Frontzahn(alb)traum(a)

von Ronald Wecker

16-jähriger Patient, Frontzahntrauma vor 5 Tagen,

11 Avulsion, Lagerung in Wangentasche über mehr als 60 Minuten

12  Intrusion mit unkomplizierter Kronenfraktur,

13 Konkussion,

Erstversorgung alio loco: unvollständige Reposition 11, rigide Schienung 11/21 mit Metallnetz und Komposit palatinal, Nahtversorgung der Gingiva in regio 12, keine systemische Antibiose

Klinischer Befund:

Verlust von mehr als 50% der klinischen Krone von 12, subgingivale Lage der Restzahnsubstanz, 12 hat mesial Kontakt zur Wurzelfläche von 11,

Infrakturen an distaler Inzisalkante 11, 11 zeigt sich klinisch ca. 2mm länger als 21.

Palatinal keine Formkongruenz zwischen Alveole und Wurzeloberfläche

EPT und Kaltsensibilität negativ für 11 und 12, positiv für 13, 21, 22 und alle UK-Frontzähne

normaler Klopfschall 11 und 12, keine Mobilität an 11 und 12

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Alter Hut

von Olaf Löffler

Das ist ein alter Hut, dachte ich. Das ifap Center kennt jeder.

Letztens war ich bei einem Kollegen und habe mit ihm einen Fall besprochen. Während des Gespräches entstanden Fragen nach einigen Medikamenten des Patienten. Der Kollege hatte eine alte, ziemlich zerlesene Rote Liste in Buchform. Diese datierte wohl aus dem Jahr 2003. Ein aktuelles Exemplar war nicht vorhanden. Auf meinen fragenden Blick erhielt ich als Antwort, was die Rote Liste derzeit kosten würde: „78€ + Versand!“

Dem Kollegen zeigte ich darauf hin das ifap Center. Vor 2006 ifap INDEX. Dies ist eine kostenfreie, allerdings werbefinanzierte Software, wenn man eines der hier aufgelisteten Programme nutzt. Die aktuelle Version wird als CD ROM quartalsweise kostenfrei zugesandt.

Oder man nutzt das Gratis App auf dem iPhone oder iPad.

Implantat versus Zahn

von Bonald Decker

Die Implantologie stellt eine großartige Bereicherung des Therapiespektrums in der Zahnheilkunde dar. Obwohl es sich vielmals um einen chirurgischen „Routineeingriff“ handelt birgt dieser jedoch auch bei penibler Planung immer gewisse Risiken und mögliche Nebenwirkungen.

In dem vorliegenden Fall kam es während der alio loco durchgeführten Implantation Regio 36/37 zu einer möglichen Verletzung des Zahnes 35. Die wohl daraus resultierende irreversible Pulpitis machte eine endodontische Intervention zur Zahnerhaltung unumgänglich.

Warum eine Implantation in dieser Region überhaupt notwendig wurde liess sich leider auch durch die Befragung des Patienten nicht mehr klären.

Vielleicht hätte aber auch eine im Vorfeld sorgsam durchgeführte endodontische Behandlung der Molaren eine Implantation und die daraus resultierenden Folgen vermeiden können…

PS: Eine Neuanfertigung der Krone von Zahn 35 erscheint radiologisch ebenfalls indiziert

;-)


Frontzahnnotfall Sonntagmittag Stuttgart

von Donald Becker

Letzter Urlaubstag. Sonntagnachmittag.
Meine Frau, unsere Tochter und ich  sind auf einer Radtour. Kurz vor Meisenheim, auf einer ebenso idyllischen wie abgelegenen Kopfsteinpflasterbrücke, klingelt mein Handy. Steve Jobs sei Dank, denn vor dem Iphone hatte ich mein Handy  nie am Mann.

Eine Patientin ist am Telefon.
Ihre 10 jährige Tochter hat sich mit einer Getränkeflasche ein Stück ihres Oberkieferfrontzahnes abgeschlagen. Es ist auch  ihr letzter Urlaubstag, sie sind in Stuttgart. Ob sie notfallmäßig einen Zahnarzt vor Ort aufsuchen solle.

Der Zahn ist mir nicht unbekannt. Die Fraktur ist Folge eines Sportunfalls mit 7 Jahren. Die Pulpa war eröffnet, ich hatte damals eine direkte Überkappung mit MTA vorgenommen. Ich biete der Mutter an, nach dem Zahn ihrer Tochter  zu schauen. Zwei Stunden Autofahrt von Stuttgart bis Bad Kreuznach, das würde reichen, um mit dem Fahrrad wieder heimzukommen.

Das abgeschlagene Zahnfragment ist vorhanden. Die Mutter hat es zu Desinfektionszwecken in eine Kontaktlinsenlösung gelegt. Ich rate ihr, in einer Apotheke einen Dentosafe, eine Zahnrettungsbox,  zu kaufen und das Fragment darin zwischenzulagern. Notfalls auch isotone Kochsalzlösung, die dürfte zumindest auch sonntags mittags auf jeden Fall erhältlich sein.

Am frühen Abend sehe ich Mutter und Kind. Die Überkappungsstelle ist nachwievor mit MTA und Glasionomerzement verschlossen. Keine akute Gefahr. Der Zahn reagiert nach 3 Jahren immer noch sofort positiv auf eine Sensibilitätsprüfung mittels Kältespray.

Und das  Zahnfragment ?  Liegt in Kochsalzlösung.

Die übereinstimmende Auskunft dreier Notfallapotheken in der Landeshauptstadt des Musterländle:  „Dentosafe!?! Kennen wir, haben wir aber nicht vorrätig“, so die einhellige Auskunft.

