Erstmalig stelle sich die heute 55-jährige Patientin bei uns im Dezember 2021 vor. An Zahn 46 hatte sich vor einiger Zeit erstmals eine vestibuläre Fistel gebildet. Radiologisch stellte sich die Situation wie folgt dar.
Prä-op
Nach insgesamt zwei Terminen könnte die Behandlung im Februar 2022 wie folgt abgeschossen werden.
Post-op
Die Wurzelkanalfüllung erfolgte mit Guttapercha und BC Seiler high flow.
Die erste Nachkontrolle sechs Monate später zeigte nachfolgendes Bild.
Heute nun war die Patientin zur weiteren Nachsorge bei uns…
dieses Ergebnis zeigt sich gut ein Jahr nach Therapieabschluss…
Wir benutzen, wie bereits hier beschrieben DCI Luft/Wasser/Spray Spritzen. Der Grund war die einfache Adaptation von LuerrLock Ansätzen an diese Spritze.
Nun wurde in diesem Beitrag der Miniluftbläser Bamberg vorgestellt. Das ist eine Möglichkeit, wenn man über Zugang zu einem 3D Drucker verfügt. Für alle die keinen Drucker haben, hier eine Eigenbauversion, welche wir mal auf die Schnelle entwickeln mussten, da alle Adapter an einem Tag benutzt wurden.
Dazu benötigt man lediglich einen BRAUN Combi Stopper, einen Rosenbohrer und maximal 30 Sekunden Zeit.
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Vor 15 – 20 Jahren haben wir vielleicht noch verwundert den Kopf geschüttelt, wenn belgische oder französische Kollegen berichteten, dass in Zahnarztpraxen ihres Landes in vielen Fällen (Frankreich kolportierte bis 80 Prozent) ohne Stuhlassistenz gearbeitet wurde.
Heute sehe ich zahnmedizinisch extrem motivierte KollegInnen, die sich darauf einstellen, ohne MitarbeiterInnnen zu arbeiten. Andere wiederum sind froh, wenn ihnen zumindest für wenige Stunden in der Woche Zahnmedizinstudenten zur Seite stehen können. Geht natürlich nur an Unistädten.Der Landzahnarzt bleibt – wie bei so vielem – auch hier aussen vor.
So oder so wird sich der Arbeitsalltag zukünftig einschneidend verändern. Und man kann lamentieren, solange man möchte, allein, es wird nichts ändern.
Daher –
„Glücklich ist , wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist – wenn das Leben Dir Zitronen schenkt, mach Limonade draus, jede schlechte Nachricht ist auch eine Chance zum Guten hin und – der aktuellen PISA-Studie ultimativ entgegensetzend ein ehemals gymnasialoberstufliches Literaturzitat – frei übersetzt nach Giuseppe Tomasi di Lampedusa – „Se vogliamo che tutto rimanga come è, bisogna che tutto cambi.
„Alles muss sich ändern, damit bleibt, was ist, wie es ist“
Lauter mehr oder weniger abgedroschene Sprüche. Die uns am Zahnärztestammtisch, aber nicht im richtigen Leben weiterhelfen.
Was tun, damit uns die Welle nicht überrollt. Vielmehr wir idealerweise auf dieser Welle davonsurfen können.
Hier ein 3 Stufen – Handlungsfaden.
Die Analyse Halten wir fest. Alles wird anders sein. ALLES.
Deshalb müssen wir uns drüber im Klaren sein, das nichts mehr hilft von dem, was bisher hilfreich war. Wir können daher davon ausgehen, das der Superorganismus Zahnarztpraxis auseinanderbrechen wird, aufhören wird, zu existieren.
Das ist bitter. Das ist unbequem und es ist lästig, sich damit beschäftigen zu müssen. Aber es hilft nix. Wir müssen es tun.
Die Mitarbeiter sind schon weg. Oder gehen bald weg. Und kommen in absehbarer Zeit (Zeitrahmen 10 Jahre) nicht wieder. Möglicherweise auch gar nicht mehr, nicht mehr wieder.
