am Lampenkopf vorbeischauen. Nicht in jedem Fall, aber in bestimmten Situationen ist dies zwar kein Drama, aber doch gewöhnungsbedürftig oder zumindest auffällig.

Das wars aber schon mit den kleinen Nörgeleien. Bitte nicht missverstehen, ich möchte nicht Erbsenzählen, nicht im Baedeckerschen und erst recht nicht  im Beckmesserschen Sinne. Denn die Valo eine sehr gute Lampe, die handlich  und zuverlässig ihren Dienst tut.  Und – wenn man die nachwievor in der Mehrzahl der Praxis betriebenen Halogenlampen als Referenz heranzieht – ein Riesenfortschritt. An der Einheit montiert (innerhalb von Sekunden machbar)  immer funktionsbereit und auch unter Hygienegesichtspunkten einwandfrei, die vorhandenen und praktikablen Einmalschutzhüllen zur Verhinderung von Kreuzkontaminationen vorausgesetzt.

Ich schreibe über besagte kleine,  subjektive Auffälligkeiten, damit sich Jeder, der sich  ernsthaft für  eine Valo interessiert, speziell diese Aspekte genauer anschauen und für sich selbst bewerten kann,  ob er damit seinen Frieden machen und dann bewußt seine Entscheidung für das Gerät treffen kann.  Sicherlich eine gute Investition, die Valo ist ihr Geld wert. Ungeachtet dessen gibt es Gründe (wie Alles im Leben Geschmacksache), akkubetriebene Geräte zu verwenden.

Apropos Zuverlässigkeit.
An unserer Bluephase Lampe (mittlerweile Generation 2) ist wieder einmal ein Defekt zu beklagen.
Das Display leuchtet nicht mehr.

Was darf eine PZR kosten?

von Christian Danzl

Samstag Vormittag, Radio Bayern 3. Hier wird der Bürger regierungsnah informiert (vgl. „Democracy„, Gerhard Polt, Der Standort Deutschland).

Und hier wurde informiert!

Klare Aussage:

Eine professionelle Zahnreinigung darf 60,- € kosten.

Mehr nicht.

Und wer mehr zahlt, zahlt definitiv zu viel! Und wird mal wieder vom geldgierigen Zahnarzt über den Tisch gezogen (es gibt ja auch Zahnarztpraxen, die sogar 80,- bis 180,- Euro verlangen sollen!!!).

Bestandaufnahme, Plaqueindex, Blutungsindex, Beläge anfärben, Aufklärung, Munghygieneinstruktion, Unterweisung in Putztechnik, Zahnseide, Interdentalbürsten, Taschentiefenmessung, 32 Zähne von Ablagerungen sub- und supragingival, von harten und weichen Belägen befreien, dunkle Verfärbungen wegpolieren, Sandstrahlen, Intensivflouridierung ……

Was erzähl ich hier? Wer hier mitliest, weiss, was es für ein Aufwand ist, ein Gebiss auf Hochglanz zu bringen.
Nicht nur Arbeitsaufwand. Auch materieller Aufwand. Verbrauchsmaterialien, Verschleissteile…

Klar. 60,- € mag durchaus ein reeller Preis sein für eine PZR, aber nicht für für das volle Programm und nicht in jedem Gebiss und in jeder Praxis.

Ich würde sagen, dass 60,- € OK sind für 5 min bis zu 45 min Behandlungsdauer, je nach Praxisstruktur und -lage. Da kann man sich selber ausrechnen, wieviel von der o.g. Liste abgearbeitet werden kann.

Aber, wer mehr als 60,- zahlt, zahlt zuviel!
Das war die klare Aussage.

Und da sind wir wieder bei der deutschen Gleichmacherei. Egal wie lange, egal wie viel, und Hauptsache billig.

Und ganz wichtig: der Arzt/Zahnarzt verdient sowieso zuviel. Schon mal ganz pauschal.

Auf welche Aussagen werden wir wohl vergeblich warten:

  • ein Friseurbesuch darf nicht mehr kosten als 40,- €
  • ein Neuwagen darf nicht teuerer sein als 8.000,- €
  • Steuersätze dürfen nicht höher sein als 15 %
  • eine Krankenkasse darf mehr als 150,- € im Monat kosten
  • die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte darf nicht mehr als 200.000,- € kosten

Auf welche Aussagen wir wetten können:

  • alle Ärzte/Zahnärzte rechnen falsch ab
  • Zahnersatz ist billiger aus dem Ausland, der Zahntechniker vor Ort ist zu teuer
  • Krankenkassen haben Milliardendefizit, Behandlungen zu teuer

So, und jetzt ab zur Verwaltungshelferin und die PZR billiger machen!!!
Nicht, dass nächste Woche im Radio die Praxen verlesen werden, wo die PZR zu teuer ist ;-)


Süsser Laden

von Olaf Löffler

Hier ein interessanter Link für alle die es gern süss wollen und dennoch ihre Umsatzzahlen beim Zahnarzt drücken wollen.

