Memorix Zahnmedizin – must have!

Die 6. Auflage 2024 ist nun erschienen.
Wenn es für mich ein Standardwerk der Zahnmedizin in deutscher Sprache gibt, dann fällt mir immer als erstes das Memorix Zahnmedizin von Thomas Weber ein.
Das Nachschlagewerk für den Studenten, den Praktiker und den Spezialisten.

Ich habe keinen Bereich der Zahnmedizin gefunden, der nicht zusammenfassend im Memorix dargestellt wird. Von Kieferorthopädie, Hygiene, Restaurative Zahnheilkunde über Endodontie, Parodontologie, Prävention, Chirurgie bis hin zum Notfall und noch vieles mehr, wird der Leser auf nun knapp 1000 Seiten informiert.

Wenn das Kapitel Traumatologie von allen Kolleginnen und Kollegen gelesen wird, könnte sich die Behandlung traumatologischer Notfälle schlagartig verbessern, wage ich zu sagen.

An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an Thomas Weber für sein unermüdliches Schaffen an dieser seit 1997 bestehenden Reihe!

Ein Marvis-Versprechen ist auch in Tokyo möglich

Ein der Kaufhaus gegenüber des altehrwürdigen Bahnhofs Tokyo Station im Bezirk Ginza der japanischen Hauptstadt. Die Geschäfte haben bis 21 Uhr geöffnet, so bleibt in der kurz bemessenen Zeit meines Japan-Besuches auch nach Ende der beruflichen Tätigkeit für mich die Möglichkeit, auf Entdeckungsreise zu gehen. Und was finde ich, inmitten einer Vielzahl von Designprodukten des Conran Shops? Die Marvis- Zahncreme aus Italien.

Ich habe im Übrigen- seit bei DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER II EndoOrganisation vorgestellt – 3 Marvis-Versprechen in Angriff genommen. Und zwei davon sogar schon umsetzen können. Aus Tokyo zurück stehen nun 2 weitere auf der Liste und in bin gespannt, wie sich alles entwickeln wird. Die Marvis-Versprechen sind dabei ein nicht unerheblicher Motivator. Ich kann es nur empfehlen. Das stetige Erinnern trägt nicht unerheblich dazu bei, das man auch komplexe oder gar unliebsame Aufgaben in Angriff nimmt, die sonst gerne unendlich lange vor sich hergeschoben werden.

Nochmal elektronische Patientenakte

Eine Info von MDR Aktuell ist hier unter diesem Link zu lesen:

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/elektronische-patientenakte-sicherheit-widerspruch-102.html

Laut ÄND:
Wenig Widerspruch gegen E-Patientenakte
Rund 75 Millionen gesetzlich Versicherte erhalten bald automatisch eine elektronische Patientenakte. Wer das nicht will, muss Widerspruch einlegen. Das tun bisher nur wenige.

Auf dem Endo-Tray – unsere individuellen Ablagen

Die nachfolgenden 2 Fotos möchte ich noch nachliefern.
Von unseren Endo-Tray-Ablagen auf dem Schwebetray.

Aus einem Kunststoff, der die Desinfektion im Thermodesinfektor verträgt.
CNC-gefräst, wie die genaue Betrachtung offenbart. Ein 3/4 Jahr lang durchläuft die erste Charge nun schon den Wiederaufbereitungsprozess und die beiden Prototypen sind immer noch ansehlich. Insofern schien es mir nun angebracht, die 2. Charge in Auftrag zu geben. Mit 75 Euro pro Ablage.
Und ich zitiere aus meinem Vortrag bei DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER III EndoErgonomie: „Ein vorhandener Nutzen überkompensiert den notwendigen finanziellen Aufwand.“ Soll heissen. Gut angelegtes Geld, weil mir Tag für Tag dieses Hilfmittel, so unspektaklär es auf den ersten Blick daherkommen mag, das Arbeiten erleichtert. In jeder einzelnen Behandlung.

MTA oder RET bei Alex? (II)

Erinnern Sie sich noch an den ersten Teil dieses Beitrags?

Wir haben uns also „tatsächlich“ für eine RE-Therapie entschieden. Vor ein paar Tagen war Alex zum 6-Monats-Recall bei uns.

