Nun auch wieder beim CCC Treffen in Leipzig ein Thema – TI

Interessant ist die Diagnose und Therapieempfehlung des CCC.

https://www.ccc.de/de/updates/2019/neue-schwachstellen-gesundheitsnetzwerk

Später ist der Beitrag auch als Videostream anzusehen: www.media.ccc.de

Es ist zu sehen … (2)

Es ist zu sehen, was auf den schnellen Blick verborgen bleibt oder besser es ist zu sehen, was nicht auf die Schnelle zu sehen ist.

In diesem Fall lag die Lösung im genauen betrachten des Röntgenbildes.
An dieser Stelle möchte ich darauf verweisen, daß es sehr hilfreich ist die Röntgenbilder für die Befundung zu vergrößern, möglichst das Umgebungslicht auszublenden und sich Zeit zu nehmen um die Bilder aufmerksam zu betrachten.

Ich habe an Hand der unten eingestellten Folien versucht darzustellen, was man im Ausgangsröntgenbild bereits erkennen kann.
Wenn man die Kontur der Krone distal weiter nach apikal verfolgt, zeigt sich bereits die zweite bukkale (distale) Wurzelkontur.
Mit einigen Folien habe ich versucht den Strahlengang und die entstehenden Bilder in exzetentrischer Aufnahme zu verdeutlichen.

Im angefertigten DVT bestätigte sich dies. Allerdings zeigt das DVT auch noch weitere Überraschungen. Das dann beim nächsten mal.

 

 

Zum Heilig Abend 2019

Wie wird es weitergehen mit WURZELSPITZE im Jahr 2020 ?

Die wichtigste (und – dem heutigen Tage angemessen- selbstverständlich gute) Nachricht zuerst.

Wir werden WURZELSPITZE weiterführen.
Und zwar nicht nur – wie zunächst vorgesehen – bis zum 30.09.2020, sondern vielmehr das ganze Jahr 2020 hindurch.
Bis hin zu 31.12.2020.

Weil sich genügend Leute angemeldet haben.
Zumindest, um die Kosten zu decken für die Seite und die Begleitleistungen drumherum, die damit verbunden sind. Wir weiterhin davon ausgehen, dass die Leute, die sich bis dato eingeschrieben haben, auch für das Jahr 2020 sich einschreiben werden.
Und im Laufe des Jahres noch ein paar Leute hinzukommen.

Der Jahresbeitrag für 2020 beträgt für StudentInnen 24 Euro, für angestellte ZahnärztInnen 48 Euro, für ZahnärztInnen in eigener Praxis 96 Euro und für die WURZELSPITZE Plus-UnterstützerInnen 240 Euro. Die Überweisung (Bankdaten folgen nach Weihnachten) bitte bis spätestens 14.01.2020 auf das Konto einzahlen. Überweisungszweck- Teilnahmegebühr QZ Wurzelspitze 2020. Den vollständigen Namen nicht vergessen.

Sollte Jemand bis zum 14. Januar 2020 nicht überwiesen haben, gehen wir davon aus, dass kein weiteres Interesse besteht und wir nehmen die Person aus dem Verteiler.

Im Jahr 2020 wollen wir – zusätzlich zum Bekannten und Bewährten – versuchen, neue Wege zu gehen.
Das Blog soll interaktiver werden.
Wir wollen neue Formate ausprobieren.

Weitere Webinars sind angedacht und darüber hinaus Fragestunden, Fallbesprechungen, virtuelle Studiengruppen oder Ähnliches. Wie das Alles konkret aussehen und ablaufen wird, wissen wir selbst im Detail so genau noch nicht. „Neuland“ eben. Entdecke die Möglichkeiten. Immer vorausgesetzt, das ein entsprechendes Interesse beim Leser da ist. Das werden wir ausprobieren, setzen auf euer Feedback und werden im weiteren Verlauf entscheiden, inwieweit in die eine oder andere Richtung wir uns stärker engagieren wollen.

Sicher gesetzt ist auf jeden Fall schon einmal das angekündigte WURZELSPITZE-Event am 12. September.

Ein Vortrags-Tag.
Das Motto ?

Die Drei reden über…

Zugegeben, nicht unbedingt der eingängigste und naheliegendste Name für eine endodontische Fortbildung.

Dazu muss ich weiter ausholen.
Wer hat das diesjährige Tagungsprogramm der DGET gesehen?
Oder war im September in Wien bei der ESE?

Was von den dort dargebotenen Vorträgen hat mich angesprochen?
Bringt mich in meinem tagtäglichen Arbeiten weiter ?

Meine frustrane Antwort.
Wenig bis fast gar nichts.

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Mit Sicherheit sind diese Programme und Kongresse interessant und wichtig für viele Kollegen, die sich der Endodontie zuwenden. Sie werden ganz viel lernen können. 

Aber wir anderen? Die diesen Lernprozess schon hinter sich haben.
Was wird es uns bringen?
Konkret???

Ein Vortrag im Jahr 2019 über die elektrische Längenmessung, der in dieser Form vom gleichen Referenten schon 2001 gehalten wurde und seitdem immer wieder auf den unterschiedlichsten Podien wiederholt wurde?
Brauchen wir das?
Wollen wir das?
Noch?

Vermutlich ebensowenig wie die 35. Vorstellung des 36. Ni-Ti-Systems, von dem selbst der Hersteller hinter vorgehaltener Hand zugibt, das das Schwierigste des gesamten Schaffungsprozesses es war, einen eingängigen Produktnamen zu finden, der noch nicht vergeben war.

Wie besser machen?

Nun – wir hätten gerne Details.
Möglichst viele.
Nicht nur den immer gleichen 45 Minuten langen groben Überblick, von dem auch noch 42 Minuten hinreichend bekannt sind.

Wie wäre es stattdessen mit –  Könner ihres Faches stellen ihre Behandlungssystematiken und Behandlungsstrategien vor ? 

Gab es schon.
Legendär. Cliff Ruddle.
Neue Gruppe. Ulm. Geschätzt 1997. Und dann noch mal 2001. 2002. 2007.
War immer toll. Aber auch schon über 20 Jahre her.

Jetzt also – „Die Drei reden über…

Ein neues, noch nicht dagewesenes Format. 

Wir gehen einen wichtigen Schritt weiter. 

Wir sind „Die Drei„.
Hans-Willi Herrmann. Christoph Kaaden. Jörg Schröder.

Tauschen uns seit 2001 intensiv miteinander aus.
Und haben dabei festgestellt – 5 Euro ins Architektur- Geschichte Phrasenschwein – „God is in the details.“ Oder die Tücke. Oder der über Erfolg und Mißerfolg, über Mediokrität oder Endodontic Excellence entscheidende Unterschied,  der im Detail zu finden ist.  

Und auf genau diese Unterschiede in den Details stösst man, falls über den allgemeinen, seit ewigen Zeiten nachgebeteten Grundkonsens –  wie man Endo machen sollte – hinausgehend nachgefragt wird.

Wenn es dann konkret wird.
Also – so richtig konkret wird.

Dann zeigt sich, im intimen persönlichen Erfahrungsaustausch, in der Fallbesprechung untereinander, dass selbst 3 ausgesuchte Spezialisten klinische Situationen ganz unterschiedlich angehen. Oft sogar erstaunlich unterschiedlich.  Teilweise konträr unterschiedlich. Die Gestaltung der Zugangskavität. Die initiale Erschliessung. Die Gleitpfaderstellung. Die Längenbestimmung. Die finale Aufbereitung.

3 mal ganz unterschiedlich.

Sogar, wenn wir die gleichen Instrumente benutzen sollten.
Was wir nicht tun.

Ist die Botschaft angekommen?

Bei „Die Drei reden über…“ schauen wir gewissermaßen mit dem Vergrößerungsglas, besser noch, platter aber natürlich- wo sonst, wenn nicht hier.- naheliegender Vergleich-  unter Operationsmikroskop- Kontrolle auf alle Feinheiten der Behandlung.
Starten am 12. September mit der Aufbereitung von A – Z.

Und fragen uns, gegenseitig, im Dialog und Kreuzverhör – stellvertretend für das Auditorium:

„Warum machst Du das ???
„Da wär ich nie draufgekommen. Weil, ich wäre das ganz anders angegangen.“
„Ach ja, wie denn, jetzt bin ich gespannt?!? Zeig her!“

Einen ganzen Tag lang, wohlgemerkt.
Nicht nur die alibimäßig eingeräumten „für eine Frage ist gerade noch Zeit“ 3 Minuten, die auf den großen Kongressen im Zeitplan dafür vorgesehen sind.

Und, lieber weihnachtlich gestimmter Leser ?
Wäre das was ?

Dann ruhig schon mal ein „Ich bin dabei am 12. September“ in die Kommentare schreiben. 

WURZELSPITZE Plus- Teilnehmer profitieren im Übrigen gleich auf zwei Arten bei „Die Drei reden über…„.

Zum einen garantieren wir allen WURZELSPITZE Plus-Teilnehmern einen Platz bis zum 30.03.2020. Unabhängig von der Zahl der Anmeldungen. 

Zum anderen verringert sich für WURZELSPITZE Plus- Teilnehmer  die Teilnahmegebühr um 60 Euro. Und zwar nicht als Early Bird – Rabatt,  sondern dauerhaft. 

In diesem Sinne – Frohe Weihnachten und ein tolles Jahr 2020 !

 

Mikroskop, Kamera und Fernsteuerung

von Oliver Schäfer

Ein häufig unterschätzter Vorteil des Mikroskopes ist die Möglichkeit dem Patienten das „Innere“ seines Zahnes zeigen zu können. Die Möglichkeit eine Wurzelbehandlung „live“ mitzuverfolgen und sich die kleinsten Details selbst anzuschauen, schätzen viele unserer Patienten sehr. Um es mit den Worten eines Patienten von heute zu sagen: „Schön mal zu sehen, was da eigentlich rumgewerkelt wird“.

Von einer Firma wie Zeiss sollte man erwarten, dass die in unserem OPMI pico eingebaute HD-Kamera in puncto Bildqualität dabei keine Wünsche offen lässt. Leider ist das Gegenteil der Fall. Zum einen ist das Sichtfeld im Okular des Behandlers größer als der Bildausschnitt der Kamera. Zum anderen ist die Tiefenschärfe derart unterschiedlich, dass das was via Varioskop „scharf“ gestellt ist, im Kamerabild leider verschwommen wirkt. Also Hände weg von der Einbaulösung und geschickt nachrüsten.

Einem Tipp von Georg Benjamin sei Dank, wechselten wir auf den CJ Kameraadapter mit einem Sony Alpha 6000 Body am Strahlenteiler des Okulars. Schärfe und Bildausschnitt passten sofort, ohne jegliche Einstellungen. Einige wenige Kameraeinstellungen später, waren auch Belichtung und Farbgebung sehr nah am Original. Danke an dieser Stelle an Herrn Ermerling von HanChaDent, der alle Einstellungen (auswendig!) übers Telefon durchsagen konnte.