Die dritte Dimension (II)

von Christoph Kaaden

Die Erkenntnis ist eigentlich alles andere als neu. Bereits 1961 konnten Bender and Seltzer in-vitro nachweisen, dass „konventionelle“ dentale Röntgenaufnahmen häufig nicht in der Lage sind tatsächliche Ausmasse apikaler Parodontopathien darzustellen. Dies gilt insbesondere für den Unterkiefer. Das Fazit Ihrer Untersuchungen lautete daher:

Lesions in cortical bone can be detected roentgenographically only if there is perforation of the bone cortex, erosion from the inner surface of the bone cortex, or extensive erosion or destruction from the outer surface. Lesions in cancellous bone cannot be detected roentgenographically. Extensive disease of bone may be present even when there is no evidence of it on roentgenograms.

Bender IB, and Seltzer S: Roentgenographic and direct observation of experimental lesions in bone I. J Am Dent Assoc 62:152-60, 1961

Der nachfolgende Fall unterstreicht diese Erkenntnisse eindrucksvoll. Während sich die Einzelzahnaufnahmen als wenig aussagekräftig erwiesen zeigte die angefertigte DVT-Aufnahme ein anderes Bild. Hier konnte eine knapp 10 Millimeter grösse apikale Osteoloyse endodontischen Ursprungs des alio loco behandelten Zahnes 47 als Ursache für das bestehende Beschwerdebild ausgemacht werden. Die weiterhin intakte bukkale bzw. linguale Kortikalis verhinderte eine adäquate Beurteilung durch die Einzelzahnaufnahmen…

Ich will meine Zähne gebleicht haben !

von Hans – Willi Herrmann

Vermutlich kann ein Aussenstehender nicht nachvollziehen, wieviel Wahrheit, wieviel Tragik im nachfolgenden Video steckt. Dabei läuft es genau so ab, Tag für Tag. Gewiss nur selten so geballt, aber frustrierend genug.

Danke an Michael Logies, den Wallenhorster Kollegen und Betreiber der „Zahnmed“ -Internetnewsgroup, für den Link.

„Rote Liste forte“

von Christian Danzl

Zahnärzte sind – im Gegensatz zu Allgemeinärzten und Internisten – nicht Helden des Rezeptblockes. Meist beschränkt sich das Rezeptieren auf Antibiotika und Analgetika oder auch mal ein Fluoridpräparat. Somit ist der normale Zahnarzt nicht immer der erste Ansprechpartner, wenn es um Fragen von Wirkung und Nebenwirkung bei Arzneimitteln geht.

Trotzdem ist das Wissen um die Medikamente, die der zu behandelnde Patient einnimmt, hin und wieder von großer Wichtigkeit für die Therapie beim Zahnarzt.

Eine große Hilfe ist hierfür die Rote Liste, oder auch das hier von Olaf Löffler vorgestellte iPhone App, besonders, wenn es darum geht sich einen schnellen Überblick ber Dosierung und/oder Wechselwirkung mit anderen Medikamenten zu Verschaffen.

Hin und wieder sind jedoch auch Hintergrundinformationen zu Medikamenten für den Zahnarzt interessant. Diese sind zu erfahren auf den Homepage der Arzneimittelkomission der deutschen Ärzteschaft AkdÄ.

Hier finden sich Informationen über Arzneimittelsicherheit (Drug Safety Mail, Rote Hand Briefe), Arzneimitteltherapie (neue Arzneimittel, Therapieempfehlungen…), Stellungnahmen von BMG, der europäischen Kommission, des G-BA und des IQWiG, sowie ein Online-Formular zum Melden von UAW.

Sehr interessant ist auch das Archiv des AVP-Bulletins.
Zitat:
„Arzneiverordug in der Praxis (AVP).
Besondere Schwerpunkte bilden kritische Übersichten über den therapeutischen Stellenwert von Arzneimitteln, Belange der Arzneimittelsicherheit im Sinne unerwünschter Arzneimittelwirkungen (UAW) und Preisvergleiche für ausgewählte Wirkstoffe.“

Die Seite ist für den Zahnarzt nicht absolut unverzichtbar, aber sie liefert gelegentlich schöne Hintergrundinformationen.

Gib‘ mir ein C!

von Ronald Wecker

Der erste Blick auf das präoperative Röntgenbild, sowie die Aussage des Überweisers, er könne nur 2 Kanalsysteme in einer für ihn nicht nachvollziehbaren räumlichen Beziehung zueinander darstellen, liess bei diesem 37 ein c-förmiges Kanalsystem vermuten.

Nach Entfernen der Verschlussfüllung konnte mesiolingual ein kreisförmig ausgearbeitetes Orifizium, distal hingegen bereits eine Art „C“ dargestellt werden.

