Apical Fishing

von Jörg Schröder

Irgendwie haben es mir extraradikulär gelegene Materialien, wie man sie vor Revisionsbehandlungen häufig antreffen kann, angetan. Genau genommen, der Versuch, sie orthograd zu entfernen.

Und klar: Häufig wäre der chirurgische Weg auch unter Umständen einfacher. Und schneller.

Andererseits haben gerade Patienten, deren zu revidierende Zähne (und sie selbst) bereits eine Wurzelspitzenresektion durchgemacht haben, oftmals kein gesteigertes Interesse an einem erneuten chirurgischen Eingriff.

Im vorliegenden Fall traten mehrere Jahre nach der resektiven Massnahme zunächst Berührungsempfindlichkeiten und später dann eine aktive Fistelung labial des 21 auf.

Das präoperative Einzelbild lässt bereits vermuten, dass der zum Zeitpunkt der Erstbehandlung sehr weite Kanalquerschnitt mittels lateraler Kompakten „gefüllt“ wurde. Typisch dafür die feinen Trennlinien zwischen den einzelnen Guttaperchastangen. Die retrograde Wurzelfüllung erscheint disloziert und die Ätiologie der apikalen Pathologie somit klar.

Aber erst das DVT zeigt das eigentliche Problem. Das retrograde Material liegt labial des Neoforamens und kann nicht visualisiert werden. Was tun?

In diesem Fall war ich auf zwei Szenarien vorbereitet und hatte diese im Vorfeld mit dem Patienten besprochen. Da sich die Lage des retrograden Verschlusses im DVT genau bestimmen ließ, sollte nach Entfernung der Wurzelfüllmassen zunächst versucht werden, den Retro-Plug ins apikale Sichtfenster zu bewegen. Nur im Falle des Nichtgelingens war vorgesehen dieses Material in der zweiten Sitzung nach der Wurzelfüllung mit MTA chirurgisch zu entfernen.

Glücklicherweise gelang das erste Vorhaben. Zu diesem Zweck hatte ich einen Microopener so individualisiert, dass ich ihn nach Entfernung der Obturationsmassen zunächst in mesio-distaler Richtung, sozusagen quer, in den Kanal einbringen konnte.

Eine Längenmarkierung per Edding zeigte mir, wann ich mich apikal des retrograden Verschlusses befand. Dann war der Plan durch eine 180-Grad-Rotation des Microopeners von distal nach mesial die Masse ins Sichtfenster zu bewegen. Was nach dem 3. oder 4. Versuch auch gelang.

Nun galt es nur noch, das Verschlussmaterial, da größer als das Neoforamen, mittels Ultraschallfeilen zu zerkleinern, um die dann transportablen Stücke nach orthograd zu entfernen.

Der Rest war dann gute Routine: Med CaOH2. Erneute Irrigation, kollagenes Widerlager und MTA Obturation in Sitzung zwei.

Letzte Woche dann das sehr erfreuliche Recall.

Dazu ein Bonmot von Henry Ford:

„Es gibt mehr Menschen die kapitulieren, als solche die scheitern.“

Es geht sicher nicht alles. Aber manches Mal mehr, als wir ursprünglich für möglich erachten.

Schraube vs. Zahn – reloaded

Von Christoph Kaaden

Erinnern Sie sich noch an diesen Fall?

Letzte Woche rief die Patientin erneut an, da sie seit einiger Zeit zunehmende Schmerzen in Regio 16 verspürte…

Das, nach der damaligen Operation, angefertigte grossvolumige DVT habe laut Patientin (und Operateur) keine Besonderheiten gezeigt.

Unser kleinvolumige Aufnahme konnte zur Klärung der Beschwerden allerdings eine traurige Gewissheit liefern…

LED am ProErgo (I)

Von Christoph Kaaden

Unser ProErgo Mikroskop ist im zehnten Einsatzjahr seit Praxisgründung.

In dieser Zeit war es wiederholt notwendig, die („nicht ganz günstige“) Xenonlampe zu wechseln.

In letzter Zeit fiel mir erneut eine deutliche Leistungsabnahme der Beleuchtung auf.

Statt einer Neuanschaffung der Lampe mit entsprechenden Kosten habe ich mich für eine Umrüstung auf LED entschieden.

Zugegebenermassen auch kein günstiges Unterfangen (ca. 5000 EUR all inclusive.), aber dafür mit wahrscheinlich (und hoffentlich) deutlich grösserer Nachhaltigkeit…

Der Umbau hat gute zwei Stunden gedauert und ist von Microdoc durchgeführt worden.

Ich freue mich darauf, diese neue Beleuchtungsart nach unserem Pfingsturlaub zu testen und werde von unseren Erfahrungen berichten…

wir werden (im wahrsten Sinne des Wortes) sehen, ob diese Investition die versprochenen Erwartungen erfüllt…

hat jemand von Ihnen bereits entsprechende Erfahrungen mit der Umrüstung?

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Ever XFlow Fallbeispiel

In diesem Fall wurde durch eine Stiftinsertion bereits sehr viel Wurzeldentin distal geopfert.Deshalb haben wir uns hier für eine intrakanläre Strahlung mit AlO entschieden. Voraussetzung dafür ist allerdings ein verschlossener Wurzelkanal. Die Gefahr eines Emphysems und/oder des Transports von Strahlungspartikeln mit Debris und Smearlayer nach periapikal muß ausgeschlossen sein. Deshalb kann in so einem Fall erst nach der Wurzelfüllung die Vorbereitung der Oberfläche erfolgen

Warum sandstrahlen?
Die Oberflächenveränderungen* durch Natriumhypochlorit und Gelatoren lassen einen ohnehin schon schwierigen adhäsiven Verbund mit dem Wurzeldentin nicht zu. Deshalb versuchen wie einen minimalinvasiven Abtrag und gleichzeitig hoffen wir, daß die Rauhigkeiten einen besseren Verbund zulassen. Aus unserer Empirie funktioniert dies sehr gut. Füllungsverluste haben wir nur, wenn wir NICHT mit AlO gestrahlt hatten. Die Kavität und den koronalen Teil des distalen Kanalsystems haben wir aus o.g. Gründen sandgestrahlt. Dies erfolgt „impulsartig“ mit kurzen Strahlerstößen. Sobald ein stumpfer Glanz der Oberfläche erkennbar ist, wird nicht weiter gestrahlt. Lassen sich nicht alle Partikel absaugen oder danach abspülen muss das Kofferdamtuch gewechselt werden.
Danach erfolgt das übliche Ätzen, Silanisieren der angrenzenden Kunststoffflächen und Bonden ( bei uns Optibond FL ). Wir haben Ever XFlow Bulk appliziert und mit einem Microbrush (klein, weiß) adaptiert.
Anschließend wurde mit der Valo und dem Endoaufsatz 2x 20 Sekunden polymerisiert.
Die Glasfaserstifte wurde danach mit Rebilda als dualhärtendes Material geklebt.
Anbei die Bilder und Röntgenaufnahmen

* J Endod. 2006 Nov;32(11):1088-90. Epub 2006 Sep 15.
Effect of chemical irrigants on the bond strength of a self-etching adhesive to pulp chamber dentin.
Santos JN, Carrilho MR, De Goes MF, Zaia AA, Gomes BP, Souza-Filho FJ, Ferraz CC.
Source Endodontics, Department of Restorative Dentistry, Piracicaba Dental School, State University of Campinas, Piracicaba, Brazil.
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Geschichten aus dem Endozän 2021 05 20

„DIE BEHANDLUNG MACHEN SIE OHNE SPRITZE!!!!“

Ist der erste Satz, den mir die geschätzt Mitte 70 jährige Patientin unvermittelt an den Kopf wirft. Und mich damit auf dem falschen Fuss erwischt, denn ich bin den ganzen Morgen schon etwas nachdenklich-melancholisch. Der Grund? Die DGET-Fortbildung gestern abend im Netz. Zu Beginn wurde gefragt via Abstimmung, wie lange man schon zahnärztlich tätig ist. 19 Prozent der Anwesenden kreuzten an – über 25 Jahre.

