Klaus Kinski lässt grüßen

Eigentlich wollte ich weiter von der Behandlung des Oberkiefer-Prämolaren 15 mit den apikal gespreizten Wurzelenden berichten.

Stattdessen möchte ich erzählen, was mir heute widerfahren ist.

Die erste Instrumentenfraktur für dieses Jahr.
Bei meinen Vorträgen gebe ich ja immer folgende Zahlen an: Seit 1996 pro Jahr jeweils 0 – 2 Instrumentenbrüche. Bei Null wars ein gutes Jahr, bei zwei Frakturen ein schlechtes. Hat (bis auf einen Ausreisser, sage und schreibe 4 Frakturen!) immer geklappt.

Daher ärgerlich der Fall von heute.

Stark gekrümmte Wurzeln, stark gekrümmte Wurzelkanäle, mesiobukkal im Röntgenbild die Situation gut sichtbar. Was man hingegen nicht sieht – die starke apikale Krümmung der distobukkalen Wurzel. Aber viel schlimmer aber – die extrem engen Kanäle (viel mehr, als man von der Röntgenaufnahme vermuten würde). Und das brutal harte Dentin.  Dennoch gelingt es in wirklich mühsamer Handarbeit in der ersten Sitzung, Patency im mesiobukkalen Kanal herzustellen. In der zweiten Sitzung dann zunächst die finale Aufbereitung des palatinalen Kanals, gefolgt vom mesiobukkalen Kanal. 6er, 8er 10er Handinstrument, dann eine Flexmaster 15.04 maschinell reziprok. Danach die Wave One Gold gelb (20), alternierend mit der VDW Reciproc 25 im Sinne eines Step Down Approachs, weil die Wave One Gold gelb von alleine nicht nach apikal geht. Finale Aufbereitung mit der Wave One Gold Medium (35.06).

Dann der distobukkale Kanal. Schwierige Handinstrumentation. Patency. Flexmaster 15.04 reziprok auf Apexlänge. Wave One Gold Gelb auf Apexlänge – 0.5 mm. Rekapitulation mit einer ISO 10 Handfeile. Nicht auf Apexlänge. Okay, alles klar. Blick durchs OPM bestätigt, die Wave One Gold gelb ist 2.5 mm kürzer als normal. Ohne Vorwarnung. Ich möchte Klaus Kinski mäßig ausrasten , aber ich behalte meine Frustration vornehm für mich und leide still vor mich hin. Kurzer Blick auf die Wave One Gold grün – auch diese ist aufgedreht ! Hätte auch schon im mesiobukkalen Kanal passieren können, die Instrumentenfraktur. Glück gehabt ? Naja :-(

Der mesiobukkopalatinale Kanal, der initial engste  von allen, lässt sich vergleichsweise einfach aufbereiten, vorsichtshalber jedoch mit vollkommen neuen Instrumenten. Vermutlich ein Vertucci Typ II (2:1). Die Einprobe der Masterpoints zeigt jedoch, wir haben es mit einer Vertucci Konfiguration Typ IV (1-1) zu tun.

Anbei die Masterpointaufnahme.

KB17Fraktur-2

Danke Marcus, Nils, Stephan, Andras 20200131

Zwei Fragmententfernungsfälle von heute, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, wenn man davon absieht, dass es sich in beiden Fällen um sehr lange Fragmente handelt.

Fall 1

Zahn 47, neue Krone, nach Eingliederung mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung Schmerzen. Endo durch den Hauszahnarzt, dabei Fraktur eines sehr großen, sehr langen maschinellen Aufbereitungsinstrumentes. Es ragt (einen Hauch) in die Kavität hinein, die Entfernung gelingt in unseren Händen sehr einfach. Alle freuen sich, der Patient zahlt dennoch das Honorar für die Fragmententfernung bis heute, dem WF- Termin,  nicht und bittet um Stellungnahme. Seine private Krankenversicherung halte die Fragmententfernung für einen Teil der Wurzelkanalaufbereitung, das Honorar sei demnach nicht gerechtfertigt.

Heute fand die WF statt.

 

 

Fall 2

Zahn 17, gekrümmte Wurzel, das Fragment liegt hinter der Kurvatur, ein extrem enger Wurzelkanal. Es dauert rund eine Stunde, bis wir es soweit freilegen können, dass der Fragremover (in diesem Falle die Variante von Andras Csögor) zum Einsatz kommen kann. Nachdem die Schlinge umgelegt werden kann, gelingt die Extraktion auf Anhieb. Getanzt, diese Anmerkung sei für alle Teilnehmer von Terauchi – Kursen angefügt, hat hier im Übrigen gar nix. Und das extrem festsitzende Fragment war so dünn, das über jeglichem Kontakt mit Ultraschall immer das Damoklesschwert der ermüdungsbedingten Fraktur im Raum stand.

Umso erfreulicher das Ergebnis der Fragmententfernung wie auch der Aufbereitung des Kanals bis hin zu einer Wave One Gold 35.

 

 

Kurz belichtet- Kurz berichtet 20200128

Letzten Donnerstag.
Letzter Arbeitstag der Woche. Vorträge am Wochenende zählen ja bekanntlich nicht. Soweit zum Thema Selbstausbeutung.
Egal – ein Tag, zwei 6 Monate-Recalls. Beide Fälle aus unterschiedlichen Gründen keine „textbook cases“, der zweite sogar phänotypisch ausgesprochen hässlich, aber dennoch Anlass, gut gelaunt ins Wochenende zu gehen.

Fall 1
Ein Kollege möchte gerne den Zahn 25 einer seiner Mitarbeiterinnen überkronen. 4 Jahre nach WF ist alles unauffällig. Er findet, man habe lange genug gewartet, möchte aber sicherheitshalber diesbezüglich meinen Rat. Das analoge Röntgenbild ist nicht eindeutig, erst recht nicht eindeutig positiv. Ich schlage ein DVT vor, aber schon im digitalen Kontrollröntgenbild im Rahmen der Patientenberatung zeigt sich eine ausgeprägte laterale Aufhellung, weshalb ich die Revision anrate.

Intraoperativ findet sich eine vorhandene Via falsa im apikalen Bereich. Eine Erschließung des ursprünglichen Kanalverlaufes ist nicht möglich.

Fast Forward.
Der Zahn nach WF und nun heute, 6 Monate post WF.


Fall 2



Ein Herodontics Fall ? 9 mm Tasche vestibulär. Sicherlich jedoch ein Zahn 36 mit einer ganz besonderen Anatomie. 3 Wurzelkanäle in der mesialen Wurzel, 2 Kanäle in der distalen. Soweit noch nichts SO Aussergewöhnliches. ABER – Die jeweilig vestibulären Kanäle liegen extrem weit aussen. Keine Isthmus, keine weisse Linie als Hinweis. Ohne DVT wäre ich niemals auf die Idee gekommen, so weit aussen zu suchen. Ich wäre von 3 Kanälen ausgegangen, weil die zunächst aufgefundenen scheinbar symmetrisch lagen, das klassische Indiz für eine regelkonforme Anatomie. Und trotz DVT musste ich distal noch sehr sehr lange suchen. Massive Überpressung von Sealer.


Woher ich weiss, das es Sealer ist, was überpresst wurde ?
Unser Calciumhydroxid hätte sich in der vergangenen Zeit schon wesentlich mehr abgebaut.

Aber immerhin. Die apikale Aufhellung an der distalen Wurzel ist schon verschwunden und um die mesiale Wurzel sieht es auch deutlich besser aus.

 

Duplizität der Ereignisse – Apical Split (Teil 3)

Wenn ich für mich die schwierigst endodontisch zu behandelnden Zähne benennen müsste, ich würde, ohne zu zögern, die UK- Prämolaren wählen.  Wegen der teilweise sehr exotischen und häufig okkulten Kanalanatomie.  OK-Prämolaren sind diesbezüglich meist weniger bizarr, aber auch hier gibt es eine ganze Reihe scheinbar leichter, de facto aber schwerer Brocken. Schwer oder problematisch meist dann, wenn sich besagte Schwierigkeiten nicht im Röntgenbild zeigen. Noch schwieriger wird es, wenn auch der Blick durch das OP-Mikroskop keinen Hinweise auf die Komplikationen liefert.

Wie im vorliegenden Fall.
Der Hinweis kam auf Grund der Vorgeschichte.
Schmerzen an Zahn 15, nach Trepanation Schmerzfreiheit.
Die allerdings in dem Moment (wenn auch in abgeschwächter Form)  des Zeitpunktes der WF wiederkam. Die Hauszahnärztin entfernte die WF, soweit möglich und überwies die Patientin an uns.

Klassisches Symptom als Hinweis für ein zusätzliches Kanalsystem, auch hier wieder angegeben, die Schmerzempfindlichkeit bei „Warm“.
Nicht kalt, nicht heiss, es wird auffällig oft warm genannt.

Der angefertigte Zahnfilm aber eher unauffällig.
Keinen Hinweis auf ein 3. Kanalsystem (Vertucci VII) ja nicht mal ein doppelter PA- Spalt als Anhaltspunkt einer Vertucci-Konfiguration II (2:1), III (1:2:1), IV(2) oder V (1:2).

Nur so eine kamelhöckerartige minimale Ausbuchtung am Wurzelende.

Gut, das ein hochauflösendes DVT zur Verfügung steht.
Es zeigt, was weder konventioneller Zahnfilm noch Dentalmikroskop zu offenbaren vermögen. Das Wurzelkanalsystem beginnt koronal scheinbar einkanalig, liegt zentral in der Mitte des Querschnittes der Wurzel. Im apikalen Drittel dann die Aufzweigung, die beiden dünnen Wurzelenden biegen teilweise stark gekrümmt und leicht korkenzieherartig in gegenteilige Richtung voneinander ab, weshalb auch die screenshots des DVT nicht die ganze Wahrheit, die Anatomie betreffend, offenbaren können.

 

Hier nun meine zwei wichtigsten Tipps für die erfolgreiche Aufbereitung solcher Kanalkonfigurationen:

  1. Beginne mit dem leichter zugänglichen Kanal und bereite diesen vollständig auf, bevor Du überhaupt nur Anstalten unternimmst, Dich dem 2. Kanalsystem zuzuwenden.
  2. Wenn du die Wahl hast, bereite zunächst den Kürzeren der beiden Kanäle vollständig auf.

Beide Merksätze sind banal.

Dennoch ist gerade bei schwierigen Zähnen (und dieser hier, um es vorwegzunehmen war ein extrem schwieriger Zahn) eine genau definierte, in jedem einzelnen Teilschritt aufeinander abgestimmte und von vorne herein strikt festgelegte Vorgehensweise im Sinne des Entlanghangeln eines Entscheidungsbaumes essentiell.

Tut man es nicht, verfällt man in ein „Lass uns doch mal schauen, wie der Zahn auf diese oder jene Vorgehensweise reagiert im Sinne eines „Neugierig ausprobieren“ riskiert man einen unwiderruflichen Schaden, der auch mit anschließend größtem zeitlichen und apparativen Aufwand nicht mehr zu beheben ist.

Der nächste Merksatz diesbezüglich lautet: „1 Sekunde was Falsches gemacht, 1 Stunde an  Lebenszeit vergeudet!“. Weil man so lange versucht, den Fehler wieder auszubügeln (und dann resignierend aufgibt).

Es erfolgt also zunächst ein vorsichtiges apikales Vordringen mit einer vorgebogenen ISO 008 VDW C- Pilot- Feile. Diese geht (glücklicher Moment 1) behutsam bewegt, bis zum mittels Apexlokatormessung ermittelten Wurzelkanalausgang. Die ISO 10er Feile folgt. Anschließend zahlt sich das DVT erneut aus. Es beinflusst die Wahl meiner ersten maschinell betriebenen Nickel- Titan- Feile.  Ich wähle ein META GL153 15.o4-Instrument. Ein NiTi-Instrument der 4. Generation, ähnlich einer Coltene CM 15.04, allerdings nicht ganz so extrem flexibel (was von Vorteil ist) und nicht so leicht sich aufdrehend. Vor allem hält es besser die vorgebogene Form als die Coltene CM – Instrumente. Im Anschluss folgte eine Wave One Gold small, das entspricht meinem Standard- Protokoll, danach wieder abweichend von der normalen Vorgehensweise eine Wave One Gold Primary.

Dann verliess mich zunächst der Mut, weiter noch aufzubereiten, wieder kam hier das DVT als Entscheidungshilfe zum Tragen. Es zeigte sehr  dünne Wurzeln, stark apikal abgebogen. Weshalb ich zum ersten Mal in vielen Jahren zunächst darauf verzichtete, die apikale Aufbereitung noch höher zu dimensionieren und mich nun zunächst dem zweiten Kanal zuwandte.

Es gilt jetzt, mit einem apikal vorgebogenen ISO 10er Instrument den verborgenen Kanaleingang zu finden.

Die Biegung gelingt einfach und schnell mit einer Pinzette in „Geschenkband“ – Bewegung. Diese wird in bukkale Richtung zeigend von koronal nach apikal an der Kanalwand hinabgleitend eingeführt.

Dann heisst es geduldig sein und das Instrument solange immer wieder in den Kanal einführen unter leichten Modifikationen der Einschubrichtung (Stichwort 5 Minuten- Rotation) bis das Instrument vor der Arbeitslänge einen deutlichen Widerstand zurückliefert.  Dieser Teilschritt der Behandlung birgt möglicherweise ein hohes Frustrationspotential, das zusätzlich gefördert wird durch die Tatsache, dass die Biegung des Instrumentes gegebenfalls häufig wiederholt werden muss.

Zumeist „fällt“ das Instrument widerstandslos auf die Apexlänge des Zuvor aufbereitenden Wurzelkanal. Das ist das Zeichen dafür, das wir uns NICHT im gesuchten Kanal befinden. Aber irgendwann (glücklicher Moment 2) rastet das Instrument ein vor der festgelegten Apexlänge.

Wir haben den Kanaleingang des zweiten Wurzelkanals gefunden! Die Erschließung bis zum Apex geht leichter als gedacht  und (glücklicher Moment 3) die Arbeitslänge des zweiten Kanals weicht deutlich von der des ersten Kanals ab. Das angefertigte stark mesial exzentrisch ausgerichtete Meßröntgenbild visualisiert  eindringlich die besondere Anatomie.

Einmal durchatmen, bis jetzt hat alles gut geklappt – weiter geht es in Kürze hier in Episode 4 mit der detaillierten Schilderung der Aufbereitung des zweiten Kanals.

 

 

 

 

Duplizität der Ereignisse – Apical Split (Teil 2)

Wissen Sie, was das Schöne an WURZELSPITZE ist ?
Das hier Tag für Tag aus dem endodontischen Alltag berichtet wird.

Keine Sonntagsfälle, keine „textbook cases“.
Auch wenn das eine oder andere Ergebnis möglicherweise als druckreif zu bewerten wäre.

Tagesgeschäft also. Und deshalb passieren dann auch so Dinge wie „Duplizität der Ereignisse – zwei Prämolaren mit „apical split“ innerhalb von 24 Stunden in 2 unterschiedlichen WURZELSPITZE-Praxen.

Wäre das nicht eine prima Idee, einmal zu schauen, wie diese Fälle gelöst werden in den jeweiligen Händen?   Vor allem – mit Ansage demnach. Denn zur Erstvorstellung des Falles war der Zahn noch nicht berührt, lediglich die Erstuntersuchung und die Röntgendiagnostik waren gelaufen.

Kein Sicherheitsnetz.
Kein doppelter Boden.
Kein Vorhang, hinter dem man sich verstecken könnte, auch wenn die Situation möglicherweise ein schwierige ist, die ein Scheitern nicht unrealistisch erscheinen lässt.

Und ein toller Fall, um in die Details zu gehen.

Darüber werde ich ausführlich schreiben die nächste Tage.
Vorweg jedoch der Fragenkatalog an die Mitleser.

Was erwartet uns hier ?
Was muss man bedenken?
Wo sind die Schwierigkeiten ?
Und wie konkret geht man vor, was resultiert daraus?

Noch eine Vorab-Info, den Fall betreffend: Zahn 15 wurde auf Grund einer Schmerzproblematik wurzelkanalbehandelt. Nach initialer Behandlung schmerzfrei, nach WF wieder stärkere Schmerzen, weshalb die Hauszahnärztin die WF wieder entfernte (siehe Röntgenbild) und die Patientin an uns überwies.

 

 

Ein Muss für jeden Zahnarzt – Bester Beitrag zur Lage des Gesundheitsystems in Deutschland, denn ich je gelesen habe

Der nachfolgende Text – durch Zufall gelesen, von einem ärztlichen Kollegen aufgetan – sollte eigentlich Pflichtlektüre sein für alle Beteiligten im Gesundheitswesen.

Zumindest jedoch für Jeden, der in Erwägung zieht, diesen Beruf zu ergreifen.
Jeder hier nehme sich zum Wochenende die 5 Minuten Zeit, um in Ruhe die Bestandsaufnahme des Kollegen zu Ende zu lesen.

Da steht alles drin, was man wissen muss.
Um die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Denn merke – der Artikel ist von 1966 und es hat sich NICHTS aber auch wirklich GAR NICHTS geändert in diesem unserem Lande.

Was uns zur Erkenntnis führt – wer auf Hilfe oder Abhilfe von aussen oder von oben hofft, der ist hoffnungslos naiv. Oder total deppert.

„NUR KASSENLÖWEN HABEN ERFOLG“

Im Frühjahr 1965 kehrte Dr. Alfred W. Bauer, Kinderarzt und Mikrobiologe, nach Deutschland zurück. Der deutschbürtige Mediziner, der in der Bundesrepublik promovierte, hatte einige Jahre lang in Amerika gearbeitet. Nun wollte er sich als frei praktizierender Kinderarzt in einer süddeutschen Mittelstadt niederlassen. Knapp ein Jahr später, im März 1966, ging Dr. Bauer wieder nach Amerika — sein Versuch, in der Bundesrepublik eine Praxis auszubauen, war gescheitert. In seinem „Erlebnisbericht eines Rückwanderers“ sucht er die Gründe dafür zu beschreiben: Das deutsche Krankenscheinsystem, so meint Bauer, bringe es mit sich, daß die Ärzte — in hartem Konkurrenzkampf um Privatpatienten und um Krankenkassen

Von Dr. Alfred W. Bauer

Nachdem ich mit meiner Frau und meinen drei Kindern in meiner früheren Heimatstadt in Süddeutschland eingetroffen war, ließ ich meine Familie vorübergehend dort und machte mich mit meinem neuen Opel auf die Reise, um einen geeigneten Ort für die Eröffnung einer Praxis zu suchen.

In der näheren Umgebung hielt ich des öfteren an, um mich mit praktizierenden Kinderärzten zu unterhalten. Zu meiner Überraschung erfuhr ich, daß in Deutschland kein Ärztemangel bestand. Im Jahre 1939 kam auf 1390 Einwohner ein Arzt. Jetzt, 1965, war das Verhältnis 1: 690 und damit eines der niedrigsten der ganzen Welt. Fast überall fiel mir der harte Konkurrenzkampf zwischen den eng benachbarten Ärzten auf.

Acht Wochen lang fuhr ich durchs Land und besuchte Ärzte, Verwandte und Freunde. Auf einer meiner Reisen suchte ich einen bekannten Kinderarzt mit einer großen Praxis für Privat- und Kassenpatienten auf. Er selbst war zu beschäftigt, um mich zu empfangen; so sprach ich mit seiner Frau. Sie riet mir, die Praxis eines kürzlich verstorbenen Kinderarztes, Dr. Kranz, in einer nahegelegenen Industriestadt zu kaufen*.

* Der Name wurde vom Autor geändert.

Dort, so sagte sie, würden sich mir in dieser Gegend die besten Möglichkeiten bieten. Dr. Kranz hatte eine gutgehende Praxis geführt und sich ein schönes Haus gebaut; doch drei Jahre danach, im Alter von 57 Jahren, hatte er sich zu Tode gearbeitet. Ich fuhr hin und stellte mich seiner Witwe und seiner Tochter vor.

Sechs Tage später erklärte ich mich bereit, die Praxis für 45 000 Mark zu kaufen. Davon sollten 10 000 Mark für die ziemlich armselige Einrichtung sein (kein Laboratorium, kein Mikroskop, keine Schreibmaschine) und 35 000 Mark für den Patienten-Stamm. Die Praxis von Dr. Kranz war, gemessen an den Einkünften, eine der größten in der Bundesrepublik. Sein jährliches Bruttoeinkommen hatte in den vergangenen fünf Jahren zwischen 90 000 und 160 000 Mark gelegen; das war etwa anderthalb- bis zweieinhalbmal soviel wie die durchschnittlichen Bruttoeinnahmen eines bundesdeutschen Kinderarztes.

Schon bald, nach zwei Wochen in meiner neuen Praxis, merkte ich, daß ich einen kolossalen Fehler gemacht hatte.

Zunächst einmal stellte sich heraus, daß es eine Praxis eigentlich gar nicht mehr gab.

In den vier Monaten seit dem Tode von Dr. Kranz hatten sich sehr viele Eltern seiner Patienten einen anderen Arzt gesucht. Und die meisten sahen offenbar keine Veranlassung, den neuen und unbekannten Doktor aufzusuchen. Kurzum, mit den 35 000 Mark Abstand sollte ich praktisch etwas Wertloses kaufen.

Dann, und das war entscheidender, machte ich befremdende Entdeckungen in den Akten der Praxis — ich hatte ja Zeit, darin zu lesen. Die Patientenkartei enthielt ungefähr 7100 Namen. Davon waren etwa 85 Prozent Kassenpatienten und nur 15 Prozent Privatpatienten; das ist in Deutschland das übliche Verhältnis. Doch ungefähr zwei Drittel der Einnahmen des Dr. Kranz stammten von Privatpatienten und nur ein Drittel von Kassenpatienten.

Dr. Kranz hatte im Jahr durchschnittlich von jedem Privatpatienten 70 Mark kassiert, hingegen sieben Mark von jedem Kassenpatienten. Offenbar hatte er seine Privatpatienten übertrieben behandelt, darauf deutete vor allem eine unglaublich hohe Zahl von Hausbesuchen. Mein Vorgänger muß richtiggehend geschuftet haben; er hatte 40 bis 60 Hausbesuche am Tag absolviert und außerdem noch 50 bis 90 Patienten nachmittags in seiner Sprechstunde abgefertigt.

Etwa 80 Prozent seiner Hausbesuche hatten den Privatpatienten gegolten — das war seine Haupteinnahmequelle. Viele dieser Patienten waren privatversichert; Dr. Kranz hatte sie an jedem Tag im Monat, außer sonntags, besucht.

Allein auf 40 Karteikarten waren insgesamt 6105 Hausbesuche verzeichnet, für eine Zeit von durchschnittlich 42 Monaten. Währenddessen hatten dieselben 40 Privatpatienten Dr. Kranz nur 145mal selbst in seiner Praxis aufgesucht, so daß auf jeweils 42 Hausbesuche nur ein Praxisbesuch kam. Die auf diesen 40 Karten verzeichneten Honorare beliefen sich auf die schwindelerregende Summe von 60 000 Mark.

Von diesen 40 Patienten hatten 23 sogar Dr. Kranz nicht ein einziges Mal in seiner Praxis aufgesucht. Über sie gab es keine Krankenberichte, denn Dr. Kranz hatte sich über Patienten, die nicht in seiner Praxis erschienen nahezu nichts notiert. Nur einige Diagnosen waren in einer winzigen Handschrift zwischen den Reihen mit Kreuzen für die Hausbesuche vermerkt.

Die Unterlagen über die anderen Patienten bestanden in einigen kaum lesbaren Bleistiftnotizen. Außer gelegentlichen lückenhaften Blut- oder Urin-Werten fehlten jegliche Laborbefunde. Nirgends erschienen in diesen dürftigen Unterlagen Angaben über Untersuchungen der Patienten selbst, über die Abgrenzung der Diagnosen, die Therapie oder darüber, wie die jeweilige Behandlung gewirkt hatte.

Einer stattlichen Anzahl von Privatpatienten war Dr. Kranz offenbar besonders entgegengekommen. Einige Patienten, deren Krankenversicherung die Kosten nur teilweise deckte, hatten ihn anscheinend um Hilfe gebeten; so hatte er mehr Leistungen in Rechnung gestellt, als er wirklich geboten hatte.

Einige Patienten zum Beispiel erhielten von ihrer Versicherung von ihren aufgeblähten Rechnungen 75 Prozent zurückerstattet — etwa bei einem Arzthonorar von 200 Mark also 150 Mark. Dann gewährte Dr. Kranz, wie aus den Unterlagen hervorging, diesen Patienten einen Rabatt von 25 Prozent. Auf diese Weise brauchten die Patienten, die ordnungsgemäß mit 150 Mark hätten belastet werden müssen selber überhaupt nichts zu bezahlen. Wenn ihm die fingierten Kosten auch keine zusätzlichen Einnahmen einbrachten, so trugen sie doch dazu bei, diese Privatpatienten seiner Praxis zu erhalten.

Daß Dr. Kranz damit die Versicherungen betrogen hatte, wäre für jeden aus seinen Akten ersichtlich.

Frau Kranz hatte für die Privatpraxis ihres Mannes die Buchführung übernommen; ihre Notizen enthüllten, daß fingierte Hausbesuche berechnet wurden. So hatten einige Patienten in abgelegenen Dörfern die Wegegelder des Arztes nicht mitversichert. In diesen Fällen trugen die Karten den Vermerk: „Keine Kilometergelder. Berechnung zusätzlicher Hausbesuche.“ Die tatsächlich abgestatteten Hausbesuche waren als Kreuze mit Tinte eingetragen, die fingierten Besuche mit Bleistift.

Ich beanstandete meinen Vertrag gegenüber der Witwe und erklärte ihn wegen Irrtums und wissentlicher Täuschung für ungültig.

So kam der Fall vor die zuständige Ärztekammer und die Krankenkassenverwaltung. Es war August, und die Leiter beider Organisationen waren auf Urlaub. Die beiden Stellvertreter luden mich vor, nachdem sie meinen Brief gelesen und mit Frau Kranz Rücksprache genommen hatten.

Zu meiner Überraschung wurde mir mitgeteilt, daß ich nur eine geringe oder gar keine rechtliche Handhabe hätte, den Vertrag anzufechten. Die Herren behaupteten, Dr. Kranz habe seine Praxis durchaus nach der ortsüblichen Ordnung geführt.

Mir wurde der gute Ruf meines Vorgängers vorgehalten. Es habe niemals irgendwelche Klagen über ihn gegeben, und seine beruflichen Fähigkeiten seien über jeden Zweifel erhaben gewesen. Daß er keine Krankenberichte geführt habe, sei nichts Außergewöhnliches, weil ältere Ärzte wie er über eine reiche Erfahrung verfügten, ihre Patienten gut kennen, und ohnehin zu beschäftigt seien, um auch noch große Krankenberichte zu schreiben.

Die Vertreter der Ärztekammer warnten mich, daß die Chancen einer Vertragslösung vor Gericht für mich außerordentlich gering seien: Keiner der hier ansässigen Kinderärzte würde bereit sein, gegen einen Fachkollegen, noch dazu einen toten, auszusagen.

Nachdem mir meine Verhandlungspartner unmißverständlich zu verstehen gegeben hatten, daß ich das deutsche Ärztesystem einfach nicht verstünde und dem Andenken eines hingebungsvollen Kollegen eklatante Respektlosigkeit erwiesen hätte, arbeiteten wir ein neues Abkommen aus: Statt für 45 000 Mark sollte ich die Praxis für 20 000 Mark kaufen.

Ich mietete daraufhin einen Teil eines Vierfamilienhauses für 600 Mark im Monat und zog mit meiner Frau und meinen drei Kindern dort ein. Ich war sicher, die Praxis schnell wieder aufbauen zu können. Würde es mir hier nicht gelingen, so würde ich nirgends in der Bundesrepublik Fuß fassen können.

Ich hatte allerdings die Schwierigkeiten mit dem mir weitgehend unbekannten Krankenkassensystem stark unterschätzt. Das bundesdeutsche Krankenkassenwesen ist unvorstellbar kompliziert.

Dieser Apparat beschäftigt Tausende von Schriftführern und Buchhaltern auf allen Stufen der Bürokratie; er verschlingt viele Millionen Mark von den Aufwendungen für die Gesundheit und trägt so mit zu den hohen Kosten des staatlich reglementierten westdeutschen Medizinwesens bei.

In großen Bürohäusern werden alle Leistungen eines Arztes anhand der Zahl der behandelten Patienten (also keine Qualitäts-, sondern Quantitätskontrolle) von einem Heer von Angestellten geprüft, die nach Abschluß eines jeden Quartals drei Monate brauchen, um ihre Berechnungen abzuschließen und den Ärzten Bilanzen und Honorarschecks zu übersenden.

Sämtliche Rezepte werden überprüft, damit die Kassenpatienten nur die ihnen zukommenden Medikamente erhalten — berechnet nach dem Kostensatz pro Patient. Ein Arzt, der zehn Prozent mehr Arzneimittel verschreibt, als im Durchschnitt verordnet werden, erhält zunächst nur eine Verwarnung. Wenn er den zugebilligten Satz jedoch weiterhin überschreitet, muß er die Differenz selber bezahlen.

Ich habe von einigen aufsässigen Ärzten gehört, die solche Kassen-Bescheide kommentarlos an die Wände ihrer Wartezimmer hängten. Daraufhin forderte die Kasse sie unverzüglich auf, diese Dekoration zu entfernen, andernfalls würden sie ihre Kassenzulassung verlieren.

Nach dem Vertrag, der für die Jahre 1965 bis 1966 zwischen Ärzten und Krankenkassen abgeschlossen worden war, erhielt ein Arzt für einen Patientenbesuch in seiner Praxis drei Mark, für eine Konsultation mit gründlicher Untersuchung fünf Mark, für einen Hausbesuch am Tage einschließlich Fahrtspesen sieben Mark. Die Gesamtvergütung für einen Patienten je Quartal betrug durchschnittlich zwölf Mark.

Tut ein Arzt mehr für seine Kassenpatienten in einem Quartal und übersteigen seine Rechnungen somit den Durchschnitt, rechnet die Krankenkasse ihm das vor; er erhält dann den Bescheid, daß zusätzliche Leistungen nicht vergütet würden.

Die Einnahmen für die Behandlung von Kassenpatienten betragen 15 bis 20 Prozent des Satzes, der in den Vereinigten Staaten als angemessen gilt; die Lebenshaltungskosten in Deutschlands betragen jedoch 85 Prozent des vergleichbaren Aufwands in Amerika. Ich rechnete mir aus, daß ich 400 bis 500 Kassenpatienten im Monat betreuen müßte, um meine Praxiskosten decken zu können, und weitere 200 Patienten für unseren Lebensunterhalt.

Die Privatpatienten, die 15 Prozent der Krankenzahl einer durchschnittlichen Praxis ausmachen, können finanziell nicht sehr ins Gewicht fallen — vorausgesetzt, sie werden anständig behandelt. Ich selbst war nicht bereit, den doppelten Honorarsatz zu berechnen, wie es in Deutschland weitgehend der Fall und für einen Arzt, der sich ein Haus bauen möchte, anscheinend auch unerläßlich ist.

Dr. Kranz war dafür bekannt gewesen, daß er den doppelten Satz nahm. Wie viele andere Ärzte hatte er zwei Warteräume — einen einfachen mit abwaschbarem Mobiliar für die Kassenpatienten und einen gut ausgestatteten mit besseren Möbeln, mit Teppichen und Vorhängen für die Privatpatienten.

Kinder, deren Väter mehr als 1200 Mark im Monat verdienten, wurden mit großem Entgegenkommen behandelt. Kinder von ärmeren Kassenpatienten mußten hingegen, auch wenn sie zuerst gekommen waren, oft stundenlang warten. Dr. Kranz, so wurde mir gesagt, bat oft zwei bis vier Kassenpatienten auf einmal in sein Sprechzimmer; er sprach mit mehreren Müttern gleichzeitig, machte Injektionen, wog die Patienten und nahm sich selten mehr als fünf Minuten Zeit für einen dieser Patienten.

Die Behandlung von Kassenpatienten ist in den meisten Fällen eine Art Massenabfertigung mit willkürlichen Methoden und Zufallsergebnissen. Es ist daher kein Wunder, daß die Berichte über ernste Erkrankungen, die vom Kassenarzt nicht erkannt wurden, nicht zu zählen sind. Viele Ärzte untersuchen nicht einmal ihre Patienten, sondern lassen sich die Beschwerden schildern und verordnen dann etwas. Andere untersuchen nur das sogenannte Kassenpatienten-Dreieck — den Ausschnitt, der sichtbar wird, wenn ein Patient die oberen drei Hemdenknöpfe öffnet.

Viele deutsche Ärzte wenden merkwürdige Verfahren an, um aus ihrer wirtschaftlichen Misere herauszukommen. Sie verlegen sich etwa auf eine Art Privatmedizin, die mit den modernen medizinischen Erkenntnissen kaum noch etwas oder nichts mehr zu tun hat.

So führt ein mir bekannter Arzt eine ertragreiche Privatpraxis in einem Kurort, indem er hauptsächlich Irisdiagnosen stellt. Er behauptet, innere Krankheiten, auch wenn sie schon zurückliegen, aus den Augen lesen zu können.

Ein anderer hochgeachteter Arzt in einem Nachbardorf hat ein Vermögen mit Verjüngungskuren durch Frischzellentherapie gemacht. Das Honorar für eine Kur mit fünf bis acht Injektionen beträgt etwa 800 Mark — mehr als die Einnahmen aus hundert Hausbesuchen bei Kassenpatienten. Die deutsche medizinische Literatur enthält eine stattliche Zahl von Berichten über die Komplikationen einer solchen Behandlung.

Einige Ärzte locken Privatpatienten mit der Akupunktur, dem alten chinesischen Verfahren zur Behandlung innerer Krankheiten, das darin besteht, die Haut mit goldenen oder silbernen Nadeln zu ritzen oder zu punktieren.

Die Homöopathie ist in Deutschland erstaunlich weit verbreitet. Mehrere große pharmazeutische Firmen produzieren eine Vielzahl von Medikamenten aus stark verdünnten pflanzlichen und tierischen Gewebeextrakten. Hauptvorzug dieser „Heilmittel“ ist, daß sie keine Nebenwirkungen haben. Als Therapeutika sind sie wertlos; doch die Krankenkassen bezahlen für diese kostspieligen Flüssigkeiten, ohne den Nachweis der Wirksamkeit zu verlangen — sie verlassen sich ganz einfach auf Gutachten.

Die bundesdeutschen Krankenkassen scheinen nicht in der Lage zu sein die öffentliche Gesundheitspflege von der öffentlichen Quacksalberei zu trennen. Dies ist eines der vielen Probleme des mit Steuergeldern finanzierten Gesundheitsdienstes.

Da ich nicht bereit war, den üblichen doppelten Honorarsatz zu verlangen, und da ich weder Frischzellen-Therapeut noch Kräuterdoktor bin, konnte ich die geringen Kasseneinnahmen nicht durch hohe Erträge aus meiner Privatpraxis ausgleichen. Meine wohlmeinenden, freundlichen und sehr hart arbeitenden Kollegen konnten mir nur raten, meine amerikanischen Gewohnheiten abzulegen und die deutschen Praktiken so schnell wie möglich zu übernehmen, um wirtschaftlich keinen Schiffbruch zu erleiden.

Ebensowenig konnte ich mich an die ehrwürdige Tradition der Hausbesuche gewöhnen. Die Kassenvorschrift, nach der Hausbesuche nur gestattet sind, wenn der Patient nicht selbst in die Praxis kommen kann, wird nicht beachtet. Bald war ich als der neue Kinderarzt aus Amerika verschrien, der sich weigerte, Hausbesuche zu machen, weil er zu faul war.

Mütter, die zum erstenmal in meiner Praxis erschienen, fragten für gewöhnlich Sie machen doch Hausbesuche, wenn wir Sie rufen, nicht wahr?“

Im August antwortete ich noch: „Ja, in dringenden Fällen, oder wenn ich es für notwendig halte.“

Nach dem 1. September jedoch antwortete ich leutselig: „Ja, gern, wann immer und wohin immer Sie es wünschen.“

Zumindest 90 Prozent meiner Hausbesuche waren freilich unnötig, die übrigen waren großenteils nur aus Mangel an Verkehrsmitteln erforderlich. Ich schlug auch meinen Kollegen vor, unnötige Hausbesuche in der Stadt einzustellen; doch sie erhoben Einwände. So fuhr jeder Kinderarzt weiter jeden Tag durch die Stadt und legte im Durchschnitt täglich 100 Kilometer zurück.

Nun aber fehlte mir noch mehr die Zeit für die Zusammenarbeit mit anderen Ärzten, wie ich sie aus unserer erfolgreichen Gruppenpraxis in Amerika gewohnt war. Während sich Rechtsanwälte und Architekten in Deutschland zu Arbeitsgemeinschaften zusammenschließen, schrecken die Ärzte davor zurück. Jüngere Mediziner, die in den Vereinigten Staaten die Vorteile des Gruppenpraxis-Systems für Ärzte und Patienten kennengelernt haben, werden das womöglich bald ändern.

Ich hatte geplant, in meiner Praxis ein kleines bakteriologisches Labor einzurichten und es auch meinen Kollegen zur Verfügung zu stellen. Diesen Plan gab ich jedoch bald auf. Ich erkannte, daß ich meine ganze Zeit und meine ganze Energie darauf verwenden mußte, möglichst viele Patienten zu behandeln und möglichst viele Krankenscheine zu sammeln.

Niemand schien an dieser medizinischen Unzulänglichkeit Anstoß zu nehmen. Selbst eines der beiden Kinderkrankenhäuser der Stadt (ein Haus mit 300 Betten) konnte keine bakteriologischen Tests machen — und das im Lande eines Robert Koch und eines Paul Ehrlich.

Abermals kam ich mit dem allgemeinen Brauch in Konflikt, als ich keine antibakteriellen Medikamente zur Behandlung der alltäglichen Virus-Infektionen der oberen Luftwege und zur Behandlung von Diarrhöen verordnete. Ich verschrieb weniger Arzneimittel als jeder andere Kinderarzt in der Stadt und plädierte statt dessen für Diät, Kühlungen, richtige Kleidung und eine gesunde Lebensweise im allgemeinen. Trotz solcher sparsamen Verordnungsweise erhielt ich von der Krankenkasse zwei Rechnungen über eine medizinische Seife, die ich einem Patienten mit einer Hautflechte verschrieben hatte. Diese Seife wird, wie viele andere Mittel, von der Krankenkasse nicht bewilligt.

Die Entscheidungen der Kassen, ob sie ein Medikament bezahlen oder nicht bezahlen wollen, entbehren oft jeder Logik. Die Kosten für vorbeugende Keuchhusten-Impfungen werden nicht erstattet, aber der mehrwöchige Klinikaufenthalt für Kinder mit Keuchhusten wird anstandslos bezahlt.

Oft verbrachte ich eine halbe Stunde in einem überheizten Wohnzimmer, damit beschäftigt, ein stark fieberndes, erschöpftes Kind zunächst aus den Tiefen eines gepolsterten Kinderbettes. aus vier Decken <die oberste das in Deutschland übliche Federbett) und aus seinen Gummihüllen zu befreien und das Baby dann dadurch abzukühlen, daß ich es vor den entsetzten Augen der Eltern abwusch.

Sie waren davon überzeugt, daß ihr Kind infolge dieser Behandlung am nächsten Tag eine Lungenentzündung haben würde. Keine der Hunderte von Müttern schien je gehört zu haben, daß ein stark fieberndes Kind abgekühlt werden muß. Alle hingen der Vorstellung von vor 40 Jahren an, daß Fieber mit stärkerer Heizung und dickeren Decken bekämpft werden müsse. Die anderen Kinderärzte schienen keine Zeit zu haben, die Eltern eines Besseren zu belehren. Sie waren zu sehr damit beschäftigt, hinter ihren Krankenscheinen herzujagen.

Ich verbrauchte viel Zeit mit dem Versuch, meine Patienten zu erziehen und ihnen beizubringen, wie man unnötige Praxis- oder Hausbesuche vermeidet und harmlose Erkrankungen wie die üblichen Erkältungen und einfachen Diarrhöen selbst behandelt.

Es gelang mir vereinzelt, Vertrauen zu erwecken; doch die Mehrheit der Patienten verspürte offenbar Unbehagen. Wie vorauszusehen war, wurde ich nur wenig empfohlen, und meine Praxis erweiterte sich nur langsam.

Dann versuchte ich ein Anmeldesystem einzuführen. Meine Wartezimmer, In denen mehr als 30 Patienten Platz hatten, blieben also leer, die meisten Patienten konnten sofort ins Sprechzimmer kommen. Einer meiner Kollegen hielt dieses Verfahren für untunlich und schlug vor, jeweils 15 Patienten am Nachmittag zur gleichen Zeit zu bestellen: Wartenden Kranken, so sagte er, scheint die Zahl der anderen Patienten zu imponieren, sie gewinnen dadurch Sicherheit und Vertrauen in den neuen Arzt.

Kurzum, indem ich wirksam praktizierte, schadete ich meiner Praxis. Ich schadete ihr auch dadurch, daß ich ehrlich blieb. Beispielsweise konnte ich bei einem kleinen Kind frühzeitig eine Hirnhautentzündung diagnostizieren. Am nächsten Tag brachte mir die Mutter als Zeichen ihrer Dankbarkeit drei Krankenscheine für ihre anderen Kinder. Weil sie jedoch gesund waren, reichte ich die Scheine unausgefüllt ein. Etliche Kollegen, sogenannte Kassenlöwen, hielten das für den Gipfel selbstzerstörerischer Dummheit.

Die betrügerische Unsitte, Krankenscheine auch von gesunden Patienten einzuheimsen, Diagnosen zu erfinden und die Krankenscheine dann bei der Kasse einzureichen, ist weit verbreitet und in mancher Praxis sogar an der Tagesordnung. Da das Honorar für jeden Patienten pro Quartal begrenzt ist, bleibt dies die einzige Möglichkeit, die Bezüge von der Kasse zu erhöhen. Manche Familien sind so gut erzogen, daß sie ihren Ärzten nach Beginn des neuen Quartals Krankenscheine für die ganze Familie vorlegen, von der Großmutter bis zum Kleinstkind, ob sie nun gesund oder krank sind.

Die Regierung hat zwar einmal eine Reform des Krankenkassenwesens angestrebt, nach der die Patienten einen Teil der Arztkosten hätten selbst tragen müssen. Dadurch wäre die Unsitte der Krankenschein-Hamsterei stark eingeschränkt worden. Leider wurde dieser Plan von der Mehrheit der deutschen Ärzte abgelehnt.

Ungefähr 20 Prozent meiner Patienten hatten keine Krankheiten. So vermerkte ich auf ihren Krankenscheinen: „Kind gesund, Untersuchung negativ.“ Und ich war mir darüber klar, daß dafür nichts bezahlt wird.

Vertreter der Krankenkasse erklärten mich aber für töricht. Ihrer Ansicht nach ist bei jedem Patienten irgend etwas nicht ganz in Ordnung, so daß sich immer eine Diagnose stellen läßt. Tatsächlich waren meine vierteljährlichen Einnahmen von der Krankenkasse „beklagenswert niedrig“, wie ein Kassenangestellter gutmütig erklärte.

Um in Deutschland mit einer Arztpraxis Erfolg zu haben, muß der Arzt — so stellte ich fest — bereit sein, es mit seinem Gewissen nicht allzu genau zu nehmen und minderwertige Massen-Medizin zu betreiben. Dennoch wollte ich mich nicht gern an eine Klinik verpflichten, obwohl mir die Chance geboten wurde, als stellvertretender Chefarzt in einem Kinderkrankenhaus tätig zu sein. Solche Stellungen bringen ein Jahresgehalt von ungefähr 35 000 Mark ein. Ich sah mich jedoch nicht in der Lage, mich wieder an ein deutsches Krankenhaus mit einem festangestellten Ärztekollegium zu gewöhnen.

Der Chefarzt der chirurgischen Abteilung ist gewöhnlich gleichzeitig Leiter des Krankenhauses. Das bedeutet, daß er über dem Krankenhaus-Verwalter steht, nicht aber, daß ihm die anderen Stationschefs unterstellt sind. Sie sind vielmehr auf ihrem Stockwerk allmächtig und leiten ihre Abteilungen wie Primadonnen.

Das Jahreseinkommen eines Chefchirurgen beträgt zwischen 80 000 und 200 000 Mark; es liegt damit weit über dem Einkommen jedes anderen Arztes. An zweiter Stelle rangiert der stellvertretende Chefarzt. Er mag die gleiche Arbeit tun wie der Chefarzt, oft sogar noch mehr, und ist in Abwesenheit des Chefarztes der verantwortliche Vertreter — aber er verdient mitunter nur ein Viertel.

