WURZELSPITZE Plus Meeting 28.09.2022 20 Uhr – Zahnmedizin in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – Die Essenz

Nachfolgend die Kernpunkte des WURZELSPITZE Plus Live Talks von Ende September, wie ich sie für mich mitgenommen habe.

Deutschland erlebt zum ersten Mal in 30 Jahren eine wirklich bedeutsame wirtschaftliche Krise. Aber – bei allen unangenehmen Preissteigerungen (Strom/Gas/Wirtschaftsgüter) dies wird für unsere Praxen nicht existenzbedrohend sein. Damit unterscheiden wir uns Gott sei Dank entscheidend von vielen anderen Wirtschaftsbereichen.

Das wirkliche Problem für unsere Praxen wird ein Patientennachfrage-Problem und ein Mitarbeiter-Problem werden. Stark steigende Preise führen zu einem Nachfrageverlust und Vermeidungsreaktionen. Nicht essentielle Ausgaben werden zurückgestellt oder ganz fallengelassen, günstigere Alternativen bevorzugt. Dies wird zweifellos auch Auswirkungen auf die Zahnmedizin haben.

Bei auf Wurzelkanalbehandlung spezialisierten Praxen wird möglicherweise das Patientennachfrage-Problem dadurch verschärft, dass beim Ausbleiben der Patienten in den Überweiserpraxen diese die Endo mangels Auftragssituation selbst machen und damit die Überweisungen ausbleiben oder zumindest zurückgehen werden.

Um dem entgegenzuwirken, sollte man proaktiv handeln.
Ich werde mir überlegen, wie ich den Dialog mit den Überweisern intensiviere.

Werbung, insbesondere in den sozialen Medien, scheint ein anderer möglicher Weg, der natürlich Zeit und Geld kostet, wie im Talk berichtet wurde. Eine der möglichen Gefahren ist, das dadurch (Gieskannenprinzip) Patienten in unsere Praxis kommen, die nicht unsere Zielgruppe sind, was unser Arbeiten, insbesondere im Hinblick auf Aufklärung und Information, die Behandlungen betreffend, ineffizient macht.

Ich habe für mich entschieden, diesen Weg nicht zu gehen.

Unsere Mitarbeiter werden von den Preissteigerungen ungleich härter getroffen als wir selbst. Wenn wir hier nicht grosszügig gegensteuern, laufen wir Gefahr, Mitarbeiter zu verlieren. Der Mitarbeiter-Mangel ist – bis auf wenige Ausnahmen – überall in Deutschland, sei es in den Metropolen wie auch auf dem flachen Land – angekommen. Corona hat diese Situation in den letzten 2 Jahren noch verschärft. In Zeiten der Geldknappheit wird dem Gehaltsniveau eine bedeutsamere Rolle als bisher zukommen. Auch bislang der Praxis loyal verbundene Mitarbeiter könnten einen Wechsel in Erwägung ziehen, wenn die finanzielle Komponente attraktiv genug erscheint.

Ein Mangel erzeugt immer auch Gegenregulations-Prozesse.
Analog zum Immoblienmakler erscheint der „Mitarbeiter- Makler“ als neue lukrative Geschäftsform. Dies führt, wie im Talk berichtet wurde, sogar schon dazu, das in den Praxen angerufen wird, um Mitarbeiter via Telefon abzuwerben.

Podcasts mit zahnmedizinischem Inhalt sind eine leicht konsumierbare und kostenlose Möglichkeit der dentalen Weiterbildung. Eine Liste mit interessanten Podcasts wurde von Guido Vorwerk in den Kommentaren eingestellt.

Engagement in Sozial Media (Tik Tok, Instagram) scheint weder kurz- noch mittelfristig wirklich neue Mitabeiter generieren zu können. Es ist aber praxisintern ein interessantes Mittel zur Teambildung, insbesondere bei den jüngeren Mitarbeitern und unter diesem Aspekt eine lohnende Investition.

BTW Am 14. Dezember findet der letzte WURZELSPITZE Plus LIVE TALK für dieses Jahr statt. Themenvorschläge schon mal hier in die Kommentare schreiben !

DGET-Jahrestagung in Köln … und ein Treffen ?

Kölner Dom, vom Zug aus betrachtet

Eine Idee, ein Vorschlag von Till Switek.
Wer teilnehmen möchte am Freitagabend der Jahrestagung, der antworte via Kommentarfunktion.

Till schreibt:

Liebe Wurzelspitzler,

da die DGET Jahrestagung dieses Jahr für mich ein Heimspiel wird, dachte ich daran, dass wir uns vielleicht einen Abend persönlich kennenlernen oder einfach abseits des Kongresses eine gute Zeit miteinander haben könnten. Das Treffen würde am 25.11. abends in einem Restaurant stattfinden.

Wenn Ihr Lust drauf habt, schreibt es bis 23.10.2022 jn die Kommentare oder sendet mir eine E-Mail an: till.switek@die3zahnaerzte.com . Ich würde mich sehr freuen, wenn sich ein paar Kanalinteressierte finden würden.

Viele Grüße aus Köln,

Till

Blick über die Landesgrenze, dem Polarkreis entgegen

Zahnschmerzen im Urlaub.
Der Klassiker.

Gut, wenn man einen Zahnarzt findet, der hilft. Der Zahn ist zierlich trepaniert, die Kanäle uninstrumentiert, medikamentöse Einlage, ZNO – Verschluss. Prima.
Zurück und schmerzfrei präsentiert uns die überwiesene Patientin einen IKEA ähnlichen Kassenbeleg des schwedischen Behandlers.

Der Wechselkurs schwedische Kronen in Euro am 12.10.2022 ?

3700 Schwedische Kronen sind 335,77 Euro.

Die Position 103 ist im Übrigen Akutuntersuchung, durchgeführt vom Zahnarzt, der Rest vermutlich selbsterklärend

Ich hab mal überschlagen, was in Deutschland beim Privat- Patienten auf der Rechnung stünde. 91 Euro und ein paar Cent. Und beim Kassenpatienten ? Rund 86 Euro.

Mal wieder zwei Recall-Fälle von letzter Woche aus der Sendereihe „Wundersamer Knochengewinn“

Ist es nicht schön, zu sehen, wie der menschliche Körper sich selbst heilt, wenn man ihm nur die Gelegenheit gibt.
Hier zwei Fälle, letzte Woche Donnerstag und Freitag:

Fall 1

62 Jährige Patientin, Zahn 47 macht seit ca 2 Jahren immer wieder Beschwerden, zuletzt Fistelbildung

Fall 2

69 jähriger Patient, Überweisung durch Hauszahnarzt, er kommt mesial in den Kanälen nicht weiter und findet den distalen Kanal nicht.

Wir benötigen 60 Minuten zur Überwindung der extremen iatrogenen Stufen mesial und um Patency distal herzustellen. Ein brutal schwieriger Fall, der aber im Zusammenspiel des Teams wunderbar gelingt, dass es uns allen und insbesondere mir eine grosse Freude ist. Der Hauszahnarzt, Erstüberweiser, der die Behandlung live mitverfolgt, kommentiert am Ende mit den Worten: „So hätte er es auch gemacht…eigentlich ja ein einfacher Fall, von der Verblockung jetzt mal abgesehen“.

Ich belasse, wie eigentlich immer bei solch grossen Knochendefekten das Calciumhydroxid16 Wochen in situ. Zur WF stellt sich die Knochensituation schon deutlich besser dar als zu Beginn, was mich für den weiteren Heilungsverlauf zuversichtlich stimmt.

Neuer Kofferdam

Ich verwende den Hygenic Kofferdam von Coltene.
Und nur den Hygenic Kofferdam von Coltene (Ausnahme Latex- Allergien).

Bald schon 30 Jahre lang.
Grün (extra heavy) für die Endo und weiss (medium) für die Composite-Restaurationen).

Dann kam Corona.
Und damit Lieferengpässe ungeahnten Ausmasses.

Hygenic Kofferdam bestellen?
Fehlanzeige.

Ich war gezwungen, mich nach Alternativen umzusehen.

Und bin via Wawibox fündig geworden bei diesem Produkt.


Was soll ich sagen.
In kürzester Zeit hat sich dieser „Lückenbüsser“-Kofferdam von Medesy bei uns etabliert.
Er ist flexibel, aber trotzdem reissfest. Und empfiehlt sich vor allem für die Fälle, in denen nur eine geringe Retentionsmöglichekit für die Kofferdam-Klammer vorhanden ist.
Weil seine Flexibilität verhindert, dass die Kofferdamklammer sich vom Zahn áblöst.
Ich verwende die blaue Variante, so ist die Unterscheidbarkeit im Praxisalltag auf den ersten Blick gewährleistet.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen bzw. die Art der Zuwendung explizit benennen..

Eigentlich war doch Alles in trockenen Tüchern…

Ganz ehrlich.
Niemals hätte ich damit gerechnet.
Alles sah doch so gut aus.

Aber auch das ist Zahnmedizin.

Unfalltrauma 2016.
Intrusion Zahn 11.

Der Patient, kam damals, 1 Tag nach seinem 10. Geburtstag – aber einige Zeit erst nach dem Unfall  – zu uns.

Bis September 2021 (letzter Recall)  trotz schon zu Beginn vorhandener Resorptionszeichen eigentlich sehr guter Verlauf.

Jetzt stellte sich der Patient (mittlerweile 16, 5 Jahre alt ) wieder bei uns vor. 

Keine Beschwerden, aber ein „Bläschen“ an der Gingiva in Regio Zahn 11 vestibulär, welcher sich in letzter Zeit zunehmend dunkler präsentierte.

Und dann – das frustrane Kontrollröntgenbild zeigt eine massive Resorption innerhalb eines Jahres.

WURZELSPITZE Plus Live Talk 3 2022 Mittwoch 28.09.2022 20 Uhr: Crisis ? What Crisis ?

Crisis ? What Crisis ?

War 1975 der Titel des 4. Albums der englischen Band „Supertramp“.
Und – um es vorwegzunehmen, nach dem Erfolg ihres legendären 3. Albums „Crime of the Century“ ein ebenso unerwarteter wie kapitaler Flop.
Finanziell, aber noch mehr musikalisch.

Damit es uns nicht genauso geht, wollen wir im nächsten WURZELSPITZE Plus Live Talk am Mittwoch 28.09.2022 20 Uhr über die Krise sprechen, die uns erwartet. Beziehungsweise, was wir tun müssen, damit uns diese nicht ereilt. Denn eins ist sicher. Die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die gegenwärtig vorherrschen, sind problematischer als zu Supertramps Frühphase vor fast 50 Jahren. Zu Zeiten der ersten Ölkrise.
1973.

Was also tun ?
Müssen wir überhaupt was tun ?

Bisher (damit meine ich in den bald 33 Jahren meines Berufslebens) habe ich die These vertreten, das unsere Praxis aus jeder Krise, die unseren Berufstand vermeintlich ereilen würde, gestärkt hervorgehen wird. Und dem war auch so.
Die Krise als Chance.

Diesmal wird es anders werden, davon bin ich überzeugt. Auch wenn im Moment die Bestellbücher noch prall gefüllt sind. Daher gilt es sich zu wappnen. Statt kalt erwischt zu werden von den Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit.

Aufhänger und Einstieg in die Diskussion ist, wie schon beim letzten Mal angekündigt, das Buch: A Philosophy of the Practice of Dentistry von Lindsey D. Pankey. Eines meiner zahnmedizinischen Lieblingsbücher. Ein amerikanischer Zahnarzt, der inmitten der grossen amerikanischen Repression der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts sich niederliess mit der Ansage, seinen Patienten keine Zähne mehr zu ziehen. In einer Zeit, in der Extraktion und Vollprothese das Maß der Dinge in der Zahnmedizin war.

Ein Spinner.
Eine Erfolgsgeschichte.
Ein Mutmacherbuch.

Und dann möchte ich in die Runde hinein fragen nächsten Mittwoch:

Was muss ich tun, um für die drohende Krise gut aufgestellt zu sein ?
Muss ich überhaupt was tun ?
Sehe ich überhaupt Probleme auf uns zukommen oder wird alles dann doch nicht so heiss gegessen wie gekocht ?
Wie sehe ich in die Zukunft? Negativ ? Grösstes Problem im Übrigen IMHO der Mitarbeitermangel. Oder doch gedämpft optimistisch ? Rosarot gut ?

Ich freue auf den Live Talk. Und auf ein Stimmungsbild in einer Diskussionsgruppe von engagierten KollegInnen, die in den letzten Jahren so weit zusammengewachsen sind, dass der mittwochabendliche Erfahrungsaustausch über das rein Fachliche hinaus ebenso motivierend wie hilfreich sich präsentiert. Es wird uns allen gut tun, da bin ich jetzt schon sicher.

Zurück von der ESE

Ich bin zurück aus Budapest.
Und für alle Daheimgebliebenen, in diesem Jahr deutlich mehr als sonst, möchte ich die im Raum stehende Frage beantworten: „Wie war ´s?“

Nun, es gab gute Vorträge von unbekannten Rednern und schlechte Vorträge von bekannten Rednern, exzellente Vorträge von exzellenten Rednern, aber leider gab es aber auch unterirdisch schlechte Vorträge von sehr bekannten Rednern, was einen immer sehr nachdenklich werden lässt.

Mein Highlight?
Was werde ich mitnehmen für mein zukünftiges Arbeiten? Ab jetzt anders machen ?

Von Marco Versiani (wie immer wunderbare MicroCT s) habe ich mitgenommen, zur Schonung von Wurzeldentin bei der Präparation von Kanälen 3wurzliger Prämolaren gering getaperte bzw. in ihrem koronalen Schneidenanteil durchmesserreduzierte Instrumente zum Einsatz zu bringen. Dies gilt vor allem auch für middle medial Kanäle von Unterkiefermolaren. Manchmal wird es dort an dieser Stelle wirklich extrem schmal, da kann man nicht mehr viel wegnehmen. Wie gut, das die neuen ProTaper Ultimate in dieser Hinsicht gegenüber den reziproken WaveOne Gold eine Verbesserung darstellen. Adieu Reciproc R25 ? Man wird sehen…

Noch etwas Nachdenkliches aus dem Vortrag: Marco Versiani sprach von „Iatrogener Pandemie“. Was ist das????

Als Antwort zeigte er eine Folie, auf der rund 20 furchtbare endodontischen Behandlungen zu sehen waren.

„Jede Kollegin, jeder Kollege hat heute durch das Internet, durch YouTube alle Möglichkeiten der KOSTENLOSEN Weiterbildung auf HÖCHSTEM Niveau. Es ist eine Schande für unsere Profession, wenn heute noch solche Behandlungsergebnisse produziert werden!!!“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Was hat mich erstaunt?
Das 12 Jahre nach Markteinführung die Diskussion um die reziproke Aufbereitung immer noch sehr emotional geführt wird. Man fühlt sich an alte Zeiten erinnert, als bis aufs Messer der Kampf um warme oder kalte Fülltechniken oder die Frage des Endpunktes der Aufbereitung (apikal barbarian vs. pulp lovers) geführt wurde.

ESE ist immer wie ein Klassentreffen und es ist schön, wenn man sich mit Bekannten und Freunden austauschen kann. Hier wird kein virtuelles Treffen jemals die Intensität des persönlichen Gesprächs erreichen können.

Was war auffällig?
Der Ukrainekrieg ist kein lokales, auf Europa begrenztes Phänomen.
Das der Kollege aus Portugal mit großer Sorge auf den kommenden Winter schaut, ist nachvollziehbar, aber wenn ein Kollege aus Guatemala, den ich seit vielen Jahren kenne, berichtet, dass sich viele Bewohner seines Landes das Gas schon jetzt nicht mehr leisten können, dann verwundert das doch sehr. „Aber ihr bekommt eurer Gas doch aus Venezuela“, frage ich, „das ist doch mit das billigste Gas in der Welt für Euch!“ Das stimmt, aber Venezuela verkauft nun für teuer Geld sein Gas nach Europa und das macht es dann für uns unerschwinglich.“

Auch der Mitarbeitermangel und die geänderte Einstellung der jungen Generation zum Beruf und seiner Ausübung, sprich die Arbeitsmoral, ist in Europa ein großes Problem, nicht nur wir in Deutschland sind davon betroffen. Die einhellige Meinung aller Befragten – das ist bereits jetzt sehr problematisch und wird nicht besser werden …

Und – am schlimmsten – so viele in der EU tätige KollegInnen, die ich getroffen habe (in meinem Alter oder auch schon einige (etliche???) Jahre jünger), haben keine Lust mehr und würden lieber heute als morgen aufhören. Es ist nie die Zahnmedizin. Die macht jedem der auf hohem Niveau arbeitenden Endodontisten Spaß, es sind immer die Begleitumstände. Regularien und Vorschriften, Stress mit Patienten, Mitarbeitern und Versicherungen, sowie die mangelnde Anerkennung, finanziell wie ideell, lassen Viele den Ruhestand herbeisehnen. In dieser Zahl und Vehemenz habe ich diese Frustration noch nie erlebt, zumal die Gruppe der ESE- Dentisten eine dem Metier mit Leidenschaft verbundene, per se daher besonders resiliente dentale Teilgruppe darstellt.
Eigentlich habe ich das so noch nie erlebt.
Irgendwas muss gekippt sein in den letzten Jahren. Und machen wir uns nichts vor, COVID war nur der Brandbeschleuniger, der akzelerierende Faktor, die Glut schwelte ganz offensichtlich schon länger.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Das „Recall-Tag“-Experiment

Spricht man mit Kollegen in auf Endodontie spezialisierter Praxis über Recalls, stellt sich schnell heraus, dass diese einen unbeliebten Teilbereich der Praxistätigkeit repräsentieren. Die meisten auf Endodontie spezialisierten Kollegen sehen in den Recalls unterbezahlte Zeitfresser, die es, wenn irgend möglich, zu vermeiden gilt.

Hinzu kommt, das im Gegensatz zur normalen zahnärztlichen Tätigkeit, welche Recalls gewissermaßen „en passant“ , im Vorübergehen, im Rahmen der normalen Behandlung einzubinden erlaubt, in der Endo-Praxis ein gesonderter Termin mit entsprechendem Zeitbedarf dafür vereinbart werden muss. Und im Laufe der Zeit mit der Zunahme an absolvierten Wurzelkanalbehandlungen die Anzahl der Recalls sich immer weiter vergrößert und so einen nicht unbeträchtlichen Teil des Arbeitsalltags einzunehmen droht.

Kommt man also irgendwann vor lauter schlecht bezahlter Recalls gar nicht mehr dazu, adäquat endodontisch zu behandeln ?

Natürlich ist eine möglichst umfassende Nachverfolgung des eigenen Behandlungserfolges eine wichtige und wertvolle Rückmeldung, die der Qualitätssicherung und Reflexion des eigenen dentalen Handelns dient. Aber beim Geld hören bekanntlich oft Freundschaft und wissenschaftliches Interesse auf. So gesehen ist es nachvollziehbar, dass versucht wird, den Anteil an Recalls so gering wie möglich zu halten und eine (nicht repräsentative) Umfrage unter auf Wurzelkanalbehandlung spezialisierten Kollegen bestätigt eine solche Vorgehensweise.

Für meine Praxis sehe ich die Situation anders.

Wir machen Recalls nach 6, weiteren 12, weiteren 24 und schlussendlich weiteren 48 Monaten.Warum tun wir das? Hier spielt die Lage der Praxis eine nicht unbeträchtliche Rolle, denn es gibt sicher ein Gefälle, die Überweisermentalität betreffend, vergleicht man die Situation in Metropolen mit der Situation im 45000 Einwohner umfassenden Bad Kreuznach am Rande des Rhein-Main-Gebietes.

Daher ist jeder Recallbrief eine Erinnerung an den Überweiser im Sinne eines „Hallo, uns gibt es noch und schau mal, was wir Schönes für dich getan haben!“

Und – wir bleiben beim Patienten im Gedächtnis. Können ihm ebenso wie dem Überweiser zeigen, das wird es geschafft haben, seinen Zahn zu retten, seine apikale Aufhellung zum Ausheilen zu bringen. Würde der Überweiser Zeit damit verbringen, dem Patienten gegenüber unsere Arbeit gebührend darzustellen, unseren Erfolg ausführlich zu würdigen, zum Beispiel in der Gegenüberstellung der Vorher-Nachher-Bilder?

Machen wir uns nichts vor, das wäre zu viel verlangt.