Die Unterschiede in der Dentinfarbe wiesen bei der vollständigen Freilegung des „C’s“ den Weg.

Der Austausch der Spülflüssigkeit, sowie eine eingebrachte Papierspitze zeigte eine Kommunikation aller Kanalanteile an. Das Kanalsystem verlief stark gewölbt unterhalb des bukkal gelegenen „Dentindoms“ wie ein im Raum gekrümmter Spalt.

Apikal zeigte sich ein weites Foramen von mindestens ISO 70. Darunter gab es eine ausgedehnte knöcherne Krypte. Diese Tatsache bestimmte das Vorgehen bei der Obturation:

Um den nicht einsehbaren Teil des spaltförmigen Kanalsystems optimal zu verschliessen ist einer reine Injektionstechnik der Vorzug zu geben. Der notwendigerweise aufzubauende hydraulische Druck hätte jedoch sehr wahrscheinlich eine massive Extrusion von Guttapercha und Sealer in den Periapikalraum zur Folge gehabt.

Deshalb erfolgte die Obturation Bereichs oberhalb des Foramens nach Anlegen eines periapikalen Widerlagers mit MTA. Um ein Einpressen in den mesiolingualen Kanalanteil zu verhindern wurde dieser mit einer Papierspitze ausgeblockt. Nach röntgenologischer  Kontrolle des MTA-Plugs erfolgte dann die Obturation des „C“ in Squirt-Technik.

3 / 11

Anschliessend wurde nach Insertion mehrerer Quarzfaserstifte als Schrumpfungshemmer der mittlere und koronale Kanalanteil dentinadhäsiv verschlossen.

Neben dem vorläufigen Behandlungsergebnis hat mich am meisten die Aussage des Patienten  gefreut, nachdem wir uns gemeinsam ein paar Videosequenzen angeschaut hatten: „Ohne Mikroskop wäre das doch gar nicht zu behandeln!“.

Glück gehabt

von Bonald Doppeldecker

Über die Wurzelspitzenresektion wurde hier schon viel geschrieben.

Heute möchte ich einen Fall vorstellen, welcher viel Zeitaufwand benötigte und mir während der Behandlung (Entfernung von retrogradem Füllungsmaterial) einige Adrenalinspitzen verschafft hat.
Dem Patienten musste ich zu Behandlungsbeginn sagen, daß sein Zahn gegen fast alle Therapieoptionen ein gewisse Resistenz zeigte und man vernünftigerweise eine alternative Behandlungsoption ohne Zahnerhalt mit größeren Erfolgschancen wählen sollte. Der Patient wollte jedoch noch einen Versuch wagen.

Für den Behandler können solche Fälle einen gewissen sportlichen Reiz haben. Wenn der Zahn erhalten werden kann, symptomlos ist und auch noch eine röntgenologische Heilung zeigt, ist der Behandler ein Held.

Ist das so? Nein, es war Glück. Pures Glück für den Patienten und manchmal ist so eine riskante Entscheidung doch gut gewesen. Schaun wir mal wie lange es währt…

Die Chancen vor der Resektion wären deutlich besser gewesen, aber wie sagt man so schön: „Hätte der Hund nicht, dann…“.

Zum Fall selbst. Die retrograden Füllungen konnten von orthograd distal komplett entfernt werden. Mesial war retrogrades Füllungsmaterial in einem isthmenartigen Bereich fest anhaftend und nicht ohne große substanziellen Verluste erreichbar. Deshalb wurde dies belassen.

Die Spülung erfolgte schall- und ultraschallgestützt mit Zitronensäure und NaOCl. Die abschließende Wurzelfüllung gelang mit ProRoot MTA weiss (Dentsply).

Glücksfall

ÖG Endo – Gründungskongress

von Christoph Kaaden

am 22./23. Oktober 2010 findet in Wien der Internationale Gründungskongress der Österreichischen Gesellschaft für Endodontie, kurz „OEGENDO“ statt.

Die Agenda verspricht ein breit gefächertes Programm mit namhaften Referenten wie Gilberto Debelian und Gianluca Gambarini.

Besonders gespannt darf man wohl auf die Ausführungen von Ghassan Yared zur Wurzelkanalpräparation mit einem einzigen Instrument sein…

Der Leuchtmittelmarkt

von Hans – Willi Herrmann

Letzten Montag bei Praxisbeginn stellen wir fest, daß eine ganze Reihe von Birnen über das Wochenende den Geist aufgegeben haben.
Im Flur. In der Patiententoilette. Am Behandlungsstuhl. Jeweils exotische „Leuchtkörper“, die es im Elektrofachhandel meist nur auf Bestellung gibt. Keine Ahnung warum die Birnen im Verbund die Funktion eingestellt haben, aber ich weiß wenigstens seit einiger Zeit, wo ich schnell und kostengünstig Ersatz bekomme, nämlich hier, beim Leuchtmittelmarkt.
Hier gibt es auch eher selten nachgefragte  Glühbirnen, die in der Zahnarztpraxis des öfteren gebraucht werden, im Fachhandel vor Ort aber möglicherweise nicht vorrätig sind.