Die deutschen Fachärzte kämpfen erbittert um den höchsten Krankenhausposten; gewöhnlich bewerben sich 50 Kandidaten und mehr um eine freie Stelle. Viele stellvertretende Chefärzte erkennen nach Jahren harter Arbeit als zweiter Mann, daß sie die Spitze nie erklimmen werden. So kann es vorkommen, daß ein stellvertretender Chefarzt, der fünf bis zehn Jahre Magen reseziert, Gallenblasen entfernt und Kröpfe operiert hat, plötzlich das Krankenhaus verläßt und sich als praktischer Arzt niederläßt, um für den Rest seines Lebens keine größeren Operationen mehr vorzunehmen — eine ungeheure Verschwendung an Kenntnissen und Erfahrungen.

In den Vereinigten Staaten war ich es gewohnt gewesen, in der pädiatrischen Abteilung eines Krankenhauses als einer unter mehreren Fachärzten tätig zu sein, von denen jeweils einer für die Dauer von zwei Jahren zum Chefarzt gewählt wird. Außerdem ist in den USA jeder Kinderarzt für nur wenige (selten mehr als vier) Krankenhauspatienten verantwortlich und kann ihnen so die beste Fürsorge angedeihen lassen.

In den Krankenhäusern der Bundesrepublik betreut der Chefarzt oft über 200 Betten und soll seine Patienten alle kennen und ihre Behandlung überwachen. Das ist natürlich unmöglich.

Der gesunde Menschenverstand gebietet, diese Mammutabteilungen in kleinere Einheiten zu unterteilen, denen jeweils ein Spezialist mit einem Team von Assistenzärzten und Medizinalassistenten vorsteht. Doch viele deutsche Krankenhäuser mit mehr als 200 Betten verfügen nur über chirurgische und innere Abteilungen, die jeweils von einem Chefchirurgen und einem Chefinternisten geleitet werden.

Die beiden Abteilungen vertreten angeblich alle Fachrichtungen, auch wenn es in der Stadt einen Geburtshelfer, einen Kinderarzt und einen Hals — Nasen — Ohren-Facharzt mit eigener Praxis gibt. Diese Spezialisten haben oft nicht einmal den Status eines Belegarztes, weil der Chirurg und der Internist des Krankenhauses ihre Betten eifersüchtig gegen jeden Eindringling verteidigen. Für die oft sehr gut ausgebildeten Fachärzte ist es entmutigend, ernstlich erkrankte Patienten in ein Krankenhaus einzuweisen und somit einem Kollegen übergeben

zu müssen, der die Probleme ihrer Patienten weniger gut kennt.

Die meisten bundesdeutschen Krankenhäuser führen kein nennenswertes Ausbildungsprogramm für Medizinalassistenten und Assistenzärzte durch, abgesehen von gelegentlichen Lektionen am Krankenbett. Viele Krankenhäuser besitzen nicht einmal eine Bibliothek. Die Mehrzahl der Kliniken würde den amerikanischen Anforderungen für eine Akkreditierung nicht genügen. Ohnehin wird die Ausbildung an deutschen Krankenhäusern in den Vereinigten Staaten nicht anerkannt.

Fraglos ist die Bundesrepublik heute auf manchen Gebieten der Medizin ein unterentwickeltes Land. Einst Lehrstätte der größten Ärzte der Welt, ist Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr in der Lage, an die Spitze des medizinischen Fortschritts zurückzukehren.

Es mangelt nicht etwa an brillanten Köpfen oder an Geld; die Nation hat beides reichlich. Das Übel steckt vielmehr in der Krankenhaus-Hierarchie, die jedes Wetteifern um erstklassige Leistungen lähmt, und in dem Krankenkassensystem, das Quantität, nicht aber Qualität belohnt.

Außerdem ist dem Deutschen, gewohnt zu befehlen und zu gehorchen, die Zusammenarbeit auf gleicher Ebene noch neu — das den Amerikanern so vertraute „team work“ und „team spirit“. Solange einsame Genies durch Beobachtung und Laborexperimente bahnbrechende Leistung auf dem Gebiet medizinischer Theorie und Praxis vollbringen konnten, leisteten die Deutschen tatsächlich Großes. Doch die meisten Fortschritte in der modernen Medizin wurden und werden auch künftig durch team work erzielt. Das Wort „team“ aber ist nicht ins Deutsche übersetzbar.

Mit am unerfreulichsten in deutschen Krankenhäusern ist der unnötig lange Klinik-Aufenthalt der Patienten. Durchschnittlich sind es 21 Tage — gegenüber sechs Tagen in den USA.

Da die Kassen Tagessätze zahlen und dieser Satz nur etwa 24 Mark beträgt, wird offenkundig die Entlassung so lange hinausgezögert, bis der Patient sich nur mehr erholt.

Sobald die Intensive Behandlung abgeschlossen ist, sobald also der Behandlungsaufwand geringer wird, kommt das Krankenhaus aus den roten Zahlen heraus. Müßte eine Klinik ausschließlich ernstlich erkrankte Patienten behandeln und sie so bald wie möglich wieder entlassen, würde sie schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten und mehr Subventionen benötigen als andere Häuser.

Es scheint selbstverständlich, daß überfüllte Krankenhäuser erweitert werden müssen, mehr Betten brauchen und neue Gebäude. Das bedeutet auch höhere Gehälter, mehr Macht und größeres Prestige für den Chefarzt und den Verwalter.

Die Stadt, in der ich arbeitete, zählte 310 000 Einwohner und verfügte erstaunlicherweise über mehr als 500 Kinderkrankenbetten. In den Vereinigten Staaten hatte meine pädiatrische Abteilung mit nur 20 Betten einen Bezirk mit 85 000 Menschen betreut. In deutschen Krankenhäusern sah ich in manchen Kinderstationen, wie Jungen in ihren Nachthemden umhersprangen, Kissenschlachten oder andere Spiele machten und herzhafte Mahlzeiten zu essen bekamen. Offenbar wurden diese Kinder nicht gerade wegen einer Krankheit dort behalten.

Aber auch die Patienten bedrängen oft den Arzt, sie in ein Krankenhaus einzuweisen, damit sie für eine Weile dem Beruf oder ihren Hausfrauenpflichten entkommen. Ich verlor mehrere Kassenpatienten, weil ich mich weigerte, sie wegen geringfügiger Krankheiten in eine Klinik zu schicken.

Werden sich die deutschen Ärzte jemals den vielfachen Sklavendiensten entziehen können? Ich wüßte nicht, wie. Die Ärzteschaft ist in rivalisierende Fraktionen und Organisationen zersplittert. Zu keiner Frage äußern sie sieh einstimmig. Es gibt eine Vereinigung für die leitenden Krankenhausärzte, eine für die Medizinalassistenten und Assistenzärzte der Kliniken (den Marburger Bund), zwei für Ärzte mit eigener Praxis (Hartmann-Bund und Verband niedergelassener Ärzte), eine für die Medizinalbeamten, eine für die Vertrauensärzte und so fort. Jede Gruppe vertritt Interessen, die den Interessen der anderen Vereinigungen oft entgegenstehen.

In den häufigen endlosen Verhandlungen mit den Krankenkassen über neue Verträge kämpfen die deutschen Ärzte für Erhöhungen der Honorarsätze um fünf oder zehn Prozent — zum Beispiel dafür, die Vergütung für eine Konsultation mit gründlicher Untersuchung von fünf auf 5,50 Mark anzuheben. Dabei wäre das Dreifache gerechtfertigt.

In den kommenden Jahren wird die Bundesrepublik weiterhin zu den Ländern mit den meisten Ärzten gehören. Gegenwärtig legen etwa 4800 Studenten jährlich das Mediziner-Examen ab; aber nur 2200 Ärzte setzen sich zur Ruhe.

Die medizinischen Fakultäten der Universitäten sind überfüllt. Doch in dem Maße, wie die Zahl der Ärzte zunimmt, wird sich ihre Verhandlungsposition weiterhin verschlechtern. Dann wird es wahrscheinlich zu einer Massenemigration deutscher Ärzte kommen.

Nach sieben Monaten Praxis in Deutschland gelangte ich zu der Überzeugung, in dem herrschenden System meinen Maßstäben als Facharzt nicht gerecht werden zu können. Wie die meisten anderen deutschen Kinderärzte hatte ich keinen Zugang zu Krankenhausbetten. Ich wurde zu einem praktischen Arzt für die jüngere Altersgruppe degradiert, der eine Art Massensiebung vorzunehmen hatte.

In den sieben Monaten meiner Praxistätigkeit hatte ich keine einzige intravenöse Infusion machen können, weder feinere Labortests gemacht noch den Behandlungsplan für einen Diabetiker aufgestellt. Ich hatte keinen Fall von Hirnhautentzündung, Sepsis oder anderer schwerer Infektionen behandelt. Ich hatte nicht einmal eine Röntgenaufnahme des Gehirns, ein Elektrokardiogramm, eine Knochenmarksprobe oder eine Bakterienkultur gesehen. Zur Behandlung von Neu- und Frühgeborenen, meinem Spezialgebiet, war ich nicht hinzugezogen worden.

Ich ertrank im Bürokratismus und wurde mit Broschüren, Memoranden, Berichten und Verfügungen der Krankenkassen überschüttet. Das Honorar, das ich pro Patient und Quartal erhielt, schien mir allein für die Schreibarbeiten angemessen. Erst im letzten Monat verdiente ich genug, um meine monatlichen Praxiskosten in Höhe von 2400 Mark zu decken.

An jedem Werktag machte ich ungefähr fünf Hausbesuche und empfing zehn Patienten in der Praxis, an den Wochenenden erhöhte sich die Zahl meiner Hausbesuche auf durchschnittlich 30. Dazu brauchte ich dieselbe Energie wie für meine Tätigkeit in den USA, wo ich täglich 28 Patienten in meiner Praxis empfing und außerdem noch im Krankenhaus arbeitete.

Am Ende des siebten Monats bot ich meine Praxis zum Verkauf an. Als ich drei interessierten Krankenhausärzten die Bilanz der letzten Monate vorlegte, verloren sie sofort das Interesse. Alle drei gaben aber auch zu, daß sie Angst hätten, die Sicherheit eines Krankenhauslebens gegen den Druck und die Not einer Kinderarztpraxis unter dem gegenwärtigen Krankenkassensystem einzutauschen.

So verkaufte ich den größten Teil meiner Einrichtung und meiner Utensilien und verschenkte den Rest. Die Enttäuschung und der finanzielle Verlust — ungefähr 90 000 Mark — waren beträchtlich.

Als ich aufbruchbereit war, hängte ich ein Schild an die Tür meiner Praxis, das ich — es war Karneval — mit einer Spottfigur dekorierte: „Kinderarzt Bauer ist am Verhungern. Diese Praxis wird am 1. März 1966 geschlossen. Die Krankenkassenpatienten des Dr. Bauer werden im März von einem Vertreter betreut.“

Wenige Tage später erhielt ich ein Schreiben des Vorsitzenden der zuständigen Ärztekammer. Ich erhielt Anweisung, das Schild sofort zu entfernen, da ein so verfehlter Humor mit der Berufsehre der Ärzte unvereinbar sei.

Unter dem herrschenden System des Gesundheitsdienstes im bundesdeutschen Wohlfahrtsstaat wird von Verwaltung, Patienten und Ärzten erwartet, daß sie zufrieden und glücklich sind. Wenn ein tüchtiger und fleißiger Arzt, der gute Arbeit leisten und gleichzeitig die geschriebenen und ungeschriebenen Regeln ethischer Praxis befolgen möchte, finanziell nicht zurechtkommt und dies auch noch offen eingesteht, stört er diese Illusion.

DER SPIEGEL 9/1968

 

Fall zum Wochenende Teil 4

Heute möchte ich abschließend berichten, wie es mit dem Fall, über den hier, hier und hier berichtet wurde, weiterging.

Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die Behandlung übel enden wird.

Man kennt das ja, dieses Gefühl, dass einem sagt, man sollte besser die Finger weg lassen vom Behandlungsfall, nicht der endodontischen Situation wegen, sondern wegen der Person, die an dem Zahn dranhängt. Und dann macht man es doch, wider besseres Wissen oder gegen sein Bauchgefühl und prompt wendet sich Alles zum Schlechten.

Toi, toi, toi verlief in diesem Fall alles gut und ohne Nachwehen.

Die Behandlungen im chronologischen Ablauf:

 

2018 Juni

27.06.2018 Untersuchung/Besprechung

 

2018 September

03.09.2018 Zahn 46 Behandlungsitzung 1 – Trepanation, Erschließung der Wurzelkanäle, vorhandene Restvitalität!, initiale Wurzelkanalaufbereitung

11.09.2018 Zahn 46 Behandlungssitzung 2 – vollständige Wurzelkanalaufbereitung

17.09.2018 Zahn 46 Behandlungsitzung 3 – Intensive Spülungen, Austausch der  medikamentöse Einlage Ledermix vs. Calciumhydroxid

2018 November

12.11.2018 Zahn 46 Behandlungssitzung 4 – WF

2019 Februar

04.02.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 1- Entfernung Krone, Entfernung Wurzelstift, initiale Wurzelkanalbehandlung, um Patency sicherzustellen als Voraussetzung für Weiterbehandlung, Aufbau des Zahnes mit Composite

12.02.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 2- Präparation für Kunststoffkrone, Kunststoffkrone (Protemp Garant, leider nicht röntgensichtbar) mit Rely X eingegliedert

21.02.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 3- Aufbereitung

28.02.2019 Zahn 46, Behandlungssitzung 5 – postendodontische Stabilisierung mit Composite

2019 Mai

09.05.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 4 – WF

28.05.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 5 – Glasfaserstift mit Rebilda eingegliedert

2019 Dezember

05.12.2019 Recall Zahn 46 13 Monate nach WF, Zahn 45 6 Monate nach WF

Und hier die Röntgenbilder im zeitlichen Verlauf.
Schön zu sehen, die Knochenregeneration im Laufe der Zeit.
Nicht nur apikal  46 und 45, sondern an Zahn 46 sowohl  distal wie auch interradikulär eine ebenso deutliche wie erfreuliche Verbesserung der ossären Situation gegenüber dem Ausgangsbefund.

 

 

 

 

DICOM Export Pflicht vorerst ausgesetzt

Weil wir im Kreise der WURZELSPITZE – Autoren gerade das Thema hatten, vielleicht auch für den einen oder anderen hier noch nicht bekannt und interessant/ wichtig: Die für 01.01.2020 vorgeschriebene Pflicht des Exportes von Röntgenbilder im DICOM – Format ist vorerst ausgesetzt. 

Eine entsprechende Quelle findet man hier.

Hintergrund – Die Industrie hat nicht rechtzeitig die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, es müssten demnach eine Vielzahl von Röntgeneinrichtungen vorübergehend stillgelegt werden.

Das freut sich zumindest eine mir bekannte Kollegin, der man von Deoptseite her angekündigt hatte, ihr wenige Jahre altes Röntgengerät sei nicht DICOM – kompatibel und müsse gegen ein neues getauscht werden.

 

 

 

 

Bezugsquelle Produkte Meta Biomed in Deutschland

Weil es sicherlich von allgemeinem Interesse ist, antworte ich auf die Frage nach der Bezugsquelle der Meta Biomed-Produkte nicht in den Kommentaren zu den Artikeln hier und hier, sondern in diesem Beitrag.

Bei dem verwendeten Calciumhydroxid handelt es sich um „Metapex“ der Firma Meta Biomed. Das Präparat ist nicht in Deutschland offiziell erhältlich. Grund ist eine nicht vorhandene Zulassung.

Es gab und gibt vermutlich nachwievor den Bezug über ADS /Vaterstetten.

Ich habe das Material allerdings, wenn immer möglich, von meinem USA-Besuch des New York Greater Dental Meeting mitgebracht. Zum Messe-Vorzugspreis, der im Hinblick für die von uns im Zeitraum benötigte Menge sogar die Flugkosten (ich flog allerdings immer Economy, nur das keine Missverständnisse aufkommen)  ,-) überkompensierte.

In Deutschland frei erhältlich ist das jodidfreie Alternativpräparat „Metapaste“.

Allerdings bleibt das Problem, das Meta-Produkte in Deutschland nur schwer erhältlich sind. Der einfachste Weg ist vermutlich, sich direkt an das Deutschland- Büro mit Sitz in Mühlheim zu wenden. Frau Park ist Koreanerin und spricht Deutsch.

Frau
Sinny Park
META BIOMED EUROPE GMBH
Wiesenstraße 35
45473 Mülheim an der Ruhr
Tel +49 208 309 91910
Fax +49 208 30 991 999

europe@meta-europe.com

 

Oder eine Email (in englischer Sprache) an den Präsident Meta Biomed USA/Südamerika/Europa Mr. Ian Yun.

ian@metabiomed-inc.com

Fall zum Wochenende Teil 3

Bislang berichtet wurde über diesen Fall hier und hier.

Wie ging´s weiter.

Ich hätte nicht übel Lust gehabt, die Behandlung gar nicht erst anzufangen.
Zur Erinnerung. Die Patientin betrat auf Grund einer Wartezeit von 30 Minuten zutiefst erzürnt das Behandlungszimmer.
Aber CAVE – gerade solche Patienten bergen auch bei Nichtbehandlung ein hohes Konfliktpotential. Eine wohl abgewogene Vorgehensweise ist zwingend erforderlich, zumindest sinnvoll, will man noch mehr Schwierigkeiten im Nachgang vermeiden.

Und in unserem Falle hatte die Patientin ja in der Tat 30 Minuten gewartet, das war Fakt, egal wie man ihren furienhafter Auftritt für sich selbst bewerten möchte.

Ich habe also die endodontische Behandlung, wie für die erste Behandlungssitzung anvisiert, durchgeführt. Es war extrem schwierig, aber ich konnte die Kanäle apikal  erschliessen und Patency herstellen, so dass aus meiner Sicht eine Weiterbehandlung als sinnvoll anzusehen war.

Dies habe ich der Patientin mitgeteilt.
Und sie anschließend an ihre Hauszahnärztin zurücküberwiesen.

„Wir haben die Voraussetzungen geschaffen dafür, dass ihre Hauszahnärztin die Behandlung wie von Ihnen gewohnt, weiter- und zu Ende führen kann.“

DAS allerdings wollte die Patientin aber auch nicht. Resolut antwortete sie : „Ich möchte, das SIE die Behandlung weiterführen!“

„Es tut mir leid, aber ich sehe mich ausserstande, ihre zeitlichen Erwartungen Ihnen garantieren zu können“, erwiderte ich.

Darauf die Patientin kühl:  „Ich denke, wir sollten das Ganze professionell angehen. Ich war verärgert. Und ich habe, das ist mein gutes Recht, meinem Ärger Ausdruck gegeben. Ich betrachte die Angelegenheit damit als erledigt.“

Und – um es vorweg zunehmen, genau so handhabte sie das die weiteren Behandlungstermine. Als hätte es ihren Auftritt nie gegeben.

Nachfolgend 3 Zahnfilme. Vor der Behandlung, nach Applikation CaOH2, nach WF.

 

 

 

 

Jahresrückblick 2019

Viele Dinge, die angesprochen werden sollten, finden sich hier wieder.

Ich fand es fast durchgehend zutreffend und keine Sekunde langweilig.

 

In den YouTube – Kommentaren habe ich dann den Hinweis auf den SPON – Veriss gefunden

 

https://www.spiegel.de/kultur/tv/dieter-nuhr-satirischer-jahresrueckblick-in-der-ard-a-1302145.html#js-article-comments-box-pager

Und empfehle, danach die Kommentare zu studieren.

 

 

 

Vom Cavit-Saulus zum MD Temp Plus-Paulus

Viele Jahre lang, eigentlich mein gesamtes zahnärztliches Schaffen hindurch habe ich kein Cavit benutzt. Diese zunächst weiche, klebrige Masse, die sich nicht adäquat formen und ausarbeiten lässt. Und beim Ausbohren sich genauso ätzend, weil verschmierend verhält. Nicht dauerhaft kaustabil ist. Auch die vermeintliche Zeitersparnis bei Legen relativiert sich, vorausgesetzt, man benutzt zum Verschluss der endoodntischen Zugangskavität einen schnellabbindenden Glasionomerzement. Welcher innerhalb von 2 Minuten ausgehärtet und okklusal adäquat adjustiert ist. Diesen „unnötigen“ Luxus gönn ich mir. Der sich immer wieder auszahlt. Weil eben kein Patient unvorhergesehen in der Praxis steht, dem das Cavit- Provisorium verlustig gegangen ist oder  – Szenario 2 – zur Weiterbehandlung sich vorstellt mit einem seit Tagen schon offenen Zahn, er aber die Praxis nicht extra aufsuchen wollte. „Ich hatte doch den Termin sowieso.“ 

Na, kommt das bekannt vor ? 

Und dann hatten wir noch das Problem, dass unser Cavit (aus der Tube wohlgemerkt) nach der Erstentnahme zwangsläufig trotz Schraubverschluss vor sich hin atmend zum Zeitpunkt der Wiederverwendung sich als ausgehärtet und damit unbrauchbar präsentiert. 

Dabei hat das Material sehr wohl in der Endodontie Vorteile.
Oder sollte ich besser den Singular gebrauchen, einen großen Vorteil. Es ist ein sehr dichtes Material. Das dichteste überhaupt sogar, das darüberhinaus leicht feuchtigkeitsaffin sich präsentiert. Ein im Hinblick auf zu verwendende medikamentöse Einlagen im Wurzelkanal sicherlich ein nicht unwillkommenes Produktmerkmal. 

Aber – am Ende des Tages reichte das alles nicht aus, um die Bedenken bzw. die Tag für Tag erlebten Nachteile zu überkompensieren. 

Cavit kam daher in unserer Praxis nur sehr selten bis gar nicht zum Einsatz.
Zum Beispiel seit kurzem im Notdienst.
Seit uns von KZV-Seite her verboten wurde, Füllungen zu legen, wenn ein Patient mit rausgefallener Restauration dort sich vorstellte.
Das sei unkollegial.
Und beim Schmerzpatienten eine Lege Artis Endo (VitE, WK) durchzuführen sei unwirtschaftlich. Und Röntgen im Notdienst so gut wie nie notwendig. O Tempora, o mores ! Oder, wie es der geschätzte Kollege und „Memorix Zahnmedizin“- Autor Thomas Weber in einem Satz zusammenfasst #Deutschland_ist_nicht_zu_retten.

Da kam dann eine Produktprobe von Meta Biomed gerade richtig.

Erinnern Sie sich noch ? 
Früher konnte man neue oder unbekannte Produkte ausprobieren.
Weil die Firmen diese kostenlos zur Verfügung stellten.
Heute ist diese Geste – die (mit Speck fängt man Mäuse) sicherlich eine sinnvolle war, allerdings den Controllern in den Firmenbuchhaltungen, weil nicht quantifizierbar, offensichtlich nicht zu vermitteln ist – eigentlich nicht mehr vorhanden.
Der Hinweis auf das Anti – Korruptions- Gesetz bietet den Firma einen willkommenen Alibi-Lendenschurz für das Nicht-Zahlen-Wollen. Sei es drum. 

Auf der IDS 2017 kam mir eine Döschen MD Temp in die Hände. 

Lag danach in irgendeinem Schrank verborgen.
Bis zum dem Tag, an dem wieder einmal die Hiobsbotschaft verkündet worden war, die Cavit-Tube sei eingetrocknet. 

Fast Forward.
MD Temp Plus. Kam. Sah. Siegte.

Dieses Material macht- zu deutlich kleinerem Preis – alles viel viel richtiger, besser als der Marktführer. Die Konsistenz ? Nicht zu weich, nicht zu fest. Und vor allem nicht klebrig. 

Das Resultat. Nicht nur, dass Cavit aus unserer Praxis fast vollständig verdrängt wurde, vielmehr hat sich durch MD Temp Plus unser endodontischer Workflow – man möge fast schon sagen – revolutionär – verändert.  Wir setzen MD Temp Plus in jedem einzelnen endodontischen Fall ein. Nach Applikation der medikamentösen Einlage folgt – seit vielen Jahren – zunächst die Abdeckung mittels sterilem Teflonband. Gegen Feuchtigkeit aus dem Wurzelkanal kann so wirkungsvoll agiert werden.  Soweit,  so gut, so bewährt, so bekannt. Eventuell verbliebene Restfeuchtigkeit, sie denn noch vorhanden sein sollte, toleriert das in einer ca. 2 mm dicken Schicht eingebrachte  MD Temp Plus souverän. Den Abschluss bildet wie gewohnt  die kaustabile Deckfüllung aus Glasionomerzement, auch dieses Material in geringem Maße feuchtigkeitsverzeihend. 

Alles in Allem erreichen wir so auf schnelle Art und Weise eine kaustabile, dauerhafte, baktiereindichte Deckfüllung, die sich in der nächsten Sitzung schnell und einfach wieder entfernen lässt.  Und das  MD Temp Plus sogar etwas weniger schmiert als Cavit.

Das Döschen hält im Übrigen sehr lange. Erfreuliches Detail –  ein vorzeitiges Aushärten musste nicht, wie früher so oft,  festgestellt werden. 

Mein Fazit: Uneingeschränkte Empfehlung. MD Temp Plus – ein Material, dass wir nicht mehr missen wollen. 

Zum Heilig Abend 2019

Wie wird es weitergehen mit WURZELSPITZE im Jahr 2020 ?

Die wichtigste (und – dem heutigen Tage angemessen- selbstverständlich gute) Nachricht zuerst.

Wir werden WURZELSPITZE weiterführen.
Und zwar nicht nur – wie zunächst vorgesehen – bis zum 30.09.2020, sondern vielmehr das ganze Jahr 2020 hindurch.
Bis hin zu 31.12.2020.

Weil sich genügend Leute angemeldet haben.
Zumindest, um die Kosten zu decken für die Seite und die Begleitleistungen drumherum, die damit verbunden sind. Wir weiterhin davon ausgehen, dass die Leute, die sich bis dato eingeschrieben haben, auch für das Jahr 2020 sich einschreiben werden.
Und im Laufe des Jahres noch ein paar Leute hinzukommen.

Der Jahresbeitrag für 2020 beträgt für StudentInnen 24 Euro, für angestellte ZahnärztInnen 48 Euro, für ZahnärztInnen in eigener Praxis 96 Euro und für die WURZELSPITZE Plus-UnterstützerInnen 240 Euro. Die Überweisung (Bankdaten folgen nach Weihnachten) bitte bis spätestens 14.01.2020 auf das Konto einzahlen. Überweisungszweck- Teilnahmegebühr QZ Wurzelspitze 2020. Den vollständigen Namen nicht vergessen.

Sollte Jemand bis zum 14. Januar 2020 nicht überwiesen haben, gehen wir davon aus, dass kein weiteres Interesse besteht und wir nehmen die Person aus dem Verteiler.

Im Jahr 2020 wollen wir – zusätzlich zum Bekannten und Bewährten – versuchen, neue Wege zu gehen.
Das Blog soll interaktiver werden.
Wir wollen neue Formate ausprobieren.

Weitere Webinars sind angedacht und darüber hinaus Fragestunden, Fallbesprechungen, virtuelle Studiengruppen oder Ähnliches. Wie das Alles konkret aussehen und ablaufen wird, wissen wir selbst im Detail so genau noch nicht. „Neuland“ eben. Entdecke die Möglichkeiten. Immer vorausgesetzt, das ein entsprechendes Interesse beim Leser da ist. Das werden wir ausprobieren, setzen auf euer Feedback und werden im weiteren Verlauf entscheiden, inwieweit in die eine oder andere Richtung wir uns stärker engagieren wollen.

Sicher gesetzt ist auf jeden Fall schon einmal das angekündigte WURZELSPITZE-Event am 12. September.

Ein Vortrags-Tag.
Das Motto ?

Die Drei reden über…

Zugegeben, nicht unbedingt der eingängigste und naheliegendste Name für eine endodontische Fortbildung.

Dazu muss ich weiter ausholen.
Wer hat das diesjährige Tagungsprogramm der DGET gesehen?
Oder war im September in Wien bei der ESE?

Was von den dort dargebotenen Vorträgen hat mich angesprochen?
Bringt mich in meinem tagtäglichen Arbeiten weiter ?

Meine frustrane Antwort.
Wenig bis fast gar nichts.

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Mit Sicherheit sind diese Programme und Kongresse interessant und wichtig für viele Kollegen, die sich der Endodontie zuwenden. Sie werden ganz viel lernen können. 

Aber wir anderen? Die diesen Lernprozess schon hinter sich haben.
Was wird es uns bringen?
Konkret???

Ein Vortrag im Jahr 2019 über die elektrische Längenmessung, der in dieser Form vom gleichen Referenten schon 2001 gehalten wurde und seitdem immer wieder auf den unterschiedlichsten Podien wiederholt wurde?
Brauchen wir das?
Wollen wir das?
Noch?

Vermutlich ebensowenig wie die 35. Vorstellung des 36. Ni-Ti-Systems, von dem selbst der Hersteller hinter vorgehaltener Hand zugibt, das das Schwierigste des gesamten Schaffungsprozesses es war, einen eingängigen Produktnamen zu finden, der noch nicht vergeben war.

Wie besser machen?

Nun – wir hätten gerne Details.
Möglichst viele.
Nicht nur den immer gleichen 45 Minuten langen groben Überblick, von dem auch noch 42 Minuten hinreichend bekannt sind.

Wie wäre es stattdessen mit –  Könner ihres Faches stellen ihre Behandlungssystematiken und Behandlungsstrategien vor ? 

Gab es schon.
Legendär. Cliff Ruddle.
Neue Gruppe. Ulm. Geschätzt 1997. Und dann noch mal 2001. 2002. 2007.
War immer toll. Aber auch schon über 20 Jahre her.

Jetzt also – „Die Drei reden über…

Ein neues, noch nicht dagewesenes Format. 

Wir gehen einen wichtigen Schritt weiter. 

Wir sind „Die Drei„.
Hans-Willi Herrmann. Christoph Kaaden. Jörg Schröder.

Tauschen uns seit 2001 intensiv miteinander aus.
Und haben dabei festgestellt – 5 Euro ins Architektur- Geschichte Phrasenschwein – „God is in the details.“ Oder die Tücke. Oder der über Erfolg und Mißerfolg, über Mediokrität oder Endodontic Excellence entscheidende Unterschied,  der im Detail zu finden ist.  

Und auf genau diese Unterschiede in den Details stösst man, falls über den allgemeinen, seit ewigen Zeiten nachgebeteten Grundkonsens –  wie man Endo machen sollte – hinausgehend nachgefragt wird.

Wenn es dann konkret wird.
Also – so richtig konkret wird.

Dann zeigt sich, im intimen persönlichen Erfahrungsaustausch, in der Fallbesprechung untereinander, dass selbst 3 ausgesuchte Spezialisten klinische Situationen ganz unterschiedlich angehen. Oft sogar erstaunlich unterschiedlich.  Teilweise konträr unterschiedlich. Die Gestaltung der Zugangskavität. Die initiale Erschliessung. Die Gleitpfaderstellung. Die Längenbestimmung. Die finale Aufbereitung.

3 mal ganz unterschiedlich.

Sogar, wenn wir die gleichen Instrumente benutzen sollten.
Was wir nicht tun.

Ist die Botschaft angekommen?

Bei „Die Drei reden über…“ schauen wir gewissermaßen mit dem Vergrößerungsglas, besser noch, platter aber natürlich- wo sonst, wenn nicht hier.- naheliegender Vergleich-  unter Operationsmikroskop- Kontrolle auf alle Feinheiten der Behandlung.
Starten am 12. September mit der Aufbereitung von A – Z.

Und fragen uns, gegenseitig, im Dialog und Kreuzverhör – stellvertretend für das Auditorium:

„Warum machst Du das ???
„Da wär ich nie draufgekommen. Weil, ich wäre das ganz anders angegangen.“
„Ach ja, wie denn, jetzt bin ich gespannt?!? Zeig her!“

Einen ganzen Tag lang, wohlgemerkt.
Nicht nur die alibimäßig eingeräumten „für eine Frage ist gerade noch Zeit“ 3 Minuten, die auf den großen Kongressen im Zeitplan dafür vorgesehen sind.

Und, lieber weihnachtlich gestimmter Leser ?
Wäre das was ?

Dann ruhig schon mal ein „Ich bin dabei am 12. September“ in die Kommentare schreiben. 

WURZELSPITZE Plus- Teilnehmer profitieren im Übrigen gleich auf zwei Arten bei „Die Drei reden über…„.

Zum einen garantieren wir allen WURZELSPITZE Plus-Teilnehmern einen Platz bis zum 30.03.2020. Unabhängig von der Zahl der Anmeldungen. 

Zum anderen verringert sich für WURZELSPITZE Plus- Teilnehmer  die Teilnahmegebühr um 60 Euro. Und zwar nicht als Early Bird – Rabatt,  sondern dauerhaft. 

In diesem Sinne – Frohe Weihnachten und ein tolles Jahr 2020 !

 

Es gibt viele Arten, auf eine Mahnung zu antworten. Das hier ist eine davon.

Sehr geehrte Herr Dr. Herrmann,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie hiermit darüber informieren, dass ich soeben eine Zahlungserinnerung zu der Rech.-Nr. 20524 auf postalischem Weg von Ihnen erhalten habe.
Diese habe ich selbstverständlich umgehend beglichen.

Dennoch möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass mich niemals eine Rechnung (Datum der Rechnung: 16.07.2019) erreicht hat und ich eine telefonische Erinnerung einer schriftlichen Mahnung vorgezogen hätte. Genug Zeit wäre seit Juli gewesen!

Nichtsdestotrotz wünsche ich Ihnen und dem gesamten Team Frohe Weihnachten und ein zufriedenes Jahr 2020.

Duplizität der Ereignisse – Apical Split

Am Montag stellte Jörg Schröder den Fall eines Oberkieferprämolaren mit tiefliegender apikaler Aufspaltung des Wurzelkanals in 2 getrennt voneinander verlaufende Kanäle vor.

Und einen Tag später stellt sich diese Patientin bei uns vor.
Vermutlich kommen solche exotischen Wurzelanatomien doch häufiger vor, als man denkt.

Ich werde berichten, wie sich der Zahn 15 im Rahmen der WF- Revision präsentieren wird.

Rückblick 2019 Ausblick 2020

Seit 1. Oktober 2019 ist WURZELSPITZE wieder auf Sendung.

Wir freuen uns.
Über die Wiederaufnahme.
Weil wir nachwievor Freude daran haben, unser Wissen weiterzugeben.

Und haben festgestellt, dass uns das neue Format neue Möglichkeiten gibt.
Der private Rahmen – nur angemeldete und damit bekannte Leser, nur ZahnärztInnen, also ein interner Kreis mit obligat Fachkundigen – erlaubt eine freie Aussprache, wie sie in dieser Form prinzipbedingt vor unserer DSGVO – Zwangspause –  wir waren ein offenes Forum – nicht möglich war. Vor allem im Bezug auf Themen, die in der Regel nur unter guten Freunden hinter der sprichwörtlich vorgehaltenen Hand angesprochen werden. Beiträge wie „Der maligne Patient“ wären im frei zugänglichen Blog WURZELSPITZE nicht machbar gewesen. Genauso wenig konträr diskutierte standespolitische und berufspolitische Themen oder Kritik an den Machenschaften der Dentalindustrie. Ich erinnere nur an die Unterlassungsdrohung der Firma „Lege Artis“, weil wir es vor vielen Jahren gewagt hatten, im Zusammenhang mit einer Osteonekrose nach Toxavit-Einlage den Namen des Produktes zu nennen.

Von der Resonanz zu WURZELSPITZE 2.0 sind wir sehr angetan.
Uns war klar, das nur ein Bruchteil der Leser von früher uns weiter folgen würden. In dem Moment, wo es was kostet, trennt sich die Spreu vom Weizen. Das ist in unseren Praxen so, die Patienten betreffend, warum sollte das bei den Kollegen anders sein. Auch die Tatsache, dass es sich beim angesetzten Monatsbetrag um einen geringen, im Berufsalltag irrelevanten und darüberhinaus nach Berufszugehörigkeit/Finanzlage gesplitteten Betrag handelt, der aber scheinbar den Unterschied zwischen Lesenwollen und Nichtlesenwollen ausmacht, sagt viel aus.

Umso mehr haben wir uns über die KollegInnen gefreut, welche spontan und zeitnah sich der WURZELSPITZE-Neuauflage angeschlossen haben.
Oder sich sogar für die WURZELSPITZE Plus – Variante entschieden haben.
Uns damit das Zeichen gegeben haben, für das Jahr 2020 mit WURZELSPITZE weiterzumachen.

An dieser Stelle möchte ich schon einmal ankündigen, sich den 12.September 2020 vorzumerken. Das Datum steht fest für einen Vortrags-Tag, wie es ihn in dieser Form noch nicht gegeben hat bislang.

Am 24. werde ich hierzu mehr berichten, unser Beitrag zu Heilig Abend.
Und es gibt einen Bonus für die WURZELSPITZE Plus – Teilnehmer. Sie profitieren, sowohl was die Anmeldung, wie auch die Teilnahmegebühr angeht.

Darüber hinaus haben wir uns für 2020 entschlossen, über die Nutzung der Kommentar- Funktion hinaus, den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, über das demnächst in Funktion tretende WURZELSPITZE-Email-Forum auch untereinander in Dialog zu treten. 1999 habe ich ENDONEWS, das erste deutschsprachige Emailforum zum Thema „Endodontie“ ins Leben gerufen. In meiner Zeit als Moderator kam es über viele Jahre hinweg zu einem intensiven, offenen und produktiven Dialog, rückblickend das goldene Zeitalter des virtuellen endodontischen Internet- Qualitätszirkels. Diese Atmosphäre wollen wir wiederbeleben, dem Erfahrungsaustausch ein Medium geben, welches es leider in den letzten Jahren zusehends verloren hat.

Die strikte Beschränkung auf die Gemeinschaft der  WURZELSPITZE – Teilnehmer soll auch hier die Intimität und Verschwiegenheit der Gruppe gewährleisten und einen freundlichen respektvollen Umgang untereinander fördern.

 

 

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 10

Es war in den Schlagzeilen, füllte sogar die Feuilletons der renommierten Tageszeitungen.
Diese Woche ist Marie Fredriksson, die Sängerin des schwedischen Pop Duos Roxette verstorben.

Eine Band der 80er.
Nicht meine musikalische Welt.
Auch wenn die 80er ja einen großen Teil meiner musikalischen Prägung bestimmten. Welche auf 4 Säulen sich stützt: Elektronische Musik. Schwarze Musik (Funk, Soul). Jazz und Klassik.

Und daher die zweite Todesnachricht der Woche schon eher meine Kreise berührt, auch wenn ich mit dem Namen Bodo Staiger nichts anfangen konnte.
Dafür umso mehr mit dem Lied „Dreiklangsdimensionen“ der Gruppe Rheingold.
Beides der „Neuen Deutschen Welle“ zugeordnet, was dem Lied in seiner Qualität und Ernsthaftigkeit nicht gerecht wird.

Über die Neue Deutsche Welle wird sicherlich später einmal an dieser Stelle gesprochen werden, heute wollen wir uns den späten Siebzigern und frühen Achtzigern und vorrangig Musik aus England zuwenden. Von dort kamen nämlich die musikalischen und modischen Inputs, die meine Jugend, genauer gesagt meine späten Teenie-Zeiten bis in die Mitzwanziger Jahre hinein, prägten.

Beginnen wir also unseren Freitag Abend Musikreigen mit einem Lied, das für mich persönlich die 80er Jahre wie kaum ein anderes repräsentierend in der Erinnerung heraufbeschwört.

West End Girls.
Pet Shop Boys.

Und so ziemlich auch das einzige Lied, das in der Provinzdisco gefeiert wurde, konkret im „Las Palmas“ in Meisenheim, bevor es überhaupt seinen globalen Siegeszug antrat. Es gab nämlich eine 1984 schon veröffentlichte Ur-Version. Von Producerlegende Bobby Orlando produziert. Und die wurde mit „Burn Burn Burn“ Rufen vom Nahe- und Glanregion Red Neck-Auditorium gefeiert.

So provinziell war das „Las Palmas“ im Übrigen gar nicht mal, immerhin ein ziemlich großer Schuppen. Mit respektabler Lasershow, die ihren Vergleich mit der Disco aller Discotheken (das New Yorker Studio 54 mal aussen vorgelassen), dem Dorian Gray am Frankfurter Flughafen nicht scheuen brauchte. Mein erster Besuch dort wird mir für immer unvergessen bleiben. Die Autobahn – des Hörensagens nach zu dieser Zeit die einzige vierspurige in Deutschland – ohne Verkehr. Wir liefen kurz vor Mitternacht ein, einen unendlich langen verwaisten Korridor im Untergeschoss hinunter, der Flughafen menschenleer. Beides heute unvorstellbar.

Die spannende Frage, würde uns der Türsteher durchlassen.
Im Innern erstklassiger Sound aus JBL-Lautsprechern.
Die vermeintlich ganz Coolen lehnten in den mannshohen Basshörnern und erkauften sich ihren Status mit semipermanentem Tinnitus.
Und dann die Musik.

Being Boiled.
Von „The Human League“.
Die später mit Don´t you want me“ ihren Druchbruch feierten.

Vergleicht man die beiden Lieder miteinander und zieht ergänzend noch das spätere „Fascination“ hinzu, fällt die eklatante Andersartigkeit des Erstlingswerks auf. Nicht verwunderlich allerdings, wenn man weiss, das der Sänger Philip Oakey nur schmückendes Beiwerk, die wahre musikalische Kraft bei The Human Legaue aber Martyn Ware und Ian Craig Marsh waren. Die gründeten kurze Zeit später die Gruppe „Heaven 17“. Deren erste LP „Penthouse and Pavements“ mit (We don´t need this) Fascist Groove Thing noch zu rauh und unpoliert war, um mehr als einen Achtungserfolg zu erzielen. BTW History Repeated, man besingt darin die unverständliche Wiederwahl von Ronald Reagan, dem nicht ernstzunehmenden Hollywood- Schauspieler, der Präsident wurde. Später sollte Martyn Ware sich mit der Produktion des Tina Turner Comeback- Albums „Private Dancer“ seinen Platz im Pop – Mainstream sichern, als Heaven 17 blieben sie trotz Chart-Platzierungen im Mittelfeld und Anerkennung der Musikkritiker nur eine Interlektuellen-Minderheiten-Band. Aber immerhin. Being boiled war von der Kritik noch abgekanzelt worden: „Absichtlich mühsam, teuflisch aufreibend, sind sie so schön wie graue Zementplatten sein können, und in etwa genauso bunt“.

Düster und für Viele mindestens genauso verschreckend neuartig wie Being Boiled war Anne Clark. „Sleeper in Metropolis“ und „Our Darkness“ sind Pop- Musik Leuchttürme. Und der synthesizerunterlegte Sprechgesang war zur damaligen Zeit einzigartig. Und ist es in dieser dezidierten Form bis heute geblieben.

Aber Tanzen konnte man auf die Musik.
Da war wenige Jahre zuvor noch ganz anders.

Wenn Kraftwerk heute als die Erfinder oder Vorreiter des Techno ausgerufen werden, dann ist dies lediglich der Beweis für eine seltsame Verklärung der Realität durch die Zeit.

Kraftwerk, das war vollkommen verkopfte Musik, zum Tanzen vollkommen ungeeignet.
Die in Düsseldorf beheimatete Band – von ihrem Selbstverständis her und in ihrem Auftritt auf und neben der Bühne eher Kunstschaffende. Auch wenn der Bezug seinerzeit nie hergestellt wurde, vom artistischen Kontext her waren das Projekt mehr im Dunstkreis der Düsseldorfer Kunstavangarde um Joseph Beuys und Sigmar Polke anzusiedeln als in der ZDF-Hitparade.

Späte Rehabilitierung.
Bei einem vor ein paar Jahren aus sentimentalen Gründen besuchten Konzert von Kraftwerk im Karlsruher ZMK (man tritt gerne in renommierten Museen auf, sic!) lieferte die Band eine großartige Show. Ihr Repertoire behutsam an den musikalischen Zeitgeist angepasst, sich zeitgemäß und gerade dadurch zeitlos präsentierend, in einer Qualität und Wertigkeit, wie es die Originale nie vermitteln konnten. Ausdrücklich ausgenommen. Autobahn. Von Beginn an ein Meisterwerk, welches noch heute in seiner unveränderten Urform den „test of time“ besteht.

