Herausforderung X-Bein

von Jörg Schröder

Tiefe Aufgabelungen bergen hinsichtlich der Aufbereitung und der Obturation besondere Herausforderungen und sind häufig ohne präoperatives DVT nur zu vermuten.

Die Behandlung des im Folgenden beschriebenen 46 war bereits also loco begonnen worden, musste jedoch wegen der Nichtauffindbarkeit der medialen Kanalorifizien abgebrochen werden.

Im Einzelbild fällt distal das abrupte Verschwinden der Kanalstruktur im unteren Wurzeldrittel auf. Neben einer nach bukkal oder lingual verlaufenden Krümmung, die hier eher unwahrscheinlich erscheint (keine knollenförmige Aussenkontur der distalen Wurzel), kommen konfluierende oder aber sich aufgabelnde Kanalsysteme als Verursacher dieses Phänomens in Frage.

Die mesialen Kanalverläufe hingegen waren von koronal nach apikal deutlich zu erkennen.

Das präoperative DVT zeigte klar, dass die beiden distalen Kanalsysteme koronal getrennt verliefen, sich im unteren Drittel vereinten um erneut und deutlich divergierend aufzugabeln.

Ein taktiles Beurteilen, in welchem der beiden apikalen Abschnitte man sich befindet, ist nur bei entsprechend weiter Konfluationsstelle denkbar. Insofern wäre zwar eine Instrumentierung denkbar, jedoch würde die Obturation am Umstand scheitern, dass der in eine der beiden Aufgabelungen eingebrachte Guttaperchstift den anderen Abzweig blockieren würde. Insofern war schnell klar, dass nach initialer Aufbereitung bis zu Konfluation die zwischen DB und DL vorhandene Dentinbrücke mittels feiner Endosonore-Feilen entfernt werden würde.

 

Das postoperative Bild lässt den dazu benötigten Hartsubstanzdefekt nur aufgrund der deutlich exzentrischen Projektionsrichtung als groß erscheinen.

 

 

Apikale Raumforderung (IV) – Recall nach 12 Monaten

Von Christoph Kaaden

Fast auf den Tag zwölf Monate ist es her, dass wir Kim und „ihre“ apikale Raumforderung behandelt haben.

Gestern kam sie mir ihrer Mutter zum 1-Jahres-Recall.

SO macht Recall Spaß…

in weiteren 12 Monaten sehen wir uns wieder. Dann werden wir auch ein Kontroll-DVT anfertigen…

Heilt es oder heilt es nicht? (3)

In dem letzen Beitrag hatte ich um die zeitliche Schätzung des Heilungsverlaufes gebeten. Vielen Dank für die Teilnahme.

Die Ergebnisse:

Antwort Stimmen Prozent
6 Monate 0 0%  
1 Jahr 0 0%  
2 Jahre 3 16%  
3-5 Jahre 12 63%  
Mehr als 5 Jahre 3 16%  
10 Jahre 1 5%  
mehr als 10 Jahre 0 0%

Ausgangspunkt war die oftmals gestellte Frage: Wann ist die Entzündung weg?

In dem vorgestellten Fall ist zur Dauer der röntgenlogisch erkennbaren Heilung ein Zeitraum von fast genau 7 Jahren vergangen.

Meine Antwort an den Patienten lautet auf diese Frage: Die Heilung dauert in der Regel genau so lange, wie der Zeitraum der Entstehung bis zur Manifestation der Entzündung.
Wir wissen allerdings fast nie, wie lange genau der letzt genannte Zeitraum war.

Der Zeitraum von 7 Jahren entspricht nicht dem im Paper „Good clinical practice: Die Wurzelkanalbehandlung“ genannten Zeitraum.

Was können Ursachen sein?
Der Fall wurde 2005/2006 begonnen zu behandeln. Die DGZ Stellungnahme ist vom Jahr 2004/2005. Es sind also keine wesentlichen Unterschiede im Jahrgang vorhanden.

Die Revision unter mikroskopischer Kontrolle war für mich zum damaligen Zeitpunkt sehr schwierig. Es war meine erste Thermafilrevision mit verkeiltem Carrier. Die Desinfektion erfolgte mit NaOCl 5%, CHX,  und EDTA 17% und Ultraschallaktivierung.
Die Aufbereitung der Kanäle erfolgte mit Profile und ProTaper. Die Behandlung verlief zweizeitig und es wurde CaOH als Med. verwendet.

Mich überrascht der langsame Heilungsverlauf im Verhältnis zum Artikel der DGZ.
Die Aufbereitung, bzw. der shape ist nicht das, was ich als gut bezeichnen würde. Damit müsste auch die Desinfektion im apikalen Kanalbereich weniger effektiv sein.
Weniger Volumen an Desinfektionsmittel und der Transport per Kanüle dahin war von mir weniger überwacht als heute. Aber es heilte.
Ein weiterer oder anderer Grund könnten die apikalen Sealer-Puffs durch die erste endodontische Behandlung und Thermal WF sein. Im Bereich dieser mir leider nicht bekannten Sealerreste könnte ein verlangsamte Heilung eingetreten sein.

Überpresstes Wurzelfüllmaterial ist für Schilder 1967 ein Hinweis für die erfolgreiche dreidimensionale Wurzelfüllung.
(Schilder, H. (1967). „Filling root canals in three dimensions.“ Dent Clin North Am: 723-744.;)
Es gibt in der Literatur Angaben, daß die Heilung bei Sealer Überpressungen um 32% geringer ist.
(The impact of sealer extrusion on endodontic outcome: A systematic review with meta-analysis.; Aminoshariae A, Kulild JC.; Aust Endod J. 2020 Apr;46(1):123-129. )

Ein Grund um biokompatiblere Sealer zu nutzen?