Meist wird schon am nächsten Tag geliefert, spätestens jedoch nach 2 Tagen sind die Leuchtmittel in der Praxis.
Auf Rechnung, bei niedrigem Preis. Und die Auswahl ist riesig.

Made in PRC – Teil 3

von Bodald Necker

In der Zwischenzeit war der Patient zum Einsetzen da.
Besser: Er wäre zum Einsetzen da gewesen, wenn der ZE gepasst hätte.

Also, neue Abdrücke und wieder über das deutsche Labor nach China.

Nach 14 Tagen war er wieder da, der ZE. Es wurde wieder eine Einprobe bestellt, es wurde aber wieder ein fertiggestellter ZE geliefert. Also wieder keine Einprobe.

Gut.

Fast gut.

Der OK-ZE hat gepasst, der vom UK nicht.

Vielleicht das nächste mal…..

Welche Konsequenzen ziehen wir daraus?

Der (mögliche) deutliche Mehraufwand auf zahnärztlicher Seite wird sich irgendwo in der Kalkulation niederschlagen müssen. Wir, und wahrscheinlich sehr viele andere Kollegen werden nicht bereit sein, schlechtere zahntechnische Arbeiten durch gesteigerten zahnärztlichen Aufwand (mehrere zusätzliche Termine, erneute Abformungen) unbezahlt zu kompensieren.
Somit ist der Preisvorteil des fernöstlichen zahntechnischen Anteils verspielt.

Letztlich wird der Billigzahnersatz aus Billiglohnländern genauso teuer werden, wie vor Ort angefertigter ZE. Zumindest, wenn es um aufwändigere Arbeiten geht.

Hier noch ein paar Eindrücke…..

Um das Heute zu verstehen, kann ein Blick auf das Gestern oft hilfreich sein.

von Thomas Weber

Hallo HaWi,

vielen Dank für einen absolut lesenswerten Beitrag, der  zu einigen Kommentaren geradezu herausfordert:

1883 schlug die Geburtsstunde der Bismarckschen Gesetzlichen Krankenversicherung, die der Absicherung elementarer Gesundheitsrisiken diente. Die Zahnbehandlung gehörte damals folgerichtig nicht dazu. Erst 1917 wurde Karies durch eine Entscheidung des Reichsversicherungsamtes als behandlungsbedürftige Erkrankung anerkannt und das Füllen von Zähnen Pflichtleistung der Krankenkassen. Unter dem Reichsarbeitsminister Franz Seldte führte erst 1943 der sogenannte „Verbesserungserlass“ erstmals zur Möglichkeit für Krankenkassen, in ihren Satzungen die Gewährung von Zuschüssen für Zahnersatz zu verankern. Aber erst 30 Jahre später beurteilte des Bundessozialgericht das Fehlen von Zähnen als behandlungsbedürftige Krankheit. In der Folge wurden zahnprothetische Behandlungen im „Rehabilitationsangleichungsgesetz“ vom 07. August 1974 unter Bundesgesundheistministerin Katharina Focke (SPD) in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen. Nahezu alle Krankenkassen übernahmen damals die Kosten für Zahnersatz vollständig, was zu einer erheblichen Kostenbelastung führte.

Die „want-have-“Leistungen der Zahnmedizin wurden also in Deutschland historisch zu „must-have“-Leistungen institutionalisiert. Ein fataler Irrweg.

Schauen wir auf dem Bereich der zahnärztlichen Honorare: Elisabeth Schwarzhaupt (CDU) ist im Jahre 1964 Ministerin für das Gesundheitswesen. Ihr Ministerium erarbeitet eine Bundes-Gebührenordnung für Ärzte und Zahnärzte. Denn die Honorare, die Mediziner von ihren Privatpatienten erhalten, berechnen sie bislang nach der schon 70 Jahre alten Preußischen Gebührenordnung, kurz „Preugo“ genannt. Deren Sätze wurden zwar 1957 etztmalig erhöht, aber die Listen ärztlicher Leistungen sind völlig veraltet. (Kommt einem dieses Szenario nicht irgendwie sehr vertraut vor?)

Es beginnt die „Bugo“-Zeit, die ihre Wirkung auf die GKV entfaltet: es entwickelt sich 1977 daraus der altevertraute BEMA zur Honorierung der Leistungen bei GKV-Patienten.

Mit BUGO-Z, BEMA und der 100%-Prothetik beginnt das „goldene Zeitalter“ der deutschen Kassenzahnheilkunde. Alles wünschenswerte und machbare wird bezahlt.