Bei mir sind es sogar 31.
Vor mehr als 3 Jahrzehnten habe ich die Uni verlassen.
Mein Berufsleben ist fast schon zu Ende offensichtlich.
Wo ist sie hin die Zeit ?
Dabei waren die ersten geschätzt 15 Jahre doch recht zäh in der Erinnerung. Dauerten ewig.
Aber dann – BOOM – und die 30 steht auf dem Papier.

31 Jahre.
Eine lange Zeit.
Und Etliches hat sich verändert.
Nicht immer unbedingt zum Guten.

Auch darüber denke ich in der letzten Zeit immer mehr nach. Ebenfalls ein klassisches Indiz des Älterwerdens. Dieses- Früher war – (nicht) alles (aber doch Einiges) besser. Das manche 14 Jährigen in die Praxis kommen und ohne Begrüßung als Erstes fragen – Wie lange dauerts heute (sie meinen die Wartezeit bis Behandlungsbeginn) ? Geschenkt. Für deren Erziehung sind die Eltern verantwortlich. Aber jetzt auch die Alten ???? Der Respekt vor dem Arzt. Geschichte. Halbgott in Weiss? Jeder Nageldesigner, jeder Tättowierer wird heute besser behandelt als ein Mediziner.

„DIE BEHANDLUNG MACHEN SIE OHNE SPRITZE!!!!“
Energisch klingt die Dame. Keinen Widerspruch und keine Alternative geltend lassen, soviel scheint klar.

„Kein Problem“, antworte ich.
Und entferne den Patientenumhang, schiebe das Schwebetray der Behandungseinheit nach hinten, das Arztelement zur Seite.

„Dann haben sie es schon geschafft für heute.“

Die Patientin stutzt.
Realisiert, das irgendwas nicht stimmt.
„Mein Hauszahnarzt hat die Behandlung auch ohne Spritze durchgeführt, ich habe NICHTS gemerkt.“

Und ergänzt.
„Selbst als er mit ganzer Kraft an dem abgebrochenen Instrument gewackelt hat, um es rauszuholen, habe ich nichts bemerkt.“

Jetzt erinnere ich mich. Es dämmert mir. Vor ein paar Wochen. Letzter Tag vor dem einwöchigen Urlaub. Der Anruf des (seltenen) Überweisers. Ich möchte ihn dringend sofort persönlich zurückrufen. Das auf Anfrage vorab übermittelte Röntgenbild des Zahnes zeigt ein Wurzelkanalinstrument über die gesamte Länge im Kanal steckend.

Was tun?
Termine in der nächsten Zeit keine frei.
Wir beschliessen, weil es erfahrungsgemäß nach dem Urlaub mit den Terminen noch knapper wird, die Patientin heute noch einzubestellen.

Als der Überweiser das hört, ich erreiche zunächst die Anmeldung, ist das persönliche Gespräch nicht mehr notwendig.
Schon klar.

Die Patientin erscheint nach Ende der regulären Behandlungszeit. Lange kann die Fragmententfernung ja nicht dauern, wir zitieren (intern) den zum geflügelten Wort gewordenen Satz einer ehemaligen Azubi aus den Praxisanfängen: Den (Zahn) machen wir mit der Pinzette raus.

Genau wie damals (besagte Weisheitszähne benötigten 2 Stunden) dauerte es in diesem Falle doch deutlich länger als gedacht. Das Fragment war gut zu sehen, saß fester als vermutet, was die Situation kompliziert, jedoch nicht unmöglich erscheinen lässt. Allerdings – den oberen Bereich freizulegen, um es packen zu können, war doch auf Grund der vorhandenen Krone und ihrer Lingualneigung schwierig. Egal. Nach 45 Minuten konnten wir die Patientin nach Fragmententfernung und initialen endodontischer Maßnahmen sowie definitivem Verschluss der Zugangskavität nach Hause entlassen.

Und jetzt sitzt sie wieder hier.
Und merkt, dass die Situation sich nicht so entwickelt, wie sie sich es vorgestellt hat. Und die Möglichkeit besteht, die 60 Minuten Fahrweg nach Hause unverrichteter Dinge wieder antreten zu müssen.

„Wenn sie natürlich der Meinung sind, das eine Spritze unbedingt notwendig ist, dann machen Sie das…“ Der Ton nicht mehr energisch, sondern pikiert, leicht patzig.

Liebe WURZELSPITZE Leser,

Wie würden sie entscheiden, was hätten sie getan an meiner Stelle ?

3 Möglichkeiten, die mir spontan durch den Kopf gingen, habe ich hier zur Abstimmung aufgeführt.
Ich würde mich freuen, wenn hier fleissig abgestimmt werden würde.

Ersatzresorption nach Avulsion (I)

Von Christoph Kaaden

Zwei Jahre ist das Frontzahntrauma der heute 15-jährigen Aiona her. Sie war im Frühjahr 2019 bei ihrer eigenen Geburtstagsfeier in einem Wasserpark verunfallt. Bei dem Versuch eine Wasserrutsche den umgekehrten Weg hinaufzulaufen war sie gestürzt und hatte sich beide zentralen Inzisivi totalluxiert.

Glücklicherweise konnten die beiden Zähne bereits drei (!) Minuten später in eine Zahnrettungsbox überführt werden.

Die Notfallbehandlung mit Replantation und Schienung (mittels Komposit interdental von 13-23) erfolgte in einem grossen Zahnmedizinischen Versorgungszentrum.

Die weitere Behandlung der sehr ängstlichen Patientin erfolgte in insgesamt drei Terminen (1.)Ledermix; 2.)Ca(OH)2; 3.) WF ) gemäss der international empfohlenen Zeitfenster bei uns.

Zu keinem Zeitpunkt gab es einen Anhalt für eine einsetzende Ersatzresorption…

leider haben wir die junge Patientin erst diese Woche wiedergesehen…

das hierbei angefertigte Röntgenbild verdeutlicht, dass trotz der optimalen Rettungskette eine ausgeprägte Ersatzresorption stattfindet…

Ausgeprägte Ersatzresorption; insbesondere an Zahn 21
Klinische Situation mit frontal offenem Biß

die Prognose ist daher leider als infaust anzusehen…

jetzt geht es an die Planung der weiteren Behandlungsoptionen.

Als erstes ist zunächst die Entfernung des vormals eingebrachten Wurzelfüllmaterials geplant, um eine Fremdkörperreaktion bei weiter fortschreitender und schliesslich perforierender Resorption zu vermeiden…

ich halte Sie auf dem Laufenden…

WURZELSPITZE Plus LIVE TALK 8 Mittwoch, 26. Mai 20.00 Uhr

Unser WURZELSPITZE Plus LIVE TALK geht in die 8. Runde. 
Am Mittwoch, dem 26. Mai 20.00 Uhr. 