Zurück zu den Briten.
Die es früh schon verstanden, Härte, aber auch Tanzbarkeit in die elektronische Musik zu bringen. Stück für Stück hielten zudem Ästhetik und ausgefeilte Storylines in die Musikvideos Einzug. Gab es von den Liedern der späten Siebzigern keine Videos oder lediglich mitgefilmte Live- Auftritte, so hatte sich dies wenige Jahre später, M TV sei Dank, grundsätzlich gewandelt. Die hier benannten Gruppen – über „Human League“ und ihr durchgestyltes „Fascination“ wurde schon gesprochen – sind allesamt hierfür hervorragende Beispiele.

Die Pet Shop Boys drehten mit Bruce Weber, dem berühmten Fashion Fotografen ihr „Being Boring“ Video. Nachdem sie dessen Jazz- Doku über den Trompeter Chet Baker gesehen hatten und – mir ging es genauso – von der cineastischen Ästhetik begeistert waren. Wer auch nur die ersten Minuten der Doku sich anschaut, der weiss, warum Neil Tennant und Chris Lowe so angetan waren. „Let´s get Lost“ ein Film, der immerhin mit eine Oscar Nominierung bedacht wurde. Und – kleine Anekdote am Rande – mit dessen Director of Photography, Jeff Preiss, ich zufällig und zunächst unwissend der Identität seiner bei einer meiner Fototouren in New York bei einem Spaziergang den Hudson River entlang, mit ihm über die architektonische Qualität der Belüftungstürme des Holland Tunnel fachsimpelnd, ins Gespräch kam.

Und dann sind da noch „New Order“.
Die mit Sicherheit bei den Jungen eine Renaissance erleben werden. Prägt doch ihr „Blue Monday“ den Trailer des kommenden „Wonder Woman“- Hollywood- Blockbuster.

Im Video von 1983 noch zu offensichtlich schlecht gefaktem und asynchronen Play Back und mit Keyboarder im Bundeswehr-Hemd, ein in England in den Achtzigern immer mal wiederkehrendes provokantes Mode-Accessoire.

Im drastischen Gegensatz dazu 1987 „True Faith“ im durchchoreografierten stylischen und später preisgekrönten Pop Video. Produziert von einem Hollywood Regisseur. Bis heute ein Meilenstein der Musik- Video Historie.

Und – last, but not least – wir sind ja musikalisch in Great Britain, da passt diese Phrase wie die sprichwörtliche Faust auf s Auge.

The KLF.

Ein Künstler- Duo. Bill Drummond und Jim Cauty.
Die in die Öffentlichkeit traten mit dem Vorsatz, die Musikindustrie vorzuführen. Als musikalische Dilletanten einen Nr. 1 – Hit zu platzieren. Und in ihrem Buch „The Manual (How to Have a Number One – The Easy Way) detailliert ihre Vorgehensweisen beschrieben, wie man aus einer Handvoll Samples einen Nummer-eins-Hit konstruiert. Mit diesem Buch enttarnten Cauty und Drummond, Letzterer eine Zeitlang Manager bei einer Plattenfirma, klug und sarkastisch die Mechanismen des Musikgeschäfts.1992 gewannen die Beiden einen BRIT Award und absolvierten bei der Preisverleihung ihren letzten gemeinsamen Auftritt, der bis heute Kultstatus genießt: The KLF taten sich zum Auftritt mit der Black Metal Band Extreme Noise Terror zusammen, schossen mit Maschinenpistolen Platzpatronen in die Zuschauermenge und verließen nach einer zweieinhalbminütigen Grindcoreversion ihres Hits 3 A. M. Eternal und der abschließenden Durchsage „The KLF has now left the music business“ die Bühne. Die Verantwortlichen der BBC hatten gerade noch verhindern können, dass die Band Blut aus Eimern über das Publikum schüttete. Dafür hinterließ die Band bei der Aftershow Party allerdings einen Schafskadaver, der einen Zettel mit der Aufschrift „I died for you. Bon appetit“ trug.

Damit nicht genug. Einige Zeit später verbrannten die Beiden in einem videodokumentierten Happening 1 Million Pfund, nachdem sei zuvor den aufgeschichteten Banknoten- Stapel als Kunstwerk einem renommierten Britischen Museum zum halben Preis des Geldwertes angeboten hatten, ein Ankauf aber vom Museum abgelehnt wurde.

Dann tauchte The KLF vollkommen ab, um, wie zuvor angekündigt, nach exakt 23 Jahren wieder für einen Abend aufzutauchen. Alles in Allem, wir leben in einer Zeit des Kunstbetriebs, in der eine von einem Aktionskünstler mit Panzer Tape an die Wand geklebte Banane für 120.000 Dollar als Kunstwerk gehandelt und von einem anderen Aktionskünstler spontan gegessen wird, was den Wert der Installation dann noch erhöhen soll. Alles Dinge, die The KLF vor 30 Jahren schon vorhergesehen und gebrandmarkt haben. Und dann noch herausragende, auf Samples basierende Musik geschaffen haben. In künstlerisch anspruchsvolle, mit Ironie und Selbstironie gespickte Videos verpackt. Die Lieder ein Knüller. Man vergleiche mit Nr. 1- Hits von heute !

Überhaupt war die britische Musikszene damals gespickt mit noch einer Reihe mehr hochkarätiger Acts, sowohl auf der Musiker wie auf der Producer- Seite. Weiter geht es damit demnächst im 2. Teil.

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 9: „ELEKTIONSVORTEIL!“

Nein. Kein Schreibfehler.
Und wir sind auch nicht beim Glücksrad.
Niemand muss ein „S“ kaufen.

Also wirklich Elektionsvorteil.

Denn der Patient, der zu uns kommt, ganz gleich, ob auf eigene Veranlassung oder durch Überweisung, tut dies freiwillig.

Erwartet, wünscht einen Behandlungsoption.
Eine Alternative.

Die wir ihm anbieten.

Und dabei – und das ist jetzt ein ganz wichtiger Punkt – unser freundliches Angebot präsentieren, die Behandlung betreffend.

Welches wir, unserem Aufwand gemäß – im Rahmen der juristischen Vorgaben der Gebührenordnung – frei kalkulieren.

Und damit losgelöst von den Sachzwängen, die uns im Sinne unserer Verpflichtung als Kassenzahnarzt auferlegt wurden.
Kennen wir doch alle – Die Behandlung muss ausreichend, zweckmäßig, wirtschaftlich sein.

Wobei das Wirtschaftlichkeitsgebot nur für den finanziellen Rahmen gilt, den die Krankenkassen vorgeben. Nicht für den wie auch immer gearteten Aufwand, den wir betreiben müssen, um ein medizinisch adäquates, auf der Höhe der Zeit sich befindliches Ergebnis zu zielen.

„Wir zahlen Alles“, diesen Satz der Krankenkassen haben wir doch allzuoft gehört, ebenso wie die unverhohlen entgegengeschleuderte Drohung, diesmal von Krankenkasse und Zahnärztekammer unisono: „Als Kassenzahnarzt sind sie verpflichtet, dem Patienten eine kostenlose Kassen-Endo anzubieten.

2024 werde ich 34 Jahre nun schon als Zahnarzt behandelnd tätig sein.
Eine für mich surreale Situation.
Ich kann nicht glauben, dass dem so sein soll. Ich bin nun schon länger fertiger Zahnarzt als mein gesamtes Leben zuvor.

Und viele viele Jahre lang, mindestens 23 Jahre, genau genommen sogar 27 Jahre lang, habe ich mit dieser Last des „Machen Müssen“, des „Die Rahmenbedingungen fremdbestimmt vorgegeben Bekommen“ gelebt.
Gelitten.

All diese Einschränkungen.
Diese abstrusen Winkelzüge, die unternommen wurden, um ein krankes, längst bis in die kleinsten Bereiche hinein korruptes, pervertiertes System am Leben zu halten. Ihm nach aussen hin den Anschein des Korrekten, Bestmöglichen und Einwandfrei Funktionierenden zu geben. Gemäß der alten Maxime Christian Morgensterns „Nicht sein kann, was nicht sein darf“

 

Kleiner Exkurs ins Lterarische, soviel Zeit muss sein

 

Die unmögliche Tatsache


Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

»Wie war« (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
»möglich, wie dies Unglück, ja –:
daß es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, – kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht –?«

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
»Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil«, so schließt er messerscharf,
»nicht sein kann, was nicht sein darf.«

So werden Tag für Tag neue Winkel- und Klimmzüge unternommen, oder sagen wir besser, uns verordnet, die in vielen Fällen dem ärztlichen Denken und Handeln vollkommen konträr gegenüberstehen. Nur ein Beispiel von vielen, wir könnten stundenlang ähnliche Situationen aneinanderreihen: Der im 3. Quadrant alleinig fehlende Zahn 35 bedingt, dass für eine notwendige Wurzelkanalbehandlung des Zahnes 36 der gesetzlich versicherte Patient keine Kostenerstattung der enddontischen Kassenleistungen erfährt. Kassenleistung sei, so heißt es, die Extraktion des Zahnes. Aus medizinischer Sicht ist der Zahn 36 unbedingt erhaltungswürdig, er ist auch ohne Zweifel sogar unproblematisch erhaltungsfähig, dennoch verweigert die gesetzliche Krankenversicherung die Kostenübernahme. Der Kollege, der die Behandlung dennoch durchführt, wird in Regress genommen, ungeachtet des positiven Behandlungserfolges im Übrigen ( und zukünftig Dank der hochgelobten aber bislang katastrophal gescjheiterten TI, vollautomatisch und zeitnah, man erinnere sich zu gegebener Zeit an meine Worte).

Zurück zum Thema.
In früheren Jahren kam es immer wieder vor, das die von mir vorgesehene Behandlung grundsätzlich in Frage gestellt und die Rechtmäßigkeit der Behandlung an sich und/oder damit verbundener Kosten (ob richtig oder nicht) negiert wurde.

„Der darf das nicht“.
Sagen KZV und Krankenkassen.

UND GENAU DAS geht nicht mehr.
Habe ich nicht mehr.

Der Patient kommt.
Ich untersuche.

Nenne die durchzuführende Behandlung.
Und die damit in Zusammenhang stehenden Kosten.
Aufwandgerecht kalkuliert.

Und dann warte ich.
Auf die Antwort des Patienten.
Der – so ist das richtige Leben – sich gegen unseren Therapieplan entscheidet.
Oder seine Zustimmung gibt.

Dann jedoch zu genau den Rahmenbedingungen, die ICH vorgebe.
Und nicht die Krankenkassen oder die KZV.

Heißt – ich behandle, was ich behandeln möchte, zu den Konditionen, die ich frei bestimme.

Und es geht mir gut dabei.
Das wir uns richtig verstehen. Gut hat mit Geld nix zu tun. Gut heisst „gutes Gefühl“. Freude. Spass. Uneingeschränkt. jeden Tag erneut.

Wann hatten sie dies das letze Mal ? Hinter der Tür von Behandlungszimmer 1 ?

Ehrlich jetzt. Nur Mut. Trauen Sie sich. Ab in die Kommentare mit ihrem Frust.
Immer dran denken. Mir ging´s 27 Jahre doch genauso.
Also mit Sicherheit viel viel länger als Ihnen.

Darum schreib ich hier.
Machen sie nicht den gleichen Fehler, den ich viel zu lang gemacht habe.
In dem Zusammenhang – Was antworten Sie eigentlich auf die alles entscheidende Frage?
Die Frage nach der kostenlosen Kassenendo ?

 Über die klassischen Fehler, die in diesem Zusammenhang gemacht werden und die bestmögliche Antwort spreche ich in der nächsten Episode unter dem Titel „CATCH 22“.

 

Schöne neue Welt (2) Heute beim Hausarzt

Die Patientin, Anfang 50, Krankenschwester berichtet. Sie war heute beim Hausarzt. Nachuntersuchung nach Infektion Gürtelrose, im Krankenhaus diagnostiziert. Jetzt soll der weitere Verlauf beim Hausarzt nachkontrolliert werden. Man sitzt sich gegenüber. Der Hausarzt schaut in seinen PC. Sagen sie mal, sie haben ja noch an keinen Reha-Massnahmen teilgenommen? Und waren auch noch nie zur Kur. Das ist bei ihrem Beruf aber ungewöhnlich. Woher er das weiss? Er ist an die TI angeschlossen. Und kann alle Daten einsehen. Die Patientin ist entsetzt. Wenn der Hausarzt (und alle seine Mitarbeiter, Mitarbeiter der Krankenkassen oder des Krankenhauses) dies alles lesen kann, wie lange wird es dauern, bis sensible Informationen die Runde machen? Das war in der Vergangenheit ja schon so (Dschungelfunk im Haus), aber bekommt nun eine neue Dimension. Ganz glücklich ist der Hausarzt mit der TI aber auch nicht. Immer wieder Abstürze und die KV streicht unerbittlich Leistungen, die nicht korrekt über die TI + Karte abgerechnet wurden. Keine Diskussionen möglich, den Hinweis auf das zu dieser Zeit nicht funktionierende TI-System lässt man nicht gelten.

Schöne neue Welt (1) ApoBank und DIE ZA eröffnen erste „Zahnarztpraxis der Zukunft“

Schöne neue Welt

Die erste ZPdZ dient auch als Showroom (Foto: ZPdZ)

Im Oktober 2019 wurde in Düsseldorf die erste „Zahnarztpraxis der Zukunft“ (ZPdZ), ein Gemeinschaftprojekt der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und der ZA – Zahnärztliche Abrechnungsgenossenschaft (DIE ZA), eröffnet. Unter dem Namen ZAP*8 – Zahnarztpraxis am Seestern behandeln hier zukünftig vier Zahnärztinnen in Voll- und Teilzeit in Form einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) ihre Patienten. Am 8. November 2019 lud die ZPdZ zur Eröffnung und Führung durch die Praxis. Rund 120 Vertreter aus Standesorganisationen, Politik, Dental-Branche und Presse folgten der Einladung in die Praxisräumlichkeiten im Düsseldorfer Stadtteil Lörick.

Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), eröffnete die Feierlichkeiten mit einem Grußwort: „Die ZPdZ ist ein zukunftsweisender Ansatz. Mit dem Konzept der Mietpraxis auf Zeit bietet sie jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten die Möglichkeit, einen Weg in die Niederlassung zu gehen, ohne sofort unternehmerische Risiken schultern zu müssen. Begleitet von Profis, die neben zahnärztlichem Know-how innovative digitale Kommunikations-, Verwaltungs- und Behandlungslösungen zur Verfügung stellen, werden sie schnell die Chancen der Selbständigkeit in einer freiberuflichen Zahnarztpraxis schätzen lernen.“

Im Dezember 2018 haben apoBank und DIE ZA gemeinsam die Zahnpraxis der Zukunft GmbH gegründet, um ein neues Praxismodell zu entwickeln. Beide Unternehmen sind zu 50 Prozent an der Tochtergesellschaft beteiligt. Das Ziel des Gemeinschaftsunternehmens ist es, innovative und moderne Standards der zahnmedizinischen Berufsausübung zu entwickeln und so die Freiberuflichkeit in der Zahnmedizin zu stärken. Das Konzept der ZPdZ bietet niederlassungswilligen Zahnärzten die Möglichkeit, vollausgestattete Praxisräume zu mieten und somit das finanzielle Investment zu Beginn einer Praxisgründung in Grenzen zu halten. Die Zahnärzte werden dabei in allen Gründungsfragen auf ihrem Weg in die eigene Praxis begleitet und erhalten regelmäßige Coachings sowie Teambuilding- und Beratungsmaßnahmen. Die Auslagerung administrativer Serviceleistungen und volldigitalisierter Praxisprozesse sollen es den Zahnärzten und dem Praxis-Team ermöglichen sich auch die eigentliche zahnärztliche Tätigkeit zu konzentrieren.

Die erste Zahnpraxis der Zukunft soll zudem Erkenntnisse aus dem Realbetrieb liefern, um das Praxismodell der ZPdZ stetig weiterzuentwickeln. Darüber hinaus wurde die Praxis in Düsseldorf auch als Showroom konzipiert. Interessierten Zahnmedizinern soll diese Umgebung fortan im Rahmen von Hospitationen und Seminaren zugänglich gemacht werden. Parallel prüfen die Initiatoren, inwieweit Bedarfe und Möglichkeiten bestehen, ZPdZ-Praxen oder Teile des Konzeptes vor allem in ländlichen Regionen in die Versorgung zu implementieren. Vor diesem Hintergrund sei momentan ein zweiter Standort in einer kleineren Gemeinde in Niedersachen in der Konzeption. Die Planung erfolge unter Einbeziehung möglicher Kooperationspartner.

Fall zum Wochenende – reden wir Tacheles …

Vielen Dank für die Kommentare zum Thema.

Ich möchte als Einstieg in den heutigen Beitrag einen Kommentar herausheben:

Abend! Ich versuche immer den Patienten in so einer Situation sozusagen in die Position des Patienten VORHER zu dirigieren:“ Tut mir leid das ich bei dem Patienten gerade eben mehr Zeit benötigt habe als ursprünglich eingeplant weil noch ein akuter Schmerzpatient versorgt werden musste, aber ich nehme mir für jeden Patienten die Zeit die benötigt wird um die Arbeit optimal auszuführen, und breche nicht mittendrin ab nur um einen weiteren Patienten zu sehen, das verstehen Sie doch sicher. Sie wollen doch sicher auch das ich mir für Sie die selbe Zeit und Sorgfalt nehme, oder? Danke für Ihr Verständnis, dann wollen wir jetzt mal loslegen!“

So mach ich das. Wenn der Patient dann noch schlecht drauf ist biete ich neuen Termin an…

Wie läuft das bei euch?

Bei uns oder besser bei mir ist es so, dass jede Wartezeit des Patienten mir körperliche Schmerzen verursacht. Ich spüre gewissermassen mein Magengeschwür wachsen, wenn dem nicht so sein sollte. Ein Kollege erzählte mir einmal (und ich glaube ihm), dass ihm ganz egal sei, wie lange die Patienten warten müssen, auch wenn es Stunden sind. Ich bewundere das, denn es macht das Arbeiten soviel leichter, aber ich kann das nicht. Ich möchte, dass die Patienten punktgenau behandelt werden und wir tun ganz ganz viel, damit es auch genau so ist. Ein pünktlicher Behandungsbeginn, auf die Minute genau, ist also kein blosses Lippenbekenntnis, sondern in jedem einzelnen Falle Ziel unserer Planungsbemühungen.

Im vorliegenden Fall kann ich nicht einmal sagen, woran es lag, dass besagte Patientin 30 Minuten warten musste. War es eine plötzlich sich auftuende Komplikation in der Behandlung des Patienten zuvor oder kam ein Patient zuvor spät, denn auch das kommt vor.

Was ich aber weiss, ist, dass besagte Patientin sich im Vorgespräch schon als „ich sag mal resourcenfordernder“ Patient vorgestellt hat. Soll heißen, es sind ganz ganz viele Aspekte der Behandlung sowie aller Behandlungsalternativen erklärungsbedürftig, jedes noch so kleine Detail erfährt eine aussergewöhnliche Aufmerksamkeit, der entsprochen wird, mit dem dafür notwendigen und gelieferten aussergewöhnlichen Zeitrahmen.

Und jetzt komme ich auf obigen Kommentar zu sprechen und möchte antworten: Natürlich tun wir das und haben dies oft genug getan in der Vergangenheit, dieses Entschuldigen, Erklären und um Verständnis bitten.

Aber soll ich was sagen.
Diesen Patienten ist das vollkommen egal.
Die hören nicht mal zu.

Solche Patienten setzen als selbstverständlich voraus, dass wir NATÜRLICH alles Erdenkliche an Aufwand betreiben, um Ihnen zu helfen. ABER – darüber hinaus- selbstverständlich auch auf die Sekunde genau mit ihrer Behandlung beginnen. Genauso selbstverständlich wie wir mit der Behandlung warten, wenn sie selbst einmal, aus welchen Gründen auch immer, zu spät kommen. Zunächst aber ihre Zähne noch putzen möchten, dafür war auf der Arbeit keine Zeit. Und um Zahnbürste und Zahncreme bitten, die wir kostenlos für Sie bereithalten.

Fakt ist. Besagte Patientin weiss/sollte wissen, dass wir ihre letzte Chance sind, den besagten Zahn 46 zu retten. Ihr Hauszahnarzt (m/w/d – diese politisch korrekte Lächerlichkeit füge ich gerne hier an) hat den Zahn aufgegeben, der zu kontaktierende Implantologe sowieso. Bei uns hat die Dame gesehen, dass wir uns für Untersuchung/Beratung eine Stunde Zeit genommen haben. Und – Entschuldigung, der Ton macht die Musik, es hätte viele viele Wege gegeben, der Frustration über die Wartezeit angemessen Ausdruck zu verleihen, aber dem war nicht so.

Das Problem liegt also nicht (nur) bei uns, sondern (auch) auf Seiten der Patientin, ist ihrer individuellen Persönlichkeitsstruktur geschuldet.

Ich prophezeie schon jetzt mal an dieser Stelle, dass wir – entweder zeitnah oder irgendwann einmal in naher oder fernerer Zukunft die Erwartungen dieser Patientin nicht erfüllen werden.

Dumm nur, dass wir ausgerechnet in ihrem Falle über der Zeit waren. Wir mögen das ja selbst nicht. Vielleicht aber auch gut, denn so zeigt sich von Anfang an, auf welche Konflikte wir schon jetzt und zukünftig noch mehr latent hinsteuern. Und können uns fragen, ob wir uns das antun sollen. Denn – sollte die Behandlung nicht den gewünschten Erfolg zeigen – wie wohl wird die Patientin dies kommentieren aus ihrer Sicht der Dinge – Etwa – Ja, davon war leider auszugehen, dass dies, angesichts der Ausgangssituation so enden würde, aber VIELEN VIELEN DANK Herr Dr. Herrmann, wieviel Mühe sie sich gegeben haben. Oder eher – Wenn ich DAS gewusst hätte, dann hätt ich mich niemals hier so lange quälen lassen und dann das viele Geld, das ich jetzt zum Fenster rausgeschmissen habe, na vielen Dank dafür, ich hätte auf (wen auch immer) hören sollen, jetzt muss ich die Wurzelkanalbehandlung und das Implantat doppelt bezahlen.

Hören wir als auf, ich spreche hier aus eigener Erfahrung oder ich sage besser aus eigener Dummheit heraus, zu denken, uns jeden Stiefel anziehen zu müssen. Richtig, die Patientin musste warten, das war nicht unsere Schuld, wir haben weder getrödelt zuvor noch falsch eine klinische Situation eingeschätzt, aber wir sind letztlich verantwortlich dafür und jegliche Zeit ist kostbar. Heute ganz offensichtlich mehr denn je. Aber wir werden diese Problematik in unserem Bereich nie grundsätzlich ausschliessen können. Es sei denn wir behandeln nur ganz wenige Patienten am Tag und lassen zwischen besagten Patienten sehr sehr viel Luft, um alle Eventualitäten aufzufangen. DAS ist unrealistisch, wenn man nicht gerade der Leibzahnarzt vom Kim Yong Un ist, und auch das ist kein erstrebenswertes Berufsziel.

Wartezeiten, wie die erlebte, werden nie grundsätzlich vermieden, maximal das Risiko und das Ausmaß dessen wird reduziert werden können.

Und jetzt der Blick hinaus durch die nebelbeschlagenen oder in vielen Berufsjahren eingetrübten Glasscheiben des zahnärztlichen Gewächshauses.
Reiben wir doch mal an der Scheibe, wischeln diese sauber und was sehen wir dann ?

Waren Sie schon mal in letzter Zeit in einer anderen Arztpraxis, einem Krankenhaus ?
Auf einer Behörde ? Der KFZ – Zulassungsstelle? Am Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn? Immer, wenn ich von dort zurückkomme, empfinde ich unsere Praxis aus der Sicht des gerade Erlebten als einen Ort, einen Hort der Glückseligkeit.

Und denke dann immerzu an eine Patientin aus meiner Zeit als Allgemeinzahnarzt, welche vor vielen Jahren, bis heute unvergessen, die Wartezeit auf ihre Prophylaxesitzung bemängelte, im gleichen Satz jedoch anfügte ACHTUNG Realsatire – Eigentlich kommt man (bis auf heute) ja bei Euch immer sehr schnell dran, bei meinem (angesagten) Friseur warte ich trotz Termin JEDES MAL 2 – 2,5 Stunden.

Die Lehre aus besagtem Vorfall.
Wir überprüfen unser QM: Warum musste die Patientin warten ? Hätten wir es vermeiden können? Wie können wir dies zukünftig im Vorfeld ausschliessen ? Was können wir tun, um die Wartezeit und die Frustration des Wartenden abzufedern ?

Aber darüber hinaus.
Auch.
Manchmal liegt das Problem nicht bei uns.

Und in solchen Fällen.

Nur in solchen Fällen, wohlgemerkt.

Hören wir auf, uns ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen.
Der Patient – der unsere Bemühungen offensichtlich nicht adäquat anerkennt – ist frei, sich einen Ort zu suchen, an dem es ihm besser gefällt.

Das ist eine Win Win – Situation.
Wir freuen uns.
Für besagten Patienten.
Für unsere Patienten. Die wir statt dessen behandeln können.

Und für uns, unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit. Unser Leben.

Freitag Abend Youtube Video Episode 9

Diese Woche fand in New York das New York Greater Dental Meeting statt. Eine Art nordamerikanische IDS mit zusätzlichen Fachvorträgen und Kursen. Für Alle, die in diesem Jahr nicht teilnehmen konnten, eine musikalische Reise durch den „Big Apple“, die Stadt, die niemals schläft. Frank Sinatra bewusst ausgenommen, Frühstück bei Tiffany hatten wir schon hier.

Beginnen möchte ich mit zwei Beiträgen, die ich eher in die Rubrik „Nicht Mainstream“ einordnen würde, die aber beide die Ambivalenz, die New York in sich trägt, widerspiegeln. Nicht gerade der gefälligste Einstieg, aber vielleicht gerade deshalb ein angebrachter.

Und hier noch eine Variante mit Miles Davis als „voice over“. Kompliment an den Mixer, als hätte der „Godfather of Jazz Trumpet“ seine Klänge original drübergelegt.

New York hat sich erneut gewandelt in den letzten Jahren.
Schneller und schneller hat diese Stadt nach der 2008er Bankenkrise sich dem Turbokapitalismus wieder zugewandt. Nicht verwunderlich, wo sonst, wenn nicht hier. Unglaublich viele neue Wolkenkratzer und in den letzten Jahren eine stark zunehmende Zahl an Obdachlosen, die Seite an Seite mit den bei laufendem Motor auf ihre shoppende Kundschaft wartenden Luxulimousinen sich die Bürgersteige teilen. Kommt alles wieder ? Hoffentlich bleibt es lediglich beim musikalischen Rückblick auf die Anfänge des Rap (nix LA, nix Compton, hier an der Ostküste, im Big Apple gings los). 3 Lieder aus dieser Zeit stilbildend und unvergessen bis heute. Mit der Sugarhill Gang und Rapper ´s Delight begann alles. In dieser Zeit Adoleszente, mich eingeschlossen, können zumindest die erste Strophe mehr als 30 Jahre später noch Wort für Wort mitrappen. Die Basis des Songs, auch das damals eine Neuheit, heute ist Sampling ja gerichtlich anerkanntes Kulturgut, stammt vom congenialen Musikerduo Bernie „Bass- Gott“ Edwards und Nile „Gitarren-Gott“ Rodgers der Grippe Chic, der Song „Good Times“.

Kurz darauf folgte Kurtis Blow mit „The Break“.
1982 dann Grandmaster Flash, mit „The Message“.
Harter Text, zeigt die brutale Realität der damaligen Zeit, New York war kein Shopping Paradies und Städte-Trip Hot Spot, sondern der steingewordene Darwinsche Struggle for Life.

1985, als „It s Tricky“ veröffentlicht wurde, war sowohl Rap als auch Sampling schon Mainstream. Was man allein daran erkennen kann, dass gleich zwei Melodien verwendet wurden, zum einen das schon hier erwähnte „My Sharona“ von The Knack und „Mickey“ von Toni Basil, ein ebenso unsäglich furchtbares (Achtung Schweineorgel) wie für diese Zeit bezeichnendes Frühe 80er Jahre- Lied.

Run DMC, Rap Trio aus Queens waren die ersten Hip Hopper mit einem Multi Platinum Album und vermutlich die ersten (und damit garantiert unbezahlten) Adidas Markenbotschafter des Musikbusiness.

Fehlt noch Brooklyn.
Die Beastie Boys. Vor Eminem die ersten und einzigen weissen Rapper (ich sag nur Vanilla „Fremdschäm“ Ice), die auch ausserhalb der weissen Hood Respekt fanden.

Heute ist das Alles Geschichte. Rick Rubin, der Produzent der Beastie Boys und von Run DMC hat sich weit über die Genre Grenzen hinaus unter anderem mit einem herausragenden Johnny Cash Album seinen Teil der Musik – Historie gesichert und Russell Simmons, neben Rubin der zweite Gründer des Def Jam Records Labels verkaufte schon 1999 seine Firma für 100 Millionen Dollar. Damals ein unglaublicher Deal, heute im Hinblick auf Hip Hop Milliardäre wie Dr. Dre oder Jay-Z vermutlich nur noch einen Zweizeiler in der Tageszeitung wert. Rap – you have come a long way! Respekt!

Zurück zu meiner Jugend. Und damit zu Billy Joel.
Und ins nächste Borough der Stadt, die Bronx.

Was für ein Talent.
Was für ein unglaublicher Songschreiber. Und für mich schon heute substanzieller Bestandteil des Great American Songbook nachfolgender Generationen.

Müsste ich für mich das Beste des Besten von Joel herausgreifen, es wäre 52nd Street als Ganzes und natürlich „Just the way you are“ vom Album „The Stranger“. Liebe Radiostationen, das Saxophonsolo am Ende des Liedes NICHT Ausblenden. 52nd Street war im Übrigen das erste Sony Pop Album auf CD überhaupt. Ich habe es NATÜRLICH auf Schallplatte gekauft. Damals. Von der Kritik wird Billy Joel im Übrigen bis heute ein wenig snobistisch überheblich belächelt. Musikkritiker ?!? Einst schrieb auch ein Kritiker über Tschaikowski s Violinkonzert, wenn Musik riechen könnte, dieses Stück würde stinken. Die Zuhörer sehen dies zurecht anders. Einmal im Monat reist Billy Joel mit dem Hubschrauber von seinem Landsitz in den Hamptons an und füllt den 12000 Zuschauer fassenden Madison Square Garden. Immer ausverkauft.

Udo Lindenberg hat im Übrigen schon in den 80ern eine grandiose Eindeutschung des New York State of Mind auf seinem Rock Revue 2 Album veröffentlicht.

52 Street war im Übrigen in Manhattan der Bereich, in dem in den 30ern bis 50ern der Jazz der Stadt sein Zuhause hatte. Vom Glanz vergangener Tage ist heute nicht mehr viel übrig. Zwar gibt es noch (oder wieder) die bekannten Jazz Clubs wie das Blue Note oder das Birdland. Diese sind aber weitestgehend Touristen Franchises, die es gilt, „busladungsweise“ streng zeitgetaktet durch ein musikuntermaltes überteuertes Abendessen zu pressen, auch wenn die Künstler und ihr Werk davon unbenommen herausragend sein können. Lobenswerte und deshalb gar nicht zuviel hervorzuhebende Ausnahme, das nach wie vor authentische „Village Vanguard“ in der 7th Avenue in Greenwich Village. In dem Christian Danzl, Olaf Löffler und ich vor ein paar Jahren ein grandioses Jazzkonzert mit (vom Leben stark gezeichneten und ohne dieses Wissen auf den ersten Blick befremdlich wirkenden, aber am Instrument so wunderbaren) Tom Harrell an Trompete /Flügelhorn und dem von mir ebenfalls hochgeschätzten Wayne Escoffery am Saxophon erleben durften.

Der Broadway ist die andere berühmte Musikstrasse der Stadt. 
Wenn wir, musikalisch besehen, vom Broadway sprechen, dann ist der „Theater District“ gemeint, Ort des Musicalgeschehens der Stadt. George Benson hat dem mit seinem Song „On Broadway“ ich zitiere „cause i can play this year guitar and i won´t quit til I m a star“ ein musikalisches Denkmal gesetzt. Und dort, wo 7th Avenue und Broadway sich kreuzen, wie die Pet Shop Boys es in New York City Boy besingen, liegt der Times Square. Fehlt nur noch der Central Park, diese bemerkenswerte, größer als Monaco sich darstellende Grünfläche inmitten Manhattans, Schauplatz einiger legendärer Freiluftkonzerte. Das wohl berühmteste möchte ich herausgreifen, wir hatten es ja schon in dieser Rubrik mit Schlagzeugern, Simon and Garfunkel, Steve Gadd an den Drums mit seinem legendären Drum-Intro zu „50 ways to leave your lover“.

George Benson – On Broadway

Als Zugabe noch. New York im Film und TV. Ein paar wenige (in New York stolperte man fast täglich über Drehplätze von Film – und TV-Produktionen) im Anschluss. Kurz vor Weihnachten darf natürlich „Kevin – Allein in NY“ nicht fehlen. Musik von John Williams ! Hörenswert !

Schönes Wochenende und einen frohen 2. Advent !

Fall für s Wochenende – Extraktion Ja oder Nein ?

Die Patientin war aufgebracht. Regelrecht wütend.
Sie müsste jetzt mal ihren Ärger los werden. Eine halbe Stunde habe sie bei uns jetzt warten müssen. Was stimmte. So sehr wir auch versuchen, pünktlich (heisst on time, maximal die akademische Viertelstunde ausschöpfend) die Behandlung zu beginnen, es gelingt uns nicht immer. Ich persönlich wäre bereit, auf den Behandler meiner Wahl 30 Minuten zu warten, aber da gehen offensichtlich die Meinungen drastisch auseinander.

Wenn es doch wenigstens ein einfacher Fall wäre, um den es ginge, aber dem war nicht so.

Das Röntgenbild zeigt an Zahn 46 deutliche apikale Aufhellungen, zusätzlich eine interradikuläre Knochendestruktion sowie distal einen ausgeprägten vertikalen Knocheneinbruch. Keine banale Situation, die zumindest idealerweise einen hoch complianten Patienten voraussetzt. Was die Dame ganz offensichtlich nicht zu sein schien. Dabei hatte sie doch noch in der Beratungssitzung zuvor ihren unbedingten Willen zum Zahnerhalt zum Ausdruck gebracht.

Jetzt seid ihr, geschätzte Leser, gefragt:
Wie umgehen mit der Situation und mit der Patientin ?

Bitte fleissig die Kommentarfunktion nutzen.
Ich werde am Dienstag berichten, wie es in der Sache weitergegangen ist.

Flowchart ADA zum Thema Antibiotika im Rahmen endodontischer Behandlung

Die American Dental Association hat sich zum Einsatz von Antibiotika im Rahmen der endodontischen Behandlung geäußert. Die nachfolgenden Grafiken geben einen raschen Überblick im Praxisalltag.

Grafik 1 ist für Behandlungsituationen, in den eine zeitnahe endodontische Behandlung nicht möglich ist.

Grafik 2 ist für Behandlungsituationen, in den eine zeitnahe endodontische Behandlung stattfinden kann.

Webinar 18.12.2019 bei WURZELSPITZE Plus

Noch in diesem Jahr, genauer gesagt kurz vor Weihnachten, wollen wir bei WURZELSPITZE Plus erneut ein Webinar präsentieren: Nach Jörg Schröders Beitrag über endodontische Recalls möchte diesmal ich einen Punkt herausgreifen und näher beleuchten: Es geht um die diagnostische Wertigkeit von DVT´s im Rahmen endodontischer Behandlungsplanung.

Allerdings nicht an Hand ausgesuchter Beispiele, die es sicherlich zu hauf gäbe, um in möglichst eindrucksvollen Bildern den Nutzen dreidimensionaler Röntgendiagnostik hervorzuheben. Stattdessen möchte ich am Beispiel der letzten beiden Diagnostik- Tage in unserer Praxis (Mittwoch für Mittwoch finden die obligaten Erstuntersuchungen und Beratungen statt) einen realistischen Einblick geben, inwieweit bei der Gegenüberstellung der zweidimensionalen und dreidimensionalen Röntgenbefunde das Für und Wider der erweiterten Röntgendiagnostik sichtbar wird oder jedoch einen erhöhten Nutzen schuldig bleiben muss. Heißt konkret – alle Fälle des Tages – ohne Ausnahme. Mit dieser Vorgehensweise entsteht ein realistischeres Bild, ein Rosinenpicken ist ausgeschlossen.

Darüber hinaus vermittelt das Webinar auch den Stand der Technik, die Bildqualität unseres MORITA X 800 betreffend, sowohl im Vergleich zu anderen im Markt befindlichen Geräten wie auch zum in unserer Praxis 5 Jahre lang verwendeten und immer noch vorzüglichen MORITA Veraviewepocs 3D F 40.

Alle Interessierten sollten sich Datum und Uhrzeit schon mal vormerken:

Mittwoch 
18.12.2019 
18:00 Uhr

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 8

Bohemian Rhapsody hatten wir hier und hier schon.

Und natürlich kommt man irgendwann einmal an einem Freitag, genauer gesagt heute nicht an diesem Lied vorbei.

Wunderbares „Behind the Scenes“ Video über die Entstehung.
Unglaublich, dass Freddie die gesamte Bohemian Rhapsody von Anfang an im Kopf hatte und bei der ersten Vorstellung seiner Band als Piano-Version präsentieren konnte.

Dann natürlich die legendäre Anfangsszene von Waynes World.

Und es gibt Leute, in denen Freddie weiterlebt.

Mike Myers spielt auch im Film „Bohemian Rhapsody“ eine kleine Rolle. Mehr dazu hier.

Den Film habe ich bis heute nicht gesehen. Warum ? Weil ich Queen live erlebt habe. Und Rami Malek spielt. Imitiert. Was bei Freddie in jeder Bewegung echt – weil er selbst- war, ist im Film geschauspielert. Für viele Zuschauer loben Malek für seine Darbietung. Seine Choreographie des Wembley Auftrittes brilliert in der Tat durch ein bemerkenswertes Timing, eine fast perfekte Synchronität. Dennoch ist er im Vergleich zum Original für mich nur schwer zu ertragen.

Hier der Vergleich des legendären Live Aid Wembley Stadium Auftritts.

Zum Schluss noch ein Beitrag für die Kategorie „Skurriles“

und ein Beitrag aus der Kategorie“ Nervige Musik für beklemmende Fahrstühle“.

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – in Heilung (unter ungünstigen Bedingungen)

Die 55 jährige Patientin bekommt seit längerem Chemotherapie, Grund ist ein Tumorgeschehen, die Prognose ist leider infaust.

Man würde unter solch eher ungünstigen Rahmenbedingungen eventuell ein suboptimales Heilungsgeschehen vermuten. Nicht desto trotz zeigt sich im Laufe der Zeit im Rahmen der Nachkontrollen (letzte Kontrolle ist 20 Monate post WF) eine erfreuliche knöcherne apikale Regeneration am Zahn 47.

Das ist das Schöne an der endodontischen Behandlung. Wenn man dem Körper die Möglichkeit gibt zu heilen, sprich die vorhandenen Bakterien eliminiert, dann heilt der Körper sich selbst. Auch unter wie hier widrigen Umständen. Ich würde mich freuen, den weiteren Heilungsverlauf bei WURZELSPITZE präsentieren zu können. Das wünsche ich von Herzen der sehr netten Patientin. Die nächste Kontrolle ist in 24 Monaten vorgesehen.

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 7

An diesem Lied gibt es nichts, was nicht perfekt wäre.
Bis ins kleinste Detail.

Jede einzelne Note, Jede Instrumentierung, jede Phrasierung, der Text, der Sound, die Ausführung. Im Video erfährt man etwas über die Entstehung.

Es geht nicht besser.
1974.
England.

10cc – I m not in love.
Queen – Bohemian Rhapsody.

Jetzt Du, 2019 ?

Wie bin ich drauf gekommen ?

Weil ich letzte Woche bei Jacob Collier dieses Lied hier gefunden habe.

Moon River.
Dessen Anfang in Colliers Version dieses All Time Favorite frappant an 10 CC erinnert.
Eine „Wall of Voices“.

Und eine Interpretation, die eigenständig neben dem Original bestehen kann.
Welches natürlich legendär ist. Die Eingangssequenz des Hollywood – Films „Frühstück bei Tiffany“. Henry Mancini der Komponist. Truman Capote der Storyteller. Blake Edwards der Regisseur. Audrey Heburn als Holly Golightly. Im Kleid von Givenchi. Die im Film selbst das Lied auf der Gitarre begleitend interpretiert. Und eine Stadt, die, man betrachte nur die Kamerablicke 5th Avenue Ecke 57th damals wie heute fasziniert.

Aber zurück zu 10 CC.

Am bekanntesten vermutlich war 10 CC neben I m not in love durch Dreadlock Holiday. Das war 1978.

Von „I m not in love“ gibt es eine relativ neue Live- Version von 2011.

So sah das damals im Fernsehen aus.

Kaum zu glauben, das nur ein Jahr zuvor die Band mit irgendwas in der Mitte zwischen Bubblegum Pop und Glam Rock in den Charts zu hören war.

Da fällt mir natürlich sofort „The Sweet“ ein. Ballroom Blitz.

Und jetzt kann ich mich nicht entscheiden.
Ballroom Blitz ruft mir The Knack in Erinnerung. My Sharona. Von 1979. War aber eigentlich damals aus der Zeit gefallene Musik. Die Jungs wurden im Übrigen als die neuen Beatles in der Musikpresse und vermutlich vom Bandmanagement hochgepusht. Wegen der ausgefeilten Chorgesänge. War von Beginn an peinlich der Vergleich, das hatten die Jungs eigentlich nicht verdient, auch wenn es bei zwei Hits (der andere war „Good Girls don´t“) geblieben ist. Egal, „My Sharona“ ist ein Meisterwerk, bei seinem Erscheinen aussergewöhnlich, aber ein Hit von vielen, heute, gereift wie guter Whiskey ein perfekter geradliniger Rocksong.

Zurück in die frühen Siebziger zu dem anderen Act, den Ballroom Blitz bei mir aufblitzen lässt. T Rex. Marc Bolan Superstar. Musikbanalitäten, die sich sofort und für immer im Gehörgang festsetzen. Wer sonst hätte es sich leisten können, in „Hot Love“ die vermutlich bis heute längste Ausblende aller Zeiten in einem Hit unterzubringen. Was hätten wir von Marc Bolan (keine Ahnung, wie der andere Typ bei T Rex hiess – Hallo Google – aha – Steve „Peregrin“ Took) erwarten können, wenn er nicht viel zu früh bei einem Autounfall ums Leben gekommen wäre. Steve Peregrin überlebte ihn nur ein paar Jahre, er starb an einer verschluckten Cocktail-Tomate. Auch das typisch Siebziger.

In den Achzigern wurde Get it On gecovert von „The Power Station“, einer sogenannten Super Group, mit Robert Palmer Gesang, Tony Thompson am Schlagzeug und mit Andy und John Taylor von Duran Duran an Gitarre und Bass.

Und schon sind wir bei „Girls on Film“.
Die New Romantics.
Frühe Eighties.
Damit gings los für Duran Duran.

Dabei wollte ich eigentlich hier nur The Making of “ I m not in Love“ hier posten.
Aber so sind die Freitag Abend Youtube Video – Nächte eben.

Jetzt noch besser ! Zuhause ! Mit Ton !

Demnächst an dieser Stelle bei WURZELSPITZE Plus.

Ein Traum wird wahr ?
Vielleicht.

Wäre es nicht schön ?
Fachvorträge vom Sofa aus. Ohne das Haus verlassen zu müssen.
Wann immer man Zeit und Lust dazu hat. Das kann zwar reale Fortbildungstreffen nicht ersetzen (und ist deshalb auch nicht unser für 2020 angekündigter geheimnisvoller Count Down-Event). Aber ist vielleicht eine sinnvolle Ergänzung.

Und deshalb- lange lange schon gehegte Idee – wer fliegt schon gerne wegen eines Vortrages für 4 Tage nach USA, wenn er nicht muss – wollen wir das mal angehen, versuchen.

Den Anfang macht diese Woche noch Jörg Schröder.
Mit einem Vortrag über Recalls in seiner Praxis. 20 Minuten aus der Praxis für die Praxis.

Und dann sind wir gespannt auf das Feedback.
Wenn die Idee ankommt, werden wir das immer mal wieder machen.
Vielleicht sogar interaktiv.

Für Alle bei WURZELSPITZE Plus.
Zum Zuschauen. Teilnehmen. Austauschen. Lernen.

Dong Saeng

„Dong Saeng“ ist koreanisch und bedeutet kleiner Bruder.
So habe ich intern in unserer Praxis das neue EQ – S- Gerät der Firma Meta Biomed getauft.