Es liegt also an uns, dies dem Patienten zu vermitteln und damit einen Werbepartner zu kreieren, der uns im Familien- und Bekanntenkreis weiterempfiehlt und im Falle eines zukünftig ihn ereilenden endodontischen Problems nicht zögert, uns aufzusuchen bzw. beim Hauszahnarzt auf einer Überweisung zu bestehen.

Diese Gemengelage berücksichtigend gibt es zwei mögliche Vorgehensweisen:

Zum einen, die notwendigen Recalls, so sie anfallen, ungeachtet ihrer Unwirtschaftlichkeit durchzuführen, und auf die positiven Effekte bei Überweiser und Patient zu hoffen.

Der Recall als Werbung für die Praxis.

Defizitär, aber nützlich.

Ich habe dies all die Jahre getan und bin nachwievor der Meinung, das die Vorteile die Nachteile überkompensieren. Nichtsdestotrotz haben die Entwicklungen, die COVID, die damit einhergehende Mangelwirtschaft und zuletzt der Ukraine-Krieg mit sich brachten, mich dazu bewogen, einen neuen Weg einzuschlagen. Darüber möchte ich im nächsten Beitrag berichten, will jedoch zunächst an dieser Stelle ein Meinungsbild einholen.

Wie sieht der geschätzte Leser die Recall- Problematik?

Notwendiges Übel, unter allen Umständen zu vermeidende Lästigkeit, wertvolles Praxistool oder gar ganz etwas anderes?

Fährt überhaupt irgendjemand nach Budapest ? Und – die Auflösung des Rätsels von letzter Woche

Fährt überhaupt irgendjemand zur ESE – Tagung nach Budapest?

Ich kenne bislang nur 5 Leute, die hinfahren.
Aber gefühlt 50, die es nicht tun werden. Und auch von WURZELSPITZE bin ich – ein Novum – der einzige, der dieses Jahr teilnehmen wird. Mal sehen, wieviele Leute überhaupt dort auflaufen werden, was mich zur Frage bringt, wer von den hier Mitlesenden macht sich denn auf den Weg in die ungarische Hauptstadt ?

Und wie sieht es aus mit dem anvisierten Treffen Mittwoch abend ?
Ich freu mich über jeden, der den Weg zu uns findet und wenn es ein Treffen in kleinem Kreise wird, dann ist das auch schön. Wer möchte dazukommen ? Mein Flieger soll um 18:10 Uhr landen, realistisch wäre dann 20 Uhr als Uhrzeit des Treffens. Eine Möglichkeit des Treffpunktes wäre das Come Together der ESE im Bereich der Stände der Aussteller, allerdings auf dem Messegelände und daher nicht ganz zentral. . Die andere Möglichkeit – Achtung Update so machen wir es – wir treffen uns in der Hotellobby des Courtyard Marriott. Offizielle Adresse

Courtyard Marriott Budapest City Center

Jozsef krt. 5
Budapest, H-1088 Ungarn

Von dort aus können wir dann gegebenenfalls weiterziehen.

„And now to something totally different!“, um Monty Python zu zitieren.
Wer in Budapest dabei ist, der hat vermutlich noch einmal die Möglichkeit, bei VDW am Stand vorbeizuschauen. Was uns zum Rätsel von letzter Woche bringt.

Beim aufmerksamen Studium des Flyer der DGET – Jahrestagung könnte es aufgefallen sein – Nils Widera ist es zumindest nicht verborgen geblieben – die Firma VDW ist im Ausstellerverzeichnis nicht mehr gelistet. Und im Verzeichnis der kommenden IDS im nächsten Jahr ist VDW bislang ebenfalls nicht aufgeführt. Kann es sein, dass VDW als eigenständige Marke aufhört, zu existieren und nur noch als Submarke unter dem Dach von Dentsply Sirona fortgeführt wird ? Das wäre IMHO eine bedauerliche Entwicklung. Man stelle sich vor, Volkswagen würde die Marke AUDI auflösen und die Autos nur noch als Volkswagen A8 oder Volkswagen Q5 in den Markt bringen, einen Lamborghini oder Bentley als Volkswagen Urus oder Volkswagen Continental GT verkaufen. Sicher ändert es nichts an der Qualität eines Autos an sich, wenn es unter einem Profannamen auf deutschen Strassen bewegt wird, aber ich bin dennoch skeptisch, ob es eine gute Entscheidung ist, den weltweit bekannten renommierten Markennamen einer über 100 Jahre alten Traditionsfirma einfach aufzugeben.

Koinzidenz der Ereignisse ?
Beim Masterstudiengang Endodontie der Uni Düsseldorf zeigte eine Umfrage, das von den mehr als 25 Teilnehmern nur noch einer mit VDW Rotate arbeitet. Man erinnere sich – M2, das Vorgängersystem war mal das meistverkaufte NiTi System in Deutschland. Und auch VDW Reciproc ist nicht mehr die Nummer 1, WaveOne Gold hat ihm (zumindest in dieser Behandlergruppe) den Rang abgelaufen.

Wir werden sehen, wie sich Alles weiterentwickelt.
Es bleibt zumindest spannend.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Was lange währt, wird dann doch noch gut…

Die 35 jährige Patientin suchte im August 2020 auf Überweisung des Hauszahnarztes mit starker Schmerzproblematik unsere Praxis aus. Der Zahn 46 mit deutlicher apikaler und interradikulärer Aufhellung war zuvor in mehreren Behandlungssitzungen endodontisch behandelt worden, es ergab sich aber keine Besserung der Schmerzproblematik.

19.08.2020

Zunächst erscheint der Zahn auf Grund seines restaurativen Status fraglich.
Wir exkavieren, gingivektomieren, bauen den Zahn auf und führen im Anschluss die Wurzelkanalbehandlung durch.

Die Schmerzproblematik verschwindet und kehrt auch nicht wieder.

In nächster Sitzung wird zum Behandungsabschluss eine Calciumhydroxid-Einlage appliziert. Die nicht intentionelle periapikale Überpressung der medikamentösen Einlage sorgt in der Regel für eine rasche knöcherene Konsolidierung, weshalb ich optimistisch auf die anvisierte Röntgenverlaufskontrolle nach 12 Wochen schaue.

25.08.2020

Die Patientin erscheint allerdings schon 4 Wochen später in der Praxis.
Der Zahn 46 macht Beschwerden. Nach Entfernung der medikamentösen Einlage und intensiver laserakktivierter Spülung präsentiert sich der Zahn unauffällig, weshalb erneut Calciumhydroxid appliziert wird.

Dann das frustrane Resultat in der ersten Nachkontrolle.
Die apikale Knochendestruktion ist größer geworden, in der Regel ein sichereres Indiz dafür, dass der Zahn nicht erhaltungsfähig ist. Die Verdachtsdiagnose vertikale Wurzelfraktur steht im Raum. Weitere 4 Monate später.

Erst nach rund 6 Monaten scheint sich zum ersten Mal eine Besserung im Röntgenbild abzuzeichnen, wenn auch nicht eindeutig, jedoch ein Trend, der sich in den nachfolgenden Aufnahmen jeweils 6 Monate später tendenziell eindeutig fortsetzt. Am 28.02.2021 wird mit der Wurzelkanalfüllung die eigentliche Wurzelkanalbehandlung zum Abschluss gebracht.

Am 25 August 2022, exakt 2 Jahre auf den Tag genau als sich die Patientin bei uns zum ersten Mal vorstellte, können wir vermelden: Vollkommene Ausheilung!

25.08.2022 Vollständige knöcherne Konsolidierung

Und die Moral von der Geschicht ? „Nie aufgeben!“ oder „Manchmal dauern Wunder etwas länger !“

Suchbild des Tages

Die Suchfrage des Tages, entnommen dem Programmheft der 11. DEGT Jahrestagung, die vom 24 -26. November 2022 in Köln stattfindet und auf die ich an dieser Stelle hinweisen möchte.

Was fällt hier auf ?
Kleiner Tipp, es geht nicht um Schreibfehler.

Und wer seine Antwort absichern will, der schaut zum Quercheck hier hinein.

Spätestens jetzt dürfte es ganz einfach sein…


Antworten in die Kommentare, der schnellste Schreiber/dies schnellste Schreiberin mit der richtigen Antwort ist unser WURZELSPITZE Held des Monats August 22!

Und gleich noch ein längerer Recall-Befund hinterher…

Recall.
Ein interessantes, weil kontrovers diskutiertes Thema.
Hier ein Fall von Freitag. Behandlungsbeginn war am 20.05.2014.


Zahn 25, größere apikale Aufhellung. Erfolgloser Trepanationsversuch durch den Vorbehandler. Machen wir uns nichts vor, dieser Zahn wäre nun vermutlich in 98 Prozent der Fälle gleich gezogen worden. Die Patientin möchte, genau wie wir, alles tun, um den Zahn im Mund zu halten. Die Röntgenkontrolle nach MED offenbart eine massive nicht intentionelle Überpressung von Calciumhydroxid.

Wie schön, wenn auch in diesem Beispiel, wie gewohnt, die Resorptionsfähigkeit der periapikal gelegenen medikamentösen Einlage im Laufe der Zeit eindruckvoll unter Beweis gestellt wird.

Kind 9 Jahre, Toxaviteinlage, Cavitverschluss

Wir sind zurück aus dem Urlaub.
Hier noch zur Vervollständigung das Röntgenbild zum Fall des 8 jährigen Mädchens, mit dessen Vorstellung wir uns in die Ferien verabschiedet haben.
Das Mädchen stellt sich mit starker Schmerzproblematik am Tag der Toxavit- Einlage bei uns vor.

Das Röntgenbild wurde ca. 3 Wochen vor Toxavit- Einlage bei der Erstuntersuchung der Patientin in unserer Praxis vorgenommen. Es zeigt den zeitweilig beschwerdebehafteten Zahn 46 als Zustand nach neuer pulpanaher Komposit-Füllung. Der Vater des Mädchens hatte nach der Besprechung um Bedenkzeit gebeten, er wolle den Sachverhalt (Zahn 46 sollte wurzelkanalbehandelt werden) mit der Mutter des Mädchens besprechen.

Auffällig bei der klinischen Untersuchung war die weissliche Färbung der Gingiva distal von Zahn 46, wie sie als Phänomen gingivaler Minderdurchblutung in der Zahnmedizin zum Beispiel nach Anästhesie mit adrenalinhaltigem Anästhetikum hinreichend bekannt ist.

Die Frage an die geneigte Leserschaft: Was tun ?

Ein echter Schmerzpatient…Teil 2

Erinnern Sie sich noch an diesen Fall vor ein paar Wochen ?
Die Schmerzpatientin mit Zahn 36 kam im Jahr 2012 in unsere Praxis. Der Zahn war Zustand nach WF alio loco vor ca. einem halben Jahr. Schmerzen, apikale Aufhellungen, Instrumentenfragment. Und ein Happy End. Der Zahn konnte gerettet werden und wurde von uns 6 Jahre lang nachverfolgt. 2019 haben wir die Patientin zum letzten Mal gesehen.

Alles gut.

Dann – vor kurzem – die wortkarge Mail eines Kollegen (m/w/d), die Praxis 70 km entfernt, man möge bitte ALLE Röntgenbilder und DIE GESAMTE Krankengeschichte zusenden.

Was war los ?
War die heute 31 jährige Patientin umgezogen ?
Hatte Sie Beschwerden, unseren Zahn betreffend ?

Da mir der Fall besonders am Herzen lag …

(es war in der Anfangsphase des DVT´s in eigener Praxis und es war der erste Fall, bei dem wir zur Verlaufskontrolle ein DVT angefertigt hatten, ausserdem musste die Kontrolle bereits 3,5 Monate post WF-Revision durchgeführt werden)

…war ich versucht, mit der Patientin Kontakt aufzunehmen.

Aber noch bevor ich das tun konnte, saß sie zur Besprechung bei uns in der Praxis.
Oder sollte ich besser sagen zur Zweitmeinung ?

Die Patientin berichtete über ein seit einiger Zeit vorhandenes „komisches Gefühl“, den Zahn 36 betreffend. Und ihre Mutter hatte ihr empfohlen, besagten Zahnarzt mit ganzheitlichem Behandlungsansatz aufzusuchen. Der für die Entfernung des Zahnes und den Ersatz durch ein Keramikimplantat plädierte. Seine Argumentation ? „Der Körper gebe ihr doch klar zu verstehen, dass mit dem wurzelkanalbehandelten Zahn etwas nicht in Ordnung sei und die Patientin den Zahn loswerden wolle.“

Die klinische Untersuchung, Zahn 36 betreffend, verlief unauffällig. Der Zahn ist einwandfrei belastbar, Klopftest negativ, die Gingiva einwandfrei, Taschentiefen von 1 – 2 mm. Und das (zweidimensionale) Röntgenbild – unauffällig.

Trotzdem war der Patientin nicht wohl mit diesen Befunden.
Fast klang es so, als wäre ihr insgeheim lieber gewesen, auch ich hätte für die Extraktion gestimmt. Ich fragte nach und es stellte sich heraus, dass bei der Patientin eine Vorstufe einer Krebserkrankung festgestellt worden war und der Zahnarzt habe den wurzelbehandelten Zahn als Ursache nicht ausgeschlossen.

Eine Krebserkrankung und sei es auch nur eine Vorstufe davon ist als medizinischer Befund sicherlich für viele wenn nicht sogar für jeden Patienten eine Ausnahmesituation.

Was wiegt schwerer ?
Ein Zahn oder ein Leben?
Sollte man nicht doch in einem solchen Fall die Indikation zur Extraktion weiter fassen, selbst wenn der Zahn sich klinisch unauffällig präsentiert ?

Zahn 46, Kind ist 8 Jahre alt

Ich verabschiede mich mit einem Fall zum Nachdenken in die (für mich beitragsfreien) Sommerferien. Allen Wurzelspitze-Lesern eine schöne Urlaubszeit. Anbei die Behandlungsinfo, welche das Kind zu uns in die Praxis mitbrachte.

Die Mutter aller Perforationen 2022 Edition (II)

Weil in einem solchen Fall ein Video mehr sagt als viele Fotos hier in bewegten Bildern das DVT und die klinische Situation, wie Sie sich uns zu Behandlungsbeginn darstellte:

Meine Vorgehensweise in solchen Fällen ist es, in der ersten Behandlungssitzung die Perforation zu decken und die Wurzelkanäle darzustellen und bis zum Apex zu erschliessen.

Dies war uns leider nicht möglich, weil allein die Suche und Darstellung des palatinalen Wurzelkanals eine Stunde in Anspruch nahm.

Der Kanal war unter der Keramikrestauration mit extrem harter Keramikmasse verdeckt. Ein Abnehmen des Restauration war de facto nicht möglich, weil damit der Zahnerhalt hinfällig geworden wäre. Es macht sicherlich keinen Sinn, einen Zahn mit einer solchen infausten Prognose zeitnah mit einem neuen Zahnersatz zu versorgen. Vielmehr muss der mittelfristige Zahnerhalt erst sicher bewiesen sein, bevor man daran gehen kann, über eine neue ZE-Restauration nachzudenken. Für diesen Zeitraum, der mit 2 Jahren nicht zu gering angesetzt ist, soll und muss die vorhandene Krone noch ihren Dienst tun.

Es blieb mir also nur der steinige und langwierige Weg, halbmillimeterweise mich mehr als einen Zentimeter tief nach unten vorzutasten…

Die Mutter aller Perforationen 2022 Edition

Vor kurzem erreichte mich eine Mail einer Patientin, die wir Anfangs 2015 mit der „Mutter alle Perforationen“, ihren Zahn 16 betreffend, behandelt hatten. Die Patientin, gebürtige Amerikanerin, lebt mittlerweile wieder in den USA und ihr Zahn, den wir zuletzt 2020 im Recall betrachten konnten, ist immer noch vollkommen problemlos in situ.

Das freut uns.
Hier ein ähnlicher Fall von diesem Monat.
Was im Foto wie ein gut abgehangenes blutiges Steak erscheint, ist in Wirklichkeit eine riesige Pulpakammerbodenperforation. So gross, dass diese sich nicht einmal vollständig im Foto einfangen lässt.

Extraktionswürdig ?
Definitiv.
Erhaltungsfähig?
Weiss keiner.

Sollte man es wagen?
Wie ist die Alternative für die 82 jährige Patientin? Der Zahn hat Lockerungsgrad Null. Die Patientin wünscht den unbedingten Zahnerhalt. Und unter diesen Voraussetzungen, was gibt es zu verlieren ? Kann man durch den endodontischen Versuch des Zahnerhaltes der Patientin überhaupt noch mehr schaden, als ihr bereits widerfahren ist ?

Ich hab´s gewagt…

Der fordernde Patient (4)

So war bisher (I, II, III).

Wir vereinbaren den nächsten Termin. Ich stehe bei der Terminvergabe neben der Patientin.

„Vielleicht wäre es möglich, beim nächsten Termin nach hinten hin ein wenig Luft in ihrem Terminkalender zu lassen. Eine Behandlung am lebendigen Objekt lässt sich nämlich nur sehr schwierig bis unmöglich auf einen auf die Minute festgelegten Zeitrahmen eingrenzen.“ Sage ich.

„ICH HABE DEN TERMIN HEUTE JA NUR GENOMMEN, WEIL SIE MIR KEINEN ANDEREN TERMIN ANBIETEN KONNTEN!“ Sagt die Patientin. Energisch sagt sie das. Laut.

„Wir hätten Ihnen schon einen anderen Termin anbieten können, aber dann hätten sie bis nach unserem Urlaub bis Mitte August, also 7 Wochen warten müssen!“ Sage ich. Nicht. Ich schweige und behalte meine Meinung für mich.

DGET am Feierabend (III)

Christoph Kaaden hatte gefragt: Habt ihr etwas mitgenommen für Euch bei der letzten DGET am Feierabend – Fortbildung? Definitiv.

Als Bijan Vahedi zu Beginn der Veranstaltung deren voraussichtliches Ende für um 22:30 Uhr ankündigte, musste ich am Ende eines harten und sehr heissen Arbeitstages doch kurz innerlich aufstöhnen. Die Zeit verging jedoch wie im Flug und es hat sich für mich gelohnt! Vielen Dank an alle Beteiligten vor und hinter den Kulissen !

Hier sind meine Dinge, die ich mir gemerkt habe und zukünftig bei mir in der Praxis umsetzen möchte.

Vortrag 1: Gabriel Krastl
Zunächst, es ist immer ein Genuss, einem Vortrag von Gabriel Krastl beizuwohnen, die Qualität seiner Arbeiten ist konstant herausragend. Es konnte keinen besseren Nachfolger für Prof. Klaiber in Würzburg geben, sowohl vom Fachlichen wie auch vom Menschlichen her. Akute Traumafälle sind immer eine Ausnahmesituation in der Praxis, aus den verschiedensten Gründen. Ich werde dank Gabriels Ausführungen von nun an stärker unterscheiden zwischen Arbeiten, die unaufschiebbar sofort gemacht werden müssen und Arbeiten, die man auch noch wenige Tage nach dem Unfall durchführen kann. Ich bin zuversichtlich, auf diese Art und Weise manch schwierige Ausnahmesituation etwas entspannen zu können.

Vortrag 2: Holger Rapsch
Hier habe ich 2 Dinge mitgenommen. Zum einen, das wir uns bei einem Unfall sofort Smartphone-Fotos zuschicken lassen, um schon frühzeitiger einen ersten Einblick zu haben, das Traumageschehen betreffend. Banal ? Mag sein. Aber – einfach, wirkungsvoll, wertvoll !!! Zum anderen, in die Knie gehen, um Auge in Auge mit dem kleinen Traumapatienten die nachfolgenden Schritte zu besprechen. Auch den (von mir leicht modifizierten) Satz: „Ich weiss, das Du noch klein bist, aber ich muss Dich jetzt ausnahmsweise wie einen Erwachsenen, wie einen Großen behandeln, um deinen Zahn retten zu können. Hilfst Du mir dabei ?“ werde ich von nun an sicherlich bei Gelegenheit einsetzen.

Vortrag 3: Matthias Widbiller

Der Traumabefundbogen.
Gefällt mir sehr gut.