SONY Alpha 6000 via CJ Adapter am ZEISS OPMI pico

Das vom Kamerabody kommende microHDMI Kabel konnten wir problemlos selbst durch den Arm des Mikroskopes verlegen, wobei lediglich 2 Blenden kurz abgenommen werden mussten. Die Firma TetherTools bietet mit CaseRelay eine verlängerbare Stromversorgung an, die ebenfalls durch den Arm bis zur nächsten verfügbaren Steckdose (bei uns unter der Decke) gezogen werden kann.

Die Kabelführung gelingt „innen“ im Mikroskoparm. Statt in die Zeiss Kamera, wird das Bild einfach via HDMI-HDMI Kupplung weitergeleitet

Um nicht eine weitere Fernbedienung zur Auslösung des Bodys im Sprechzimmer rumliegen zu haben, nutzen wir einen Adapter der Firma IRTrans. Diese kleine Kiste wird (wahlweise per USB oder Netzwerk) an den PC (oder in unserem Fall Mac) angeschlossen und kann im Stile einer Universalfernbedienung IR Codes lernen. Das schöne daran ist, dass sich so im Stile eines Smarthome Szenen programmieren lassen. Mit einem Klick können alle benötigten (Fernseh-)Monitore eingeschaltet, der richtige HDMI Eingang ausgewählt und nach Ende der Behandlung auch wieder ausgeschaltet werden. Ebenso konnten wir die Fernbedienung des Kamerabodys einlernen und können jetzt über den Rechner Schnappschüsse auslösen.

MAGEWELL Capture HDMI Plus: Eingang für HDMI-Signal vom Mikroskop auf der rechten Seite, Ausgang via USB3 auf der linken Seite im Bild. Zusätzlich ist eine Art HDMI Doppler verbaut, um das Eingangssignal bspw. zu einem Monitor durchschleifen zu können.

IR Trans Funksender zur Fernbedienung über den PC. Beide Kisten sind klein genug, um hinter der Möbelzeile zu verschwinden.

Der eigentliche Funksender ist so platziert, dass er die Monitor und die Kamera „sehen“ kann. In der Wand läuft das entsprechende Kabel zur IR-Trans Box unter die Hinterkopfzeile.


Um das HDMI-Signal der Kamera für eine weitere Verarbeitung im Rechner verfügbar zu machen, landeten wir nach einigen Misserfolgen beim Adapter von Magewell (Capture HDMI Plus). Diese unscheinbare Box „konvertiert“ HDMI zu USB 3 und unterstützt Auflösungen bis 4K. Das robuste Metallgehäuse ist klein und lässt sich in jeder Hinterkopfzeile verstecken. Weitere Treiber oder Software sind nicht nötig. Abstürze wie bei den Blackmagic Produkten sind bei uns noch nie vorgekommen. Für den Rechner scheint es schlicht als wäre eine zusätzliche Webcam angeschlossen. In Verbindung mit einem Mac und der Facetime App, wären so sogar Videokonferenzen/Webinars/Konsile mit Mikroskopbild denkbar.

Standbild aus dem HDMI-Stream links versus Standbild mit der Sony Kamera rechts


So kann Digitalisierung im Gesundheitswesen doch noch Spaß machen. Bitte nicht Jens Spahn verraten.

Es gibt viele Arten, auf eine Mahnung zu antworten. Das hier ist eine davon.

Sehr geehrte Herr Dr. Herrmann,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie hiermit darüber informieren, dass ich soeben eine Zahlungserinnerung zu der Rech.-Nr. 20524 auf postalischem Weg von Ihnen erhalten habe.
Diese habe ich selbstverständlich umgehend beglichen.

Dennoch möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass mich niemals eine Rechnung (Datum der Rechnung: 16.07.2019) erreicht hat und ich eine telefonische Erinnerung einer schriftlichen Mahnung vorgezogen hätte. Genug Zeit wäre seit Juli gewesen!

Nichtsdestotrotz wünsche ich Ihnen und dem gesamten Team Frohe Weihnachten und ein zufriedenes Jahr 2020.

10 Jahres Recall nach RET Behandlung

Von Christoph Kaaden

Kürzlich liess mir eine meiner treuesten Zuweiserinnen das 10 Jahres Recall unserer allerersten regenerativen endodontischen Maßnahme zukommen.

Ursächlich für die damalige Pulpa-Nekrose war ein Dens invaginatus.

Seiner Zeit habe ich auf ein kollagenes Widerlager zur Stabilisierung des Blutkoagulums verzichtet.

Man sieht, dass dies keine gute Idee war, da der Blutpfropf alleine das Gewicht des MTAs nicht tragen konnte. Ungewollte sank der Plug  damals apikalwärts bis ins mittlere Wurzeldrittel.

Dem Wurzelwachstum hat dies nur bedingt „geschadet“.

Auch 10 Jahre nach Therapieabschluss zeigt sich ein erfreuliches Ergebnis.

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Obliteration

Hier ein jüngstes Recall zwölf Monate nach Therapieabschluss.

Das Ausgangsröntgenbild liess im Vorfeld stark obliterierte Kanalsysteme vermuten…

wie zumeist stellte sich die klinische Situation zwar knifflig aber lösbar dar.

nach zwei Terminen und einer Behandlunsgzeit von 2 1/2 Stunden sah das Ergebnis so aus:

Meine bevorzugten Instrumente für die Präparation sind in solchen Fällen:

RECIPROC blue 25

C-Pilot / R-Pilot

Gold Glider

Wave One Gold 20

Wave One Gold 25

Wave One Gold 35

 

Ein Jahr später sieht es nun so aus:

Und wieder wird es höchste Zeit für eine prothetische Versorgung des Zahnes..

Duplizität der Ereignisse – Apical Split

Am Montag stellte Jörg Schröder den Fall eines Oberkieferprämolaren mit tiefliegender apikaler Aufspaltung des Wurzelkanals in 2 getrennt voneinander verlaufende Kanäle vor.

Und einen Tag später stellt sich diese Patientin bei uns vor.
Vermutlich kommen solche exotischen Wurzelanatomien doch häufiger vor, als man denkt.

Ich werde berichten, wie sich der Zahn 15 im Rahmen der WF- Revision präsentieren wird.

Es ist zu sehen…

Der Patient wurde mit länger bestehenden Beschwerden zu uns überwiesen. Der Hauszahnarzt war ratlos.

Der Zahn 25 wurde bereits mehrfach revidiert. Der Patient gab allerdings immer wieder nach der Wurzelfüllung Beschwerden an. Diese äußern sich in einem Druckgefühl bis zum Sinus. Vor allem in der Nacht, wenn der Patient auf dieser Seite schläft. Trotz der Entfernung der WF an 25 kam es nach der letzten Behandlung zu keiner Besserung.

Der Zahn 24 wurde von einer Praxis mit endodontischem Schwerpunkt behandelt und ist seitdem beschwerdefrei.

Die Befunde: kein Perkussionsschmerz an den Zähnen 24, 25, kein Aufbisschmerz, kein Lockerungsgrad. Die Sondierungstiefen sind zirkulär 3-4mm.

Was vermuten Sie? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion.

Rückblick 2019 Ausblick 2020

Seit 1. Oktober 2019 ist WURZELSPITZE wieder auf Sendung.

Wir freuen uns.
Über die Wiederaufnahme.
Weil wir nachwievor Freude daran haben, unser Wissen weiterzugeben.

Und haben festgestellt, dass uns das neue Format neue Möglichkeiten gibt.
Der private Rahmen – nur angemeldete und damit bekannte Leser, nur ZahnärztInnen, also ein interner Kreis mit obligat Fachkundigen – erlaubt eine freie Aussprache, wie sie in dieser Form prinzipbedingt vor unserer DSGVO – Zwangspause –  wir waren ein offenes Forum – nicht möglich war. Vor allem im Bezug auf Themen, die in der Regel nur unter guten Freunden hinter der sprichwörtlich vorgehaltenen Hand angesprochen werden. Beiträge wie „Der maligne Patient“ wären im frei zugänglichen Blog WURZELSPITZE nicht machbar gewesen. Genauso wenig konträr diskutierte standespolitische und berufspolitische Themen oder Kritik an den Machenschaften der Dentalindustrie. Ich erinnere nur an die Unterlassungsdrohung der Firma „Lege Artis“, weil wir es vor vielen Jahren gewagt hatten, im Zusammenhang mit einer Osteonekrose nach Toxavit-Einlage den Namen des Produktes zu nennen.

Von der Resonanz zu WURZELSPITZE 2.0 sind wir sehr angetan.
Uns war klar, das nur ein Bruchteil der Leser von früher uns weiter folgen würden. In dem Moment, wo es was kostet, trennt sich die Spreu vom Weizen. Das ist in unseren Praxen so, die Patienten betreffend, warum sollte das bei den Kollegen anders sein. Auch die Tatsache, dass es sich beim angesetzten Monatsbetrag um einen geringen, im Berufsalltag irrelevanten und darüberhinaus nach Berufszugehörigkeit/Finanzlage gesplitteten Betrag handelt, der aber scheinbar den Unterschied zwischen Lesenwollen und Nichtlesenwollen ausmacht, sagt viel aus.

Umso mehr haben wir uns über die KollegInnen gefreut, welche spontan und zeitnah sich der WURZELSPITZE-Neuauflage angeschlossen haben.
Oder sich sogar für die WURZELSPITZE Plus – Variante entschieden haben.
Uns damit das Zeichen gegeben haben, für das Jahr 2020 mit WURZELSPITZE weiterzumachen.

An dieser Stelle möchte ich schon einmal ankündigen, sich den 12.September 2020 vorzumerken. Das Datum steht fest für einen Vortrags-Tag, wie es ihn in dieser Form noch nicht gegeben hat bislang.

Am 24. werde ich hierzu mehr berichten, unser Beitrag zu Heilig Abend.
Und es gibt einen Bonus für die WURZELSPITZE Plus – Teilnehmer. Sie profitieren, sowohl was die Anmeldung, wie auch die Teilnahmegebühr angeht.

Darüber hinaus haben wir uns für 2020 entschlossen, über die Nutzung der Kommentar- Funktion hinaus, den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, über das demnächst in Funktion tretende WURZELSPITZE-Email-Forum auch untereinander in Dialog zu treten. 1999 habe ich ENDONEWS, das erste deutschsprachige Emailforum zum Thema „Endodontie“ ins Leben gerufen. In meiner Zeit als Moderator kam es über viele Jahre hinweg zu einem intensiven, offenen und produktiven Dialog, rückblickend das goldene Zeitalter des virtuellen endodontischen Internet- Qualitätszirkels. Diese Atmosphäre wollen wir wiederbeleben, dem Erfahrungsaustausch ein Medium geben, welches es leider in den letzten Jahren zusehends verloren hat.

Die strikte Beschränkung auf die Gemeinschaft der  WURZELSPITZE – Teilnehmer soll auch hier die Intimität und Verschwiegenheit der Gruppe gewährleisten und einen freundlichen respektvollen Umgang untereinander fördern.

 

 

Tückisches X-Bein

von Jörg Schröder

Prämolaren nehmen im Ranking vieler Kolleginnen und Kollegen im Allgemeinen keinen der vorderen Plätze ein, wenn es um die Frage nach besonders schwierigen Aufbereitungssituationen geht. Und das zu Unrecht, wie ich finde.

