von Oscar von Stetten
Reziproke Arbeitsbewegung ist in aller Munde. Einfacher, schneller, sicherer. Das ist sicher richtig, doch jede Münze hat zwei Seiten. Über eventuelle Nachteile wie apikale Debrisextrusion und eine mögliche Schädigung des Zahnes durch Lastinduzierte Micro-Cracks wird noch zu wenig diskutiert. Die Zeit wird es zeigen, ob wir durch die reziproke Arbeitsweise gewinnen. Mir persönlich sind die erhältlichen Feilen bislang zu steif und zu mächtig. Natürlich kann man jede Feile reziprok betreiben, den passenden Motor vorausgesetzt. Bisher sah ich keine Veranlassung dazu, unsere Aufbereitungsystematik hat sich bewährt. Vor allem die TwistedFiles spielen initial eine grosse Rolle. Ich mag die Feilen gerne, sehr schnittfreudig, sehr flexibel vor allem in den hohen Grössen. Unser Arbeitspferd ist die TF 08/25, dennoch auch mit viel Erfahrung bleibt häufig ein mulmiges Gefühl übrig, vor allem bei komplizierten Anatomien.
SybronEndo wird nun eine Weiterentwicklung der TwistedFile zur IDS präsentieren, die TwistedFileAdaptive (TFA). Die TF wurde nicht viel verändert, der Schnittkantenwinkel wurde angepasst, das Besondere ist jedoch die Arbeitsbewegung: 370° rechts, 50° links. Damit versucht man, der Debrisakkumulation und Extrusion vorzubeugen. Ob dem so ist, müssen Studien zeigen. Die Ergebnisse, die mir bisher bekannt sind zeigen leichte Hinweise auf die Überlegenheit der TFA anderen Systemen gegenüber, zumindest in dieser Beziehung. Was die Micro-Cracks angeht, so laufen Untersuchungen darüber, es wird spannend. Das System wird als Komplettsystem aufgestellt, es gibt also zur Feile passendes Obturationsmaterial wie einen GP-Träger, GP-Stift und Papierspitzen. Wenn man es denn möchte.
So weit, so gut.
Yeah, noch ein System. Und Yeah, noch ein Motor.
Aber: der Motor ist in seiner Arbeitsweise FREI programmierbar. Damit kann man jede Feile nach seinem Gusto reziprok programmieren. Ein Vorteil, mir stehen damit alle Systeme zur Verfügung. Und: der Kopf ist klein. Sehr klein, so klein wie der meiner Lieblingsmotoren, der NSK Endomate TC2. Ein weiteres Plus: man kann die herkömmlichen TF´s ebenfalls im Reziprok-Modus laufen lassen, was nach einer gewissen Einarbeitungszeit (wie bei allen Systemen) auch Spass macht.
Der grösste Vorteil ist in meinen Augen jedoch die kleinste verfügbare Grösse in 04/20 der TFA. In Zusammenarbeit mit der SAF könnten sich gute Synergien ergeben.
Fazit: nach knapp 60 Kanälen mit TFA kann ich nur die Empfehlung aussprechen, auf der IDS mal am SybronEndo-Stand vorbei zu schauen und sich selber ein Bild zu machen. Für diejenigen, die an eine Anschaffung eines reziproken Systems denken könnte sich der Motor als nützlich erweisen, ist er doch universeller einsetzbar als die Systemlösungen der zwei Grossen.