Unterhält man sich mit alten Landzahnärzten, die schon vor dieser Zeit praktizierten, wird klar, wie es vorher war: zum Zahnarzt ging man nur, wenn man musste: das Zahnziehen war die Regel, ein Röntgenbild musste bei der Krankenkasse zuvor beantragt werden, Wurzelkanalbehandlungen wurden, wenn überhaupt, nur an Frontzähnen und nur als „Vitalexstirpationen“ durchgeführt und das Herausreissen aller Zähne mit anschliessender Totalprothese war schon bei jungen Patienten eine oft gewählte Therapieform. Sicher gab es auch Patienten, die hochwertigere Versorgungen wünschten und zu zahlen bereit waren, die Prophylaxe wünschten und zahlten, doch dieses „Segment“ war sehr klein.

Als Landzahnarzt heute sieht man genau solche Tendenzen: die Zahl der Extraktionen aus „wirtschaftlicher Indikation“ steigt wieder an, kostenfreie Amalgamfüllungen ersetzen mehrkostenpflichtige Kompositfüllungen im Seitenzahnbereich, die Regelversorgung schlägt die höherwertige „Andersartige Versorgung“ und NE-Kronen solche aus Empress-Vollkeramik, professionelle Zahnreinigungen werden ausgesetzt, kieferorthopädische Behandlungen „geschoben“, bis eine Verschlimmerung der Anomalie eine Kostenübernahme der Krankenkasse garantiert.

Die gern gehörte Behauptung, das deutsche Gesundheitswesen sei eines der besten der Welt, erscheint so als eine Petitio principii. Wir laufen nach meiner Einschätzung nicht so sehr Gefahr, unser „gutes“ System gegen ein „postkapitalistisches“ einzutauschen (- das wir in sehr vielen Bereichen der Medizin längst haben -), als es in einem staatlichen „Bürgerversicherungsmodell“ aufgehen zu sehen, das – natürlich mit moderner Etikettierung – zur Einheitsversicherung (wahrscheinlich „Bundesagentur für Gesundheit“), zu Poliklinik-Strukturen (vielleicht „öffentlich-rechtliches Medizinisches Versorgungszentrum“) und zur Einheitsdiagnostik und- Therapie nach Einheitskatalogen und Einheitspositivliste (und das absolut positiv belegt: „Einklassenmedizin“) führt. Dabei kann es gut sein – und nach Ansicht vieler Medizinökonomen muss es so sein – , daß die Zahnmedizin, wie wir sie heute kennen, aus diesem Modell hinausfällt, und allenfalls rudimentäre „must-have“-Therapien verbleiben, deren Honorierung dann vielleicht wieder auf einem „vor-BEMA“- Niveau erfolgt.

Denn die Chance auf eine progressive Reform des Gesundheitssystems wurde auch unter dem FDP-Minister Dr. Rösler vertan. Der Versuch, die jetzt kommende Beitragserhöhung als „kleine Kopfpauschale“ zu etikettieren umd den Schein einer liberalen Position aufrechtzuerhalten ist – mit Verlaub – lächerlich. Und auch Zwangsrabatte der Pharmaindustrie sind kein geeignetes Mittel der Anpassung des Symstems an heutige Erfordernisse. Zwei Milliarden Euro Steuergelder Zuschuss werden auch nur maximal ein Jahr lang reichen.

Und die ersten drohenden Kasseninsolvenzen zeigen, dass selbst der palliativen prämortalen Schmerzlinderung „Gesundheitsfond“ das Morphium ausgeht.

Frontzahntrauma – die Auflösung

von Ronald Wecker

Die Abstimmung zeigt, dass offensichtlich mehrere Therapieoptionen möglich sind.

Das Abwarten der Revaskularisierung bei avulsierten und massiv intrudierten Zähnen mit abgeschlossenem Wurzelwachstum ist nicht zu favorisieren. Da es in beiden Fällen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu einer Zerstörung des Nerv-Gefässbündels gekommen ist, sollte das in der Folge nekrotisch gewordene Pulpagewebe ca. 7-10 Tage nach Reposition/Trauma entfernt werden, um das Risiko eines resorptiven Geschehens zu minimieren.

Sowohl die chirurgische Reposition beider Zähne, als auch das Belassen von 11 in der elongierten Position bei gleichzeitiger chirurgischer Reposition von 12 oder die kieferorthopädische Reposition von 12 wäre denkbar gewesen.

Ursprünglich hatte ich aufgrund der Tatsache, dass sich 12 mit seiner mesialen Frakturkante mit 11 verkeilt hatte daran gedacht beide Zähne chirurgisch zu reponieren. Eine antiresorptive Therapie wäre sicher sinnvoll gewesen. Das Zahnunfallzentrum in Basel empfiehlt dazu den Einsatz von Emdogain und Dexamethason. Im vor einiger Zeit hier von Christoph Kaaden vorgestellten Dental Trauma Guide wird  dazu eine Lagerung in 2%-iger Natriumfluoridlösung für 20 Minuten empfohlen.