Strukturen sind immer gut, und in Unfall-Ausnahmesituationen extrem wertvoll. Der Bogen ist Dokumentation, Gedankenstütze und Checkliste gleichermaßen. Wir haben bei uns bislang in der Praxis den Traumabefundbogen von Yango Pohl eingesetzt. Und der direkte Vergleich zeigt, das Yango Pohl schon vor Jahren sehr viel sehr gut gemacht hat! Wie traurig, dass dieser sicherlich eigene, aber sehr engagierte Kollege, der für die Traumatologie gebrannt hat, so früh sich von dieser Welt verabschiedet hat.

Vortrag 4: Christoph Kaaden
Was ich von Dir mitgenommen habe, Christoph ? Die sequentielle Anästhasie von vestibulär nach palatinal voranschreitend (Vestibulum, Papillen, Gaumen) Toller Tip. Ich hatte vorletzte Woche einen Traumafall, wo vielleicht dieses Vorgehen den Unterschied zum Positiven ausgemacht hätte. Die palatinale Anästhesie war notwendig, schmerzhaft und jetzt möchte der 8 jährige Junge natürlich nicht mehr, das palatinal injiziert wird. Schwierig nun für alle Beteiligten, denn die palatinale Anästhesie ist beim subgingival frakturierten Zahn 11 unabdingbar.

Vortrag 5: Claudia Schaller.
Das Mentimeter! Als wir vor etlichen Jahren zum ersten Mal bei WURZELSPITZE damit arbeiteten, gab es noch Bugs im Ablauf. Jetzt scheint das alles ausgeräumt, die Abstimmungen funktionierten schnell. Ein tolles Werkzeug in der Kommunikation mit dem Auditorium. Die Option: „Ich überweise an ein Traumapraxis“ würde ich im Übrigen auch manchmal gerne in Anspruch nehmen.

Der fordernde Patient (3)

Teambesprechung.
Wir betrachten alle Fälle des Tages.

Die Schmerzpatientin hat heute, 4 Tage nach Erstbehandlung, ihren Zweittermin.
Wir haben ihr den frühstmöglichen Termin, ein Patient musste krankheitsbedingt absagen, zukommen lassen.

Meine Praxis-Managerin weist mich darauf hin: „Die Patientin muss pünktlich weg! Sie muss zur Arbeit!“ An ihrem Tonfall merke ich, wie eindringlich die Patientin auf diesen Umstand hingewiesen haben muss.

Nach der Behandlung frage ich die Patientin, was sie beruflich macht.
Sie ist selbstständig.

Der fordernde Patient (Teil 2)

Man sieht es den Patienten immer schon an den Augen an.
Als ich am nächsten Tag, an besagtem Freitag morgen um kurz vor 8 in die Praxis komme, sitzt die Schmerzpatientin schon da.

Und obwohl sie Mundschutz trägt, sehe ich schon vom weitem, wie es ihr geht. Die Augen, die sooft bei Schmerzpatienten trübe und ausdruckslos sich darstellen, sie funkeln.

Ich weiss augenblicklich. Alles ist gut!!!

„Sie haben meinen Zahn gerettet!“ Sagt die Patientin. „Meine Schmerzen sind weg!“

WURZELSPITZE Plus Live Talk 2 2022 Mittwoch 22. Juni 2022 20:00 Uhr

Nächste Woche Mittwoch 20 Uhr ist es soweit. Der 2. WURZELSPITZE Plus Live Talk in diesem Jahr findet statt.

Hier die Themen:

Sebastian Stein zeigt in seiner Fallpräsentation den Versuch, einen Zahn 46 mit jahrelanger unterschiedlich ausgeprägter Schmerzsymptomatik und Fistelungen per Revisionsbehandlung zu erhalten. Prognostisch schwierig erwiesen sich hierbei nicht nur die ausgeprägte apikale Beherdung, sondern auch die weit vorangeschrittene progressive entzündliche Resorption der distalen Wurzel.

Antonio Renatus präsentiert uns das Benex – System. Einfach, schnell und sicher für eine minimalinvasive Zahnextraktion. Er zeigt die Anwendung an Hand kariös zerstörter und frakturierter Zähne. Dabei eigentlich sich das System nicht nur als Grundlage einer nachfolgenden Implantation, sondern auch im Sinne ultimativer Zahnerhaltungsversuche.

Und – sofern die Zeit es zulässt – geht es in meiner Literaturvorstellung um eines der Meilensteine meiner fachspezifischen Bibliothek. Ein zahnmedizinisches Buch, das mich bis heute inspiriert und motiviert, obwohl es schon 1985 geschrieben wurde und zu einem nicht unerheblichen Teil die Zeit vor dem 2. Weltkrieg abhandelt. Es ist aktueller denn je!

Schreibt´s in die Kommentare – Der fordernde Patient

Jeder von uns kennt sie, jeder von uns muss mit Ihnen umgehen, aber wie am besten ?
Die Rede ist von den fordernden Patienten.

Darüber möchte ich hier sprechen und von Ihnen, geneigte Leserinnen und Leser, hören – Was sind eure nachhaltig in Erinnerung gebliebenen Erfahrungen mit einem Patienten, einer Patientin dieses Persönlichkeits-Typs ?

Schreibt eure Geschichten in die Kommentare ! So entsteht hoffentlich im Laufe der Zeit ein buntes Kaleidoskop der Annekdoten und im Dialog ergeben sich vielleicht auch wertvolle Tipps, wie man sinnvollerweise mit solchen Situationen umgeht.

Der konkrete Anlass ?
Donnerstag von 8:30 Uhr bis 1000 Uhr ist unser wöchentliches Team-Meeting.
Die Praxistür ist verschlossen. An der verschlossenen Tür hängt – unübersehbar ein Schild: Wegen einer praxisinternen Fortbildung ist unsere Praxis heute erst ab 10Uhr geöffnet.

9 Uhr.

Es klingelt.
Nachhaltig.

Vielleicht der Postbote ?
Eine Lieferung für die Praxis?


Nein, es ist ein Patientin, die unangemeldet sich eingefunden hat.

Sie bräuchte sofort einen Termin.
SOFORT.

Zur Behandlung. Heute noch. Sie hätte starke Schmerzen. Ihre Hauszahnärztin habe sie geschickt. Sie solle hierherkommen. „Aber wenn sie heute keinen Termin bekäme, DANN ginge sie in die Schmerzklinik!“ Welche Schmerzklinik? Vielleicht das MVZ, in dem die Endos vom Spezialisten ohne Kofferdam durchgeführt werden ? Ich bin gewillt zu sagen, „Prima! Nur zu!“ Aber – die Überweiserin ist eine unserer guten Zuweisern. Und wir möchten ja helfen. Unseren Zuweisern und den Patienten.

Wie werden helfen.
Natürlich müssen wir improvisieren.
Freie Vakanzen haben wir keine, heute schon belegt durch einen Traumafall – 8 jähriger Junge. OK- Schneidezahn dekapitiert.

Wir bestellen die Patientin für um 11 Uhr ein.
Eine Viertelstunde zwischen 2 Behandlungen, die für die Dokumentation freigehalten ist, wird zweckentfremdet, sie sollte reichen zur Schmerzdiagnostik. Alles andere wird sich dann ergeben.

„Um 11 Uhr also ?“
Ob wir nicht wenigstens ein Röntgenbild machen können, deshalb habe die Überweiserin sie ja schließlich hergeschickt. „Die habe im Übrigen eine Menge Röntgenbilder geschickt, ob die schon angekommen seien?“

Wir schauen nach. Ob der Menge der Röntgenbilder.
Es sind 2. Zwei. Zwei Zahnfilme. Die fast das gleiche zeigen, Zahn 36 und Zahn 37.

„Das Röntgenbild ? Machen wir. Um 11, im Rahmen der Schmerzdiagnostik.“

5 Minuten später, als ich schon dachte, nun meine Behandlung in Ruhe durchführen zu können, kommt meine Assistentin aus der Anmeldung ins Behandlungszimmer. „Die Patientin fragt, ob sie eine Ibuprofen nehmen könne.“ „Klar, kann sie“, antworte ich. Draussen höre ich die Patientin fragen: Könnte ich von Ihnen eine Ibuprofen haben ?“

11 Uhr.
Bei der Untersuchung frage ich: Wie stark auf einer Skala von 0- 10 sind die Schmerzen ? „Also – wenn sie da sind, dann 10. Die Schmerzen sind zeitweilig, sie kommen und gehen.“ Und im Moment ? „Sind sie weg“. Aha. Denke ich. Wann sind die Schmerzen denn zum ersten Mal aufgetaucht ? „Ich mache ja schon eine ganze Zeit damit rum, weil erst war da eine alte Brücke …es folgt eine 2 minütige Krankengeschichte, ihren ZE betreffend. „…und so richtig stark waren die Schmerzen zum ersten Mal heute Nacht!“

Es folgen die klinischen Tests.
„Als Erstes werde ich vorsichtig auf die Zähne klopfen. Um herauszufinden, welcher Zahn für die Beschwerden verantwortlich ist. Die Patientin vermutet den letzten Zahn, aber die Schmerzen ziehen zum Kinn und bis in den Nacken.

„Ich dachte, Sie wollten ein Röntgenbild machen. Ein besonderes Röntgenbild, deshalb hat meine Hauszahnärztin mich doch hergeschickt!“
„Machen wir, zu gegebener Zeit, erst möchte ich mir die Situation aber mal im Mund anschauen. Das Klopfen auf die Zähne ist zwar verhältnismäßig unspektakulär im Vergleich zu einem 3D- Röntgenbild, aber trotzdem ein ganz ganz wichtiges Hilfsmittel!“

Der wertvollste Tipp für den Klopftest. liebe Kolleginnen und Kollegen? Zunächst nur ganz sachte klopfen. Und – immer mit einem Zahn anfangen, der garantiert nicht die Schmerzursache ist.

Ich beginne mit dem füllungs- und kariesfreien Zahn 33. Ich klopfe sanft. Und die Patientin dreht blitzartig mit schmerzverzerrtem Gesicht den Kopf weg. Es folgt ruhig ein vertrauensbildender 2 minütiger Vortrag, warum es wichtig ist, als Patient fein zu differenzieren, falls möglich, um Hinweise zu geben, welcher Zahn denn als Schmerzauslöser in Frage kommen könnte.

Der Kopf wird nun nicht mehr weggedreht.
Allerdings sind Zahn 33 (der füllungsfreie), Zahn 34, Zahn 36 und Zahn 37 klopfempfindlich. Am stärksten 33 und 37. 37 reagiert immerhin eindeutig auf den Kältetest, 33 reagiert schwach.

Das DVT bringt auch kein eindeutiges Ergebnis. An 36 und 37 ist jeweils der PA – Spalt apikal etwas erweitert, an 36 mehr als an 37. Die Patientin hingegen ist sich sicher. Es ist der Zahn 37, der die Schmerzen verursacht.

Wir bestellen einen Nachmittagpatienten ab und die Patientin für 16 Uhr erneut ein. Es klappt, der Patient hat Verständnis und willigt ein. Mittlerweile sind mehr als 45 Minuten vergangen, der reguläre Patient, für 11 Uhr 15 einbestellt, wartet seit einer halben Stunde. Ich hasse das. Und weiss, ich werde nun bis zur Mittagspause um 14 Uhr meinem Zeitplan hinterherlaufen.

„Dann sehen wir uns um 16 Uhr!“ sage ich.
Die Patientin antwortet: „Ja, und vielen Dank noch mal für Alles!“

Nein, sagt sich nicht.
Sie sagt. „Ich hatte noch nie eine Wurzelkanalbehandlung. Können Sie mir sagen, was sie da machen ????“

Ich antworte in kurzen Sätzen und sage zu meiner Assistentin. Bitte gebt der Patientin unsere Informationsbroschüre. Da steht alles drin, zum Durchlesen. „Hat sie schon bekommen, gleich heute Morgen um 10 Uhr!“, antwortet meine Assistentin. Aha, denke ich.

„Ich kann davon ausgehen, das ich um 16 Uhr pünktlich drankomme?“, sagt die Patientin bevor sie die Praxis verlässt.
Es ist eine Frage, die aber keine Frage ist.

Um Punkt 16 Uhr, also keine Minute früher erscheint die Patientin.
„Die Schmerzen sind immer noch da!“. Sagt sie. Höre ich da einen Vorwurf heraus ? Auch wenn die Patientin nicht den Eindruck macht, das sie in der Zwischenzeit stark gelitten hat. Man bekommt ja im Laufe der Jahrzehnte einen feinen Blick dafür, ob ein Patient sich wirklich mit einem Zahn quält.

„Ich bin dann doch nach Hause gefahren!“. Sagt die Patientin. Höre ich da einen Vorwurf heraus ? „Ach, sie sind gar nicht von hier?“ Ich schaue aus Interesse auf die Adresse. Wie weit die Patientin wohl fahren muss ??? 30? 40? 50? Kilometer eine Strecke ?

„Doch, doch, ich wohne in der Rheingrafenstrasse“. Sagt sie. Das ist gerade mal 10 Minuten entfernt, den Weg zum Parkhaus mit eingerechnet. „Ich bin mit dem Fahrrad da!“. Sagt sie. Dann sind es 8 Minuten. Denke ich.

Wir beginnen die Behandlung.
Welcher Zahn ist es nun ?
36 reagiert beim Klopfen stärker als 37 und reagiert wieder nicht auf den Kältetest. Die Auffälligkeit, den PA- Spalt betreffend, ist auch stärker. Ich entscheide mich für Zahn 36, da 37 auf den Kältetest reproduzierbar nach 0.75 Sekunden sich meldet und der Kältereiz nach zwei bis drei Sekunden wieder verschwunden ist.

Keine Probleme mit der Anästhesie.
Aber natürlich hat die Patientin Probleme mit dem Kofferdam.
Sie fühlt sich unwohl. Ihre Zunge stört sich daran und sie bekommt keine Luft.

Die Patientenaufklärung, wie wir sie normalerweise machen, ist natürlich aus Zeitmangel nicht erfolgt. Daran denke ich erst wieder, als ich den Bohrer auf die Kaufläche der Vollkeramikbrücke aufsetze. Warum mache ich nur so einen Scheiss ? Warum lasse ich mich nur immer wieder auf solche Patienten ein?

Es wird übel enden, bestenfalls keinen Spass machen das Ganze.
Immerhin.
Die Kaufläche bleibt heil.

Die Behandlung hingegen erweist sich als sehr schwierig.
Sie wird, ich nehme es vorweg, 85 Minuten dauern.

Wir sind wieder in Verzug.
Wenigstens wirkt die Anästhesie. Wenngleich die Patientin auch die kleinste Schmerzsensation mit Betätigung des Kommukikationskrokodils quittiert.

Natürlich müssen wir auch immer wieder unter dem Kofferdam absaugen.

Zwischendrin klingelt ein Handy.
Irgendwann hört es auf.

Um ein paar Minuten später wieder zu läuten. „Ich muss da jetzt drangehen“, sagt die Patientin. Der Satz hat eher informativen Charakter. Sie hat ich schon aufgerichtet. Falls sie nun erwarten, sie würde ihren unsichtbaren Gegenüber mit den Worten begrüssen: „Tut mir leid, ich kann jetzt nicht telefonieren ich bin mitten in der Behandlung…“ Irrtum, weit gefehlt.

2 Minuten später.
„Entschuldigen sie bitte, ich hab das Handy jetzt aus gemacht!“ Sagt die Patientin.
Nein, sagt sie nicht. Sie sagt: „Wir können jetzt weitermachen!“

Wir fahren fort mit unserer Behandlung.
Die irgendwann zu Ende ist.

Was folgt normalerweise? Wir rufen immer am nächsten Tag an.
Um uns zu erkundigen, wie es dem Patienten geht.

Allerdings.
Morgen ist Freitag.
Und ich weiss, wie es enden wird. Um 5 vor Zwölf wird diese Patientin in der Praxis stehen und sagen, das ihre Schmerzen immer noch da sind, noch stärker sind, wieder stärker sind. Da hilft nur eins, nicht anrufen, sondern von vorne herein die Patientin morgen früh sicherheitshalber zur Kontrolle in die Praxis einbestellen.

„Vielen Dank, das sie mir so toll und vor allem so zeitnah geholfen haben, sie haben das alle ganz herausragend gemacht!“, sagt die Patientin. Nein, sagt sie nicht.

„Bis morgen dann“, sagt die Patientin, bevor sie uns verlässt.

Und jetzt ihr.

Wer kennt´s ?
Was habt ihr erlebt ?
Wie geht ihr mit solch (heraus)fordernden Patienten um ?

Im Nachhinein ist es immer einfach, zum richtigen Ergebnis zu kommen, allerdings…

Im Nachhinein ist es immer einfach(er), zum richtigen Ergebnis zu kommen, aber dieser Fall ist ein schönes Beispiel dafür, ein paar Grundregeln der Diagnostik sowie den gesunden zahnärztlichen Sachverstand nicht aus den Augen zu verlieren. Der Fall – ein zum Zeitpunkt der Erstvorstellung 15 jähriges Mädchen wird vom Hauszahnarzt überwiesen, weil sich der in Wurzelkanalbehandlung befindliche Zahn 13 als therapieresistent erweist, die vorhandene Schmerzproblematik sich nicht bessern möchte. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob wir wirklich als Problemlöser und Helfer fungieren sollen oder er einfach nur froh ist, die Patientin loswerden zu können. Darauf deutete schon sein Überweisungsschema in der Vergangenheit hin, aber das ist ein anderes Thema.

Zahn 13 bei Erstvorstellung

Zahn 13 ist füllungsfrei. Die erfreulicherweise sehr geringe Trepanationsöffnung ist nicht verschlossen. Das übliche Spiel – der Zahn schmerzte wiederholt nach endodontischer Behandlung und wurde schlussendlich offengelassen. In der von uns angefertigten Röntgenaufnahme ragt der Zahn 11 (Zustand nach WSR) ins Bild. Ein apikales Geschehen an Zahn 11 ist im Gegensatz zu Zahn 13 (sic!) erkennbar und bestätigt sich im angefertigten Zahnfilm.

Unsere initiale Behandlung erfolgt zwangsläufig an Zahn 13. Es findet sich bei der Inspektion des Zahnes keinen Anhaltspunkt, der die unklare Schmerzsituation erklären könnte, weshalb die Revision der Wurzelkanalfüllung an Zahn 11 vorgeschlagen wird. Die Patientin bzw. die anwesende Mutter – die Familie stammt aus Russland, lebt aber schon seit vielen Jahren in Deutschland, die Deutschkenntnisse sind sehr gut – stimmt zu, zumal die Patientin berichtet, sie habe initial den Zahnarzt darauf hingewiesen, das die Beschwerden von ihrem Frontzahn ausgehen.

Die Behandlung sowohl von Zahn 13 wie auch von Zahn 11 verläuft in unseren Händen unauffällig im positiven Sinne. Nach initialer Behandlung des Zahnes 11 verschwindet die Beschwerdeproblematik und taucht, soviel sei vorweggenommen, bis zum heutigen Tage nicht mehr auf.

Vorgestern nun stellt sich die Patientin nach 19 Monaten zur WF- Kontrolle wieder in unserer Praxis vor. Beide Zähne 13 und 11 sind klinisch unauffällig, an Zahn 11 zeigt sich eine vollständige knöcherne Konsolidierung der apikalen Defektsituation.

Ein erfreuliches Ergebnis.
Bleibt nur die Frage, ob der kariesfreie und füllungsfreie sowie periapikal unauffällige Zahn 13 wirklich für die Schmerzproblematik in Regio 11 verantwortlich war…

Zitat des Tages 21.05.2022 – Süddeutsche Zeitung vom Wochenende

Es stand in der Süddeutsche Zeitung vom Samstag.

Unter der Überschrift „Voll bedient“ beschäftigt sich der Autor Werner Bartens mit der übertrieben gewordenen Komplexität des Alltags. Warum ist Alles nur so kompliziert geworden ? Hat zunächst nix mit Zahnmedizin zu tun, doch dann kommt inmitten des eine ganze Zeitungsseite umfassenden Artikels folgender Absatz:

Fand ich erstaunlich.

„Hört, Hört!“ möge man rufen.
Eventuell ist der Autor mit einer Medizinerin liiert, aber schön, das auf diesem Wege die Info zumindest mal schwarz auf weiss in der Öffentlichkeit zur Sprache kommt.

Aus dem Reich der Mitte…

…zu uns kommen die Geräte von Eighteeth.