Warum ??? Anstrengende Arbeit. Und die Bezahlung ist jetzt nicht so üppig, dass sie besagte Anstrengungen,
im Laufe der Jahre immer beschwerlicher geworden, man denke nur an die stetig steigende Erwartungshaltung der Patienten und der auf der Strecke geblieben höfliche Umgang der Patienten mit Behandlern und Team,
adäquat kompensiert. Schon gar nicht überkompensiert.
Und das Renomee der Tätigkeit? Gering.
Hinzu kommt. Andere Branchen suchen auch händeringend. Nehmen sehr sehr gerne – würden wir es nicht genauso machen – was sie kriegen oder abwerben können. Es winkt also – das Damoklesschwert über unseren Häuptern – für unsere Mitarbeiter – eine deutlich weniger stressige, deutlich besser bezahlte, von der Gesamtheit der Rahmenbedingungen her wesentlich angenehmere Möglichkeit des Gelderwerbs. Und schon stehen wir – wenn ´s schlecht kommt – ruck-zuck alleine da.
Die Schlussfolgerung. Genauer gesagt, man wähle eine der drei möglichen Schlussfolgerungen
Weiter, weiter!!! Wer weitermacht wie bisher …braucht erst mal viel viel mehr Geld. Um die gestiegenen Löhne zahlen zu können. Aber auch das allein wird nix nutzen. Höchstens die notwendige Neuaufstellung herauszögern. Und glauben Sie mir, das wird eine zähe Zeit. Und mit jedem Jahr, das vergeht, ätzender. Weil mit dem Geld alleine ist es ja nicht getan. Es gilt die Mitarbeiter bei bester Laune zu halten und es ist eine zu tiefst menschliche Eigenschaft, eine Notsituation ich will nicht sagen auszunutzen, aber doch zum eigenen Vorteil zu verwenden.
Fehlende Manpower durch Technik ersetzen!!! Keiner mehr da, der ans Telefon gehen kann ? Dann nutze ich eben ein Online-Terminbuch! Niemand mehr da, der meine HLP´s bearbeiten kann? Dann nutze ich einen externen Abrechnungsservice!
Wer so denkt, denkt zu kurz. Zum einen kosten all diese Services eine Menge zusätzliches Geld, denn es will ja immer noch jemand zusätzlich an dieser Dienstleistung mitverdienen. Und der externe Mitarbeiter will ja auch – siehe oben – an der Notsituation betriebswirtschaftlich partizipieren, sprich auch das kostet Extra-Geld. Die externe Kraft ist also nicht günstiger, sondern deutlich teurer. Und eine Verbundenheit zur Praxis ist vermutlich auch nicht gegeben, woher auch? Es gibt es kein direktes Feedback und auch das Arbeiten per se ist der unmittelbaren Kontrolle durch den Praxisbetreiber entzogen. Und was der Ersatz von Mensch durch Maschine angeht -da wäre noch der Umstand, dass eine komplexe Technik immer auch eine gewisse Fehleranfälligkeit mit sich bringt. Die außerhalb unseres Handlungsrahmens liegt und im ungeeignetsten Augenblick sich auftut (Montag morgen, der Server streikt) und dann ad hoc weitere kostenintensive Sofortmaßnahmen mit sich zieht.
Weniger ist mehr! Ein Ausdruck aus der Achitektur-Geschichte. Ein weltberühmtes Zitat, Mies van der Rohe zugeschrieben, einst Direktor des Bauhauses. Soll heissen…
Der Ausweg Das System ist für uns am Ende. Wir müssen uns neu orientieren. Neu aufstellen. Unsere Arbeit neu bewerten.
„Zurück zur Natur“ rief Jean-Jaques Rousseau, der grosse Aufklärer.