Wir freuen uns.

Und möchten wieder Themenvorschläge abfragen.
=> Bitte in die Kommentare.

Worüber sollen wir sprechen?
Was sind eure Fragen?

Was liegt Euch auf dem Herzen ?

Strahler

Alle „gereiften“ Leser kennen noch die Werbung „Strahlerküsse schmecken besser…„, an diese musste ich sofort bei dem Titel denken. Das waren noch Zeiten… 

(Die Firma Blendax vermarktete damit ihre Zahncreme und zeigte Erfolg – 1972 gehörte „Strahler 70“ zu den 10 meistverkauften Zahncremes in Westdeutschland.)
Quelle: Google

Wir strahlen häufig unsere Cavitäten um möglichst optimal Zustände vor dem adhäsivem Aufbau zu erreichen.

Bisher hatten wir den Airsonic Sandblaster von Hager&Werken in der Anwendung. Das Handling ist  umständlich, da das Teil etwas klapprig ist.
Leider ist das EMS K1 eingestellt, das wäre unsere Wahl sonst gewesen. Allerdings ist dazu auch wieder ein zusätzlichste Gerät mit Fußschalter am Arbeitsplatz.

Über die Seite Minimalinvaisv.de gibt es noch das Danville Gerät Prepstart.
Prophylaxestrahler von NSK konnten leider nicht als Alternative verwendet werden.

Nun haben wir ein neues Handstück entdeckt. Von einem mir bisher unebekannten Anbieter. Latin-Dent. Es gibt keine Internetseite. Bei AERA ist die Firma gelistet.

Wir haben über AERA den Minisandblaster für die Kavo Multiflexkupplung bestellt.
Erhalten haben wir ein grundsolides Gerät, was vom Design und der Verarbeitung vollständig überzeugen konnte und die Hager&Werken Geräte in den Schatten stellt.
Kosten: € 297,85

Der Pulverstrahl ist deutlich schmaler und dadurch gezielter. Die Strahlrichtung ist einfach einzustellen.

Ein Produkt gleichen Aussehens haben wir an dieser Stelle gefunden. Können aber nichts zu diesem Strahler schreiben.

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Fotografie mit dem Dentalmikroskop – Eine Einführung (10)

Einer der wichtigsten Punkte, scharfe Fotos mit dem Dentalmikrsokop betreffend, kommt jetzt. Und ich muss weiter ausholen: Die Linsen unseres Mikroskopes ersetzen das Objektiv der Kamera. Allerdings fehlt am Mikroskop ein wichtiges Bauteil.
Mit für uns weitreichenden Folgen.

Wenn wir Dentalmikroskop- Fotos betrachten, dann fällt neben der zu erwartenden hohen Vergrößerung eine weitere Besonderheit ins Auge. Die extrem geringe Schärfentiefe der Fotos.

Unter dem Begriff „Schärfentiefe“ versteht man in der Fotografie die tatsächlich messbare Tiefe, wie weit in den Raum hinein ein Bild scharf erscheint. In der kreativen Fotografie nutzt man hierzu das physikalische (oder optische) Konzept der „Tiefenschärfe“, wonach Schärfe kein Punkt im Raum ist, sondern einen Abstand zwischen zwei Punkten darstellt – jedenfalls für die Wahrnehmung des Auges. Ein Foto mit geringer Schärfentiefe konzentriert, verdichtet die künsterliche Aussage auf einen kleinen Bereich. Unwesentliches vor unter hinter dieser Bildebene wird gewissermaßen ausgeblendet, weil die Unschärfe keine Interpretation des zu Sehenden zulässt.

Was genau das Gegenteil ist von dem, was wir in der dentalen Fotografie wollen. Genau wie in der Landschaftsfotografie geht es darum, einen möglichest großen Bereich des Bildinhaltes scharf und damit eindeutig sichtbar abzubilden.

Und da kommen nun leider zwei optische Grundprinzipien ins Spiel, die diesem Wunsch entgegenstehen.

  1. Als Brennweite wird die Strecke bezeichnet, auf der parallele Strahlen – zum Beispiel von einem Baum – hinter der Linse zu einem Punkt gebündelt werden. Je länger (grösser) die Brennweite eines Objektivs ist, desto weiter entfernt können Sie von einem Sujet stehen, um es formatfüllend auf den Sensor zu bannen. Je kürzer (kleiner) die Brennweite ist, desto näher können Sie an ein Objektiv herangehen. Je größer die Brennweite eines Objektives, umso geringer aber auch seine Tiefenschärfe. Unser Mikroskop ist demnach ein „Objektiv“ mit extrem hoher Brennweite, gewissermaßen ein Super Tele-Objektiv.
    Besser wäre es im Übrigen vom Bildwinkel zu sprechen. Der Begriff der Brennweite (in Millimeter) als Maß für die Art eines Objektives hat sich traditionell eingebürgert, allerdings ist die besagte Brennweite von der Größe des Films oder Sensors abhängig. Um ein Foto mit identischem Bildausschnitt zu machen, benötigen APS – C Kameras eine andere Brennweite als Vollformatkameras oder Mittelformatkameras. Der Bildwinkel ist für dieses Foto jedoch bei all diesen Kameraformaten immer der gleiche.

    Super-Weitwinkel-Objektive 126 bis 84°
    Weitwinkel-Objektive 82 bis 63°
    Normal-Objektive 57 bis 47°
    Portrait-Objektive 29 bis 19°
    Tele-Objektive 17 bis 10°
    Super-Tele-Objektive 10 bis 4°

    Die unterschiedlichen Bildwinkel kann man im Übrigen mit den 2 Zeigefingern gut simulieren, welche die Ränder des Fotos markieren. Die Arme ausgestreckt und weit gespreizt simulieren diese den Superweitwinkelbildausschnitt. Je weiter wir die Arme einander annähern, um so mehr nähern wir uns dann dem Normal – und später dem Teleobjektiv- Bildausschnitt mit sehr kleinem Bildwinkel.
  2. Fotoobjektive besitzen eine Irisblende. Wie auch unser Auge. Die wacht darüber, bei Film, Sensor und Netzhaut gleichermaßen, dass nicht zu viel oder zu wenig Licht in den „Sehkörper“ hineinkommt. Das Phänomen kennen wir. Bei zu viel Licht werden wir geblendet, bei zu wenig Licht sitzen, stehen, bewegen wir im Dunkeln. Und genau diese Irisblende besitzt unser Mikroskop nicht. Braucht es ja auch nicht, denn die benötigte Menge Licht können wir ja zu unseren Gunsten beeinflussen, indem wir die Lichtquelle höher oder niedriger regeln. Da dies in der Fotografie (unter natürlichen Lichtbedingungen) nicht geht (man kann ja schlecht der Sonne sagen, scheine mehr oder scheine weniger, ich möchte ein Foto machen), nutzt das Fotoobjektiv die Irisblende zur Lichtdosierung.

    Die Irisblende ist im Grunde genommen eine runde Jalousie zur Verschattung, die je nach Stellung mehr oder weniger Licht in die Kamera hineinfallen lässt. Und großen Einfluss auf die Schärfentiefe hat. Eine große Blendenöffnung führt zu einer geringen Schärfentiefe; wenn man abblendet, also die Blendenöffnung verkleinert, erhöht sich der Schärfentiefebereich.