Kommt dann, wie im nachfolgend beschriebenen Behandlungsfall geschehen, noch ein Tappen in die „Offensichtlichtkeits-Falle“ hinzu, so kann sich die endodontische Behandlung eines Oberkiefer-Prämolaren zur überraschend herausfordernden Angelegenheit entwickeln. Und das trotz einer gewissen Erfahrung, der Nutzung eines Mikroskops und einer präoperativen 3D-Diagnostik.

Aber der Reihe nach.

Im Vorfeld einer geplanten prothetischen Neuversorgung der Zähne 14-16, wurde seitens der überweisenden Kollegin um die Revision der insuffizienten Wurzelfüllungen an diesen Zähnen gebeten.

Da sich der Kanalverlauf in den Zähnen 14 und 15 im 2D-Röntgenbild nicht erschloss und um die Ausdehnung möglicher apikaler Veränderungen beurteilen zu können, wurde präoperativ ein kleinvolumiges und hochauflösendes DVT erstellt.

Bei der Auswertung der DVT-Befunde beging ich eine kleine Nachlässigkeit. Zu sehr auf den nicht aufbereiteten MB2 an Zahn 16 und die massiven Stifte im 14 fixiert, schenkte ich der Beurteilung des axialen Schnittes im Apikalbereich des 15 zu wenig Beachtung.


Hinzu kam, dass ich bei der Betrachtung des koronalen Schnittes (auch Frontalansicht genannt) zwar das Aufeinanderzufluchten von bukkalem und palatinalem Kanalsystem wahrgenommen hatte, nicht aber den weiteren Verlauf des bukkalen Kanals nach palatinal für wichtig erachtete. Das sollte mich in der Behandlungssitzung noch einholen.

Nach Anlegen der Zugangskavität, ich ging zu diesem Zeitpunkt von im mittleren Wurzeldrittel konfluierenden Kanalsystemen aus, wurde zunächst der massive Wurzelstift aus P entfernt. Bei den Obturationsmassen handelte es sich ganz offensichtlich um „Russian Red“, welches jedoch glücklicherweise nicht vollständig ausgehärtet war. Somit konnte ich dieses mittels rotierender Instrumente  – ich nutze dazu die 20/06 ProFile – bis zum Endpunkt der ehemaligen Aufbereitung im mittleren Wurzeldrittel entfernen. Dabei achte ich darauf, ohne Druck zu arbeiten, um eine vorhanden Stufe nicht zu verstärken. Geht man ganz auf Nummer sicher, so geht man zunächst nur bis 0,5 mm vor Ende der alten Wurzelfüllung. Am DVT kann diese Strecke recht genau bestimmt werden.

Das Scouten mit einem Reamer ISO 008 führte zu keinem Ergebnis, sodass ich dann begann den bukkalen Kanal mit der bewährten Abfolge von ProFile-Instrumenten (15/04, 20/04, 15/06) zu instrumentieren. Nach einigen „Runden“ gelang es den Kanal bis zum endometrisch verifizierten Endpunkt zu erweitern. In Erwartung konfluierender Kanäle wurde daraufhin der palatinale Kanal in gleicher Weise aufbereitet. Trotz des stark obliterierten Kanals gelang dies mit der oben beschrieben Instrumentenfolge problemlos. Gefragt waren nur Geduld und das regelmässige Verwerfen der eingesetzten rotierenden Instrumente.

Der (leider etwas bewegungsunscharfen) Messaufnahme mit auf Arbeitslänge eingebrachten Instrumenten wäre bereits die tatsächliche Kanalkonfiguartion zu entnehmen gewesen.

Wahlweise hätte ich auch noch einmal den achsialen Schnitt des DVT ausführlich betrachten können. Beides habe ich zu diesem Zeitpunkt nicht gemacht bzw. realisiert. Erst das nach Abschluss der vollständigen Aufbereitung mit den Masterpoints erstellte Einzelbild weckte mich aus meinem gedanklichen Dämmerschlaf auf.

Obwohl die vor jeder Einprobe erfolgte endometrische Überprüfung der Arbeitslänge jedes der beiden Instrumente auf Arbeitslänge gelangen ließ, war der bukkale Masterpoint deutlich zu kurz eingebracht worden. Da klarte mein Verstand so langsam wieder auf.

Offensichtlich war mir entgangen, dass es sich hier um eine perfekte X-Bein-Konfiguration handelte. Die ursprüngliche Aufbereitung bei der Erstbehandlung war an der Gabelung/Kreuzung stehen geblieben. Durch das Verlegen der sekundären Zugangakavität nach bukkal für den bukkalen Kanaleingang und nach palatinal für den palatinalen Kanal, war es mir unbemerkt gelungen die beiden Kanäle bis zum Foramen zu erschliessen. Der Austausch der Spülflüssigkeit zwischen B und P war für mich die Bestätigung der von mir als sicher angenommenen Konfluation. Und bei der Auswertung der Messaufnahme beschäftigte ich mich mehr mit der Bewegungsunschärfe als mit dem deutlich zu erkennenden X-Bein.

Wie sollte es gelingen, beide Kanalsysteme zu füllen? Kurz nachgedacht und dann gehandelt. Die B und P trennende Dentinbrücke wurde mittels Ultraschallfeile der ISO-Größe 20 entfernt. Und schon konnte ich den Kreuzungsbereich visualisieren.

Und wieder zeigte sich der Prämolar störrisch. Es gelang trotz wiederholtem Probieren nicht, beide Guttaperchastangen zeitgleich bis auf Arbeitslänge zu bringen, da sie sich im mittleren Wurzeldrittel gegenseitig blockierten.

Daraufhin habe ich die Strecke vom Kreuzungsbereich bis zum apikalen Endpunkt des palatinalen Kanals abgemessen und den einzeln bis auf Arbeitslänge eingebrachten palatinalen Guttapoint so gekürzt, dass ich die letzten 4 mm Guttapecha unter dem Mikroskop auf einen Microopener der Dimension 10/04 aufspiessen konnte. Den mit BC Sealer bestrichenen Guttapercha“korken“ konnte ich nunmehr kontrolliert in P einbringen. Und anschliessend den bukkalen Masterpoint in seinem Kanal.

 

Ein erfreulicher Behandlungsgausgang. Aber auch ein  Lehrstück, mich in Zukunft nicht von vermeintlichen Einschätzungen (v-förmiger Verlauf, konfluierende Kanäle) leiten zu lassen, sondern die zur Verfügung stehende Bildgebung genauestens zu studieren.

 

 

 

 

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 10

Es war in den Schlagzeilen, füllte sogar die Feuilletons der renommierten Tageszeitungen.
Diese Woche ist Marie Fredriksson, die Sängerin des schwedischen Pop Duos Roxette verstorben.

Eine Band der 80er.
Nicht meine musikalische Welt.
Auch wenn die 80er ja einen großen Teil meiner musikalischen Prägung bestimmten. Welche auf 4 Säulen sich stützt: Elektronische Musik. Schwarze Musik (Funk, Soul). Jazz und Klassik.

Und daher die zweite Todesnachricht der Woche schon eher meine Kreise berührt, auch wenn ich mit dem Namen Bodo Staiger nichts anfangen konnte.
Dafür umso mehr mit dem Lied „Dreiklangsdimensionen“ der Gruppe Rheingold.
Beides der „Neuen Deutschen Welle“ zugeordnet, was dem Lied in seiner Qualität und Ernsthaftigkeit nicht gerecht wird.

Über die Neue Deutsche Welle wird sicherlich später einmal an dieser Stelle gesprochen werden, heute wollen wir uns den späten Siebzigern und frühen Achtzigern und vorrangig Musik aus England zuwenden. Von dort kamen nämlich die musikalischen und modischen Inputs, die meine Jugend, genauer gesagt meine späten Teenie-Zeiten bis in die Mitzwanziger Jahre hinein, prägten.

Beginnen wir also unseren Freitag Abend Musikreigen mit einem Lied, das für mich persönlich die 80er Jahre wie kaum ein anderes repräsentierend in der Erinnerung heraufbeschwört.

West End Girls.
Pet Shop Boys.

Und so ziemlich auch das einzige Lied, das in der Provinzdisco gefeiert wurde, konkret im „Las Palmas“ in Meisenheim, bevor es überhaupt seinen globalen Siegeszug antrat. Es gab nämlich eine 1984 schon veröffentlichte Ur-Version. Von Producerlegende Bobby Orlando produziert. Und die wurde mit „Burn Burn Burn“ Rufen vom Nahe- und Glanregion Red Neck-Auditorium gefeiert.

So provinziell war das „Las Palmas“ im Übrigen gar nicht mal, immerhin ein ziemlich großer Schuppen. Mit respektabler Lasershow, die ihren Vergleich mit der Disco aller Discotheken (das New Yorker Studio 54 mal aussen vorgelassen), dem Dorian Gray am Frankfurter Flughafen nicht scheuen brauchte. Mein erster Besuch dort wird mir für immer unvergessen bleiben. Die Autobahn – des Hörensagens nach zu dieser Zeit die einzige vierspurige in Deutschland – ohne Verkehr. Wir liefen kurz vor Mitternacht ein, einen unendlich langen verwaisten Korridor im Untergeschoss hinunter, der Flughafen menschenleer. Beides heute unvorstellbar.

Die spannende Frage, würde uns der Türsteher durchlassen.
Im Innern erstklassiger Sound aus JBL-Lautsprechern.
Die vermeintlich ganz Coolen lehnten in den mannshohen Basshörnern und erkauften sich ihren Status mit semipermanentem Tinnitus.
Und dann die Musik.

Being Boiled.
Von „The Human League“.
Die später mit Don´t you want me“ ihren Druchbruch feierten.

Vergleicht man die beiden Lieder miteinander und zieht ergänzend noch das spätere „Fascination“ hinzu, fällt die eklatante Andersartigkeit des Erstlingswerks auf. Nicht verwunderlich allerdings, wenn man weiss, das der Sänger Philip Oakey nur schmückendes Beiwerk, die wahre musikalische Kraft bei The Human Legaue aber Martyn Ware und Ian Craig Marsh waren. Die gründeten kurze Zeit später die Gruppe „Heaven 17“. Deren erste LP „Penthouse and Pavements“ mit (We don´t need this) Fascist Groove Thing noch zu rauh und unpoliert war, um mehr als einen Achtungserfolg zu erzielen. BTW History Repeated, man besingt darin die unverständliche Wiederwahl von Ronald Reagan, dem nicht ernstzunehmenden Hollywood- Schauspieler, der Präsident wurde. Später sollte Martyn Ware sich mit der Produktion des Tina Turner Comeback- Albums „Private Dancer“ seinen Platz im Pop – Mainstream sichern, als Heaven 17 blieben sie trotz Chart-Platzierungen im Mittelfeld und Anerkennung der Musikkritiker nur eine Interlektuellen-Minderheiten-Band. Aber immerhin. Being boiled war von der Kritik noch abgekanzelt worden: „Absichtlich mühsam, teuflisch aufreibend, sind sie so schön wie graue Zementplatten sein können, und in etwa genauso bunt“.