Und ich habe mich durchgerungen, diese einmal einem näheren Augenschein zu unterziehen. Angesprochen hat mich vor kurzem Stefan Ernst, mit dem ich vor einigen Jahren mal Kontakt hatte, als es darum ging, in der Praxis hygienefähige und schreibfähige Computer-Tastaturen zu etablieren. Die mit Abstand besten getesteten waren die Purekeys-Tastaturen, welche wir nachwievor nutzen, sie verrichten zuverlässig ihren Dienst.

Sollte ich also den Eighteeth-Geräten, welche Stefan Ernst als Geschäftsführer von Abavital in Deutschland vertreibt, eine Chance geben ?

Eigentlich nicht meine Welt.
War meine erste Reaktion.

Aber warum eigentlich nicht ?
Entweder es verfestigt sich die Erkenntnis, dass die „Made in China“ – Produkte den 1. Welt – Platzhirschen der etablierten Dentalindustrie nicht das Wasser reichen können

oder

es zeigt sich, dass hier ein zuverlässiger aber kostengünstiger Mitbewerber sich anschickt, den Markt aufzumischen. Was nicht das Schlechteste wäre – Konkurrenz in der Dentalindustrie belebt sicherlich das Geschäft.

Ich werde berichten.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen. Die Eighteeth-Geräte wurden von der Firma Abavital für einen Produkttest kostenlos zur Verfügung gestellt.

Sonnenblumenöl ? Endo- Instrumente ! II

Passt wie die Faust aufs Auge zum Beitrag von heute.

Schock heute morgen.

Eine Mahnung im Email-Postfach.

Materiallieferung über 6000 Euro.
Von einem Händler, bei dem wir eigentlich nie bestellen ???

Ich rufe in der Buchhaltung des besagten Dentaldepots an.
Sage: „Wir haben weder eine Rechnung, noch eine Lieferung bekommen.“

Den Vormittag sind wir zwischen den Behandlungen damit beschäftigt, den Sachverhalt zu klären.

Es stellt sich raus, die krakelige Unterschrift auf dem am Nachmittag eintreffenden Auslieferungsschein des Spediteurunternehmens (Frau Waldmann???, Frau Weidmann ???) hat keiner von uns geleistet, sie hat weder vom Namen noch von der Signatur her auch nur annähernd Ähnlichkeit mit irgendjemandem vom Team.

Ausserdem stellt sich heraus, wir waren wir zum Zeitpunkt der Lieferung in Osterurlaub.

Um 14 Uhr 30 werden wir fündig.
Das kleine Päckchen wurde in einem Geschäft in der Nachbarschaft abgegeben und war dort untergegangen.

6000 Euro weg ?
Da hätte ich mich doch nicht unwesentlich geärgert…

Sonnenblumenöl ? Endo- Instrumente !!!

Was schon mit COVID begann, findet nun in Zeiten des Ukraine-Kriegs noch seine Steigerung. Waren es zunächst nur Toilettenpapier und Nudeln, auf die es zu verzichten galt, so sind mittlerweile fast alle Bereiche des Lebens von Materialknappheit betroffen und die Endodontie bildet hier keine Ausnahme.

Wir sind schon vor geraumer Zeit dazu übergegangen, von den essentiellen Materialien für unsere Behandlung in großen Mengen (Stückzahl 10+) einzukaufen, aber mittlerweile reicht selbst das nicht mehr. Letztes Beispiel. Unsere geliebten VDW C-Pilot- Feilen. Welche über Wochen hinweg nicht beikamen. Vergangene Woche war in Größe ISO 10 die letzte Packung aufgebraucht.

In der Not und in Verzweiflung tat ich etwas, woran VOR CORONA ich nicht mal im Schlaf gedacht hätte. Mich nach Alternativen umzuschauen. Retter in der Not – die sogenannten Patency-Feilen der Firma Komet. Grenzwertiger Name (sind normale K-Feilen keine Patency- Feilen?), aber gutes Produkt. Die klassische K- Feile, jedoch wie bei den VDW C- Pilot-Feilen mit einer wärmebehandelten und damit steiferen Stahl-Legierung.

Vorgestern nachmittag bestellt.
Heute, demnach 2 Tage später, in der Post.

Einen spürbarer Unterschied zu den bisher von uns genutzten Instrumenten?
Nicht wirklich.
Also nicht besser, aber auch nicht schlechter. Sprich genauso gut.

Bei Komet gibt es im Übrigen ein Angebot, 10 Packungen bestellen, 10 Packungen frei Haus dazu. Macht unterm Strich gegenüber dem günstigsten C-Pilot-Feilen-Lieferanten in der WAWIBOX 2 Packungen günstiger. Für mich keine kaufentscheidendes Argument, aber in Zeiten wie diesen ein angenehmer positiver Nebeneffekt. Auf dieses Angebot hatte ich hier schon mal hingewiesen. Es gilt – weil offensichtlich für beide Seiten lohnend – weiterhin, wie mir der Aussendienstmitarbeiter (m) erzählte.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Datum vormerken I 07.09.2022 oder 09.09.2022

Budapest Juni 2011

Dieses Jahr ist ESE-Meeting-Jahr.

Und wenn alles klappt, trifft sich die Endodontic Community in Budapest bei der ESE 2 Jahres-Tagung.

Wir von WURZELSPITZE möchten uns dort mit Euch treffen.

Mittwoch abend 07.09. 2022. 20 Uhr.


In einer noch festzulegenden Location.
So wie wir es in der Vergangenheit getan haben.
Und immer viel Spass an solchen Abenden mit Euch hatten.

Sollte es – wider Erwarten – aber was heisst das schon in Zeiten wie diesen – nicht zum ESE Treffen kommen, dann möchten wir – sofern Covid und die Weltlage dies zulassen – uns eine Alternative mit heimischen Örtlichkeiten einfallen lassen. Bitte daher sicherheitshalber auch den Termin 09.09.2022 gleich mit reservieren !

Datum vormerken II – WURZELSPITZE Plus Live Talk 2/2022

Und noch ein Datum zum Vormerken:

Mittwoch 22.Juni 2022

WURZELSPITZE Plus Live Talk

20:00 Uhr

Mit Beiträgen von Antonio Renatus, Sebastian Stein und Ha-Wi Herrmann.

Ein echter Schmerzpatient…Teil 1

… kommt bei uns in der Praxis eher selten vor. Meist erfolgte die initiale Schmerzbehandlung in der Praxis des Überweisers. Hier jedoch kam die Patientin kurzfristig zu uns. Ein Beratungstermin war mit ihr zuvor schon für eine Woche später vereinbart worden, doch nun hielt es die Patientin nicht länger aus. Einer von mehreren Gründen, warum ich mich an diesen Fall noch so genau erinnere.

Was aber ist der Grund, warum ich diesen Fall hier zeige ?

Weil vor wenigen Tagen die Patientin unsere Praxis erneut aufgesucht hat.
10 Jahre später.

Der Zahn 36 ist immer noch im Mund.
Eine Erfolgsstory also ?

Zunächst schon.
Denn auch wenn es nicht möglich war, das Fragment vollständig zu entfernen, so gelang es uns doch, die Patientin von ihren Schmerzen zu befreien und ihr diesen Zahn im Mund zu halten.

Hier das Röntgenbild nach WF im Juni 2012.

Und hier der Zahn nur rund 3,5 Monate später.

Der Grund für das frühe Recall ?
Die Patientin beabsichtigte einen einjährigen Auslandsaufenthalt und wollte den Zahn vorab vom Hauszahnarzt mit einer Krone versorgt wissen. Die Knochensituation zeigt sich im Zahnfilm ausgesprochen erfreulich, die vor Behandlungsbeginn vorhandene Knochendestruktion scheint schon vollständig wiederaufgehoben. Ein für die Kürze der Zeit bemerkenswerter Behandlungserfolg.

Es folgten erneute Kontrollen 2015 und – weitere 4 Jahre später – 2019.

So weit so gut.

Vor kurzem dann eine Mail eines mir unbekannten Kollegen. Er bittet um Zusendung aller Röntgenbilder und der gesamten Krankenakte.

Klingt nicht gut.
Was mag passiert sein ?

Teil 2 folgt…

Für alle interessant, denen die PKV die Erstattung des DVT´s verweigert

Ich beneide meine beiden WURZELSPITZE Kollegen in den Hauptstädten Berlin und München. Die offensichtlich keine (Berlin) bzw. kaum (München) Probleme mit der Erstattung von DVT´s haben. Ich verbuche das als Metropolen-Bonus. Bei uns – in der Provinz, auf dem flachen Land (auch wenn wir streng genommen (Hunsrück, Soonwald) leicht hügelig sind) ist die primäre Nichterstattung von endodontisch veranlassten DVT´s nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Und ein entsprechender Schriftwechsel mit den Kostenerstattern die unangenehme, aber unabdingbare Folge.

Da kommt die unten aufgeführte Publikation wie gerufen.
Ein Verweis auf entsprechende Literatur, welche die Sinnhaftigkeit und den Nutzen des DVT´s belegt, ist nie verkehrt und rückt das von Versicherungsseite gerne genommene Bild des geldgierigen und dafür den Patienten verstrahlenden und damit körperverletzend tätig werdenden Zahnarztes ein wenig gerade.

Den wichtigsten Satz habe ich fett markiert.
Damit ihn der PKV- Sachbearbeiter schneller findet.

Imperative im Englischen bedeutet im Übrigen zwingend oder unerlässlich.

Epub 2021 Nov 18.
Comparison of healing assessments of periapical endodontic surgery using conventional radiography and cone-beam computed tomography: A systematic review

Garima Sharma 1 , Dax Abraham 1 , Alpa Gupta 1 , Vivek Aggarwal 2 , Namrata Mehta 1 , Sucheta Jala 1 , Parul Chauhan 1 , Arundeep Singh 1
Affiliations expand
PMID: 35387097 PMCID: PMC8967488 DOI: 10.5624/isd.20210195
Abstract

Purpose: This systematic review aimed to compare assessments of the healing of periapical endodontic surgery using conventional radiography and cone-beam computed tomography (CBCT).

Materials and methods: This review of clinical studies was conducted according to the Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses (PRISMA) checklist. All articles published from 1990 to March 2020 pertaining to clinical and radiographic healing assessments after endodontic surgery using conventional radiography and CBCT were included. The question was „healing assessment of endodontic surgery using cone-beam computed tomography.“ The review was conducted by manual searching, as well as undertaking a review of electronic literature databases, including PubMed and Scopus. The studies included compared radiographic and CBCT assessments of periapical healing after periapical endodontic surgery.

Results: The initial search retrieved 372 articles. The titles and abstracts of these articles were read, leading to the selection of 73 articles for full-text analysis. After the eligibility criteria were applied, 11 articles were selected for data extraction and qualitative analysis. The majority of studies found that CBCT enabled better assessments of healing than conventional radiography, suggesting higher efficacy of CBCT for correct diagnosis and treatment planning. A risk of bias assessment was done for 10 studies, which fell into the low to moderate risk categories.

Conclusion: Three-dimensional radiography provides an overall better assessment of healing, which is imperative for correct diagnosis and treatment planning.

Keywords: Apicoectomy; Cone-Beam Computed Tomography; Systematic Review.

Copyright © 2022 by Korean Academy of Oral and Maxillofacial Radiology.

Der Patient wünscht den Zahnerhalt … Teil 2

Verrennen wir uns nicht manchmal ?
Zu sehr ?

Bei uns in der Praxis beschäftigen wir uns größtenteils mit Zähnen, die ihre besten Zeiten lange schon hinter sich gelassen haben. Wie schön wäre es, wenn der Patient früher den Weg zu uns gefunden hätte !?! Manchmal sehe ich mich wie der Arzt in der Notaufnahme eines TV – Serien- Krankenhauses, den Defibrillator in der Hand. „Zurücktreten!“ dann schiessen Stromstösse durch den Körper des Patienten. Aber allzuoft ist es doch zu spät. Zeitpunkt des Todes? 18 Uhr 57.

Anderen Ortes wiederum werden Zähne Tag für Tag, ein um das andere Mal extrahiert.
Die zu erhalten es ein Leichtes wäre.

Ist das nicht verrückt ?
Besagter Zahn 46 (hier das DVT) mit einer 9 mm Tasche, ist so ein Zahn.
Zusammen mit dem Zahn 36, der eine ähnliches radiologisches Erscheinungsbild zeigt, in vielen Praxen ein Fall für die Zange.

Kann man machen.
Und viele Gründe anführen, warum das eine sinnvolle Entscheidung ist.

Aber – und hier darf ich gerne in meinem Namen zitiert werden:
„Endodontie ist die vornehmste Verrichtung des Zahnarztes. Es gilt, den Patienten von seinen teils unerträglichen Schmerzen zu befreien – und – ihm seinen Zahn zu erhalten.“

Das und ist wichtig.
Denn wir leben nicht mehr im Mittelalter und sind Zahnreisser.
Wir leben im 21. Jahrhundert.
WIR sind Zahnerhalter.

Also.
Einfach machen.

Zahn 46.
War eine einfache Endo.

68 Monate später.
Der Patient war 63, als er zu uns kam. Jetzt ist er 70.
Er wird vermutlich seinen Zahn 46 noch lange behalten können.

Und ich ?
Ich freue mich.

NDR berichtet über Aufkauf von Augenarztpraxen durch Investoren

Eine Beitrag aus ÄND
Sicherlich auch für uns Zahnärzte interessant, die prinzipielle Entwicklung betrifft ja auch die dentale Profession

NDR berichtet über Aufkauf von Augenarztpraxen durch Investoren

Über den Aufkauf von Augenarztpraxen durch internationale Finanzinvestoren berichtet am heutigen Dienstagabend die Sendung „Panorama 3“ im NDR-Fernsehen. In dem Beitrag wird gezeigt, wie in mehreren Städten und Landkreisen in Deutschland bereits monopolartige Strukturen in der augenärztlichen Versorgung entstanden sind.

Den Recherchen zufolge dominieren drei große, von Finanzinvestoren geführte Augenarztketten mittlerweile die Versorgungsstruktur. Demnach arbeiten beispielsweise in Kiel inzwischen mehr als die Hälfte aller ambulant tätigen Augenärztinnen und -ärzte für das Unternehmen Sanoptis. Es hat seit 2019 mehrere regionale Augenarztketten in Schleswig-Holstein übernommen.

Ähnlich sieht es laut NDR etwa in und um Augsburg in Bayern aus. Der Fernsehbeitrag zeigt, dass dort etwa 15 Praxen und Kliniken zum Sanoptis-Konzern gehören. Das Unternehmen sei erst 2018 von einer Londoner Private-Equity-Gesellschaft gegründet worden und sei mittlerweile anscheinend die größte Augenarztkette in Deutschland, berichtet der NDR. Genaue Daten seien aber nicht bekannt. Auf Fragen von „Panorama 3“ zu verschiedenen Zahlen – etwa zu gekauften Praxen, durchgeführten Operationen und zum Umsatz – habe Sanoptis mitgeteilt, es beantworte „derartige Anfragen grundsätzlich nicht “.

Weitere Beispiele für offensichtlich marktbeherrschende Stellungen hat der NDR in Nordbayern ausgemacht. Dort – in und um Nürnberg und Fürth – beschäftige die Ober-Scharrer-Gruppe (OSG) einen Großteil der Augenärztinnen und -ärzte. Auch in Osnabrück scheine dies so zu sein. Insgesamt hat die OSG nach eigenen Angaben 125 Standorte in Deutschland und beschäftigt etwa 300 Augenärztinnen und -ärzte.

Auf die Frage von „Panorama 3“ nach möglichen regionalen Monopolen habe die OSG auf die Gesamtzahl aller in Deutschland in Praxen und Krankenhäusern tätigen Augenärzte verwiesen, berichtet der NDR. Davon seien nur knapp 3,8 Prozent in ihrer Unternehmensgruppe beschäftigt. Auf die Frage zu konkreten Landkreisen und Städten sei die OSG in ihrer Antwort nicht eingegangen.

Die dritte große Augenarztkette, die der Beitrag unter die Lupe nimmt, ist Artemis. Sie hat ihre Zentrale in Nordhessen. Dort, im Lahn-Dill-Kreis mit mehr als 250.000 Einwohnern, arbeiten den Recherchen zufolge offenbar fast alle Augenärztinnen und -ärzte für die Firmengruppe. Auch in anderen Teilen Hessens gehören ihr viele Praxen und Kliniken, zeigt der Beitrag. Artemis führt dort nach eigenen Angaben etwa die Hälfte aller Augenoperationen durch, ist aber auch durch Zukäufe in anderen Bundesländern gewachsen, etwa in Hamburg oder im Rheinland.

Der Ärztliche Direktor und einer der Gründer von Artemis, Kaweh Schayan-Araghi, sagt im Interview mit „Panorama 3“, seine Kette sei vor allem deshalb gewachsen, weil sie in der Region viele Praxen älterer Augenärztinnen und -ärzte übernommen habe, die ansonsten Schwierigkeiten gehabt hätten, Nachfolgerinnen beziehungsweise Nachfolger zu finden. So trage Artemis dazu bei, die Versorgung zu sichern.

Insgesamt sind laut NDR in Deutschland mehr als 500 Augenarztpraxen im Besitz von internationalen Private-Equity-Gesellschaften. Das seien etwa dreimal so viele wie vor drei Jahren. Geschätzt arbeite mittlerweile etwa ein Fünftel aller ambulant tätigen Augenärztinnen und -ärzte in Ketten von Finanzinvestoren. Genaue Zahlen gebe es allerdings nicht, da die Firmen keine konkreten Daten veröffentlichen müssten.

Ob weitere Investoren eine Mehrheit der Arztpraxen einer Fachrichtung in bestimmten Regionen erworben haben, sei deshalb ebenfalls unklar, heißt es im Bericht. Weder die Bundes- noch die Landesregierungen hätten dazu Daten. Das Bundesgesundheitsministerium teilte dem NDR auf Anfrage mit, es sei ihm nicht bekannt, „ob und inwieweit eine beherrschende Marktkonzentration augenärztlicher Versorgungsstrukturen“ in einzelnen Bereichen vorliege und „worauf etwaige Konzentrationstendenzen zurückzuführen“ seien.

Das Bundeskartellamt teilte laut NDR auf Anfrage mit, dass es in den vergangenen Jahren die Zukäufe der großen Augenarztketten nicht kontrolliert habe, da offenbar jede einzelne Übernahme unterhalb von relevanten Umsatzschwellen gelegen habe. Sollte es jedoch Hinweise darauf geben, dass es zu marktbeherrschenden Stellungen einzelner Unternehmen in einigen Regionen komme und zudem Probleme drohen würden – wie etwa steigende Preise oder eine schlechtere Behandlungen von Patientinnen und Patienten –, könne es möglicherweise eine sogenannte „Sektoruntersuchung“ einleiten, so das Kartellamt.

Die Sendung „Panorama 3“ läuft am heutigen Dienstag, 5. April, um 21.15 Uhr im NDR Fernsehen.

05.04.2022

Endo-Literaturschnäppchen

Kürzlich wurde ich bei einer Fortbildung nach guter Endodontie-Literatur gefragt. Und war erstaunt zu erfahren, dass sich in den Endo-Curricula noch nicht rumgesprochen hat, das „Pathways of the Pulp“ mit seinen fast 1000 Seiten für gerade mal 150 Euro einen enormen Gegenwert an Informationen zum Thema bietet.

Ich habe meine erste Ausgabe, es war die 7. Auflage, 1998 in New York auf dem GNYDM mitgenommen und fand diesen dicken Schinken für damals 130 DM sensationell. Mittlerweile sind wir bei der 12. Ausgabe angekommen und wenn man bedenkt, das ein Curri mit allen Kosten sich der 10.00 Euro Marke nähert, dann sollte der Kauf aus der sprichwörtlich Kaffeekasse gestemmt werden, so marginal ist er im Vergleich dazu.

Das Inhaltsverzeichnis liest sich wie das Who is Who der Global Endo-Community.
Aus den praxisbezogenen Kapiteln lässt sich eine Vielzahl von Tipps für das eigene Arbeiten mitnehmen.

Und – es lohnt sich, bei Amazon oder Ebay nach älteren Ausgaben zu suchen.
Denn die unterschiedlichen Kapitel wie zum Beispiel „Cleaning and Shaping of Root Canals“ wurden im Laufe der Jahre von verschiedenen Koryphäen geschrieben. Die ihre ganz individuelle Sicht der Dinge in das jeweilige Thema einfliessen lassen und so durch das Studium der verschiedenen Ausgaben ein buntes Konglomerat an Details für das eigene praktische Arbeiten sich herauskristallisiert.