Möglicherweise, aber auf Wurzelspitze finden wir Fälle die schneller ausheilten, beispielsweise hier.

Ein weiterer Fall aus meiner Praxis um 2006, zeigte die apikale Heilung ohne Sealerextrusion im Bereich von 5 Jahren. Leider kam es zu einer VRF nach ca. 13 Jahren. Auch hier ein etwas längerer Heilungsverlauf.
Ich kann nicht einschätzen, warum das so ist. Aber es erscheint mir eine Verquickung mehrere Dinge zu sein – 1. Röbildauswertung -Heilungsphase oder auch Stagnation wird oftmals Fällen zu schnell vermutet, 2. Behandlerfähigkeiten, wie in dem Fall von mir und möglicherweise 3. gewebetoxische Materialien und 4.Schwierigkeiten und Biofilmpersistenz in Revisionsfällen.

 

 

Brauchen wir noch Calciumhydroxid ?

Letzten Dienstag.
Spaziergang in der Mittagspause.
Hörte ich den „Saure Zähne“ – Podcast mit Tomas Lang. Es geht um Calciumhydroxid und die Frage, ob man dieses Mittels in der Endodontie noch bedarf.

Ich muss gestehen, es ist erst mein 2. Podcast überhaupt, den ich kennenlerne. Bisher hatte ich keinen Bezug zu diesem Medium, ich höre auch keine Hörbücher. Wie ich als Kind auch den Winnetou nicht auf Schallplatte erlebte, sondern das Buch las. Ich bin also, den Informationsgewinn betreffend, noch in der 60ern sozialisiert. Trotzdem schon mal meine Empfehlung, in die „Saure Zähne“ Podcasts von Georg Benjamin reinzuhören. Zum einen, weil jedes Medium, welches dazu führt, das man sich näher mit der Zahnmedizin befasst, per se eine gute Sache ist. Zum anderen, weil ich immer schätze, wenn etwas mit Leidenschaft betrieben wird und wenn jemand über mehrere Jahre hinweg eine Idee verfolgt, dann IST das Leidenschaft.

Calciumhydroxid schneidet schlecht ab in diesem Podcast. Und ausgerechnet an diesem Dienstag, an dem ich davon erfuhr, das Calciumhydroxid schlecht (ich stimme zu) und unnötig ist (ich widerspreche), die nachfolgenden 2 Fälle bei mir in der Praxis sich vorstellten. Und am nächsten Morgen noch ein weiterer Fall. Die alle drei gemeinsam haben, dass sich die Patienten im August 2020 mit ausgeprägten periradikulären Knochendestruktionen in der Praxis einfanden. Zwei davon sogar am gleichen Tag, dem 26. August. Und der dritte am 12. August.

Nun, nach 16 wöchiger Calciumhydroxid – Einlage, just zu diesem Zeitpunkt fanden sie sich zu WF wieder ein.

Hier die Röntgenbilder Vorher – Nachher.

Fall 1: Symptomatischer Zahn 34, Patientin vom Fach (ZMA), Perforation nach mesial hin

Fall 2: Symptomatischer Zahn 46, WF- Revision, Mesiobukkaler Kanal nicht bearbeitet bislang, dafür Perforation nach interradikulär, brutale Stufe im mesiolingualen Kanal

Fall 3: Symptomatische Zahn 37, massiver lateraler Defekt, mehr als 10 mm Ausdehnung, keine erhöhten Taschentiefen


Und jetzt ?

Wie so oft in der Zahnmedizin fällt die Antwort, die bei Hören des Podcasts noch offensichtlich und eindeutig erschien „Weg mit dem Calciumhydroxid!“, zumindest, wenn man 2 Leute befragt, dann doch unterschiedlich aus.

Podcast, schön und gut, aber was mir fehlt, ist der Dialog.
Vor allem die kontroverse Diskussion.

Womit wir wieder bei „Die Drei reden über …“ wären.
Wird Zeit das COVID vorbei geht.
Auch aus Sicht der Endodontie….

Zugangskavität

oder

Minimally invasive access cavities: does size really matter?

von Jörg Schröder

Nachfolgend ein, wie ich finde, interessantes Editorial (2021) und ein Artikel (2020) aus dem International Journal of Endodontics zum Thema Zugangskavität. Beides spricht mir aus dem Herzen und deckt sich mit meinen klinischen Beobachtungen.

IEJ Zugang 2020

IEJ Zugang 2021

Für die Schnellleser nachfolgend die Zusammenfassung. Die Artikel sind im übrigen frei zugänglich. Keine Urheberrechtsverletzung. ;)

 

 

Heilt es oder heilt es nicht? (2)

Vielen Dank für die Teilnahme!

Es ist, wie erwartet gekommen. 12 Zahnärzte, 13 Meinungen… ;-)

Nein, Spaß bei Seite, aber es gibt verschiedene Einschätzungen. Dabei waren Röntgenbilder einfach zu befunden. Die Qualität der Aufnahmen lies dies gut zu.
Nun müssen wir uns fragen, woran liegt das?

  1. Jeder Teilnehmer hat sehr wahrscheinlich eine andere Arbeitsumgebung bei der Beurteilung gehabt.
    ( Monitor !!!, Umgebungslicht !!!, ausgeruhte Augen !!, Tageszeit !!, etc.)
    Da ich dies nicht beeinflussen kann habe ich es nicht erwähnt. Für die Praxis sollte jeder entsprechende Voraussetzungen geschaffen haben!
  2. Wie gut ist unsere Sehleistung. Trage ich die erforderlichen Sehhilfe. Ist die Korrektur
    gut eingestellt.
  3. Die Aufnahmen sind nicht 100% in der selben Ausrichtung erfolgt.
    Eigentlich wäre das techn. sicher gar nicht so schwer umsetzbar und für QM, Wissenschaft und Zahnärzte von Interesse.
    Aber das ist für alle Teilnehmer in der Betrachtung gleich gut oder schlecht.