Kleiner Bruder des VDW Eddy ?
Des Endo – Aktivators ?
Unseres Morita AdvErL Evo Lasers ?

Damit wäre schon mal ein Hinweis gegeben, worum es sich beim Dong Saeng handelt.
Ein Gerät zur Aktivierung von endodontischen Spülflüssigkeiten.

Ein kabelloses Gerät wohlgemerkt, das sich ideal in unseren endodontischen Workflow integrieren liesse, denn mittlerweile ist fast alles in diesem Zusammenhang frei von störenden Zuleitungen und damit optimal für das Arbeiten unter dem OP – Mikroskop abgestimmt.

Das große Aber ?

Die bisherigen Anwärter enttäuschten auf ganzer Linie.
Zunächst der Endo- Aktivator, großmündig als Tsunami für den Wurzelkanal angepriesen. Unser Exemplar, dem Hörensagen nicht das einzige, zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass auch bei Nichtbenutzung eine Batterieentladung stattfand. Worst Case ? Freitag mittag für den letzten Patienten die Batterie gewechselt, Montag morgen beim ersten Patienten kein Strom.

Und das Spülergebnis ?
Für mich ein Gerät, das dem Behandler ein gutes Gefühl vermittelt.
Man tut was.
Offensichtlich. Es blubbert in der Kavitiät.
Was aber vom beschworenen Tsunami im Wurzelkanal wirklich ankommt, steht auf einem anderen Blatt. Wir sind, nach vielen Jahren des zufriedenen Arbeitens mit unterschiedlichen Prototypen seit dessen Markteinführung zum VDW Eddy gewechselt.

Nachteile ?
Kabelgebunden (kann man mit leben), Kavo Airscaler notwendig, Preis für die Einmal-Ansätze (ich sag mal „ambitioniert“) und- für mich am frustransten – Bruchrisiko der dünnsten Spitzenanteile.

Vor 4 Jahren ergab sich dann die Möglichkeit, ein kabelloses, akkubetriebenes Ultraschallgerät zur Spülung im Wurzelkanal zu testen. Den Namen behalte ich für mich, weil das Ergebnis einfach unterirdisch war. Nicht mal geschenkt hätte ich diese „Maschine“ in unserer Praxis eingesetzt. Schade, aber leider frustrane Realität. 2 Jahre später kam einer meiner WURZELSPITZE – Mitstreiter unabhängig von mir zum gleichen Ergebnis.

Der Traum vom optimalen Workflow der Spülflüssigkeitenaktivierung schien ausgeträumt. Daran ändert auch die Verwendung des Morita AdvErL Evo Lasers in unserer Praxis nichts. Denn die Schwanenhalsführung der Glasfaserzuleitung ist zwar vom Handling her wesentlich besser als die alternativ verwendete Spiegelarm-Variante des Mitbewerbers (einfach mal auf Fachmessen im Vergleich testen, wir hatten über ein Jahr hinweg beide Geräte side by side in der Praxis), aber das bodenständige, rollenbestückte Gerät am Ende und der genau festgelegte und damit limitierende Radius der Arbeitsräume des de facto festgebundenen Handstücks beschränken die gewünschten ergonomischen Freiheiten.

Auf der IDS 2019 hatte ich dann zum ersten Mal den EQ- S der Firms Meta Biomed in Händen. Im Grunde eine batteriebetriebenen Schallzahnbürste mit einer weichen flexiblen Spülspitze als Einmalartikel. Letztere aus Kunststoff oder Silikon, bislang keine Angaben vom Hersteller diesbezüglich, ich liefere die Info nach.

Kein „rocket science“ eigentlich, aber das Beispiel Endo-Aktivator hatte ja gezeigt, das die Tücke im Detail steckt.

Im Messestand bedingten In Vitro-Reagenzglas in Form eines IKEA – Wasserglases sah das vom EQ-S erzielte Verwirbelungsergebnis schon mal überraschend gut aus.

Grund genug, das Meta Biomed EQ-S in unserer Praxis auszuprobieren.

Und dort funktioniert seitdem das Gerät so gut, dass es in unseren Standard – Workflow integriert wurde.


Hier die wichtigsten Eckpunkte: Es spült. Augenscheinlich. Quirlig. Das sollte selbstverständlich sein, war es aber in der Vergangenheit bei 2-3 mal so teuren Geräten nicht. Von der Intensität her vergleichbar dem Endo- Aktivator. Aus der Erinnerung heraus geschrieben. Ich hätte ja gerne beide Geräte Seite an Seite miteinander verglichen, aber unser Endo- Aktivator ist kaputt. Durch den fortwährend notwendig werdenden Batteriewechsel ging nach vergleichsweise kurzer Zeit das dünnwandige Kunststoffgehäuse zu Bruch, es bekam einen Riss im Bereich des Batteriedeckels.

Der Eddy ist natürlich eine ganz andere Hausnummer, was die Spülwirkung angeht.
Hier wäre meines Erachtens das Wort Tsunami wesentlich eher angebracht als bei unseren beiden zweckentfremdeten Schallzahnbürsten. Allerdings birgt er aber auch, wie schon vorab beschrieben, die Gefahr des Bruchs der Spülspitze. Welche dann möglicherweise so ungünstig im Wurzelkanal eingeklemmt sich darstellt, dass eine Entfernung des Fragments nicht möglich ist. Was im Übrigen auch passieren kann, wenn man die üblichen Sicherheitsvorkehrungen befolgt. Den Eddy nie frei im Raum schwingen lassen und immer nur aus dem Kanal heraus arbeiten, niemals nach unten in den Kanal hinein vordringen, solange die Spitze aktiviert ist. Und mit einem Tip Snip den dünnsten Teil der Spitze abschneiden (der Apikalen Master-Feile vom Durchmesser her angepasst kann so auch ein versehentliches apikales Überinstrumentieren sicher vermieden werden) hat sich auch als sinnvolle Spitzenbruchprophylaxe erwiesen.

Das Gute am EQ-S ist, es bedarf dieser Vorsichtsmaßnahmen nicht. Im Gegenteil. Der Spitzenansatz ist unkaputtbar. Bis heute ist keine einzige Spitze gebrochen, geschweige denn eingeklemmt im Wurzelkanal zurückgeblieben. Man kann sogar aktiv in die Kanäle vordringen. Die flexible Spitze leicht vorgebogen sucht sich von selbst ihren Weg in alle Wurzelkanäle, man muss die Spitze während des Spülvorganges nur so ungefähr in Kanalrichtung platzieren und merkt dann am Vordringen, wie das EQ- S seinen Weg nach apikal findet. Im aufbereiteten Kanal wohlgemerkt, nur das keine Missverständnisse auftauchen. Ebenso unverwüstlich scheint die Batterie. Wir arbeiten seit März 2019 mit dem Gerät und mussten bislang nur 2 mal die Batterie wechseln. Die Spülspitzen (in 3 Größen 15, 25 und 35 erhältlich, wir nutzen meist 35, seltener 25, 15 nie) sind deutlich günstiger als beim VDW Eddy-System. 30 Spitzen für das EQ-S kosten 45 Euro + MWS.

Alles in Allem hat uns das Meta Biomed EQ-S Gerät positiv überrascht.
Es hat seinen Platz in unserem endodontischen Arbeiten gefunden.
Den Eddy, den wir trotzdem nicht missen wollen, nutzen wir nur noch im Rahmen der Entfernung von pastösem Calciumhydroxid aus dem Wurzelkanal. Vor Wurzelkanalfüllung. Für die Spülung der Wurzelkanäle im Rahmen der Wurzelkanalaufbereitung kommt bei uns ergänzend zum Morita AdvErL Evo Laser nun das EQ-S zum Einsatz. Das Schöne ist, der Blick muss dabei auch beim vierhändigen Arbeiten nicht vom OP- Mikroskop weggewendet werden. Der Gerätewechsel vom Aufbereitungshandstück zum EQ-S und zurück geht innerhalb einer sprichwörtlichen Sekunde. Ein bedeutsamer, im Praxisalltag als sehr angenehm empfundener ergonomischer Vorteil.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen. Dem Autor wurde ein EQ-S- Gerät und 30 Spülspitzen für den Praxistest kostenlos zur Verfügung gestellt.

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 6

Über Marc Craney, den Ausnahmedrummer von Gino Vanelli habe ich schon (hier) berichtet.

Und wollte im heutigen Beitrag weitere hervorragende Schlagzeuger, alte und junge, legendäre und unbekannte vorstellen. Und auf einen hervorragenden Musikfilm hinweisen.

Aber ich bin vom Thema abgekommen im Laufe des Abends. Und so ist diese Episode gefüllt mit jungen Ausnahmetalenten.

Legen wir los.
Mit diesem japanischen Mädchen, zum Zeitpunkt des Videos 12 Jahre alt.
Sie treibt vermutlich 98 Prozent aller Schlagzeuger auf der Welt Tränen in die Augen.
Entweder vor Rührung über so viel Können oder aus Frust vor der Erkenntnis, das man nach vielleicht 30 Jahren Spielpraxis nicht annähernd eine solch eine Präzision, Kreativität und so viel Rhythmusgefühl erlangt hat wie Kanade Sato.

Gehts noch jünger ? Dieser kleine Musiker ist 4 Jahre alt. Und was der hier (Man denke dran, in dem Alter sind viele Kinder nicht in der Lage, aus Bauklötzchen einen Turm zu bauen) abliefert, ist einfach unglaublich.

Instrumentenwechsel. Stromgitarre.

Room 335. Larry Carlton. Gitarrengott.

Einer der gefragtesten Studiogitaristen der 70er und 80er. Sein Gitarrensolo zu Kid Charlemagne (wir werden später uns dem eingehend widmen) stand lange Zeit in der Top 5 der besten Gitarrensoli aller Zeiten in der Bestenliste des „Rolling Stone“.

Jess Lewis brilliert. Mit 17. Musikalität und Swing – 10 Punkte.

Und noch ein ganz junger Gitarren-Gott, dem die Musikalität offensichtlich in die Wiege gelegt wurde. Toby Lee. He´s got the Blues ! Mein Favorit „Long Train Running“ von den Doobies.

Wie wäre es mit Gesang ?

Jacob Collier.

Zu Beginn.

und heute.

Und da wäre noch der Wechsel ins Klassikfach. Mein Favorit. Aimi Kobayashi. Mit 4 Jahren.

Mit 7 Jahren. Und einer unglaublichen Leichtigkeit.

Mit 14 Jahren. Waldstein- Sonate ! Nicht Für Elise.

Chopin -Wettbewerb. Erst Trifonov. Jetzt Kobayashi. Was wohl in den Köpfen der Jury – Mitglieder vorgeht. Aber darin hat dieser Wettbewerb eine lange Tradition. Das war schon zu Zeiten Pogorelichs und Marta Argerich so und das (aus dem Gedächtnis heraus) war in den frühen 80ern.

Neue Rubrik: Der maligne Patient

Das kennen wir doch Alle.
Es gibt diese IMMER BESONDERS fordernden Patienten.

Und man schon Magenschmerzen bekommt, wenn man nur zufällig den Namen am Telefon hört. Die man mit Samthandschuhen anfasst, Ihnen jeden Wunsch (Ich möchte aber morgens immer als Erstes drankommen, damit ich nicht warten muss, würden Sie bitte die Musik ausmachen, ich hab mich bei Ihnen das letzte Mal erkältet, wegen der Klimaanlage, ihr Behandlungsstuhl ist sowas von unbequem, ich brauch eine Kissen und eine Nackenrolle) erfüllt, man peinlichst drauf bedacht ist, denen alles recht und vor allem in der Sache besonders gut zu machen und die einen trotzdem dann nach der Behandlung in die Pfanne hauen.

Die wollen wir hier bei WURZELSPITZE Plus vorstellen.

Drüber sprechen.

Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Was man tun kann.
Damit man gut aus der Sache rauskommt und so etwas in der Zukunft nicht oder zumindest nicht mehr so leicht passiert.

Klar demnach: Diese Rubrik lebt von den Kommentaren der WURZELSPITZE Plus – Leser ! Weint mit uns ! Lacht mit uns ! Ballt mit uns gemeinsam die Fäuste !

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 8: „MISCHKALKULATION!“

Mischkalkulation.

Den Begriff hat sicherlich jeder Zahnmediziner in eigener Praxis im Zusammenhang mit der Abrechnung zahnärztlicher Leistungen schon vernommen. Nämlich immer dann, wenn eine Behandlung wesentlich mehr Zeit in Anspruch nahm, als vom dafür in Frage kommenden Gebührenrahmen her vorgesehen.

„Lohnt sich nicht!“ würde Benno, mein Freund, der Landmetzger sagen. „Mach ich nicht !“

„Interessiert die nicht!“ entgegne ich.
„Die“ das sind Krankenkassen, die KZV und Zahnärztekammern. Sogar in der Sache befragte Gerichte antworten diesbezüglich unisono. Und zwar wie folgt, ich zitiere von der Homepage der KZV Berlin:

Daneben endet die Behandlungsverpflichtung ebenfalls dann nicht, wenn Leistungen nicht kostendeckend erbracht werden können. Hier hat das Bundessozialgericht unmissverständlich klargestellt:

„Dem Zuschnitt der vertragsärztlichen Vergütung insgesamt liegt eine „Mischkalkulation“ zugrunde. Dieses bedeutet, dass es durchaus Leistungen geben kann, bei denen selbst für eine kostengünstig organisierte Praxis kein Gewinn zu erzielen ist.“

Es liegt in der Natur der Sache, das bei einem vorab festgelegten Honorar für eine Leistung, wie es nun mal in der Gebührenordnung für Zahnärzte, die Behandlung gesetzlich Krankenversicherter betreffend festgelegt ist, beim Überschreiten des hierfür vorgesehenen Zeitrahmens besagte Behandlung unwirtschaftlich wird. Man denke nur an eine schwierige Extraktion, die statt vorgesehener 15 Minuten 75 Minuten in Anspruch nimmt. Hätte das Bundesozialgericht lediglich darauf hingewiesen, dass in solchen Fällen die Behandlung eben nicht nach besagter Zeit abgebrochen werden darf, sondern der Patient weiter, zu Ende behandelt werden muss, unter Berufung auf die Verpflichtung als Kassenzahnarzt, dann wäre nichts dagegen einzuwenden.

Man sprach aber von einer „Mischkalkulation“. Und tut dies regelmäßig.
Immer wieder.
Seit vielen Jahren nun schon.

Was aber genau ist das ?
Eine Mischkalkulation ?

Diese ist wie folgt definiert (der Einfachheit halber und zum Nachlesen aus Wikipedia entnommen):

Unter einer Mischkalkulation (auch Ausgleichskalkulation genannt) versteht man eine Kalkulation, bei der die Verkaufspreise für einzelne Produkte nicht von den Herstellkosten, sondern von marktstrategischen Absichten bestimmt werden.

Man erwartet dabei in der Regel, dass die geringeren Gewinne oder sogar Verluste, die mit einigen dieser Produkte erzielt werden, durch entsprechende höhere Gewinne anderer Produkte ausgeglichen werden, so dass insgesamt ein akzeptabler Deckungsbeitrag erreicht wird.

Mischkalkulation kann dem Zweck dienen, die Preisgestaltung zu vereinfachen oder neue Zielgruppen zu erschließen, häufig wird damit aber auch das Ziel verfolgt, Konkurrenten aus dem Markt zu drängen, die aufgrund anderer Kostenstrukturen keine entsprechende Mischkalkulation anbieten können.

Beispiele
Flatrates basieren meist auf einer Mischkalkulation. Intensive Nutzer verursachen mehr Kosten als Einnahmen, man erwartet jedoch, dass viele Nutzer mit geringerer Nutzung diese Verluste überkompensieren. Ein anderes Beispiel sind die verschiedenen Fruchtjoghurt-Sorten eines Herstellers, die trotz unterschiedlicher Preise für die Obstsorten zu einem einheitlichen Preis verkauft werden.

Wer diese Definition liest, dem wird klar, dass der Begriff „Mischkalkulation“ im Bezug auf die Honorarsituation in der Zahnmedizin fehlgedeutet ist. Ich möchte diesbezüglich auf 3 Aspekte näher eingehen, um diese Fehlbenennung zu verdeutlichen:

  1. Mischkalkulation ist ein Begriff aus der Wirtschaft und dient ganz offensichtlich dazu, neue Kunden zu gewinnen oder neue Märkte zu erschliessen.
    Sie ist ein bewußt und gezielt eingesetztes Werkzeug zur Umsatzsteigerung und ihr liegt in der Regel eine genaue Kalkulation zugrunde. Das Beispiel MEDIA MARKT mit seinen Lockangeboten „Ich bin doch nicht blöd“ ist sicherlich Jedem geläufig. Die entsprechenden Prospekte überbieten sich mit besonders günstigen Angeboten, Fernseher, Computer, Smartphones oder Kaffeemaschinen betreffend. Es gilt, neue Kunden zu werben, Bestandskunden zu binden und/oder diese zu vermehrten Käufen zu bewegen. Beides trifft auf die Zahnmedizin nicht zu. Zum einen ist der Patient, der bei uns auf dem Stuhl liegt, fast nie ein neuer Patient, den ein Werbebanner mit der Aufschrift „Geiz ist geil“ geradewegs zu uns in die Praxis geführt hätte. Vielmehr ein Patient, der zum Teil schon viele viele Jahre zu uns kommt. Zum anderen habe ich noch keinen Patienten erlebt, den ich mit einem „zahl 2, nimm 3“ davon überzeugen konnte, sich noch eine zusätzliche Füllung in den kariesfreien Nachbarzahn applizieren zu lassen.
  2. Sogenannte Mischkalkulationen sind zeitlich und von der Stückzahl her begrenzt. Das weiss jeder, der schon mal das Pech hatte, wegen der günstigen Thermomix -Clon-Küchenmaschine statt um 8 Uhr erst um 10 Uhr in der lokalen ALDI-Filiale zu erscheinen. Und man wird keinen Media-Markt finden, in dem das vor Weihnachten zum sensationell günstigen Preis im Prospekt beworbene Ipad auch am 27. Dezember noch zum Schäppchenpreis zu haben sein wird. Diese extreme zeitliche und stückzahlenmäßige Begrenzung (ich wollte neulich im KAUFHOF einen im Prospekt beworbenen gusseisernen Kochtopf einer bekannten französischen Marke erstehen, es waren nur 2 Töpfe überhaupt ausgeliefert worden) gibt es in der Zahnmedizin nicht.
  3. Ebenso wenig wie die Entscheidung, welche Leistung zu welchem Preis ich dem Patienten vergünstigt anbiete, in die Hände des Zahnarztes selbst gelegt wird.

Was als Mischkalkulation bezeichnet wird, ist demnach nichts anderes als die Verwendung von Lockangeboten. Um, wie oben beschrieben, neue Märkte zu erschließen, neue Kunden zu gewinnen oder den Mitbewerber aus dem Geschäft zu drängen. Zeitlich klar limitiert, genau kalkuliert und mit der entsprechenden Kompensation über Zusatzgeschäfte versehen.

Ganz anders bei uns: Jedes Mal, wenn wir zu lange brauchen für eine besonders schwierige Arbeit oder weil wir uns besonders viel Mühe geben, um ein besonders schönes Ergebnis zu erzielen, jedes Mal dann kommt die Preisunterdeckung zum Vorschein. Dieses Szenario ist auch nicht an einen bestimmten Patientenkreis gebunden. Nicht zeitlich begrenzt (vor Weihnachten oder am Geburtstag des Zahnarztes oder Patienten). Und kommt auch nicht nur bei bestimmten Leistungen zur Anwendung. Es ist mir auch nicht gestattet, kompensatorisch die Preise anderer BEMA – Leistungen anzuheben.

Daher sehe ich als einzige Situation, unsere Praxis betreffend, wo ich ein solches Szenario als zutreffend mir vorstellen könnte, das Erstgespräch, die Erstuntersuchung eines neuen Patienten. Hier investieren wir viel Zeit, um Vertrauen aufzubauen und den Patienten dazu zu bewegen, unserer Therapieoption zu folgen. Viel Zeit, die mit der Gebührenposition ä1 in keinster Weise abgegolten ist. HIER tun wir dies intentionell. Auf einen bestimmten Kundenkreis beschränkt. Mit Gewinnabsicht.

Ansonsten haben wir es doch hingegen mit Arbeitssituationen zu tun, die nichts, aber auch gar nichts mit besagter Mischkalkulation zur Kundenaquise zu tun haben. Ganz abgesehen davon, dass wir keine Werbung für neue Patienten benötigen, handelt es sich bei besagter „Mischkalkulation“ ausnahmslos um Situationen, in denen die von uns geleistete Arbeit nicht ihrem Zeitrahmen entsprechend ausreichend bezahlt wird. Konkret bedeutet das: Für jede zu erbringende Arbeit steht ein genau festgelegter Zeitrahmen zur Verfügung.

Überschreitet wir diesen, so ist die gesamte zusätzlich geleistete Arbeitszeit kostenlos zu erbringen. Jede Füllung, jede Endo, jede Kronepräp oder Osteotomie, die länger dauert als vom BEMA zugestanden, zahlen wir Behandler aus der eigenen Tasche.

Und nur damit wir nicht aneinander vorbei reden.
Das keine Mißverständnisse aufkommen.
Ziel des „Tag für Tag morgens im Dunkeln aufstehen und abends im Dunkeln nach Hause kommen“ ist es, Geld zu verdienen.

DAS nennt sich ARBEIT.

Ziel dessen ist es nicht, umsonst zu arbeiten.
Sondern nicht umsonst zu arbeiten.


Das würde, wenn wir freiwillig und umsonst es tun würden, sich Spass nennen.
Wir nennen uns aber Arbeiter.
Nicht Spasser.
Sie verstehen was ich sagen möchte.
Wer arbeitet, ohne Kohle dafür zu bekommen, ist entweder ein naiver Depp oder er tut das nicht lange.
Sicherlich nicht dauerhaft.
Und schon gar nicht ein ganzes Arbeitsleben.
35 oder 40 oder bald noch mehr Jahre lang.

In keinem einzigen Fall möchte irgendjemand bei der Arbeit umsonst seinen Dienst verichten.
Niemand.
Keine Person die ich kenne, möchte zu Arbeit gehen und NICHT Geld dafür bekommen.

Jeder, den ich kenne, geht zur Arbeit UM Geld zu verdienen.
Sonst würde er nämlich zu Hause bleiben.

Denkt man das von Gerichts wegen abgesegnete Szenario im Übrigen konsequent zu Ende, wird der ganze Wahnsinns des Systems offenkundlich: Eine erbrachte Behandlung, die ihrem zeitlichen und materiellen Aufwand entsprechend unterbezahlt ist, wird als korrekt honoriert bezeichnet, weil es ja andere Behandlungen gibt, mit denen man noch Geld verdient. Folgt man dieser Argumentation, so beschränkt sich dies nicht auf eine einzige Honorarposition. So könnte ja auch eine gesamte Behandlungssituation (nehmen wir beispielhaft die Endodontie) defizitär bleiben, gibt es ja andere Behandlungen wie zum Beispiel die Parodontologie, die gewinnerbringend durchgeführt werden kann. Auf die Spitze getrieben würde man argumentieren können, dass, solange es noch irgendeine Leistung gibt, mit der in der Praxis Geld verdient werden kann, die Voraussetzungen für die Rechtmäßigkeit der gegenwärtigen Vorgehensweise gegeben sind. Man kann noch weitergehen. Theoretisch würde die Argumentationskette greifen, wenn es deutschlandweit nur noch eine einzige Praxis gäbe, die Gewinn erwirtschaften würde. Denn, wenn die Richter schon schreiben, dass selbst in optimal organisierten Praxen es zu Fehldeckungen kommen darf, dann impliziert die Verwendung dieses Ausdrucks doch bei häufiger vorkommenden finanziellen Defiziten, dass nicht die Sorgsamkeit des Arbeitens sondern der mangelhafte Workflow für die monitäre Problematik verantwortlich sein könnte. Da gibt es doch noch genug Praxen, die das hinkriegen. Oder zumindest die eine, die Leuchtturmcharakter hat. Das Gegenteil zu beweisen dürfte schwer fallen.

Zu überzogen, das Beispiel ?
Zu sehr auf die Spitze getrieben ?

Aber wo bitte schön würde die Grenze gezogen werden ?
Bei zehn Prozent unwirtschaftlicher Leistungen, bei 10 Prozent unwirtschaftlicher Praxen ?
Bei 30 %, bei der Hälfte aller Praxen, die nicht in der Lage sind, im vom BEMA vorgesehenen Zeitrahmen von 48 Minuten für die gesamte Molarenendo zu bleiben ?

„Wollen sie etwa sagen, dass ihre Kollegen eine schlechte Endo machen, nur weil diese im Gegensatz zu Ihnen keine 2,5 Stunden für die Behandlung benötigen ?“

Und schon sind wir wieder drin in der Unsäglichkeit der Argumentationspervertismus.

Denn das sind Sätze, ausgesprochen von den Kollegen in den Wirtschaftlichkeitsausschüssen, von den Standesvertretern der Zahnärztekammern. Deren Botschaft eigentlich sein müsste: Liebe Jugend, die so händeringend gesucht wird, um gerade auf dem flachen Land, in der Provinz die kurz vor dem Kollaps stehende ärztliche und zahnärztliche Versorgung aufrechtzuerhalten, überlegt es euch gut, ob ihr zu diesen Bedingungen arbeiten wollt, für die jeder Handwerker, kopfschüttelnd oder laut lachend sich umdrehen und die Baustelle verlassen würde. Wir können es Euch nicht empfehlen. Studiert lieber was anderes, wo man Euch fair und nach Stückzahl entlohnt.

Warum nun gerade die Endodontie in unserer Praxis uns die Möglichkeit gibt, diesem Hamsterrad der Fremdbestimmung zu entkommen und eine aufwandgerechte Honorierung zu erzielen, darüber spreche ich in der nächsten Episode dieser Beitragsreihe mit dem Titel „ELEKTIONSVORTEIL„.

Ich will nicht sagen. ich hab s vorher gesagt, aber ich habs vorher gesagt !

Schuld ist der Arzt, nicht die Politik, die den Anschluss erzwingt!!!

Quod erat demonstrandum !


Sensible Patientendaten in Gefahr
von Jasmin Klofta, Katrin Kampling und Anne Ruprecht

Zahlreiche Arztpraxen sind nach Recherchen von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ nur ungenügend vor Hacker-Angriffen geschützt. Das geht aus einem vertraulichen Papier der Gesellschaft Gematik hervor, das Panorama 3 und der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegt. Die Gematik gehört mehrheitlich dem Bund. Dem vertraulichen Gematik-Papier zufolge haben mehr als 90 Prozent der an das neue Gesundheitsdaten-Netzwerk angeschlossenen Praxen Sicherheitsrisiken in ihrer IT-Infrastruktur.

Sie sind „parallel“ an das Netz angeschlossen worden – also auf eine Art, die eine zusätzliche technische Absicherung der Praxis erfordert. Die wurde in der Regel aber nicht sichergestellt. Hacker können sich daher leicht Zugang zu den sensiblen Gesundheitsdaten von Millionen Patienten verschaffen. Dass das Problem nicht nur theoretischer Natur ist, berichten Ärzte, die auf ihren Praxis-Computern bereits Schadsoftware zum Abgreifen von Daten gefunden haben.


Ärzte sind zum Anschluss verpflichtet

Mehr als 170.000 Praxen mussten laut Bundesregierung bis Ende Juni 2019 an das neue Gesundheitsdaten-Netzwerk, die sogenannte Telematikinfrastruktur (TI), angeschlossen werden. Verweigern sich die Ärzte, wird ihr Honorar gekürzt. Das Netzwerk soll Praxen, Krankenhäuser und Apotheken miteinander verbinden und verschiedene neue Anwendungen ermöglichen, darunter auch die elektronische Patientenakte.

Dafür wurden deutschlandweit viele Praxis-Computer, auf denen sensible Patientendaten gespeichert sind, zum ersten Mal ans Internet angeschlossen. Das heißt auch: Diese Computer haben in der Regel keinen IT-Schutz wie zum Beispiel Firewalls.
Eigentlich hatte die Gematik klare Vorgaben dafür entwickelt, wie der Anschluss der Praxen zu erfolgen hat. Aber ob diese bei der Installation von den IT-Dienstleistern umgesetzt werden, überprüft die Gematik nicht, die als „Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte“ 2005 von den Spitzenorganisationen des Gesundheitswesens gegründet worden war, um die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranzutreiben.

IT-Techniker warnt seit Monaten

Bereits seit dem Frühjahr weist der nordrhein-westfälische IT-Techniker Jens Ernst auf Sicherheitsprobleme bei den Anschlüssen an das neue Netzwerk hin. Er hatte festgestellt, dass von ihm betreute Arztpraxen auch dann parallel angeschlossen wurden, wenn sie über keinen ausreichenden Schutz vor Angriffen von außerhalb verfügten, weil die Computer mit sensiblen Daten noch nie ans Internet angeschlossen waren.

Immer mehr Ärzte wandten sich an ihn, in Tausenden E-Mails schilderten sie ihre Sorgen. Denn auch sie waren parallel angeschlossen worden, manche sogar mit abgeschalteten Firewalls und Virenscannern.

Mehr als 90 Prozent nicht wie vorgesehen angeschlossen
Bislang war unklar, wie viele Praxen betroffen sind. Interne Unterlagen der Gematik, die Panorama 3 und „Süddeutscher Zeitung“ vorliegen, zeigen nun: Im Mai waren mehr als 90 Prozent der bereits angeschlossenen Praxen in dem als kritisch bewerteten Parallelbetrieb. Dabei hätten sie in Reihe angeschlossen werden sollen: eine Anschlussmethode, bei der der Konnektor zum Netzwerk die Praxis schützen kann. Diese Installationsart sei den Ärzten aber oft gar nicht angeboten worden, heißt es in dem Papier.

So ist es auch dem niedersächsischen HNO-Arzt Ulf Burmeister ergangen, wie er berichtet. Er habe nicht gewusst, wie seine Praxis an das neue Netz angebunden sei, erzählt Burmeister. Tatsächlich wurde Burmeisters Praxis parallel angeschlossen, ohne die dafür nötigen Sicherheitsmaßnahmen. Sein Dienstleister möchte sich auf Anfrage von NDR und „SZ“ dazu nicht äußern. Mittlerweile hat Burmeister seine Praxis abgesichert.

Fraunhofer Institut: Zwei Drittel der getesteten Praxen unsicher

„Ein Drittel war sicher und die anderen zwei Drittel waren in einem beklagenswerten Zustand“, so Prof. Harald Mathis über die Sicherheit der von ihm untersuchten Arztpraxen.
Prof. Harald Mathis vom Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik FIT hat im Auftrag des Bayerischen Facharztverbands 30 parallel angeschlossene Praxen exemplarisch auf ihre Sicherheit nach dem Anschluss an das Netzwerk untersucht. „Ein Drittel war sicher und die anderen zwei Drittel waren in einem beklagenswerten Zustand“, sagt er.

Diese Praxen hätten laut Mathis so nicht an das Netzwerk angeschlossen werden dürfen. Er kritisiert, dass bei der Installation vor Ort nicht sichergestellt wurde, dass Praxen am Ende über die nötigen Schutzfunktionen verfügen. Damit sei man das Risiko eingegangen, „dass mit den Daten möglicherweise auch Schindluder getrieben wird“.

Erste Arztpraxen bereits gehackt
Für die Patienten können die Folgen beträchtlich sein: Praxen mit dem kritischen Parallel-Anschluss sind bereits gehackt worden. Ein betroffener Arzt berichtete NDR und „Süddeutscher Zeitung“: „Ich hatte große Angst. Denn wenn Daten gestohlen wurden und das rauskommt, dann ist das mein Aus als Arzt. Es geht schnell um die eigene Existenz.“

Entgegen der Datenschutzbestimmung hat der Mediziner den Angriff aus Selbstschutz daher weder den Behörden noch seinen Patienten gemeldet und will deshalb anonym bleiben. Datenschützer gehen davon aus, dass nur etwa zehn Prozent der Datenpannen und -lecks gemeldet werden.

Gesundheitsministerium sieht sich nicht in Verantwortung

Gesundheitsminister Jens Spahn möchte mit dem „Digitalen-Vorsorge-Gesetz“ die Sicherheit der Arztpraxen gewährleisten.
Für den IT-Fachmann Jens Ernst ist ein Grundproblem bei der geplanten Vernetzung, dass die Dienstleister nicht durch eine staatliche Stelle zugelassen und zertifiziert werden. Er macht das Gesundheitsministerium als Initiator der Telematikinfrastruktur für die Sicherheitslücken der betroffenen Praxen verantwortlich.

Doch das Ministerium weist dies von sich. Es erklärt auf Anfrage, dass die „IT-Netze in den Praxen nicht Teil der Telematikinfrastruktur“ seien. Die sichere Installation sei Aufgabe der Praxen zusammen mit den von ihnen beauftragten Dienstleistern. Die vom Bundesgesundheitsminister beauftragte Gesellschaft Gematik ergänzt, sie habe keine Vertragsbeziehung zu den Dienstleistern und könne „daher nicht direkt auf die Dienstleister Einfluss nehmen“. Dabei hat die Gematik laut Gesetz die Aufgabe, die Umsetzung der Telematikinfrastruktur zu überwachen.

Mit dem „Digitale-Vorsorge-Gesetz“, das vergangene Woche im Bundestag beschlossen wurde, will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nun nachbessern: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung soll eine Richtlinie zur IT-Sicherheit in Praxen erarbeiten. Die soll erst ab Sommer 2020 greifen – auf den Tag genau ein Jahr nach der Anschlussfrist für die Ärzte an das neue Netzwerk.

Goodbye Hello !

Um mit den Worten des berühmten John Paul Lennon Mc Cartney zu sprechen. „You say, „Goodbye“, and I say, „Hello, hello, hello“

Danke für 25 ruhige Jahre, liebe letzte M1, Willkommen Morita Signo T 500 !

Mehr dazu in der nächsten Zeit immer mal wieder !

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 5

Schon mal sich so angehört, was die letzten Jahre in den Hitparaden die 50 oder 100 Top Plätze belegt ?

Also, so bewußt angehört, meine ich.
Melodien, die den Tonfolgen von Kinderliedern entsprechen.
Tonumfang von „Alle meine Entchen“. C bis G.
Dazu Gesangsstimmen obligat mit Autotune manipuliert. Was bei Cher 1996 mit „Believe“ noch als offensichtliches Stilmittel kontrovers diskutiert wurde (denn die Frau konnte/kann singen) ist heute allgegenwärtig.

Was für ein Unterschied zu Liedern aus den 60ern, 70er, 80ern.
Die sich durch komplexe Arrangements, abwechslungsreiche Instrumentierung, raffinierte vielstimmige Gesangsharmonien auszeichneten.
Und trotzdem Top – Hits wurden.
Die man nach mehr als 30 oder 40 Jahren noch wiedererkennt.
Immer noch, immer wieder hören kann.

Eine kleine Auswahl an Beispielen:

1964 – Beach Boys I get around

1976 – Kansas – Carry on wayward Son

1975 – Queen – Bohemian Rhapsody

1978 – Toto – Hold the line

1980 – Hall & Oates – Kiss on my List

1990 – Wilson Phillips – Hold On

Das zu spielen, das zu singen, vermögen nur absolute Profis, die Besten ihrer Zunft.
Wer im April 1992 das  Freddy Mercury Tribute Concert im Londoner Wembley Stadium vor dem Fernseher verfolgte, der weiss, dass selbst unter den Berühmtesten der Berühmten seiner Zeit mehr Wasser als Wein dabei war. Eine der wenigen löblichen Ausnahmen – George Michael, bis dato als Pop – Schnulzensänger und Schönling belächelt, lieferte mit „Somebody to love“  ein Meisterstück ab. Aber das ist eine andere Geschichte. Zurück zum Thema.

Wenn eine Amateurband wie die in dieser Folge vorgestellte Band Geek die oben genannten Perlen der Pop und Rockmusik im heimischen Musikkeller oder auf der Bühne einer Provinzkneipe so abliefert wie in den nachfolgenden Beispielen, dann verdient das nur den allerhöchsten Respekt. Wobei „Amateur“ insofern stark untertrieben ist, weil Richie Casttellano  seit Jahren schon bei  Blue Oyster Cult, den 70er Jahre Rocklegenden ( (Don’t Fear) The Reaper )mit auf der Bühne steht.  So oder so jedoch eine starke Einzel- wie auch Ensemble – Leistung, allein schon Bohemian Rhapsody live so auf die Bretter zu nageln ist großes Musik – Kino.

Fortbildungen

So ein Blog ist eine feine Sache.
Aber er wird reale Fortbildungen nie gänzlich überflüssig machen können.

Wir von WURZELSPITZE wollen unser Wissen auch weiterhin in Form von Seminaren und Kursen weitergeben.

Und nach teilweise mehr als 25 Jahren Fortbildungstätigkeit haben wir auch eine ganzgenaue (ein WORT!)  Vorstellung, wie so was aussehen könnte.

Das es so noch nicht gegeben hat.

Demnächst.
Hier an dieser Stelle.

Countdown läuft !

Diagnose des Tages 22.10.2019 Unklare Schmerzen im Oberkieferseitenzahnbereich (Teil 2)

Zahn 22 – Zustand nach WSR
Zahn 27 – Zustand nach WSR

Über den Fall (seit 1,5 bis 2 Jahren wiederkehrende unklare Schmerzen im Oberkiefer) berichtet wurde bislang hier.

2 Maßnahmen erscheinen mir angesichts des bislang Geschilderten ausserordentlich sinnvoll.

Zum einen…

eine Rücksprache mit dem MKG – Chirurg, denn 9 Eingriffe innerhalb kurzer Zeit halte ich, auch wenn die Patientin mir vordergründig keinen Grund gab, ihren Aussagen keinen Glauben zu schenken, doch für sehr aussergewöhnlich.

Vom MKG – Chirurgen bekam ich folgende Informationen:

17.10.2016
Zahn 22 WSR
Zahn 24 WSR
Zahn 26 WSR

02.03.2017
Zahn 22 Inzision des Zahnfleisches und Osteotomie des Alveolarkammes wsr 22 24 26
Zahn 24 Inzision des Zahnfleisches und Osteotomie des Alveolarkammes
Zahn 26 Inzision des Zahnfleisches und Osteotomie des Alveolarkammes

28.11.2017
Zahn 22 WSR
Zahn 26 WSR

22.03.2018
Zahn 26 WSR

Zum anderen…

basisdiagnostisches Grundbesteck, eine Sensibilitätsprüfung mittels Kältespray.
Die fiel erfreulicherweise eindeutig und spontan positiv aus.

Da das vorliegende DVT von der Bildqualität her keine zielführende Befundung zuließ, stellte ich der Patientin die Möglichkeit frei, ein qualitativ hochwertiges kleinvolumiges DVT anzufertigen. Die Patientin stimmte – was nicht die Regel ist, wenn bereits ein zeitnahes DVT vorhanden ist – sofort und vorbehaltlos zu.

Das DVT zeigte:

  • Apikal vollkommen unauffällige Verhältnisse an Zahn 23, weshalb eine Extraktion ebenso wenig indiziert erscheint wie eine endodontische Behandlung.
  • Zahn 22, Zustand nach WSR mit einwandfreien Knochenverhältnissen sowohl apikal der Resektionsstelle wie auch vestibulär, ein im Hinblick auf die mehrmalig durchgeführte WSR sehr erstaunlicher und ungewöhnlicher Befund.
  • Zahn 24 Zustand nach Durchtrennung/Teilresektion der Wurzel im apikalen Drittel bei Belassung eines apikalen Wurzelfragmentes. Weder eine orthograde noch eine retrograde Wurzelfüllung erkennbar.

Angesichts der vorliegenden Befunde schlug ich vor, Zahn 22 und Zahn 23 im gegenwärtigen Zustand zu belassen und zunächst den Zahn 24 endodontisch zu behandeln.

Über den Verlauf der Behandlung berichte ich in meinem nächsten Beitrag.

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 7: „WÄRMEPUMPE!“

16 Jahre ist unsere Wärmepumpe alt.
Jetzt ist sie kaputt.

Um diese Diagnose zu stellen, muss ich kein Fachmann sein.
Das Gerät brummt die ganze Zeit, läuft gewissermaßen auf Vollgas im Leerlauf, aber das Wasser zum Duschen bleibt kalt. Ich schraube  die Verkleidung ab, schaue ins nur marginal gefüllte Innere, stelle fest, dass eine Wärmepumpe eigentlich eine Erfindung des vorletzten Jahrhunderts ist, von rocket science keine Spur,  und beschließe, den Sanitärinstallateur kommen zu lassen, damit dieser den Totenschein ausstellen kann. Der erscheint noch am Tage meines Anrufs, steigt auf die aufgestellte Leiter, blickt kurz in den noch immer offengelegten Innenraum und sagt mir, was ich vorher schon wusste bzw. ahnte. Das Gerät sei kaputt, eine Reparatur lohne nicht mehr und ich sollte am besten unsere andere Wärmepumpe, die zur Erwärmen der Fussbodenheizung dient, gleich miterneuern lassen. Erfahrungsgemäß wäre auch deren Lebensdauer nunmehr extrem begrenzt. Und die Gelegenheit sei günstig, möglicherweise gäbe es Zuschüsse vom Staat und er würde mir einen Kostenvoranschlag zukommen lassen.

Dann zwickte er das Kabel des Kühlgebläses ab, so kann der elektrische Heizstab im Inneren des Wasserbehälters übergangsweise lautlos zum Erwärmen des Duschwassers genutzt werden und verabschiedete sich. Es war im Übrigen der selbe Mann, der mir beim Hausbau die Wärmepumpe mit einer Lebenszeit von 20 Jahren angediehen hatte. Jetzt meinte er nur lapidar, ich habe Glück gehabt, die meisten Wärmepumpen dieser Generation hätten schon nach 10 bis 12 Jahren den Geist aufgegeben.

Zwei Wochen später kam der Kostenvoranschlag für die neue Wärmepumpe.
Und die Rechnung für die Inaugenscheinnahme der alten.

Beides förderte Überraschendes zu Tage.
Ich hatte zwischenzeitlich gegoogelt, was so eine Wärmepumpe (vom Prinzip her ein Kühlschrank mit Wärmetauscher und Wasserbehälter) kosten könnte. 9000 Euro, ein namhafter Hersteller vorausgesetzt, zu diesem Ergebnis war ich nach Internetrecherche gekommen. Der KV lag 10.000 Euro höher.  Ich überlas die mehrseitige Auflistung. Jeder Handgriff und jegliches Material war adäquat berücksichtigt, bis zur kleinsten Schraube und dem Fegen der Baustelle. Allein die Demontage der alten Wärmepumpe war schon mit 900 Euro verbucht worden. 900 Euro für den Abtransport eines überdimensionierten Kühlschranks ? Vermutlich waren 2 Personen, eine Geselle und ein „Lehrbub“ notwendig, wie lange würde es wohl dauern ?  Eine halbe Stunde ? Eine Stunde ? Für das Gerät von der Wasserleitung abzuklemmen und es 1 Stockwerk die gerade Treppe hinauf  und vor die Haustür in den bereitstehenden Lieferwagen zu tragen ? Ich überlegte, wieviele Stunden wir in unserer Praxis mit 5 Mitarbeitern arbeiten müssten, um diese 900 Euro zu erwirtschaften und welchen Investitionsaufwand an Geräten und Qualifikation aller Mitarbeiter dem zugrunde läge.  Dann war da die Rechnung für den Blick auf die alte Wärmepumpe. 100 Euro. Angeblich sogar noch günstig, wie Erzählungen aus dem Bekanntenkreis berichteten. Schließlich musste der Handwerker 15 Minuten zu uns fahren (eine Strecke wohlgemerkt) und er war 15 Minuten da. Und dann ist da noch die Sache mit der Beantragung des staatlichen Zuschusses. Das muss zwingend über den Handwerksbetrieb erfolgen, auch wenn es nur das Ausfüllen eines Formblattes darstellt.  Macht 275 Euro an den Klempner, die bei Kauf der neuen Wärmepumpe gutgeschrieben werden.

Warum erzähl ich das Alles ?

Und was hat das mit Endodontie zu tun ?
Nichts.
Und das ist das Unerhörte.

Denn der Vergleich  Sanitärinstallateur vs.  Arzt verdeutlicht ebenso drastisch wie offensichtlich die Problematik des deutschen Gesundheitswesens im neuen Millennium. Insofern ein  schönes Beispiel für das Offenlegen  des Dilemmas, das uns allen widerfährt.