Es scheint auf jeden Fall so, als hätten die Desinfektionsmassnahmen schon Wirkung gezeigt.

Ich bin auf die nächste Nachsorge gespannt…

und wieder ein Recall

Heute ein Behandlungsfall, welcher mich an meine Grenzen brachte.

Der Zahn 44 sollte mit allen Mitteln erhalten werden.
44 steht lingual versetzt in der Zahnreihe, zeigt Lockerungsrad 0, keine erhöhten Sondierungstiefen und ist völlig symptomfrei. In Folge einer kariesbedingten Höckerfraktur wurde eine endodontische Behandlung begonnen. Die Wurzelkanaleingang war nicht darstellbar.
Wir Diagnostik und Beratung vereinbarten wir die Behandlungstermine.

Das Röntgenbild des HZA zeigt einen 44 mit kaum erkennbaren Kanalstrukturen. In unserem Ausgangsbild ist eine apikale Aufteilung der Wurzel zu vermuten. Das angefertigte DVT stellt die komplexe Wurzelanatomie dar.
Nach präendodontischem Aufbau erfolgte die Darstellung des Wurzelkanalsystems.
Was so einfach geschrieben ist, stellte sich als schweißtreibendes Unterfangen dar. Die apikale Aufteilung war klinisch nicht sondierbar. Auf Grund der Krümmung der Wurzel war die Teilungsstelle nicht einsehbar. Erschwerend kam die Rotation und Angulation des Zahnes hinzu und ließ die 3dimensionale Orientierung im Wurzelkanal besonders zeitaufwendig werden.
Nach 2 Stunden habe ich im ersten Termin demutvoll aufgegeben.

Vor dem zweiten Behandlunstermin habe ich sehr lange das DVT studiert.
Wieder endete der Versuch des Sondieren mit vorgebogenen Instrumenten ohne Erfolg. Nach Kenntnissen aus dem DVT habe ich die Höhe und Lage des Abzweigs eruiert und vorsichtig mit Ultraschall Substanz abgetragen. Die Endosonorefeile habe ich entsprechend der Kanalanatomie vorgebogen und mittels Edding die Länge markiert. Es stellte sich nach kurzer Zeit eine kleine dunkle Stelle, der fast lateral rechtwinklige Abzweig dar, den ich nun mit Handinstrumenten sondieren konnte. (Rö.-Aufnahme)
Erst nach sonoabrasivem Abtragen des in den Bildern rot gekennzeichneten Bereiches war die Aufbereitung des zweiten Kanals möglich. Die Instrumentierung erfolgte nach Gleitpfaderstellung #8/#10/#12 mit Profile 15.04, WaveOneGold #20/#25. Die Desinfektion erfolgte mit NaOCl 3% und Zitronensäure17%. Zur med. Einlage verwendeten wir CaOH.

Zum 3. Behandlungstermin war der Zahn symptomfrei und konnte nach einer abschließenden Desinfektion mit Guttapercha in warm vertikaler Technik (Sealer FKG BC Totalfill HighFlow) gefüllt werden. Anbei die Bilder und das erste Recall.



Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Wieder mal ein Wurzelkanal-Rätsel – Wieviele Kanäle haben wir hier ? (II)

Wieviel Kanäle hat er denn nun, dieser Zahn 36 ?


Es sind 6 an der Zahl.
3 in der mesialen und 3 in distalen Wurzel. Das DVT gibt die dem Zahnfilm verborgen bleibenden anatomischen Details preis. Die 3 in der mesialen Wurzel münden im Übrigen getrennt voneinander. Drei PoE, 3 portals of exit. Was die Situation etwas kürzer, prägnanter wiedergibt als zu schreiben: Drei bis zum Foramen apicale getrennt voneinander verlaufende Wurzelkanäle. Schwierig bleibt aber das eine genauso wie das andere. Und die sehr engen Kanäle und das sklerotische harte Dentin kommen erschwerend hinzu.

Umso erfreulicher, das die Abschlussröntgenbilder nach WF zumindest andeutungsweise erkennen lassen, wie komplex dieser Fall war. Und die gefüllten Seitenkanäle erfreuen zusätzlich das Auge des geschulten Betrachters.