Der Patient wünscht den Zahnerhalt …

Soll man dem Wunsch des Patienten nachgeben ?
Oder ist hier das Implantat die bessere Lösung ?

Der Zahn hat eine 9 mm tiefe Tasche distal 46 und ist für den Patienten beschwerdefrei.

Was spricht für die eine, was für die andere Vorgehensweise und wie würde sich der Leser an meiner Stelle entscheiden ?

Eure Antworten in die Kommentare bitte !

https://wurzelspitze.blog/wp-content/uploads/2022/03/WR46_18.03.2022-13.36.32.mp4

Should I stay or should I go…

Sangen in den frühen 80er Jahren The Clash, eine britische Punkband.
Musikalisch wie modisch „not my cup of tea“, um in der sprachlichen Heimat der Vortragenden zu bleiben, aber der Titel passt wie die Faust aufs Auge zu einer Info, die mich letzte Woche in der Post erreichte.

Die Firma Morita stellt den Vertrieb ihrer Soaric-Behandliungstühle in Deutschland ein und ersetzt diese durch ihre Signo T 500-Baureihe, die als Nachfolger der Soaric beworben werden.

Ich habe beide Stühle bei mir in der Praxis. 2020 habe ich mich entschlossen, unsere letzte Siemens M1-Behandlungseinheit gegen eine Signo einzutauschen. Eine pragmatische Entscheidung. Meine Zeit in der Praxis ist im Hinblick auf mein sich am Horizont abzeichnendes Arbeitsende überschaubar. Sollte die M1 irgendwann in naher Zukunft kaputtgehen, wäre die Investition in einen neuen Stuhl eine sich von der Abschreibung her (die über 10 Jahre läuft) nicht lohnende. „Jetzt oder nie!“, hiess es also damals. Wir haben bereits 2 Soaric Einheiten, das dritte Zimmer, in dem sich die M1 befand, dient mir nur der Kontrolle im Recall. Eine Soaric, so sehr ich die Einheit mag, wäre sicherlich, die beabsichtigte Restnutzung, meine Person betreffend, als Überversorgung anzusehen. Die Signo weist bei niedrigerem Preis für die ihr zugedachte Aufgabe ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis auf.

Trotzdem würde ich mich als Arbeitsstuhl immer für die Soaric entscheiden.

Was für mich den Auschlag gibt ?
Allein schon der Fussanlasser.
Den ich nicht missen möchte bei der Soaric und der mir bei der Signo schmerzlich fehlt.

5 Tasten – eine davon sogar als Joy Stick – lassen sich frei programmieren. Und sogar mehrfach belegen. Dieser Fussanlasser erlaubt damit ein berührungsfreies Bedienen des Stuhls in sehr sehr vielen Aspekten. Das ich mit meinen Fingern die Touchdisplay-Oberfläche des Arztelements berühren (und damit kontaminieren) muss, kommt nur sehr sehr selten vor. Eine hygienetechnische Wunschsituation, die leider nach wie vor nur die wenigsten Behandlungstühle im Markt erfüllen können.

Wenn ich mich zwischen der Soaric und der Signo entscheiden müsste, ich würde immer für die Soaric stimmen. Und meine Bestellung vor Mai 2022 tätigen, um mir ein Gerät der letzten Serie zu sichern.

Morita Soaric – Fussanlasser

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Inkonsistente ELM-Messung – der Film

Passt prima zum Beitrag von Jörg Schröer von gestern. Ein Video, das mir vorletzte Woche wiederbegegnet ist.

Was tun, wenn das ELM-Gerät nicht richtig misst ?
Oder – andersrum – Warum wir immer mit mindestens 2 Apexlokatoren parallel arbeiten…

Weil in einer geringen, aber doch existenten Zahl der Fälle die scheinbar genaue Messung unseres Apexlokators dann doch keine solche ist und dies gegebenenfalls – bei blindem Vertrauen in das Gerät – eine deutliche Über/Unterinstrumentierung zur Folge hätte.

https://wurzelspitze.blog/wp-content/uploads/2022/03/ELM_Fraglich2.mp4

Daher meine 4 „Überlebens-Tipps“ für die ELM:

1. Immer mit 2 Geräten parallel messen

. Im Zweifelsfalle die kürzere Messung für die Länge der Aufbereitung heranziehen – Eine Unterinstrumentierung ist fehlerverzeihender als eine Überinstrumentierung

3. Die ELM-Messung kritisch hinterfragen – sie muss zur röntgenologischen Längenschätzung passen. Ein Zahn, der im Rechtwinkelröntgenbild 21 mm lang erscheint, wird eher unwahrscheinlich in Wirklichkeit eine Wurzelkanallänge von 24 mm aufweisen.

2. Im Laufe derZeit näheren sich unterschiedliche Mesergenisse der unterschiedlichen Geräte einander an. Wenn beide Geräte reproduzierbar auf weniger als einen 1/4 Millimeter genau messen, ist ein vertrauenswürdiges Messergebnis erreicht.

Geschichten aus dem Endozän 20220221 „DIE BEHANDLUNG MACHEN SIE OHNE SPRITZE!!!! III

„DIE BEHANDLUNG MACHEN SIE OHNE SPRITZE!!!!“

Ich hör den Satz immer noch nachklingen.

Der Fall dieser Patientin – Nein – Röntgenbild 1 zeigt keine Röntgenmessaufnahme, sondern beinhaltet das frakturierte und leider viel zu fest sitzende Nickel- Titan-Instrument – hatte zu gegebener Zeit Diskussionen ausgelöst. Oder sagen wir besser, er hat mich zum Nachdenken angeregt. Genauer gesagt die Aussage von Antonio Renatus, er wäre diesem Wunsch der Patientin „DIE BEHANDLUNG MACHEN SIE OHNE SPRITZE!!!!“ ohne Zögern nachgekommen. Wegen Win-Win-Situation und so. Daran denke ich seitdem immer wieder. Und gebe zu, auch wenn ich den Ductus der Patientin immer noch für unangemessen halte, das ich dieser Strategie dank unserer Zwiegespräche hier nun mehr Beachtung beimesse als früher.

Heute war die Patientin zur Nachkontrolle da. 6 Monate post WF.
Die apikale Knochensituation hat sich zum Positiven hin entwickelt.
Erfreulich.

Findet die Patientin auch.
Schön.

Erst wenn ´s fehlt, merkt man, was fehlt …

 

Das Foto zeigt unsere Spüllösungen.
2 davon.
In Spritzen abgefüllt.

Die dritte Spritze – mit NaOCl – fehlt im Foto.
Für diese sind uns nämlich soeben die Aufkleber ausgegangen.  Und müssen jetzt zeitnah nachbestellt werden.  Da merkt dann jeder im Team, das auch Kleinigkeiten und Selbstverständlichkeiten einen Unterschied machen und sinnvoll sind.

Viele Wege führen nach Rom  – wir nutzen Luer Lock-Einmalspritzen.
Diese werden einmal pro Woche im Sinne eines Vorrates befüllt. Mittwochs – an unserem Beratungstag. Da sind die Kapazitäten für solche Dinge vorhanden. Die Aufkleber stellen sicher, das eine Verwechslung, die Spitzeninhalte betreffend, ausgeschlossen werden kann.

Kosten pro Aufkleber ? 3 Cent.
Die Spitze händisch zu beschriften, wäre vermutlich teurer. Aufwändiger auf jeden Fall. Und schlechter lesbar.

Bei uns läuft das Ganze, dank Aufkleber,  ohne nachdenken zu müssen. Wir spülen, sooft und womit immer gespült werden muss. Verzögerungsfrei. Weil immer in Reichweite. Werde ich sicher bis an meinen Ruhestand nicht mehr ändern.

 

Wer hat einen Tipp, FFP 2-Masken betreffend ?

Wer hat einen Tipp, FFP 2- Masken betreffend ?

Ich habe welche „Made in Germany“ bestellt.

Eine Katastrophe.
Kann ich wegschmeissen.
Fast so schlecht wie die von der KZV :-(

Zusammen mit den Masken von 3M, die wir zuletzt bestellt haben, welche zwar sehr gut filtern, aber wegen der quer getackerten Gummibändern sich nicht kontaminationsfrei an- und ausziehen lassen, nun schon der 3. Fehlgriff in Folge.

Von daher bin ich für jeden Tipp dankbar !

Wer kann helfen ?

Spielzeugboote im Central Park

Schön ist es anzuschauen, wenn die kleinen Kinder mit ihren Eltern oder Grosseltern (oder je nach gesellschaftlichem Status auch Nannies), ihre Spielzeugboote im See des Central Parks zu Wasser lassen. Daran musste ich unwillkürlich denken, als ich das Paket der KZV RLP öffnete und die uns vom Gesundheitsministerium unter Jens Spahn zur Verfügung gestellten (unverpackten) FFP2-Masken in Augenschein nahm.

Spielzeugboote. Wie wir sie früher aus Papier gefaltet haben. Ein nostalgischer Moment aus der Kindheit. Nur – zum mehr als wenige Momente überdauernden Schwimmen waren diese nicht geeignet. Und da ergeht es uns mit diesem Masken-Geschenk nicht anders. Während die gefalteten Schiffchen eine gewisse eigene Ästhetik aufweisen, sieht die FFP2 – Maske (ein wie betont wird ausschließlich in deutschen Landen hergestelltes Qualitätsprodukt, was subliminal als Zeichen für die hohe Güte der Ware wirken soll) einfach nur deppert aus. Bereit für den Ententanz im Altersheim? Jetzt schon?!?

Aber – das sind ja nun wirklich Äußerlichkeiten.
Schwamm drüber. Kaum der Rede wert, angesichts des Ernstes der Lage.

Schlimm hingegen.
Die Masken sind unbequem.

Schlimmer noch- man möge mir vormachen, wie man eine solche Maske mit ihren innenliegenden und um den Kopf herumreichenden Bändern anzieht, ohne diese beim Anziehen zu kontaminieren.

Am schlimmsten – Die Masken schliessen um die Nase nicht genügend ab. In diesem Punkt sind sie schlechter als alle FFP2 – Masken, die wir bisher im Einsatz hatten.

Keiner von uns 5 Praxisangehörigen konnte diese Masken sinnvoll und zweckgemäß einsetzen. Wie Hohn wirkt es daher, wenn die KZV RLP sich freut, uns diese Masken überreichen zu dürfen und hofft, auf diesem Wege uns durch die pandemiebedingte Kostensteigerung etwas entlasten zu können. Hilfe, sehr geehrter Herr Spahn, sieht anders aus. Für mich klingt das wie einem Hund einen abgenagten Knochen hinzuwerfen. Klingt für mich wie das grosse Klatschen auf den Balkonen zu Beginn der Pandemie für die Kranken- und Altenpfleger, deren teils prekäre Situation sich auch im Jahr 3 der Pandemie nicht geändert hat.

p.s.: Das die gelieferten MNS – Masken als Produktionsdatum 12/2023 ausweisen, demnach die Masken via Zeitmaschine aus der Zukunft kommen müssen – trägt nicht unbedingt dazu bei – Produktionsstandort Deutschland hin oder her – das Vertrauen in das Produkt zu stärken.

WURZELSPITZE Qualitätszirkel I 22 16.02.2022 20 Uhr

Heute um 20 Uhr ist das nächste Treffen unseres WURZELSPITZE Qualitätszirkels.
Die Anmeldedaten haben alle Molaren-Patrons per Email bereits gestern erhalten. Falls nicht, im SPAM nachschauen oder mich kontaktieren unter h2w2@gmx.de Das Meeting findet im Übrigen nicht mehr via GOTO Meeting, sondern via Zoom statt. Der Fachvortrag kommt von Jörg Schröder. Das Thema dürfen die Teilnehmer zu Beginn auswählen.

Bis heute abend.

Das 4S – Instrument

Es war wieder einmal soweit.
Ein ThermaFil- Stift sollte aus dem Wurzelkanal entfernt werden.
Hoffentlich keine grosse Sache.
Alle Vorbereitungen sind getroffen.
Es fehlt nur noch der Fragremover, der von uns in einer Box mit allen weiteren Utensilien, die dafür notwendig sind, aufbewahrt wird und die in solchen Behandlungssitzungen auf der Hinterkopfzeile bereit steht, um zu gegebener Zeit hervorgeholt zu werden. Und gerade als ich mir das Gerät anreichen lassen möchte, fällt mein Blick auf das 4S – Instrument.

4S.
Ist die Abkürzung für die Sebastian-Stein-Schlingen-Spritze. Der hier mitliest und mir vor einiger Zeit schon ein Exemplar seines Fragmententferner-Selbstbaus zugeschickt hatte.

Draht, Kanüle und eine Luerlock- Plastik- Spritze und ein wenig Kleber.
Mehr brauchte es nicht.

Da liegt er nun, der 4S, in der Plastikbox und lacht mich an, als wollte er sagen, probier mich doch einfach mal aus. Und irgendwie packt es mich. Ich greif mir das Teil, stülpe die Schlinge über den Kunststoffstift, ziehe am Spritzenkolben im Sinne einer Spritzenaufzugsbewegung, die Schlinge packt zu, ich ziehe an der Spritze und – schwupps – der Stift ist draussen. SO einfach, das nicht nur ich, sondern auch meine beiden Assistentinnen, die bei der Behandlung dabei sind, ein Lob dem Erfinder zukommen lassen möchten.

4S!
Wer nicht auf eine professionelle Lösung zurückgreifen möchte, dem sei der 4S zum Selbstbau ausdrücklich ans Herz gelegt.

Tolle Idee, Sebastian !

Ohne Tassilo gäb´s das hier nicht. DANKE Tassilo !!!!

Eines meiner wichtigsten Anschaffungen meiner frühen Phase des zahnärztlichen Berufslebens war der Kauf einer Lupenbrille. Zunächst mit 2,5 facher Vergrößerung eine Keeler-Lupenbrille, relativ schnell danach eine Orascoptic TTL, Vergrößerungsfaktor 4,3. Die ich bis heute habe. Und – neben Apexlokator, OP-Mikroskop und DVT zu den besten und unverzichtbaren Investitionen meiner Praxistätigkeit zähle.

Mindestens genauso liebgewonnen- die Lupenbrille betreffend – habe ich jedoch auch die adäquate Beleuchtung. Das war anfangst eine riesiger Kasten mit Halogenlampe. Verbunden mittels Glasfaserkabel. Stand auf der Hinterkopfzeile während der Behandlung, nicht zu übersehen, vor allem aber auch nicht zu überhören, weil der für die Kühlung der Lichtquelle notwendige Lüfter bei einer ZE-Präparationssitzung stundenlang lautstark vor sich hin rotierte.

Was für eine Erleichterung, als dann irgendwann kleine transportable akkubetriebene Lichtquellen ihren Einzug in die Praxis hielten. Von nun an war das Licht auf dem Kopf ständiger Begleiter meines Arbeitsalltags. Selbst oder gerade auch bei einer 01 das schattenfreie, optimal ausgeleuchtete intraorale Sichtfeld ein Traum.

Einziger Wermutstropfen – von Zeit zu Zeit musste das geliebte Hilfsmittel wegen Kabelbruchs zur Reparatur geschickt werden. An dieser Stelle ein Dankeschön an Sigma-Dental, die über viele Jahre hinweg zunächst kostenlos und später für einen angemessenen Betrag die Reparatur durchführten, statt wie heute vielzuoft üblich schulterzuckend auf den Neukauf zu verweisen.

Die Abstände zwischen den Bruchereignissen wurden allerdings im Laufe der Zeit immer kürzer.

Irgendwann habe ich aufgegeben, das kaputte Licht einzuschicken. Zumal seit 2013 die Nutzung der Lupenbrille nur noch marginal vorhanden war, weil nun – solitär intrakanalär – fast ausschliesslich der Blick durch das OP – Mikroskop erfolgte. Das Licht also nur noch selten vermisst wurde.

Trotzdem war ich sehr froh, das Tassilo Hug, ein im 3D-Druck sehr beheimateter Kollege aus Heidelberg mir irgendwann seine Eigenkonstruktion vorstellte. Ein Lupenlicht, zusammengebaut aus Industrie-Teilen, die nur wenige Euro kosteten. Das Gehäuse für die LED-Birne selbst gedruckt mit einem in seiner Praxis vorhandenen Formlabs- 3D – Drucker. Angetrieben durch eine handelsübliche USB-Powerbank.

Die Lichtausbeute ?
Erstaunlich hoch.

Allerdings auch die Hitzeentwicklung über meiner Nase.
Und – Bei mir zumindest brannte die LED nach kurzer Zeit durch.
Ich saß also wieder sprichwörtlich im Dunkeln.

Vor kurzem dann habe ich einen neuen Anlauf unternommen.
Anlass war der Besuch des ortsansässigen Heimwerker-Marktes. Ich kann mich stundenlang dort aufhalten und mit kindlichem Interesse Gang für Gang entlangstreifen. So fand ich auch das Regal mit einer Auswahl an LED-Stirnlampen. Und dachte mir – wie wäre es, statt einer Lupenbrillenbeleuchtung, angefertigt aus Einzelteilen, von denen nicht klar ist, ob sie überhaupt miteinander harmonieren, auf ein solches Gesamtpaket zurückzugreifen und dieses lediglich für meine Belange zu modifizieren.

Gesagt, getan.

Als Proof of Concept habe ich zunächst eine Halterung gedruckt, die es mir erlaubte, die Stirnlampe an meine Lupenbrille anzuschrauben.

Nachdem das die Machbarkeit bewiesen hatte, bin ich im zweiten Schritt hingegangen und habe aus Gründen der Gewichtsreduktion, die Brillenkonstruktion betreffend, die Leuchteinheit von der Batterieeinheit getrennt und mittels Kabel verbunden. Auch hier diente ein in meinem Fall günstiger China- 3D – Drucker als Teilelieferant.

Ich präsentiere nun hier – Voila – mein DIY- Lupenlicht.
Mit Alu- Gehäuse (und dadurch gut wärmeableitend).
Zoom-Funktion der Linse.
4 Beleuchtungs-Betriebsarten (von denen 2 sinnvoll sind)

Die Lichtausbeute ?
Ich sag s mal so.
Mein erstes (teures) Lupenbrillenlicht war nicht so hell.

Das Beste kommt aber noch.
Das Licht hat nur rund 13 Euro gekostet.
Und jeder, der ein wenig handwerkliches Geschick aufweist, sollte in der Lage sein, in weniger als 20 Minuten sich solch ein Licht selbst zu basteln. Für sich selbst. Oder für Andere in der Praxis.

Was man dazu konkret benötigt an Materialien, Geräten und Druckdateien, das erfahren die WURZELSPITZE- Molaren-Patrons in einem Extra – Betrag.

Termine 2022 für den endodontischen Qualitätszirkel „WURZELSPITZE “

Die Covid- Pandemie hat neben vielen schlechten Dingen auch ein paar gute Aspekte bereitgehalten. Wir durften feststellen, daß virtuelle Fortbildungen nicht nur machbar sind, sondern sogar einige Vorteile haben. Statt sich nach Praxisschluss abgehetzt ins Auto zu schmeissen, um danach auf bundesdeutschen Straßen möglicherweise die gleiche Zeit wie für die eigentliche Fortbildung hinter dem Lenkrad im Stau zu verbringen, können wir stattdessen bequem von zu Hause aus uns weiterbilden.

Noch besser.
Das geht jetzt auch mit WURZELSPITZE.
Okay, hatten wir vorher schon, aber von nun an sind wir offiziell als Qualitätszirkel zahnärztekammerseitig gelistet und dürfen demnach Fortbildungspunkte vergeben.

Und zwar 3 Punkte pro Qualitätszirkeltreffen, von denen 4 pro Jahr stattfinden.

Hier schon mal die Termine zum Vormerken:

Wir „treffen“ uns 2022 am

Mittwoch
16. Februar 2022 20:00 Uhr

Mittwoch
22. Juni 2022 20:00 Uhr

Mittwoch
21. September 2022 20:00 Uhr

Mittwoch
14. Dezember 2022 20:00 Uhr

4 Kategorien sollen dabei – neben dem informellen Austausch untereinander – fester Bestandteil der WURZELSPITZE Qualitätszirkel- Treffen sein:

Neben einem Thema mit endodontischen Inhalten
eine Literaturbesprechung,
eine Falldarstellung
und eine betriebswirtschaftliche bzw. praxisorganisatorische Fragestellung.