Der Sanitärinstallateur macht eigentlich alles genau so, wie wir es gerne hätten. Sein Kostenvoranschlag ist eine unverbindliche Schätzung („falls nichts Unvorhergesehenes hinzukommt“)  des notwendigen Aufwandes und der damit verbundenen Kosten. Die eigentliche Abrechnung erfolgt nach Beendigung der Arbeiten und berücksichtigt den tatsächlichen Aufwand und die tatsächlich anfallenden Kosten. Es gibt keine Festpreise, keine festgelegten Pauschalen für die Arbeit oder die Materialkosten.  Mehr noch als das. Die Preise für die jeweiligen „Gebührenpositionen“ bestimmt der Handwerker selbst nach eigenem Ermessen. Den Gesetzen des Marktes unterworfen könnte man/ müsste man noch anfügen.

Wir Zahnärzte hingegen ?
Müssen einen verbindlichen Kostenvoranschlag abgeben, gewissermaßen über hellseherische Fähigkeiten verfügen. Was man bei einem Handwerker schon als systemimmenent unabwendbar voraussetzt – hinterher wirds teurer – hat der Gesetzgeber verboten. Billiger, weniger geht natürlich immer, aber mehr Geld als ausgemacht ? Da sei ein Riegel vor. Was sagt einem dann der gesunde Menschenverstand ? Dann baue ich in den Kostenvoranschlag einen Sicherheitsaufschlag ein. Aber auch das lässt der Gesetzgeber nicht zu. Was abgerechnet werden darf im entsprechenden Fall ist vorgeschrieben. Es gibt genau definierte Gebührenpositionen und deren Honorar ist festgelegt. Festgelegt seit vielen Jahrzehnten. Anpassungen an die sich im Laufe der Zeit ergebenden Preissteigerungen des täglichen Lebens werden nur marginal in großen zeitlichen Abständen berücksichtigt. Jeweils nach zähem Ringen und weit unter dem tatsächlich stattgefunden Kostenzuwachs. Eine automatische Anpassung, die sich am Lebenshaltungsindex, an den Lohnsteigerungen im öffentlichen Dienst oder gar an den Gehältern der Bundestags- oder Landtagsabgeordneten orientiert ?  Illusorisches Wunschdenken.

In meinem Bundesland sieht das Ganze im Übrigen wie folgt aus, ich zitiere aus dem Netz: „Wie die Diäten steigen, richtet sich künftig an der durchschnittlichen, allgemeinen Verdienstentwicklung in Rheinland-Pfalz aus. Das hatten die Abgeordneten von SPD, CDU, FDP und Grünen im März 2017 im Landtag beschlossen. Trotzdem stoßen die Zuschüsse nun auf Kritik. Denn: Das Gesetz sah ohnehin einen satten Zuschlag auf die Diäten von 17,5 Prozent in vier Stufen vor. Bekommen die Abgeordneten im Jahr 2020 fast 7000 Euro im Monat, sind das gut 1000 Euro mehr, als sie noch 2016 verdienten.“

Zurück zur Wärmepumpe. Wäre diese dem Kostenkreis Zahnmedizin zuzuschreiben, gäbe es eine Gebührenposition „Montage Wärmepumpe“. Selbstverständlich ist die Demontage der alten Wärmepumpe im Honorar enthalten, sowie der Abtransport und die ordnungsgemäße Entsorgung. Auch die zur Montage benötigten Kleinteile wie Rohre, Schellen, Dichtungen sind mit dem Honorar bereits abgedeckt. Der Preis der Wärmepumpe an sich darf weitergegeben werden, allerdings ist das jeweils günstigste Modell auszuwählen. Wie dieses von der Qualität her sich im Alltag schlägt, bleibt unberücksichtigt, spielt auch insofern keine Rolle, da ich als Behandler, sofern die Wärmepumpe in den ersten 2 Jahren einen Defekt hat, diese auf meine Kosten hin ersetzen muss, auch wenn der Fehler in der Wärmepumpe selbst zu suchen ist und nicht in der Montage durch uns.

Baue ich eine teurere, dafür zuverlässigere Wärmepumpe beim Kunden ein, so muss ich die Mehrkosten aus eigener Tasche zahlen.
Das Honorar ist im Übrigen noch genau das gleiche wie vor 16 Jahren, als ich meine erste Wärmepumpe gekauft habe.

Spätestens jetzt winkt der Klempnermeister kopfschüttelnd ab. Lass stecken, wird er sagen, such Dir einen anderen Dummen. Unser Nachbar, der Bäckermeister,  der Malermeister, der 200 m die Strasse hinauf wohnt und mein Freund Benno, der Landmetzger, mit dem ich im Sommer öfters zum Grillen zusammensitze, können es nicht glauben, wenn ich solche Sachen erzähle. Dann packe ich genüßlich noch unser Notdienstszenario drauf. Wenn nachts am Wochenende um 2 Uhr das Telefon klingelt, und ich unverzüglich mich in die Praxis begebe, dann gibt es doch tatsächlich 11 Euro 18 Cent obendrauf, dafür, dass ich mitten in der Nacht in die Praxis fahre. Die Fahrtkosten sind allerdings da schon drin. Und was man nicht vergessen darf. Im Notdienst darf ich eine Reihe von Leistungen nicht  abrechnen, auch wenn diese zur Schmerzausschaltung notwendig sind. Die Argumentation unserer Standesorganisation, die diese Streichungen stützt ? Diese Maßnahmen seien nicht notwendig. Oder ich würde dem Hauszahnarzt die Arbeit wegnehmen, die Maßnahmen seien unwirtschaftlich, weil bestimmte Handgriffe zweimal gemacht werden müssen. Und das die Extraktion eines Zahnes gegebenfalls mit knapp 12 Euro, die dafür notwendige Betäubung mit 8,37 Euro zu Buche schlägt, wobei auch hier die Kosten für die Nadel und dem Anästhetikum (über den Daumen 1,50 Euro) abgezogen werden müssen. Dann sind da noch die Einmalartikel wie Handschuhe, Mundschutz, Patientenumhang, Speichelsauger, Luftpusterkanüle. Dazu die Maßnahmen für die Vor- und Nachbereitung des Arbeitsplatzes und die hygienische Aufbereitung der verwendeten Instrumente.

Auch bei Sanitärinstallateuren gibt es Notfalleinsätze am Wochenende. Bleibt die Heizung kalt, da freut man sich, wenn der hilfsbereite Handwerker schon am Samstag kommt und nicht erst am Montag nächster Woche. Aber was würde der wohl sagen, wenn seine Handwerkerinnung ihm erzählte, er dürfte bei fremden Kunden keine Rechnung stellen, weil die neue Heizung ja später vom Sanitärinstallateur des Kunden geliefert werden würde.

Warum ich das Alles schreibe ?
Weil wir Zahnärzte in bester Orwellscher Farm der Tiere- Tradition ja schon gar nicht mehr realisieren, wie man uns am Halsband gegängelt durch die Manege vorführt. Für uns ist das Kafkaesk Absurde schon so normal, das wir (mich selbst eingenommen) eigentlich gar nicht mehr darüber reden wollen.

Wir sind wie Zootiere.
Wie Delfine in einem Aquazoo.

Die in kleinsten Becken (Delfine in freier Wildbahn legen pro Tag hundert Kilometer zurück) dahinvegetieren, 4 mal am Tag vor Publikum unsere Kunststücke vorführen und uns darüber freuen, dass man uns einen Fisch zusteckt, wenn wir besonders hoch gesprungen sind. Wir haben alle absurden Drehbuchszenarien des Gesundheitssystems vollkommen verinnerlicht und realisieren als Bestandteil der Matrix schon lange nicht mehr, wie realitätsfremd diese Konstrukte in Wirklichkeit sind. Stattdessen murmeln wir ein monotones „Vierbeiner Gut, Zweibeiner Schlecht“ während wir Tag ein Tag aus erneut zur harten Feldarbeit ziehen.

Ein tagtägliches Beispiel, wo dies besonders deutlich wird, bespreche ich in der nächsten Episode „MISCHKALKULATION!“.

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 4 „Medi-Meisterschaften“

Um die Zukunft dieser Studentinnen und Studenten (Damit meine ich alle an der Entstehung des nachfolgenden Videos Beteiligten) ist mir nicht bange.
Die werden ihren Weg gehen.
Warum ?

Weil der Beruf des Mediziners neben den üblichen wichtigen Parametern wie Fachwissen, handwerkliches Geschick und Einfühlungsvermögen auch Intuition, Kreativität, Leidenschaft und Begeisterung elementar voraussetzt. Und die Macher und Protagonisten dieses Videos bringen genau diese Dinge im Überfluss mit. Dazu eine große Portion Humor, was in der Tristesse und Frustration des später folgenden Berufsalltages ein wichtiger Resilienzfaktor ist. Und allen Stimmen, die jetzt die Hände überm Kopf zusammenschlagen und lautstark wehklagen „Und DAS sollen unsere zukünftigen Mediziner sein !“ werfe ich entgegen: „Gott sei Dank !“

 

Madames et Monsieurs, Respekt für diese exzellenten Videos !

Und das Bonn keine Ausnahmeerscheinung ist, zeigen weitere Videos von 2019 und den Jahren zuvor. Wie immer Geschmacksache, aber meine Top 3 2019 sind neben Bonn, Münster und Hamburg, weil die Damen und Herren die Messlatte auch produktionstechnisch extrem hoch gelegt haben. Lobenswerte Erwähnung ? Gorrillaz Göttingen (konstant herausragende Rhymes in all den Jahren, Lichtjahre allem voraus, was in den deutschen Charts an Rap die letzten Jahre gelistet wurde), Budapest, 2018 München und (musikalisch weit weg vom Mainstream extrem lässig Aachen, Newcomer Varna und Woodstock, nein Rostock vom Jahr zuvor. Aber es gibt noch so viele weitere sehr gut gemachte Beiträge, daß es eigentlich unfair ist, nur diese Videos zu benennen. Toll auch, dass sich die neuen Medizin-Kolonien Osteuropas ( da reihe ich auch Wien und Innsbruck ein, wo ist eigentlich Krems???) so wunderbar integrieren.

Der nachfolgende YouTube- Link listet die Beiträge allesamt auf.
Hallo ARD ! Der Eurovision Song Contest ist ein Witz dagegen. Hier könnt ihr lernen !

CSS schickt Tausende von Abrechnungen an falsche Kunden

„Die Rente ist sicher!“. Der berühmte Satz Norbert Blüm (btw der war doch auch mal Gesundheitsminister) hat eine Post Millennium-Variante bekommen. Das neue Mantra lautet: „Die TI ist sicher!“ Dumm nur, dass schon vor offizieller Inbetriebnahme reihenweise Gesundheitsdaten- Lecks gibt.

Hier ein Beispiel der letzten Wochen:

CSS schickt Tausende von Abrechnungen an falsche Kunden

Im Online-Portal der Krankenkasse CSS erhielten Kunden Rechnungen von fremden Personen. Das verletzt den Datenschutz.

Von SRF Online

Autor: Oliver Fueter

Eine Kundin der CSS erhielt in den letzten Monaten zweimal Abrechnungen von wildfremden Personen im Online-Portal MyCSS der Krankenkasse. Diese enthielten detaillierte persönliche Daten dieser anderen Kunden. Die Sprecherin des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten, Silvia Böhlen, sagt im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: «Das ist ganz klar eine Verletzung des Datenschutzes.»

Bei Gesundheitsdaten handelt es sich zudem um besonders schützenswerte Daten. «Dann ist die Datenschutzverletzung gravierender, als wenn nur ein Name oder eine Adresse falsch verschickt werden», sagt Silvia Böhlen.

Mehrere Tausend Fälle pro Jahr
Bei der CSS ist also Feuer im Dach. Denn es ist nicht das erste Mal, dass ein solcher Fall bekannt wird. Vor knapp einem Jahr berichtete der «Blick» über einen CSS-Kunden, der die Rechnung einer ihm unbekannten Frau in seinem MyCSS-Portal fand. Mit Angaben zu deren psychiatrischen Behandlung. Die CSS sprach damals von einem Einzelfall.

In wie vielen Fällen erhalten wirklich Kunden Abrechnungen von fremden Personen? Gegenüber «Espresso» sagt CSS-Sprecherin Nina Mayer: «Bei aktuellen Messungen haben wir den relativ geringen Fehleranteil von 0,7 Promille gemessen.» Die meisten Fehler geschehen bei der manuellen Verarbeitung, aber auch bei der automatisierten Zuteilung von Rechnungen geschehen Fehler.

«Nur» 0,7 Promille? Immerhin bedeutet dies, dass eine von 1400 Rechnungen an den falschen Kunden geht. Bei 17 Millionen Rechnungen, die die CSS pro Jahr verarbeitet, sind das immerhin fast 12’000 pro Jahr. Auch Rechnungen mit heiklen Daten. Die CSS zeigt sich reuig: «Fehler können passieren. Dass daraus Datenschutzverletzungen entstehen, ist inakzeptabel.»

Konsequenz: CSS ändert ihr System
Die Krankenkasse hat bereits im letzten Jahr Massnahmen ergriffen, um die Fehlerquote zu senken. Nachdem sich «Espresso» mit dem neuen Fall gemeldet hat, zieht die CSS Konsequenzen. Sie kündigt auf die kommenden Tage eine Umstellung auf dem Kundenportal MyCSS an: «Auf dem Abrechnungsdokument wird dann ausschliesslich die Person aufgeführt, die die Rechnung auf unserem Kundenportal erhält.»

Ein CSS-Kunde erhält also im Online-Portal von der CSS keine Original-Rechnungen mehr. Im seltenen Fall einer Fehlzuweisung seien dann keine Rückschlüsse auf den ursprünglichen Patienten mehr möglich, sagt die CSS: «Somit stellen wir sicher, dass keine Datenschutzverletzung mehr entsteht.» Es lohnt sich also gleichwohl, jede Abrechnung genau zu prüfen.

Nach dieser Ankündigung sieht das Büro des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten vorerst keinen Handlungsbedarf mehr. Der Datenschützer behalte die Sache aber im Auge. Und wenn man den Eindruck habe, dass das noch nicht genüge, spreche man die CSS darauf an.

Neue Rubrik – Kurz belichtet – Ausgeheilt !

Eine neue Rubrik, kurz und knackig, so wie der Überweiser es auch am liebsten hat.

Keine seitenlange Berichte, sondern nur die relevanten Informationen: Die Röntgenbilder, die den Heilungsverlauf belegen, Zahn und Zeitangaben.

Hier ein Beispiel von heute.
Zahn 46, vor der Endo, direkt nach WF und nach der ersten Kontrolle 7 Monate post WF.

 

 

Diagnose des Tages 22.10.2019 Unklare Schmerzen im Oberkieferseitenzahnbereich (Teil 1)

Ich muss gestehen, dieser Fall hat mich selbst noch nach fast 30 jähriger zahnärztlicher Tätigkeit beim Erstgespräch ein wenig sprachlos und betroffen gemacht. Insgesamt NEUN Mal in den letzten Jahren, so die Schilderung der 58 jährigen Patientin, hat sie endodontische Behandlungen und operative Eingriffe im Bereich des linken Oberkiefers über sich ergehen lassen. Die Schmerzen sind geblieben. Jetzt soll der Zahn 23 wurzelkanalbehandelt werden, seine klinische Krone ist dunkler, opaker geworden im Laufe der Zeit. Allerdings macht der MKG- Chirurg, der die operativen Eingriffe vorgenommen hat, der Patientin wenig Hoffnung. Seine Prophezeiung? Auch diese Wurzelkanalbehandlung wird scheitern, weshalb sinnvollerweise vielleicht die sofortige Extraktion und nachfolgende Implantation die bessere Lösung wäre. Jetzt sitzt die Patientin bei uns im Behandlungsstuhl und bittet um Rat. Ihr Ehemann, dem wir 5 infauste Zähne (allesamt Zustand nach WK/WF alio loco) durch WF- Revision erhalten konnten, hatte sie zu uns geschickt.

Ein DVT des gesamten Ober- und Unterkiefers hat die Patientin mitgebracht.
Es erweist sich leider als wenig aussagekräftig und lohnt nicht des Einstellen an dieser Stelle, höchstens als abschreckendes Beispiel. Stattdessen die beiden Zahnfilme von Zahn 22, 23 und Zahn 27, die wir anfertigten und meine Frage an die Mitleser:

Wer hat eine Idee, wo die Beschwerden herkommen, welche diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen sollten ergriffen und wie sollte man mit dem Zahn 23 verfahren ?

 

 

Neulich bei Facebook

Ich bin nicht mehr bei Facebook.
Das war nie meins und irgendwann habe ich beschlossen, dass ich das nicht brauche. Christoph hat mir am Wochenende berichtet, dass WURZELSPITZE bei Facebook Erwähnung gefunden hat. Zunächst große Freude, dass WURZELSPITZE wieder da ist. Soweit, so erfreulich. Dann aber diese Äußerung. „WURZELSPITZE versteckt sich jetzt hinter einer Paywall“.

Was ich davon halte, wollte er wissen.

Hier meine Anwort:

„WURZELSPITZE versteckt sich jetzt hinter einer Paywall“.

Genau so ist es.
WURZELSPITZE befindet sich neuerdings hinter einer Paywall.
Paywall, ich übersetze mal, bedeutet, die Leistung, die wir erbringen, konkret das Publizieren wertvoller Fachinformationen, kostet den Leser, der diese Informationen haben möchte, Geld.
Genau wie jede andere Leistung auf dieser Welt auch Geld kostet.

Du gehst in die Bäckerei. Kauft ein Brot. Zahlst Geld dafür.
Oder ein Patient besucht eine Zahnarztpraxis. Bekommt eine Füllung. Zahlt.

Das Normalste auf der Welt, oder ?
Und nachdem wir 10 Jahre lang Brote verschenkt haben an ganz viele Menschen, sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass das Brotbacken viel Zeit kostet und viel Arbeit macht.
Und dass wir kein Brot mehr backen wollen.

Was eigentlich schade ist.
Haben uns zumindest ganz viele Leser gesagt.
Nachdem wir aufgehört hatten.

So haben wir nach längerer Auszeit daher beschlossen, wieder Brote zu backen.
Allerdings von nun an unsere Brötchen und Brote nicht mehr zu verschenken, sondern einen sehr sehr kleinen Obulus dafür zu verlangen.
Um weiter Brot backen zu können.

Alternativ könnte man vorschlagen, dass jeder Zahnarzt, jede Zahnärztin, der/die mitliest, für jeden Beitrag, den wir schreiben, die gleiche Zeit, die für das Schreiben des Vortrags aufgewendet werden muss (sagen wir eine halbe Stunde pro Arbeitstag) einen Patienten umsonst behandelt. Konkret. Keine Zuzahlungen nimmt und den Anteil, den die gesetzliche oder private Krankenversicherung erstattet, spendet.

Wir tauschen unsere Arbeitszeit gegen die Arbeitszeit des Lesers.
Nur fair, oder ?
In der Zeit, in der ich schreibe, könnte ich ja einen Patienten behandeln.
So wie es der Leser tut, während ich schreibe.
Um anschließend zu erfahren, wie er seine Patienten noch besser behandeln kann.

Wie toll ist das denn ?
Während ich (der WURZELSPITZE- Leser) arbeite und Geld verdiene, setzt sich jemand (der WURZELSPITZE- Autor, der sich bestens in der Endo auskennt) statt selbst Geld zu verdienen stattdessen hin und erzählt mir (wenn ich mit meiner Arbeit und meinem Geldverdienen fertig bin), wie ich meine Behandlung weiter optimieren kann.

Hält man sich dies vor Augen, sind die 7 bis 28 Cent pro Tag, die der Leser für das „Überwinden“ der Paywall aufzubringen hat, nicht mal die virtuelle Tinte wert, die dieser Kommentar-Thread benötigt.
Ein veritables Schnäppchen.

Wer das möchte, wohlgemerkt.
Denn jedem Leser steht es frei, diese paar Cents einzusparen.

In der Hoffnung, dass er eine Bäckerei findet, welche die nächsten 10 Jahre Brote verschenkt an alle Kunden, so wie wir es 10 Jahre lang getan haben.

Allerdings – in den letzten 1,5 Jahren, in denen WURZELSPITZE offline war, ist uns keine Bäckerei aufgefallen, die dies gemacht hätte.
Gute Bäckereien gibt es ohnehin kaum noch.
Nur noch Brot aus dem Backshop beim Discounter.
Wer ´s denn mag.

Guten Appetit !

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 3

Jugend 1979. Mit 16.
Auf dem Land.

Heißt. Der Bus fährt 2 mal am Tag in die nächste Stadt.

Wichtigstes Hilfsmittel. Das Mofa oder Mokick oder Kleinkraftrad. Je nach Finanzlage der Eltern.
Sommerliche Freizeitbeschäftigung eines 16 Jährigen ? Sport. Im Verein, wohlgemerkt. Schwimmbadbesuch. Abhängen vor der Eisdiele. Stadtrunde fahren mit dem Moped.

Und dann gab es noch ab und an Open Air Festivals.
Nicht solche Sachen wie Woodstock oder Rock am Ring. Sondern lokale Bands, die sich auf der grünen Wiese zusammentaten und vor – wenns hoch kam – 100 Leuten spielten.

So auch in Meisenheim am Glan. Auf der Heimbach. Die Heimbach ist die Kirmeswiese gegenüber des Schwimmbads. Die Musik ? Naja. Wie lokale Bands halt sind. War trotzdem gut. Damals. Wir hatten ja nichts. Man sitzt in der Sonne, Hört der Musik zu und fühlt sich prima. Irgendwie ein wenig erwachsen und irgendwie ein wenig großstädtisch.

Umbaupause.
Zwischen den Bands.
Der Tontechniker lässt Musik laufen. Von Kassette.

Unbekanntes Material. Hochkomplex. Aber nicht zum Weglaufen, sondern hörenswert. Genial. Jazz, Rock, Pop gemischt. Alles in einem vereint. DAS nennt man Fusion.

Der Sänger – mit gigantischer Stimme.

Ich frage nach dem Namen der Band.
Gino Vanelli. Nie gehört.
Ich dachte, der Typ verarscht mich. So nannte man Eissorten zu unserer Zeit.
Die Platte ? Brother to Brother. Das Lied ? Nightwalker. Alles unbekannt. Am nächsten Tag also in den Plattenladen gegangen. Die Platte gekauft. Und nie mehr hergegeben.

Hier ist Gino.
Live.

Sorry für die Videoqualität. Nicht entmutigen lassen und das Video trotzdem anschauen, weil wir hier nicht nur ein Musik- Dokument betrachten, sondern auch ein Zeitdokument. Gino Vanelli. Der heißt wirklich so. Franko – Kanadier. Die Haare sind keine Perücke, da trug man damals. Mädchenschwarm. Heißer Typ. Man beachte das bis zum Bauchnabel offene Hemd und das Brusttoupet. DAS waren die 70er. Tut aber der Musik keine Abbruch. Und wo wir über Musik sprechen. Die Musiker allesamt erstklassig. Der Mann im Hintergrund am Schlagzeug, leider viel zu früh nach schwerer Krankheit verstorben, war Marc Craney. Ein unglaublicher Könner seines Fachs. Absoluter Ausnahmekünstler.

Und Brother to Brother ist ein extrem schwieriges Stück Popmusik.
Dies zu covern ist fast unmöglich.

Umso höher herauszuheben sind diese 3 Jungs hier um Roy Roper, die eine wirklich perfekte Darbietung abliefern.

Gino Vanelli wurde Mitte der  80er auch in Deutschland einem breiteren Publikum bekannt. Er hatte zu dieser Zeit  zwei Billboard  Top 50 Hits in den USA. „Black Cars“ und „Wild Horses“. Wie so oft in der Musik – beide Lieder, die immer mal wieder noch heute im deutschen Radio laufen,  werden dem Genius des Meisters nicht mal annähernd gerecht.

Daher führe ich  an dieser Stelle  lieber noch 2 weitere herausragende Stücke an:

 

 

Update Fragremover

Hier 2 Fotos von Tomas Kupec.

MTwo Instrument entfernt mittels Fragremover. Mehrere Drähte erhöhen die Krafteinleitung.

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 4: „ERSTGESPRÄCH!“

Wie war es bisher ?

Anruf eines Neupatienten. Ein Termin zur Untersuchung und Besprechung wird vereinbart. Zwingend vorgeschrieben, Auch wenn, wie gestern, die Lehrerin aus Aschaffenburg anruft und auf die Dringlichkeit ihres Falles („Mein Zahnarzt hat aber gesagt sofort…“) und auf die weite Anreise hinweist. „Sehr geehrte Frau Müller Maier Schmidt, alles was nicht mit dem Flugzeug erfolgt, ist keine weite Anreise“.
Aber darüber reden wir  in der Episode „AUTOBAHN“ .

Jetzt geht es um besagte Erstuntersuchung und bisher bekam bei uns nach Anruf der Patient den nächsten freien Termin.

Unsere Terminplanung sieht wie folgt aus: Wir unterscheiden 3 Gruppen von Terminen. Lange Endo-Termine (45 – 90 Minuten), kurze Endo-Termine 30 Minuten und Kontroll- Termine (5 – 15 Minuten).

Und die Überlegung war: Nach einer anstrengenden oder sagen wir volle Konzentration erfordernden Endo soll es etwas Anderes, Entspannenderes sein.

Das ist zumeist eine postendodontische Stabilisierung, die wir (und nicht der Hauszahnarzt) bei allen unseren Patienten durchführen.
Zeitrahmen 30 Minuten.

Ein typischer Tagesablauf wäre also:

8 – 9 Uhr Endo Behandlung 1

9 – 9 30 Wurzelstift oder PES 1

9 30 Uhr bis 10 30 Uhr Endo 2

10 30 – 11 Uhr Wurzelstift oder PES 2

11 Uhr – 12 Uhr Endo 3 usw.

Und in genau diese 30 Minuten Termine zwischen zwei Endo- Behandlungen haben wir in all den Jahren unsere Besprechungen einbestellt. Zur Entspannung gewissermaßen und weil wir den Patienten ja schnellstmöglich einen Termin anbieten mochten.

Dumm nur.
Das mit der Entspannung funktioniert nicht.
Im Gegenteil.

Diese Vorgehensweise war so ziemlich das Dümmste, was man vorstellen kann. Heute kann ich rückblickend nur verständnislos den Kopf schütteln, wie und warum wir das SO lange gemacht haben.

Was ist der Denkfehler ?

Zunächst allein schon die Tatsache, dass ein Erstgespräch zeitlich nicht zu kontrollieren ist. Und der kalkulierte Rahmen von 30 Minuten gegebenenfalls zu kurz bemessen ist, je nachdem wieviel Gesprächsbedarf sich auftut.  Man kennt das: „Seit wann haben Sie denn diese Schmerzen: „Oh Herr Doktor, das muss ich etwas weiter ausholen, lasen sie mich nachdenken, ich war damals schwanger und mein Sohn ist jetzt 37. Wenn so ein Satz auftaucht, weiss man sofort, das wird jetzt dauern“. Der Zeitrahmen  ist ohnehin sehr knapp bemessen, 45 Minuten wären sicherlich, alles in allem berücksichtigend (Gespräch, Untersuchung, HKP-Erstellung und Erläuterung, Dokumentation) angebrachter. Allerdings  wird dann umso mehr offensichtlich, dass dieses Erstgespräch eine nicht kostendeckende Angelegenheit ist. Auch darüber werden wir in einer weiteren Episode detailliert sprechen und wie mit solchen Situationen  sinnvollerweise umzugehen ist.

Für den gegenwärtigen Stand unserer Überlegungen reicht aber alleine schon die Tatsache, das ein Erstgespräch, welches den Zeitrahmen überzieht, entweder dazu führt, dass man versucht, das Gespräch schnellstmöglich zu Ende zu bringen, ein gerade im Hinblick auf den ersten Patientenkontakt fatales nonverbales Signal. Oder aber man überzieht.  Und startet verspätet und mit einem Zeitdefizit gleich von Beginn an in die nächste Endo- Behandlung.

Beides möchte man nicht.
Bedeutet Stress. Unruhe. Frustration.
Keine guten Voraussetzungen für Top – Ergebnisse.
Und garantiert KEIN SPASS. Den wir doch haben wollen. Immer. Oder ?

Die Konsequenz war, die Erstuntersuchungen an das Ende des Arbeitstages zu legen. Man hat so alle Zeit der Welt.

Problem gelöst ?
Auf den ersten Blick schon.
Allerdings ist am Ende des Tages aber auch schon viel Kraft auf der Strecke geblieben. Ich habe diese Gespräche immer als sehr anstrengend empfunden.  Es war kein Spass, sondern vielmehr notwendiges Übel. Und natürlich gab es immer wieder Patienten, die zu diesem Zeitpunkt nicht konnten oder -weil dringend anzusehen, dann doch im Laufe des Tages inmitten der regulären Behandlungen eingebucht wurden. Mit den oben beschriebenen Problematiken.

Wie machen wir es heute ?

Erzähle ich in der nächsten Episode: „MITTWOCH!“

Danke Marcus, Nils, Stephan, danke Andras !

Der „Thermafil“- Kunststoff-Stift ist riesig und drumherum liegt deutlich Guttapercha im Wurzelkanal. 

Hervorragende Voraussetzungen demnach für die Entfernung desselben.

Aber – ganz so banal ist das dann doch nicht. Beim Versuch den Stift mittels Reciproc- Instrument zu entfernen, kann in der Tiefe ein Stück des Kunststoff- Carrier, eingeklemmt im sich verengenden Kanal abreissen und zurückbleiben.

Man wird als zunächst erst mal mehr oder weniger vorsichtig bis unmotiviert sich bemühen, den Stift freizulegen, immer mal wieder versuchen, ihn mit irgendwelchen Pinzetten, Zangen etc. versuchen zu greifen, was allzuoft nicht gelingt. Irgendwann greift man dann zu den maschinellen NiTI – Instrumenten und hofft, das der Stift in toto herauskommt.

Und so macht es einen entscheidenden Unterschied, ob man wahrscheinlich, irgendwann und irgendwie den Thermafil- Stift entfernt bekommt oder man dem Patienten noch vor der Behandlung das beruhigende Gefühl geben kann, diesen Wurzelsitft vorhersagbar und sicher entfernen zu können.

Schön demnach, wenn man auf den Fragremover zurückgreifen kann. Denn dieser macht die Kunststoffstift – Entfernung hier zum sekundenschnellen Kinderspiel. Wir nutzten im konkreten Fall den Prototyp einer Fragremover- Variante. Vom Kollegen Andras Csögor entwickelt, zusammen mit Hilfsmitteln, die das – sagen wir – emotional fordernde Vorbereiten und Einfädeln des Schlingendrahtes deutlich erleichtern. Ihm gilt mein Dank, genau wie den Kollegen Marcus Leineweber, Nils Widera, Stephan Gäbler, den Entwicklern des Fragremover – Originals.

Nachfolgend 2 Röntgenbilder (vorher/nachher) und ein Video, den klinischen Vorgang betreffend. Die Schlinge saß sehr sehr fest um den Stift drum herum, es konnte mit zwei Händen und voller Kraft gezogen werden, was aber auch zwingend notwendig war, um den Fremdkörper entfernen zu können.

 

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 3: „REPETITION!“

Wir erinnern uns
Damals im Studium.

Die zweite aufgewachste Kronenmodulation ging schon wesentlich schneller als die erste. Und wie war das, als wir zum ersten Mal Kofferdam anlegten ? Eine Katastrophe. Wie habe ich den Patienten bedauert und bewundert gleichermaßen für seinen Mut und seine Geduld, mich  gewähren zu lassen.
Und wie leicht geht es heute von der Hand.

Übung macht den Meister.
Heißt es.

Aber es war interessanterweise nicht das stete Wiederholen an sich, das uns nach  Limitierung unserer Praxistätigkeit einen entscheidenden Mehrwert unseres tagtäglichen Arbeitens in der Endodontie gebracht hat. Denn nach 25 Jahren sollte man meinen, genügend Endos gemacht zu haben, um fit zu sein in allen tagtäglichen Situationen.

Es ist also weniger die bloße Menge an sich, sondern vielmehr das stakkatoartig schnelle Wiederholen des Immergleichen. Das fällt auf, seit wir ausnahmslos nur noch Endo machen. Sobald sich etwas Besonderes ereignet im Rahmen der Behandlung, eine Schwierigkeit, eine unbefriedigende Situation, haben wir sofort im Anschluss die Möglichkeit, beim nächsten Patienten uns eine Verbesserung einfallen zu lassen und diese auszuprobieren. Und das 5 bis 8 mal am Tag. Jeden Tag. Unser Evolutionszyklus ist mittlerweile sehr sehr kurz.

Schon innerhalb eines Tages haben wir so gegebenfalls eine Unzulänglichkeit erkannt, eine Lösung des Problems eruiert, diese sofort beim nächsten Patienten umgesetzt, die Verbesserung erfahren und in den weiteren nachfolgenden Sitzungen des Tages soweit wiederholt und konsolidiert, dass sich am Ende des Tages ein neuer Behandlungsschritt etabliert hat. Dieser wird in der Teambesprechung des nächsten Tages frühmorgens zu Behandlungsbeginn im gesamten Team geteilt und wird damit stande pede integrativer Bestandteil unseres tagtäglichen Arbeitens.

Warum das in unserer Praxis bislang nicht so war, obwohl wir doch mehr als 80 %, eher sogar mehr als 90 % unserer Tätigkeit auch bislang schon endodontischen Belangen gewidmet haben, darüber kann ich nur mutmaßen. Ich vermute, das die nichtendodontischen Unterbrechungen letztendlich vom Thema wegführten und ablenkten. Aus den Augen, aus dem Sinn. Und bis zum nächsten Endo-Patienten, auch wenn es nur 30 bis 60 Minuten und zwei Patienten später war, ist das Problem vergessen oder zumindest ein Stück weit verschüttet, weil natürlich auch in den anderen Behandlungsbereichen Verbesserungsmöglichkeiten anfallen. Über die wiederum nachgedacht, sinniert wird. So subsumiert sich am Ende des Tages statt beseitigter Widrigkeiten eine Liste an Unzulänglichkeiten, für die, sofern man diese überhaupt am nächsten Tag im Teamgespräch anzusprechen Lust hat, es ad hoc und bei nicht vorhandenem Zeitrahmen natürlich keine Lösungen geben kann. Was wiederum zu negativen Schwingungen und damit Frustration führt.

Ein schönes Beispiel für eine solche Verbesserung, die uns Woche für Woche erneut ausgesprochen positiv ins Bewußtsein kommt, weil sie uns extrem weitergebracht hat, sind unsere ersten Patientenkontakte. Davon berichte ich in der nächsten Episode: „ERSTGESPRÄCH!“

Spass im Beruf

Passt hervorragend zum WURZELSPITZE Plus – Beitrag

Wer wissen möchte, was Spass im Beruf bedeutet, der schaut dieses Video.

Das Zitat zum Thema des Tages ist ab 09: 45 Minuten.

 

 

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 2: „KONZENTRATION!“

Die wahren Helden in der Zahnmedizin ?

Es sind Zahnärzte wie der Meckenbeurer Kollege Sepp Diemer.
Ein dentaler Zehnkämpfer. Absoluter Höchstleistungszahnmediziner.

Wie die Sportler in jedem der 10 Disziplinen Höchstleistungen erbringen, so tun dies in der Zahnmedizin engagierte Generalisten, die versuchen in der Paro, Endo, in der Zahnerhaltung, beim Zahnersatz oder in der Implantologie das Bestmögliche an Ergebnissen zu erzielen.

Zehnkämpfer sind in der Tat die Könige der Leichtathletik.
Und das ringt mir höchsten Respekt ab.

Es gibt nur einen kleinen Schönheitsfehler.

Bei den  Olympischen Spielen  hätte es der beste Zehnkämpfer in der jeweiligen Disziplin nicht einmal ins Finale des jeweiligen Solo – Wettbewerbs geschafft. Geschweige denn auf einen Medaillenrang. Der Sieger des 100 Meter-Endlaufes der Spiele 2012 in London, Ursain Bolt war mit 9,63 Sekunden  fast eine Sekunde schneller als der Sieger des olympischen Zehnkampfes Ashton Eaton mit einer Zeit von 10,46 Sekunden. Das sind im 100 Meter-Lauf Welten, die zwischen beiden Wettkämpfern liegen.

Wenn ich als von Konzentration spreche als Voraussetzung für den Erfolg in der Praxis, dann ist hier nicht die geistige Konzentration gemeint (der es selbstverständlich immer bedarf) sondern vielmehr die Konzentration auf das Wesentliche, die Beschränkung auf eben DIESE EINE Sache, die notwendig ist, um wirkliche Bestleistungen zu erbringen.

In dem ich nur diese eine Sache mache, erreiche ich zwangsläufig ein Niveau, wie ich es als Generalist, ja selbst als ein Generalist auf dem Niveau eines dentalen Zehnkämpfers nie erreichen werde. Noch einmal. Ich bewundere die Zehnkämpfer. Oder die Ironman – Profis. Aber auch der diesjährige Sieger und zweifache Champ  Jan Frodeno (Ruhepuls 36 bpm ! ) wird niemals die 42 KM Marathon Strecke unter 2 Stunden laufen. Wie letzte Woche in Wien durch Eliud Kipchoge erreicht.

Und noch was.
Auch wenn es weh tut.

Nein, es reicht nicht, dass man 80 Prozent Endo macht oder 90 Prozent Endo.
Zu dieser Erkenntnis gelangt man aber erst, wenn man besagten Schritt vollzogen hat.
Es gibt einen himmelweiten Unterschied in unserem Arbeiten, so wie es jetzt ist,  bei 100 Prozent ausschließlich  Endo gegenüber dem, was wir all die Jahre zuvor getan haben, wie wir all die Jahre zuvor gearbeitet haben.

Haben wir tolle Dinge gemacht in all den Jahren? Zweifellos.
Immer versucht, unser Bestes zu geben. Unbedingt !
Waren wir bis dato schlecht ? Nein.
Sind wir heute besser ? Vermutlich nicht. Makroskopisch gesehen.

Aber wir arbeiten besser.
Was sich in irgendeinem Bereich, auf irgendeiner Ebene auszahlen wird.

Warum ist das so ?
Warum arbeite ich soviel besser, wenn ich mich auf eine einzige Sache beschränke ?

Dazu tragen viele Faktoren bei, die wir nachfolgend aufführen und analysieren wollen. Beginnen möchte ich mit dem Schlagwort „REPETITION!“

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 1: „SPASS!“

SPASS !

wenn ich in einem Wort zusammenfassen müsste, die Quintessenz dessen wiedergeben sollte, was wir gewonnen haben, nachdem wir vollständig zur ENDO gewechselt sind, dann wäre es dieser Slogan: SPASS !

Aber der Reihe nach.

Natürlich – es ist nicht so, dass ich all die Jahre in unserer Praxis keine Freude hatte. Allerdings- ich sag mal so, Sonne und Regen haben sich – Echtes Aprilwetter – immer wieder mal abgewechselt.

Am 25. Januar 1993 hatte ich meinen ersten Arbeitstag in eigener Praxis.
Bis Ende 2012 war ich dann das, was man einen Generalisten mit ausgeprägtem Schwerpunkt „Endodontie“ bezeichnen könnte. Konkret – mit einem reinen Endo – Tag so um das Jahr 2001 oder 2002 herum angefangen, zuletzt 4 Tage Endo, 1 Tag Kons, ZE eher selten und zuletzt nur noch festsitzend.

Und jetzt nur noch und ausschließlich Endodontie. Was hat sich geändert ?

So banal es klingt und so klischeehaft es erscheint: Wir haben Spass ! Und zwar dauerhaft.

Jeden Tag komme ich in die Praxis und freue mich auf das, was mich erwartet.

Ich bin positiv gestimmt in Vorfreude auf das Kommende. Das war in all den Jahren zuvor (und wir reden hier immerhin von 2 Dekaden Dental-Fronarbeit) von der Tendenz her eher anders rum. Wie oft habe ich mich am Morgen auf der Fahrt zur Praxis gefragt: Was wird wohl heute auf mich warten ?“ Und – was die innere Stimme nicht aussprach, was aber immer im Raum stand als stumme Fortsetzung der Frage – an Unangenehmem, an Unvorhergesehenem, an Ätzendem ?

War es früher von der Grundstimmung her jeden Tag auf Neue wie ein Aufbruch ins Ungewisse (so müssen sich die antiken Seefahrer gefühlt haben), so empfinde ich es heute wie das Geburtstagskind am Tage seiner Geburtstagsfeier. Man weisst nicht, was man geschenkt bekommt, aber eins ist sicher, man bekommt auf jeden Fall viele schöne Geschenke.

Oder – anderes Sinnbild -Man setzt sich hungrig an den Tisch zum Mittagessen. Keine Ahnung, was die Mama heute gekocht hat, aber eins steht fest, es ist auf jeden Fall lecker.

Und daher gilt es für Leser/Leserin, in sich selbst hineinzuhorchen.
Haben Sie auch permanent Spass in der Praxis ?

Dann Glückwunsch, nur noch aus Neugierde hier weiterlesen.
Allen Anderen kann ich an dieser Stelle nur raten, sich von den negativen Dingen der Berufsausübung (ich rede jetzt vom Arbeiten per se, nicht vom Ärger mit Patienten, die ihre Rechnung nicht zahlen)  zu trennen.  Und zwar so schnell wie möglich, denn ICH habe viel viel zu lange diese Entscheidung vor mir hergeschoben.

Bester neutraler Indikator zur Unterstützung dieser These: Mein Team. Viel zu lange hätte ich gewartet, das hätte ich viel früher tun sollen, so habe ich es immer wieder gehört und höre es auch heute noch ab und zu.

Was natürlich nicht stimmt, die Zeit war noch nicht reif.
Nein. Sagen wir besser. Ich war noch nicht reif.
Noch nicht bereit.

Jetzt fühle ich mich befreit.
Und eine solche Befreiung setzt positive Energie frei.
Die man wiederum in neue Projekte investiert. Welche einen wiederum weiterbringen. Eine positive Feedback- Schleife hin zum (noch) Besseren.

Das bringt uns zum Topic der morgigen Folge, die da lautet:

KONZENTRATION !

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 2

„Pomplamoose“ das sind Natalie und Jack.
Ein amerikanisches Pop- Duo, welches zunächst durch seine sehr kreativen Low Budget Musik- Videos mir ins Auge fielen.

Und die Beiden passen hervorragend zu WURZELSPITZE.
Warum ?

Weil sie ihre Sache mit Leidenschaft machen.
Eine Vision hatten.
Klein anfingen und sich mittlerweile zu einem vielbeachteten und hochprofessionellen Musikteam weiternentwickelt haben.

Starten wir mit einem Video aus ihrer frühen Phase.
Ein legendärer alter Wham-Klassiker, tausend mal gehört, hier mit einfachsten Bordmitteln neu interpretiert.

Neugierig geworden bin ich dann auf das hier gestossen.

Ein Auftritt von Pomplamoose 2012 bei TED – Konferenz. Bei der Jack Conte die Auswahlkriterien der Mainstream Musikindustrie kritisiert, die sich bislang immer nur auf ganz wenige ausgesuchte Top- Acts konzentriert und diese mit einem Riesenbudget unterstützt, so dass unbekannte, nicht desto trotz sehr talentierte kreative Acts keine Beachtung finden. Conte fordert eine Umkehr, schlägt einen neuen Weg vor, der Unterstützung auch für Bands am Beginn ihrer Karriere vorsieht. Bei Banken würde man so etwas Mikrokredite nennen. Nur mit dem Unterschied,  daß die Kredite von den Hörern selbst kommen. Das Duo spielt zwei Lieder, beide zum Weglaufen im Übrigen, aber der Rest ist Geschichte.

8 Jahre später ist Jack Conte der CEO von Patreon.
Einer Crowdfunding-Plattform von (digitalen) Inhalten. Künstler können mit Patreon ihren Nutzern die Möglichkeit geben, ihnen einfach und direkt regelmäßig einen selbstbestimmten Geldbetrag zu zahlen. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich die Plattform bei Webvideoproduzenten, Musikern und Bloggern. 2017 lag der an die Künstler ausgezahlte Gesamtbetrag bei 150 Millionen Dollar.

Und Pomplamoose produzieren mit wunderbaren hochkarätigen Musikern wöchentlich Musikvideos von herausragender musikalischer Qualität. Im Nachfolgenden eine wie immer sehr subjektive Auswahl. Aber eins lässt sich nicht wegdiskutieren. Die beiden können stolz sein. Sie sind weit gekommen, betrachtet man die Anfänge des TED – Videos mit den ausgefeilten

Und das Beste ist.
Der anarchische Spass der frühen Jahre ist vollständig geblieben.  Man muss Jack nur beim Klavierspielen zuschauen.
Und damit spannen wir den Bogen zur Endodontie und WURZELSPITZE. Wer kennt das nicht, der Blick zurück auf die Anfänge der eigenen Endo. Manche Ergebnisse sind nachwievor beeindruckend, insbesondere im Hinblick auf die frühe Entstehung dieser „Werke“. Andere Anfangsresultate möchten wir lieber gar nicht betrachten, stellen aber wenigstens tröstlich respektvoll den Fortschritt fest, den wir in all den Jahren gemacht haben. Und – Spass, da spreche ich für das gesamte WURZELSPITZE-Team, Spass an der Endo haben wir immer noch.