    Ohne jene Irisblende entspricht der Schärfentiefebereich dem eines Objektivs mit Offenblende, ist also geringstmöglich. Die Mikroskop- Fotografie muss folgerichtig mit gleich 2 Handikaps kämpfen, die Schärfentiefe betreffend: Minimaler Bildwinkel = minimale Schärfentiefe + Fotografie mit Offenblende = minimale Schärfentiefe der minimalen Schärfentiefe.

    Konkret reden wir, je nach Vergrößerung, von einem Schärfentiefebereich von unter einem Millimeter. Eine extrem schwierig zu handhabende Ausgangssituation. Die aber sehr wohl mit sehr guten Ergebnissen gehandhabt werden kann.

    In der nächsten Folge werden wir darüber sprechen, wie ich nun diesen extrem geringen Schärfetiefenbereiche bestmöglich einstelle.

Ach ja. Was noch eine Rolle spielt, die Schärfe des Fotos betreffend.

  1. Die Qualität der Mikroskoplinsen. Und ja, da gibt es sehr wohl deutliche Unterschiede. Und was das Billigmikroskop von Anfang an nicht bietet, das wird in der Folge nur noch schlechter. Es gilt also. Hände weg von Schrott- Mikroskopen, auch wenn der Preis auf den ersten Blick verlockend erscheint.
  2. Die Art der Mikroskoplinsen. Wie in der Fotografie benötigen Zoomobjektive einen wesentlich höheren Aufwand in ihrer Konstruktion zur Sicherstellung einer bestmöglichen Schärfe als es Festbrennweiten brauchen. Ein Zeiss Pico mit mehreren Festbrennweiten liefert bessere Fotoergebnisse, als es ein Zeiss Pro Ergo liefern kann. Sowohl die Lichtstärke wie auch die Abbildungsleistung an sich betreffend.
  3. Die Größe des Fotosensors. Wie schon oben kurz angedeutet benötigen kleinere Film – oder Sensorformate für den gewünschten Bildausschnitt einen größeren Bildwinkel. Größere Bildwinkel bedeuten eine größere Schärfentiefe. Eine Sony-Vollformatkamera liefert also gegenüber der APS – C Variante bei gleichem Bildausschnitt eine geringere Schärfentiefe. Allerdings – Aufatmen bei den Sony Vollformatkamerabesitzern – dieser Effekt spielt bei der Mikroskopfotografie nur eine untergeordnete Rolle im Vergleich zu den anderen genannten Faktoren.

Große Lyse

Von Jörg Schröder

Der nachfolgende Fall ist in vielerlei Hinsicht lehrreich.

Die alio loco durchgeführte initiale endodontische Behandlung dieses 26 einer ZFA liegt schon einige Jahre zurück. Nun entwickelte der Zahn vor 2 Jahren zunehmend Beschwerden, die sich innerhalb einer Woche so steigerten, dass die Patientin arbeitsunfähig war.

Da ich keine sofortige Behandlung anbieten konnte, wurde die initiale Revisionsbehandlung – die ersten beiden klinischen Bilder stammen aus dieser – bei einer Kollegin durchgeführt, die seit zwei bis drei Jahren unter dem Mikroskop arbeitete.

Einen Tag nach dieser Behandlung hatten die Beschwerden nochmals zugenommen. Also kurzerhand den Arbeitstag verlängert und den Zahn eröffnet.

Aus keinem der Kanalsysteme war das ursprüngliche Obturationsmaterial vollständig entfernt worden. Bei der Entfernung desselben zeigte es sich als deutlich biofilmbesetzt. Welche Lehre ist daraus zu ziehen?

Entweder lasse ich einen Kanal vollkommen unangetastet (was wirklich nur bei koronal optisch suffizientem Randschluss der Obturationsmaterialien zu empfehlen ist) oder ich entferne ALLE vorhandenen Obturationsmassen. Ansonsten kommt es sehr wahrscheinlich zu Störung des Gleichgewichtes unter den verschiedenen Bakterien-Spezies und nachfolgend zu einer Exazerbation.

Die präoperativ bestehende knöcherne Lyse ist beeindruckend groß. Es bestehen apikale Aufhellungen an allen Apizes. Interradikulär ist der Knochen bukkal nicht mehr vorhanden.  Das DVT zeigt apikal-distal in der distobukkalen Wurzel einen 90 Grad nach distal abzweigenden Seitenkanal mit entsprechender knöchernen Lyse.

Nach Entfernung aller Obturationsmaterialien wurden die Kanäle chemo-mechanisch so weit aufbereitet, dass eine Obturation theoretisch möglich gewesen wäre. Der schmale Isthmus zwischen MB1 und MB2 wurde zum Aufbereiten der Kommunikation vollständig erweitert.

Die endometrische Längenmessung wurde anhand einer Röntgenmessaufnahme verifiziert. Ein Punkt, über den immer einmal wieder diskutiert wird. Gerade bei akuten apikalen Parodontitiden und bei irreversiblen Pulpitiden kann es durch Eintreten von Flüssigkeit aus dem periapikalen Raum zu einer falsch positiven Beeinflussung der ELM, die im weiteren zu einer zu kurzen Aufbereitung führen würde.

Ausserdem erfolgte eine laserunterstützte Irrigation, um auch den Seitenkanal in DB möglichst gut reinigen zu können. Die medikamentöse Einlage erfolgte mit CaOH2.

Bereits am darauffolgenden Tag war das klinische Beschwerdebild deutlich rückläufig. 

Die zweite Behandlung erfolgte im Rahmen eines klinischen Arbeitskurses, sodass das gesamte Behandlungsteam unter besonderer Beobachtung stand. ;)

Nach erneuter laser- und schallunterstützter Irrigation und endometrischer Überprüfung der Arbeitslänge wurden die Kanalsysteme mit einem biokeramischen Seller und Guttapercha obturiert.

2 Jahre postoperativ wurde zur Bewertung des Behandlungsergebnisses ein DVT erstellt. Da es eine zusätzliche endodontische Fragestellung an 12 gab, wurde ein DVT des Oberkiefers erstellt.

Und das Ergebnis überraschte mich positiv. Bis auf einen gering verbreiterten Parodontalspalt distal der mesialen Wurzel und distal des Seitenkanals in DB ist der präoperativ vorhandene Knochendefekt vollständig ausgeheilt. Geradezu beeindruckend das „Comeback“ des Knochens interradikulär. Nun gilt es nur noch abzuwarten, ob die Ausheilung eine vollständige sein wird.

Die Qualität des DVT konnte durch den Einsatz der seit kurzem eingesetzten modifizierten Kopf-Kinnstütze an unserem X800 M nochmals sichtbar verbessert werden. Und das, obwohl eine Darstellung 8×4 cm nur mit einer 180-Grad-Rotation erfolgte. 

 

Fotografie mit dem Dentalmikroskop – Eine Einführung (9)

Wer scharfe Bilder möchte als Fotograf benutzt ein Stativ. Eine Binsenweisheit. Und wo kein Stativ zur Verfügung steht oder nicht genutzt werden kann (wie auf dem Empire State Building, Olaf!) dort braucht man eine möglichst kurze Belichtungszeit. Und dafür bedarf es „Licht“. Möglichst viel Licht.