Das Zahnfragment habe ich wieder angeklebt. Ohne das MTA und dessen Abdeckung mit einem Liner wäre die Passung Fragment / Restzahnsubstanz besser, der Klebespalt deutlich geringer. Aber ich gehe davon aus, daß, sofern keine Getränkeflasche dazwischenkommt, die vorhandene Klebung wieder einige Jahre halten wird.

Made in PRC – Teil 2

von Bodald Necker

Nun ist der chinesische Zahnersatz per Post gekommen.

Wie ist er geworden?

Meiner Meinung nach sieht er aus wie aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Nicht schlecht, aber gut auch nicht. Die Verblendungen sind einfach, ohne Struktur und lieblos, die Präzision Aussen- und Innenteleskop ist „poor“, Friktion stimmt zwar, aber wie lange?

Was war auffällig?

Die anfangs gut aussehenden Modelle haben ein wenig gelitten. Einige Gipsteile sind geklebt worden, ein Gips-Zahn mit Klebewachs fixiert. Transportschaden? Oder runtergefallen, wie es halt mal passieren kann? Wir sind gespannt, ob die Arbeit reingeht…

Wir haben also das erhalten, was wir erwartet haben. Wir haben keine tolle Arbeit erwartet und haben sie auch nicht bekommen.

Wird die Arbeit halten?

Ich glaube ja. Mindestens 2 Jahre, wahrscheinlich länger. Auch wenn mal was daran zu reparieren ist.

Wer macht das dann, wenn die 2 Jahre Gewährleistung abgelaufen sind?

Ich weiss es noch nicht, aber wahrscheinlich der Techniker vor Ort. Gegen ganz normale Bezahlung.

Alles entscheidende Frage:

Würden wir es wieder machen?

Nein. Wenn es irgendwie geht.

Wie es dem Patienten gefällt?

Der hat es noch nicht gesehen, eingesetzt ist die Arbeit noch nicht.
Aber ich werde berichten.

Sommerpause

von Donald Becker

Geschafft !

Der letzte Patient hat die Praxis verlassen.
Noch die Quartalsabrechnung und dann erst mal 2 Wochen Ruhe.

Auch WURZELSPITZE macht Sommerpause, sogar noch etwas länger, nämlich bis zum 25. Juli 2010.

Allen Lesern eine schöne Zeit, tolles Wetter und gute Erholung !

Schönen Urlaub!

von Jörg Schröder

Wurzelspitze macht bald Urlaub. Ich darf schon jetzt eine zahn- und kanalfreie Zeit geniessen.

Ich wünsche allen eine entspannte Zeit mit ihren Lieben.

eCard (2)

von Olaf Löffler

Überrascht hat mich die Meldung zur Einführung der eKarte.

Die ersten Reaktion im Blog hatten mich sehr nachdenklich gemacht und veranlasst nocheinmal etwas nachzulegen.

Die ersten Leser fanden den Beitrag eher unwichtig. Thomas Weber hat durch seinen Kommentar etwas mehr Beachtung für diesen Artikel gebracht. Danke Thomas.

Sind die Folgen dieser Einführung bekannt? Welches Prozedere erwartet die Praxen?

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Zitat: Südwestpresse, Ulm vom 19.06.2010 – Hinweis von Thomas Weber

In einer Blitzaktion hat der Bundestag mit den Stimmen von Union und FDP neue Regeln zur Einführung der elektronischen Gesundheitskarte verabschiedet. Das Gesetz verpflichtet die Krankenkassen Online-Dienste bereitzustellen, mit denen alle 187 000 Ärzte und Zahnärzte die Stammdaten auf der künftigen Versicherten-Chipkarte prüfen sollen. Die Pflicht gilt, sobald die neuen Kärtchen bereitstehen. Jedes Quartal soll dieser Abgleich stattfinden. Zu den Versichertenstammdaten gehören sensible Informationen wie Teilnahme an Chronikerprogrammen zu Brustkrebs oder Diabetes. Bisher war diese Kontrolle im Gesetz nicht vorgesehen.

Vor der Entscheidung haben Ärzte, Datenschützer und Patientenverbände an Gesundheitsminister Phillip Rösler (FDP) appelliert, den Gesetzentwurf zurückzuziehen. Er war erst am Dienstag dem Gesundheitsausschuss zugestellt und gestern – kurz vor dem Fußball-WM-Spiel – im Parlament beschlossen worden. Die Kritiker erklärten: Arztpraxen seien keine „Patientenkontrollstellen“ der Kassen. Bis die Daten geprüft seien, vergingen bis zu 20 Minuten. Funktioniere der Abgleich nicht, könnten Ärzte Kranke nur gegen Rechnung behandeln. Die Einführung der E-Karte koste bis zu 14 Milliarden Euro. Für die Tests hätten die Kassenmitglieder bereits 1,5 Milliarden Euro bezahlt. Der deutsche Ärztetag hat die E-Karte und diesen Stammdatenabgleich noch im Mai abgelehnt.

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Unsere Praxen werden per DSL ( soweit vorhanden ) Online angebunden sein. Die Absicherungen der Praxisserver wird nicht unbeträchtliche jährliche Kosten bringen.

Es werden Rezeptionshelferinnen mit dem Datenabgleich über Stunden beschäftigt sein. Insbesondere, wenn nur die Kartenlesegeräte online angebunden sein sollten, was am Quartalsanfang zu Problemen führt, wenn deutschlandweit Ärzte und Zahnärzte auf den Zentralrechner zugreifen.

Der administrative Aufwand wird an die Praxen delegiert. Der Nutzen für den Patienten ist gering bis nicht erkennbar.

Hier noch einige Links – für Sie und Ihre Patienten:

1. Mythos Gesundheitskarte

2. Einführung durch die Hintertür

3. Ärztezeitung

4. Ärzte als Spitzel

5. hier im Blog