Nun die Auflösung.

Meinen Patienten sage ich, wir können die Heilung nicht 100% genau auf den Bildern erkennen, weil der ein Zahn 3 dimensionales Objekt ist und wir diesen auf einem 2 dimensionalen Bild nur begrenzt für unser Auge darstellen können.

Mir erscheint die Regeneration (apikal distal) im Zeitraum zwischen Bild 9 und Bild1 0 abgeschlossen zu sein. Die Antwort Bild 10 wäre für meine Betrachtung, die richtige Antwort. Ich habe in der Auflösung die Stelle markiert, welche für mich entscheidend war.

Ein DVT würde uns genauer sagen können, wie die apikale Situation aussieht. Nur ist die Frage ist in so einem Fall ohne Symptome ein DVT indiziert. Für mich als Behandler nicht, da keine Therapieentscheidung getroffen werden muss.

Jetzt kommt die nächste interessante Frage nach wieviel Monaten/Jahren ist dies erfolgt.

Take Our Poll

Kurz berichtet: Ausgeheilt bei Zustand nach Avulsion mit Recall nach 4 Jahren

Von Christoph Kaaden

Vor vier Jahren (19.01.2017) wurde uns die damals 10-jährige Jana überweisen.

Folgende Informationen hatten wir von dem Zuweiser erhalten:

Zustand nach Zahntrauma (Avulsion Zahn 21, extrusive Dislokation Zahn 11 ) am 1.12.16.

Zustand nach Frontzahntrauma mit Avulsion Zahn 21 und extrusiver Dislokation Zahn 11 (alio loco)

Der Zahn 21 wurde nach weniger als einer Stunde replantiert, jedoch erfolgte die Lagerung zwischenzeitlich in einem feuchten Handtuch. Zusätzlich kam dazu, dass der Zahn beim Notzahnarzt während der Replantation versehentlich mit dem Sauger ein-bzw. abgesaugt wurde…

nach dessen Bergung aus dem entsprechenden Sieb wurde dieser dann aber doch noch replantiert.

Eine Kunststoffschienung wurde angelegt und bis heute nicht entfernt.

Die Zähne 21 und 11 sind eindeutig nicht vital und bei 21 zeigt sich eine Fistelbildung.

Zustand nach Replantation und Schienung mittels Komposit; apikale Aufhellung an Zahn 21 bei nicht eingeleiteter endodontischer Therapie

Die Behandlung der beiden Zähne erfolgte mehrzeitig. Aufgrund des nicht abgeschlossenen Wurzelwachstums kam apikal MTA zum Einsatz.

Post-op Aufnahme nach mehrzeitiger Behandlung mit MTA Anwendung apikal.

Anfang diesen Jahres (2021) war Jana zur Kontrolle bei uns in der Praxis.

Trotz unphysiologischer Lagerung zeigt insbesondere der vormals avulsierte Zahn keinerlei Anzeichen einer Ersatzresortion und die apikale Aufhellung ist ausgeheilt.

4 Jahre post-op, keine Zeichen einer Ersatzresorption bei apikal unauffälligen Verhältnissen

Auch klinisch präsentiert sich die Situation erfreulich.

Prä-op vs. 4 Jahre post-op

SO macht Recall Spaß

:-)

Heilt es oder heilt es nicht? (1)

Wann ist ist die Entzündung weg?

Diese Frage bekomme ich sehr oft von den Patienten zu hören. Was soll man dann sagen?

In der Wissenschaftliche Stellungnahme des Endodontie-Beirates der DGZ „Good clinical practice: Die Wurzelkanalbehandlung“ wird eine 4 jährige röntgenlogische Kontrolle angeraten.
Das müsste dann heißen, daß dann eine 
Heilung zu erwarten ist.

Nun muss man definieren, wann eine Heilung eine Heilung ist.In endodontischen Fachkreisen spricht man von einer Heilung, wenn im Röntgenbild der Desmodontalspalt in schmaler Linie um die Wurzel nach verfolgbar ist.

Es gibt seltene Ausnahmen.
Allerdings spricht Friedman auch: Infrequently after nonsurgical treatment, very extensive lesions can heal without total resolution of the radiolucency, when fibrous tissue occupies the periapical space.
Prognosis of Healing in Treated Teeth with Endodontic Infections; Shimon Friedman
Endodontic Microbiology, Secound Edition; First published: 11 February 2017

Sollte keine Heilung erkennbar sein, muss man differential diagnostisch eine radikulären Zyste, eine Keratozyste, ein eosinophiles Granulom oder ein Riesenzellgranulom in Erwägung ziehen. Abhängig von der Größe ggf. einen Tumor.
Endodontie 27 (2018), Nr. 1, Seite 55-57; Wie ging es weiter mit …; Arnold, Michael

Die Ausnahmen möchte ich zunächst nicht betrachten.
An Hand einer Übersicht eines Falles bitte ich Euch mir kurz eine Zahl zu benennen, an Hand der Eurer Meinung nach die vollständige Heilung vorhanden ist. Vielen Dank für die Teilnahme!

Take Our Poll

 

Schaumstoffeinsätze DIY Clean Stand

Hier ein kurzes Video, den Clean Stand betreffend.

Genauer gesagt, die Schaumstoffeinsätze. Die schneiden wir uns selbst. Mit diesem Gerät hier. Einem Proxxon Heißdraht-Schneidegerät Thermocut. Kostet 84 Euro.

Die Schaumstoffeinsätze gibt es im Handel 25 Stück für 11 Euro. Wobei, nimmt man die Depot-Hausmarke, gibt es schon 25 Stück für 4 Euro.

Lohnt es sich also, so ein Gerät zu kaufen ?

Eigentlich nicht, oder ?