Und da war noch der andere Zahn 36. Der mit der grossen
Der war ganz normal.
4 Kanäle. Sicherheitshalber den Defekt distal von intern mit Komposit geschlossen, auch wenn es unter OP- Mikroskop-Kontrolle keinen Hinweis für ein Leakage gab.

Massive Überpressung von Calciumhydroxid. Welches – einer der Gründe, warum ich das von uns verwendete Material so mag – zeitnah resorbiert wird. Dafür aber schon mit sichtbarer beginnender knöcherner Regeneration zum Zeitpunkt der Wurzelkanalfüllung. Erfreulich bei einem Zahn, der auf Grund der scheinbar „hoffnungslosen“ Ausgangssituation nicht selten extrahiert wird.

„Sargnagel“ Karla – Reparative endodontische Behandlung – 3-Jahres-Recall

Vor längerer Zeit habe ich hier und hier von der RE-Therapie der heute 11-jährigen Karla berichtet.

Gestern fand das 3-Jahres-Recall statt.

Es scheint weiterhin, als hätten sich die damaligen Mühen für alle Beteiligten gelohnt..

Kanban

Wir haben bei uns das Kanban System nach Hans-Willi Herrmann eingeführt.
Die Umstellung erfolgte nach anfänglicher skeptischer Betrachtung nahezu problemlos.

Folgende Fragen waren für uns im Vorhinein zu klären:
1. Wer druckt, bzw. erstellt die Kanbanplaketten?
2. Haben wir ein System zum erstellen von Strich- oder Barcodeübernahme für die Bestellung der Produkte.
3. Welche Produkte sollen erfasst werden mit welchen Farben?
4. Daraus folgend, wieviele Plaketten benötige ich in wievielten Farben?
5. Wer ist verantwortlich für die Umsetzung?
6. Wir erfolgt die Kennzeichnung, d.h. am welcher Stelle (vorletztes Produkt, vorletze Packunserinheit, etc.) und welchen Farbencode möchte ich einsetzen.

Wir haben uns zunächst auf 2 Farben beschränkt.
Schwarze und weiße Kabanplaketten.
Schwarz -> wird nicht über AERA bestellt.
Weiß -> wird über AERA bestellt.

In unserer Praxis sind ca. 400 Plaketten im Umlauf.
Wir werden berichten, wie es im weiteren Verlauf des Jahres funktioniert.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Blick über den Tellerrand bzw. über Landesgrenzen hinaus (II)

von Thomas Weber

Zum Beitrag von letzter Woche hat Thomas Weber, der Autor des Memorix Zahnmedizin einen ausführlichen Kommentar geschrieben, dem ich nachfolgend hier die ihm gebührende Aufmerksamkeit im Rahmen eines dezidierten Blogbeitrages geben möchte:

Wenn der Patient über Datenstick oder Chipkarte die Hoheit über seine Gesundheitsdaten behielte, wo bliebe dann die industrielle eHealth-Gesundheitswirtschaft?

Der Sinn der Telematikinfrastruktur und der ePA wäre verfehlt: Die Gesundheitsdaten müssen nutzbar gemacht werden. Für Dritte.

„Daten sind das Erdöl des 21. Jahrhunderts.“ hat Professor Dr. Andreas Peichl vom ifo-Institut mal formuliert. Und Gesundheitsdaten sind besonders wertvolle Rohstoffe, die endlich und in großer Menge gefördert werden wollen. Bleiben wir im Bild: Erschlossen werden sollen die Datenquellen im Wesentlichen durch die Heilberufler in den Praxen und Krankenhäusern, den eRezepten, aber auch durch die Patienten selbst mittels Wearables und Smartwatch-Apps: Alles soll in die ePA, von dort wird es über die Pipeline der schnellen „Datenautobahn“ Ti in die Rohöhldatenbank der Krankenkassen gepumpt, bevor die Daten raffiniert werden. In den Tanks lagern schon die „Versorgungsdaten“ aus den Abrechnungen der Heilberufler. Die größte Raffinnerie ist das „Forschungsdatenzentrum“, wo der unterschiedliche Gehalt der Daten erschlossen wird. Und von da geht es zur weiteren Verwertung der Datenerdölprodukte durch Nutzer mit „berechtigtem Interesse“.