Der Zugang zum Videomeeting erfolgt zu gegebener Zeit via Patreon an alle Molaren – Patrons von WURZELSPITZE.

WCDT – Kongress in Lisabon gecancelt

31 January 2022

WCDT Lisbon 2022 Cancelled
Careful planning for the 21st World Congress on Dental Traumatology in Lisbon has been underway since 2019. The COVID-19 pandemic has caused two postponements. Everything looked promising for a face-to-face meeting in May 2022, but the emergence of the highly contagious Omicron variant and the global disruption it has caused has been significant.

The 2022 abstract deadline was extended to 16th January 2022, however, widespread concerns about travel resulted in registrations remaining less than one third of expected attendance.

The conference organising committee, representing ESE, IADT and PSE, has been meeting regularly and monitoring developments over recent months. It met again, along with our Professional Congress Organiser, on 20th January 2022 to consider multiple options within the context of financial and broad educational and reputational losses.

Having weighed each option carefully, it became clear that the only viable action at this stage was to cancel the congress outright. This reality comes as a huge blow to all of those who have worked so diligently during the last several years to deliver a truly world class event; to our prospective speakers who accommodated earlier cancellations and invested greatly in preparing their presentations; to our sponsors and exhibitors who enthusiastically supported us; to those who engaged in research and then submitted abstracts, and finally to those who registered as delegates.

We communicate our heart-felt disappointment and apologise to all of you as we experience the devastating consequences of the ongoing COVID-19 pandemic on our meeting.

In contrast, we reflect positively on a strong and purposeful collaboration among the ESE, IADT and PSE organizations and sincerely hope that we are able to work jointly again in the future.

Please be assured that we will arrange a refund of registration and sponsorship fees.

Please contact AIM Group International (Lisbon), our professional congress organiser, atwcdt2022@aimgroup.eu , who will facilitate making the appropriate arrangements.

Thank you for your interest and commitment to dental traumatology.

The field remains strong, important and a key component to healthcare worldwide.

Kind regards,

The Congress Organising Committee

Neue Dinge werfen ihre Schatten voraus

Fast 27 Jahre lang hat uns unser Sirona Heliodent MD – Kleinröntgengerät hervorragende Dienste geleistet. Plötzlich und unerwartet hat es sich kürzlich von uns verabschiedet. Nun ist die Zeit für etwas Neues.

Dentapen – der erste Kontakt (2)

Was genau ist ein No Brainer ?
Wenn ich nach der deutschen Übersetzung für No Brainer suche, dann erscheint bei der Google-Suche als Antwort „ein Klacks“.

Ich hätte es eher mit „muss ich nicht drüber nachdenken“ ins Deutsche übertragen.
Und ganz ehrlich, ich bin über jede Situation, jede Handlung in der Praxis, die ich bewältigen muss, ohne drüber nachdenken zu müssen, sehr dankbar.

Was das mit dem Dentapen zu tun hat ?
Eine ganze Menge.

Denn natürlich habe ich in diesem Artikel hier geschrieben, das ich sehr gut ohne den Dentapen auskommen kann. Weil es nur sehr wenige Situationen gibt, in denen er in meinen Händen den Unterschied überhaupt ausmachen könnte.

Könnte – man beachte den Konjunktiv. Nicht mal das ist also sicher.

Warum also dann doch der Dentapen ?

Weil ich – in genau diesen, ich sage es jetzt bewusst seltenen Situationen ich froh bin, den Dentapen zu haben. Er beschert mir „No Brainer“ – Momente.

Ich denke an den superängstlichen Patient, die schmerzempfindliche Patientin.
Die einem Puls und Blutdruck hochtreiben.

Das ist der springende Punkt.
Und jetzt wird es fast ein wenig esoterisch.

Was macht in solchen Situationen es mit einem?
Zu wissen, das man mit Hilfe des Dentapen eine schmerzfreie und gut wirksame Anästhesie erzielen kann?
Ohne auch nur einen Gedanken (no brainer also) daran verschwenden zu müssen, ob die gewünschte Schmerzausschaltung erzielt werden könnte.

Wieviel ist mir das wert?
Dieses unbekümmert arbeiten können.
Diese Frage kann nur jeder für sich selbst beantworten.

Bleibt noch der nicht unerhebliche Preis.
Für etwas, auf das ich verzichten könnte.
Nur selten bräuchte.

Das beschäftigt einen.
Soll ich? Soll ich nicht ?
Jetzt ist auch noch eines unserer Kleinröntgen-Geräte kaputt gegangen.
Soll ich also die 1500 – 2000 Euro, die den Dentapen kostet, nicht besser sparen ?

Ist immerhin schon ein Viertel Röntgen-Gerät.
Ich überlege.

Und dann fällt mir ein. Ich habe mehrere intraligamentäre Spritzen in der Praxis. Die ich nur hin und wieder einsetze. Aber trotzdem darauf nicht verzichten kann und möchte. Da hab ich auch nie nach dem Preis gefragt oder aber die Überlegungen angestellt, ob ich mir das Geld sparen könnte.

Der Dentapen ist Luxus für mich.
Ich bräuchte ihn nicht, aber ich leiste ihn mir. Trotz seines Preises.

Ein starkes Indiz für den Nutzen eines solchen Gerätes, oder ?

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.as

Fortbildungspunkte

Willkommen in der Zukunft!

Gute Nachrichten für alle unsere Molaren – Patrons.
Es gibt Fortbildungspunkte für alle Teilnehmer des WURZELSPITZE – Qualitätszirkels. Das ist nun der offizielle Titel dessen, was einmal als WURZELSPITZE Plus – Live Talk seinen Anfang nahm und erfreulicherweise einen treuen Teilnehmerkreis ausgebildet hat. 4 mal im Jahr, im Februar, Juni, September und Dezember finden die virtuellen Treffen statt. 3 Punkte sind anvisiert pro Sitzung. Die genauen Termine, zum Vorplanen, kommen in den nächsten Tagen.

„Der Elektrische Reiter“ oder „Kuhfuss unter Strom“

Robert Redfords kommerziell erfolgreichster Film als Schauspieler und Regisseur ist „Der Pferdeflüsterer“, eine anrührende Herz-Schmerz-Geschichte, die 1998 in die Kinos kam. Fast 20 Jahre zuvor und heute weitestgehend vergessen, spielte schon einmal die Kombination Pferd – Redford in einem seiner Filme eine bedeutende Rolle. Robert Redford war damals der „Elektrische Reiter“. Ein ehemals erfolgreicher Rodeo-Cowboy, der nun – durch zahlreiche Verletzungen nicht mehr in der Lage bei Wettkämpfen anzutreten – als Werbefigur für einen Lebensmittelkonzern auftritt. Über und über mit Glühlämpchen behängt, was dem Film seinen Namen gibt. Und an jenen Cowboy, jenen elektrischen Reiter musste ich denken, als Jörg in seinem Beitrag hier vom Cowboy – Style sprach und mit der Metapher eines Kuhfusses die Entfernung von Guttapercha aus dem Wurzelkanal mittels Hedstroem- Feile und Moskito-Klemme präsentierte.

Und ich zeige nun die „elektrische“ Variante. Die sich den gleichen physikalischen Prinzipien wie das manuelle Pendant bedient, die da lauten: Mit der Hedstroem-Feile mit Hilfe der legendären Uhraufzugs/watch winding-Bewegung in die Guttapercha nach apikal vordringen und gleichzeitig für Retention innerhalb der Guttapercha sorgen. Nutzt man dann eine Moskito- Klemme, um über ein Hypomochlion einen lateralen Druck aufzubauen, presst man die Feile noch stärker in die Guttapercha hinein, so dass die Friktion in der Guttapercha größer ist als die Friktion der Guttapercha an der Kanalwand. Gleichzeitig erfolgt nun eine koronal gerichtete Bewegung. Das Resultat ? Wie mit dem Korkenzieher eines Kellnerbestecks wird die Guttapercha aus dem Kanal herausgehebelt.

Möglich wird das mit Hilfe des Morita Tri Auto ZX 2 – Handstückes. Das weist nämlich als einen seiner Arbeits-Modi eine reale Reziprok- Bewegung auf. Heisst 90 Grad hin – 90 Grad zurück. Oder auch 180 Grad hin – 180 Grad zurück – Auf jeden Fall jedoch keine Rotation. Die Guttapercha wird also nicht zerschnitten. Das ist der Trick dabei. Dann nur noch das verwendete VDW Reciproc R25 – Instrument (das ja nichts anders darstellt als eine leicht modifizierte Hedstroem- Feile. maschinell angetrieben, der elektrische Cowbiy eben) bei der Auswärtsbewegung nach lateral drücken.

Das Handstück als Kuhfuss.
Funktioniert.

Natürlich nicht in jedem Fall.
Aber immer wieder.
So dass wir zuallererst einmal auf diese Vorgehensweise zurückgreifen im Sinne von – wenn ´s nicht funktioniert können wir immer noch was anderes machen.

Hier das Video zur Demonstration der Vorgehensweise.

https://wurzelspitze.blog/wp-content/uploads/2022/01/Kuhfuss-maschinell.mp4

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Nachdenksache des Tages 20211123 – Zahnmediziner – Aufwachen!“

Der Blick in die Tageszeitung bleibt an der Überschrift hängen: Sparkassen laufen Sturm gegen Honorarpflicht – Banken fürchten um abschreckende Wirkung für Kunden

Worum geht´s ? Ich habe keine Vorstellung und lese interessiert nach. Sparkassen warnen die Politik davor, die Beratung für Finanzprodukte gegen Honorar zum Standard zu machen. Hähh ? Der Staat erlaubt euch, Geld für eine bislang kostenlose Dienstleistung zu nehmen und ihr lehnt entrüstet ab ? Ihr dürftest also von nun an eure Aktienfonds und Lebensversicherungen dem Kunden andienen und zusätzlich noch für eure Empfehlung Geld nehmen ? Euch also eure fachliche Expertise bezahlen lassen, unabhängig davon, ob der Kunde dann das empfohlene Produkt kauft oder nicht ?

Und ihr wollt das nicht ?

Die Antwort folgt sogleich. Der Präsident des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes klärt auf: Eine verpflichtende Honorarberatung stelle für viel Kleinanleger eine unüberwindbare Hürde dar. Wenn Kleinanleger für eine Erstberatung von 2 Stunden erst einmal die tatsächlichen Kosten von durchschnittlich 360 Euro als Honorar auf den Tisch legen muss, nehmen die meisten keinerlei Beratung mehr in Anspruch. Eine solche Vorgabe schliesst grosse Teile der Bevölkerung vom Zugang zu guter Beratung aus und ist unsolidarisch.

Zorro und Robin Hood in Personalunion bei der Sparkasse ?
Oder Batman und Che Guavara ?

Wird die Finanzwelt nun endlich gut ?
Ein Schelm, wer Arges denkt.

Oder hat man nur Angst, dass man einen grossen Kundenkreis verliert, dem man nun nicht mehr zu irgendwelchen Finanzdeals überreden, nein ,“überzeugen“ kann, auf die er eigentlich von sich aus nie gekommen wäre ?

Sei es drum. Es ist ein anderer Aspekt, den ich so bemerkenswert finde. Die tatsächlichen Kosten, schwarz auf weiss, für die Beratung durch den (einzelnen) Bankmitarbeiter beträgt 180 Euro pro Stunde. So – und jetzt Hand aufs Herz. Wie kann es sein, das wir als Zahnärzte für eine Beratung von einer Stunde beim Kassenpatienten einen Betrag von X Euro und beim Privatpatienten von Y Euro in Rechnung stellen dürfen ? Und wie kann es weiter sein, das Niemand aus der Standespolitik diesen Missstand artikuliert ? Sind wir weniger wert, als ein Bankkaufmann, ein Versicherungskaufmann, beides im Übrigen Ausbildungsberufe. Die Ä3 ist mit 20,11 Euro, die Ä1 mit 10,72 Euro vergütet. Dem Bankkaufmann wird also – durchschnittlich wohlgemerkt – 50 – 200 % mehr Honorar zugestanden, nur um seine Kosten zu decken, von Gewinn ist hier noch gar keine Rede. Auch nicht davon, das bei uns in der Praxis, während wir beraten, ja noch ein ganzes Team von Mitarbeitern um uns herum sich befindet, deren Kosten ja noch zusätzlich in die Berechnung einfliessen müssten.


Dentapen – der erste Kontakt

Ich vermute mal jeder von uns kennt so einen Kollegen.
Der jede Neuerung, die in seiner Praxis Einzug hält, hoch euphorisch anpreist.

Sei es ein neues Abformmaterial: „Bombe!“
Oder eine neue Endo- Feile, ein neues Composite- Material: „Sensationell!“.
Wer ihn kennt, weiss aber auch, dass dieses Hochgefühl selten länger als 4- 6 Wochen anhält. Sobald der erste Misserfolg sich einstellt, das erste NiTi – Super Duper- Instrument im Wurzelkanal abgebrochen ist, die erste ZE – Arbeit als nicht passend aus dem Dentallabor zurückkommt, kehrt besagter Zahnmediziner reumütig zum früheren Status Quo zurück. Und nur auf Nachfragen irgendwann gibt er dann kleinlaut zu, daß die Geheimwaffe nun in der Schublade verstaubt.

Ganz anders mein lieber Freund Chris K(ay) aus Munich. Wenn der schon mal in Lobeshymnen ausbricht, dann kann man sicher sein, das es sich wirklich um etwas ganz Aussergewöhnliches handelt, was er uns an Herz legt. Wie kürzlich geschehen beim Dentapen von Septodont. Ich kann mich nicht erinnern, ihn schon mal nach so kurzer Zeit so euphorisch schwärmen gehört zu haben, wenn es um eine eine kleine und banale Sache geht wie ein Hilfsmittel zur dentalen Anästhesie.

Grund genug für mich, das Gerät einmal auszuprobieren. Ich war supergespannt, teilen doch Christoph und ich die gleiche beinahe schon manische Besessenheit, nämlich die orale Anästhesie für den Patienten so angenehm wie möglich durchzuführen.

Wer wissen will, wie der Dentapen funktioniert, dem seien Christophs Beiträge hier und hier und da zur Lektüre empfohlen.

Für nun ist es ausreichend, zu wissen, dass das Gerät motorunterstützt die Anästhesie erleichtert. Gewissermaßen eine Förderpumpe für minimale Mengen Articain etc. . Kennt jemand noch „The Wand“? Diese Mini – PC- Towergehäuse große, schlauchgebundene mehrere tausend Euro teure Maschine macht auch nichts anderes, der Dentapen ist gewissermaßen eine handliche und günstigere Variante.

Und wie war es nun ?
Vermutlich so, wie man mit großen Erwartungen als Kind an Heiligabend an den Weihnachtsbaum herantritt, um dann festzustellen, dass man von der Oma nicht die gewünschte Carrera-Auto-Rennbahn (Willkommen im Jahr 1974) sondern nur einen doofen selbstgestrickten und obendrein kratzigen Pullover geschenkt bekommen hat.

Leicht enttäuschend.

Weil der erhoffte Aha- Effekt ausgeblieben ist.
Die Patienten nämlich im Vergleich zu kürzlich erfolgten konventionellen Anästhesien am Gaumen – das ist nämlich der Acid – Test schlechthin – keinen spürbaren Unterschied festzustellen schienen. Diesen Eindruck hatten im Übrigen nicht nur ich, sondern auch meine Assistentinnen. Die übliche Frage: Was kostet das Teil ?“ Und als ich antwortete „1200 Euro“ wurde abgewunken. Zumal die Mikroplastik- Weltmeer und Nahrungs-Diskussion scheinbar in den deutschen Köpfen angekommen zu sein scheint, denn der Gebrauch des Dentapen setzt die Nutzung einer weiteren Einmal-Plastikhülle voraus und auch das wurde im Team kritisch bewertet.

Ist damit unser Beitrag zu Ende?
Keineswegs.

Ist das hier ein Veriß?
Auf gar keinen Fall.

Was ich hier mache, ist das, was wir, das dentale Marketing betreffend, eigentlich wünschenswerterweise immer gerne hätten. Keine unreflektiereten Lobeshymnen, sondern eine differenzierte Betrachtung, das Für und Wider abwägend. Der Dentapen ist nämlich ein wunderbares Hilfsmittel. Punkt. Nicht für jeden, aber für all diejenigen Behandler*innen, die aus welchen Gründen auch immer sich eher schwer damit tun, die Anästhesie am Patienten wirklich schmerzfrei durchzuführen.

Und ich kann jedem nur empfehlen, den Dentapen mal auszuprobieren um sich

a) selbst ein Bild davon zu machen und

b) mit eigenen Augen zu sehen, wie langsam und gefühlvoll man injizieren muss, um eine solche Wirkung zu erzielen. Das dauert nämlich. LANGE. Geduld ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Wer sie aufbringt und das Feingefühl bei der Injektion mitbringt, der braucht keinen Dentapen. ABER – jetzt kommt der Moment, bei dem ich mich ertappe, stark mit dem Dentapen zu liebäugeln, obwohl ich ihn eigentlich nicht brauche. WEIL – er mir die ganze Arbeit oder sollte ich besser sagen die Konzentration auf den Vorgang abnimmt. Vorsichtig einstechen, den Knopf drücken und – im Geiste – abschalten. „Den Kopf freimachen“ meine ich damit. Oder in Ruhe dem Patient erzählen, was nun als Nächstes in der Behandlung ansteht.

Das mache ich ohne Dentapen zwar auch.
Aber -das ist nicht das Gleiche.
Das eine mal hochkonzentriert, das andere mal relaxed.
Ich habe jedes Mal diese Momente genossen.

Kann das der mir geneigte Leser nachvollziehen?
Mich verstehen?
Ich schlage vor, den Dentapen zu testen und ein eigenes Urteil zu fällen.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Update Stand der Zwiebel Samstag 08.01.2022 11 Uhr 22

Ich habe so wie es jetzt aussieht einen Workaround gefunden, der zumindest für die WURZELSPITZE Patrons den bisherigen Zustand wieder herstellt und ihr wie gewohnt über die WordPress Seite, die nun www.wurzelspitze.blog heisst, mitlesen könnt. Der Support beider millardenschwerer Unternehmen war und ist unterirdisch. Beide Supports schieben das Problem dem jeweilig anderen Partner zu. Beispiel gefällig :
WordPress schreibt: Since this is a third-party plugin, our team has a limited scope of support as we aren’t familiar with the inner workings of their product, but I’ll try my best to point you in the right direction.
Und verweist dann auf Teilnehmer- Selbsthilfeforen.
Patreon schreibt: Hi there,Unfortunately, we are unable to provide support on the API on our end.
Und verweist dann , na , worauf wohl – auf Teilnehmer-Selbsthilfeforen.
Schöne neue Welt!

In unserem Fall kommen mehrere „Zahnräder“ in Betracht, die (knirschend) ineinandergreifen. Die Einbindung des Patreon Plug Ins. Der dafür notwendige Domain-Wechsel. Das bei vielen Teilnehmern vorhandene Cache, die alten Adresse beinhaltend und die mit der alten Adresse besetzten Lesezeichen in den Browsern und Mobile Apps.Dann gab und gibt es allerdings definitive Bugs auf WORDPRESS Seite. Das Backend betreffend, so das der Leser davon verschont bleibt. Die tauchen im täglichen Autoren- Arbeiten auf (Olaf kann davon nicht ein Lied, eher eine ganze Oper singen) allerdings nicht für alle und unregelmäßig, was die Fehlersuche schwierig bis unmöglich macht. Man entwickelt im Laufe der Zeit einen Workaround. Das Wort trifft es in der Übersetzung sehr gut. Geht, ist aber super nervig. Jüngstes Beispiel. Ich habe das Patreon plug in deaktiviert. Und die Seite wieder auf privat gestellt. Zum Jahreswechsel löschen wir hierzu alle Zugangsberechtigungen und laden die Abonnenten des neuen Jahres danach wieder als Leser neu ein. So war es zumindest bisher. Nachdem ich also alle Leser entfernt hatte, wollte ich die aktuellen Leser wieder als solche einladen. Daraufhin gibt WORDPRESS aus, dass diese bereits alle als Leser vorhanden sind. Fakt ist aber. Keiner der Leser kann mitlesen. Und keiner ist als Leser gelistet, die Seite ist und bleibt leer. Stattdessen erscheinen (wie ich zufällig 2 Tage später feststelle) in unserer Teamseite (in der bislang nur die Autoren stehen) nun zwei neue Namen. Als Abonnenten gelistet. Mit der Einbindung des Patreons – plug in wurde eine neue Kategorie eingeführt – Abonnenten. Die zwar auch nur Leser sind, aber nicht bei diesen, sondern bei uns gelistet werden. Unlogisch. Sei es drum. Das bringt mich auf die Idee, alle Leser nicht als Leser, sondern als Abonnenten noch einmal einzuladen. Leider geht die Einladung nicht wie gewohnt in 10er Gruppen. Wenn man es versucht, erscheint eine Fehlermeldung, diese Teilnehmer sind bereits eingeladen. Ich muss also jeden einzelnen händisch einladen.