„Wir haben uns verrannt, wir müssen umkehren mit unserer Kultur, zurück zur Natur, um dann, dort angelangt, einen neuen Weg, einen besseren Weg, den Weg zum Glück, zu finden!“
Dieser Satz ist nicht von Rousseau selbst, sondern ist von Rudolph Hawel stammend, einem Science Fiction-Roman entnommen. Eine Utopie demnach? Keineswegs. Vielmehr eine Richtschnur zur Selbsterkenntnis. Wo genau ist die Zahnmedizin falsch abgebogen? In dem Moment, als die Dental-Manufaktur aufgegeben wurde, der Arzt sich als Betreiber einen Dentalfabrik institutionalisiert und der Henry Ford´schen Fliessbandarbeit sich zugewandt hat.
Und genau dorthin müssen wir zurück. Der Zahnarzt als (Handwerks)Meister seines Faches. SO einfach ist ES. Wenn man DAS verstanden hat.
Hier, hierund hier berichteten wir über diesen Fall. Jetzt haben wir das erste Recall in unserer Praxis. Der Zahn zeigt sich klinisch vollständig symptomlos. Der Patient ist sehr erleichtert, daß er nach einer langen Ausfallszeit, wieder problemlos als Hornist spielen kann.
Ich musste nach langer langer Zeit Reinigungsflüssigkeit für unser Labor-Reinigungs-Gerät bestellen. Kommt nur noch selten vor, das wir es benötigen. Dadurch ist mir das Gerät wieder in den Sinn gekommen. Berichtet zuletzt darüber haben wir hier. Und das war 2016. Das Gerät ist demnach schon seit 2009 bei uns in Verwendung.
Damals – vor nun 15 Jahren schrieb ich:
Über Prothesenreinigung hatten hier wir in der letzen Zeit Beiträge zu den Geräten von Hager und Werken und Schütz Dental. Noch eine drittes Gerät stand uns zum Test zur Verfügung: Das Sympro der Firma Renfert.
Ganz neu auf dem Markt. Gutes Produktdesign.
Ist normalerweise für mich ein Plus. Wirkte aber in diesem Falle nicht.
Denn ein Prothesenreinigungsgerät muss nicht gut aussehen, es muss seine Arbeit machen. Und da es im Labor steht, ist die Aussenwirkung eher gering und daher wünsche ich mir vor allem ein Gerät, das hervorragende Ergebnisse liefert und nicht kaputt geht.
Das Aussehen ist dann nebensächlich oder anders formuliert. Ein schönes Aussehen kann schlechte Ergebnisse oder mangelhafte Haltbarkeit nicht wettmachen. Aber halten wir dem Sympro einmal zu gute, dass es eben nicht nur gut aussieht, sondern auch gut und ausdauernd funktioniert. Und es weist neben seinem schicken Design noch als Feature einen gegenüber den bisher besprochenen Geräten schrägen Einbau der Spülkammer auf. Dadurch soll sich die Prothese leichter drehen während des Reinigungsvorganges, was die Effektivität erhöhen und die Bearbeitungszeit abkürzen soll.
Dann der erste Patient: Dessen Prothese – eine Herausforderung.
Das Ergebnis (nach vom Hersteller empfohlener Arbeitszeit): „Geht so“.
Also doch das Schütz – Gerät ? Ist das schöne Design des Sympro nur glitzernde Hülle ?
Heute, nach rund 4 Wochen Testbetrieb sieht das anders aus: Die Reinigung der Prothesen fällt zufriedenstellend aus. Und dies ist bitteschön im positiven wortwörtlichen Sinne zu verstehen. Es gibt Verunreinigungen, die das Gerät ( wie alle anderen Geräte auch) nicht entfernen kann.
Alles andere geht ab. Wir lassen die Prothesen in der Regel 45 – 60 Minuten im Gerät, danach sind die Prothesen sauber.
Kommen wir zur Zwischenwertung nach 4 Wochen: Bis jetzt ist alles gut. Ich hoffe, das bleibt so.
Und heute schreibe ich: Meine Bedenken waren vollkommen unbegründet: Sehr gutes Design und sehr gute zuverlässige Funktion müssen sich nicht ausschliessen. Das kann ich hier nach 15 Jahren so feststellen. BTW das Design ist heute noch ansehbar, auch das ein Qualitätsbeweis der anderen Art.