Andererseits. Bei nur 5 Endos am Tag hält so eine Packung gerade mal 1 Woche. Nach weniger als einem halben Jahr sind die Investitionskosten für das Gerät raus. Die Herstellung geht im Übrigen wie im Video zu sehen, so einfach und (fast so) schnell wie Gurkenraspeln.

Ach ja. Die Käsedreiecke für den Endoring schneiden wir auch damit. Da wirds dann richtig interessant, denn 48 Stück kosten 32 Euro.

All diese Schwämme kann man ja nicht aufbereiten.
Sterilisieren kein Problem, aber die Reinigung ist nicht möglich, daher sind alle Schaumstoffteile, die von Endo-Instrumenten durchbohrt werden, Einmalartikel.

Späte Erkenntnis

von Jörg Schröder

Die Entfernung nach periapikal verbrachter Guttapercha gehört zu den regelmässig zu lösenden Problemen. Mein dafür von mir bevorzugte Instrument in engen bzw. normal weiten Kanalsystemen ist ganz klar die Hedströmfeile.

Den wichtigen Umstand, die Feile immer bis auf EFL 0,0 einzubringen und mit kleinen Durchmessern zu beginnen, um ein Abreissen der apikalen oder periapikalen Guttapercha zu vermeiden, hatte ich hier schon häufig erwähnt. Zu der Frage, wo ich die Hedströfeile bei gekrümmten Kanalverläufen einsetze, habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.

Anbei ein Behandlungsfall, bei dem ich beide Varianten ausprobiert hatte. Nur eine funktionierte und vielleicht habe ich eine Erklärung, warum.

Nach initialem Reduzieren der Guttapercha kam es aus MB1 zu einer spontanen putriden Exsudation. Das erste Spülen mit NaOCl zeigte einen bukkal gelegenen Hohlraum. Dennoch hatte ich zunächst die Idee, den palatinal gelegenen tropfenförmigen Querschnitt zu nutzen, um die Hedströmfeile bis auf 0,0 zu bringen. Erst das bukkale Einsetzen war schon mit der 20er-Hedströmfeile beim ersten Versuch von Erfolg gekrönt.

Meine Erklärung:

Das über die bukkal gelegene Aussenkurvatur eingebrachte Instrument wird von der Kanalwand ständig nach palatinal gedrückt, sodass die Guttapercha in den zwischen MB1 und MB2 vorhandenen schlitzförmigen Hohlraum verdrängt werden kann. Somit dringt das Instrument weiter nach apikal vor, bevor es die Guttapercha perforiert bzw. in die Guttapercha eindringt.

Zwar wird auch die Innenkurvatur das ähnlich machen, nur befindet sich bukkal der Guttapercha kein Platz. Somit muss die Feile apikal durch die Guttapercha/Sealermischung bewegt werden, während sie sich, von der Aussenkurvatur nach palatinal gedrückt, an der Guttapercha vorbei arbeiten kann.

Die auf dem klinischen Bild zu sehende Distanz zwischen Guttapercha und Hedströmfeile erklärt sich wahrscheinlich dadurch, dass nach dem Entfernen der Druck der Wand wegfällt und das Rückstellvermögen der Feile das „Abstehen“ von der Guttapercha verursacht.

In der Zukunft werde ich überprüfen, ob meine Rückschlüsse zutreffen, oder nicht.

Immer wieder schön zu sehen, wie gut die Immunabwehr den periapikalen Teil der Guttapercha „versäubern“ kann.

1 Frage 3 Antworten: Ich möchte mir gerne einen kabellosen Endomotor kaufen

 

 

Ich möchte mir gerne einen kabellosen Endomotor kaufen. Bis gestern hätte ich mich für VDW connect drive entschieden, habe aber von VDW erfahren, dass sie den Motor nicht weiter vertreiben, weil es so viel Probleme gab. Was hab Ihr für Erfahrungen mit kabellosen Motoren und könnt Ihr einen empfehlen.

Viele Grüße

Ingo Hümmer

 H.W. Herrmann antwortet:
Ich arbeite seit 2007 mit kabellosen Motoren. Das Handling bzw. die dadurch erreichbare Ergonomie ist mit kabelgebundenen Motoren nicht zu erreichen. Man soll nie „nie“ sagen, aber es würde mir zumindest sehr schwerfallen, von kabellosen Antrieben wegzugehen. Meine Frage wäre zunächst, womit soll aufbereitet werden? Vollrotierende konventionelle Instrumente? Ich brauche keine Kombi Apexlokator/Aufbereitungsmotor, daher kämen viele Motoren in Frage. Wir hatten bislang NSK, W+H, VDW/Dentsply und Morita und jeder dieser Motoren hat seinen Job sehr gut gemacht. Insbesondere die von mir am Anfang befürchteten Akku – Probleme sind ausgeblieben. Gegenwärtig arbeiten wir mit Morita TriAuto ZX 2-Motoren und VDW IConnect Drive-Motoren. Es kommen 4 Motoren immer, manchmal sogar bis zu 6 Motoren pro Behandlung zum Einsatz, weil ich während der Aufbereitung Instrumentenwechsel vermeiden möchte. Was Probleme angeht – am meisten, wenn überhaupt, war der VDW/Dentsply Motor hier auffällig. Wenn ich es genau überlege, hat nur dieser Motor überhaupt Probleme gemacht. Wir haben 3 solcher Motoren bei uns in der Praxis im Dauereinsatz und gefühlt 1 mal pro Jahr kam es hier zu unterschiedlichen kleinen Problemen, die sich aber alle beheben liessen. Im Vergleich zu anderen Geräten (ich denke hier insbesondere an die Hygienekette) eher Kinderkram. Insofern bedaure ich sehr, das VDW die Geräte vom Markt genommen hat, statt sich im Sinne des Kunden um eine Problemlösung zu bemühen. Das darüberhinaus zum Zeitpunkt der Marktabkündigung auch keine adäquate Alternative im Sinne eines Neuproduktes angeboten wird, macht die Sache nicht besser. Ich kann also nur hoffen, das unsere Geräte noch lange durchhalten, zumal ich wenig Hoffnung habe, dass der Reparatur des Altbestandes bei VDW zukünftig hohe Priorität zuteil werden wird. Das schätze ich so an den Produkten der (familiengeführten, der nachhaltigen Produktqualität verpflichteten) Firma Morita. Auch in Japan ist die Welt im Wandel, aber das Streben nach Bestmöglichem und der Stolz auf das Geschaffene sind dort eine im Alltag noch soviel mehr und tiefer verankerte Primärtugend als es bei uns der Fall noch ist. Wir (hier in Deutschland) hatten all dies auch einmal, aber diese Zeiten sind vorbei. Zurück zum Thema. Bei vollrotierenden Instrumenten wäre das Morita TriAuto ZX2 für mich der Motor der Wahl, bei reziproken Instrumenten kann ich gegenwärtig keine Empfehlung aussprechen.