Und hier treffen wir auf das nächste Frustrationspotential in der Dentalmikroskop – Fotografie. Weil nämlich in einer ganzen Reihe von Fällen die Lichtintensität der Mikroskopbeleuchtung zwar für das Arbeiten unter dem Mikroskop ausreichend ist, im Rahmen der Mikroskop- Fotografie jedoch an ihre Grenzen gelangt. Zumindest wenn es in die Kanäle hineingeht, kann ganz schnell der Punkt erreicht werden, an dem man zwar noch sehen, aber nicht mehr im Bild dokumentieren kann. Es mag sich mittlerweile geändert haben, aber die ersten LED- Lichtquellen am Mikroskop waren selbst den bis dato gebräuchlichen Halogen-Lampen unterlegen in ihrer Lichtausbeute, die als Xenon-Ersatz angepriesene Alternative ein Witz. Apropos Xenon – klar ist die benötigte Birne ein Kostenfaktor, aber das Licht „liefert“ , also nicht daran sparen, sondern stattdessen den Preis in die Honorierung der Behandlungen einpflegen. Bei geschätzten 1 – 2 Euro pro Tag sicherlich ein praktikabler Ansatz, zumal im Moment die stark gestiegenen Kosten für Handschuhe einen höheren Zusatzbetrag aufrufen und da fand sich leider bis heute keine Ambition unserer sogenannten „Standesorganisation“, diesen Tatbestand auch nur zu artikulieren gegenüber der Politik, geschweige denn, daß als Folge dessen eine adäquate Kompensation von Seiten Herrn Spahns bereitgestellt worden wäre. Aber – ich will nicht abschweifen, zurück zum Thema.

Da vermutlich die meisten der Mitleser ihr Mikroskop bereits gekauft haben und sich die Lichtquellenfrage damit de facto erledigt hat, nun ein paar Tipps, wie man aus der vorhandenen Mikroskop- Lichtquellen-Kombi das Beste herausholt:

Tipp 1: Ganz banal. Licht beim Fotografieren immer auf 100 Prozent

Tipp 2: Gilt für alle Mikroskope mit variablem Arbeitsabstand. Da Licht im Quadrat zum Abstand von der Lichtquelle in seiner Intensität abnimmt, macht es Sinn mit einem möglichst kurzen Arbeitsabstand zu fotografieren. Bei einem Zeiss Pico oder auch bei unserem Pro Magis mit 2,5 cm Varianz spielen solche Überlegungen natürlich keine Rolle. Ganz anders hingegen bei unserem Pro Ergo mit 20 cm oder einem Flexion Variofocus – Mikroskop mit 10 cm vVariabilität im Arbeitsabstand. Da ist es zielführend, den kürzesten Abstand zum Fotografieren zu nutzen.

Tipp 3: Lichtstarke“ Arbeitsspiegel. Genau gesagt reflektionsstarke Spiegel. Da gibt es nämiich bedeutsame Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Fabrikaten. Jörg Schröder hat vor kurzem diesbezüglich die „Carr“ – Spiegel erwähnt. Wir nutzen seit langem die HR-Front-Spiegel von Röder. Größe Null zum Arbeiten unter dem Mikroskop, Größe 5 als Mikroskop – Fotospiegel. Dessen Fläche so gross ist, dass auch in niedriger Vergrößerung die Ränder des Spiegels nicht im Bild erscheinen. Wofür das gut ist, darüber reden wir nächsten Dienstag.

Auch die Yirro Plus– Mundspiegel, die wir zur Päparation unter Spraynebel einsetzen, weisen sehr gute Reflektionswerte ein. Sie kommen als Fotospiegel bei geringem interokklusalem Abstand zum Einsatz.

Fassen wir kurz zusammen.Höchstmöglicher ISO- Wert der Kamera ohne Qualitätseinbussen, volle Lichtstärke, kurzer Arbeitsabstand, lichtstarker Dentalspiegel. So unbedeutend jede dieser Maßnahmen für sich betrachtet auch sein mag, in ihre Addition machen diese möglicherweise den entscheidenden Unterschied.

Weiter geht es in der nächsten Folge mit dem vermutlich im Alltag wichtigsten Punkt überhaupt. Wie kriege ich SCHARFE Bilder ?

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EverX Flow von GC

Ever X Flow wurde auf Wurzelspitze von Georg Benjamin erstmals erwähnt.
Mehr Informationen zu diesem Composite ist hier zu finden.

Wir haben Ever XFlow in der Variante Bulk und Dentin bestellt und seit einiger Zeit im Einsatz.
Unsere Hauptindikation: stark limitierter Zahnrestsubstanz und Sanierung frakturierter/ frakturgefährdeter Zähne.

EverX Flow lässt sich mittels Spritze applizieren. Wir adaptieren das ausgepresste Composite mit einem Micobrush oder der PA Sondenspitze in die Cavität.
Im endodontischen Aufbau nutzen wir das Bulk-Material, welches wir in 2mm Inkrementen schichten um der schlechteren Polimerisation in tiefen Cavitäten entgegen zu wirken.
Klinisch imponieren im mikroskopischen Bild Glasfaseranteile, welche deutlich erkannbar sind. Bei Berührung brechen diese ab.
Wir decken das Ever XFlow mit einem Flow vor der endodontischen Behandlung ab.

Unsere Vorbehandlung in diesen Fällen:
1. vollständige Füllungs- und Kariesexkavation
2. Sandstrahlen der Cavität mit Alu-Oxidpulver 50 my
3. Ätzen, Bonden ( Optibond FL )
4. Aufbau der „Kavitätenaußenseiten“ mit Beautifil F00 BW, die Kavitäteninnenseiten decken wir, wenn möglich, dünn mit Beautiful F0 BW ab.
5. Aufbau mit Ever Flow intracavitär.

Demnächst einige Fälle und Infos, in welchen wir Ever XFlow in dieser Art einsetzten.

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Fotografie mit dem Dentalmikroskop – Eine Einführung (8)

Die Kamerafrage ist geklärt – jetzt wollen wir loslegen mit dem Fotografieren am Dentalmikroskop. Los geht´s. Was noch fehlt zum Foto – das Kameraobjektiv – bekommen wir ja gewissermaßen frei Haus geliefert. Denn als unser Objektiv nutzen wir die Linsen des Mikroskopes zur Bilderzeugung. Wobei – „frei Haus“ ist vielleicht nicht ganz der passende Ausdruck, es muss noch mal Geld in die Hand genommen werden. Zur Adaptation der Kamera an das Mikroskop benötigen wir einen Strahlenteiler und einen Fotoadapter. Ersteres liefert der Mikroskophersteller und für den Strahlenteiler empfehle ich die Adapter von Carsten Jung (CJ – Optik) . Klar kann man auch bei Zeiss kaufen, aber ob man dann das bessere Produkt bekommt sei dahingestellt, teurer wird´s vermutlich aber auf jeden Fall.

Wer nun die ersten Schritte in der Dentalmikroskop – Fotografie macht, der wird mit Enttäuschungen konfrontiert werden. Konkret mit einer Vielzahl unscharfer Bilder.

Für die Unschärfe gibt es 4 potentielle Gründe.