Düster und für Viele mindestens genauso verschreckend neuartig wie Being Boiled war Anne Clark. „Sleeper in Metropolis“ und „Our Darkness“ sind Pop- Musik Leuchttürme. Und der synthesizerunterlegte Sprechgesang war zur damaligen Zeit einzigartig. Und ist es in dieser dezidierten Form bis heute geblieben.

Aber Tanzen konnte man auf die Musik.
Da war wenige Jahre zuvor noch ganz anders.

Wenn Kraftwerk heute als die Erfinder oder Vorreiter des Techno ausgerufen werden, dann ist dies lediglich der Beweis für eine seltsame Verklärung der Realität durch die Zeit.

Kraftwerk, das war vollkommen verkopfte Musik, zum Tanzen vollkommen ungeeignet.
Die in Düsseldorf beheimatete Band – von ihrem Selbstverständis her und in ihrem Auftritt auf und neben der Bühne eher Kunstschaffende. Auch wenn der Bezug seinerzeit nie hergestellt wurde, vom artistischen Kontext her waren das Projekt mehr im Dunstkreis der Düsseldorfer Kunstavangarde um Joseph Beuys und Sigmar Polke anzusiedeln als in der ZDF-Hitparade.

Späte Rehabilitierung.
Bei einem vor ein paar Jahren aus sentimentalen Gründen besuchten Konzert von Kraftwerk im Karlsruher ZMK (man tritt gerne in renommierten Museen auf, sic!) lieferte die Band eine großartige Show. Ihr Repertoire behutsam an den musikalischen Zeitgeist angepasst, sich zeitgemäß und gerade dadurch zeitlos präsentierend, in einer Qualität und Wertigkeit, wie es die Originale nie vermitteln konnten. Ausdrücklich ausgenommen. Autobahn. Von Beginn an ein Meisterwerk, welches noch heute in seiner unveränderten Urform den „test of time“ besteht.

Zurück zu den Briten.
Die es früh schon verstanden, Härte, aber auch Tanzbarkeit in die elektronische Musik zu bringen. Stück für Stück hielten zudem Ästhetik und ausgefeilte Storylines in die Musikvideos Einzug. Gab es von den Liedern der späten Siebzigern keine Videos oder lediglich mitgefilmte Live- Auftritte, so hatte sich dies wenige Jahre später, M TV sei Dank, grundsätzlich gewandelt. Die hier benannten Gruppen – über „Human League“ und ihr durchgestyltes „Fascination“ wurde schon gesprochen – sind allesamt hierfür hervorragende Beispiele.

Die Pet Shop Boys drehten mit Bruce Weber, dem berühmten Fashion Fotografen ihr „Being Boring“ Video. Nachdem sie dessen Jazz- Doku über den Trompeter Chet Baker gesehen hatten und – mir ging es genauso – von der cineastischen Ästhetik begeistert waren. Wer auch nur die ersten Minuten der Doku sich anschaut, der weiss, warum Neil Tennant und Chris Lowe so angetan waren. „Let´s get Lost“ ein Film, der immerhin mit eine Oscar Nominierung bedacht wurde. Und – kleine Anekdote am Rande – mit dessen Director of Photography, Jeff Preiss, ich zufällig und zunächst unwissend der Identität seiner bei einer meiner Fototouren in New York bei einem Spaziergang den Hudson River entlang, mit ihm über die architektonische Qualität der Belüftungstürme des Holland Tunnel fachsimpelnd, ins Gespräch kam.

Und dann sind da noch „New Order“.
Die mit Sicherheit bei den Jungen eine Renaissance erleben werden. Prägt doch ihr „Blue Monday“ den Trailer des kommenden „Wonder Woman“- Hollywood- Blockbuster.

Im Video von 1983 noch zu offensichtlich schlecht gefaktem und asynchronen Play Back und mit Keyboarder im Bundeswehr-Hemd, ein in England in den Achtzigern immer mal wiederkehrendes provokantes Mode-Accessoire.

Im drastischen Gegensatz dazu 1987 „True Faith“ im durchchoreografierten stylischen und später preisgekrönten Pop Video. Produziert von einem Hollywood Regisseur. Bis heute ein Meilenstein der Musik- Video Historie.

Und – last, but not least – wir sind ja musikalisch in Great Britain, da passt diese Phrase wie die sprichwörtliche Faust auf s Auge.

The KLF.

Ein Künstler- Duo. Bill Drummond und Jim Cauty.
Die in die Öffentlichkeit traten mit dem Vorsatz, die Musikindustrie vorzuführen. Als musikalische Dilletanten einen Nr. 1 – Hit zu platzieren. Und in ihrem Buch „The Manual (How to Have a Number One – The Easy Way) detailliert ihre Vorgehensweisen beschrieben, wie man aus einer Handvoll Samples einen Nummer-eins-Hit konstruiert. Mit diesem Buch enttarnten Cauty und Drummond, Letzterer eine Zeitlang Manager bei einer Plattenfirma, klug und sarkastisch die Mechanismen des Musikgeschäfts.1992 gewannen die Beiden einen BRIT Award und absolvierten bei der Preisverleihung ihren letzten gemeinsamen Auftritt, der bis heute Kultstatus genießt: The KLF taten sich zum Auftritt mit der Black Metal Band Extreme Noise Terror zusammen, schossen mit Maschinenpistolen Platzpatronen in die Zuschauermenge und verließen nach einer zweieinhalbminütigen Grindcoreversion ihres Hits 3 A. M. Eternal und der abschließenden Durchsage „The KLF has now left the music business“ die Bühne. Die Verantwortlichen der BBC hatten gerade noch verhindern können, dass die Band Blut aus Eimern über das Publikum schüttete. Dafür hinterließ die Band bei der Aftershow Party allerdings einen Schafskadaver, der einen Zettel mit der Aufschrift „I died for you. Bon appetit“ trug.

Damit nicht genug. Einige Zeit später verbrannten die Beiden in einem videodokumentierten Happening 1 Million Pfund, nachdem sei zuvor den aufgeschichteten Banknoten- Stapel als Kunstwerk einem renommierten Britischen Museum zum halben Preis des Geldwertes angeboten hatten, ein Ankauf aber vom Museum abgelehnt wurde.

Dann tauchte The KLF vollkommen ab, um, wie zuvor angekündigt, nach exakt 23 Jahren wieder für einen Abend aufzutauchen. Alles in Allem, wir leben in einer Zeit des Kunstbetriebs, in der eine von einem Aktionskünstler mit Panzer Tape an die Wand geklebte Banane für 120.000 Dollar als Kunstwerk gehandelt und von einem anderen Aktionskünstler spontan gegessen wird, was den Wert der Installation dann noch erhöhen soll. Alles Dinge, die The KLF vor 30 Jahren schon vorhergesehen und gebrandmarkt haben. Und dann noch herausragende, auf Samples basierende Musik geschaffen haben. In künstlerisch anspruchsvolle, mit Ironie und Selbstironie gespickte Videos verpackt. Die Lieder ein Knüller. Man vergleiche mit Nr. 1- Hits von heute !

Überhaupt war die britische Musikszene damals gespickt mit noch einer Reihe mehr hochkarätiger Acts, sowohl auf der Musiker wie auf der Producer- Seite. Weiter geht es damit demnächst im 2. Teil.

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 9: „ELEKTIONSVORTEIL!“

Nein. Kein Schreibfehler.
Und wir sind auch nicht beim Glücksrad.
Niemand muss ein „S“ kaufen.

Also wirklich Elektionsvorteil.

Denn der Patient, der zu uns kommt, ganz gleich, ob auf eigene Veranlassung oder durch Überweisung, tut dies freiwillig.

Erwartet, wünscht einen Behandlungsoption.
Eine Alternative.

Die wir ihm anbieten.

Und dabei – und das ist jetzt ein ganz wichtiger Punkt – unser freundliches Angebot präsentieren, die Behandlung betreffend.

Welches wir, unserem Aufwand gemäß – im Rahmen der juristischen Vorgaben der Gebührenordnung – frei kalkulieren.

Und damit losgelöst von den Sachzwängen, die uns im Sinne unserer Verpflichtung als Kassenzahnarzt auferlegt wurden.
Kennen wir doch alle – Die Behandlung muss ausreichend, zweckmäßig, wirtschaftlich sein.

Wobei das Wirtschaftlichkeitsgebot nur für den finanziellen Rahmen gilt, den die Krankenkassen vorgeben. Nicht für den wie auch immer gearteten Aufwand, den wir betreiben müssen, um ein medizinisch adäquates, auf der Höhe der Zeit sich befindliches Ergebnis zu zielen.

„Wir zahlen Alles“, diesen Satz der Krankenkassen haben wir doch allzuoft gehört, ebenso wie die unverhohlen entgegengeschleuderte Drohung, diesmal von Krankenkasse und Zahnärztekammer unisono: „Als Kassenzahnarzt sind sie verpflichtet, dem Patienten eine kostenlose Kassen-Endo anzubieten.

2024 werde ich 34 Jahre nun schon als Zahnarzt behandelnd tätig sein.
Eine für mich surreale Situation.
Ich kann nicht glauben, dass dem so sein soll. Ich bin nun schon länger fertiger Zahnarzt als mein gesamtes Leben zuvor.

Und viele viele Jahre lang, mindestens 23 Jahre, genau genommen sogar 27 Jahre lang, habe ich mit dieser Last des „Machen Müssen“, des „Die Rahmenbedingungen fremdbestimmt vorgegeben Bekommen“ gelebt.
Gelitten.

All diese Einschränkungen.
Diese abstrusen Winkelzüge, die unternommen wurden, um ein krankes, längst bis in die kleinsten Bereiche hinein korruptes, pervertiertes System am Leben zu halten. Ihm nach aussen hin den Anschein des Korrekten, Bestmöglichen und Einwandfrei Funktionierenden zu geben. Gemäß der alten Maxime Christian Morgensterns „Nicht sein kann, was nicht sein darf“

 

Kleiner Exkurs ins Lterarische, soviel Zeit muss sein

 

Die unmögliche Tatsache


Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

»Wie war« (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
»möglich, wie dies Unglück, ja –:
daß es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, – kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht –?«

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
»Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil«, so schließt er messerscharf,
»nicht sein kann, was nicht sein darf.«

So werden Tag für Tag neue Winkel- und Klimmzüge unternommen, oder sagen wir besser, uns verordnet, die in vielen Fällen dem ärztlichen Denken und Handeln vollkommen konträr gegenüberstehen. Nur ein Beispiel von vielen, wir könnten stundenlang ähnliche Situationen aneinanderreihen: Der im 3. Quadrant alleinig fehlende Zahn 35 bedingt, dass für eine notwendige Wurzelkanalbehandlung des Zahnes 36 der gesetzlich versicherte Patient keine Kostenerstattung der enddontischen Kassenleistungen erfährt. Kassenleistung sei, so heißt es, die Extraktion des Zahnes. Aus medizinischer Sicht ist der Zahn 36 unbedingt erhaltungswürdig, er ist auch ohne Zweifel sogar unproblematisch erhaltungsfähig, dennoch verweigert die gesetzliche Krankenversicherung die Kostenübernahme. Der Kollege, der die Behandlung dennoch durchführt, wird in Regress genommen, ungeachtet des positiven Behandlungserfolges im Übrigen ( und zukünftig Dank der hochgelobten aber bislang katastrophal gescjheiterten TI, vollautomatisch und zeitnah, man erinnere sich zu gegebener Zeit an meine Worte).