 O. Löffler antwortet:
Ergonomisch sind kabellose Systeme das Optimum.
Allerdings nur, wenn diese verläßlich funktionieren. Das hat in meiner Praxis mit Polymerisationslampen nicht dauerhaft funktioniert. Wir sind wieder zurück bei kabelgebundenen Lampen.
Zur gleichen Zeit haben wir uns von NSK das erste kabellose Endodontiesystem gekauft.
Die Geräte sind bis heute nicht ausgefallen. Sogar den Akku konnten wir selbst tauschen.
Allerdings ist es häufig vorgekommen das die Geräte nicht aufgeladen waren. Bedienerfehler – auf Grund wechselnder Mitarbeiter in diesem Verantwortungsbereich. Reziproke Bewegungen können die Geräte nicht durchführen.
Deshalb setze ich weiter auf kabelgeführte Systeme.
Ein Versuch reziprok mit einem aktuellen kabellosen Motor zu arbeiten, scheiterte daran, daß die Handstücke der Assistenz mehrmals heruntergefallen sind und unreparabel kaputt sind – Bruch der Plastikhülle.
Deshalb klar keine Empfehlung zu kabellosen Systemen, wenn reziproke Instrumentensysteme verwendet werden sollen.
Das TriAuto ZX2 hat bisher bei uns ebenso wie der NSK Motor funktioniert. Allerdings sind mir persönlich die Kosten eines zusätzlichen Kopfes zu hoch. Deshalb hat das System bei uns einen stiefmütterlichen Einsatz.

J. Schröder antwortet:
Ich verwende seit mehr als 10 Jahren? kabellose Motoren von NSK. Endomate TC2. Dazu einige Wechselköpfe. Das System ist für mich ideal, da ich nicht reziprok aufbereite. Die Akkus können selbst getauscht werden und die Köpfe kosten nicht die Welt. Limitierend und für die bei mir in bestimmten Fällen zum Einsatz kommenden XP-Finisher-Feilen notwendig, ist die maximal zur Verfügung stehende Drehzahl. Um die von FKG empfohlenen 800-1000 U/min zu erreichen, haben wir auch zwei TriAutoZX2 zur Verfügung. Gerade für einen reibungslosen Behandlungsablauf sind zwei kabellose Motoren wichtig, da immer die nächste Feile bereits eingesetzt und im gerade nicht benutzten Motor vorgehalten werden kann. Ein weiterer Vorteil von zwei Motoren ist die Redundanz im Fall eines Ausfalles einer der Motoren.

Kurz berichtet – Aufhellung mesio-bukkal an 16 – ausgeheilt nach Revision

Von Christoph Kaaden

Die Tage erreichte uns das Einjahres-Kontrollröntgenbild eines von uns behandelten Zahnes 16 nach Revision.

Ein Jahr ist der Abschluss dieser Thermafil-Revision her.

Hier die Kurzabfolge des Falles:

Prä-OP Röntgenaufnahme bei Zustand nach also loco durchgeführter endo. Therapie; ausgeprägte Aufhellung mesio-bukkal
Screenshots des DVTs.Fenestration der bukkalen Kortikalis; Übersehne Kanalsysteme mesio-bukkal
Post-op-Aufnahme nach erfolgter zweizeitiger Revision
1 Jahr post-op; radiologisch vollständige Remission der vormals mesio-bukkalen Aufhellung
Prä-op vs. 1 Jahr post-op

S O macht Recall Spass

:-)

Die „radiologische Zyste“ (4a)

Im vorliegendem Fall habe ich lange eruieren müssen.

Die Anamnese ist wichtig um wenigstens etwas die damals gestellte Diagnose und Tharepie zu verstehen.
Es erfolget eine Resektion von palatinal um die vestibuläre Gingiva zu schonen.
Das waren die Aussagen der Patientin. Die Behandlung erfolgte an einer Unviversitätsklinik. Mehr wusste sie nicht. Unterlagen zu erlangen erwies sich trotz schriftlicher und telefonischer Anfragen als unmöglich.
Zwei Röntgenbilder zum Fall haben wir vom Hauszahnarzt erhalten. Dieser wusste aber auch nichts näheres.
Im DVT sehen wir den operativen Zugang nach mehr als 5-10 Jahren.

Nicht nur die Blutung ist bei diesem Zugang ein Problem. Es kommt die indirekte Sicht und die damit verbundene optische Behinderung hinzu. Der Zahn ist austherapiert, war unsere Einschätzung und die langfristige Erhaltung des Zahnes war kritisch zu betrachten.
Trotzdem verlangte die Patientin einen Erhaltungsversuch.
Von diesem erwartete ich eine mögliche Verkleinerung der apiakeln Osteolyse um eine Implantation vorhersagbarer zu gestalten. Das geschah in Absprache mit dem Hauszahnarzt, einem Kieferchirurgen.
Unter diesen Vorstellungen erfolgte die weitere Therapie.