Egal. So funktioniert es nun.
Toi Toi Toi.

Hallo 2022 !

Sahen früher irgendwie traurig aus, die Steiff-Tiere. Lag es an den harten Zeiten damals ?

Neues Jahr, neues Glück ?

Das können wir alle für 2022 noch mehr brauchen als in den Jahren zuvor.
Wir von WURZELSPITZE wünschen allen unseren Lesern und vor allem auch unseren Patrons einen guten Start in die noch kommenden 361 Tage.

Womit wir schon bei ersten Änderungen im noch jungen Jahr angekommen sind.

Zum einen. WURZELSPITZE hat eine neue (und kurze) URL.
Wir sind jetzt unter https://www.wurzelspitze.blog zu finden.

Die Änderung war notwendig geworden, weil unsere Seite jetzt mit Patreon verknüpft ist. Diese Plattform erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei Webvideoproduzenten, Musikern, Podcastern und Bloggern. Über Patreon, 2013 vom Musiker Jack Conte ins Leben gerufen, können Künstler und Kreative von ihren Unterstützern regelmäßig einen selbstbestimmten Geldbetrag erhalten. Dieser hilft uns , den Blog WURZELSPITZE weiter zu betreiben. Und eine zwar unvollständige, aber zumindest semiquantitative Kompensation darstellt, den Aufwand betreffend, der für uns mit dem Schreiben der vielen Beiträge für WURZELSPITZE verbunden ist.

Für die WURZELSPITZE- Unterstützer ist durch die Patreon- Plattform (die nächsten Tage der Umstellung mal aussen vorgelassen) eine deutliche Vereinfachung verbunden.
Passwörter werden nicht mehr notwendig, weil Patreon automatisch die Freischaltung der jeweiligen Inhalte vornimmt. Auch die notwendigen Belege für den Steuerberater sind ad hoc verfügbar. Von den Inhalten ändert sich nichts Grundlegendes. Allerdings wollen wir ein paar Dinge in 2022 angehen, die noch nicht oder coronabedingt nicht mehr möglich waren bislang.

Zum einen Webinars, also kurze, wenige Minuten lange „How to Do“-Videos zu endodontischen Arbeitsweisen. Ein persönliches Treffen der WURZELSPITZE Community würden wir gerne machen. Sowie die schon seit langem durch unsere Köpfe spukende „Die Drei reden über…“ Fortbildung stattfinden lassen.

Die Drei – das sind Ha-Wi Herrmann, Christoph Kaaden und Jörg Schröder. Und wir versprechen, sofern das Virus uns lässt, eine endodontische Fortbildung, wie es Sie bisher noch nicht gegeben hat.

Wenn das kein guter Auftakt für 2022 ist …

Frohe Weihnachten!

Wir wünschen allen WURZELSPITZE – Lesern Frohe Weihnachten und einen guten Start in ein hoffentlich ruhiges und uns von allem Negativen verschonendes Jahr 2022!

Die gute Nachricht zum Fest – auch im kommenden Jahr wird es mit WURZELSPITZE weitergehen.
Dann mit Patreon-Unterstützung. Was hoffentlich für alle Beteiligten – Leser wie Autoren gleichermaßen – eine Erleichterung darstellen wird.

Und – falls uns das Virus nicht einen Strich durch die Rechnung machen wird – dann wird es zur Mitte des Jahres hin die von uns seit 3 Jahren herbeigesehnte WURZELSPITZE Herzblut-Veranstaltung geben. Ein einmaliges Vortragskonzept, wie es dieses bislang in der Endodontie noch nicht stattgefunden hat. Für Einsteiger wie versierte Hasen gleichermaßen nützlich und sinnvoll. Also – Daumen drücken, das sich die Virenlage bessert und schon jetzt freuen wie auf´s Christkind!!!

Geschichten aus dem Endozän 20211220 – Der Überweiser, der maximal einmal im Jahr überweist

Kennt ihr das ?

Der Überweiser, der maximal einmal im Jahr überweist.

Einen Tag vor seinem Urlaub. Oder – wie jetzt – in der Woche vor Weihnachten.
Dann jedoch muss die Behandlung sofort erfolgen. Heute nachmittag noch. Spätestens morgen.
Ein Ansinnen, dass vermutlich in seiner Praxis, würde es vorgetragen, je nach Naturell des Praxisinhabers auf brüske Ablehnung oder schallendes Gelächter stossen würde.

Ach ja, und wir mögen bitte den Patienten selbst kontaktieren.

Hier der ungekürzte Originaltext:

Patient XXX

Zahn 37 unvollständige WF und Herdverdacht

mit der Bitte um Revision der Wurzelfüllungen

Patient ist antibiotisch abgedeckt (Clindasaar 600 1-1-1)

Mit der Bitte um kurzfristige Terminvereinbarung

mit dem Patienten unter der Telefonnummer XXX

Patient hat Schmerzen am Prothesenankerzahn

Röntgenaufnahme in der Anlage


Mit freundlichen Grüßen

Was sagt ihr ? Wie sollte man in der Sache verfahren?

Ich freue mich über Kommentare zum Thema …

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument ? (4)

Mein Wurzelkanal-Aufbereitungs-System für 2022 ?

Vermutlich ProTaper Ultimate.
Die neueste Inkarnation des legendären ProTaper-Systems.
2001 kam die erste Generation auf dem Markt. Ist nun mehr als 20 Jahre her. Damals eine Revolution. Ich war sehr angetan. Trotzdem bin ich irgendwann davon abgerückt. Genau gesagt 2004. Als ich mit MTwo in Berührung kam. Später kam dann Reciproc dazu. Und in all dieser Zeit hat es das ProTaper – System nicht mehr geschafft, einen Fuss in unsere Praxistür zu bekommen. Und was es alles gab. ProTaper Universal, ProTaper Next, ProTaper Gold. Reizvolle Systeme in verschiedenen Einzelaspekten. In der Summe – unterm Strich – dann aber doch für mich mit gravierenden Nachteilen und Risiken (Bruchrisiko, Starre der Instrumente zu größeren Durchmessern hin) verbunden. Risiken, die so gering sie auch sein möchten, für mich den Ausschlag gaben, Alternativen den Vorzug zu geben.

Jetzt also ProTaper Ultimate.

Und es ist zwar noch nicht ganz Weihnachten, aber es sieht so aus, das Maillefer meine Wünsche erhört hat. Nämlich ein maschinelles Aufbereitungs-System Instrument für Instrument auf seine speziellen Anforderungen im Arbeitsablauf hin zu konzipieren.

Ein Hybrid- System 3.0 sozusagen.
Bei ProTaper Ultimate haben die Maillefer – Ingenieure aus dem mittlerweile sehr großen Konstruktions-Setzkasten an Materialien und Formen für jedes einzelne Instrument die jeweils für seinen spezifischen Aufgabenbereich bestmögliche Kombination herausgegriffen und so ein Sortiment aus deutlich unterschiedlichen Einzelinstrumenten zu einem stimmigen Gesamtkonzept zusammengefügt. Instrumente zur initialen apikalen Erschließung müssen nunmal einen ganz anderen Aufbau haben als Instrumente zur koronale Erweiterung oder zur finalen Ausformung des Wurzelkanals über seine gesamte Länge hinweg. Dem hat man hier Rechnung getragen und zusätzlich noch den meines Erachtens wichtigen Trend nach geringeren Aufbereitungsdimensionen zum koronalen Bereich hin ins Instrumentendesign integriert.

Nachfolgend 2 Zähne 27 und 47, die ich mit ProTaper Ultimate endodontisch behandelt habe.

Es standen mir vorab nur 6 Packungen zur Verfügung. Die hier gezeigten Zähne 27 und 47 sind Zahn 2 und Zahn 4 der Fallreihe. Beide Zähne waren extrem schwierig. Und ich konnte die Behandlungen (wie genau das geschah, kommt in einem weiteren Beitrag) zu meiner Zufriedenheit lösen.

Bei der Bundestagswahl wäre dies eine erste Prognose nach Schluss der Wahllokale. Soll heißen – Viele zu wenig Input bislang, um ein wirkliches Fazit zu ziehen, aber ein Trend ist doch zweifelsohne erkennbar. Ich freue mich auf jeden Fall, sobald das System im Markt erhältlich ist, damit weitere Erfahrungen zu sammeln und die Instrumente in unser Aufbereitungskonzept integrieren zu können. Ich bin schon jetzt zuversichtlich, das diese ihren Platz in unserer Praxis finden werden.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Wer würde nicht auch hier auf die Idee kommen, zur Extraktionszange zu greifen …

Aber es ist kurz vor Weihnachten und ich appelliere an das Gute im Menschen. Und möchte morgen abend zeigen, im letzten Mittwochabend-Endodontiegespräch für 2021, wie man in solchn und viele andere ähnlich gelagerte, scheinbar hoffnungslose Fällen erfolgreich und vor allem vorhersagbar dem Patienten dessen Zähne erhält.

Zum Teilnahmelink geht es hier.

Geschichten aus dem Endozän 20211210

Neulich musste ich dann doch bei der Erstvorstellung des Patienten (76 Jahre, ehemaliger Lehrer) innerlich den Kopf schütteln vor Unverständnis.
Er war zur endodontischen Behandlung des Zahnes 26 von Hauszahnarzt überwiesen. Der Patient beklagte sich, dass er von seinem Heimatort 18 km Fahrtweg habe, um zu unserer Praxis zu kommen und das ihm das (eigentlich zu) lästig sei. Soweit nicht Neues, es ist ja ein hinreichend bekanntes Phänomen, das gerade unsere Patienten mit der kürzesten Anreise sich am lautstärksten darüber beklagen. Was der Patient dann aber im Laufe des Gesprächs erzählt, hat mich dann doch innerlich ein wenig sprachlos gemacht. Er erzählte, dass er morgen nach Tschechien unterwegs sei, um für den Weihnachtsmarkt der Heimatgemeinde Waren einzukaufen. „Wie er dort käme?“, fragte ich. „Mit dem Auto“ war die Antwort. 1200 KM Fahrt sind dann offensichtlich kein Problem mehr. Das verstehe, wer will.

Apropos weite Anreise – Wenn ich gut gelaunt bin, dann antworte ich darauf, das nur Patienten, die mit dem Flugzeug zu uns kommen, aus unserer Sicht eine lange Anreise haben, aber das verkniff ich mir hier.

„Aktuelles Urteil zur präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials“

„Aktuelles Urteil zur präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials“

Die Art der Berechnung der präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials wird immer wieder diskutiert. Nun gibt es hierzu ein aktuelles Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 07.09.2021 (Az.: 2 S 1307/21), das die Richtigkeit der Analogberechnung nach §6 Abs.1 GOZ der präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials bestätigt.
Hierzu ein Leitsatz des o.G. Urteils: „Die Entfernung alten Wurzelfüllmaterials im Rahmen einer Wurzelkanalrevision ist eine selbständige nach §6 Abs.1 GOZ als Analogleistung abrechenbare Leistung. Sie ist nicht mit der GOZ-Nummer 2410 (Aufbereitung eines Wurzelkanals) abgegolten.“
Der Behandler hatte die „Entfernung alten Wurzelfüllmaterials“ in analoger Anwendung der GOZ-Nr. 2210 berechnet, da es sich aus seiner Sicht um eine selbständige, nicht im Gebührenverzeichnis der GOZ enthaltene, Leistung handelt. Die Analogberechnung der „Entfernung alten Wurzelfüllmaterials“ nach §6 Abs.1 GOZ entspricht ferner der gebührenrechtlichen Expertise der Bundeszahnärztekammer (BZÄK).

Der Kostenerstatter meinte hierzu, die Entfernung einer alten Wurzelfüllung sei mit der ebenfalls berechneten Wurzelkanalaufbereitung nach GOZ 2410 abgegolten.

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg teilte allerdings die Argumentation des Behandlers bzw. der BZÄK.

Aus AEND – Autor Peter Klotz

p.s.: In der DZW findet sich ein ausführlicherer Artikel von Klotz zum Thema.

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument ? (3)

Endlich !!!
Neue Aufbereitungsinstrumente!

Die letzten Jahren war es ziemlich ruhig, was neue Endo-Aufbereitungsinstrumente anging. Klar wurde IDS für IDS immer wieder was Neues auf den Markt geworfen. Zumeist jedoch alter Wein in neuen Schläuchen. Die letzte große Revolution – die reziproken Instrumente – wurden der Öffentlichkeit Anfang 2011 vorgestellt. Gab´s danach noch was Neues ? TruNatomy würde ich nennen, mit dem Fokus auf schmale Präparationen im oberen Wurzelkanalbereich. Ein guter Ansatz, aber in meinem Klientel und unserer Praxis mit rund 90 Prozent Revisionen spielt das Instrument de facto überhaupt keine Rolle. Im September hat die Firma Komet ihr Procodile Q System präsentiert. Und ich gebe zu, auf den ersten Blick fand ich die Änderungen gegenüber der ersten Generation ausgesprochen erfreulich. Änderung 1: Es wird nun eine wärmebehandelte NITI – Legierung verwendet. Bedeutet: Höhere Flexibilität, höhere Ermüdungsbruchresistenz und die Möglichkeit des Vorbiegens. Was hätte ich mir noch gewünscht – einen variablen Taper. Aber genau das ist (noch) patentgeschützt und ich vermute mal, das Komet Lizenzgebühren vermeiden wollte oder andere Gründe gegen die Verwendung dieses Designmerkmals sprachen.

Was nun tun, um die wichtige Flexibilität auch im oberen Teil der Instrumentenschneide sicherzustellen ? Die Lösung – Änderung 2 und zugleich eine echte Neuerung – der Kerndurchmesser des Instrumentes wird zu den breiteren Aussenbereichen hin dünner. Das Instrument ist unten innen im Vergleich zum Aussendurchmesser dick, weiter oben wird dann der Innendurchmesser im Vergleich zum Aussendurchmesser immer kleiner.

Klingt nach einer sinnvollen Maßnahme.
Allerdings „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie“, um den Leibhaftigen selbst und Altmeister Goethes bekanntestes Werk zu zitieren. Und so muss sich das neueste Komet – Instrument, welches am Wochenende auf der DGET- Jahrestagung in Berlin den fachkundigen Kollegen präsentiert wurde, aller Vorschusslorbeeren zum Trotz , auch in der Praxis bewähren.

Denn – „Was zählt ist auf ´m Platz“.
Alfred Preißler hat das gesagt. Und sich im Übrigen wie ich auf Goethe bezogen, denn – das korrekte Zitat in voller Länge lautet laut Wikipedia: „Grau is’ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is’ auf’m Platz.“

Was mir nun bei meinen Behandlungen aufgefallen ist – Das Instrument ist deutlich flexibler als die VDW Reciproc R25. Das ist definitiv ein Plus. Und in bestimmten Kanälen gibt das Instrument ein taktiles Feedback zurück, dass einen die benötigte Kraft nach apikal gut dosieren lässt. Dieses „angenehme“ Phänomen gibt es bei der R25 nicht.

Aber damit enden leider für mich schon die Vorteile.
Und ich muss mich, wo Licht ist, ist auch Schatten, mit den Nachteilen herumschlagen:

Nachteil 1: Das Instrument ist zu flexibel. Zu flexibel??? Man mag es nicht glauben, aber zuviel Flexibilität ist auch nicht gut. Gar nicht gut. Denn – die gewohnte bürstende Bewegung nach lateral im Kanal fällt in ihrer Abtragsarbeit deutlich geringer aus.
Ist nicht nur ungewohnt, sondern auch wenig effektiv.

Nachteil 2: Im Gegensatz zur VDW R25 zeigt sich eine deutlich geringere Effizienz, was das Entfernen von WF- Material angeht. Beispiel gefällig? Im angefügten Video war es mir nicht möglich, die (zugegeben harte) Guttapercha maschinell zu entfernen. Erst mit der R25 hatte ich Erfolg.

Nachteil Nr. 3: Der geringere Innendurchmesser des Instrumentes erhöht die Frakturanfälligkeit des Instrumentes. Vielleicht war es wirklich nur Zufall. Aber wenn bereits im dritten Behandlungsfall eine Fraktur sich einstellt und dies auch noch relativ weit oben am Instrument stattfindet, dann werte ich dies zumindest als Indiz für eine mögliche höhere Bruchanfälligkeit. Zum Vergleich: Seit 2008 (2 frakturierte Prototypen mitgezählt) sind mir 4 R25-Instrumente frakturiert. Und jedes Mal in Extremsituationen. Die Procodile Q – ein Arbeitstier a la VDW R25 ? Da wäre ich sehr zurückhaltend, eine solche Einschätzung betreffend. Aber genau so ein Arbeitstier brauche ich. Welches im Übrigen nach der Fragmententfernung ohne Probleme (und ohne Bruch) zum Ziel führte.

Mein Fazit:
Ich bin sicher, bei jemandem, der viele Erstbehandlungen macht, ist es möglicherweise anders, aber für mich ist die Procodile Q kein Trauminstrument. Rein subjektive Wertung – die Procodile Q entspricht nicht meinem Anforderungsprofil und nicht meiner Arbeitsweise.

Was für mich bei dieser Einschätzung um so schwerer wiegt – Ich habe vor kurzem ein neues maschinelles Aufbereitungsinstrument kennengelernt, von dem ich sehr angetan bin.
Und das sich anschickt, aus dem Stand heraus, sich in unserer Praxis zu etablieren.

Darüber berichte ich nächste Woche.
Und was die Procodile Q angeht – bis zur Markteinführung wird noch einige Zeit vergehen und vielleicht ändert sich ja noch was. Ich bin gespannt. Und drücke beide Daumen.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument (1) ?

Am 6. April 1962 trat Leonard Bernstein als Dirigent der New Yorker Philharmoniker zu Konzertbeginn vor das Publikum der vollbesetzten Carnegie Hall. Brahms Klavierkonzert Nr. 1 stand auf dem Programm, der junge Glenn Gould sollte der Solist sein. Statt stumm zum Dirigentenpult zu gehen und den Taktstock zum Auftakt des Stückes zu heben, wandte sich überraschend der Maestro in einer Ansprache an das verblüffte Auditorium. Ein ungewöhnlicher Vorgang. Noch ungewöhnlicher war dann aber, was Bernstein kundtat. Er verkündete:

„Don’t be frightened… Mr. Gould is here. He will appear in a moment. I am not, as you know, in the habit of speaking on any concert (…), but a curious situation has arisen, which merits, I think, a word or two. You are about to hear a rather, shall we say, unorthodox performance of the Brahms D Minor Concerto, a performance distinctly different from any I’ve ever heard, (…) in its remarkably broad tempi and its frequent departures from Brahms‘ dynamic indications. I cannot say I am in total agreement with Mr. Gould’s conception.“

Leonard Bernstein distanziert sich öffentlich von Goulds Interpretationsansatz. Ein Skandal. So nachzulesen und anzuhören bei BR Klassik, für deren Rubrik „Was geschah heute“ ich im Übrigen an dieser Stelle nachdrücklich werben möchte, auch wenn ich, die Geschehnisse jenes Tages beurteilend, mit der Redaktion nicht übereinstimme. Was dem Radiobeitrag nämlich fehlt, der die damalige Situation nur verkürzt und damit sinnentstellend wiedergibt, ist die Aussage Bernsteins ein paar Momente später, welcher auf die rhetorische Frage, warum er denn das Konzert überhaupt dirigiere, wenn er mit Gould nicht übereinstimme, Folgendes anführt.