Zurück zum Thema.
In früheren Jahren kam es immer wieder vor, das die von mir vorgesehene Behandlung grundsätzlich in Frage gestellt und die Rechtmäßigkeit der Behandlung an sich und/oder damit verbundener Kosten (ob richtig oder nicht) negiert wurde.

„Der darf das nicht“.
Sagen KZV und Krankenkassen.

UND GENAU DAS geht nicht mehr.
Habe ich nicht mehr.

Der Patient kommt.
Ich untersuche.

Nenne die durchzuführende Behandlung.
Und die damit in Zusammenhang stehenden Kosten.
Aufwandgerecht kalkuliert.

Und dann warte ich.
Auf die Antwort des Patienten.
Der – so ist das richtige Leben – sich gegen unseren Therapieplan entscheidet.
Oder seine Zustimmung gibt.

Dann jedoch zu genau den Rahmenbedingungen, die ICH vorgebe.
Und nicht die Krankenkassen oder die KZV.

Heißt – ich behandle, was ich behandeln möchte, zu den Konditionen, die ich frei bestimme.

Und es geht mir gut dabei.
Das wir uns richtig verstehen. Gut hat mit Geld nix zu tun. Gut heisst „gutes Gefühl“. Freude. Spass. Uneingeschränkt. jeden Tag erneut.

Wann hatten sie dies das letze Mal ? Hinter der Tür von Behandlungszimmer 1 ?

Ehrlich jetzt. Nur Mut. Trauen Sie sich. Ab in die Kommentare mit ihrem Frust.
Immer dran denken. Mir ging´s 27 Jahre doch genauso.
Also mit Sicherheit viel viel länger als Ihnen.

Darum schreib ich hier.
Machen sie nicht den gleichen Fehler, den ich viel zu lang gemacht habe.
In dem Zusammenhang – Was antworten Sie eigentlich auf die alles entscheidende Frage?
Die Frage nach der kostenlosen Kassenendo ?

 Über die klassischen Fehler, die in diesem Zusammenhang gemacht werden und die bestmögliche Antwort spreche ich in der nächsten Episode unter dem Titel „CATCH 22“.

 

Fast 15 Jahre im Recall – Z.n. WSR (5)

Die Patientin stellte sich 2006 bei uns vor. Es sollte der Zahn 12 erneut reseziert werden, weil eine „Zyste“ wieder gekommen ist.

Ein Bekannter empfahl ihr bei uns dies noch einmal abklären zu lassen.
Damals waren wir mit den Prognosen sehr zurückhaltend. Trotzdem entschied sie sich zur Behandlung. Apikal haben wir MTA Grau verwendet und zuvor ein kollagenes Widerlager eingebracht.

Hier nun kurz und knapp die Historie.

 

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Fistel

Von Christoph Kaaden

Gut 1,5 Jahre ist der Therapie-Abschluss der Zähne 25 (Revision) und 26 (Initialbehandlung) her

So stellte sich die Ausgangssituation dar:

.

Nach insgesamt drei Behandlungsterminen (a 1,5h-1h-1,5h) stellte sich die Situation so dar:

Und so im heutigen Recall.

Es wird Zeit, dass sich von prothetischer Seite etwas tut…

Schöne neue Welt (2) Heute beim Hausarzt

Die Patientin, Anfang 50, Krankenschwester berichtet. Sie war heute beim Hausarzt. Nachuntersuchung nach Infektion Gürtelrose, im Krankenhaus diagnostiziert. Jetzt soll der weitere Verlauf beim Hausarzt nachkontrolliert werden. Man sitzt sich gegenüber. Der Hausarzt schaut in seinen PC. Sagen sie mal, sie haben ja noch an keinen Reha-Massnahmen teilgenommen? Und waren auch noch nie zur Kur. Das ist bei ihrem Beruf aber ungewöhnlich. Woher er das weiss? Er ist an die TI angeschlossen. Und kann alle Daten einsehen. Die Patientin ist entsetzt. Wenn der Hausarzt (und alle seine Mitarbeiter, Mitarbeiter der Krankenkassen oder des Krankenhauses) dies alles lesen kann, wie lange wird es dauern, bis sensible Informationen die Runde machen? Das war in der Vergangenheit ja schon so (Dschungelfunk im Haus), aber bekommt nun eine neue Dimension. Ganz glücklich ist der Hausarzt mit der TI aber auch nicht. Immer wieder Abstürze und die KV streicht unerbittlich Leistungen, die nicht korrekt über die TI + Karte abgerechnet wurden. Keine Diskussionen möglich, den Hinweis auf das zu dieser Zeit nicht funktionierende TI-System lässt man nicht gelten.

Schöne neue Welt (1) ApoBank und DIE ZA eröffnen erste „Zahnarztpraxis der Zukunft“

Schöne neue Welt

Die erste ZPdZ dient auch als Showroom (Foto: ZPdZ)

Im Oktober 2019 wurde in Düsseldorf die erste „Zahnarztpraxis der Zukunft“ (ZPdZ), ein Gemeinschaftprojekt der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und der ZA – Zahnärztliche Abrechnungsgenossenschaft (DIE ZA), eröffnet. Unter dem Namen ZAP*8 – Zahnarztpraxis am Seestern behandeln hier zukünftig vier Zahnärztinnen in Voll- und Teilzeit in Form einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) ihre Patienten. Am 8. November 2019 lud die ZPdZ zur Eröffnung und Führung durch die Praxis. Rund 120 Vertreter aus Standesorganisationen, Politik, Dental-Branche und Presse folgten der Einladung in die Praxisräumlichkeiten im Düsseldorfer Stadtteil Lörick.

Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), eröffnete die Feierlichkeiten mit einem Grußwort: „Die ZPdZ ist ein zukunftsweisender Ansatz. Mit dem Konzept der Mietpraxis auf Zeit bietet sie jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten die Möglichkeit, einen Weg in die Niederlassung zu gehen, ohne sofort unternehmerische Risiken schultern zu müssen. Begleitet von Profis, die neben zahnärztlichem Know-how innovative digitale Kommunikations-, Verwaltungs- und Behandlungslösungen zur Verfügung stellen, werden sie schnell die Chancen der Selbständigkeit in einer freiberuflichen Zahnarztpraxis schätzen lernen.“

Im Dezember 2018 haben apoBank und DIE ZA gemeinsam die Zahnpraxis der Zukunft GmbH gegründet, um ein neues Praxismodell zu entwickeln. Beide Unternehmen sind zu 50 Prozent an der Tochtergesellschaft beteiligt. Das Ziel des Gemeinschaftsunternehmens ist es, innovative und moderne Standards der zahnmedizinischen Berufsausübung zu entwickeln und so die Freiberuflichkeit in der Zahnmedizin zu stärken. Das Konzept der ZPdZ bietet niederlassungswilligen Zahnärzten die Möglichkeit, vollausgestattete Praxisräume zu mieten und somit das finanzielle Investment zu Beginn einer Praxisgründung in Grenzen zu halten. Die Zahnärzte werden dabei in allen Gründungsfragen auf ihrem Weg in die eigene Praxis begleitet und erhalten regelmäßige Coachings sowie Teambuilding- und Beratungsmaßnahmen. Die Auslagerung administrativer Serviceleistungen und volldigitalisierter Praxisprozesse sollen es den Zahnärzten und dem Praxis-Team ermöglichen sich auch die eigentliche zahnärztliche Tätigkeit zu konzentrieren.

Die erste Zahnpraxis der Zukunft soll zudem Erkenntnisse aus dem Realbetrieb liefern, um das Praxismodell der ZPdZ stetig weiterzuentwickeln. Darüber hinaus wurde die Praxis in Düsseldorf auch als Showroom konzipiert. Interessierten Zahnmedizinern soll diese Umgebung fortan im Rahmen von Hospitationen und Seminaren zugänglich gemacht werden. Parallel prüfen die Initiatoren, inwieweit Bedarfe und Möglichkeiten bestehen, ZPdZ-Praxen oder Teile des Konzeptes vor allem in ländlichen Regionen in die Versorgung zu implementieren. Vor diesem Hintergrund sei momentan ein zweiter Standort in einer kleineren Gemeinde in Niedersachen in der Konzeption. Die Planung erfolge unter Einbeziehung möglicher Kooperationspartner.

Metalift (2)

Der Patient stellte sich mit einer irreversiblen akuten Pulpitis vor. Die Teilkrone wurde vor  6 Wochen eingegliedert.
Nach der Diagnostik und Beratung des Patienten haben wir uns auf Grund der intakten prothetischen Versorgung entschieden diese möglichst zu erhalten.

Die Befunde am Zahn 36:  keine pathologischen Sondierungstiefen, Lockerungsgrad 0, kein Perkussions- und jedoch Aufbißschmerz und akute anhaltende Schmerzen nach warmen und kalten Speisen, bzw. Getränken.
Diagnose: irreversible Pulpitis, verbreiterter Desmodontalspalt.

Mit einem Hartmetallfräser haben wir eine initiale ca. 1 mm große Bohrung zentral durch die Teilkrone durchgeführt. Die Sondierung ergab eine „hartes“ Widerlager.
Im Anschluß haben wir mittels der Hartmetallfräser aus dem Metaliftsystem diese Bohrung auf 1,4 mm erweitert und danach mit dem Regularmetalift das Gewinde in die Restauration geschnitten. Nach dem Widerstand auf dem Zahn wird beim weiterdrehen die Restauration aus der Präparation gedrückt.

Anschließend erfolgte die Wurzelkanalbehandlung. In diesem Fall haben wir bei vitaler Pulpa in Singlevisit die Behandlung durchgeführt. Die thermische Obturation nach Schilder erfolgte nach abschließender Desinfektion mit Schall und Ultraschall. Als Spüllösungen wurden NaoCl 3% und Zitronensäure 10% eingesetzt.

Die apikale Sealerextrusion in ein Gefäß war nicht gewollt, zeigt uns dafür die nicht instrumentierten Bereiche einer apikalen Verzweigung.
Der Patient ist seitdem schmerz- und symptomfrei.

Die okklusale Perforation der Teilkrone konnte problemlos im Labor repariert werden.

Fall zum Wochenende – reden wir Tacheles …

Vielen Dank für die Kommentare zum Thema.

Ich möchte als Einstieg in den heutigen Beitrag einen Kommentar herausheben:

Abend! Ich versuche immer den Patienten in so einer Situation sozusagen in die Position des Patienten VORHER zu dirigieren:“ Tut mir leid das ich bei dem Patienten gerade eben mehr Zeit benötigt habe als ursprünglich eingeplant weil noch ein akuter Schmerzpatient versorgt werden musste, aber ich nehme mir für jeden Patienten die Zeit die benötigt wird um die Arbeit optimal auszuführen, und breche nicht mittendrin ab nur um einen weiteren Patienten zu sehen, das verstehen Sie doch sicher. Sie wollen doch sicher auch das ich mir für Sie die selbe Zeit und Sorgfalt nehme, oder? Danke für Ihr Verständnis, dann wollen wir jetzt mal loslegen!“

So mach ich das. Wenn der Patient dann noch schlecht drauf ist biete ich neuen Termin an…

Wie läuft das bei euch?