Nach nunmehr mehr als 5 Jahren hat mich das röntgenologische Ergebnis überrascht. Eine derartige „Osseointegartion“ der reduzierten Zahnwurzel hatte ich nicht erwartet.
Für mich ein Glücksfall und kein vorhersagbarer Therapieerfolg.
Die Patientin war nicht überrascht. Sie hatte nichts anderes erwartet…
Auch in diesem Fall können wir nicht beurteilen ob eine Zyste beteiligt war. Die Anamnese lässt eine iatrogene Beteiligung an der Größe der endodontischen Läsion möglich erscheinen.

Therapie:
Nach der Wntfernung der prothetischen Restaurationen, einschl. Stift erfolgte eine weiter Aufbreitung des Kanalsystems. Dies gelang mittels Niti-Instrumentenbis zur apikalen Aufbereitunsgröße von #60. Die Desinfektion erfolgte mit NaOCl 5%, der Smearlayer wurde mit Zitronensäure 10% entfernt. Die Spüllösungen wurden mit Ultraschall und Schall aktiviert. Der apikale Verschluß des Neoapex erfolgte mit ProRoot MTA weiß und einem apikalem Widerlager mit Resorba.

In der Röntgendokumentation sehen wir einen deutlichen Heilungsverlauf. Dieser war nach WSR und Zystektomie nicht erkennbar. Nun ist die Frage können wir daraus schlußfolgern, daß es keine Zyste war. Ich glaube nicht, daß wir das können. Das wichtigste, was wir wieder bestätigt finden, keine WSR ohne Revision.

Erklärung zu den Fotos. Die Aufnahmen der klinischen Bilder der vestibulären Gingiva erfolgten nach Therapieabschluß, da wir einen Erfolg als unwahrscheinlich ansahen und lediglich noch einmal die klinisch gingivale Situation für eine Implantation dokumentieren wollten. Wir werden den Fall weiter verfolgen.

Ich weiss nicht, was man dazu sagen soll… (3)

Abschliessend noch der 3. Vorweihnachtsfrust-Fall. Ebenfalls ein (noch) junger Kollege.

Die 16 jährige Patientin wurde zu uns überwiesen wegen Schmerzpersistenz nach Wurzelkanalbehandlung an Zahn 13.

Der Zahn 13 war trepaniert worden, weil die Patientin wegen starker Schmerzen im Oberkieferfrontzahnbereich den Hauszahnarzt aufgesucht hatte. Es wurde danach aber nicht besser, so dass der Behandler nach etwa 3 Wochen das Handtuch warf.

Eigentlich ein einfacher Zahn. Woher also die anhaltende Schmerzproblematik? Noch mysteriöser – der Zahn 13 war karies – und füllungsfrei. Eine Trauma als Schmerzursache konnte anamnestisch nicht verifiziert werden.

Der Zahn 11 hingegen.
Auf dem Zahnfilm bei Erstvorstellung bei uns am Rande zu sehen, käme wohl schon eher für als Schmerzauslöser in Frage. Zumindest – bevor Zahn 13 trepaniert wurde und keine Ruhe mehr gab.

Zustand nach Endo vor ein paar Jahren.
Zustand nach WSR vor ein paar Jahren.

Und mit einer apikalen Aufhellung.
Weshalb ich die Patientin nebst anwesender Mutter darauf hinwies, das möglicherweise man daran denken müsste, dass – meine Standardformulierung – Falls Schmerzen nach der Behandlung eines Zahnes über längere Zeit bleiben eventuell ein anderer Zahn oder eine andere Ursache für die Schmerzen verantwortlich zeichnen.

Es kam wie es kommen musste.
Schmerzfreiheit an Zahn 13 nach unserer Behandlung. Ein paar Tage später Anruf der Patientin. Wieder Schmerzen.

Wir behandeln den Zahn 11.
Danach alles gut.

Nachfolgend die Zahnfilme zu Fall. Das Abschlussbild ist 2 Monate nach Erstvorstellung.

3 Ratschläge zum Mitnehmen aus dem Fall:

  1. Betreibe eine gescheite klinische Diagnostik (Kältetest, Kloptest)
  2. Nutze den gesunden Menschenverstand (ein Zahn der äusserlich tadellos ist, ist eher unwahrscheinlich für eine starke Schmerzsymptomatik verantwortlich. Falls er das ist, dann wird Ihn eine gescheite klinische Diagnostik (Punkt 1) auffällig werden lassen.
  3. Wenn Du keinen Zahn als Schmerzauslöser sicher ausmachen kannst, vermeide wohlgemeinten Aktionismus. Besser erst mal keine Zahn behandeln als den falschen Zahn behandeln !


Praxistauglicher Kompromiss

von Jörg Schröder

Vergangenen Freitag hatte ich hier drei Fälle vorgestellt, bei denen die eigene Diagnostik Komplikationen zu Tage förderte, die in den Überweisungsformularen keine Erwähnung gefunden hatten.

In den nächsten Beiträgen möchte ich nun die Dokumentation der klinischen Behandlung einstellen.

Fall1: Zwei unerwartete Fragmente.

Nach der Auswertung des kleinvolumigen DVT der Regio 27 hatte ich der Patientin bereits gesagt, dass ich die Entfernung des jenseits der apikalen Krümmung gelegenen Fragmentes in MB für eher unwahrscheinlich erachte.