Künftig dürfen die Krankenkassen in den Versichertendaten nach persönlichen Gesundheitsrisiken suchen und die Betroffenen dann darüber informieren. Und deshalb brauchen sie – quasi zwangsweise – den Zugriff auf den Rohöldatentank. Die Daten dort sind pseudonymisert, damit eben ein Personenbezug wieder hergestellt werden kann, denn wie sollte der Versicherte sonst über sein persönliches Risiko informiert werden können?
Und ein Zweites versprechen sich die Krankenkassen , wie es die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes offen kommunizierte:
„Die Übermittlung der Abrechnungsdaten muss erheblich beschleunigt werden, damit Patientinnen und Patienten die erbrachten Leistungen transparent nachvollziehen und Krankenkassen ihre Versicherten individuell beraten können, welche weiteren Behandlungsmöglichkeiten existieren. Auf Basis eines gesetzlichen Auftrags werden Vertragsärztinnen und Vertragsärzte verpflichtet, Daten zu definierten Leistungen taggleich an die Krankenkassen zu übermitteln. Hierdurch werden Versicherte und Krankenkassen in die Lage versetzt, sich zeitnah einen aktuellen Überblick über die Behandlung zu verschaffen. So können Patientinnen und Patienten frühzeitig auf den bedarfsgerechten Versorgungspfad geleitet und bei der Inanspruchnahme notwendiger Leistungen unterstützt werden.“
Der gläserne Patient und der gläserne Arzt auf dem bedarfsgerechten Versorgungspfad, den die Krankenkassen dann wegweisen. Wie schön ist die neue eHealth-Welt!

Aber „berechtigtes Interesse“ haben natürlich auch Versorgungsforscher jeder Coleur, die Pharmaindustrie, die industrielle eHealth-Gesundheitswirtschaft oder der Versandhandel von Gesundheitsprodukten jeder Art. Da ist das Angebot für den neuesten Diabetes-Sensor schon im Briefkasten, bevor die Diagnose beim Betroffenen richtig angekommen ist. Wie bequem ist die neue eHealth-Welt!

All das kann man gut finden. Bequemlichkeit hat halt ihren Preis. Sollte man aber nicht gut finden müssen.
Erinnern wir uns: Die ePA gibt es auf freiwilliger Basis, also Opt-In, seit 2021. Die Patienten, die sich bisher eine haben anlegen lassen liegt momentan irgendwo um die 2%. Deshalb kommt jetzt das „Opt-Out“: Wer nicht widerspricht, kriegt eine ePA. Und es ficht den Gesetzgeber dabei nicht an, dass Schweigen oder Nichtstun im Rechtsverkehr eigentlich keine Willenserklärung darstellt.

Die ePA bleibt für beide Gruppen der Ärzte und der Versicherten ein zweischneidiges Schwert. Jeder tut gut daran, sich umfassend zu informieren. Mittlerweile gibt es sehr gute Zusammenfassungen über Nutzen, Risiken und Folgen der ePA vom Team Zahnärzte Bayern: https://www.team-zahnaerzte-bayern.com/epa oder vom MEDI-Verbund: https://www.medi-verbund.de/epa/ . Interessanterweise kommen nun auch die ersten Berufsverbände auf den Widerspruchstrip: Unter https://opt-out-info.de/ warnt der FVDZ-Landesverband Bayern e.V. Patienten unter dem Motto: „Schütze Deine Daten!“ vor der ePA.

Wer sich um eine umfassende Sicht bemüht, dem sei das Büchlein von Dr. Andreas Meißner „Die elektronische Patientenakte – vom Ende der Schweigepflicht. Für Risiken und Nebenwirkungen übernimmt niemand die Verantwortung.“ empfohlen, das im Westend-Verlag im Mai 2024 (ISBN 3864894727) erschienen ist. Meißner ist nicht nur ein sehr kluger Mensch und Psychiater, er hat sich in den letzten Jahren intensiv mit der Telematikinfrastruktur und der ePA auseinandergesetzt, dazu viel publiziert und darf als Kenner der Materie gelten. Die 10,00€ (oder auch weniger im Gebrauchtbuchhandel) für das kleine Buch sind gut angelegt, zumal man es nach der Lektüre auch dem Praxisteam oder der Patientenschaft weiterreichen kann.