Klare Kaufempfehlung für das Renfert Sympro!
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Seit ewigen Zeiten haben wir unsere Einheiten auf die DCI Spritzen umgerüstet. Damals waren diese im deutschen Dentalhandel nicht zu bekommen. Nach ewiger Suche habe ich eine Spritze Herrn Janik von Jadent nach langer Überredung aus dem Kreuz geleiert, zusammen mit einem LuerLock Ansatz. Den Preis weiß ich nicht mehr genau, aber er war dentalüblich – also relativ absurd. Nach dem guten Erfahrungen wollten wir noch mehr Spritzen an unsere Einheiten bauen. Es waren aber keine mehr aufzutreiben. Die Ebayderivate aus China haben wir probiert. Sie waren wenig zufriedenstellend, da nicht immer passgenau und mit klemmen Tasten, durch brechende Feder und unsauber gearbeitete Teile.
Nun ist nach Jahren eine der Spritzen ausgefallen. Wo bekomme ich neue, bzw. Ersatzteile? Auf Ebay tummeln sich noch immer die chinesischen 10er. Packs. Als Ersatzteilspender taugen die nicht, da die Nachbauten nicht originalgetreu sind. Bei unserer Recherche fanden wir die Firma Mytronic-Dental entdeckt, die die DCI Spritzen in Kunststoff „nachbaut“.
Alle reden von schlechten Zeiten. Das in der Zukunft es schlechter sein wird, als es die letzten Jahrzehnte war.
Kassandrarufe??? Oder Zeichen drohender Widrigkeiten?
Ohne Frage – wir stehen von großen Umwälzungen. Im Großen wie im Kleinen.
Und das betrifft auch die Zahnmedizin in Deutschland. Hab ich deshalb Angst, bin ich deshalb in Sorge? Keineswegs.
Im Gegenteil. Ich finde es sehr spannend.
Und bin sogar felsenfest davon überzeugt, das all diejenigen, die sich nun der Zahnmedizin zuwenden, eine bessere Ausgangssituation haben, als ich es hatte, als ich 1990 die Uni verliess und mich ins dentale Berufsleben aufmachte.
Warum? Weil nun endlich – mehr als 30 Jahre später – das passiert, was wir uns im Studium erhofft hatten. Das es mit der Zahnmedizin zwar im Moment noch bergab geht, aber dann endlich Alles besser wird.
Und genau an diesem Punkt stehen wir nun.
Wir sind am Vorabend der größten Revolution in der Zahnmedizin seit 1963. Und das hat nichts, aber auch gar nix mit den dentalen Fortschritten zu tun, die im Laufe meines Berufslebens sich eingestellt haben. Hier hatte ich das Glück, in die wohl reichhaltigste Innovationsphase der Zahnmedizin bisher überhaupt hineingewachsen zu sein.
Ich habe noch Ringdeckelkronen im Studium herstellen müssen. Amalgamfüllungen waren Standard in der Zahnmedizin. Es gab noch keine zahnfarbenen Füllungsmaterialien für den Seitenzahnbereich. Implantate wurden noch argwöhnisch beäugt.
In der Endodontie gar es NICHTS von alledem, was wir heute haben. Keine (zuverlässigen) Apexlokatoren, kein OP-Mikroskop, keine NITI- Instrumente, kein DVT, kein Ultraschall, keine Laser, kein MTA. Mit warmer Guttapercha adäquat arbeiten konnten eine Handvoll Leute weltweit.
Nur Edelstahl – Instrumente, Handaufbereitung. Die laterale Kondensation war der hochgelobte Einäugige unter den Blinden. Denn eine Zentralstift-Technik zum Verschluss von Wurzelkanälen (evtl. sogar noch mit Silberstiften) war allgegenwärtig.