Grund 1 – Die Bewegungsunschärfe. Die auftritt, wenn sich der Patient während der Aufnahme bewegt. so weit, so bekannt aus der konventionellen Fotografie. Bei der intraoralen Mikroskop-Fotografie kommt noch ein weiterer Bewegungsunschärfe – Grund hinzu. Sofern der Behandler während der Belichtung den Spiegel bewegt, entsteht ebenfalls eine Bewegungsunschärfe.

Grund 2 – Unschärfe durch Verwackeln – Entsteht, wenn die Kamera oder das Mikroskop, an dem diese befestigt ist, während der Aufnahme bewegt wird.

Grund 3 – Unschärfe auf Grund von Abbildungsfehler des Objektives – für die Mikroskop- Fotografie mit den Mikroskopen namhafter Hersteller nicht anzunehmen. Ist die Unschärfe nicht in allen Bildern gleichermaßen vorhanden, dann kann dies ausgeschlossen werden, denn dieser Effekt tauchte grundsätzlich und ausnahmslos in allen Bildern auf.

Grund 4 – Unschärfe durch ungenaue Entfernungseinstellung ( Defokussierung)

Betrachten wir zunächst das Phänomen der Bewegungsunschärfe. Was können wir tun, um die Bewegungsunschärfe auszuschalten. Massnahme 1: klingt banal, ist aber zielführend. Den Patienten darauf hinweisen, dass jetzt ein Foto gemacht wird. Bitte jetzt nicht bewegen und GANZ STILL halten. Auch in genau dieser Reihenfolge, die Wortwahl der Ansage betreffend. Denn die umgekehrte Reihenfolge. Ganz still halten und nicht bewegen führt immer wieder, wir kennen das Phänomen vom Elefanten, an den man nicht denken soll, dazu, dass der Patient „bitte jetzt nicht BEWEGEN“ reflexartig zuckt.

Massnahme 2. Stabile Lagerung des Patientenkopfes. Hierzu nutzen wir (eine Empfehlung vom Kollegen Andras Csoegor) ein Vakuumkissen. Und schlagen so zwei Fliegen mit einer Klappe, denn die Patienten empfinden ausnahmslos die Lagerung an sich als angenehm. Normalerweise gibt es ja immer PatientInnen, denen irgendwas nicht gefällt. Kofferdam ist so ein Super-Beispiel. Die Meisten sind super angetan davon, aber es gibt immer auch welche, die das als ganz furchtbar empfinden. Genauso ist es mit unserem Kommunikationskrokodil oder der Schutzbrille für die Augen. Miesepeter gibt´s immer. Nur bei besagtem Kissen hatten wir bis heute KEINE EINZIGE negative Stimme diesbezüglich.

Massnahme 3. Stabile Lagerung der Arbeitshände des Behandlers. Armlehnstühle wie unsere Jörg & Sohn sind für das endodontische Arbeiten unter dem Operationsmikroskop unverzichtbar und für die verwacklungsfreie Fotografie gilt das noch umso mehr.

Massnahme 4: Wieder ganz banal, aber elementar wichtig. Eine möglichst kurze Belichtungszeit sorgt für gute Fotos. Je kürzer die Belichtungszeit, umso verwacklungsfreier das Foto. Idealerweise 1/250 Sekunde oder noch kürzer. Sprich die Zahl unter dem Bruchstrich muss größer werden. Unter 1/125 Sekunde hingegen wird es grenzwertig.

Was ich tun kann, um meine Belichtungszeit so klein wie möglich zu halten, darüber schreibe ich am Freitag. Denn diese Dinge betreffen auch die anderen Gründe und ich muss etwas weiter ausholen zum besseren Verständnis.

„Sequenzielle Infiltrations-Anästhesie“ – Vorgehen bei der Anästhesie – insbesondere bei Kindern

Von Christoph Kaaden

Im Rahmen dieses Beitrags ging es kürzlich um unser Vorgehen bei der Lokalanästhesie (insbesondere bei Kindern).

Obgleich unser Procedere sicher kein Geheimnis ist, möchte ich dennoch ein paar Punkte hier vorstellen.

Ich betonte ausdrücklich, dass dieser Beitrag meine persönliche Meinung widerspiegelt und ich nicht den Anspruch erhebe, dass meine Meinung der Weisheit letzter Schluß ist…

ich möchte einfach nur vorstellen, worauf wir bei der Lokalanästhesie achten…

Grundsätzlich muss man sich in meinen Augen (nicht nur bei Kindern) vor Augen führen, dass die aller-allermeisten Patienten ANGST vor der SPRITZE haben.

Zum Teil panische Angst.

Warum?

Weil sie in der Vergangenheit schlechte bzw. sehr Erfahrungen gemacht haben…

Warum?

Weil Sie ggf. an einen Behandler oder eine Behandlerin geraten sind, die diesem Behandlungsschritt nicht die notwendige Bedeutung und Beachtung schenken.

Ich denke das „Problem“ Lokalanästhesie beim Zahnarzt beginnt schon in der Ausbildung.

Dort sind nämlich zumeist die Mund-Kiefer-Gesichts- bzw. Oralchirurgen damit betraut den Studenten diese Thematik „beizubringen“…

Rückblickend und mit 20+ Jahren Berufserfahrung muss ich für mich festhalten, dass dieser so wichtige Schritt der Lehre dort gänzlich falsch positioniert ist.

Viel besser wäre es hier z.B. von den Kinderzahnärzten zu lernen…

unser Ziel sollte es sein, jede Lokalanästhesie so anzugehen, als ob diese Maßnahme in diesem Moment ein „Leben retten“ könnte.

Gerade in einer Zuweiserpraxis ist es die beste vertrauensbildende Maßnahme überhaupt, wenn der Patient von der Applikation des Anästhetikums mehr als positiv überrascht wird…

Was aber tut eigentlich ggf. weh?

Hier sind in meinen Augen primär drei Punkte zu nennen:

Aus diesem Grund verwenden wir als ersten Schritt ausnahmslos immer ein Oberflächenanästhetikum.

Nicht direkt intraoral appliziert (wie es einer meiner Mitarbeiterinnen bei einem unserer Top-Zuweiser erfahren hat und so die ganze Mundhöhle „eingenebelt“ wurde), sondern auf einem Wattepellet.

Schon dieser Schritt ist in meinen Augen nicht (an eine Mitarbeiterin o.ä.) deligierbar und wird von dem ausgeführt, der auch die Anästhesie gibt.

Bei Kindern verwenden wir zwei Oberflächenanästhetika hintereinander, weil ich subjektiv den Eindruck habe, dass so eine noch bessere Wirkung erzielbar ist.

Somit lässt sich der Einstichschmerz bei der Penetration der Gingiva eliminieren.

Dann folgt der nächste mögliche Schmerzmoment…

die Applikation des Anästhetikums.

hier kann es aufgrund des pH-Wertes und der Gewebeverdrängung zu einem Missempfinden kommen.

Daher appliziere ich nach dem vorsichtigen Einstich ein oder zwei Tröpfchen Articain und verweile einen Moment.

Fünf bis zehn Sekunden später hat die erste Wirkung eingesetzt und ich kann nun laaaaangsam das weitere Anästhetikum applizieren. Ferner arbeite ich mich langsam mit der Kanüle Richtung Wurzelspitze vor und applizieren immer wieder kleine Depots und warte zwischendurch.

Aufgrund der sehr guten Haptik benutze ich bei diesem Vorgehen das Citoject System.

Außerdem wackle ich die ganze Zeit mit dem Spiegel der die Lippe abhält, um eine gewisse Reiz-Überlagerung zu erzielen.