Und wer noch auf Facebook unterwegs ist, findet diese und viele weitere Informationen auch zur ePA auf der Seite der Aktion „Rote Karte für die TI“: https://www.facebook.com/Rote.Karte.TI/.

Hertzliche Grüße vom Lande,
Thomas Weber

Wieder mal ein Wurzelkanal-Rätsel – Wieviele Kanäle haben wir hier ?

Zwei Tage.
Zwei Zähne 36.

Wieviel Kanäle?
Und wie verteilt ???

Falls jemand jetzt sagt, das kann man am 2D-Röntgenbild nicht sicher erkennen… GANZ GENAU.


Recall

Dieser Patient wurde uns vor einiger Zeit überwiesen.
Der Zahn 36 zeigte nach begonnener endodontischer Behandlung eine zunehmende Schmerzsymptomatik. Im klinischen Befund sind Sondierungtiefen zwischen 2 und 4mm erkennbar, suffiziente Füllungstherapie und der Lockerungsgrad ist 0.

Die sich röntgebologisch darstellende j förmige apikale Osteolyse an der distalen Wurzel lässt den Verdacht auf eine Infraktur/Riss zu. Deshalb waren wir in der Prognosestellung zurückhaltend obwohl klinisch kein Hinweis auf eine Infraktur erkennbar war.
Der Patient wollte den Zahn trotzdem unbedingt erhalten.

Die endodontische Therapie erfolgte zweizeitig, die Desinfektion erfolgte mit NaOCl 3% unter Schall und Ultraschalleinsatz. Die Instrumentierung erfolgte mit R-Pilot, Profile 15.04, Wave One Gold #20-#35. Die thermische Obturation gelang mit Guttapercha und Total Fall BC Sealer HiFlow. Klinisch war keine Fraktur/Riss im mikroskopischen Bild erkennbar.

Im letzten 2 Jahres Recall konnten wir eine nahezu vollständige Regeneration der apikalen Osteolyse erkennen.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Blick über den Tellerrand bzw. über Landesgrenzen hinaus

Auch in Italien soll es nun eine elektronische Patientenakte geben.
Wie dies im Einzelnen aussieht, kann ich nicht sagen, aber in einem Punkt unterscheidet sie sich schon einmal diametral von der bestvorbereitesten Digitalanwendung Deutschlands. Der Patient in Italien muss nämlich der Nutzung einer solchen Anwendung ausdrücklich zustimmen. So konnte ich es im „Brixener“, der Zeitung mit Stadtinformationen von Brixen/Südtirol lesen. Dort wird nämlich um Zustimmung geworben.

Im Gegensatz zu Deutschland.

Wo keiner genau informiert wird, was und wie genau diese ePA funktioniert.
Und man aktiv widersprechen muss.
Ansonsten die eigenen hochsensiblen Gesundheitsdaten vielen vielen Leuten zur Einsicht zur Verfügung stehen.

Ich vermute mal, das bislang sich die wenigsten Bürger unseres Landes Gedanken gemacht haben, was das gegebenenfalls für die eigene Person bedeutet, wenn intimste persönliche Daten eines gesamten Lebens (von der Geburt bis zur Totenbahre) abrufbar werden. Und zwar nicht nur für die betreuenden Ärzte, sondern auch für jede Menge anderer Personen, die nichts direkt mit Medizin per se zu tun haben. Von den Begehrlichkeiten für Kriminelle (Computer kann man „hacken“) mal ganz abgesehen. Und natürlich werden – da halte ich jede Wette- in nicht zu ferner Zukunft z.B. Versicherungen diese Daten abfragen. Und dann massgeschneiderte Prämien ermitteln für jeden Einzelnen. Mit individuellem Risikoaufschlag. Und dann heisst es viel mehr zahlen oder einen Ausschluss des betreffenden Krankheitsrisikos akzeptieren. Man dann also die Behandlungskosten aus eigener Tasche zahlen muss.