Nun zusammengefasst wie es wirklich ablief:

6 Tage nach Trauma und Reposition 11 wurde eine systemische Antibiose mit Doxycyclin eingeleitet. Nach Entfernung der rigiden Schienung wurde ein Titan-Trauma-Splint von 13 nach 21 eingeliedert.

10 Tage nach Trauma wurde zunächst 11 initial endodontisch therapiert. Das nekrotische Pulpagewebe wurde entfernt und der Kanal nach ultraschallunterstützter Irrigation mit CaOH2 gefüllt. Anschliessend wurde die semirigide Schiene entfernt um Zahn 12 chirurgisch zu reponieren. Zahn 11 zeigte maximal Beweglichkeit Grad 1.

Nach Auflösung der Verkeilung mit einem sehr feinem Finierdiamanten wurde versucht den Zahn mit einer diamantierten grazilen Zange zu reponieren. Aufgrund der tiefen Intrusion und dem Verlust eines Großteils der klinischen Krone misslang dies. Die Zange konnte nicht angesetzt werden, ohne dass sie abrutschte. Nach Entfernung eines distopalatinal von 11 gelegenen knöchernen Sequesters (1×3 mm) wurde unter dem Mikroskop und unter relativer Trockenlegung die Pulpakammer an 12 eröffnet und nach Aufbereitung CaOH2 eingelegt. Dank sehr guter Assistenz gelang dies gut.

Die nach Sequesterentfernung gelegten Einzelknopf- und Matratzennähte wurden 2 Tage später entfernt. Im Nahtentfernungstermin wurde ein Attachment zur kieferorthopädischen Extrusion geklebt. Diese begann weitere 5 Tage später.

In der Folge wird der Verlauf der Behandlung regelmässig klinisch und röntgenologisch überprüft. Klinische Kontrollen erfolgen wöchentlich in den ersten 4 Wochen nach Trauma. Die periapikale Situation wird 4, 12, 24 Wochen nach Trauma überwacht. Die weiteren Röntgenkontrollen erfolgen jährlich.

Nicht unerwähnt kann bleiben, dass die wertvollen Tips und Hinweise von Dr. Gabriel Krastl und Prof. Dr. Andreas Filippi, beide am Zahnunfallzentrum in Basel tätig, massgeblich zum bisher positiven Verhandlungsverlauf beigetragen haben. Ihnen gilt mein besonderer Dank.

5 Jahresrecall

von Donald Wecker

Die Patientin sah der Behandlung skeptisch entgegen. Die Chancen wurden von meiner Seite mit unter 80% angegeben.
Erst mussten beide Stifte entfernt werden. Der Gewindekontrast der Stifte im Röntgen ließ eine moderate Schwierigkeit vermuten. Eine Perforation, oder „Fastperoration“ durch die Stiftbohrung war durchaus zu erwarten. Dazu kam die Infektion des Kanalsystems, welche sich in Form einer apikalen Periodontitis, oder besser Läsion endodontischen Ursprungs präsentierte.

Die Behandlung zog sich über mehrere Sitzungen hin. Heute sieht man den wahrscheinlichen Behandlungserfolg.

5Jahresrecall

Ist der Behandlungserfolg vorhersagbar?

Meiner Meinung nach, nein. Die möglichen Probleme sind oftmals im konventionellen Röntgenbild und bei der ersten klinischen Insprektion nicht erkennbar.

Wird uns die digitale Volumentomographie die Vorhersagbarkeit bringen. Was meinen Sie?

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Saving hopeless teeth (XVIII) Apikale Aufhellung (23)

von Bonald Decker

Zugegebenermaßen könnte ich bei der initialen Befundung und Beratung der nachfolgenden Patientin keine absolute Einschätzung über die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Revisionsbehandlung geben. Die Ausdehnung der apikalen Aufhellung und die bestehende Furkationsbeteiligung hätten auch eine Extraktion ohne Zweifel gerechtfertigt.

Nachdem prä- wie intraoperativ u.a. eine vertikale Wurzelfraktur als Ursache für den massiven Entzündungsprozess sehr unwahrscheinlich erschien konnten wir die Behandlung nach zweimaliger Ca(OH)2-Einlage mit der Wurzelkanalfüllung und postendodontischen adhäsiven Füllung abschliessen.

Circa 18 Monate postoperativ zeigt die klinische und radiologische Nachuntersuchung ein positives Bild. Während die apikale Parodontitis quasi ausgeheilt erscheint, liegt nach wie vor eine Beteiligung der Furkation vor. Gemessen an der Ausgangssituation besteht allerdings eine nicht unbegründete Hoffnung, dass auch hier eine weitere Remission zu verzeichnen sein wird.

„must have“ oder „want have“ ? Zahnmedizin ist wichtig, keine Frage….

Zahnärztliche Leistungen sind wichtig. Keine Frage.

Aber je mehr der Patient aus eigener Tasche zahlen muss, um so mehr konkurriert die Zahnmedizin  mit allen anderen Dingen des täglichen Bedarfs.