Bei uns oder besser bei mir ist es so, dass jede Wartezeit des Patienten mir körperliche Schmerzen verursacht. Ich spüre gewissermassen mein Magengeschwür wachsen, wenn dem nicht so sein sollte. Ein Kollege erzählte mir einmal (und ich glaube ihm), dass ihm ganz egal sei, wie lange die Patienten warten müssen, auch wenn es Stunden sind. Ich bewundere das, denn es macht das Arbeiten soviel leichter, aber ich kann das nicht. Ich möchte, dass die Patienten punktgenau behandelt werden und wir tun ganz ganz viel, damit es auch genau so ist. Ein pünktlicher Behandungsbeginn, auf die Minute genau, ist also kein blosses Lippenbekenntnis, sondern in jedem einzelnen Falle Ziel unserer Planungsbemühungen.

Im vorliegenden Fall kann ich nicht einmal sagen, woran es lag, dass besagte Patientin 30 Minuten warten musste. War es eine plötzlich sich auftuende Komplikation in der Behandlung des Patienten zuvor oder kam ein Patient zuvor spät, denn auch das kommt vor.

Was ich aber weiss, ist, dass besagte Patientin sich im Vorgespräch schon als „ich sag mal resourcenfordernder“ Patient vorgestellt hat. Soll heißen, es sind ganz ganz viele Aspekte der Behandlung sowie aller Behandlungsalternativen erklärungsbedürftig, jedes noch so kleine Detail erfährt eine aussergewöhnliche Aufmerksamkeit, der entsprochen wird, mit dem dafür notwendigen und gelieferten aussergewöhnlichen Zeitrahmen.

Und jetzt komme ich auf obigen Kommentar zu sprechen und möchte antworten: Natürlich tun wir das und haben dies oft genug getan in der Vergangenheit, dieses Entschuldigen, Erklären und um Verständnis bitten.

Aber soll ich was sagen.
Diesen Patienten ist das vollkommen egal.
Die hören nicht mal zu.

Solche Patienten setzen als selbstverständlich voraus, dass wir NATÜRLICH alles Erdenkliche an Aufwand betreiben, um Ihnen zu helfen. ABER – darüber hinaus- selbstverständlich auch auf die Sekunde genau mit ihrer Behandlung beginnen. Genauso selbstverständlich wie wir mit der Behandlung warten, wenn sie selbst einmal, aus welchen Gründen auch immer, zu spät kommen. Zunächst aber ihre Zähne noch putzen möchten, dafür war auf der Arbeit keine Zeit. Und um Zahnbürste und Zahncreme bitten, die wir kostenlos für Sie bereithalten.

Fakt ist. Besagte Patientin weiss/sollte wissen, dass wir ihre letzte Chance sind, den besagten Zahn 46 zu retten. Ihr Hauszahnarzt (m/w/d – diese politisch korrekte Lächerlichkeit füge ich gerne hier an) hat den Zahn aufgegeben, der zu kontaktierende Implantologe sowieso. Bei uns hat die Dame gesehen, dass wir uns für Untersuchung/Beratung eine Stunde Zeit genommen haben. Und – Entschuldigung, der Ton macht die Musik, es hätte viele viele Wege gegeben, der Frustration über die Wartezeit angemessen Ausdruck zu verleihen, aber dem war nicht so.

Das Problem liegt also nicht (nur) bei uns, sondern (auch) auf Seiten der Patientin, ist ihrer individuellen Persönlichkeitsstruktur geschuldet.

Ich prophezeie schon jetzt mal an dieser Stelle, dass wir – entweder zeitnah oder irgendwann einmal in naher oder fernerer Zukunft die Erwartungen dieser Patientin nicht erfüllen werden.

Dumm nur, dass wir ausgerechnet in ihrem Falle über der Zeit waren. Wir mögen das ja selbst nicht. Vielleicht aber auch gut, denn so zeigt sich von Anfang an, auf welche Konflikte wir schon jetzt und zukünftig noch mehr latent hinsteuern. Und können uns fragen, ob wir uns das antun sollen. Denn – sollte die Behandlung nicht den gewünschten Erfolg zeigen – wie wohl wird die Patientin dies kommentieren aus ihrer Sicht der Dinge – Etwa – Ja, davon war leider auszugehen, dass dies, angesichts der Ausgangssituation so enden würde, aber VIELEN VIELEN DANK Herr Dr. Herrmann, wieviel Mühe sie sich gegeben haben. Oder eher – Wenn ich DAS gewusst hätte, dann hätt ich mich niemals hier so lange quälen lassen und dann das viele Geld, das ich jetzt zum Fenster rausgeschmissen habe, na vielen Dank dafür, ich hätte auf (wen auch immer) hören sollen, jetzt muss ich die Wurzelkanalbehandlung und das Implantat doppelt bezahlen.

Hören wir als auf, ich spreche hier aus eigener Erfahrung oder ich sage besser aus eigener Dummheit heraus, zu denken, uns jeden Stiefel anziehen zu müssen. Richtig, die Patientin musste warten, das war nicht unsere Schuld, wir haben weder getrödelt zuvor noch falsch eine klinische Situation eingeschätzt, aber wir sind letztlich verantwortlich dafür und jegliche Zeit ist kostbar. Heute ganz offensichtlich mehr denn je. Aber wir werden diese Problematik in unserem Bereich nie grundsätzlich ausschliessen können. Es sei denn wir behandeln nur ganz wenige Patienten am Tag und lassen zwischen besagten Patienten sehr sehr viel Luft, um alle Eventualitäten aufzufangen. DAS ist unrealistisch, wenn man nicht gerade der Leibzahnarzt vom Kim Yong Un ist, und auch das ist kein erstrebenswertes Berufsziel.

Wartezeiten, wie die erlebte, werden nie grundsätzlich vermieden, maximal das Risiko und das Ausmaß dessen wird reduziert werden können.

Und jetzt der Blick hinaus durch die nebelbeschlagenen oder in vielen Berufsjahren eingetrübten Glasscheiben des zahnärztlichen Gewächshauses.
Reiben wir doch mal an der Scheibe, wischeln diese sauber und was sehen wir dann ?

Waren Sie schon mal in letzter Zeit in einer anderen Arztpraxis, einem Krankenhaus ?
Auf einer Behörde ? Der KFZ – Zulassungsstelle? Am Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn? Immer, wenn ich von dort zurückkomme, empfinde ich unsere Praxis aus der Sicht des gerade Erlebten als einen Ort, einen Hort der Glückseligkeit.

Und denke dann immerzu an eine Patientin aus meiner Zeit als Allgemeinzahnarzt, welche vor vielen Jahren, bis heute unvergessen, die Wartezeit auf ihre Prophylaxesitzung bemängelte, im gleichen Satz jedoch anfügte ACHTUNG Realsatire – Eigentlich kommt man (bis auf heute) ja bei Euch immer sehr schnell dran, bei meinem (angesagten) Friseur warte ich trotz Termin JEDES MAL 2 – 2,5 Stunden.

Die Lehre aus besagtem Vorfall.
Wir überprüfen unser QM: Warum musste die Patientin warten ? Hätten wir es vermeiden können? Wie können wir dies zukünftig im Vorfeld ausschliessen ? Was können wir tun, um die Wartezeit und die Frustration des Wartenden abzufedern ?

Aber darüber hinaus.
Auch.
Manchmal liegt das Problem nicht bei uns.

Und in solchen Fällen.

Nur in solchen Fällen, wohlgemerkt.

Hören wir auf, uns ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen.
Der Patient – der unsere Bemühungen offensichtlich nicht adäquat anerkennt – ist frei, sich einen Ort zu suchen, an dem es ihm besser gefällt.

Das ist eine Win Win – Situation.
Wir freuen uns.
Für besagten Patienten.
Für unsere Patienten. Die wir statt dessen behandeln können.

Und für uns, unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit. Unser Leben.

Wie weit ist weit genug?

von Jörg Schröder

Arbeitslänge und Arbeitsweite. Über diese beiden Werte kann man lange diskutieren. Am Ende der Diskussion steht jedoch immer die Entscheidung für eine, hoffentlich gut begründete, Vorgehensweise.

In den ersten endodontischen Fortbildungen, die ich Ende der 1990’er besuchte, wurde empfohlen den Durchmesser der apikalen Aufbereitung so weit zu gestalten, dass sie den Durchmesser der ersten Feile, die apikal mit Friktion eingebracht werden kann (First-File-To-Bind) um 3 ISO-Größen übertrifft.

Nur ist es im manchen Fällen, wie zum Beispiel in stärker gekrümmten oder s-förmig verlaufenden Kanälen, gar nicht so einfach, die Lage der Friktionszone zu bestimmen.



Ich nutze seit langem die Möglichkeit, im Mikroskop die „Beladung“ der Spanräume meiner Instrumente als Hinweisgeber zu nutzen, um so die Zielweite meiner Aufbereitung festzulegen.

Hier ein praktisches Beispiel. Das Bild zeigt eine HyFlex-Feile 30/06 nachdem sie einmalig bis auf Arbeitslänge eingebracht wurde. Die nicht gefüllten Spanräume an der Arbeitsspitze zeugen von der vorangegangenen Aufbereitung des Kanals mit einer HyFlex 30/04.

Unter der Annahme, dass die eingesetzten Feilen innerhalb der zulässigen Maß-Toleranzen hergestellt wurden, kann ich anhand der gefüllten Spanräume, Rückschlüsse auf die apikale Geometrie der Kanalsysteme ziehen.

Und somit unter Berücksichtigung der weiteren Parameter, wie z.B. initiale Kanalweite und Krümmungsverlauf die Endaufbereitung festlegen.

 

 

Freitag Abend Youtube Video Episode 9

Diese Woche fand in New York das New York Greater Dental Meeting statt. Eine Art nordamerikanische IDS mit zusätzlichen Fachvorträgen und Kursen. Für Alle, die in diesem Jahr nicht teilnehmen konnten, eine musikalische Reise durch den „Big Apple“, die Stadt, die niemals schläft. Frank Sinatra bewusst ausgenommen, Frühstück bei Tiffany hatten wir schon hier.

Beginnen möchte ich mit zwei Beiträgen, die ich eher in die Rubrik „Nicht Mainstream“ einordnen würde, die aber beide die Ambivalenz, die New York in sich trägt, widerspiegeln. Nicht gerade der gefälligste Einstieg, aber vielleicht gerade deshalb ein angebrachter.

Und hier noch eine Variante mit Miles Davis als „voice over“. Kompliment an den Mixer, als hätte der „Godfather of Jazz Trumpet“ seine Klänge original drübergelegt.