Und heute? Sind Gold-Restaurationen vom Markt verschwunden. Und auch die Dentallabore, die solche Arbeiten herstellten. Es dominiert mehr oder weniger hässlicher sogenannter zahnfarbener vollkeramischer Zahnersatz. Hergestellt in teilweise europaweit agierenden Fräszentren. Auch die Kieferorthopädie findet zunehmend in solchen von der Dentalindustrie geführten Großproduktionsstätten statt, der Computer-Fortschritt und der Wegfall der konventionellen Abformung macht es möglich. Kleiner Funfact, wir mussten im Studium uns gegenseitig noch Gips-Abdrücke abnehmen, eine Prozedur, die man rückblickend vergleichen könnte mit den bizzaren menschenverachtenden Aufnahme-Ritualen französischer Elite-Schulen.
Riesige Entwicklungen. Kein Problem.
Weil es fachliche Entwicklungen sind. Dem technischen Fortschritt geschuldet. Ein Auto des Jahres 1963, meinem Geburtsjahr, ist mit heutigen Autos nicht zu vergleichen. Technischer Fortschritt. Den es immer schon gab und den es immer geben wird. Der uns zum Vorteil gereicht. Weil wir etwas besser, hochwertiger, aber auch gegebenenfalls schneller und kostengünstiger produzieren können. Wer von uns – Hand aufs Herz- ausser aus einer sentimentalen Anwandlung heraus am sonnenbeschienenen Wochenende zum Oldtimertreffen reisend – möchte denn noch mit einem Auto aus den 50,60er,70er, 80er Jahren des letzten Jahrhunderts zur Arbeit oder in Urlaub fahren ?
Halten wir also fest, technischer Fortschritt ist gut. Und er kommt der Profession per se und uns als Zahnarzt in eigener Praxis zu gute. Und darüber hinaus gab es vor 40,50,60 Jahren viel viel weniger Autos als heute und viel mehr Reparaturwerkstätten. Die Gesellschaft ändert sich. Immer weniger Zahnärzte für immer mehr Patienten.
Ein „Doppel-Wumms“ also, um den Kanzler der Ampel zu zitieren. Rosarote Zeiten also? Keineswegs. Zumindest nicht für Alle. Gefährlich wird es nämlich immer dann, wenn eine distruptive Änderung ins Haus steht. Dem letzten deutschen Kaiser wird der Spruch zugeschrieben. „„Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“
Gefahr droht. Aber nicht aus der Zahnmedizin heraus, sondern dem Mitarbeitermangel in den Praxen geschuldet. Mitarbeitermangel – ein Problem, das sich durch alle Bereiche des täglichen Lebens zieht. Und möglicherweise, wenn man nichts tut, die erhofften positiven Veränderungen kontrakariert. Mit fatalen Folgen.
Und wie immer kann man sich diesen Entwicklungen verschliessen, im Sinne von wird schon nicht so schlimm werden. Oder aktiv das Problem angehen. Damit meine ich aber nicht, das man auf Teufel heraus versucht, irgendjemandem Mitarbeiter abzuwerben. Denn damit alleine es nicht getan. Selbst wenn man zukünftig genügend Mitarbeiter im Team hat, dann ändert sich trotzdem vieles in der Innen – und Aussenbeziehung. Mitarbeiter zu bekommen ist schon jetzt und zukünftig noch viel mehr eine einzige grosse Herausforderung. Diese dann aber auch zu behalten, die mindestens ebenso grosse, wenn nicht noch größere Schwierigkeit.
Besser ist es, wenn man zumindest einen Plan B in der Hinterhand hat: Wie führe ich erfolgreich meine Praxis ohne oder mit einem minimalen Kernstamm an Mitarbeitern?
Und dabei wird uns – lasst euch nicht veräppeln – weder AI, noch KI, auch keine APP, kein Online- Dienst und erst recht keine TI wirklich helfen, uns wirklich entlasten können.
Im Gegenteil. All diese vermeintlichen Heilsbringer schaffen nur weitere Abhängigkeiten. Verstärken am Ende den Trend, stand ihn zu bekämpfen oder auch nur abzumildern.