Zahnmedizin ist ein „must have“ – Artikel.

„Must have“ ? Darunter verstehe ich Dinge, die man notwendigerweise zum Leben braucht.

„Want have“ im Gegensatz dazu sind Dinge, die man eigentlich nicht zum Leben braucht, aber trotzdem gerne hätte.

Eigentlich sollte klar sein, was am dringlichsten gekauft wird. Die Dinge, die unter „must have“ eingeordnet werden.

Interessanterweise ist es aber (von elementaren Grundbedürfnissen wie Wohnen, Essen, Kleidung  abgesehen (und manchmal nicht einmal da)) sehr oft genau anders rum.

Nicht das, was eigentlich dringend benötigt wird, wird gekauft.
Sondern stattdessen unnötige Dinge. 
Eine Playstation oder Xbox, das neue Handy (obwohl das jetzige erst 2 Jahre alt ist und gut funktioniert), ein teures Kleidungsstück, Schmuck.

Viele andere Dinge des täglichen Bedarfs sind ebenfalls „want have“ – Artikel: Der Urlaub, denn zu Hause ist es auch schön. Das neue Auto, solange das alte noch fährt. Der neue Fernseher, wenn der alte noch nicht kaputt, sondern lediglich kleiner und dicker ist.

„Must have“ – Artikel sind Dinge, die man kauft, wenn man die Notwendigkeit des Erwerbs erkannt hat. Durchdacht hat. Für sich selbst als sinnvoll befunden hat.

Das sind dann alles gute Argumente, die zu einer Kaufentscheidung führen können.

Aber jeder gute Verkäufer weiss, dass das Gefühl, die Emotion den notwendigen Anstoß zum Kauf gibt. Ich möchte nicht wissen, wieviele Autos spontan, aus einer Laune heraus, nach einer Probefahrt  gekauft werden.

Eine solche emotionale Spontanentscheidung gibt es in der Zahnmedizin nicht, denn „must have“- Artikel vermitteln per se keinen Lustgewinn.

Die Konsequenz ?

In der Konkurrenz mit den „want have“ – Artikeln wird die Zahnmedizin verlieren. Da dürfen wir uns keinen Illusionen hingeben. Zahnmedizin ist nicht sexy, da können noch soviele Marketing-Fachleute den Begriff „dental wellness“ auf durchgestylte  Hochglanzflyer drucken.

Und so ist ein Rückgang der Nachfrage nach Zahnmedizin im selben Maße, mit dem die Selbstzahlungsquote steigt, vorprogrammiert.

Auch wenn im Anfang diese Entwicklung nicht augenscheinlich wird. Denn zunächst sind die Patienten noch bereit, die Mehrkosten aus eigener Tasche zu tragen.

Deshalb wird diese Abwärtsentwicklung zu Beginn nicht in vollem Maße sichtbar werden.

Erst wenn die Tragbarkeitsgrenze der Zuzahlung für die jeweiligen Patienten erreicht ist, wird die Abwärtsspirale in ihrem gesamten Ausmaß erkennbar werden.

Dann jedoch wird dieser Trend deutlich  durchschlagen, denn die Reaktion des jeweiligen Patienten wird zunächst eine Totalverweigerung sein, zahnmedizinische Leistungen betreffend.

Wer nicht mehr bereit ist, die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung, eine Krone, eine Prothese zu tragen, der kommt erst mal gar nicht mehr zum Zahnarzt für die nächste Zeit. Und wenn, dann sucht er nicht selten einen anderen Zahnarzt auf, weil es ihm peinlich ist,  zum seinem bisherigen  Zahnarzt zurückzugehen.

Da eine Reihe von  Patienten die Wichtigkeit der zahnmedizinischen Leistungen für ihr Wohlbefinden nicht in ihrer Tragweite erkennen können, wird alles in allem, in erster Näherung, zukünftig das Geld das wichtigste Argument sein, ob man sich Zahnmedizin leistet oder nicht.

Ist es in mehr als ausreichendem Maße vorhanden, muss man sich also über Geld keine Gedanken machen,  wird Zahnmedizin weiter nachgefragt werden. Ist dies nicht der Fall, wird sich die Zahnmedizin  mit anderen Dingen des täglichen Lebens messen müssen. Infolgedessen wird die Nachfrage zurückgehen. Und der Preis der Leistung, je billiger, umso besser, wird immer mehr in den Vordergrund rücken.

Der zwangsläufig eintretende Nachfrageeinbruch in den Praxen wird mittelfristig  einen Preisverfall nachsichziehen.

In solchen Zeiten werden Zahnarztpraxispleiten sich einstellen. In einem Ausmaß, wie es in der Vergangenheit bislang unbekannt war.