In diesem Sinne – Viel Spass mit Pomplamoose.
Und schreibt mir euren Favoriten in die Kommentare.

Siemens M1 Behandlungsstuhl als Ersatzteilträger ?

Nächste Woche geht unser letzter noch vorhandener SIEMENS M1- Behandlungsstuhl nach 25 Jahren in seinen verdienten Ruhestand. All die Jahre bis zum heutigen Tag (und sicherlich auch noch nächste Woche) wird er uns treu funktionierend zur Seite gestanden haben.

Und wenn die Firma SIRONA mit ein wenig Einfühlungsvermögen an seine Kunden als Partner auf Augenhöhe gedacht hätte, dann stände in unserer Praxis vielleicht demnächst ein Sirona-Stuhl der neuesten Generation. So macht die M 1 Platz für ihren Nachfolger aus dem Hause MORITA.

Aber vielleicht kann unser Stuhl ja noch einer anderen Praxis weiterhelfen ?
Als Ersatzteilspender oder wie auch immer ?

Irgendwie fände ich es schade, wenn der Stuhl nächste Woche auf Halde geht (bzw. vom Depot zurückgenommen wird), auch wenn es für uns natürlich das einfachste ist.

Bei Interesse bitte eine Email an h_w_h@gmx.de.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Start der WURZELSPITZE Plus -Artikelreihe

Am Wochenende geht ´s los.
Der erste Beitrag der WURZELSPITZE Plus – Reihe geht auf Sendung.

Unter der Rubrik: „50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ werde ich berichten über meinen Weg vom engagierten Generalisten mit Spaß an endodontischer Zahnerhaltung hin zur auf Wurzelkanalbehandlung spezialisierten und limitierten Praxis.

Wer nun meint, diese Artikelreihe sei nur für den/die LeserIn wichtig, der die Spezialisierung für sich als konsequent, gar zwingend obligat erkannt hat, dem seien die Beiträge dennoch ans Herz gelegt.  Denn auch der/die generell an Endodontie interessierte BehandlerIn profitiert vom Niedergeschriebenen.

Wichtige Denkweisen werden beleuchtet, hilfreiche Schritte und Wege aufgezeigt. Die Diskussion im Nachgang vertieft die niedergeschriebenen Inhalte noch zusätzlich.

Diagnose des Tages 20191004 – Unklare Beschwerden Unterkiefer Seitenzahnbereich (Teil 4)

Das mit dem Zahn 27 etwas nicht stimmt, erschliesst sich schon aus den angefertigten zweidimensionalen Röntgenaufnahmen.

Das DVT zeigt dann die ganze bittere Wahrheit. Perforation des Zahnes im Bereich des distalen Pulpakammerbodens zur Seite hin. Die mesialen Wurzeln Zustand nach WSR ohne Retrofüllung, der vorhandene distobukkale Wurzelkanal ist bislang unbearbeitet und weist zudem eine kavernöse Erweiterung im mittleren Kanaldrittel auf.

Die Wurzelkanalbehandlung ist dennoch „business as usual“ für uns. Die einzelnen Teilschritte wie folgt:

Orthograde Entfernung der „Wurzelkanalfüllung“ im Perforationsbereich
Deckung der Perforation mit Biodentine, interne Überdeckung mit Composite
WF – Revision der gefüllten Kanäle
Erschließung des bislang unbehandelten distobukkalen Wurzelkanals
Wurzelkanalaufbereitung
Medikamentöse Einlagen
Wurzelkanalfüllung

Die Patientin war nach/ist seit  der ersten Behandlung schmerzfrei.

 

 

 

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 1

Ich mag den Freitag abend.
Fernsehen schaue ich so gut wie nicht mehr.
Aber voller Freude hänge ich freitags abends bis tief in die Nacht hinein vor dem Bildschirm meines Computers und schaue Musik- Videos bei Youtube.

Das Tolle daran.
Die Vorschläge für andere Videos, die einem fortwährend gemacht werden.
Es entsteht ein spannender Streifzug durch viele Genres der Musikgeschichte der letzten rund 200 Jahre. Und man entdeckt Neues, vollkommen Unbekanntes von teils herausragender Wertigkeit und Qualität.

Das Leben besteht selbst für mich nicht nur aus Zahnmedizin.
Und der Freitagabend ist ein Auftakt in eine zumindest bis Sonntagabend sich angenehm auftuende temporäre Welt des „Zahnlosen“.

Jeden Freitag abend nun möchte ich an dieser Stelle daher einen – aus meiner Sicht besonderen –  musikalischen Einstieg ins Wochenende präsentieren.
Selbstverständlich stark subjektiv. Aber vielleicht kann ich dennoch einigen hier eine Freude machen, zumindest aber den Künstlern Respekt zollen und meinen Dank erweisen.

Beginnen möchte ich den musikalischen Reigen mit einer Band russischer Musiker, die sich der Musik der 70er und 80er Jahre verschrieben hat.  Aus einer Laune heraus anläßlich eines Geburtstages entstanden, ist ein ernsthaftes Musikprojekt auf höchstem Niveau entstanden. Sie nennen sich Leonid & Friends und covern die Hits hauptsächlich der Gruppe Chicago. Neuerdings sind Lieder von Earth, Wind and Fire und Blood, Sweat & Tears dazugekommen. Allesamt Bands, die sich durch massive und ausgefeilte Blechbläsersätze in ihren Arrangements auszeichnen. Und dem Jazz nahestehen. Die 70er und 80er waren die große Zeit des Fusion und Cross Over, einer Vermischung von Jazz, Rock und Pop. Und ja, selbst Earth, Wind and Fire, DIE Giganten der tanzbaren Black Music gehören dazu, spielte ihr musikalisches Mastermind Maurice White doch zu Beginn seiner Karriere im Jazz Trio des Pianisten Ramsey Lewis Schlagzeug.

Noch ein Wort zum Satz „Sie covern Hits“.
Covern ist das falsche Wort.
Leonid & Friends reproduzieren die Lieder ihrer Vorbilder.
Und das auf so hohem Niveau, dass die exzellente Musikalität und Aufnahmequalität des Originals (die jeweiligen Schallplatten stehen aus Jugendzeiten alle im Regal) mühelos erreicht wird. Wer Live- Aufnahmen der Originale anschaut, der wird vermutlich nach dem Studiums des Musikmaterials von Leonid & Friends sich zweifelnd fragen, ob es nicht besser wäre, beim nächsten Konzert statt dem Original die Kopie aufzusuchen. Die gehen nämlich jetzt sogar auf Tournee. In den USA. Und leisten so einen Beitrag zur Völkerverständigung, der auf politischer Ebene seinesgleichen sucht.

Viel Spaß. Ein schönes Wochenende wünsche ich.

 

Jens Spahn – Eine Personen- und Charakterbeschreibung.

Ein Portrait.
Die Person treffend beschrieben.
Mit vielen Quellenangaben, die dem Geschriebenen die in Medizinerkreisen so wichtige Evidenz geben.

Lesenswert.

Diagnose des Tages 20191004 – Unklare Beschwerden Unterkiefer Seitenzahnbereich (Teil 3)

Weiter geht es im Fall, der zunächst hier und danach hier schon initial dargelegt wurde.

Das angefertigte kleinvolumige DVT von regio 36 37 zeigt entgegen der Vermutung der Patientin einen apikal unauffälligen Befund an Zahn 37. Zahn 36 zeigt an einer einzigen Stelle an der distalen Wurzel eine minimale Aufhellung, wobei nicht klar ist, ob diese nicht lediglich einer an dieser Stelle positionierten trabekulären Struktur geschuldet ist. Es gibt (unsere Endo ist über 10 Jahre alt) kein DVT, das man zum Vergleich heranziehen könnte. Das konventionelle 2D Röntgenbild – der Zahnfilm regio 35 bis 37 – ist wie schon erwähnt vollkommen unauffällig.

Und Zahn 36 ?
Tomas Kupec schrieb: „Die distale Wurzel von 36 würde ich nicht unbedingt als radiologisch völlig unauffällig bezeichnen.“

Der angefertigte Screenshot der Apikalregion von Zahn 36 ist insofern ein wenig irreführend, weil die von mir gewählte und hier abgebildete Stelle den „schlimmsten“ Befund wiedergibt. Nur einen Millimeter weiter ist der die distale Wurzel umgebende Knochen absolut einwandfrei. Ein grundsätzliches Problem solcher Screenshots, geben sie doch ein dreidimensionales Geschehen auf einen zweidimensionalen Raum (konkret einen Schnitt mit einer Schichtdicke von 80 Mikrometern) reduziert wieder und stellen gewissermaßen nur eine „Momentaufnahme“ des Durchwanderns der DVT Befunde dar.

Einen besseren Eindruck liefert vermutlich dieses nachfolgende Video, wenngleich der WordPress- Upload mit einer starken Datenkompression einhergeht, der die Bildqualität des Videomaterials stark reduziert. (Immerhin: wenn man „HD enabled“ in der Menueleiste unten einschaltet, ist die Videoqualität etwas besser).

Halten wir fest, es gibt keine Hinweise auf eine endodontische Schmerzursache im Bereich des linken Untekieferseitenzahnbereichs.

Daher jetzt ein paar Worte zur klinischen Anamnese. 35 vipr positiv, Klopftest 35 , 36, 37 negativ. Dabei hatte die Patientin angegeben, dass Sie Schmerzen beim Beissen und zeitweise starke spontane Schmerzen (Schmerzskala 8 (von 10)). Die Patientin ist mit eigenem Geschäft selbstständig, eine Frau, die im beruflichen Alltag sprichwörtlich ihren Mann steht. Keineswegs wehleidig und zeitlich eher knapp aufgestellt. Langeweile als Triebfeder des Zahnarztbesuches kann daher höchstwahrscheinlich ausgeschlossen werden. Wir dürfen also davon ausgehen, dass die ihr auferlegten Beschwerden wirklich sehr belastend sind. Und keineswegs mit einem Zahn 37, ja, auch nicht mit der fraglichen Knochensituation an der distalen Wurzel von Zahn 36 in Verbindung stehen.

Unser DVT, ein Morita X800, stellt in bei den kleinsten hoch auflösenden Volumina ein sogeanntes Scout-OPG zur Verfügung. Diese Scout- Orthopantomogramme liefern gegenüber normalen OPG´s deutlich geringerer Strahlenbelastung eine Bildqualität, die, analogen OPG´s weit überlegen, eine weitergehende Diagnostik ermöglicht. Und es zeigt sich nun der Zahn 27. Vor einiger Zeit alio loco wurzelkanalbehandelt, gab der Zahn auch postendodontisch keine absolute Ruhe, weshalb eine einzige Zeit später noch eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt wurde.

Im angefertigten Zahnfilm stellt sich Zahn 27 wie folgt dar.

Und gibt damit immerhin schon mal einen Hinweis, womit die geschilderte Schmerzproblematik in Zusammenhang stehen sollte. 

In der nächsten Folge gibt es die Auflösung.
Wer nicht so lange warten kann, darf gerne seine Mutmaßungen via Kommentar- Funktion preisgeben.

Diagnose des Tages 20191004 – Unklare Beschwerden Unterkiefer Seitenzahnbereich (Teil 2)

Zur Abklärung der Schmerzursache in diesem klinischen Fall wird ein DVT angefertigt . Das DVT zeigt vollkommen unauffällige Befunde, sowohl den Zahn 36 als auch den Zahn 37 betreffend.

Hier ein paar Screenshots der Apikalregion von Zahn 37.

Zahn 37 ist apikal vollkommen unauffällig.

Die mesiale Wurzel von Zahn 37 ist apikal vollkommen unauffällig.

Die distale Wurzel von Zahn 37 ist apikal vollkommen unauffällig.
Mindestens genau so wichtig. Die ausführliche Befragung, die Schmerzsymptomatik betreffend. Sie liefert, wie so oft, entscheidende Hinweise, die wahre Schmerzursache betreffend. „Es passt nicht zusammen“, das ist ein Satz, der sich mit Sicherheit in keiner Metaanalyse endodontischer Literatur jemals finden wird, der aber den Sachverhalt in diesem Falle gut wiedergibt.

Was wären die nächsten sinnvollen Schritte ?
Wer wissen will, wie es weitergeht, nutzt die Kommentar-Funktion für Therapievorschläge.

Diagnose des Tages 20191004 Starke Schmerzen Unterkiefer Seitenzahnbereich Teil 1

Die 54 jährige Patientin sucht die Praxis auf wegen unklarer Beschwerden im Unterkieferseitenzahnbereich. Zahn 36 und Zahn 37 sind überkront und Zustand nach WK/WF alio loco und dann später WF – Revision in unserer Praxis vor mehr als 10 Jahren. Zahn 35 trägt eine bereits längere Zeit vorhandene Füllung. Die Patientin vermutet Zahn 37 als Schmerzauslöser.

Der Sensibilitätstest mittels Kältespray an Zahn 35 ist eindeutig positiv. Der Klopftest an den Zähnen 35 36 37 negativ, die parodontale Untersuchten an den Zähnen zeigt keine Auffälligkeiten. Beigefügt findet sich der zur Diagnostik angefertigte Zahnfilm mit der Frage an die interessierte Kollegenschaft, wie sinnvollerweise weiter verfahren werden sollte.

Bitte nutzen Sie die Kommentar-Funktion zur Erörterung der Situation und für therapeutische Vorschläge in der Sache.

Wurzelspitze geht vom Netz

von Hans – Willi Herrmann

Nach 9,5 Jahren und exakt 2298 zahnmedizinischen Fachbeiträgen, fast 7000 Kommentaren der Leser, mit teilweise über 80.000 Klicks pro Monat und bis zu einer dreiviertelmillion Aufrufe unserer Seite pro Jahr geht WURZELSPITZE zum 25. Mai 2018 vom Netz.

Grund dafür ist die neue europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), ein Bürokratieungetüm von über 260 Seiten Gesetzestext. An dem vermutlich über viele Jahre mit großer Manpower und riesigem finanziellem Aufwand – bezahlt durch uns, die Bürger der EU – gearbeitet wurde, dass aber so viele Fragen ungeklärt und offen lässt, dass es uns hier bei WURZELSPITZE im Moment ratsam erscheint, diese Seite vorübergehend oder auch dauerhaft – das wird die Entwicklung der nächsten Zeit zeigen – vom Netz zu nehmen.

WURZELSPITZE hat niemals intentionell irgendwelche Daten von Irgendjemandem erhoben. Wofür auch. Um also mit Herbert Grönemeyer zu sprechen: „Was soll das ???“

Schon jetzt ist abzusehen, daß die Intention des Gesetzes, nämlich den Bürger vor kommerziellen Datenerhebungen und vor Missbrauch durch Firmen und Konzernen zu schützen, ins Leere laufen wird. Dafür wird eine neue Welle von Abmahnungen auf Privatleute, Geschäftsleute, Gesellschaften und Vereine zurollen und die Kolateralschäden, wie zum Beispiel das Ende der hier installierten und von zahnmedizinischen Kollegen wie Patienten gleichermaßen hoch geschätzten Wissensvermittlung via Internet werden schon jetzt sichtbar.

Wir, das sind

Christian Danzl, Christoph Kaaden, Olaf Löffler, Jörg Schröder

und ich, Hans- Willi Herrmann

bedanken uns für das große Interesse an unserem Blog, die zahlreichen Kommentare und Dankesschreiben. Gerne denken wir zurück an die schönen Begegnungen mit den Freunden von Wurzelspitze bei den WURZESPITZE-Tagen sowie mit allen Leuten, die uns bei Treffen am Rande endodontischer Fortbildungen Dank und Anerkennung haben zuteil werden lassen !

 

Zum Tode von PD Dr. Yango Pohl

von Hans-Willi Herrmann

Ich habe Yango Pohl nie persönlich getroffen.
Lediglich zwei seiner Vorträge gehört.
Er ist mir sofort wegen einer offensichtlichen Vorliebe für knallige Krawatten ins Auge gefallen.

Irgendwann fing er an, unseren Blog WURZELSPITZE für sich zu entdecken.
Und nutzte von diesem Zeitpunkt an ausgiebig die Kommentar-Funktion.

Sein Schreibstil war – nennen wir es – eher undiplomatisch.

Man kann darüber streiten, ob eine solche Vorgehensweise zielführend ist.
Aber unabhängig davon weisen alle seine Kommentare Yango Pohl als einen Menschen aus, der sich für die Sache, in seinem Fall die Traumatologie, leidenschaftlich einsetzt. Der dadurch aneckt. Queruliert. Streitet. Kämpft. Bereit ist, nicht den leichten, sondern auch den schwierigen, steinigen Weg zu gehen. Wenn er der Meinung ist, dass die Sache, für die er sich einsetzt, dies verdient hat. Unbequeme, aber wichtige Tugenden. Heute wichtiger denn je. Die Welt braucht Menschen wie Yango Pohl.

Vor Kurzem erreichte uns die Nachricht, daß Yango Pohl am 12.03.2018 verstorben ist.
In Yango Pohl verliert die Zahnmedizin einen äußerst engagierten Behandler und Zahnerhalter. Und genau so wird er mir in Erinnerung bleiben.

Ich hoffe, daß sein Tun weit über seinen zu frühen Tod hinaus Bestand haben wird.
Ich hoffe, daß sein Wirken weiter Früchte tragen wird, demnach sein Leben nicht umsonst war.

Das wünsche ich ihm und seiner Familie.

Rote Karte für die TI

von Hans – Willi Herrmann

2003 wurde vom Gesetzgeber die Einführung der Teleinformatik-Infrastruktur beschlossen.
Heute, 15 Jahre später kann man schon einmal als vorläufiges Fazit festhalten, dass das Ganze keine Erfolgsgeschichte ist.

Sich vielmehr nahtlos einreiht in die von der Politik zu verantwortenden disatrösen Fehlschläge des neuen Milleniums wie Autobahnmaut, Berliner Flughafen, Kostenexplosion Elbphilharmonie oder Stuttgart 21.

Vorläufig, weil bis dato die längst überfällige Einführung, von begrenzten Pilotprojekten abgesehen, nicht stattgefunden hat.

Das soll sich nun ändern.
Schnellstmöglich.

Bis Ende des Jahres, so die Vorgaben des Gesetzgebers, muss die TI im Gesundheitswesen etabliert sein.
Und dass, obwohl offensichtlich ist, daß weder das System noch die Art der Einführung selbst auch nur den grundlegensten Anforderungen an Praxistauglichkeit zum jetzigen Zeitpunkt genügen. Und die Juristen gerade mit einem analogen System Schiffbruch erlitten haben. Dessen propagierte reibungslose Praxiseinführung fundamental gescheitert ist.

Für mich ist, nicht allein wegen den bekannten Mißständen der  TI per se, sondern vielmehr insbesonders auf Grund der arroganten und zynischen Vorgehensweise der Entscheidungsträger im Zusammenhang mit der  Systemeinführung, der Punkt erreicht, an dem ich sage: Es tut mir leid, ich werde nicht länger diese Dinge weiter schweigend hinnehmen. Ich möchte diese Entwicklung nicht stumm und widerstandlos mittragen. Und vielen ärztlichen und zahnärztlichen Kollegen, die als Gesamtheit sicherlich eher zu den nicht renitenten Teilen unserer Gesellschaft gehören, geht es genauso.

Der Kollege Thomas Weber – vielen der WURZELSPITZE – Leser als Autor des wunderbaren Nachschlagewerks „Memorix Zahnmedizin“ bekannt – ist  im bayrischen  Krumbach in eigener Kassenzahnarztpraxis niedergelassen. Er bezeichnet sich selbst als „Landzahnarzt“, hat sich bewusst gegen eine Hochschulkarriere an der Uni Würzburg entschieden und ist seit mehr als 2 Jahrzehnten bemüht, allen Widrigkeiten der Provinz zum Trotz  die Fahne der Zahnerhaltung unter widrigen Rahmenbedingungen, die nunmal das Arbeiten in einer ländlichen Region mit sich bringt,  hochzuhalten.

Wenn dieser nun, ein ebenso eloquenter wie ruhiger und besonnener  Zeitgenosse, zusammen mit Kollegen seine Stimme erhebt und eine Postkartenaktion „Rote Karte für die TI“ ins Leben ruft, dann ist dies ein Fanal, ein Menetekel. Und die Politik täte gut daran, dieses in seiner Brisanz zu erkennen, um noch größeren Schaden, als den, der bereits entstanden ist, abzuwenden.

Ich unterstütze die Aktion.
Daher habe ich  nachfolgendes Schreiben verfasst, das im Rahmen meiner Tätigkeit als endodontischer Spezialist meinen Überweiserschreiben und Arztbriefen beigelegt wird. Wer möchte, darf den Text gerne kopieren und für eigene Arztbriefe/Überweiserbriefe verwenden.

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege,

falls auch Sie der Meinung sind, dass

  • es sich bei der zur Inbetriebnahme anstehenden Teleinformatik-Infrastruktur für das Gesundheitswesen gegenwärtig um ein unausgereiftes Produkt handelt, dass ohne Rücksicht auf die noch vorhandenen Schwächen im Markt schnellstmöglichst eingeführt werden soll
  • die von der Politik versprochene für die Praxis kostenneutrale Einführung sich schon jetzt als falsch erweist, weil die Praxis auf einem stattlichen Kostenanteil sitzenbleiben werden, das System zudem mit hohen kontinuierlichen Folgekosten behaftet ist.
  • eine zeitgerechte Einführung schon allein mangels zur Verfügung stehender Geräte und der für die termingerechte Einrichtung nicht vorhandenen, aber zwingend notwendigen Logistik und Manpower von Seiten der Hardware – und Softwareanbieter nicht zu realisieren ist.
  • die Nutzung der TI- Infrastruktur auch nach Ende der aufwandintensiven Einführungsphase dauerhaft mit einem zusätzlichen Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden ist, der zumindest für die Praxen durch Synergieeffekte nicht kompensiert und schon gar nicht – wie lauthals und mantraartig repetitierend von Seiten der Politik vorgetragen – überkompensiert werden wird.
  • die Einführung der TI- Infrastruktur keine  Verbesserung der EDV – Sicherheit bringen wird, vielmehr auf Grund der Zwangsanbindung der Praxis EDV- Systeme an das Internet sich kriminellen Energien unerlaubte Zugriffsmöglichskeiten  eröffnen, die bislang in vielen  Praxis nicht vorhanden bzw. intentionell verschlossen sind.

Dann nutzen Sie ihr im Grundgesetz in Paragraf 17 GG verbrieftes Recht, „sich einzeln oder in der Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und die Volksvertretung zu wenden“ und senden die diesem Schreiben beiliegende „rote Karte“

z.B. an den neuen „Gesundheitsminister“ Jens Georg Spahn

oder

Ihr(e) Bundestagsabgeordneten => den/die jeweiligen Namen einsetzen, die Adresse lautet: Deutscher Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin

Jetzt nur noch das Tagesdatum, ihre Adresse und Unterschrift einfügen (zwingend notwendig, sonst landet die Karte gleich im Müll) eine 45 Cent Briefmarke aufkleben und absenden.

Und falls Sie noch weitere Karten brauchen oder sich über die Entwicklungen in der Sache zeitnah informieren wollen, besuchen Sie die Facebook-Seite https://www.facebook.com/Rote.Karte.TI/

Herzlichst

Ihr H.W. Herrmann

 

Es bleibt zu wünschen, dass die  roten Postkarten, die sich auf den Weg nach Berlin machen – versandt an die Entscheidungsträger des Bundestages, die Abgeordneten im Plenum gleichermaßen wie ihre prominenteren Pendants auf den Regierungsbänken –  nicht im Papierkorb landen. Und diese Aktion keine aneinandergereihten Worthülsen in Form eines belanglos-floskelhaften Textbaustein-Antwortbriefes produziert, vielmehr ein wie auch immer geartetes „Wir haben verstanden !“ daraus resultiert.

Wir werden sehen.

 

 

 

Offener Brief an den Landesminister für Gesundheit zur Nichtanpassung der GOZ seit 2012

von Guido Vorwerk

Hamm, den 19.03.2018

Sehr geehrter Herr Minister Laumann!

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen und uns im Rahmen der Frühjahrstagung der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe ein Grußwort gehalten haben. Im Verlaufe dieser sehr netten Rede haben Sie uns aufgefordert die Freiberuflichkeit nicht schlecht zu reden. Einverstanden, nur wenn ich an die Entwicklung in unserem Bereich im Laufe der letzten 35 Jahre denke, solange bin ich Zahnarzt, sehe ich wenig Grund zum Optimismus. In meinen Augen werden wir von Politikern jeglicher Couleur als vernachlässigbare Gruppe betrachtet, wenn es um die gerechte Honorierung unserer sehr erfolgreichen Leistung für die Volksgesundheit geht. Sie selbst haben auf die entsprechenden wissenschaftlichen Untersuchungen Bezug genommen.

Die GOZ ist 1988 erlassen worden, 2012 geringfügig „verschlimmbessert“, aber nicht ansatzweise den wirtschaftlichen und bürokratischen (Zusatz-)Notwendigkeiten angepasst, worden. Da auch 1988 schon nur eine kostenneutrale Umsetzung der aus den 60er Jahren stammenden Vorgängergebührenordnungen erfolgte, ist die Nichtanpassung noch deutlich länger andauernd.

Die Nutzung des Steigerungssatzes über 2,3 mit dem erforderlichen Zusatzaufwand der Begründung, ist bestenfalls als eine Art der Notwehr zu sehen und eigentlich im Grundkonzept der Gebührenordnung nicht vorgesehen. Hier ist nämlich eine regelmäßige Überprüfung der Gebührensätze niedergelegt.

Wie haben sich eigentlich die Abgeordnetendiäten in den letzten 30 Jahren entwickelt? Ich meine gehört zu haben, dass es dort keinen Stillstand gegeben hat. Wie ist das zu verantworten, wo die Diäten auch vom Staat also dem Steuerzahler bezahlt werden müssen (wie die Beihilfe, die ja wohl der Hauptgrund für die jahrzehntelange Nichtanpassung der GOZ ist)? Soweit ich informiert bin ergibt sich die Diätenerhöhung, aufgrund einer Anpassungsklausel, inzwischen fast automatisch. Warum wird eine solche Anpassungsklausel den Zahnärzten vorenthalten?

Die Thematik der Einbindung der Beihilfe wäre durch verschiedenste Möglichkeiten der Umgestaltung der Versorgung der Beihilfeberechtigten sinnvoller bzw. gerechter und vom jeweils Betroffenen direkt beeinflussbar zu lösen. Eine Privatgebührenordnung sollte die aktuellen fachlichen Möglichkeiten und ihre betriebswirtschaftlichen Hintergründe abbilden und nicht rein auf den finanziellen Interessen desjenigen, der als dritter im Bunde zahlen muss, aufgebaut sein. Die Politik wälzt hier ungerechtfertigter Weise ihre finanziellen Probleme auf uns Zahnärzte ab.

Die Zahnärzte haben im Laufe der über 30 Jahre noch ein nicht zu vernachlässigendes Problem: Die Laborkosten sind (berechtigterweise) kontinuierlich gestiegen. Sie sind für uns aber nur ein durchlaufender, häufig vorzufinanzierender Posten, also eine zusätzliche Belastung.

Die aktuelle GOZ berücksichtigt in keiner Weise die diversen Kostensteigerungen durch: Einführung neuer Hygienesystematiken,
Medizingeräteverordnung,
Röntgenverordnung,
Qualitätssicherungssysteme,
BUS-Dienst,
Mehrwertsteuererhöhung (wirkt sich beim Faktoring auf die gestiegenen Laborkosten aus),
Brandschutzverordnung,
Antikorruptionsgesetz (verhindert das Partner-Faktoring mit dem die Dentallabors für ihren Rechnungsanteil direkt die Faktoringkosten bis dahin übernahmen. Im übrigen hat ihr (früherer?) Parteifreund und Ministerpräsident a.D. Peter Müller jetzt als Verfassungsrichter, im Rahmen des Festvortrages in Gütersloh, die Notwendigkeit eines solchen Spezialgesetzes für Ärzte und Zahnärzte in Abrede gestellt),
europäische Datenschutzgesetzgebung
und wahrscheinlich habe ich noch einige Punkte verdrängt.
Um das gleich klarzustellen, ich bin nicht pauschal gegen all diese sicherlich zum Teil sinnvollen bzw. vertretbaren Punkte, nur wenn wir Zahnärzte/innen all diesen Aufwand betreiben sollen, muss er auch bezahlt werden und kann nicht immer weiter von unserem nicht angepassten Honorar abgezogen werden.

Im Hygieneaufbereitungsbereich zum Beispiel müsste der enorm gestiegene maschinelle und personelle Aufwand mit einer Hygienepauschale zur Deckung der gestiegenen Kosten durch die gesetzlich induzierten Hygieneanforderungen berücksichtigt werden.

Ein besonders einfach nachzurechnendes Beispiel sind die Beratungspositionen. Nehmen wir die Position Ä3 „Eingehende, das normale Maß überschreitende Beratung (Dauer mindestens 10 Minuten)“ im 2,3fach Satz 20,10 €. Das bedeutet, selbst wenn diese Leistung immer nur exakt 10 Minuten dauern würde, ergäbe sich ein Stundensatz von 120,60 €. Das BMG hat aber schon im Jahre 2009 auf eine Anfrage im Bundestag 196,- € als notwendigen Stundensatz (unrealistisch niedrig) für eine zahnärztliche Praxis zugrunde gelegt. Wie wird hier eine Nichtanpassung gerechtfertigt?

Ich habe im Rahmen einer Fortbildung am letzten Wochenende aus dem Kollegenkreis sehr differenzierte Positionen zur weiteren Vorgehensweise bezüglich der mittlerweile erneut über 6 Jahre unveränderten GOZ gehört. Persönlich halte ich es für dringend geboten die Politik in der ersten Hälfte der neuen Regierungszeit zum Handeln zu motivieren. Mit Blick auf herannahende Wahlen wird sich danach nichts mehr bewegen lassen.

Von einem Teil der Kollegen habe ich die Überlegung gehört, dass wir schon mit der Integration einer automatischen Anpassungsklausel in die GOZ, so wie das bei den Diäten der Fall ist, zufrieden sein müssten. Das (rückwirkend ab 2012) allerdings halte ich definitiv für absolut notwendig, um die zahnmedizinische Versorgung wirtschaftlich vertretbar aufzustellen.

Führen Sie sich bitte vor Augen, dass wir auch in Zukunft der Bevölkerung unseres Landes eine qualitativ hochwertige und zeitgemäße Zahnheilkunde anbieten wollen. Bedenken Sie weiterhin, dass wir auch als Arbeitgeber unsere Mitarbeiter/innen fair entlohnen wollen. Beides ist durch die Nichtanpassung des Punktwertes der GOZ ernsthaft gefährdet.

In der Hoffnung auf eine konstruktive Diskussion verbleibe ich

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Guido Vorwerk

Für Alle, die Kofferdam als nicht sinnvoll ansehen…

Hier  ein Bericht von Fox News von dieser Woche über einen 74 jährigen Mann, der im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung ein Wurzelkanalinstrument (ganz offensichtlich ISO 10)  verschluckte, welches anschliessend aus seinem Magen endoskopisch entfernt werden musste.

 

Orales Absaugschild – Absaugung und Arbeitsfelddarstellung fürs 21. Jahrhundert, am Beispiel Mr. Thirsty

von Michael Logies

Der aus Verzweiflung über den intraoralen Speichelfluß 1864 von Barnum eingeführte Kofferdam geriet mit der Erfindung intraoraler, maschineller Absaugung fast in Vergessenheit, auch wenn er mittlerweile wieder zum Standardhilfsmittel insbesondere in der Endodontie geworden ist.

Die maschinelle Absaugung blieb dann in ihrer klinischen Anwendung die letzten Jahrzehnte aber nahezu unverändert: Ein dünneres, rundes Saugendstück (Speichelsauger), das mangels Saugkraft nur Flüssigkeit vom jeweils tiefsten Punkt der Mundhöhle effizient aufnehmen kann, wird meist mit einem runden Saugendstück größeren Durchmessers kombiniert, mit dem sich auch Spraynebel auffangen läßt. Beide Sauger müssen von Zahnarzt und Stuhlassistenz während des gesamten Behandlungsablaufes mehr oder weniger virtuos gehandhabt werden, was ständiges Nachstellen erfordert, zahnärztliche Zeit und Aufmerksamkeit beansprucht und einen Großteil der klinischen Arbeitszeit der Assistenz bindet. Innovativ war hier die letzten Jahrzehnte nur die Strömungsoptimierung im großen Sauger, die die Geräuschentwicklung dämpfte (Dürr).

Ich war daher elektrisiert, als ich, lt. meinem Zoteroarchiv 2011, auf Isolite aufmerksam wurde (Isolite Systems, gegründet 2001), das seit 2002 diverse Industriepreise gewonnen hatte (u. a. Dental Products Report, The Dental Advisor, Dentistry Today, Business Week, World Congress of Minimally Invasive Dentistry Inventor Award, Dental Town). Leider wollte die Firma mir das Produkt damals nicht nach Deutschland liefern, und ich gab das Projekt vorläufig auf.

Vor kurzem wurde ich durch eine Werbewurfsendung auf Mr. Thirsty aufmerksam (Zirc, deutscher Vertrieb durch Loser), der wie ein Klon von Isolite aussah.

Die Grundidee von Isolite und Mr. Thirsty ist, auf den großen, also saugstarken Saugschlauch eine Absaugvorrichtung zu setzen, die besser an die menschliche Anatomie und die zahnärztlichen Notwendigkeiten angepaßt ist, als ein rundes Saugschlauchendstück. Ein flaches, hohes, vom Mundboden zum Gaumendach reichendes Gummischild teilt die Mundhöhle schräg, vom Mundwinkel bis zur Molarenregion der Gegenseite, in 2 Bereiche auf: Arbeitsfeld und hinter dem Arbeitsfeld. Das Schild ist doppelwandig und bietet damit Platz für Saugkanäle. Außerdem ist unmittelbar hinter dem Mundwinkel ein Aufbißkeil integriert, der dem Patienten das aktive Öffnen des Mundes erspart. Um den letzten Molaren herum läuft noch eine schmalere, weichere Verlängerung des Schildes, die sich an die Innenseite der Wange anlegt und diese schützt, eventuell abhält. Die Zunge bleibt hinter diesem Schild, kann nicht mehr stören. Sowohl zum Mundboden hin wie zum Gaumen verschließt das Schild weitgehend die Mundhöhle nach dorsal, so daß Spraynebel oder fliegende Materialfragmente den Patienten nicht mehr belästigen. In Anlehnung an eine ähnliche Vorrichtung für Schweißarbeiten möchte ich dieses Hilfsmittel orales Absaugschild nennen.

Der Effekt für das klinische Arbeiten ist erstaunlich und durchschlagend. Viele Tätigkeiten, die bisher ohne Assistenz nicht oder nur mit Mühe vom Zahnarzt alleine zu bewältigen waren, können jetzt mühelos alleine durchgeführt werden. Z. B. Deep Scaling, Zahnpräparationen bis zum Umspritzen der Zahnstümpfe mit Abdruckmaterial – erst danach Entfernen des Schildes, um den Abformlöffel einbringen zu können. Für die Füllungstherapie im Seitenzahnbereich wird die Assistenz bis zur Schlußphase, fürs Anreichen der Füllungsmaterialien, verzichtbar. Bei OK-Frontzahnfüllungen ist der Entlastungseffekt geringer, weil die Helferin noch irgendwie versuchen muß, den ventral austretenden Spraynebel zu bändigen, was schwierig ist, wenn der große Absaugschlauch vom Absaugschild besetzt ist. Eine angebotene Lösung dafür ist ein Y-Adapter, der den großen Saugschlauch aufzweigt (nicht getestet).
Auch mit Assistenz erleichtert das Absaugschild durch das Abhalten der Zunge die Arbeit enorm: etwa beim Zementieren von Kronen oder in der Füllungstherapie im dorsalen UK-Bereich.

Während der Behandlung im Seitenzahnbereich entfällt die Notwendigkeit der Umpositionierung der Absaugungen. Der Absaugschild alleine reicht, Watterollen entfallen fast völlig bzw. werden nur noch als Abstandshalter für die Lippe gebraucht. Kräftiges Sprayen und Luftpusten ist jederzeit möglich, da das Absaugschild das Wasser praktisch sofort aufnimmt und den Patienten vor Rachenspritzern schützt.

Mark Frias, RDH (http://markrdh.com), veröffentlicht seit Jahren Produkttests insbesondere zu verschiedenen Absaughilfsmitteln. Hier hat er 4 marktgängige Absaugschilde verglichen:

DryShield vs. Isolite vs. Mr. Thirsty vs. Izolation

Mr. Thirsty schneidet in diesem Video in seiner Einschätzung der Absaugleistung am schlechtesten ab, aber es fehlt jede Analyse, warum. Die Physik scheint nicht so kompliziert: Die Designer, wie in dem Video zu sehen ist, haben jeweils die Absaugkanäle und -löcher in den unterschiedlichen Produkten anders angeordnet, mit auch sehr unterschiedlichen Größen dieser Kanäle. Wenn die Summe der Querschnittsflächen der Auslässe sehr groß wird, fällt die Saugleistung pro Auslaß stark ab. Auch die Höhe der Auslässe ist wichtig. Bei Mr. Thirsty liegen sie etwas oberhalb des Randes des Absaugschildes, was ihr Verschließen durch den weichen Mundboden verhindert, durch den symmetrischen Schildaufbau im Gaumenbereich aber zu Saugleistungsverlusten führt. Was dann noch an Saugleistung im Mund lokal ankommt, hängt aber auch entscheidend von der Saugmaschine ab und davon, was an Absaugleistung nach den Wegeverlusten überhaupt noch dem Absaugschild anliegt. Außerhalb eines kontrollierten Experimentes mit unterschiedlichen anliegenden Absaugleistungen halte ich es für unmöglich zu entscheiden, welches Produkt das zur verfügbaren Absaugleistung optimal passende ist.

Auch der Adapter, mit dem der Absaugschild verbunden wird, um die Verbindung zum Saugendstück herzustellen, hat deutlichen Einfluß. Mark Frias hat seine Kona Adapter, leider nur aus Aluminium, entwickelt und vertreibt sie, mit denen sich Isolite- bzw. Dryshield-Absaugschilde anschließen lassen, so daß man auf die teureren Originaladapter verzichten kann (https://konaadapter.wordpress.com). Mr. Thirsty braucht keinen Adapter bzw. bringt diesen mit jedem Absaugschild schon mit.

Mir reicht die Absaugleistung von Mr. Thirsty völlig in Verbindung mit einer Dürr-Naßabsaugung an einer Heka Unicline (1996) bzw. einer F1 Side (2016), letztere mit Cattani-Absaugschläuchen bzw. -endstücken. In das Heka- bzw. Dürr-Endstück des großen Schlauches läßt sich Mr. Thirsty direkt fest einstecken. Das Cattani-Endstück ist minimal zu groß, so daß Mr. Thirsty herausfiele, obwohl sonst an beiden Dentaleinheiten gleiche Absaugkanülen von Dürr verwendet werden. Hier hilft der leichte Zwischenschlauch der Firma, das Mr. Thirsty Comfort Kit. Das Ende des Schlauches stecken wir locker in das senkrechte Absaugschlauchendstück, das in seiner Halterung hängen bleibt, nur minimal herausgezogen wird, damit es anfängt zu saugen und dann fixiert wird mit einem fest zwischen Halterung und Absaugendstück eingepreßten Interdentalkeil.

Hier einige Videos zur klinischen Anwendung:

How to use Mr Thirsty One Step -DENTALKART
Alternative Einbringtechnik (=1mal Falten, gedrehtes Einbringen):


mr. thirsty® One-Step

Weitere, alternative Einbringtechnik der Konkurrenz, die am geschicktesten erscheint (=2faches Falten vorm Einbringen, Verzicht auf Drehung):


DryShield Tutorial – Maximize Your DryShield Experience
(In diesem Video wird dazu geraten, dem Patienten Nasenatmung zu empfehlen, um mit dem Absaugschild entspannen zu können.)

Im Dentalmarkt http://www.aera-online.de lassen sich durch eine Suche nach „thirsty“ die verschiedenen Produktvarianten auffinden. Ein Trial-Kit mit je 5 großen und kleinen Ansätzen von Mr. Thirsty beginnt bei ca. 31 €. Angesichts der möglichen Zeitersparnis für Zahnarzt und Assistenz scheint ein Preis von unter 3 € pro Stück (100er Packung) angemessen, auch wenn zu hoffen ist, daß die Konkurrenz unter verschiedenen Absaugschilden mit den Jahren noch zu deutlich günstigeren Preisen führen wird.

Mr. Thirsty ist als Einmalprodukt gekennzeichnet, was einer Aufbereitung nach europäischem Medizinprodukterecht nicht im Wege steht, vorausgesetzt, man kann eine korrekte Aufbereitung gewährleisten. Mr. Thirsty besteht aus 2 Teilen, die nur zusammengesteckt sind: einem harten Plastikrohrwinkel, der die Verbindung zur Absaugung herstellt und dem weichen Absaugschild, s. Fotos. Einmal auseinandergezogen, sind die Teile einzeln auch von innen vollständig inspizierbar, zumindest mit Lupenbrille und LED-Licht, die bei uns auch die Mitarbeiterinnen tragen, was Mr. Thirsty als semikritisch A qualifiziert. Wenn eine deutliche Verunreinigung stattgefunden hat, etwa durch eingesaugtes Abformmaterial, scheint mir die Reinigung zu zeitaufwendig – aber wir sind hier noch in der Testphase. Rückstände z. B. in den Silikonwaben des Aufbißblockes könnten ein Problem sein, s. Fotos.

Der weiche Absaugschild hat bei uns Tauchdesinfektion, Geschirrspüler (70 °C) und Autoklav problemlos überstanden. Das harte Verbindungsstück hat sich aber im Autoklaven und auch noch im strömenden Dampf bei 100 °C stark verformt. Da dieser Teil aber außerhalb des Mundes sich befindet und damit als unkritisch A zu klassifizieren ist, ist hier Autoklavieren nicht zwingend, denn bis semikritisch A ist Desinfektion alleine schon ausreichend, also chemisch oder im Thermodesinfektor, sofern dort temperaturstabil (nicht getestet). Die Recherche, ob dieser Winkel z. B. durch einen gleich dimensionierten, metallischen aus dem Sanitärhandel ersetzbar wäre, ist noch nicht abgeschlossen. Auch eine gußtechnische Duplikation in NEM mit dem Kunststoffteil als verlorener Form wäre denkbar.

Mr. Thirsty hat sich nicht als bei jedem von bisher ca. 15 Patienten einsetzbar herausgestellt. Manchen ist das Draufbeißenmüssen auf den Aufbißkeil zu anstrengend, andere genießen es, den Mund nicht mehr aktiv aufhalten zu müssen. Würger sind auch mit Mr. Thirsty schwierig. Bei den beiden Größen von Mr. Thirsty (blau, lila) hat das kleinere Absaugschild (lila) auch einen flacheren Aufbißkeil, was schon helfen kann. Beschneiden des Absaugschildes mit der Papierschere ist leicht möglich. Wichtig scheinen die ersten 1-2 min der Nutzung, danach läßt die initiale Anspannung des Patienten angesichts des bisher unbekannten Hilfsmittels sichtbar nach und entscheidet sich die Akzeptanz. Auch vorherige, ruhige Aufklärung des Patienten und souveräne, standardisierte Einbringtechink helfen. Ich strebe initial immer die Plazierung distal des OK- u. UK-Eckzahnes an, weil die Eckzahnspitzen das Herausrutschen von Thirsty nach vorne blockieren helfen.

Obwohl die Zahl meiner damit behandelten Patienten noch überschaubar ist, bin ich mir sicher, daß das orale Absaugschild, von welchem Hersteller auch immer, künftig aus der Zahnheilkunde nicht mehr wegzudenken ist.

Michael Logies, Stand 22.10.17

 

 

Die Macht ist stark in jenem Yedi…

Ein Tipp von Jaqueline Franzke in der  Zahnmed- Liste von Michael Logies.
Zum Wochenende der richtige Einstieg, zumindest für alle vor 1970 Geborenen.