Und bei Bewerbungen um einen neuen lukrativen Job wird der zukünftige Arbeitgeber Einblick in die Krankenakte fordern vorab. Suchmaschinen liefern dann Sekundenschnelle die toxischen Aktenfundstücke. Alkohol, Drogenkonsum, Burn Out, Bulimie, „Ritzen“, Geschlechtskrankheiten, Abtreibungen, Psychosen, Selbstmordversuche, Aids. Um nur ein paar zu nennen. So gesehen ist der gelangweilte Mitarbeiter der örtlichen Krankenkasse oder der örtlichen Apotheke, der einfach nur wissen möchte, was beim Nachbarn so alles in der Akte steht, noch das kleinste Übel. Allein das schon schlimm genug. „Hast du schon gehört….“

Und wer es immer noch nicht kapiert hat.
Stellen Sie sich vor, das der Kontostand ihres Bankkontos frei einsehbar wäre. Ihre Schulden, ihr Erspartes?

Wollen sie das ?
Denken sie mal drüber nach und dann mulitplizieren sie ihr Unbehagen mit 100.
Willkommen bei der ePA!

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Alle Gesundheitsdaten an einer Stelle gesammelt. Das wäre toll und nützlich.

Aber dann bitte auf einer Chipkarte, die sie bei sich tragen oder in ihrem Smartphone gespeichert.
Und wenn jemand auf diese Daten zugreifen soll, dann erteile ich ihm DANN und nur für DANN meine Zustimmung.

Es wäre so einfach. Warum also nicht so? Ein Schelm, der Arges denkt…

MTA und RET nach dentalem Trauma – Luis

Der heute fast zwölfjährige Luis erlitt im Herbst 2022 ein Frontzahntrauma im Sinne einer unkomplizierten Kronenfraktur an Zahn 11 und Dislokation von Zahn 12.

Rö alio loco

Bei der Erstvorstellung in unserer Praxis im November 2022 zeigten sich neben einer apikalen Pathologie bereits infektionsbedingte Resorptionen; insbesondere an Zahn 12.

Aufgrund des unterschiedlich weit fortgeschrittenen Wurzelwachstums entschieden wir uns für eine MTA-Apexifikation an 11 und eine RE-Therapie für 12 (in insgesamt drei Terminen).

Achtzehn Monate später war Luis gestern zur Nachkontrolle bei uns…

Freu

:-)

sieht aus, als wäre die Therapiewahl nicht die Schlechteste gewesen…

3D Druck Kanban-Update September 2024

Über die neueste Generation unseres Kanban – Systems unter Zuhilfename des 3D-Druckers hatte ich hier schon berichtet.

Und freue mich, das zwischenzeitlich ein paar Kollegen dieses Konzept – über das auch bei DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER II EndoOrganisation berichtet wurde- übernommen haben.

Mit guten Ergebnissen.
Was sich mit unseren Erfahrungen deckt.

Es ist das beste System, das wir bisher in Aktion hatten.
Insbesondere die Kombination eines nicht übersehbaren und nicht versehentlich wegwerfbaren Labels, welches fest mit dem Verbrauchsmaterial verknüpft wird, macht den Unterschied zum Positiven. Das System funktioniert sogar so gut, das es gegebenenfalls die Aufkleber unserer Wawibox-Materialverwaltung überflüssig machen wird.

Seit kurzem gibt es nun eine weitere grüne Kanban-Karte.

Wofür ist diese ?
Nun, für alle Materialien, die in so grossen Mengen bestellt werden, dass eine Lagerung des Gesamtbestandes im Behandlungszimmer nicht möglich ist. In solchen Fällen wird die letzte Materialpackung im Zimmer nicht mit einer roten, sondern mit einer grünen Kanban-Karte versehen. Damit wissen wir, das das Verbrauchsmaterial noch in genügender Zahl vorhanden ist, nur nicht an diesem Ort. Der Restbestand befindet sich an anderer Stelle. An welcher verrät der Aufkleber auf der grünen Karte. Es wird dann solange aus dem Fundus aufgefüllt (und jeweils mit der grünen Karte neu getaggt) bis der letzte, mit einer roten Kanban-Karte markierte Artikel im Zimmer landet.

Was hat sich dadurch geändert ?
Es kam immer wieder mal vor, dass Artikel neu bestellt wurden, obwohl in der „Voratskammer“ noch Material vorhanden war. Der Klassiker ? Die OP-Mikroskop-Schutzhüllen sind alle, obwohl noch 1000 Stück davon im Vorrat waren.
Solche Versehnisse kommen nun nicht mehr vor.

Sehr schön.