Es ist besser, wenn sich die Ärzte und Zahnärzte auf ein solches Szenario einstellen.
Denn es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir damit konfrontiert werden. Als Fanal könnte man einen vor kurzem in den Tagesthemen gesendeten Beitrag über Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen werten. Durch eine Mail in der zahnmedizinischen newsgroup „Zahnmed“ des Kollegen Michael Logies wurde ich darauf aufmerksam.  Eine belgische Arztpraxis wurde vorgestellt. Die Ärztin beschäftigt keine Mitarbeiter. Sie schreibt ihre Rezepte und Rechnungen selbst. Der Patient zahlt sofort bar. Fazit des Tagesthemen – Kommentators  „Ein Erfolgsmodell ! Der Arzt hat so viel mehr Zeit für den Patienten!“

Machen wir uns nichts vor. Der Kleinbetrieb Zahnarztpraxis sieht ungewissen Zeiten entgegen. Denn das was sich am Zeithorizont der nächsten Dekade abzeichnet, hat mit „der Zahnarztpraxis“, so wie wir diese aus den letzten 40 Jahren kennen, nichts mehr zu tun. Stattdessen wird es 4 oder  5 unterschiedliche Praxis „Business“-Modelle geben, die mehr oder weniger gut im Markt zu bestehen versuchen.

Was tun ?

Aus der Wirtschaft wissen wir – in  wirtschaftlich schwierigen Zeiten überleben Firmen am besten im Luxussegment und im Billigsegment.

Wenn eine Zahnarztpraxis in solchen Zeiten demnach sicher überleben will, sollte sie sich sich, ihre Praxisauslegung betreffend, für ein sehr hochwertiges Tätigkeitsfeld oder für das absolute Billigsegment entscheiden.

Im mittleren Segment wird jede Praxis mit einer Vielzahl vom Mitbewerbern kämpfen müssen, die jeweils versuchen werden (müssen), über einen möglichst niedrigen Preis Marktanteile zu verteidigen oder hinzuzugewinnen.

Ein solcher Kampf, bei dem der Preis als letztlich kaufentscheidendes  Kriterium im Vordergrund steht, ist auf Dauer nicht zu gewinnen. 
Die mittelfristige Entwicklung führt in eine Abwärtsspirale, das Honorar betreffend, und letztendlich in den wirtschaftlichen Untergang einer Reihe von Arztpraxen, wobei jede Praxis bis zuletzt hofft, daß die anderen Praxen früher pleite gehen und man so dem Untergang entgehen kann weil sich der Markt auf niedrigem Niveau wieder stabilisieren wird.

Die größten Verlierer sind jedoch die Patienten.
Ich sage es gerne immer wieder, wir haben noch immer das beste Gesundheitssystem der Welt.
Weil nachwievor jedem Bürger unseres Landes ein extrem hohes Maß an Gesundheitsleistung zu einem global unerreicht niedrigen Preis zur Verfügung steht.

Umso bedauerlicher ist es, daß wir Gefahr laufen, dieses Modell gegen ein „postkapitalistisches“  Gesundheitssystem einzutauschen, dessen medizinisches Optimum auf einen solventen Personenkreis beschränkt ist,  für die Mehrzahl der Bürger jedoch unerreichbar bleiben wird. Zukünftig wird man also wieder verstärkt den sozialen Status des Gegenübers am Gebisszustand erkennen können.

Das müsste nicht sein. Es gäbe die Möglichkeit, das bestehende Gesundheitssystem progressiv zu reformieren und es damit in seinen Grundwerten zu bewahren, gleichzeitig jedoch behutsam und damit stabil und tragbar an  heutige Rahmenbedingungen anzupassen. Stattdessen verliert sich seit Jahrzehnten die Politik aus falschem Populismus heraus und als Reaktion auf eine massiv infiltrierende und indoktrinierende Lobbyarbeit unterschiedlichster pekuniär geprägter Interessengruppen in einer palliativen Hospizbegleitung, der es  nicht mehr um die Genesung, sondern bestenfalls um eine möglichst langanhaltende prämortale Schmerzlinderung für den Patienten „Volksgesundheit“ geht.

Urlaub? – Urlaub!

von Christian Danzl

Es war immer schon so, und es wird immer so bleiben. Wenn die Sommerferien in einigen Bundesländern vorbei sind, gehen die in Bayern erst los.

Während die Kollegen von Wurzelspitze schon wieder hinter dem Mikroskop sitzen, habe ich mich gerade von meinem gelöst….

Die einen fahren in die Alpen zum Urlaub machen, die anderen wohnen und arbeiten da.

Die „Hausberge“ von Bad Reichenhall, Hochstaufen, Zwiesel, Predigtstuhl und das Lattengebirge laden wieder mal ein, erzwungen zu werden.

Eine kleine Tour zum Einstieg, auch gut mit Kindern zu erklimmen, ist der dem Predigtstuhl vorgelagerte Dötzenkopf. Er ist in gut einer Stunde zu besteigen und bietet eine schöne Aussicht auf Bad Reichenhall und auch nach Salzburg.