 

Dürr Vistascan – Defekt nach 7 Jahren

von Hans – Willi Herrmann

Gefühlte 7 Jahre funktionierte unser Dürr Vistascan Mini Röntgenspeicherfolien – Scanner wie das sprichwörtliche Schweizer Uhrwerk. Und auch noch am Freitag nachmittag bei unserem letzten Patienten war alles wie immer.

Einwandfrei.

Am Montag morgen dann leuchtete beim Einlesen der ersten WF- Kontroll- Röntgenfolie eine rote LED am Gerät auf, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Gefolgt von zwei Fehlermeldungen, die nichts Gutes verhiessen. Fehler E 1170. Interner Fehler. Keine weiteren Textinformationen.  Und kurz danach E1020: INTERN. Die Operation kann in diesem Zusammenhang nicht ausgeführt werden.

Und dann dieses Geräusch.

Ein Rattern, wie ich es zuletzt in ähnlicher Dramatik unverhofft erlebt hatte, als der Motor unseres VW Buses im dafür berühmt-berüchtigten 3. Zylinder  einen „Defekt“ hatte. Man weiss sofort – das bedeutet nichts Gutes.

Der am frühen Nachmittag eingetroffene Techniker des Dentaldepots hätte es nicht besonders erwähnen müssen – der Scanner müsse eingeschickt werden, Dürr würde einen Ersatzscanner schicken. Wenn wir Glück hätten, könnten wir in 2 Tagen mit dem Austausch rechnen. Ich erwähnte, die Hoffnung stirbt zuletzt, das wir als Endo-Praxis ständig auf Röntgenbilder angewiesen seien. Und bat meine Mitarbeiter, unsere Röntgenpatienten des heutigen und morgigen Tages anzurufen und die Termine umzulegen.

Erfreulicherweise – und entgegen den allgegenwärtigen Erfahrungen der Jetztzeit, in der vollmundige Werbe-Versprechungen der Hersteller – man denke an die Diesel-Affäre – sich als inhaltsleere Worthülsen erweisen – stand schon gegen 12 Uhr  am nächsten Tag das Austauschgerät in der Praxis. Per Expresslieferung unmittelbar nach Eintreffen des Reparaturauftrages verschickt. 300 Euro kostet der Service und zieht man die Schwierigkeiten in Betracht, die sich aus der Nichtnutzung der  Röntgenentwicklungseinheit ergeben, dann ist diese Summe definitiv sinnvoll investiert.

Ein Dank an Dürr für diesen vorbildlichen Service.

Schon wenn ich diesen Satz schreibe, höre ich die kritischen Stimmen. „Ein so teures Gerät sollte länger als die sprichwörtlichen 7 Jahre halten“. Richtig. „Es sei die Frage erlaubt, warum ein Gerät, dass einmal aufgebaut und nie wieder bewegt, demnach keinerlei Belastung von aussen ausgesetzt ist, solche offensichtlichen mechanischen Schäden aufweise.“ Richtig.

Aber dabei wird geflissentlich übersehen, dass auch die analoge Röntgentechnik ihre Macken und Tücken aufwies. Der Dürr- Röntgenentwickler, wie hiess das Gerät noch, irgendwas mit XR 24, das Premiumprodukt seinerzeit, auch der lief im Vergleich zu den Mitbewerberprodukten unproblematisch und war daher das Gerät der Wahl, dieser musste regelmäßig gewartet werden, das Rollenpaket wurde immer mal wieder getauscht, man erinnere sich bitte an den monatlich oder  sogar noch öfters durchzuführenden Wechsel des Entwicklers/Fixierers.

Alles in allem um ein Vielfaches mehr Aufwand als beim Vistascan Mini.
Würde man den XR 24 und den Vistascan MIni grafisch gegenüberstellen, dann wäre der XR 24 eine mehr oder weniger wellige Linie mit teilweise starken Zacken. Der Vistascan Mini ist ein wie mit dem Lineal gezogener gerader Strich, der nun, nach 7 Jahren, abrupt abgerissen ist.

Der Vergleich demnach, der im Raum steht, ist also nicht der Vergleich Analog – Digital, sondern vielmehr, wie auch schon bei der Kaufentscheidung für den Vistascan, die Wahl zwischen Speicherfolie und digitalem Sensor.

Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen geändert.
Damals war der Sensor reparaturanfällig und von der Bildqualität nicht überlegen, heute sieht das anders aus – Die Sensoren liefern schneller teilweise der Folie überlegene Bildqualitäten, sind viel standfester und im Schadensfalle wesentlich preisgünstiger zu reparieren oder zu tauschen als früher.  Die Speicherfolien wiederum zeigen im Alltagsbetrieb Verschleisserscheinungen, die einen Austausch weit vor den vom Hersteller angepriesenen 1000 Aufnahmen notwendig machen,  ein Verbrauchsartikel sind, wie es vorher der analoge Film war. Auch diese Kosten sind demnach auf der Sollseite des Vistascan einzurechnen.

Es wird also maßgeblich davon abhängen, was die Reparatur an Kosten generiert, wenn es darum geht, zu eruieren, ob der Kauf des Vistascan Mini betriebswirtschaftlich Top oder Flop war.

Ich werde berichten.

 

RIP Walter Becker

von Hans-Willi Herrmann

Falls Sie sich als Leser unseres Blogs WURZELSPITZE gefragt haben, was es mit dem von mir gewählten Pseudonym „Donald Becker“ auf sich hat -hier -aus gegebenem traurigen Anlass die Auflösung…

Ich war 16,17 Jahre alt und meine Freistunden in der Oberstufe des Gymnasiums, sowohl die echten, als auch die selbstgewählten, verbrachte ich oft in der von einem Hippie-Pärchen geführten ortsansässigen Teestube. Nicht so sehr des Tee wegen und schon gar nicht wegen irgendwelcher anderer Sachen, ich rauchte nicht und trank keinen Alkohol, sondern, weil es dort Schallplatten zu kaufen gab.

Ich hörte zu dieser Zeit schon vorrangig Jazz, wenn auch mehr das leichte Zeug. Dave Grusin, Stanley Clark, George Benson, Billy Cobham und vor allem Chuck Mangione waren meine Helden, meine Pink-Floyd-Phase hatte ich zu diesem Zeitpunkt, genauer gesagt seit dem unsäglichen Album „Animals“ komplett hinter mir gelassen.

Ich weiss noch genau, als Evelyn, die Chefin des Ladens, auf mich zukam, mit dieser Schallplatte in der Hand und sagte: Die hier ist auch ganz gut, die hör´ ich im Moment gerne.

Die LP, grünblaues Cover, naive Malerei, eher hässlich, hiess „Gaucho“.
Es wurde die erste Steely Dan-LP, die ich mir kaufte. Natürlich besitze ich sie heute noch, in mehr als 10 facher Ausführung, denn eine Steely Dan – LP lässt man nicht auf einem Flohmarkt liegen, egal wie oft man sie schon im Regal stehen hat.

Walter Becker, die eine Hälfte des kongenialen Duos „Steely Dan“, ist gestern im Alter von 67 Jahren gestorben. Auch wenn Becker immer im Schatten seines musikalisch übermächtigen Partners Donald Fagen stand, so war das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit doch über Jahrzehnte hinweg so grandios aus dem mediokren Grundrauschen des E-Musik-Mainstreams herausragend, dass sein Tod als ein großer Verlust für die Rockmusik gelten muss.

Der Begriff „Rockmusik“ ist natürlich insofern suboptimal gewählt, als das die Musik Steely Dan´s schon von Beginn an – man denke nur an ihre erste Single vom 72er Debütalbum „Can´t buy a thrill“, das durch Eumir Deodato kurze Zeit später verjazzte und damit auch formell geadelte „Do it again“ – sich allen Versuchen, ihr eine Schablone oder auch nur einen passenden Namen aufsetzen zu wollen, von vorneherein entzogen hat.

Mit sprichwörtlichem Wiener Schmäh gesprochen könnte man sagen, die Musik von Steely Dan war eine Melange aus Jazz, Pop und Rock, aber in Wirklichkeit war es viel mehr als das. Es war die musikalische Inkarnation des idealen „californian way of life“, nicht im zuckerbäckerhaften Truman-Show Heile Welt-Szenarios der „Beach Boys“ oder den hippiesken Traumphantasien der „The Mamas and the Papas“, sondern in einer intellektuellen, das Hipstertum des Postmilleniums viele Jahrzehnte vorwegnehmenden Coolness, die in ihrer brillanten Perfektion von Komposition, Arrangement und Ausführung, welche nur wahre Meisterschaft im fernöstlichen Sinne eines Vollkommen in sich Ruhen und über den Dingen Schweben überhaupt generieren kann, bis heute seinesgleichen sucht.

Ich muss gestehen, das mich Beckers Tod emotional nicht so berührt, nicht so tief trifft, wie es bei einem Freddy Mercury, Falco, Michael Jackson oder Prince der Fall war. Doch mit seinem Weggang geht eine Ära zu Ende und es bleibt nur der Blick zurück auf eine Zeit, die musikalisch so viel reicher war als die der Gegenwart. Steely Dan und damit auch Walter Becker wird immer ein wichtiger Teil meines Lebens bleiben.

RIP Walter Becker.

Wer fährt schon bei Regen ohne Scheibenwischer ?

von Hans – Willi Herrmann

Stellen Sie sich vor, sie sind mit dem Auto unterwegs, es regnet und ihr Scheibenwischer funktioniert nicht.

Würden Sie so Auto fahren ?
Vermutlich würde das keiner von uns.

In der Zahnmedizin tun wir dies permanent.
Achten Sie einmal darauf, wie oft sie bei der Kavitätenpräparation im Rahmen der Füllungstherapie oder der Präparation von Kronenzähnen im Rahmen der Anfertigung von Zahnersatz ihren Mundspiegel trockenwischen.

Sie machen es ständig.
Und auch wenn Ihnen diese Tätigkeit in Fleisch und Blut übergangen ist, so stellt dies doch eine permanente Unterbrechung ihres „Flows“ dar.

Wäre es da nicht schön, es gäbe eine Lösung, dieses lästige Abwischen und die damit verbundene Unterbrechung ihrer Bohrtätigkeit verschwinden zu lassen ?

Mit dem Yirro Plus Mundspiegel steht nun eine solche Lösung zur Verfügung.

Der Funktionsmechanismus ist weder neu, noch besonders aufwendig.
Eigentlich sogar banal.

Ein Luftstrom, der permanent auf die Oberfläche des Spiegels pustet, vertreibt die sich durch den Bohrvorgang auf der Spiegeloberfläche ansammelnden Wassertropfen.

Und das Ergebnis ?

Zunächst, um übertriebene Erwartungen auf ein realistisches Maß zurückzuschrauben, was man nicht erwarten darf, ist eine permanent vollkommen wasserfreie Oberfläche.

Was aber gut funktioniert, ist das die Spiegeloberfläche jederzeit eine Beurteilung des Bohrgeschehens zulässt.

Um den anfangs angeführten Vergleich mit dem Auto aufzugreifen, denken sie an eine Windschutzscheibe, die bei beginnendem Regen mit einzelnen Regentropfen bedeckt ist. Auch wenn die Scheibe damit nicht mehr absolut rein ist, so ist doch jederzeit eine vollständige und mehr als ausreichende Beurteilung der Strassensituation möglich.

Damit können sie leben ?
Gut, dann lassen sie uns darüber sprechen, warum sich bislang keines der früheren Systeme, denn natürlich ist der Yirro Plus Mundspiegel nicht der erste Versuch dieser Art, auf breiterer Basis durchsetzen konnte.
Der Yirro Plus Mundspiegel kommt in zwei unterschiedlichen Größen einher, die Spiegeloberfläche ist hochwertig, was sich in einer exzellenten Lichtwiedergabe , hier passt das Verb wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, „wiederspiegelt“.
Der Yirro Plus Mundspiegel benötigt einen permanenten Druckluftanschluss am Behandlungsstuhl. Dies lässt sich durch geringe Modifikationen seitens des Dentaldepots unproblematisch umsetzen.
Ist aber erst mal eine Hürde, die es zu nehmen gilt.
Ich habe aus diesem Grund, den Yirro Plus Mundspiegel gibt es in zwei Varianten, eine manuelle Version, die ein händisches Ein- und Ausschalten der Luftzufuhr erforderlich macht und eine Komfort- Variante, die mittels Magnetventil den Luftstrom automatisch bei Entnahme des Spiegels aus seinem Instrumentenköcher in Gang setzt, erst mal im Sinne eines „Proof of Concept“ für die kostengünstigere Variante entschieden.

Und natürlich muss die Luft dann irgendwie zum Spiegel gelangen können, der, nach Empfehlung des Deutschland – Vertriebs (ich hätte es intuitiv genau andersrum gemacht und die Fotos auf der Hersteller – Seite zeigen dies auch so wie von mir vermutet) auf der Arztseite montiert werden soll, hängt also an einer sprichwörtlichen langen Leine, einem dünnen Kunststoffschlauch.

Gretchenfrage – wie umständlich ist das Ganze im Behandlungsalltag, stören Gewicht und die schlauchbedingte Bewegungseinschränkung ?

Zunächst, die Kombination Schlauch/Mundspiegel ist federleicht, ohne fragil zu wirken. Das Handling mit der Assistenz ist bei 6 Hand – Technik überhaupt kein Thema, aber auch, wer mit nur einer Stuhlassistenz arbeitet, was vermutlich die große Mehrheit der Behandler ist, wird sehr schnell den Yirro Plus Mundspiegel in einen effizienten Workflow integrieren.

In meiner Praxis war es im Rahmen des vierhändigen Arbeitens lediglich notwendig, dass der für kurze Zeit vom Behandler abgegebene Spiegel nicht wie gewohnt von der Erstassistenz auf dem Behandlungstray abgelegt, sondern in der linken Hand gehalten wird.

Und wie ist es nun so, beim Arbeiten mit dem Yirro Plus Mundspiegel ?
Der Spiegel kommt umso mehr zum Tragen, je schwieriger sich die Situation klinisch darstellt. Und unter diesem, allerdings nur unter diesem einen Aspekt, bedaure ich fast ein wenig, dass ich heute keine Kronen mehr an einem Zahn 27 präparieren muss.

Achten Sie mal darauf, wenn sie dies tun.
Bei der Präparation der interdentalen Anteile sind sie mehr damit beschäftigt, ihren Spiegel sauberzuwischen, als Zahnsubstanz abzutragen, immer unter der Voraussetzung natürlich, dass sie nicht grundsätzlich auf eine visuelle Kontrolle ihrer Bohrtätigkeit verzichten. Und – nein – ohne die Qualifikation ihrer Behandlungassistenz in Frage stellen zu wollen, es ist nicht das Gleiche, wenn diese mittels Luftpuster versucht, die Spiegeloberfläche  trocken zu halten.

Fazit

Braucht man den Yirro Plus Mundspiegel ?
Nein, man braucht ihn nicht.

Wir sind die letzten 100 Jahre immer gut auch ohne dieses Hilfsmittel ausgekommen. Wenn ich aber sehe, wieviel Geld in Zahnarztpraxen für völlig nutzloses Handwerkszeug ausgegeben wird, dann hat es der Yirro Plus Mundspiegel verdient, dass sie sich einmal näher mit ihm beschäftigen.

Er ist sicherlich kein Werkzeug für jeden Behandler, aber er wird im Gegensatz zu seinen Vorgängern und im Vergleich zu alternativen Konzepten sich eine solide Fanbase sichern können.

Probieren geht über hier über Wischen.
Denn denken sie dran, ihr Auto ohne Scheibenwischer würden sie spätestens nach dem ersten Regen in die Werkstatt geben.

Disclaimer
Auf den Yirro Plus Mundspiegel bin ich aufmerksam geworden, durch eine Empfehlung von Stefan Verch, Berlin, der wiederum von Winfried Zeppenfeld, Flensburg von dem Spiegel erfahren hat. Mein Dank an Beide für den Tipp !

Vom Hersteller wurde ein Testgerät kostenlos für die Dauer des Praxistestes zur Verfügung gestellt.  Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

 

Kennen Sie die Coneheads ?

von Hans – Willi Herrmann

Vermutlich erinnert sich heute noch kaum jemand an Dan Aykroyd, einen der Hauptdarsteller der 80er Jahre Kultfilme „Blues Brothers“, Ghostbusters“ und „Die Glücksritter“. Aykroyd spielte auch eine tragende Rolle in der Filmkomödie „Die Coneheads“, in der er als mit seiner Familie auf der Erde gestrandeter Ausserirdischer mit namensgebend monströs kegelförmigen Kopf herumlief.

Und genau daran muss ich zuweilen denken, wenn ich das Dentafix-Kissen am Patienten angelegt in Funktion sehe.

Aber der Reihe nach.
Das Dentafix-Kissen war eine Empfehlung der Kollegin Isa Helbig, für die ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte. Geäußert gegenüber meiner endodontischen Erstassistenz, anlässlich unseres Praxisrundgangs im Rahmen des diesjährigen 2. „Weck, Worscht, Woi“ Endodontie Intensivseminars, dass im April diesen Jahres  stattfand.

Wir verwenden seit vielen Jahren ein Tempur – Kissen zur optimalen Langzeitlagerung des Patientenkopfes im Rahmen der Wurzelkanalbehandlung. In Kombination mit Tempurauflagen bzw. Tempur- Sitzflächen unserer Behandlungseinheiten ergibt sich so eine Lagerung, die von den Patienten immer wieder hinsichtlich ihres Komforts gelobt wird.

So gesehen gibt es eigentlich keinen Grund, von diesem Prozedere abzuweichen, zumal wir vor etlichen Jahren schon besagtes Dentafix-Kissen zum Testen in der Praxis hatten und damals zu dem Ergebnis kamen, dass es gegenüber der bestehenden Tempur-Lösung keine Vorteile bot. Es liess sich auf unseren damaligen Behandlungsstühlen von Siemens und Ultradent nur schwierig positionieren. Die eine Kopfstütze war eher breit und flach, dass es dem Kissen an seitlicher Fixation fehlte, die andere so zierlich, dass dem Kissen nicht genügend basale Abstützung geboten wurde.
Heute arbeiten wir mit Morita Soaric-Behandlungseinheiten. Und diese ermöglichen es, das Kissen adäquat zu positionieren, so dass sich eine stabile Positionierung des Dentafix-Kissen ergibt.

Das Funktionsprinzip der Kissens ist aus der Krankenhaus OP – Bereich bekannt. Der Patient wird vor der Operation wird in optimale Position gebracht, anschließend wird dem bis dato weichen, leicht formbaren Kissen mittels der Luftabsaugung des Speichelsauger der Behandlungseinheit die Luft entzogen.  Der entstehende Unterdruck lässt das Kissen fest werden, der Patient ist in der festgelegten Position stabilisiert, ohne dass diese Positionierung in irgendeiner Art und Weise kurz oder längerfristig unangenehm wäre.

Nach kurzer Eingewöhnung gelingt die Positionierung im kongenialen Zusammenspiel von Behandler und Assistenz schnell und unkompliziert. Als sinnvoll hat sich erwiesen, zunächst die Positionierung des Patienten im Behandlungsstuhl für die jeweilige Behandlung in der notwendigen horizontalen Endposition vorzunehmen, bevor man diese, vom Patienten für angenehm befundete Stellung fixiert.

Zumeist wird das Kissen im Halsbereich im Sinne einer Nackenrolle eingeschlagen, um so, gedoppelt, dort für deine optimale Abstützung im Genickbereich zu sorgen. Und auch wenn die etwas ausladenden Ecken des Kissens die Behandlung nicht stören, so hat es sich als sinnvoll erwiesen, diese bei der Unterdruckerzeugung zum Hals des Patienten hin zu schieben. Eine noch stabilere Lagerung des Patientenkopfes bei gleichzeitig größerem Bewegungungsspielraum des Behandlers lässt sich so ohne großen Mehraufwand erzielen. Presst man hierbei noch die Oberseite der Ecken nach unten, lässt sich auch ein im Verlauf der Wurzelkanalbehandlung benötigtes Röntgenschutzschild optimal platzieren.

Die Assistenz befestigt nun den Anschluss des Speichelsaugers mit dem Ventil des Kissen. Innerhalb von ca. 3 Sekunden ist dem Kissen die Luft entzogen, die festgelegte Position nach Schliessen des Ventils somit manifestiert. Was hier kompliziert klingen mag, ist nach mehrmaligem Durchführen, demnach schon innerhalb des ersten Arbeitstages, in Fleisch und Blut übergegangene Routine geworden. Anfangsschwierigkeiten gibt es also keine, dafür aber die immer wieder positiv geäußerte Rückmeldung der Patienten über eine angenehme Lagerung über die gesamte Zeitdauer der durchgeführten Behandlungen.

Wie sieht es mit eventuellen Nachteilen aus ?

Hier wären zunächst die besagten ästhetischen Defizite, besagter Coneheads- Imitation zu nennen, weiterhin der Umstand, dass dieses Kissen das Design unserer Morita Soaric-Behandlungseinheiten nachteilig verändert.

Sie merken schon, es gibt eigentlich keine nennenswerte Nachteile, wenn man davon absieht, dass ihre in der Patientenbehandlung arbeitenden Assistenzen, denken sie an den Prophylaxebereich, für deren Behandlungssitzungen ebenfalls ein solches Kissen sich wünschen.

Mit Beidem, finde ich, kann man gut leben. Von daher gibt es von meiner Seite her die uneingeschränkte Empfehlung, das Kissen vielleicht einmal selbst auszuprobieren. Sollte ihr Behandlungsstuhl für das Kissen geeignet sein, das gilt es herauszufinden, werden sie das Dentafix-Kissen schon schnell nicht mehr hergeben wollen.

Disclaimer
Ein Testexemplar des Dentafix-Kissen wurde uns für die Dauer des Praxistestes kostenlos zur Verfügung gestellt.

Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

Wurzelspitze Tag 8, Wurzelspitze Team Day 9

von Hans – Willi Herrmann

Am 12. und 13. Mai 2017 fand in Berlin der 8. WURZELSPITZE Tag statt. Genauer gesagt am Rande von Berlin, in den Neuen Kammerspielen Kleinmachnow, die mit ihrer stilvollen Kulisse den Veranstaltungen einen ausserwöhnlichen Rahmen gaben, welchen man zeitgemäß und modisch up to date heute mit „Retro“ oder „Vintage“ benennen würde. Die Organisation und die wissenschaftliche Leitung der Veranstaltung lag in Händen der von den  Kollegen Dr. Jörg Schröder, Dr. Sebastian Riedel und ZA Mario Müller M. Sc.. geführten Endodontischen Privatpraxis Berlin.

Zeitgleich zum 8. WURZELSPITZE Tag wurde von den 5 WURZELSPITZE – Praxen der mittlerweile 9. WURZELSPITZE Team Day ausgerichtet. Nachdem sich in der Vergangenheit unter anderem schon Themata wie Erste Hilfe, Business English, Serviceverhalten in der Patientenkommunikation, zahnärztliche Behandlungen der Praxismitarbeiter am Phantom-Kopf, ein Foto- oder ein Selbstverteidigungskurs auf der Agenda befanden, standen vormittags im Fokus dieses, traditionell dem Fachvorträge-Tag vorangehenden Treffens unter Anleitung von 4 Personal-Trainern sportliche Übungen zur Rückenschule.

Und da für ein professionelles Auftreten auch das Äußere eine nicht unerhebliche Rolle spielt, vermittelte am Nachmittag ein Visagist im Rahmen eines Schmink- Kurses Tipps zum Thema. Alternativ gab ein Spaziergang auf dem Kleinmachnower Mauerweg unter kundiger Führung eines Zeitzeugen Einblick in die individuellen gesellschaftlichen Verhältnisse dieseits und jenseits der Mauer in der Zeit der Teilung Deutschlands und den ersten Jahren der Wiedervereinigung.

 

Abends gab es das traditionelle Get Together mit den Praxismitgliedern, Referenten, Überweisern und den „Freunden von Wurzelspitze“. Das besondere Ambiente des altehrwürdigen Provinzkinos bildete den geeigneten Rahmen für einen Auftritt des Improvisationstheaters „Theatersport Berlin“, deren Mitglieder an diesem Abend für die Anwesenden eine Privatvorstellung gaben und vom begeisterten Publikum mit langanhaltendem Schlussapplaus und erst nach mehreren Zugaben von der Bühne gelassen wurden.

Der Samstag stand dann unter der Moderation von Jörg Schröder im Zeichen der Fachvorträge: Den Auftakt machte Mario Müller, M.Sc., er referierte über die unterschiedlichen Vorgehensweisen zur Fragmententfernung. Dr. Dinah Fräßle-Fuchs sprach über Endodontie im Milchgebiss, der Zahntechnikermeister Jürgen Mehrhof beeindruckte mit  wundervollen Bildern und Videos zum Thema „Implantatposition: Der Schlüsselfaktor für Ästhetik und Komfort“.  Die Medizinerin Dr. Astrid Kohl referierte im Dialog mit Dr. Sebastian Riedel über Komplementäre Medizin & Endodontie im Spannungsfeld chronischer Krankheiten und Materialunvertäglichkeiten, die Juristin Haya Hadidi über das Patienteninformationsgesetz mit praxisrelevanten Empfehlungen für den Praxisalltag. Dr. Hans-Willi Herrmann zeigte die Möglichkeiten einer substanzschonenden Trepanation als Eintrittskarte für eine optimale Endodontie unter Anwendung der Komet EndoExplorer- und EndoTracer – Instrumente. Den Abschluss bildete Dr. Christoph Kaaden mit einer weiteren Folge seiner Vortragsserie “ Rette mein Lächeln“ zur Wichtigkeit einer adäquaten Therapie von Traumafällen, um potentiell dramatische Folgen für den Patienten bei Unterlassung zu vermeiden.

Gerne würden wir auch im Jahr 2018 eine weitere „WURZELSPITZE – Tag“ Fortbildung ausrichten. Salzburg oder Bad Reichenhall stehen in der Auswahl, wir werden zu gegebener Zeit hier berichten.

 

Dental Trauma Guide via VDZE

von Hans – Willi Herrmann

Es wurde bei WURZELSPITZE hier darüber berichtet.
Der „Dental Trauma Guide“ ist seit kurzem nicht mehr kostenlos verfügbar.

Der VDZE hat daraufhin gestern via Mail bekanntgegeben,  den VDZE Mitgliedern, finanziert durch die Mitgliedsbeiträge, den Zugang zu dieser Seite zu ermöglichen.

Florian Bertzbach, derzeitiger VDZE – Präsident, schreibt hierzu, daß durch eine Gruppenmitgliedschaft gute Konditionen erhalten werden konnten und der VDZE somit dieses Projekt zukünftig unterstützen wird.

Für VDZE – Mitglieder besteht lt. Bertzbach damit demnächst zum Beispiel die Möglichkeit, auf einem Rechner in der Praxis einen Zugang fest einzurichten und als Link auf dem Desktop zu hinterlegen. So können im Notfall schnell die benötigten Informationen abgerufen werden.

Fehler 61 – Sirona Dac Universal

von Hans – Willi Herrmann

Rund 10 Monate ist der Sirona DAC Universal nun in Betrieb.
Heute meldet er sich mit folgender Fehlermeldung:

Fehler 61

Der Blick ins Handbuch ergibt folgenden Hinweis:

Fehler 61 :“Dieser Fehler tritt auf, wenn sich das Signal vom Dampfgenerator-Temperatursensor drei Minuten lang nicht geändert hat (dies kann bei einem Leiterbruch im Sensor geschehen) Bitte wenden Sie sich an Ihren Anbieter“

Das klingt nicht gut.
Eigentlich klingt das sogar ziemlich schlecht.

Mit Anbieter ist vermutlich das Dental- Depot gemeint, das uns das Gerät verkauft hat.
Ein Anruf in der Technik ergibt, dass das Gerät nicht bei uns in der Praxis überprüft und gegebenenfalls repariert werden kann, sondern abgeholt werden muss. Ein Termin hierfür kann nicht genannt werden, ein Ersatzgerät als Aushilfe ist gegenwärtig nicht vorhanden.

Kennt jemand der hier Mitlesenden das Problem und kann berichten, wie es gelöst werden kann ? Da das Gerät seine Funktion unwiderruflich eingestellt hat, bin ich für jeden Hinweis dankbar.

 

 

 

 

 

IDS – Vorschau 2017: Meta Biomed EQ- V

von Hans – Willi Herrmann

Die IDS 2017 steht in den Startlöchern, der Countdown läuft.
Schon jetzt scheint sicher, es wird im Hinblick auf den Endobereich eine der interessanteren Jahrgänge werden, eine ganze Reihe von Neuheiten sind angekündigt.

Die koreanische Firma Meta Biomed ist, was Endo- Geräte angeht, gleich mit zwei Neuheiten am Start. Da wäre zunächst das EMS 200 Endo Magic. Eine  „All in One“ Endo-Lösung, den gesamten Endo- Workflow betreffend. Das EMS 200 hat, auf den ersten Blick zumindest, verblüffende Ähnlichkeit mit dem, in Deutschland bekannten und hoch geschätzten (weil als offenes System ausgelegtem und damit für eine Vielzahl von unterschiedlichen Nickel- Titan – Instrumenten verwendbarem) Schlumbohm Endopiloten. Für den bereits maschinell enodontisch aufbereitenden und somit motorbestückten Kollegen, der jetzt den Schritt zur warmen Wurzelfülltechnik wagen möchte, bringt Meta Biomed als kostengünstige Alternative zu ihren bereits vor 2 Jahren eingeführten Genesys–Geräten das EQ-V auf den Markt.

Ein weiteres akkubetriebenes, demnach kabelloses Füllsystem für die warme Guttapercha-Fülltechnik.

Beginnen wir mit dem Verkaufsargument, dass den „average dentist“ in der Regel zunächst am meisten interessieren dürfte: Während der Kaufpreis in Deutschland für das Genesys – System mit 1999 Euro zu Buche schlägt, wird für das EQ – V mit 995 Euro gerade mal die Hälfte aufgerufen. Das ist doch schon mal von der möglichen Ersparnis her eine Summe, die insbesondere den Einsteiger überlegen lässt, ob hier nicht das Billigere der Feind des Guten ist. Und ein solcher Preis verlagert zumindest die psychologische Schwelle des Einstiegs in die warmen Fülltechniken deutlich zum Positiven hin.

Wer sich demnach nun für den Einsatz warmer Techniken entscheidet, dem präsentiert sich das EQ-V  in der bereits von den B&L Geräten her bekannten Kombination eines kabellosen Gerätes in Penholder-Style/Lötkolben-Form für das Downpack und einer ebenfalls akkubetriebenen „Obtura“ – Pistole zum Backfill.

Was sogleich ins Auge fällt – die Hitze-Voreinstellungen der Backfill- Pistole sind nicht ganz so vielfältig wie beim Genesys.  Es stehen 160 und 200 Grad Celsius zur Wahl, das Genesys bietet als Abstufungen 140, 160, 180 und 200 Grad. Inwieweit sich diese Einschränkungen in der Praxis auswirken, bleibt abzuwarten.

Nächster Blick – diesmal ohne Frage vorbehaltlos positiv – die Geräte verfügen über Wechsel-Akkus.  Diese sind demnach im Bedarfsfalle vom Behandler sofort tauschbar und passen in beide Geräte gleichermassen. Gefällt mir. Das extrem ärgerliche Phänomen des „Mist, Vergessen auf die Ladestation zu stellen, Strom alle, muss geladen werden, Entschuldigung Chef“ fällt schon mal weg. Das Gerät wegen eines Akkuwechsels zur Reparatur einschicken zu müssen auch.  Und mit gegebenenfalls einem zusätzlichen, dritten Akku als Sicherheitsreserve, den ich, sie kennen mich, nix „Mut zur Lücke“, „Gürtel und Hosenträger“ ist meine berufliche Devise, persönlich mir beim Kauf „gönnen“ würde, sollte eine stetige Verfügbarkeit zuverlässig gewährleistet sein.

Der verwendete Kunststoff des EQ – V soll im Übrigen hochgradig wärme- und chemikalienresistent sein. Warum ich das erwähne ? Sowohl bei früheren  Meta-Geräten als auch bei Geräten von Sybron Endo kam es vereinzelt im Laufe der Zeit zu Haarrissen im Gerätekörper, die nicht alle mit unsachgemäßer Handhabung oder Anwendung aggressiver Desinfektionsmittel erklärt werden konnten.
Der Gebrauch des Gerätes war nicht beeinträchtigt, aber unschön war dieses Vorkommnis dennoch. Und soll der Vergangenheit angehören.

Rein haptisch ist am EQ – V schon mal nichts auszusetzen.
Zwar sind die Geräte sehr leicht (was ohnehin vermutlich die meisten Kollegen als positiv bewerten werden), liegen aber dennoch sicher in der Hand.

Die zu erwärmende Guttapercha kann im Übrigen sowohl in Form von „nachladbaren“ Pellets a la Original Obtura – Pistole, aber auch in Form von Einmalkartuschen verwendet werden, der Behandler hat hier freie Wahl. Meta Biomed weist darauf hin, dass der Pflege- und Reinigungsbedarf bei der Verwendung von Pellets gegenüber der Original Obtura – Pistole deutlich anwenderfreundlicher ausfällt, sowohl die Häufigkeit als auch die  Einfachheit der Pflegemassnahmen betreffend.

Wer die IDS nicht abwarten will und schon vorab genauere Infos zum Gerät möchte – Meta Biomed hat vor kurzem mit Sitz in Mülheim an der Ruhr auch den Bürobetrieb in Deutschland aufgenommen, einen deutschsprachigen Telefonsupport erreicht man unter  0208-309919-0.

3 Haselnüsse für Aschenbrödel

von Hans – Willi Herrmann

„Ja ist denn schon Weihnachten“ schrieb hier vor ein paar Tagen Jörg Schröder und freute sich über 3 schöne Behandlungsergebnisse im Recall. Um diesenTag herum liefen in einer anderen Praxis ebenfalls 3 schöne Fälle auf,  die ich hier, in der Nacht vor Heilig Abend, einstellen möchte.

Denn wie sich mit dem wohl schönsten aller tschechischen Märchenfilme (weil mittlerweile durch alljährliche Repititionen analog  Whams „Last Christmas“ vorkonditioniert) die vertraute weihnachtliche Stimmung gewissermaßen automatisch einstellt, möchte ich das Motto des Films als Überschrift für den nachfolgenden Beitrag wählen, um damit die frohe Botschaft des „Voller Glauben an den Erfolg in der Sache nicht nachlassen in den Bemühungen“  in die Heilige Nacht weiterzutragen.

Ich wünsche im Namen aller WURZELSPITZE-Autoren unseren Lesern ein  frohes, friedvolles Weihnachtsfest und alles Gute für das Jahr 2017.

Zeiss- Lob (2)

von Hans – Willi Herrmann

Der Birnenwechsel am Zeiss Pro Ergo ist kein Hexenwerk.

Ärgerlich nur, wenn 10 Minuten nach Inbetriebnahme das neu installierte Licht erneut ausgeht.  Doch ein tiefergehender Fehler, der eines Service- Technikers bedarf ?

Die sprichwörtliche „Ka Ching“ – Registrierkasse im Kopf fängt an zu rattern.

Anfahrt, Technikerstunden, Ersatzteile ?
Etwa sogar eine Steuerplatine ?
Damit wären wir auf jeden Fall gefühlt deutlich 4 stellig.
Sofern der Techniker überhaupt zeitnah verfügbar wäre.

Eine Email und kurze Zeit später die Antwort meines Zeiss-Kontaktes mit der Telefonnummer einem Technik- Ansprechpartner.

Zunächst die von Callcentern bekannte Warteschleife, aber im Gegensatz zum heute Ubiquitären schnelle Verbindung und Weiterleitung. Die gründliche Telefondiagnose gibt zunächst keine zielführenden Hinweise, aber das Erörterte bringt mich wenige Minuten später zur Lösung – ich schreibe eine weitere Email, jetzt direkt an den Techniker:

Könnte es sein, dass ein nichtdrehender  Lüfter die Ursache des Problems sei, das Abdunkeln mit einer Hitzeschutzschaltung in Verbindung steht ? Mir war beim Auseinanderbauen aufgefallen, dass der Lüfter an einer Stelle des Gehäuses entlangschabte.

Könnte schon, so die Antwort,  was auch die Zeit von etwa 10 Minuten Betriebsdauer erklären würde, aber warum sollte der Lüfter sich nicht mehr drehen, sofern kein Fremdkörper diesen blockiert ?

Es stellte sich heraus, dass zwar kein Fremdkörper vorhanden, jedoch der federnd aufgehängte Lüfter sich leicht verkantet hat, an einer Stelle der Rotoraussenwand ein Hauch zu nahe gekommen ist und nicht mehr anläuft. Ein wenig den Lüfter wieder in Zentrik gebracht, dazu genügt ein kurzes Zurechtrücken, erledigt er nun wieder wie gewohnt seinen Job.

Ein sicherlich ebenso seltener wie bizarrer Zwischenfall, umso erfreulicher die Tatsache, dass das Problem via Telefon erfolgreich gelöst werden konnte.

Danke an Zeiss, insbesondere an die Herren Mario Köhler, Jürgen Ott,
Gregor Woltschenko für die schnelle und kostensparende Problemlösung.

 

Zeiss – Lob (1)

Es scheint, dass das leidige Thema nun endgültig vom Tisch ist – Die Rede ist vom Pro Ergo Handgriff- Problem. Anfang  des Jahres wurden bei den Kunden, die diesbezüglich Schwierigkeiten hatten, in einer konzertierten Aktion die Handgriffe getauscht.

Heute kann ich vermelden, dass besagter Fehler nicht mehr auftaucht.
Weder bei mir, noch bei den anderen 4 Behandlern in Wurzelspitze- Praxen, die davon betroffen waren.

Ich bin froh, dass Zeiss das Problem lösen konnte und möchte an dieser Stelle mein Lob aussprechen dafür, dass man allen Betroffenen eine adäquate Lösung zukommen liess, anstatt, wie heute leider zu oft praktiziert, den Kunden mit seinem Problem allein zu lassen.

 

 

2207 Schritte

von Hans – Willi Herrmann

Jede noch so lange Reise…
… beginnt mit einen einzigen Schritt.

Sagt ein altes chinesisches Sprichwort.

Klingt banal, ist aber viel Wahres dran.

So begann exakt auf den Tag genau vor 8 Jahren am 01. November 2008 der erste Beitrag unseres WURZELSPITZE – Blogs. Und führte weiter an:

Und es gibt einen (lustigen) Hollywood – Film mit Bill Murray (das wäre dann die zeitgemäße Sprichwortvariante), in welchem dieser seinen Psychologen in den Urlaub verfolgt und in den Wahnsinn treibt. Eines der Schlagworte dieses Films sind „Babyschritte“. Babyschritte, die der Psychologe seinem Patienten nahelegt, um zum Ziel zu kommen.

Und um genau solche Sachen geht es hier.

Als erster von „… hoffentlich vielen Schritten, vielen Artikeln und Beiträgen rund um die Endodontie.

Endodontie – das ist das, was man im Volksmund als Wurzelkanalbehandlung kennt. Und – um es gleich vorwegzunehmen, die Wurzelkanalbehandlung hat sich enorm verändert in den letzten 5,10,15 Jahren. Sie ist mit dem, was als Horrorszenario noch in den Köpfen der Patienten umherspukt, nicht mehr zu vergleichen.

Und auch wenn jeder dieser Blog – Beiträge nur einen einzigen Babyschritt darstellt, so ist meine begründete Hoffnung, dass viele dieser Schritte – allein oder in ihrer Gesamtheit – den interessierten Leser, ganz gleich ob Behandler oder Patient, voranbringen.

Von Nutzen sein werden.

Nun sind es genau 2207 Schritte geworden.
In einem Rutsch durchgelaufen, von kurzen Pausen in der Urlaubszeit mal abgesehen.

Da ist es an der Zeit, einmal innezuhalten.
Anlass, zurückzublicken, auf besagte mehr als 2200 Beiträge,
750.000 Besuche Interessierter pro Jahr, 65000 – 80.000 pro Monat, macht zuletzt durchschnittlich 2499 Besuche pro Tag. Wenn man bedenkt, dass eine endodontische Firma von Weltformat im Rahmen eines Key Opinion Leader-Meetings letzte Woche stolz bekannt gegeben hat, dass die firmeneigene Homepage weltweit 13.000 Besuche pro Monat aufweisen kann, dann sind die von uns erzielten Zahlen für eine deutschsprachige Site als ausserordentlich zu bezeichnen.

Und natürlich würde es sich anbieten und wäre selbstverständlich der Bedeutung des Jubiläums mehr als würdig, das Erlebte detailliert Revue passieren, es angemessen hochleben zu lassen.

Aber wir sind, ohne drüber sprechen zu müssen, übereinstimmend  zu dem Schluss gekommen,  es bei den aufgezählten Fakten zu belassen und möchten vielmehr stattdessen kurz und knapp an dieser Stelle vermelden, dass es ab morgen  WURZELSPITZE in der Form,  wie es bislang war, nicht mehr geben wird.

Das klingt viel dramatischer als es ist, denn – das ist die gute Nachricht –  mit WURZELSPITZE wird es in modifizierter, sprich unregelmäßiger Form weitergehen.
WURZELSPITZE wird nicht verschwinden. Die vorhandenen Inhalte bleiben auch zukünftig verfügbar.

Wir werden weiterhin schreiben.
Worüber wir wollen.

Wann wir wollen.
Zunächst vermutlich erst mal gar nicht.
Oder wenig.  Dann wieder mehr. Bestimmt. Immer mal wieder. Versprochen. Naja, zumindest nehmen wir uns das fest vor.

So oder so jedoch: Wir geben das Staffelholz weiter.
An die Jungen. Die Wilden und Hungrigen.

Wie wir es waren.
Damals.
Vor 20 Jahren.

Eure Zeit ist jetzt. Wir möchten möglichst Viele aufrufen, es uns nachzutun.

Schreibt !
Fotografiert !
Dreht Videos !

Und laßt euch nicht entmutigen von den  wenigen beckmessernden Lautstarken, den Besserwissern und Besserkönnern, die mit vielen vielen Worten nicht müde werden, euch zu erzählen, wie ihr es denn unbedingt machen solltet, wie sie es selbstverständlich so viel besser machen würden, allerdings merkwürdigerweise -oder auch nicht – diesbezüglich bis dato nie etwas Konkretes folgen ließen.

Wir warten auf Euch, bei der 2207er Marke.
Um Euch „High 5“ abzuklatschen.
Mit Euch gemeinsam weiterzulaufen.
Oder Euch wehmütig hinterherzuschauen, wenn ihr, längst unseren Schuhen entwachsen und mit Riesenschritten, damit fortfahrt, ich zitiere Steve Jobs,  „eine Delle im Universum zu hinterlassen“.

Wir sind gespannt.

Eure

Christian Danzl, Ha-Wi Herrmann,  Christoph Kaaden, Olaf Löffler, Jörg Schröder

Komet EndoExplorer EX1, EX2, EX3

von Hans – Willi Herrmann

Vor ein paar Monaten fragte der Kollege András Csögör auf Grund dieses WURZELSPITZE – Blogbeitrags in einem Emailforum, um welche Bohrer es sich bei den überlangen Instrumenten in der zweiten Reihe des besagten Bohrerständers handeln könne.

Respekt von meiner Seite für das genaue und interessierte Hinschauen.
Allerdings – eine Antwort konnte damals nicht gegeben werden.

Die Instrumente waren Prototypen, de facto unbekannt und die wenigen Leute, die hätten antworten können, hatten vermutlich eine Verschwiegenheitserklärung abgegeben.

Seit ein paar Tagen nun sind die Instrumente offiziell auf dem Markt und daher kann nun auch an dieser Stelle bekanntgegeben werden, dass es sich bei den angesprochenen Instrumenten, die in erster Linie zur Gestaltung der primären und sekundären Zugangskavität im Rahmen endodontischer Maßnahmen eingesetzt werden, um die EndoExplorer – Instrumente EX1, EX2  und EX3 der Firma Komet handelt.

Nähere Informationen zu diesen Instrumenten finden sich hier.

Was (noch) nicht in der Informationsbroschüre steht. Das EX -Instrumenten – Set enthält, wenngleich noch nicht offiziell gelistet,  wie im Bohrerständer schon zu sehen, eine weiteres EX 3 genanntes Instrument. Wenn alles klappt, so wird es mit den anderen EX – Instrumenten und den H1SML – Rosenbohreren im Rahmen eines Workshops auf der DGET – Jahrestagung im November in Frankfurt offiziell vorgestellt werden.

Eine erstes Preview  gab es im Rahmen des 3 tägigen Weck, Worscht, Woi-Seminars Anfang September in Bad Kreuznach, wo unter anderem das Arbeiten mit diesen Instrumenten im Rahmen der Gestaltung endodontischer Zugangskavitäten ausführlich erörtert wurden.