New York hat sich erneut gewandelt in den letzten Jahren.
Schneller und schneller hat diese Stadt nach der 2008er Bankenkrise sich dem Turbokapitalismus wieder zugewandt. Nicht verwunderlich, wo sonst, wenn nicht hier. Unglaublich viele neue Wolkenkratzer und in den letzten Jahren eine stark zunehmende Zahl an Obdachlosen, die Seite an Seite mit den bei laufendem Motor auf ihre shoppende Kundschaft wartenden Luxulimousinen sich die Bürgersteige teilen. Kommt alles wieder ? Hoffentlich bleibt es lediglich beim musikalischen Rückblick auf die Anfänge des Rap (nix LA, nix Compton, hier an der Ostküste, im Big Apple gings los). 3 Lieder aus dieser Zeit stilbildend und unvergessen bis heute. Mit der Sugarhill Gang und Rapper ´s Delight begann alles. In dieser Zeit Adoleszente, mich eingeschlossen, können zumindest die erste Strophe mehr als 30 Jahre später noch Wort für Wort mitrappen. Die Basis des Songs, auch das damals eine Neuheit, heute ist Sampling ja gerichtlich anerkanntes Kulturgut, stammt vom congenialen Musikerduo Bernie „Bass- Gott“ Edwards und Nile „Gitarren-Gott“ Rodgers der Grippe Chic, der Song „Good Times“.

Kurz darauf folgte Kurtis Blow mit „The Break“.
1982 dann Grandmaster Flash, mit „The Message“.
Harter Text, zeigt die brutale Realität der damaligen Zeit, New York war kein Shopping Paradies und Städte-Trip Hot Spot, sondern der steingewordene Darwinsche Struggle for Life.

1985, als „It s Tricky“ veröffentlicht wurde, war sowohl Rap als auch Sampling schon Mainstream. Was man allein daran erkennen kann, dass gleich zwei Melodien verwendet wurden, zum einen das schon hier erwähnte „My Sharona“ von The Knack und „Mickey“ von Toni Basil, ein ebenso unsäglich furchtbares (Achtung Schweineorgel) wie für diese Zeit bezeichnendes Frühe 80er Jahre- Lied.

Run DMC, Rap Trio aus Queens waren die ersten Hip Hopper mit einem Multi Platinum Album und vermutlich die ersten (und damit garantiert unbezahlten) Adidas Markenbotschafter des Musikbusiness.

Fehlt noch Brooklyn.
Die Beastie Boys. Vor Eminem die ersten und einzigen weissen Rapper (ich sag nur Vanilla „Fremdschäm“ Ice), die auch ausserhalb der weissen Hood Respekt fanden.

Heute ist das Alles Geschichte. Rick Rubin, der Produzent der Beastie Boys und von Run DMC hat sich weit über die Genre Grenzen hinaus unter anderem mit einem herausragenden Johnny Cash Album seinen Teil der Musik – Historie gesichert und Russell Simmons, neben Rubin der zweite Gründer des Def Jam Records Labels verkaufte schon 1999 seine Firma für 100 Millionen Dollar. Damals ein unglaublicher Deal, heute im Hinblick auf Hip Hop Milliardäre wie Dr. Dre oder Jay-Z vermutlich nur noch einen Zweizeiler in der Tageszeitung wert. Rap – you have come a long way! Respekt!

Zurück zu meiner Jugend. Und damit zu Billy Joel.
Und ins nächste Borough der Stadt, die Bronx.

Was für ein Talent.
Was für ein unglaublicher Songschreiber. Und für mich schon heute substanzieller Bestandteil des Great American Songbook nachfolgender Generationen.

Müsste ich für mich das Beste des Besten von Joel herausgreifen, es wäre 52nd Street als Ganzes und natürlich „Just the way you are“ vom Album „The Stranger“. Liebe Radiostationen, das Saxophonsolo am Ende des Liedes NICHT Ausblenden. 52nd Street war im Übrigen das erste Sony Pop Album auf CD überhaupt. Ich habe es NATÜRLICH auf Schallplatte gekauft. Damals. Von der Kritik wird Billy Joel im Übrigen bis heute ein wenig snobistisch überheblich belächelt. Musikkritiker ?!? Einst schrieb auch ein Kritiker über Tschaikowski s Violinkonzert, wenn Musik riechen könnte, dieses Stück würde stinken. Die Zuhörer sehen dies zurecht anders. Einmal im Monat reist Billy Joel mit dem Hubschrauber von seinem Landsitz in den Hamptons an und füllt den 12000 Zuschauer fassenden Madison Square Garden. Immer ausverkauft.

Udo Lindenberg hat im Übrigen schon in den 80ern eine grandiose Eindeutschung des New York State of Mind auf seinem Rock Revue 2 Album veröffentlicht.

52 Street war im Übrigen in Manhattan der Bereich, in dem in den 30ern bis 50ern der Jazz der Stadt sein Zuhause hatte. Vom Glanz vergangener Tage ist heute nicht mehr viel übrig. Zwar gibt es noch (oder wieder) die bekannten Jazz Clubs wie das Blue Note oder das Birdland. Diese sind aber weitestgehend Touristen Franchises, die es gilt, „busladungsweise“ streng zeitgetaktet durch ein musikuntermaltes überteuertes Abendessen zu pressen, auch wenn die Künstler und ihr Werk davon unbenommen herausragend sein können. Lobenswerte und deshalb gar nicht zuviel hervorzuhebende Ausnahme, das nach wie vor authentische „Village Vanguard“ in der 7th Avenue in Greenwich Village. In dem Christian Danzl, Olaf Löffler und ich vor ein paar Jahren ein grandioses Jazzkonzert mit (vom Leben stark gezeichneten und ohne dieses Wissen auf den ersten Blick befremdlich wirkenden, aber am Instrument so wunderbaren) Tom Harrell an Trompete /Flügelhorn und dem von mir ebenfalls hochgeschätzten Wayne Escoffery am Saxophon erleben durften.

Der Broadway ist die andere berühmte Musikstrasse der Stadt. 
Wenn wir, musikalisch besehen, vom Broadway sprechen, dann ist der „Theater District“ gemeint, Ort des Musicalgeschehens der Stadt. George Benson hat dem mit seinem Song „On Broadway“ ich zitiere „cause i can play this year guitar and i won´t quit til I m a star“ ein musikalisches Denkmal gesetzt. Und dort, wo 7th Avenue und Broadway sich kreuzen, wie die Pet Shop Boys es in New York City Boy besingen, liegt der Times Square. Fehlt nur noch der Central Park, diese bemerkenswerte, größer als Monaco sich darstellende Grünfläche inmitten Manhattans, Schauplatz einiger legendärer Freiluftkonzerte. Das wohl berühmteste möchte ich herausgreifen, wir hatten es ja schon in dieser Rubrik mit Schlagzeugern, Simon and Garfunkel, Steve Gadd an den Drums mit seinem legendären Drum-Intro zu „50 ways to leave your lover“.

George Benson – On Broadway

Als Zugabe noch. New York im Film und TV. Ein paar wenige (in New York stolperte man fast täglich über Drehplätze von Film – und TV-Produktionen) im Anschluss. Kurz vor Weihnachten darf natürlich „Kevin – Allein in NY“ nicht fehlen. Musik von John Williams ! Hörenswert !

Schönes Wochenende und einen frohen 2. Advent !

Fall für s Wochenende – Extraktion Ja oder Nein ?

Die Patientin war aufgebracht. Regelrecht wütend.
Sie müsste jetzt mal ihren Ärger los werden. Eine halbe Stunde habe sie bei uns jetzt warten müssen. Was stimmte. So sehr wir auch versuchen, pünktlich (heisst on time, maximal die akademische Viertelstunde ausschöpfend) die Behandlung zu beginnen, es gelingt uns nicht immer. Ich persönlich wäre bereit, auf den Behandler meiner Wahl 30 Minuten zu warten, aber da gehen offensichtlich die Meinungen drastisch auseinander.

Wenn es doch wenigstens ein einfacher Fall wäre, um den es ginge, aber dem war nicht so.

Das Röntgenbild zeigt an Zahn 46 deutliche apikale Aufhellungen, zusätzlich eine interradikuläre Knochendestruktion sowie distal einen ausgeprägten vertikalen Knocheneinbruch. Keine banale Situation, die zumindest idealerweise einen hoch complianten Patienten voraussetzt. Was die Dame ganz offensichtlich nicht zu sein schien. Dabei hatte sie doch noch in der Beratungssitzung zuvor ihren unbedingten Willen zum Zahnerhalt zum Ausdruck gebracht.

Jetzt seid ihr, geschätzte Leser, gefragt:
Wie umgehen mit der Situation und mit der Patientin ?

Bitte fleissig die Kommentarfunktion nutzen.
Ich werde am Dienstag berichten, wie es in der Sache weitergegangen ist.

Sensibilitätsstörung nach Initialbehandlung

von Jörg Schröder

Endodontische Notfallbehandlungen führen nicht immer zum vollständigen Abklingen der bestehenden Beschwerden. Eine der häufigsten Gründe ist dabei die nicht vollständige chemo-mechanische Aufbereitung bei der initialen Behandlung. Direkt gefolgt von koronalem Leakage, dass nicht immer in Form eines insuffizienten Restaurationsrandes oder einer unbehandelten Karies vorliegen muss. Es reicht auch eine Infraktur mit Kontakt zum Pulpakammerhohlraum.

In nachfolgendem Fall kamen beide Ursachen zum Tragen. Der die distale Randleiste des Zahnes 47 bis kurz zum Kanaleingang  durchziehende Haarriss kann als Eintrittspforte der bakteriellen Kontamination angesehen werden, da der Zahn bis zum Auftreten der Beschwerden vollkommen restaurationsfrei war.

14 Tage vor der Erstvorstellung in unserer Praxis erfolgte im Notdienst die Trepanation des 47 und eine medikamentöse Einlage. Die Zugangskavität war mit Cavit verschlossen worden. Das okklusale Relief blieb unverändert. Nach anfänglicher Besserung traten nach einigen Tagen erneut Aufbissbeschwerden auf.

Zum Beratungstermin, einem Freitag, wies der Zahn eine deutliche Perkussionsempfindlichkeit, jedoch keinerlei palpatorische Druckdolenz auf. Die Beweglichkeit war gering erhöht. Die Sensibilität im Bereich des rechten Unterkiefers war normal. Das präoperativ erstellte DVT ließ einen deutlichen Abstand der Apizes des 47 zum N. alveolaris inferior erkennen.

Um einen zeitnahen Behandlungstermin zu ermöglichen, wurde der Tagesplan des folgenden Montags durch Umorganisation so verändert, dass ein ausreichendes Zeitfenster für eine suffiziente Erstbehandlung (adhäsive Versorgung des Haarrisses, okklusale Umgestaltung mit Beseitigung exkursiver Frühkontakte und Reduktion der Kontakte in IKP, sowie vollständige chemo-mechanische Aufbereitung) zur Verfügung stand.

Zum Behandlungstermin hatte sich die Situation jedoch dramatisch verändert. Vom rechten Mundwinkel bis hin zur Mitte der Unterlippe und hinab bis zum rechten Kinn bestand 4 Tage nach der Erstvorstellung eine vollständige Anästhesie, die auf eine akute Exazerbation der apikalen Parodontitis zurückzuführen war.