Und natürlich vermeide ich unter allen Umständen zu jedem Zeitpunkt den Kontakt der Kanülenspitze mit dem Periost. Dies ist bei der Infiltrationsanästhesie unnötig und eliminiert diesen ggf. sehr schmerzhaften Part.

Sind diese Schritte bewältigt, folgen zwei kleine Depots in die Papillen des betreffenden Zahnes, um dann final auch an der marginalen Gingiva palatinal zu infiltrieren.

So gelingt dann auch die sichere Kofferdamklammer-Applikation bei ggf. unvollständig durchgebrochenen Zähnen.

Zeitaufwand für diese Vorgehen…

geschätzt 5-8 Minuten (vom Oberflächenanästhetikum bis zum Ende der Infiltrationen)

In meinen Augen sehr sehr gut investierte Zeit…

Was haben Sie für Erfahrungen, Tipps und Empfehlungen bei der Lokalanästhesie -Anwendung?

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Wurzelspitze Plus -Guided Endodontics

Von Jörg Schröder

Für alle Wurzelspitze Plus-Mitglieder habe ich ab dem 12.5. 2021 eine ca. 20-minütige Präsentation zum Thema „Guided Endodontics“ freigeschaltet.

Wer also am langen Wochenende oder auch schon etwas früher Tipps zum klinischen Vorgehen haben möchte, der schaue gerne vorbei.

„Guided Endodontics“

Traumabehandlung – State of the Unart

Von Jörg Schröder

Dass es um das Wissen zur Behandlung traumatisch geschädigter Zähne nicht zum besten steht, werden sicher alle hier Mitlesenden aus eigener Anschauung häufiger erfahren haben.

Die Therapie dieses vor 18 Jahren verunfallten 11 ist jedoch so weit vom Erwartbaren entfernt, dass ich das präoperative Röntgenbild erst in der ersten von zwei Behandlungssitzungen richtig interpretieren konnte.

Einen in einer Mischung aus nekrotischem Gewebe und teilweise ausgehärtetem Komposit schwimmenden Glasfaserstift hätte ich überhaupt nicht erwartet. Ich vermutete hinter dem röntgendichten radioopakem Material eine Art von Wurzelfüllstange.

Warum bei einem Foramendurchmesser von ca. ISO 300 ausserdem eine den Zahn nach labial perforierende Vorbohrung notwendig war, wird auf immer ein Rätsel bleiben. Obwohl:

Vielleicht sollte der recht locker sitzende Stift ja durch die Führung in der Perforation eine gewisse Primärstabilität gewinnen. ;(

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. In der ersten Sitzung wurde der Glasfaserstift entfernt, die Perforation und das Kanalsystem gereinigt und CaOH2 eingelegt.

In der zweiten Sitzung konnte dann sowohl das Kanalsystem als auch die Perforation nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA gefüllt werden. Um beim Anätzen vor adhäsivem Verschluss das MTA nicht zu kompromittieren, habe ich dasselbe mit Ultrablend abgedeckt. Leider in einer etwas zu großen Schichtstärke, sodass nun radiologisch ein weniger röntgendichter Streifen sichtbar ist.

Gespannt, wie immer, bin ich auf das erste Recall.

 

Anders als gedacht, aber am Ende gut.

Von Jörg Schröder

Das präoperative Bild ließ nichts besonders Gutes vermuten.

Distal wurde bis in den obliterierten Kanalanteil hinein weit aufbereitet, was die Chancen, den Originalkanal zu finden, ein wenig mindert. Kleiner Hoffnungsschimmer: das in einen Hohlraum eingepresste Sealermaterial.

Mesial sah es ungünstiger aus. Im Bereich der Krümmung der Wurzel endet die ebenfalls eher weite und somit stufenverdächtige Aufbereitung. Zudem passt die Lage der Aufhellung nicht zum Wurzelverlauf.

Da ML vollkommen umaufbereitet geblieben war, bestand zumindest die Hoffnung, dass dieser Kanal für die eher apikal-mesial gelegene Aufhellung verantwortlich war.

ML entsprang einem gemeinsamen, eher schlitzförmigen Orifizium und enthielt eine zähe, schwarz-teerige Masse. Und kommunizierte im mittleren Drittel (Flüssigkeitsaustausch) mit MB. Wie immer in solchen Fällen, versuche ich nach Entfernung der vorhandenen Obturationsmassen zunächst die nicht aufbereiteten Kanalsysteme bis zum Foramen aufzubereiten.

Und staunte nicht schlecht, als entgegen meiner Erwartung die Messaufnahme des ML nun so gar nicht zur apikalen Aufhellung passen wollte. Doch schon kurze Zeit später -die ELM zeigte auch in D und MB Patency an – war die Sache klar: MB mündet zentriert am Beginn der apikalen Pathologie. ML hat ein separates Foramen.

Die bereits präoperativ vorhandene sehr weite Kanalaufbereitung mindert ein wenig die radiologische Ästhetik. ;)

10 Jahres Recall – Eine Geschichte aus dem Endozän

Häufig sehen wir Patienten nach einem langen Zeitraum wieder.

Sie erinnerten sich noch an die Behandlung und haben den wurzelkanalbehandelten Zahn seither ohne Probleme in Benutzung.

Dieser Fall war etwas speziell, da der Verlust an Zahnsubstanz und die Restauration ungewöhnlich waren. Neben einer Keramikteilkrone, Kunststoffüllung imponierte ein Goldinlay und die apikale Parodontitis.
Nach der Entfernung der Goldrestaurationen habe ich die Erhaltung des Zahnes als langfristig wenig erfolgversprechend dargestellt. Trotzdem wollte sie den Erhaltungsversuch. Die empfohlene chirurgische Kronenverlängerung sollte durch den HZA (PA Tätigkeitsschwerpunkt) erfolgen.
Und nun war sie wieder da, mit einem anderen Zahn.
Wir nutzen die Gelegenheit und konnten ein 10 Jahresrecallbild machen.
Und freudig schaute sie auf das Bild. Toll geheilt. Sie ist Ärztin und sah den Rückgang der apikalen Veränderung. Was sie nicht sah, war die distale Problematik. Erhöhte Sondierungstiefen, Konkremente und ein Leckage der prothetischen Restauration. Mal sehen was nun wird.
Die Patientin sah es gelassen, es hat ja bis jetzt super funktioniert…

Fotografie mit dem Dentalmikroskop – Eine Einführung (7)

Moderne Fotokameras unterscheiden sich nicht nur in ihrer grundsätzlichen Bauweise.
Sie weisen auch Unterschiede auf, ihre Sensorengröße betreffend.

Das war auch in analogen Zeiten nicht anders.
Es gab das sogenannte Klein-, das Mittel- und Großformat und dann auch noch einige historisch zu benennende Filmgrößen unterhalb des Kleinbildes, zum Beispiel das Halbformat, das APS- Format oder den Schmalfilm.

Bei digitalen Kameras hat sich mittlerweile als Standard das sogenannte Vollformat etabliert, zumindest was die professionelle Reportagefotografie angeht. Es entspricht mit einer Sensorgröße von 36*24 mm der Größe des analogen Kleinbildes.