„Lean Dental Office“ ist das Stichwort. Ich mag keine Anglizismen, aber es fällt mir schwer, den Sachverhalt in deutsche Worte zu packen. Die schlanke Zahnarztpraxis ? Naja. Da fehlt dann doch ein wenig. Was also meine ich mit LDO ? Darunter verstehe ich Praxisstrukturen, die es dem Zahnarzt selbst ermöglichen, die administrativen Abläufe des Unternehmens Zahnarztpraxis in eigener Hand zu bewältigen. Warum wir das brauchen, wie das genau aussieht und wie uns das helfen kann, darüber wird hier in den nächsten Wochen immer wieder zu lesen sein.
Die Woche stellte sich der fast 15-jährige Alex erstmals bei uns vor.
Bei dem Jugendlichen war gerade zum zweiten Mal innerhalb der letzten achtzehn Monate eine Schwellung mit Fistel Regio 12 aufgetreten. Das letzte Mal bestand die Therapie in der wiederholten Spülung der Fistel bis diese abheilte…
als Ursache für die Schwellung war ursprünglich einmal die laufende KfO-Behandlung genannten worden. Da beim zuletzt angefertigten Röntgenbild das nicht abgeschlossene Wurzelwachstum des Zahnes bei nicht unerheblicher Osteolyse augenscheinlich wurde, erfolgte die Zuweisung zu uns.
Hier das alio loco angefertigte Röntgenbild und unser DVT.
Welche Therapie würden Sie wählen? Käme eine reparative endodontische Therapie (in „diesem Alter“) für Sie in Frage?
Der möglichst substanzschonende Eingriff bei optimaler Desinfektion des Kanalsystems.
Die vorhandener Zahnsubstanz erhalten hat oberste Prämisse. Darunter verstehe ich nicht unbedingt die ins Extreme verkleinerte Zugangskavität. Ich bin kein Anhänger des „Ninja-Access“. Die Substanzschonung im koronalen, mittleren und apikalen Wurzelkanalbereich halte ich für sehr bedeutend. Die Desinfektion und Reinigung der infizierten Kanalwände muss dabei optimal erfolgen. Das bedeutet möglichst gering invasive Verfahren in der endodontischen Therapie einzusetzen und die Instrumentengröße und Taperung, abhängig vom Aussehen abgetragenen Wurzeldentin im Spanraum, zu wählen. Es gibt in meinem Konzept einer zeitgemäßen Endodontie keine universellen apikalen Aufbereitungsgrößen.
Die Entwicklung von Schall- und ultraschallgestützter Spülung, die SAF, der Laser mit PIPS und SWEEPS sind wichtige Entwicklungen in diesem Bereich. Keines ist Allheilmittel, aber die Anwendung, ggf Kombination der Desinfektionssystematiken ermöglicht Substanzschonung.
Heute ein Fall, der nach SAF Desinfektion eine apikale Regeneration zeigte. Die Anwendung der SAF verlangt einen ausreichend dimensionierten Zugang und eine entsprechend gute Mundöffnung des Patienten. In diesem Fall eines 37 gelang das nach notwendiger Abnahme der prothetischen Restauration recht gut. Die apikalen Kanalbereiche distal konnten durch entsprechend vorgebogene Eddyspitzen erreicht werden. Distal erschien die WF extrudiert, welches sich aber in späteren exzentrischen Aufnahmen nicht bestätigte und mit der elektrische gemessenen Länge auch nicht korreliert hätte.
Das Ergebnis Jahre später zeigt die apikale Heilung.
PS: Ein nicht allzu häufig auftretender Fall, 2 separate mesiale Wurzeln an einem Unterkiefer Molar. (siehe DVT)
Anfang 2006 suchte der Patient unserer Praxis zur endodontischen Behandlung von Zahn 37 auf. Und insistierte nach WF darauf, dass ich mich auch noch des Zahnes 36 annehmen solle.
Einen Wunsch, den ich mehrmals abschlägig beschied. Und eindringlich vorschlug, der Patient möge sich doch den Zahn 36 entfernen und durch ein Implantat + Krone ersetzen lassen. Zur ungünstig sei die Prognose des Zahnes angesichts der inihm akkumulierten Schwierigkeiten.