Sensibilitätsstörungen, die auf eine akute endodontische Infektion zurückzuführen sind, habe ich ausschließlich im Bereich des N. mentales und/oder des N. alveolaris inferior vorgefunden. Angesichts der knöchernen und nicht ausdehnungsfähigen Umgebung dieser Strukturen kann eine Volumenzunahme durch entzündlich bedingtes Exsudat offensichtlich die Minderung oder den vollständigen Verlust der Sensibilität im betroffenen Gebiet nach sich ziehen.

Um bleibende Schäden der betroffenen nervalen Strukturen zu verhindern, ist ein rasches (Be)Handeln geboten. Neben der vollständigen Aufbereitung und bestmöglicher Desinfektion der Kanalsysteme der verursachenden Zähne verordne ich immer eine begleitende systemische Antibiose.

Wichtig erscheint mir zudem, die genaue Ausdehnung der betroffenen Areale zu erfassen und zu (foto)dokumentieren. Dazu benutze ich zwei gerade zahnärztliche Sonden, die ich mit zwei Händen in spitzem Winkel über die Haut führe. Eine Sonde auf der nicht betroffenen und eine Sonde auf der betroffenen Seite. Sobald die Sensiblitätsstörung  wahrgenommen wird, wird mit einem Faserschreiber (nicht wasserlöslich) ein Punkt markiert. Von nun an genügt eine Sonde, die in gleicher Weise über das betroffene  Gebiet geführt wird. Dabei ist wichtig, sich vom sicher normal sensiblen ins Richtung des sensibiltätsgestörten Areal zu bewegen. Sobald die Einschränkung wahrgenommen wird (mehrfaches Wiederholen verschafft Sicherheit) erfolgt die nächste Markierung. Auf diese Weise hat man nach maximal 5 Minuten die Ausdehnung der Störung erfasst und kann diese fotodokumentieren. Eine Einschätzung der Remission der Sensibilitätsstörung fusst somit auf leicht reproduzierbaren Befunden.

Im vorliegenden Fall zeigte sich bereits 8 Tage nach meiner ersten Intervention eine deutliche Verkleinerung des betroffenen Areals. Zudem hatte sich die vollständige Anästhesie in eine Hypästhesie umgewandelt. Interessante Randnotiz: bei allen derartigen Behandlungsfällen dauerte die Remission der Störung im Bereich des Überganges inneres zum äusseren Lippenrot und hier besonders im Mundwinkelbereich am längsten.

Die Obturation der Kanalsysteme erfolgte erst, nachdem der Patient 4 Wochen nach dem ersten Termin in unserer Praxis das vollständige Abklingen der Sensibilitätsstörungen telefonisch berichtet hatte.

Ein, vor allem für den Patienten, mehr als erfreulicher Behandlungsverlauf.

Vergleiche ich die präoperativen Bilder mit den postoperativen Bildern, muss ich jedoch kritisch anmerken, dass der letztlich resultierende Hartsubstanzdefekt erheblich ist. Radiologisch täuscht zwar die zweidimensionale Betrachtung, da die bukkale und linguale Wand vollständig erhalten sind, angesichts der Unversehrtheit vor Behandlungsbeginn ist der Substanzabtrag ein Wermutstropfen in der ansonsten erfolgreichen endodontischen Behandlung.

Fehlendes mesio-bukkales Kanalsystem – Anatomie du jour

Von Christoph Kaaden

 

Überweisungen von Patienten, bei denen es alio loco bisher nicht gelungen ist alle Kanalsysteme aufzufinden und zu präparieren zählen bei uns zu den eher dankbaren Aufgaben.

Insbesondere dann, wenn rechtzeitig mit der Suche nach fehlenden Strukturen gestoppt wurde (und der Zahn nicht perforiert wurde).

Hier also der letzte Fall des gestrigen Behanlungstages.

Zu den Eckdaten:

45-jährige Patientin; aktuell in zahnärztlicher Behandlung bei laufender „Full mouth rehabilitation“.

Trepanation und initiale Aufbereitung des Zahnes 47 bei irr. Pulpitis alio loco (med.Einlage Ca(OH)2).

Bisher gelang es nicht das mesio-bukkale Kanalsystem aufzufinden…

So stellte sich die Situation nach Entfernung des provisorischen Verschlusses dar.

Nach initialer Bearbeitung des mesialen Kavitätenbodens mittels Rosenbohrer kam es zu den „typischen“ Dentineinpressungen (roter Pfeil).

Diese sind ein sehr guter Anhalt für vorhandene Hohlräume, die es nachzuverfolgen gilt.

Weitere Darstellung des mesio-bukkalen Orifiziums.

Mittels reziprok arbeitendem Instrument initial dargestelltes Orifizium.

Situation nach vollständiger Präparation und Wurzelkanalfüllung

Abschluss-Röntgenbild

Während der Präparation zeigte sich, dass die beiden Kanalsysteme nach ca 3/4 der Arbeitslänge konfluierten.

Bei Interesse möchte ich in Zukunft immer mal wieder solche Fälle vorstellen, um das Auge der WURZELSPITZE Leser für die intrakoronale Anatomie zu sensibilisieren…

 

Metalift

Im letzten Beitrag habe ich geschrieben. Die Krone wurde mit dem Metalift entfernt.

Es kam keine Nachfrage. Also kennt jeder den Metalift und dieser Artikel ist vielleicht für den einen oder anderen weniger interessant.
Da ich den Metalift sehr wertschätze, schreibe ich doch etwas dazu.
Für mich ist es das TOOL um Kronen, Teilkronen und Inlays mit einer Edelmetallegierung zu entfernen und ggf. wieder (nach Reparatur) einzusetzen!

Klicke, um auf Hager_MetaLift_PromoSheet_2016.pdf zuzugreifen

In meinen Händen funktioniert der Metallift besser als die WAMkey Kronenentferner.

An dieser Stelle gibt es noch mehr Informationen – http://www.metalift.com – und demnächst noch einen Fall dazu.

 

 

Flowchart ADA zum Thema Antibiotika im Rahmen endodontischer Behandlung

Die American Dental Association hat sich zum Einsatz von Antibiotika im Rahmen der endodontischen Behandlung geäußert. Die nachfolgenden Grafiken geben einen raschen Überblick im Praxisalltag.

Grafik 1 ist für Behandlungsituationen, in den eine zeitnahe endodontische Behandlung nicht möglich ist.

Grafik 2 ist für Behandlungsituationen, in den eine zeitnahe endodontische Behandlung stattfinden kann.

Tiefe Gabelung mit 90 Grad nach distal

von Jörg Schröder

Die im Vorfeld der Behandlung mehrwurzeliger Zähne angefertigten DVT tragen in aller Regel zu meiner Entspannung bei. Die zu überwindenden Hürden können im Vorfeld visualisiert und die ideale Vorgehensweise kann vor Behandlungsbeginn erdacht werden.

Somit reduziert sich das in früheren Jahren häufiger erlebte Überraschungsmoment und der oftmals damit verbundene Stress.

In diesem Behandlungsfall war es genau umgekehrt. Das Wissen um die in der distalen Wurzel des 46 nach einer 90 Grad nach distal verlaufenden Krümmung noch auf mich wartende Aufgabelung erhöhte mein Stresslevel enorm. Wird es möglich sein, die Aufgabelung mit vorgezogenen Handinstrumenten zu instrumentieren? Wie hoch ist das Risiko einer Instrumentenfraktur? Werde ich in der Lage sein, diese Kanalstrukturen zu obturieren?

Im Notdienst war Zahn 46 trepaniert und mit einer Ledermixeinlage versehen worden. Seitdem bestanden keine Beschwerden mehr. Vor der Applikation des Kofferdams musste der Zahn zunächst in bewährter Weise nach Entfernung der Krone und relativer Trockenlegung (Faden und Teflonband zur Verdrängung der Gingiva) mittels hochviskösem Komposit präendodontisch aufgebaut.

Die weit linguale Lage der mesialen Kanalsysteme und das weitere „Auseinanderdriften“ auf dem Weg nach apikal, war im axialen Schnitt sehr gut zu erkennen, sodass das Auffinden der wirklichen Kanaleingänge mittel Munce-Bohrern unproblematisch verlief.

Schon das klinische Bild (ein nicht mittenzentriert gelegener distaler Kanaleingang) ließ ein zusätzliches, weiter lingual gelegenes, distale Kanalsystem vermuten.

Um im Bereich der tiefen Aufgabelung keine Stufe zu setzen, wurde die Strecke bis zur Aufgabelung im DVT ausgemessen und der gemeinsame apikale Kanalabschnitt in D bis 0,5 mm vor der Aufgabelung bis 35/06 erweitert. Die Versuche, die apikalen Kanalanteile mittels vorgebogenen Reamern der ISO-Größe 008, waren alle erfolglos. Daher wurde die Spüllösung nach der Aufbereitung der mesialen Kanalsysteme in mehreren Zyklen laserunterstützt aktiviert. Dabei war nach dem dritten Spülzyklus eine geringe Blutung aus der Periapikalregion des Kanalsystems zu beobachten, die nach dem vierten Spülzyklus sistierte. Da bei initialer Instrumentierung in allen Kanalsystemen noch Reste vaskularisierten Gewebes vorhanden waren, nahm ich daher an, dass die nach dem letzten Spülen sistierende Blutung als Zeichen zu werten sein könnte, dass die in der tiefen Gabelung vorhandenen Gewebeanteile herausgelöst werden konnten. Und hoffte.


Darauf, dass es mit dem, bei der warmen vertikalen Kompaktion entstehenden, hydraulischen Druck gelingen würde, die Aufgabelung zu füllen. Und es scheint gelungen zu sein.

Hätte es auch mit nochmals wiederholten Eddy-unterstützten Spülungen gelingen können? Vielleicht. Klinisch beobachte ich jedoch immer wieder, dass in geometrisch kniffeligen Situationen (Aufgabelungen oder Konfluationen) die laserunterstütze Spüllösung den Unterschied macht. Evidenz? Null. Naja, zumindest sehr geringe, wenn überhaupt.

Der jüngste Artikel im IEJ zu diesem Thema aus dem März 2019 (International Endodontic Journal, 52, 1210–1217, 2019 1215) kommt beim Vergleich verschiedener Aktivierungsmethoden in Relation zur erzielten Penetrationstiefe der Spüllösung ins Dentin zu folgender Schlussfolgerung:

Conclusion: Thorough irrigation of straight, large canals in extracted teeth with simple root canal geometries enabled penetration in coronal and middle sections but faced limitations in apical areas. Activation of irri- gants increased penetration depths apically, where PIPS was associated with segments of deeper penetration, followed by EDDY and PUI. SWEEPS, on the other hand, did not show benefits compared even to manual dynamic activation.

Und ja, PIPS ist nicht gleich LAI, aber das Grundprinzip die gesamte Spüllösungssäule im Kanal mit im Vergleich zu ansatzgestützten Methoden (Eddy, PUI) sehr geringer Dämpfung zu aktivieren, ist beiden Verfahren gemein.