Die Bezeichnung Vollformat suggeriert einen anstrebenswerten Goldstandard. Denn wer möchte schon mit weniger als einem „Voll“ – Format zufriedengeben. Eine geschickte Marketing-Strategie, wenn man bedenkt, das das analoge Pendant als „Klein“- Bild daherkam.

Zu Anfang der Digitalära war die Herstellung der Kamerasensoren teuer, die Ausschussrate in der Produktion sehr hoch. Bedeutete doch, das auch nur ein defekter Sensorpunkt, ein defektes Pixel dafür sorgten, das der Sensor nicht verwendet werden konnte. Diese Situation kennen wir ja auch von Fernsehern und Computer- Monitoren. Ein kaputtes Pixel und das Bildschirmpanel geht nicht in den Verkauf, sondern auf die Müllhalde.

So ganz stimmt der Vergleich allerdings nicht. Denn vermutlich jeder Kamera-Sensor weisst solche defekten Pixel auf, die werden allerdings von der Kamera – Software versteckt. Outmapping nennt man das.

Gibts sogar bei LEICA.
Zumindest wenn ein solch fehlerhafter Sensor die Qualitätskontrolle unbemerkt überwindet.

Ein „Vollformat“ Sensor (im 36*24 mm Kleinbild-Format“ war demnach für den Massenmarkt anfangs viel zu teuer. Man fing an mit fingernagelgroßen Sensoren, wie sie auch heute noch in den Consumer Pocket Kameras und Smartphones verwendet werden. Dann wurde Stück für Stück die Sensorgröße erhöht und es wurden sogenannte „Crop“ – Sensoren in die Kameras eingebaut. Der Crop-Faktor gibt an, in welchem Verhältnis die Sensorgröße zum Kleinbildfomat steht. Ein Crop – Faktor von über 1 bedeutet, das der Sensor kleiner ist als ein Kleinbildfilm, bei einem Faktor von unter 1 ist der Sensor entsprechend größer. Bei der Sony Alpha 6000 Familie, die einen APS – C Sensor beinhaltet, liegt der Crop – Faktor bei 1,5. Bei den Sony- Kameras der 7er Serie, die einen Vollformat- Sensor nutzen, ist der Crop- Faktor 1. Bei den noch größeren Mittelformat-Sensoren, wie sie seit einigen Jahren erhältlich sind, liegt der Crop- Faktor bei unter 1.

Die Größe des Kamera- Sensors ist nachwievor natürlich nicht nur ein Faktor, der die Bildqualität und Bildgestaltung massgeblich beeinflusst, sondern bleibt weiterhin auch ein Kostenfaktor. Sony APS-C Kameras gehen neu für 400 Euro über den Ladentisch, wohingegen eine Vollformatkamera der Sony Alpha 7 Reihe mindestens 1200 Euro als Auslaufmodell, bei aktuellen Varianten bei 1700 Euro als Preis aufruft.

Fotografisch gibt es eine Reihe von Gründen, die für das Vollformat sprechen.
Für die Mikroskop- Fotografie gilt das jedoch nicht.

Die gute Nachricht also.
Wer preisgünstig einsteigen möchte, setzt auf APS- C.
Eine Sony Alpha 6000 ist vollkommen ausreichend, liefert eine sehr gute Foto – und Videoqualität.

Mehr ist immer möglich, aber vermutlich in 99% der Praxen nicht notwendig, der Qualitätsgewinn nämlich marginal und im Alltag unsichtbar.

Das gesparte Geld steckt man daher besser in andere Dinge, welche die Ergebnisse wesentlich nachhaltiger positiv voranbringen.
Wer dennoch mehr investieren möchte, dem seien die neueren Kameras der 6000er Serie, namentlich die 6600 und 6400 ans Herz gelegt. Die mit schnellem Autofocus (am Mikroskop unrelevant) punkten, vor allem aber mit 4K-Video. Ist das für den Zahnarztpraxis-Alltag relevant? Das muss jeder für sich selbst entscheiden, der Preis liegt gegenwärtig je nach Modell bei 900 – 1300 Euro.

Mal ganz normal.

Von Jörg Schröder

Aussergewöhnlich gelöste oder besonders ungewöhnliche Fälle zu präsentieren macht – zumindest mir – besondere Freude. Denn der Lösung einer Behandlungsaufgabe gehen immer Überlegungen zur Behandlungstaktik voraus. Und für mich das Schönste: Mit Überlegung zum Erfolg.

Der Großteil der täglichen Behandlungen ist jedoch recht unspektakulär. Und dennoch müssen auch hier ein paar graue Zellen angestrengt werden um ein ansprechendes Ergebnis zu erzielen. Und sei es auch nur, den für eine ausgeprägte Schmerzsymptomatik verantwortlichen Zahn zu ermitteln und bei vollem Terminkalender im zur Verfügung stehenden Behandlungsfenster das zur Schmerzbeseitigung Notwendige zu tun.

So wie in nachfolgendem Fall.

Nach einer alio loco durchgeführten Neuversorgung des Zahnes 16 persistierten auch nach der in der Praxis des Hauszahnarztes durchgeführten initialen Wurzelkanalbehandlung des Zahnes 16 weiterhin starke Aufbissbeschwerden im rechten Oberkiefer. Auf meine Nachfrage gab die Patientin zudem sehr starke und reizüberdauernde Temperaturmissempfindungen im rechten Oberkiefer an.

Konnte das zu 16 „passen“? Unter der Annahme, dass vielleicht nicht alle Kanalsysteme des ursprünglich vitalen Zahnes 16 instrumentiert worden waren, unter Umständen ja. Die Klinische Untersuchung zeigte die Zähne 15 und 16 extrem berührungsempfindlich. Der leichte Einsatz des Luftbläsers erzeugte bereits starke Beschwerden an 15. Der seiner prothetischen Krone beraubte Zahn 17 war weder berührungs- noch temperaturempfindlich. Bei der Inspektion fiel ein von mesial nach distal verlaufender Haarriss in Zahn 15 auf.



 

Im DVT zeigten sich apikale Aufhellungen an 16 und 17. Im palatinalen Kanal des 16 imponierte ein radioopakes Material, von dem kleine Teile in den extraradikulären Raum verbracht worden waren.

Zahn 15 wies einen durchgehenden Parodontalspalt auf. Aber auch eine tiefe Aufgabelung.

Insgesamt wurde ein dreizeitiges Vorgehen geplant.

Im ersten, kurzfristig eingeräumten Termin am Tag nach der Beratung sollte zunächst der Verlauf des Haarrisses in 15 in Augenschein genommen werden, die vitale Pulpa bis zur Aufgabelung entfernt und der Zahn 16 einzeitig endodontisch behandelt werden. Von einer Aubereitung der apikalen Anteile des 15 wurde aus Zeitgründen abgesehen, um nicht durch unter Zeitdruck getroffene Entscheidungen ein suboptimales Resultat zu erzielen.

Im zweiten Termin sollte Zahn 17 einzeitig behandelt werden. Der Termin hätte, wenn notwendig, aber auch zur Behandlung des 15 verwendet werden können, sofern dieser nach der ersten Intervention nicht beschwerdefrei sein sollte. Was aber aber zum Glück war.

Somit konnte ich mich in einem dritten Termin der tiefen apikalen Gabelung annehmen.

Interessant zu sehen, dass alle unter elektronischer Kontrolle erstellte Messaufnahmen einen deutlichen Längenunterschied zwischen B und P in Relation zum radiologischen Apex zeigten.