11 von 11 möglichen Komplikationen, die eine Wurzelkanalbehandlung mit sich bringen kann. Mehr geht nicht.
Doch der Patient blieb stur. Und so liess ich mich im August 2006 dazu breitschlagen, es doch noch einmal mit dem Zahn 36 zu versuchen.
Was ich niemals vor Behandlungsbeginn gedacht hätte, traf ein. Es war uns möglich gewesen, die Revisionsbehandlung erfolgreich zu Ende zu führen. Mehr als das – es kam im weiteren Verlauf zu einer vollständigen knöchernen Regeneration. sowohl der apikalen, wie auch der lateralen und – was am schwierigsten ist – sogar der ausgedehnten interradikulären Knochendestruktion, welche auf die vorhandene iatrogen verursachte Wurzelperforation in der distalen Wurzel zurückzuführen war.
Im Laufe der Jahre begegnete ich dem Patienten – aus meiner Heimatstadt stammend – immer mal wieder. Schon von weitem gab er mir mit zwei ausgestreckten Daumen zu erkennen. dass der Zahn weiterhin problemlos seinen Dienst verrichtet.
Insgesamt mehr als 17 Jahre. Denn gestern beim Sonntagnachmittag traf ich den Patienten wieder einmal.
Diesmal berichtete er mir allerdings, das der Zahn vor Weihnachten wegen einer Wurzelfraktur entfernt werden musste.
„Zeitpunkt des Todes“ war, wie ich erfuhr, der 26. November 2023. Schade. Dennoch, das kann man an dieser Stelle mit gerechtfertigtem Stolz festhalten, ein schöner Behandlungserfolg.
Der Patient ist heute 62. Hält das Implantat oder stattdessen eine alternativ angefertigte Brückenversorgung so lange wie der 2006 hoffnungslos erschienene Zahn, dann würde der Patient seinen 80. Geburtstag mit dieser Lösung erleben.
Über erfolgreiche Wurzelkanalaufbereitung haben wir gesprochen.
Aber erfolgreiche Wurzelkanalbehandlung geht über die eigentliche endodontische Tätigkeit weit hinaus. Beginnt mit der ersten Kontaktaufnahme, lange bevor der Patient überhaupt die Praxis betritt und endet erst mit der letzten Recallsitzung etliche Jahre später.
Was alles muss getan werden, bevor der erste Patient im Behandlungszimmer auf den Behandlungsstuhl gesetzt werden kann, was alles, nachdem er wieder gegangen ist? Solches Insiderwissen ist Gold wert. Und in einer Zeit der Mitarbeiterknappheit, einem Phänomen, das auf dem Lande wie in der grossen Stadt gleichermaßen präsent und gefürchtet ist, kommt über die eigentliche optimale zahnmedizinische Behandlung an sich der Vorbereitung und Nachbereitung eine besondere strategische Bedeutung zu.
Umso bedauerlicher, das es zu diesem wichtigen Thema EndoOrganisation im deutschsprachigen Raum so gut wie keine Weiterbildung gibt. Das wollen wir ändern: DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER, in eigener auf Wurzelkanalbehandlung limitierter Praxis erfolgreich tätig, berichten, wie sie ihre Arbeitsbereiche organisiert haben. Wie sieht es aus in unseren Arbeitstrays, unseren Trayablagen, unseren Endo-Boxen. Wir blicken in Schubladen und Schränke. Sprechen über alle Dinge, die gemacht sein sollten, in dem Moment, in dem der Patient die Praxis betritt und was zu tun ist, nachdem er die Praxis wieder verlassen hat.
Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Rechnungsstellung und der abschliessenden Korrespondenz mit Kostenerstattern.
Wir sprechen über Ordnung. Diskutieren über Struktur, präsentieren Abläufe, vergleichen Honorarnoten. Zeigen Anschreiben und Patienteninformationen.