Das Schlagwort „Minimalinvasive Endodontie“ ist seit einiger Zeit schon gross in Mode.
Häufig wird allerdings übersehen, dass es sich dabei nicht um eine revolutionär neue Forderung handelt, vielmehr der Wunsch nach maximalem Zahnsubstanzerhalt seit jeher schon dem Grundkanon engagierter Zahnmedizin zuzuordnen war. Es fehlten bislang lediglich die Möglichkeiten, dieses Ziel in der Praxis konsequent umzusetzen. In der Kombination von H1SML–Rosenbohrern und EndoExplorer–Instrumenten unter Verwendung adäquater optischer Vergrößerungshilfen finden sich nun die Voraussetzungen, den benötigten endodontischen Zugang im Sinne eines „so klein wie möglich, so groß wie nötig“ substanzschonend zu gestalten, ohne damit den Einsatz nachfolgend notwendiger Wurzelkanalinstrumente zu limitieren oder gar zu kompromittieren.

Erste Feedbacks aus den Reihen der Teilnehmer waren – und das freut mich – sehr positiv.

Disclaimer
Die benannten Instrumente wurden von der Firma Komet in federführender Zusammenarbeit mit dem Autor entwickelt.

Linsengericht (I) – Das Flexion Dentalmikroskop von CJ-Optics

von Hans – Willi Herrmann

Früher war alles besser ?

Mitnichten.

Gehen wir zurück in die Jahre 1995 – 1997.

IDS war Pflichtveranstaltung für mich, den frischgebackenen Praxisgründer.
Der Wunsch und einer der Augenmerke des Messerundgangs?
Die Kaufentscheidung für ein Operationsmikroskop zu treffen.

Was gab es zur Auswahl ?

Zwei Zeissmikroskope. Eins für einen Praxisneuling unbezahlbar, eins für immer noch viel Geld, aber funktional unbrauchbar.

Alternativ dazu ?
Ein Leica – Mikroskop.
Noch teurer als das teure Zeiss.

Letztendlich wurde es das hochpreisige Zeiss Pro Magis, die Entscheidung war richtig, nie gereut in all den Jahren, nicht eine Sekunde, aber natürlich hätte ich als junger Praxisgründer gerne ein deutlich günstigeres OPM erwählt.

Gab´s aber nicht.

Und heute ?
Steht eine Vielzahl von – wie man in der Automobilindustrie sagen würde – guten „Mittelklasse – Mikroskopen zur Verfügung. Zeiss Pico, Leica M 320. Global mit seiner neuen A – Serie.

Und – als neuester Vertreter seiner Art – das Flexion Dentalmikroskop von Carsten Jung, der mit seiner Firma CJ-Optics das abdeckt, womit vor 15 Jahren einmal Kaps positiv assoziiert war: Ein kleiner Hersteller, kundenorientiert. Immer bereit, auf individuelle Wünsche der Mikroskopnutzer einzugehen. Angesiedelt räumlich und von seiner Vernetzung her im Dunstkreis von Wetzlar, dem Heimathafen der Firma Leitz, die mit ihren Kleinbildkameras und Objektiven Weltruhm erlangte und bis heute,  als LEICA gebrandet, was die Qualität ihrer optischen Produkte angeht, die Weltspitze definiert.

Und besagtes Flexion- Mikroskop steht nun seit ein paar Tagen bei uns in der Praxis. Endlich. War es doch schon lange angekündigt, aber der Chef der Firma hatte dann doch immer noch eine Neuerung, eine Verbesserung, ein zusätzliches „Feature“, welches er unbedingt anbringen wollte, bevor er uns das Mikroskop zum Testen zur Verfügung stellen würde, damit es auch wirklich einen möglichst guten, nein, den bestmöglichen Eindruck hinterliesse.

So ging das seit der IDS 2014.

„Jetzt ist gut“, sagte dann irgendwann Herr Ermerling von der Firma Hanchadent, dem Flexion- Vertriebspartner, „das Flexion ist so gut, dass es auch unter den kritischsten Blicken bestehen kann“ und so gab Carsten Jung seine Zustimmung, das OPM zur Rezension freizugeben.

So kam es vorletzte Woche zu uns.
„Das ist aber schön“, sagte einer meiner Mirtabeiterin, als das Mikroskop geliefert wurde. Was ich schon mal bemerkenswert fand, denn ich erinnere mich noch gut, was vor ein paar Jahren das Mikroskop eines Mitbewerbers (preislich oberhalb des Flexion angesiedelt) als ersten Eindruck hinterließ. „Das bitte nicht“ sagte meine Erstassistenz damals.

Und damit war das Thema eigentlich schon durch, denn wenn ein Mikroskop, die Stabilität und Grundkonstruktion betreffend, nicht mal den ersten Sichttest besteht, dann erscheint es in der Tat besser, sofort über alternative Kaufentscheidungen nachzudenken.

Ein erstes, wenn auch zunächst oberflächliches Lob.
Wenn man jetzt allerdings noch weiss, dass die aufgestellte Konstruktion mit Variofocus-Linse, Fotoadapter und Sony APS C Kamera Alpha 6000 für rund 20.000 Euro zu erwerben ist, dann ist das Flexion in der Tat, ein „new kid in town“, dass einen zweiten Blick und eine gründliche Testung verdient.

Denn – die Funktion im Alltag entscheidet letztendlich über „Daumen hoch“ oder „Daumen runter“. Und besagtes ZEISS von 1995-1997 konnte es trotz eines „schlagenden“ Argumentes von „rund 30.000 DM billiger gegenüber dem Pro Magis“ ja nicht schaffen, einen Platz in unserer Praxis erlangen.

Worauf werde ich besonders achten ?
Mein Augenmerk liegt vor allem auf dem umgekehrten Kugelkopf, der die Beweglichkeit sicherstellen soll. Aus der Fotografie aus dem Stativbereich seit längerem schon als Novoflex MagicBall bekannt, muss diese Konstruktion hier beweisen, ob sie gegen Mora – Interface oder sogar Magnetkupplung des Pro Ergo  bestehen kann.

Und dann das LED – Licht.
Wie gross wird die Differenz zum State of the Art – Xenon- Standard ausfallen ?

Darüber mehr demnächst hier.

Mir reißt die Hutschnur, sagt Herr Pohl oder warum es so leicht passieren kann, das Falsche zu sagen, wenn man das Richtige meint

von Hans – Willi Herrmann

Zuallererst.

Den Beitrag „Unwissen schützt vor Schaden nicht“ hätte ich so nie geschrieben.
Nicht einmal im stillen Kämmerlein gedacht, hätte ich das dort Verfasste.

Weil – jeder Mensch tickt anders, denkt anders.  Und – aus meiner individuell subjektiven  Sicht der Dinge –  ein Traumafall immer eine Ausnahmesituation darstellt.  Aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Knall auf Fall.
Ungeplant.
Ein Kind. Ist es überhaupt behandelbar ?
Dann die aufgeregten Eltern.
Die missliche Situation.
Blut. Tränen.

Und, und, und.

Und gehen wir blauäugig idealistisch davon aus, dass die Kollegin(/der Kollege, der die Erstversorgung  vornahm, hier nach bestem Wissen und Gewissen versucht hat, dem jungen Patienten optimal zu helfen. Es ehrt meines Erachtens die Kollegin/denKollegen, dass sie/er sich der Aufgabe, der Verpflichtung des Helfens in einer unvorhergesehenen Ausnahmesituation gestellt hat. Es wäre in der Hauptstadt ein Leichtes gewesen, an eine ortsansässige Uniklinik zu verweisen, aber wäre dem Patienten damit gedient gewesen ?

Ausserdem – ganz pragmatisch – ich habe schon ganz andere Traumafälle gesehen, die wesentlich suboptimaler gelöst wurden.
Insofern wäre es für mich okay gewesen, wenn besagtes Kind mit besagtem Befund unsere Praxis zu Weiterversorgung aufgesucht hätte.

So gesehen Frau/Herr Nordlicht bin ich – was Sie vielleicht überraschen wird – viel viel näher bei Ihnen als beim Autor. Und ich verstehe ihren Unmut. „Was erlauben Strunz“. Soll er doch vor seiner eigenen Tür kehren, der Kollege Schröder.

Ausserdem – auch ein in die Diskussion eingebrachtes „Primum nihil nocere“, ebenso wenig wie ein „Was würdest Du bei deinen eigenen Kindern tun“, bringt uns in der Sache nicht wirklich weiter. Beides im realen Leben lediglich frommer Wunsch, wirklichkeitsfremde Philosophie. Dafür wiederum habe ich während des Studiums zu oft in Zahnärztekindermünder geschaut.

Wir könnten ewig so weiterdiskutieren.
Es würde nichts Substanzielles bringen.

Nicht wegzudiskutieren ist hingegen die Notwendigkeit, zu informieren.

Zum einen den Patienten bzw. dessen Sorgepflichtige. Und hier geht es nicht um Richtlinien, um Leitlinien, um ein „Kann man, muss man aber nicht.“ Sondern um eine gesetzliche Verpflichtung, wie diese im seit Februar 2013 gültigen Patientenrechtegesetz niedergeschrieben ist.

Zum anderen die Kollegen hier. Denen man sagen möchte: Schaut her, es gäbe vielleicht eine Möglichkeit, den Zahn vital zu erhalten, ihn durch körpereigene Wachstumsprozesse fester, stabiler zu machen, als es der beste Wurzelstift bislang jemals könnte. Das wäre doch eine tolle Sache, jeden Versuch wert, zumal der Weg dorthin gar kein so schwieriger ist, wenn man weiss, wie ´s geht.

Revitalisierungs/Revaskularisierungsbemühungen sehe ich im Übrigen kritisch.
Auch dies aus ganz unterschiedlichen Gründen, die im Detail aufzuzählen hier den Rahmen sprengen würde.

Aber hier ging es um einen möglichen Versuch der Vitalerhaltung.
Mit MTA arbeite ich seit 2001. Gerne erzähle ich die Anekdote, dass ich das Material (mit vagen Hinweisen für den Verwendungszweck und null Info, die Verarbeitung betreffend) in einer zu drei Vierteln gefüllten Filmdose angeliefert bekam. Genug MTA, um ein ganzes Berufsleben damit arbeiten zu können, sofern wir damals  gewusst hätten, wie teurer dieses Material in den Handel kommen wird. Nicht ahnend mischten wir es  (man kennt das, einem geschenkten Gaul…) sehr großzügig an, mit Häufchen, wie wir das vom Phosphatzement her gewohnt waren. Bis das Material dann auf den Markt kam als kommerzielles Produkt war unser Döschen schon fast leer, aber – zurück zum eigentlichen Thema – über 15 Jahre sind eine lange Zeit und MTA als Therapeutikum hat sich bewährt, eine direkte Überkappung auch größerer Defekte ist keine experimentelle Zahnheilkunde mehr.

Wenn demnach im vorliegenden Falle eine andere Therapieform als eine wie auf immer geartete direkte Überkappung mit MTA oder ähnlichen Stoffen zur Anwendung kam, dann sollte dies zumindest als wohlüberlegte Entscheidung getroffen worden sein.

Pro WK, contra P.

Und damit sind wir bei der Essenz  des Blogbeitrages vom letzten Freitag.
Ungeachtet der Art und Weise der Diktion (lassen sie uns dieses emotionale Moment bitte nun ausblenden und gestehen wir Herrn Schröder wohlwollend einen „schlechtgelaunten Tag“ zu) steht dort die Aussage, dass dieser Zahn möglicherweise einer anderen Therapieform hätte zugeführt werden können, die folgende positiven Aspekte (man beachte den nachfolgenden Konjunktiv) hätte mitsichbringen können: Vitalerhaltung der Pulpa, Dicken- und Längenwachstum der Wurzel.

Und das sind allesamt wünschenswerte Eigenschaften, bewirkt durch eine Behandlung, die zu einer Verbesserung, einer Reparaturheilung führen könnte. Ein – hier erübrigt sich jegliche Diskussion – wünschenswertes Ergebnis.

Vor 15 Jahren, vor MTA, unvorstellbar.
Heute ? Machbar. Punkt.

Welchen Weg gehen, wie nun sich entscheiden ?

Das wiederum ist offensichtlich vom Wissensstand der Behandler, von seinem klinischen Können, seiner Erfahrung und Ausstattung abhängig.

Und genau darum geht hier, Herr Pohl.
Deshalb wurde der Beitrag geschrieben. Um aufzuzeigen, dass neben der durchgeführten Vitalextirpation auch andere Therapiemöglichkeiten, mit potentiellen Vorteilen existieren.

Insofern würde ich mich freuen, wenn – von dem Umstand der sicherlich politisch unkorrekten Art der Kollegenschelte durch den Autor abgesehen – Einigkeit erzielt werden könnte, dass der Versuch der Vitalerhaltung in wie im vorliegenden Fall vorhandenen klinischen Situationen ein erstrebenswerter sei.

Und wenn nur ein Zahn zukünftig durch diese Info gerettet (im Sinne von Vitalerhalten) werden kann (auch das ist rein hypothetisch, denn es werden mehr sein), dann hat sich besagter Beitrag gelohnt.

Leider habe ich aber auch diesmal den Eindruck gewonnen, dass es Ihnen (Herr Pohl) um viel viel mehr als das bislang Erörterte geht. Und ich gestehe an dieser Stelle, dass ich Ihnen in ihren Ausführungen (im Gegensatz zu Frau/Herrn Nordlicht, die/den ich sehr gut verstehen kann) ) nicht zu folgen vermag.

Weiterhin möchte ich anführen, dass ich ihrer noch so oft geäußerten Kritik an der formellen Gestaltung von Beiträgen und dem nachfolgend geäußerten Wunsch nach einem wissenschaftlichen Schreibstil nicht nachkommen kann. Ich bin auch nicht gewillt, meine Beiträge so niederzuschreiben, dass diese ihre wohlwollende Zustimmung finden könnten. Weil der dafür notwendige Zeitaufwand in keinem Verhältnis steht zu dem bisschen mehr an praktischem Nutzen für die Kollegen.

Sie wollen wissenschaftliche Beiträge ?
Material und Methoden. Ergebnisse. Diskussion. Zusammenfassung, Quellenangaben ?

Sorry.
Geht nicht.
Keine Zeit.

Geht doch. Werden sie sagen.

Dann zeigen sie es mir.
Schreiben sie für uns ein paar Musterartikel.
Gehen sie voran. Weisen sie uns den Weg.

Ich werde folgen, sobald sie uns  den Beweis des Machbaren geliefert haben.
Der fehlt mir nämlich.

Bislang.

Wissen sie, was mir aufgefallen ist.
Das unser Blog WURZELSPITZE und ihre Zahnunfall- Seite fast zur gleichen Zeit im November 2008 auf Sendung gegangen sind.

In den vergangenen bald 8 Jahren haben wir 2185 Beiträge verfasst.
Selbstverständlich unvollkommen im universitär wissenschaftlichen Sinne.

Verspotten sie uns als dilettantische Dentisten, die besser bei ihren Leisten geblieben wären. Aber ich wage, zu behaupten und das deckt sich mit den Inhalten ihrer Seite, dass WURZELSPITZE nur ein Bruchteil des heutigen Inhaltes besäße, wenn wir kongruent mit ihren Forderungen unter wissenschaftlichen Vorgaben geschrieben hätten.

Was ich nicht verstehe: Auf ihrer Homepage haben sie  die Möglichkeit der Vitalerhaltung von Zähnen mit Substanzdefekten wie nachfolgend zitiert beschrieben:

Schützen von freiliegenden Zahnnerven
Wenn ein Zahnkronenstück abgeschlagen wird, liegt manchmal der Zahnnerv frei. Dies erfordert eine spezielle Behandlung beim Zahnarzt, damit der Zahnnerv sich nicht entzündet und abstirbt. Der Zahnnerv wird mit einem speziellen Medikament abgedeckt, bevor das Bruchstück wieder angeklebt wird oder der Zahn mit Füllungsmaterial wieder aufgebaut wird. In manchen Fällen muß vorher ein Teil des Zahnnerven entfernt werden.

Das ist aber genau das, was Jörg Schröder in seinem Beitrag angeführt hat.

Warum also – wie so oft – ihre harsche Kritik ?
Weil ein Behandler einen anderen Behandler kritisiert hat ?

Das wiederum steht in konträrem Gegensatz zu ihrem Auftreten, das exemplarisch an heutigem Kommentar zitiert, in Wortwahl und Inhalt weit über das hinausgeht, was hier Anlass der Diskussion war:

„Wohlwissend, das die internationale Traumaconnection, angeführt von Don Jens und seinen Capos, Übles im Schilde führt“ So, was führen sie denn Übles im Schilde???
Ich denke einmal, dass sich „Don Jens“, der immerhin das 80. Lebensjahr überschritten hat, die kürzlich erst noch in Polen getroffen hatte, die sich mehr um seine offenbar demenzkranke Lebenspartnerin sorgen muss, sich einfach nicht mehr wehren kann gegen seine „Capos“. Der Anfang vom Ende kam mit der Übernahme der Verantwortlichkeiten durch Martin Trope, Lars Andersson und nunmehr Ihrem Spezi Cohenca, denn diese lügen und betrügen, wo sie nur können… Oder sind Sie nun geläutert und verdammen unseren lieben Kollegen Cohenca? Naja, manche merken es eben früher, andere etwas später…

„Die Ausführungen sind ausführlich,“ Na klar, die Thematik ist komplex, und wenn man Daten bringt, „wie immer“, dann muss man eben ausführlicher bleiben… Ich weigere mich eben, ohne Fakten an der Wahrheit vorbei zu „argumentieren“…

„unsachlich, wie immer“ Unsachlich??? Mit den vielen Daten und Fakten??? Liefern Sie doch bitte eine einzige Publikation… Aber nein, die gibt es nicht… außer, natürlich, irgendwelche Leitlinien, die auf den Studien aufsetzen von Leuten, die Sie zu Recht kritisieren…

„und zielen vorrangig darauf ab andere Kollegen und deren Arbeit in einem schlechten Licht darzustellen.“
Nee, das ist mir jetzt wirklich zu blöde. Wer hat denn mit dieser Mistkritisiererei angefangen??? Muß ich Sie nochmals auf den ersten Beitrag hinweisen? Und auf meinen ersten Beitrag, der diese Ihre erste Kritik sehr zurückhaltend auf das Korn nimmt und erstmal die Grundlagen der Diagnostik abfragt. Wenn Sie diese nicht liefern können… Es ist halt so, dass es wesentlich ist zu wissen, ob man mit erhöhter Nekroserate der Pulpa zu rechnen hat. Und es ist entgegen Ihrer Aussage, „Lockerung oder Dislokation hätten nur einen einzigen Effekt auf die Vorgehensweise: Überlegungen hinsichtlich einer Schienung. Sensibilitätstests sind zum beschriebenen Zeitpunkt irrelevant, weil nachweislich ohne Aussagekraft binnen Tagen, manchmal sogar Wochen, Perkussionstest ohnehin“ eben genau nicht so, wie die Daten aus der zitierten Andreasenstudie belegen… Wenn Sie diese Hinweise allerdings (mangels Wissen?) ignorieren und um mehr betteln, dann bekommen Sie das natürlich….

„Besten Dank für unterhaltsame Momente und alles Gute.“ Gerne, immer wieder, solange Sie sich selbst so demontieren möchten… ich habe ein dramatisch ausgeprägtes Helfersyndrom.

Für mich verdichtet sich immer mehr der Eindruck, dass Sie einen Privatkrieg führen.
Ich weiss nicht, wer Ihnen offensichtlich Unrecht angetan hat.

Aber wir waren es nicht.

 

Endo-Activator-Alternativen im Selbstbau

von Hans – Willi Herrmann

Was in Bozen 2007 beim Südtiroler Endodontie- Oktober seinen Anfang nahm,

als Stephan Gäbler seinen Endo Activator Alternative Schallzahnbürsten-Pattern Resin-Adapter-Selbstbau im Frühstücksraum des Hotel Laurin in einem mit Teepulver eingefärbtem  Wasserglas präsentierte (es müsste sogar ein Video – Dokument bei WURZELSPITZE des denkwürdigen Zusammenkommens geben, wer es zufällig entdeckt, der möge mir den Link mitteilen, damit ich ihn hier einstellen kann),

mündete nach vielen Jahren in einem professionellen Produkt, welches nur die wenigsten, die damit gearbeitet haben, je wieder herzu geben bereit sein werden.

Ich spreche vom „Eddy“, hervorgegangen aus Winfried Zeppenfelds Zeppinator.

Aber wie lange hat ´s gedauert ? Lange, sehr lange.

Heute – 8 Jahre später – sähe die Ausgangssituation vielleicht besser rosiger aus, denn wir sind im 3D- Druck Zeitalter angekommen.

2008 noch als Nerd – Spielerei belächelt, dient es auch in der Zahnmedizin heute immer mehr der Verwirklichung kreativer Ideen. Der von Marcus Leineweber, Nils Widera und Stephan Gäbler ersonnene Fragremover ist ein Beispiel hierfür, die nachfolgend aufgeführte Idee des spanischen Kollegen Alejandro Pagán Ruiz, aus einer landelsüblichen Waterpik Flosser und einer Greater Taper Guttapercha-Spitze ein GuttaActivator 3D- Gerät zur Aktivierung von Spülflüssigkeiten zu machen, ein anderes.

Ich freue mich auf die vielen kreativen Ideen, die zeitnah noch kommen werden, um dann in hilfreichen professionellen Problemlösungen aus der Praxis für die Praxis aufzugehen.

 

 

NiTi – Neuheiten – Herbst

von Hans – Willi Herrmann

In wenigen Wochen wird in München im Rahmen eines Opinion Leader Meetings die 2.Generation der VDW Reciproc -Instrumente vorgestellt werden.

Die Reciproc Blue.

Und es bleibt nicht das einzige neue Instrument bis zum Jahresende.

So hat FKG angekündigt, voraussichtlich noch im September,  spätestens bei der DGET -Jahrestagung im November in Frankfurt  eine Weltneuheit zum Thema „Aufbereitung“ zu präsentieren.

Komet F6 Reciflow

Dritter im Bunde (bis jetzt) die Firma Komet, die mit R6 ReziFlow ein eigenes reziprokes Instrument präsentieren wird. Während VDW beim bereits gewohnten 3 Instrumente -System 25,40,50) bleiben wird und Maillefer mit dem Wave One Gold System Instrumente in 20er, 25er, 35er und 45er Durchmesser anbietet, fächert Komet die Abstufung noch feiner in 25.06,30,06,35.06 und 40.06 auf.

Man darf gespannt sein.
Falls Sie jetzt nach meinen Erfahrungen fragen.
Fehlanzeige, ich habe mit den Komet – Instrumenten, die wie die anderen Reziprok- Instrumente auch als Instrumente zur Einmalanwendung konzipiert wurden, jedoch ohne einen bei Hitzeeinwirkung aufquellenden Plastikring im Schaft daherkommen,  noch nicht am Patienten gearbeitet.

Unscheinbare Helfer – Renfert Prothesenreinigungsgerät reloaded

von Hans – Willi Herrmann
Es gibt solch unscheinbare Helfer, die man eigentlich vollkommen vergessen hat, die ein unbeachtetes Dasein in der Praxis führen. Eine Forumsthread in der  WURZELSPITZE-Sommerpause brachte mir das Renfert Sympro-Prothesenreinigungsgerät wieder in Erinnerung.

Wie war ich skeptisch damals.

Und hin – und hergerissen.
Sollte ich das bekannte Schütz- Gerät kaufen ? Potthäßliches Industrie No Design, aber mit dem Ruf, unkaputtbar zu sein oder doch die brandneue schicke Renfert Alternative ?

Ich war kurz davor, gerade wegen des tollen Designs (sie kennen ja den Spruch aussen hui, innen pfui) dem Renfert-Gerät eine Absage zu erteilen, tat es aber dann doch nicht.

Und kann heute sagen, nachdem ich in der Vergangenheit  hier und hier darüber berichtet hatte, dass besagtes Gerät seit nunmehr fast 7  Jahren vollkommen einwandfrei seinen Dienst verrichtet.

Schönes Design und gute Funktion müssen sich nicht ausschliessen.
Heute kann ich guten Gewissens hier schreiben, dass der Erwerb eines Renfert Sympro keine Fehlinvestition darstellt.

 

 

Sommerpause !

WURZELSPITZE macht Sommerpause.

Ab dem 29. August sind wir hier wieder mit neuen Beiträgen zu finden.

Wer es solange nicht aushält, dem sei der Blick in unser Archiv empfohlen mit mittlerweile über 2000 Beiträgen.

Allen Lesern eine schöne Zeit !

So sieht´s der Gutachter (3)

von Hans – Willi Herrmann

Für mich der größte Coup der Gesundheitspolitik, die Zahnmedizin betreffend seit 1987.

Die Reform des BEMA 2004 2005.

Das Beeindruckende – wie reibungslos – angesichts der enormen Veränderungen, die diese Reform enthielt als Konsequenzen für Zahnärzte und Patienten – diese Reform über die Bühne ging.

Bis dato gab es ja immer im Vorfeld große Aufregung, es gab Protestdemostrationen, Flugblätter in den Praxen, Medienrummel ohne Grenzen, es gab den großen Run zu Ende des betreffenden Jahres. Blüm- Bauch, Seehofer-Bauch, die Schlagworte. Endlose Überstunden. Arbeiten rund um die Uhr für Zahnlabors und Praxen im letzten Quartal, aber  auch leere Wartezimmer in der Zeit danach.

Natürlich hatte die Politik gelernt aus den Fehlern der Vergangenheit.
Und war dazu übergegangen, die Reformen so schnell wie möglich zur Ausführung zu bringen.

Aber das alleine, das in kurzer Zeit in Stille das Gesetz verabschieden per se macht nicht das Außergewöhnliche aus.

Insbesondere nicht, wenn man betrachtet, was diese Reform an negativen Dingen für die Patienten beinhaltet:

Zahnsteinentfernung auf KVK Karte nur noch einmal pro Jahr.
Bis dato sooft wie notwendig und nachgefragt.

PAR Behandlung erst ab 4 mm Taschentiefe im Rahmen des BEMA s erbring- und abrechenbar, bis dato ab 3 mm Taschentiefe. Bedeutete im Schnitt bei unseren PAR – Patienten das mehr als die Hälfte der Zähne plötzlich nicht mehr bezuschussfähig waren.

Was die Endo anging (unvollständige Auflistung): Die Phys  ersatzlos aus dem Leistungskatalog gestrichen. Ohne Evidenz, im Gegenteil.
Ausschluss von wertvollen kautragenden Zähnen, die ohne Probleme endodontisch behandelt werden könnten, lediglich das Problem haben, einen Zahn hinter sich, aber keinen Zahn direkt vor sich zu haben. Oder keinen Antagonisten haben. Oder bereits wurzelkanalbehandelt wurden, leider jedoch insuffizient.

Und dann natürlich die Änderungen im ZE – Bereich. Wenn mehrere Möglichkeiten des Zahnersatzes zur Verfügung stehen, wird nur noch die kostengünstigste Variante gezahlt, wünscht der Patient eine höherwertige Versorgung, muss er alle Mehrkosten selbst tragen.

Eine große teleskopierende Versorgung kostete zu Beginn meiner Praxistätigkeit den Patienten 3000 DM. Später dann 3000 Euro, nun,  nach dem Reform  sind es möglicherweise 5000 oder 7000 oder 8000 Euro. Pro Kiefer wohlgemerkt.

Man sollte meinen, dass angesichts dieser entscheidenden und einschneidenden Einschnitte ein Aufschrei durch die Zahnärzteschaft gehen würde, doch dieser blieb aus. Warum ? Man würde das Gegenteil vermuten. Die Erklärung: Es wurde in Aussicht gestellt (und auch mit der Reform eingeführt) das Leistungen, die nicht im Rahmen des BEMA erbracht werden dürfen, der Zahnarzt mit dem Patienten privat vereinbaren darf.

Dies war bis dato nicht möglich und – halten wir es an dieser Stelle fest – die Möglichkeit, dem GKV – Patienten eine an den Bedürfnissen des Patienten orientierte moderne Zahnmedizin anzugedeihen lassen und dem Aufwand entsprechend honorieren zu dürfen, ist eine wichtige und sinnvolle Verbesserung.

Ändert aber nichts an folgender Konstellation: Die Neuregelung bringt Staat und Krankenkassen enorme Einsparungen, was de facto auch in den nachfolgenden Jahren mit enormen Gewinnen nachgewiesen wurde, den Zahnärzten keine Einbussen oder sogar nach einer gewissen Latenzzeit der ersten Jahre, die offensichtlich für die Marktanpassung notwendig war, eine Steigerung der Einnahmen.

Einzig der Patient war der Leidtragende.
Gleichbleibende oder bestenfalls geringe Reduzierung der Krankenkassenbeiträge, dafür jedoch deutlich Steigerung die Kosten betreffend, wenn er das Niveau seiner Versorgung halten wollte.

Ein endodontisches Beispiel ?

Zahn 36 muss wurzelkanalbehandelt werden.
Zahn 35 fehlt. Zahn 37 und Zahn 34 sind vorhanden.

Die Kosten für diese endodontische Behandlung, wir reden hier von einem Betrag von möglicherweise über 1000 Euro sind vom GKV – Patienten selbst zu tragen.

Zum Jahr 2012 dann die lang ersehnte Reform der privaten Gebührenordnung.
Längst überfällig.
Schließlich war die letzte Anpassung bereits 1987 erfolgt.

Auch diese – ich kann es vorwegnehmen – brachte für die Patienten keine nennenswerte Verbesserung (man möge mich gegebenenfalls korrigieren, mir fällt auf Anhieb nix ein).

Wiederum jedoch Einsparungen für Staat und Versicherungsunternehmen.

Und die Zahnärzte ?
Würden auch diese an der Reform partizipieren können ?
Die Erwartungen waren – angesichts der verstrichenen Zeit – hoch – die Einschätzungen gedämpft optimistisch.

Heute – 4 Jahre später – zeigt sich drastisch, dass dem fatalerweise nicht so ist.

Darüber  – und wie besagter Gutachter ins Spiel kommt – berichte ich in der nächsten Folge dieser Beitragsreihe.

 

 

 

 

 

Chicken or Beef ? So sieht´s der Gutachter (2)

von Hans-Willi Herrmann

Chicken or Beef ?

Wer von uns hat nicht diese Worte noch im Ohr ?
Sie stehen stellvertretend für eine Epoche, die für jeden, der heutzutage einen Ferienflieger betritt, offensichtlich der Vergangenheit angehört.
Nicht das wir dem einen wie dem anderen Gericht wirklich nachtrauern würden.

Im Gegenteil.
Aber die bewusste Frage, in der Regel in 10.000 Metern Flughöhe gestellt, steht exemplarisch, gewissermaßen als Metapher dafür, wie sich die Zeiten geändert haben.

Früher, ja früher betrat man voller Vorfreude pünktlich den Ferienflieger. Eine Reihe ausgesuchter Zeitschriften (die ausreichten, den Lesebedarf aller Familienmitglieder der ersten Urlaubswoche zu stillen) und Kinofilme (die soeben erst die Filmtheater verlassen hatten) verkürzten einem die Reisezeit bis zur Ankunft am Ferienziel. Zu besagten sprichwörtlichen Essen gab es zusätzlich Snacks und natürlich eine ganze Reihe unterschiedlicher nichtalkoholischer Getränke, heutzutage Softdrinks genannt, und natürlich gab es, wenn es eine Charterlinie war, die was auf sich hielt, kostenlos auch Rotwein, Weisswein oder Bier.

Heute gibt es im Ferienflieger nichts mehr.
Zeitschriften? Fehlanzeige.
TV – Bildschirme ?Verschwunden.
Das typische Alu Schachtel Luis de Funes Brust oder Keule Papp Essen kostet jetzt einen zweistelligen Eurobetrag.
Was zu trinken ? Kostet extra.

Und besagte Spar oder Zusätzlich Abkassiert – Massnahmen beschränken sich nicht mehr auf die Flugzeugkabine.
Gratis Reisegepäck ?
Früher waren es 20 Kilo pro Person.
Heute sind es brandaktuell bei Tui Fly 15 Kilo. 5 Kilo mehr kosten 6 Euro pro Flug, also 12 Euro pro Reise. Wenn man es vorher anmeldet und bezahlt. Am Flughafen kostet ein Kilo 10 Euro, bei besagten 5 Kilo mehr, um auf das frühere Freigepäck zu kommen, kämen demnach für unsere dreiköpfige Familie 300 Euro pro Reise zusammen.

Und null Toleranz, wenn man die Freigrenze überschritten haben sollte.
Beim Wiegen des Gepäcks wird im Übrigen auf volle Kilos aufgerundet, auch wenn die Waage auf 100 Gramm genau anzeigt. Spätestens hier wird klar, worum es bei all dem geht.

Gewinnmaximierung.
Und paradoxerweise ist der zahlende Kunde das schwächste Glied in der Kette, an dem man sich am einfachsten schadlos halten kann.
Nach Gran Canaria schwimmt sich halt so schlecht.
Also wir alles gestrichen, was zu streichen geht.
Denn jedes Kilo mehr, das berechnet werden kann, jedes Gericht, jedes Getränk, dass entweder gekauft oder nicht gegessen wird, jede Zeitschrift, die weggelassen, wird, jede Film- Lizenzgebühr die nicht gezahlt werden muss, jeder TV- Monitor, der nicht eingebaut werden muss, ist eine Mehreinnahme, welche die Kasse der Fluggesellschaft klingeln lässt.

Und nur für den Fall, das jemand meint, der Passagier könnte nicht weiter geschröpft werden, passend dazu eine Meldung von heute, in der eine Budget- Fluggesellschaft Größe und Gewicht des Handgepäcks auf ein Minimum beschränkt. Wer mehr will oder braucht als Notebook und Zahnbürste muss bis über 90 Euro mehr bezahlen.

Welches Wort kommt Ihnen spontan in den Sinn, wenn sie beschriebene Sachverhalte vor ihrem geistigen Revue passieren lassen? Bei mir ist es „Moderne Wegelagerei“.

Entrüstet? Zu recht.
Allerdings – in der Zahnmedizin haben wir analoge Vorgehensweisen schon wesentlich länger.

Darüber mehr beim nächsten Mal im dritten Teil dieser Serie.

 

Purekeys Hygiene Tastatur – die ersten Monate

von Hans-Willi Herrmann

„Sehr geehrter Herr Dr. Herrmann,

Sie nutzen ja nun schon einige Monate die Purekeys Hygienetastatur.

Wie schlägt sie sich denn in Ihrem Langzeittest (oder ist das erst mittelfristig?)“

 

In der Tat würde ich 3 Monate nicht als langfristig verbuchen, reden wir also in zwei, besser 4 Jahren noch mal drüber, aber für eine erste Beurteilung (die ich, da vermutlich für viele interessant hier wiedergeben möchte) sollten die ersten 3 Monate schon ausreichen.

Wobei – für  eine erste Beurteilung – hätte schon die erste Woche ausgereicht.
Eigentlich sogar die ersten 2 Tage.

Denn die Purekeys – Hygienetastatur schlägt sich besser als jede andere mit gleichem Anspruch angetretene Tastatur bisher.
Und ich habe im Laufe der Jahre schon einige getestet.
Ich hab nur der Sache nicht getraut.

„Wo ist der Haken ?“
Um es vorweg zu nehmen. Es gibt keinen.

Denn die „Purekeys“ sind soviel besser, dass bei gleicher Hygienefähigkeiten wie die der Mitbewerber der Verlust an Schreibkomfort gegenüber einer konventionellen Tastatur so gering ist, dass es für mich de facto nicht ins Gewicht fällt.

Das nämlich war das große Manko, der bisher getesteten Hygiene- Tastaturen. Hygienefähigkeit 1 mit Sternchen, Schreibkomfort bestenfalls 3 -, andere sogar   Schulnote „mangelhaft“.

Wir haben bei uns in der Praxis sowohl eine kabelgebundene Tastatur/Maus Kombi in Benutzung als auch eine kabellose Version.
Letztere ist mein Favorit, weil ich die Maus auf dem Arztelement unserer neuen Behandlungseinheit für die Darstellung der DVT´s und Röntgenbilder auf dem dort angebrachten Monitor einsetzen kann. Was in diesem Zusammenhang positiv auffällt – während früher eingesetzte Alternativen schon mal nach ca. 4 Wochen batteriebedingt die Segel strichen, funktionieren kabellose Purekeys Tastatur/Maus bis heute mit dem ersten Batteriesatz.

Selbst wenn ein Batteriewechsel nun anstünde, damit könnte ich leben, meinen Vorzug bekommt die Wireless- Variante. Die drahtlose Übertragung- auch dass in der Vergangenheit schon mal ein Problemaspekt – funktioniert störungslos und absolut unauffällig.

Bleibt noch ein letzter Aspekt, die Reinigungsfähigkeit der Oberflächen.

Damit meine ich nicht die Reinigungsfähigkeit per se, die ist wie bereits erwähnt einwandfrei, sondern die Empfindlichkeit der Silikon- Hülle, welche die eigentliche Tastatur bedeckt, im Bezug auf die im Praxisalltag verwendeten Materialien der Zahnarztpraxis.

Hier hatte ich die größte Sorge, besitzt die Purekeys- Oberfläche doch gegenüber einer Glastastatur eine leicht rauhe Haptik und ist so gegenüber der Technik des Abrubbelns von Materialien wie zum Beispiel Tempo Bond NE im Nachteil. So ganz traue ich dem Frieden noch nicht, allerdings sind die Oberflächen in den ersten 3 Monaten zumindest ansehnlich geblieben.

Lieber Email- Schreiber, sie hatten um ein Fazit gebeten, hier ist es:

Von allen Hygiene- Tastaturen, die ich bislang im Test hatte würde ich – und zwar ohne auch nur eine Sekunde noch mal die Entscheidung überdenken zu müssen – die Purekeys – Tastatur kaufen.

Und das hier war einfach nur Pech…

von Donald Becker

Einer meiner regelmäßigen Überweiser seit vielen Jahren ist ein ortsansässiger MGK-Chirurg. Und einen Fall wie den nachfolgenden habe ich aus seiner Hand in all den Jahren unserer Zusammenarbeit nicht ein einziges Mal gesehen. Ich schreibe dies, weil wir hier bei WURZELSPITZE kein Chirurgenbashing betreiben, auch wenn – Duplizität der Ereignisse –  letzte Woche hier über eine missglückte WSR berichtet wurde.
Der 52 jährige Patient wurde vom Hauszahnarzt überwiesen. Beim Patienten waren im Frühjahr 2015 von einem Kieferchirurgen zunächst Zahn 28 und 38 und im Juni 2015 dann 18 und 48 operativ entfernt worden. An Zahn 47 stellte sich im Nachfolgenden eine Kälteempfindlichkeit ein, die bis Dezember 2015 nachliess, um dann im Februar 2016 wiederaufzutauchen. Der Zahn 47 zeigte sich klinisch unauffällig, wenn man von einer starken Reaktion auf die Sensibilitätsprüfung mit Kältespray absieht, die jedoch innerhalb von einer Minute wieder abklang. Distal von 47 zeigte sich eine 9 mm tiefe Tasche.

Nachfolgend der von uns angefertigte Zahnfilm Regio 47 und Schnittbilder aus dem DVT. Der Patient zeigte sich im Übrigen vom vorliegenden Befund nicht sonderlich betroffen. Der Kieferchirurg habe ihm nach der OP mitgeteilt, dass er den Zahn 47 etwas angekratzt habe bei der Entfernung des Zahnes 48. Der Patient meinte bei seinem Besuch in unserer Praxis nach Sichtung des Zahnfilmes, dass er wohl zu den 1 – 2 % an Fällen gehöre, von denen der Kieferchirurg bei der Aufklärung berichtet habe, in denen es Komplikationen gäbe.

 

Dentalfotos mit dem Iphone – ein neuer Kandidat

von Hans – Willi Herrmann

 

Das ist eigentlich nicht mein Thema.
Normalerweise ist dentale Fotografie mit dem Iphone das Steckenpferd von Christian Danzl.
Aber das soeben vorgestellte neue Ergänzungsset zu Iphone 6 und 6S sieht nun mal so interessant aus, dass ich hier bei WURZELSPITZE vorstellen möchte.

Es ist von der Hong Konger Firma Meike.

Es hat den etwas sperrigen Namen MK-H65 PRO und was es für mich interessant macht ist ein in das Iphone- Case integrierbares LED- Ringlicht MK-H16, dass über die Makrolinse geschwenkt werden kann. Damit wird es für mich interessant zur QM- Dokumentation von Arbeitsabläufen in der Praxis.
Die Smartphone-Fotografie ist nunmal für unsere Mitarbeiter als Digital Natives etwas, was mit der Muttermilch aufgesaugt wurde und damit keiner Erklärung bedarf.
Einfach losknipsen.
Los gehts.

Produktfotos auf der Homepage des Herstellers findet sich hier.

Und in diesem Youtube- Video gibt es einen Überblick über Ausstattung und Anwendung des Meike MK-H6S PRO Iphone Cases.

Fragremover – It´s real !

von Hans – Willi Herrmann

Am vergangenen Samstag fand im Rahmen eines Arbeitskurses in Frankfurt für interessierte Erstbesteller die offizielle Markteinführung des von Marcus Leinenweber, Nils Widera und Stephan Gäbler ersonnenen „Fragremovers“ statt, einem Hilfsmittel zur Entfernung von Instrumentenfragmenten aus  Wurzelkanälen. Es freut mich für die Erfinder, dass sie es, allen Widrigkeiten zum Trotz, geschafft haben, ihre Idee in ein fertiges Medizinprodukt umzusetzen.

Insgesamt 33 Teilnehmer aus Deutschland , Österreich und sogar Norwegen waren zusammengekommen. Alles Zahnärztinnen und Zahnärzte aus der Crowdfunding -Phase.
Es wurde im Rahmen des Kurses nochmal kurz die Entwicklung der letzten vier Jahre dargestellt, danach Fälle für die häufigsten und sinnvollen Indikationen gezeigt und anschließend praktisch gearbeitet. Es galt aus einem Kunststoffblock ein Instrumentenfragment mit dem FragRemover entfernen.  Alle Teilnehmer haben diese Aufgabe erfolgreich gelöst.

Gerade zwei Tage zuvor hatten wir den nachfolgenden Fall zu lösen. Zahn 15 – WF- Revision. Vorhandener Wurzelstift, vorhandenes Instrumentenfragment.

Den Patienten beschäftigen vor allem folgende Fragen: Wie wahrscheinlich ist eine erfolgreiche Behandung und was kostet diese ?

Beides ist davon abhängig wie vorhersagbar und gegebenenfalls wie schnell und unproblematisch sich Wurzelstift und Fragment entfernen lassen und wie minimalinvasiv beides von statten gehen kann.

Wie ist die Einschätzung der Leserschaft ?
Bitte nutzen Sie eifrig die Kommentar- Funktion und schreiben Sie uns, was Ihnen beim Anblick des Röntgenbildes diesbezüglich durch den Kopf geht.

Der Fragremover wird in den nächsten Wochen an die anderen Erstbesteller ausgeliefert. Die weitere Vermarktung liegt dann in den Händen der Firma Hanchadent.

 

Bohrerständer – Update

von Hans – Willi Herrmann

M + W Bohrerständer

Seit 2007 verwenden wir diese Bohrerständer.

Und sind – eine Empfehlung von Michael Logies – immer noch zufrieden damit.
Können Gesagtes im verlinkten Artikel nach wie vor unterstützen. Und haben heute erst wieder neue Exemplare nachbestellt.

Lediglich die von uns genutzten überlangen Komet H1SML – Rosenbohrer passen nicht in die Ständer.  Und da diese ( als 4er Set)  von uns seit einiger Zeit nun schon in Kombination mit 3 anderen überlangen Bohrern genutzt werden, war es Zeit für eine Alternative zu besagten M+W Bohrerständer-Produkten.

Bei Komet bin ich  fündig geworden.
Mit 16 Stellplätzen, die dank Silikon – Halterungen für FG- Schaft wie für Winkelstück- Schaft gleichermaßen geeignet sind – sind wir in der Lage, alle unsere für die Endodontie benötigten Bohrer in einem Ständer zu platzieren.

Wunderbar.
Klappt in der Praxis auch prima.
So weit so gut. Preislich sind diese Ständer allerdings gegenüber dem M+ W Pendant eine ganz andere Nummer, so dass ich mich entschlossen habe, zunächst einmal die neue Variante gründlich zu testen, bevor ich mehr davon in der Praxis einsetze.

Ich werde weiter berichten.

Disclaimer
Vom Hersteller wurde ein Testgerät kostenlos für einen Praxistest zur Verfügung gestellt.
Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.