Das Fragment war kurz und nach der s-förmigen apikalen Krümmung verblieben. Ein Eingebolztsein war mehr als wahrscheinlich. Neben der Entfernung durch die schall- oder laseraktivierte Spüllösung, kam noch das Passieren des Fragmentes mittels vorgebogener Handinstrumente bzw. das Belassen des Fragmentes in Betracht. Forcierte Versuche kamen für mich nicht in Frage, da selbst beim Belassen des Fragmentes aufgrund der kurzen Strecke bis zum Foramen mit einer gewissen Desinfektion gerechnet werden kann, da die Spüllösung entlang der Schneidräume des Instrumentes vordringen könnte. Zudem besteht zusätzlich die Option der chirurgischen Intervention, falls sich in der Zukunft eine periapikale Pathologie an der mesialen Wurzel entwickeln sollte.

Das in DB befindliche Instrumentenfragment weist einen schmalen Querschnitt auf. Das weist auf eine Fraktur während der initialen Aufbereitungsphase hin. Von einer Desinfektion der weiter apikal gelegenen Kanalanteile kann – im Gegensatz zur Situation in MB – nicht ausgegangen werden. Zudem ist die apikale Strecke mit fast 3 Millimetern so lang, dass hier nennenswerte Anteile an Pulpagewebe verbleiben könnten.

Nach absoluter Trockenlegung – vielen Dank an dieser Stelle an Olaf Löffler für die Empfehlung der Klammer 27N, die bei trapezoidem Zahnquerschnitten eine sehr gute Retention gewährleistet – konnte die in den mesiale Defekt hinein proliferierte Gingiva verdrängt und der präendodontische Aufbau erstellt werden.

Um eine möglichst lange Einwirkzeit der Spüllösung zu gewährleisten wurde zunächst die Aufbereitung des palatinalen Kanalsystems durchgeführt. Anschliessend kam in MB und DB die ErYAG-Laser-unterstütze Irrigation von MB und DB zum Einsatz. Da das Fragment nicht herauszuspülen war, erfolgte der leider ebenso vergebliche Versuch das Fragment mittels vorgebogener Handinstrumente der Größe 008 zu passieren. Als auch dies nicht gelang wurde der Kanal bis zum instrumentierbaren Ende auf 40/06 erweitert und erneut ausgiebig schall- und laserunterstützt durchgespült.

Nach Erweiterung des Orifiziums des DB konnte kurz darauf das Fragment und die distal davon befindliche Stufe visualisiert werden. Das Fragment selbst war auf voller Länge eingebolzt und musste in zwei Teilen entfernt werden, da sich nach initialer Freilegung nur das obere Drittel löste. Erfreulicherweise konnte der Hartsubstanz auch trotz recht eingeschränkten Platzverhältnissen sehr gering gehalten werden.

Wichtig: die radiologische Kontrolle nachdem es nach visueller Inspektion als sehr wahrscheinlich zu erachten war, dass das Fragment vollständig geborgen werden konnte.

Mittels vorgebogenem Microopener wurde der Originalkanal Taktik erfasst und anschliessend im gekoppeltem Modus (zuerst manuelles Einführen der NiTi-Feile im trockenen Kanal, dann Fluten mit NaOCl und abschliessendes „Koppeln“ = „Überstülpen“ des Endomotors) aufbereitet.

Nach Abschluss der Obturation und adhäsivem Verschluss bleibt jetzt nur zu hoffen, dass die Desinfektionsbemühungen auch im MB trotz Belassen des Fragmentes von Erfolg gekrönt sein werden.

Erstberatung

von Jörg Schröder

Immer wieder suchen uns Patienten auf, bei denen die klinischen und/oder radiologischen Befunde sowie die anamnestisch zu erhebenden Behandlungsverläufe bei mir ein inneres Kopfschütteln verursachen.

Es hat einige Jahre gedauert, bis ich die meiner Meinung nach richtigen Worte finden konnte, um die jeweiligen Sachverhalte zu erläutern, ohne allzuviel Porzellan zu zerschlagen.  Ich möchte den Patienten den Status und die zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen nahebringen, ohne in berufsrechtliche Schwierigkeiten kommen zu können (Stichwort „gutachterliche Äusserung“). Zudem sind es teilweise Patienten, die von Ab-und-Zu-Überweisern überwiesen werden. Hier gilt es einen schmalen Grat zu wandeln. Ich werde nichts schön reden. Aber macht es Sinn, seine inneren Gedanken zu äussern? Wem nutzt es? Den Patienten? Ich glaube nicht. Mir? Mit Sicherheit nicht. Den Überweisern? Erst recht nicht. Hier können alle Beteiligten nur verlieren, wenn die Wortwahl nicht bedacht wird.

Im ersten Beispiel erfolgte nach einem Verkehrsunfall die implantologische Versorgung im Oberkieferfrontzahnbereich. Die Patientin würde ich als von den erfolgten zahnärztlichen Behandlungen stark traumatisiert bezeichnen. Bereits der Gedanke an eine Lokalanästhesie in diesem Bereich lässt die Tränen fliessen. Die Nachfragen der Patientin zeugen von einem in Mitleidenschaft gezogenem Vertrauen zu Zahnärzten allgemein. Warum wurde die Revision des deutlich insuffizient gefüllten und beherdeten Zahnes 21 nicht vor der implantologischen Versorgung durchgeführt? Die apikale Lyse zeigte sich ja bereits im vor der Implantation angefertigten DVT.

Was ist der Grund für die Resektion des 21 bei einer 22 jährigen Patientin die im Alter von 9 Jahren eine  endodontische Behandlung erhielt? Ist es hilfreich, diese Frage auch genauso gegenüber der Patientin zu stellen?

Das präoperative OPG zeigt eine tiefe Karies an 27. Das bei der Beratung erstellte Einzelbild dafür zwei Instrumentenfragmente von denen weder der Überweiser berichtete, noch die Patientin wusste.

Wie geht die werte Leserschaft mit diesen Dingen um?

Horizontale Wurzelfraktur – Recall nach zehn Jahren

Von Christoph Kaaden

Gut zehn Jahre ist es her, dass ich damals von diesem Fall mit Recall berichtet habe.

Im Herbst 2020 war die junge Frau wieder zur Nachkontrolle bei uns in der Praxis.

10 Jahres Recall – interessant finde ich die laterale Resorption an Zahn 11
Prä-OP vs. 10 Jahre post-op

S O machen Recalls Spaß

:-)))

Die „radiologische Zyste“ (4)

Im letzten Fall zu dem Thema haben wir eine merkwürdige Ausgangssituation.

Die Patientin wurde uns von einem Oralchirurgen überwiesen, mit der Bitte noch mal zu prüfen, ob der Zahn zu erhalten ist. Die Patientin wünscht den unbedingten Erhalt des Zahnes und lehnt eine Implantation ab.
Diagnose: Z.n. WKB, WSR und Zystektomie vor mehr als 3 Jahren

Befunde: kein Lockerungsgrad, keine erhöhten Sondierungstiefen, keinerlei  Narbenbildung nach WSR.
Es besteht kein Perkussionsschmerz lat/inz, kein Aufbisschmerz, nur ein ständiges Druckgefühl.

Wie passen das Ausgangsbild, die Anamnese und die klinischen Bilder und Befunde zusammen?

 

 

Ich weiss nicht, was man dazu sagen soll… (2)

Hier der zweite Fall.
Wurzelkanalbehandlung an Zahn 36 durch Hauszahnarzt, aber Schmerzpersistenz. Daher Überweisung zur WSR. Der MKG-Chirurg schickt zu uns, wir mögen uns bitte den Zahn vorab anschauen.

Hier die intraoralen Fotos, Zahnfilm und DVT-Schnitte. Indikation zur WSR ? Apikale Aufhellung? Fehlanzeige. Was also soll die WSR bringen ? Die Schmerzproblematik wird sie nicht ausschalten. Maximal das röntgenologische Erscheinungsbild der unvollständigen Wurzelkanalfüllung der beiden abgefüllten Kanäle maskieren. Nach der Extraktion wird es dann besser.

Zahnheilkunde 2020.

Bei der Revision fällt auf. Makroskopisch undichter Verschluss der Deckfüllung. Adhäsiver Verbund? Fehlanzeige. Was dieser breiige Matsch in der Kavität ist, den wir nach Entfernung der Kunststoff-Restauration vorfinden? Wir haben keine Ahnung. Dann massiv nekrotisches Pulpagewebe unter den Überhängen nach bukkal hin. Die bislang unbearbeiteten Kanäle lassen sich ohne Probleme instrumentieren, die vorhandene WF kinderleicht entfernen. Stufen in den bereits Kanälen – falls überhaupt vorhanden – unwesentlich. Also zumindest kein erkennbarer Grund, nicht bis nach apikal zu instrumentieren. Am nächsten Tag daher -wie erwartet- Schmerzfreiheit.

Was wäre, wenn …?

von Jörg Schröder

Diese Frage stellte ich mir insgeheim, als ich das vom Patienten mitgebrachte Röntgenbild betrachtet hatte.

Was wäre gewesen, wenn ich nach vielen Jahren der endodontischen Tätigkeit und entsprechenden Misserfolgen nicht darauf trainiert gewesen wäre, in jedem auf den ersten Blick simpel erscheinenden Zahn, das Versteckte zu vermuten? Doppelkonturen und die Veränderung der Weite des Kanalsystems im Verlauf von koronal nach apikal waren die ersten Hinweise auf eine apikale Aufgabelung in diesem 15.

Was wäre gewesen, wenn ich nach Darstellung der beiden Kanalorifizien, sofern mir dieses ohne Mikroskop gelungen wäre, auf den gemeinsamen Kanalverlauf im mittleren Drittel gestossen wäre, ohne von der apikalen Aufgabelung zu wissen?

Hätte ich mir zugetraut, auf Verdacht hin die koronalen Eingänge zu vereinigen um dann das mittlere Drittel so zu erweitern, dass ich mit vorgebogenen Instrumenten die apikale Aufgabelung könnte? Ehrlich: vermutlich nicht.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich ohne das Wissen der vorhandenen Anatomie einen der beiden apikalen Kanalanteile nicht instrumentieren könnte, erscheint mir sehr groß.

Doch wir schrieben zum Zeitpunkt der Behandlung das Ende des Jahres 2020 und so waren die Hürden klar durch Einsatz dreidimensionaler Diagnostik erkennbar und konnten mit einer gut strukturierten Planung reibungslos überwunden werden.


DAS Hilfsmittel hierbei das DVT. Nicht nur die Aufbereitung konnte vorhersagbar ausgeführt werden, auch die Erweiterung des mittleren Drittels wurde so gestaltet, dass es am Ende gelang, jedes der beiden Kanalsysteme mit einem einzelnen Guttaperchapoint zu beschicken.

Und hier wird der Vorteil des Zusammenwirkens von DVT, Mikroskop und etwas handwerklichem Geschick besonders deutlich. Denn selbst wenn es mit Glück und höchster Handwerkskunst gelungen wäre, beide apikalen Verläufe ohne Entfernung der Dentinbrücke bis zum mittleren Wurzeldrittel zu instrumentieren, wäre die Obturation beider Kanalsysteme bei gleichzeitig hartsubstanzschonender Präparation aufgrund der Länge der Verläufe nach der Aufgabelung als mehr als unwahrscheinlich anzusehen.

So konnte selbst die Reihenfolge des Einbringen der Guttaperchapoints vorab festgelegt werden, um Komplikationen bei diesem Arbeitsschritt zu vermeiden.

Interessant, wie verändert die verschiedenen Projektionen der Einzelbilder die tatsächliche Anatomie darstellen.