„I am conducting it, because Mr. Gould is so vaild and serious an artist that I must take seriously anything he conceives in good faith. And his conception is interesting enough so that I feel you should hear it, too.“

Bernstein war also weder skandalös noch ehrverletzend, was die Person Goulds oder sein Schaffen als Künstler anging. Im Gegenteil. Selbstverständlich war sich Bernstein bewußt, mit welchem Ausnahmeinterpret er die Freude und das Vergnügen hatte, musikalisch zusammenzuarbeiten. Zwei Titanen der E – Musik. Wie zwei Maler, die beide konträr unterschiedlich das gleiche Sujet auf der Leinwand festhalten, aber dennoch höchsten Respekt für das Werk des Anderen haben, auch wenn sie niemals im Stil des Gegenübers malen wollten, geschweige denn könnten.

Und was hat das Ganze nun mit der Endodontie und WURZELSPITZE zu tun ?

Ende September hat Komet auf der IDS ihr neues maschinelles NITI System Procodile Q dem Fachpublikum vorgestellt. Ich hatte es kurz zuvor zum Testen bekommen. Zu wenig Zeit, um darüber profund zu berichten. Daher habe ich aus diesem Anlaß Nils Widera (von dem ich wusste, dass er seit längerem schon damit arbeitet) gebeten, über seine Erfahrungen zu berichten.

Nils Bericht möchte ich bei WURZELSPITZE wiedergeben.
Und genau wie Bernstein es damals mit Gould getan hat, ihm – höflich und voller Respekt seines Tuns und seiner Expertise gegenüber – widersprechen. Meine eigenen Erfahrungen ebenfalls hier einstellen. Die – man vermutet es nach Erwähnung jener historischen Anekdote – deutlich anders ausfallen.

Aber wer hat nun recht ?
Dirgent oder Interpret?
Nils oder Ha-Wi?

Keiner von uns.
Oder wir beide.
Denn letztendlich muss jeder Behandler für sich selbst entscheiden, welche Instrumente in seinen Händen und in den Zähnen der jeweils eigenen Patienten, das bestmögliche Ergebnis erzielen. Das ist nämlich von vielen individuellen harten und weichen Faktoren abhängig. Ein arrogantes Beharren auf der eigenen Meinung als der einzig richtigen geht nämlich an der Sache vollkommen vorbei. Das wird umso deutlicher, wenn ich im Nachgang ein weiteres brandneues System vorstelle, von dem ich wiederum ich sehr angetan bin. Ich jenes in ebenso höchsten Tönen lobe wie Nils es zuvor getan hat. Wohlwissend, das vermutlich einer anderer Behandler zu gänzlich anderen Einschätzungen und Ergebnissen kommen wird, voller Ungläubigkeit und Unverständnis wiederum, mein Urteil betreffend.

Es bleibt also spannend.
Was gut ist.
Langweilig – die Instrumentenfrage betreffend – war es nämlich viel zu lange.

Hier gehts zum Erfahrungsbericht.

In eigener Sache – 3000 Plus

Im November 2008, also nunmehr ziemlich genau vor 13 Jahren sind wir gestartet.

Mit jenem Beitrag, dem Stichwort „Babyschritte“ und dem sprichwörtlichen Slogan „Jede noch so lange Reise beginnt mit einem einzigen Schritt“ ging es los .

Diese Tage haben wir die 3000 Beiträge – Grenze überschritten.
3000 mal haben wir in dieser Zeit über die Endodontie geschrieben und ihre Begleitumstände im Praxisalltag dargestellt.

5 Tage die Woche,
Morgen für Morgen.

Von Fachlich Wertvollem, Interessantem, Lustigem, Skurrilem, aber auch Frustranem haben wir berichtet. Zur Weiterbildung und Unterhaltung des Lesers. Bei einer Lesezeit von nur 2 Minuten pro Beitrag sind das immerhin fast 4 Wochen an Lernzeit für den Leser, permanentes Lesen ohne jegliche Pause vorausgesetzt.

Hätten wir gedacht zu Beginn, dass es so viele Beiträge werden würden?
Nicht eine Sekunde.

Würden wir es wieder tun ?
Ich denke, manchmal, nein, oft ist es gut, wenn man nicht im Vorfeld weiss, was Alles auf einen zukommt. Und auch für uns ist es schwer, sich Woche für Woche neu zu motivieren, einen entsprechenden Beitrag zu verfassen. Im Moment jedoch – das ist für alle unsere Leser die gute Nachricht – sind wir jedoch deutlich überdurchschnittlich motiviert, weiterzuschreiben. 2022 zumindest scheint also schon einmal gesichert.

Auf ein Neues also !

50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 14: Der „Murmeltier Tag – Effekt“

Wir Alle lernen.
Tag für Tag.

Aus den Erfahrungen, die wir in der Praxis machen.

Wie im Film „Groundhog Day“.
Bei uns bekannt unter dem Titel „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Der Hauptdarsteller Bill Murray, zu Beginn zynisch und menschenverachtend, durchlebt den gleichen Tag, den 02. Februar, immer und immer wieder.
Und variiert im Verlauf des Filmes seine Tagesabläufe, was am Ende zur Läuterung führt. Ihn zu einem besseren, guten Menschen werden lässt. Und selbstverständlich – es ist Hollywood – endet der Film mit einem Happy End.

Jenseits aller Leinwandklischees – ist das nicht auch eine wunderbare Vorstellung, das Arbeiten in der Praxis betreffend? Dadurch, dass wir nur Endo machen, haben wir Tag für Tag, immer und immer wieder die gleiche Situation vor uns. Nicht wie beim Generalisten, der mit einer bestimmten Problemsituation ( z.B. UK- Prämolaren mit tief abzweigendem lingualen Kanal) nur selten oder gar nicht vertraut ist. Wir hingegen können uns angesichts häufig vorkommender Geschehnisse austoben. Verschiedene Strategien ausprobieren: Wie gehe ich das Problem am Besten an? Hats´geklappt?!? Nicht das gewünschte Ergebnis??? Dann bringt der nächste Tag die Möglichkeit, mit einer geänderten Vorgehensweise auszuprobieren, ob wir auf diese Art und Weise das gewünschte Ergebnis erzielen können. Und das führen wir solange fort, bis wir das optimale Procedere herausgefunden haben.

Der geneigte Leser versteht die Intention ?

Wir hatten diese Woche 2 UK-Prämolaren mit 2 tief aufzweigenden Wurzelkanälen zur endodontischen Behandlung. Ein dritter Zahn mit dieser Kanalkonfiguration wurde uns noch zusätzlich überwiesen, der Patient stellte sich zur Untersuchung vor. Das ist in dieser Häufigkeit zwar nicht die Regel, im Gegenteil, aber immerhin ein Indiz dafür, dass die Situation eine regelmäßig wiederkehrende ist). Und so können wir eine ganze Reihe von unterschiedlichen Vorgehensweisen ausprobieren, so dass sich im Laufe der (überschaubaren) Zeit die erfolgreichen Konzepte herauskristallisieren. In der Generalistenpraxis würde das im Vergleich viel viel länger dauern. Sich möglicherweise der Lerneffekt mangels Gelegenheit gar nicht einstellen.

Und so wird ein Happy End draus.
Wir heiraten zwar nicht Andy Mac Dowell, aber wir verbessern kontinuierlich auch in schwierigen Behandlungssituationen unsere Behandlungsqualität.

Das endodontische Mittwochabend-Gespräch IV 15.12.2021 20 Uhr

Noch einmal in diesem Jahr wird es ein endodontisches Mittwochabend – Gespräch geben.
Ich werde sprechen über apikale Aufhellungen.

Grosse apikale Aufhellungen.
Weil – immer noch VIEL VIEL zu VIELE Zähne extrahiert oder wurzelspitzenreseziert werden, obwohl dies gar nicht notwendig wäre.

Ich will Mut machen.
Passt also hervorragend in die Zeit vor Weihnachten.

Also Termin vormerken.
Dabei sein.
Mitmachen.

Hier der Link zur Video-Konferenz

https://global.gotomeeting.com/join/574698293

Hier ist guter Rat teuer (6) – Es ist einfach MTA zu applizieren, wenn…

Im vorliegenden Fall zweier infauster Frontzähne ( hier und hier sowie hier und hier und da bereits vorgestellt) sind wir immerhin soweit gekommen, die Zähne wieder mit einer Wurzelfüllung versehen zu können. Heisst, da die zweimalige WSR ja 2 Neoapices mit großem Durchmesser zurückgelassen hat, das nun MTA zur Anwendung kommt zum orthograden Verschluss der Resektionsstellen.

Und wir werden nun belohnt für unsere Mühen.
Denn die vorhandene apikale Knochenbarriere lässt das Einbringen des MTA zum Kinderspiel werden, müssen wir doch keine Angst haben, das MTA nach periapikal zu überpressen.

Zum Behandlungsablauf der MTA – Applikation nachfolgend ein paar Fotos und ein Video.

Hier ist guter Rat teuer (5) Metapex – Alternative

Wie es der Zufall so will…

Vorgestern, am Dienstag

ging hier der Beitrag über die beiden Oberkiefer-Frontzähne mit 2 maliger WSR und dennoch mit großer apikaler Aufhellung und Fistelbildung auf Sendung. Mit sehr erfreulichem Ergebnis. Nämlich Knochenbildung über die Resektionsfläche hinweg, ein Umstand, den ich zu erheblichem Teil dem Einsatz von Metapex (Meta Biomed) zuschreibe. Einem Material, das ich seit vielen Jahren verwende und nicht missen möchte, weshalb ich meine USA-Aufenthalte immer dazu nutze, mir einen größeren Vorrat zuzulegen, der mich übers Jahr bringt. Denn – das Material ist in Deutschland nicht erhältlich. Bis vor kurzem gab es mit Vitapex ein vermutlich ähnliches Präparat, dass, ganz davon abgesehen, dass es empfindlich teurer war, nun auch nicht mehr hierzulande vertrieben wird. Ich griff in Notfällen (die Metapex- Vorräte waren aufgebraucht) darauf zurück, so wie ich auch einmal eine bei WURZELSPITZE in den Kommentaren empfohlene osteuropäische Variante benutzte, die zwar käuflich erhältlich ist, Internet sei Dank, jedoch in ihren physikalischen Produkteigenschaften , ich sach mal, so stark vom Metapex – Original abwich, dass ich nach zweimaligem Einsatz von jeglicher weiterer Verwendung absah.

Was schade ist.
Denn immer nach der Veröffentlichung solcher Beiträge über mit Hilfe von Metapex wundersam gelöster Fälle kommt die Leser-Frage: Wo krieg ich das Zeug her ???? Eine Frage, auf die ich leider keine Antwort geben kann…

Aber dann. Gestern.

Erreicht mich via Email die Nachricht, dass mit Forendo- Paste eine weitere Metapex- Variante offiziell in Deutschland zur Verfügung steht. Vertrieben von der Firma Pulpdent Deutschland, ansässig in Leipzig.

Das wär vielleicht was ?!?!

Wer beisst an?
Wer berichtet?

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Hier ist guter Rat teuer (4)

Die Vorgeschichte des Falles findet sich hier und hier und hier.

Am Ende der 2.endodontischen Behandlungssitzung (01.12.2020) erfolgte die Applikation der medikamentösen Langezeiteinlage (Metapex, Meta Biomed).

Danach warte ich in der Regel 12 -16 Wochen ab. Dies erscheint mir als die kürzeste Zeitspanne, in der sich eine Verbesserung zum Positiven hin im konventionellen Röntgenbild, sprich Zahnfilm, eindeutig diagnostizieren lässt. Die Applikation des Calciumhydroxid überprüfe ich im Röntgenbild. Im vorliegenden Fall war ich sehr bemüht, nicht versehentlich zu viel Calciumhydroxid zu überpressen, angesichts des grossen Knochendefektes und vor allem der Tatsache, dass auf Grund der vorangegangenen Wurzelspitzenresektionen nach vestibulär hin kein Knochen mehr vorhanden ist und eine Überpressung ins Weichgewebe hinein zu Gingivanekrosen führen könnte.

Das Resultat war dann prompt eine inhomogene Füllung. Ärgerlich.

Fast forward.
16 Wochen später.

Kontrolle der apikalen Situation am 19.04.2021

Die Wiedereinbestellung der Patientin erfolgte zur Kontrolle der apikalen Situation. Gegenüber der Ausgangssituation zeigt sich das röntgenologische Erscheinungsbild verbessert an beiden Zähnen, jedoch nicht so eindeutig, dass eine Fehlinterpretation auf Grund der unterschiedlichen Projektionswinkel der Aufnahmen ausgeschlossen werden konnte.

Aus diesem Grund wurde in der nächsten Sitzung am 20.05.2021 erneut ausgiebig schall – und laseraktiviert gespült und die Metapex-Einlage erneuert.

Weitere knapp 16 Wochen später.
Die erneute Wiedervorstellung fand Anfang September 2021 statt. Eine eindeutige beginnende Knochenregeneration war nun festzustellen. Daher wurde am 07.09.2021 (Applikation von MTA als apikale Barriere) und am 09.09.2021 (Wurzelkanalfüllung mit Guttapercha und Sealer) die endodontische Behandlung abgeschlossen.

Kontrolle medikamentöse Einlage am 20.05.2021
Kontrolle MTA am 07.09.2021
WF – Kontrolle 09.09.2021

Das Erfreuliche – an beiden Zähnen hatte sich apikal ein knöcherner Verschluss des Periapex gebildet. Eine Applikation des MTA ohne Gefahr des Überpressens war somit leicht durchzuführen. Worauf die Knochenneubildung ausgerechnet in diesem Bereich zurückzuführen ist, bleibt letztendlich ungeklärt, aber man hätte doch bei der bestehenden Ausgangssituation eher ein langsames Wachstum von den Rändern des Defekts zum Zahn hin vermuten dürfen. So ist es aber natürlich noch viel besser und macht Mut für die weitere Entwicklung.

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Hier ist guter Rat teuer (3)

Über den Fall wurde bislang hier und hier berichtet. Letztendlich habe ich natürlich die endodontische Behandlung der beiden Oberkieferschneidezähne bei der jungen Patientin durchgeführt.

Die erste Behandlungssitzung fand am 24.11.2020 statt.

Zu diesem Zeitpunkt war die Fistel nicht aktiv, ein offener Fistelgang war nicht sichtbar, im Vestibulum liess sich lediglich eine mit Eiter gefüllte, dicht subcutan gelegene Wölbung erkennen. Die Eröffnung durch Anpieksen mit einem EndoExplorer führte zu Pusabfluss.

Wer bis dato noch an die Funktionsfähigkeit der vorhandenen Wurzelkanalfüllungen geglaubt hatte, konnte nach Trepanation nicht schwarz auf weiss aber doch „braun auf orange“ nun das ganze Ausmaß der Insuffizienz in Augenschein nehmen.

Mit der Applikation einer medikamentösen Einlage (Ledermix) und dem Verschluss der Zugangskavität in gewohnter Vorgehensweise (Steriles Teflon, Cavit, Glasionomerzement) wurde die erste Behandlungssitzung beendet. Nach Abnahme des Kofferdams zeigte sich austretendes Ledermix am Fistelmaul.

Die 2. Behandlungssitzung unterschied sich nicht grundlegend von der ersten. Ziel war es, nach adäquater Desinfektion die vorhandene Ledermix- Einlage durch eine Metapex- Langzeiteinlage zu ersetzen, die 16 Wochen in situ verbleiben sollte.

(wird fortgesetzt)

WURZELSPITZE Plus LIVE TALK am 20.10.2021 um 20:00 Uhr

Morgen ist es wieder so weit, ein weiterer WURZELSPITZE Plus Live Talk steht an.

4 Themenvorschläge stehen zur Auswahl.

Endo vs. Implantat ? Wann das eine, wann das andere ?

Stress in der Praxis? Wie damit umgehen ?

Endo-Materialien ? Was gibts Neues, was hat sich bewährt ?

Abrechnung von schwierigen Frontzahn- Fällen


Zur Abstimmung und zu den Zugangsdaten geht es hier.

Hier ist guter Rat teuer (2)

Eine junge Frau.

Ein tragischer Unfall.

2 Oberkieferschneidezähne, denen die Extraktion droht.

Ganz klar, dass wir spontan unsere Hilfe anbieten.
Was wäre denn die Alternative ? Die Extraktion? Nicht wirklich. Eiine Brückenversorgung oder Implantation zu vermeiden in so frühem Alter in einem ästhetisch anspruchsvollen Bereich ist doch jeden Aufwand wert. Und ist nicht der Satz „Wir schaffen das !“ mittlerweile im Grundkanon deutscher Sprache fest verankert ?

Nur so am Rande – Das war, damals, 2015, keine kreative Eigenschöpfung der Altkanzlerin, sondern dem Obama´schen „Yes, we can!“ entlehnt. Beides jedoch plakativer Ausdruck, scheinbar Unmögliches anzugehen und einem glücklichen Ende zuzuführen.

„Und da bin ich ganz bei Ihnen!“, werter Leser, um eine weitere 2 Euro – Münze ins Phrasenschwein deutscher Aphorismen zu werfen.

Ich verstehe den Wunsch.

Auch in mir ist das ein starkes Gefühl, als Samariter mein Karma zu Positiven hin zu beeinflussen.

Vorbehaltlos zu helfen.

In der idealen Welt würden wir nun erneut voller Elan unserem getreuen Ross Rosinante die Sporen geben und gegen die schnell sich drehenden Windmühlenflügel des drohenden Zahnersatzes anrennen. Ziehen kann man die Zähne ja immer noch, oder ? Warum nicht also einen weiteren ultimativen Versuch des Zahnerhaltes wagen?

HERODONTICS!!!
Rules!!!!

ABER

Die Patientin nimmt nun zum 4. Mal einen Anlauf.
Nach insgesamt 3 erfolglosen Versuchen, die Situation in den Griff zu bekommen.
Wie wahrscheinlich ist es, das WIR nun Erfolg haben werden ? Das eigene, möglicherweise überlebensgrosse Ego mal aussen vorgelassen.

Waren nicht die Kollegen vorab mindestens genauso zuversichtlich, die Sache zum Guten zu wenden ? Zumindest werden Sie dies der Patientin gegenüber und ihren Eltern im persönlichen Gespräch vermittelt haben, da bin ich sicher.

Die nun also möglicherweise zum vierten Mal auf den möglichen Zahnerhalt eingeschworen werden. Und sich sicherlich mit verständlicher Skepsis fragen: Kann ich diesen Verheißungen denn wirklich trauen ? Immerhin geht es ja nicht nur um eine weitere eventuell belastende Behandlung, sondern auch um Einiges an Geld. Und zwar unabhängig davon, ob die Patientin gesetzlich oder privat krankenversichert ist. Klar ist, von der GKV kann es kein Geld mehr für die geplante Behandlung geben, die Patientin ist kassenabrechnungstechnisch zahnerhaltend „austherapiert“. Die Patientin bzw. ihre Eltern müssen die Kosten aus eigener Tasche zahlen. Und werden sicherlich abwägen: „Lohnt sich das?“ Oder sollten wir das Geld nach 3 erfolglosen Versuchen nicht besser in die Implantation stecken? Die vom Kieferchirurgen angeraten wird.

A pro pos Kieferchirurg. Wir haben 3 Arten von Kieferchirurgen vor Ort.

Der eine überweist NIE.
Der zweite löblicherweise in einer ganzen Reihe von Fällen, bevor er chirurgisch tätig werden könnte, um die OP zu vermeiden.
Der dritte, nachdem er mit mehrmaliger WSR gescheitert ist. Wie im vorliegenden Fall. Vermutlich haben die Eltern gefragt „Kann man denn gar nichts mehr machen ???“ Und da wird dann an mich verwiesen: Soll ich doch den Eltern klar machen, dass die Zähne nicht erhaltungsfähig sind. Wir haben Kollegen hier vor Ort, die schicken uns nur die wirklich hoffnungslosen Fälle. Und immer nur dann, wenn der Patient nicht bereit ist, sich den Zahn ziehen zu lassen. Zumeist sind diese Zähne dann wirklich nicht mehr zu retten. Aber nicht, weil der Zahn per se schlecht wäre, sondern vielmehr, weil er durch die Vorbehandlung in einen solch scheinbar hoffnungslosen Zustand versetzt wurde.

Wir stehen gewissermaßen in unserer Praxis am Ende der Behandlungskette.
Was sehr schade ist, weil wir doch im Rahmen der Erstbehandlung so viel mehr und besser etwas hätten tun können. Nun jedoch betrachten wir die kümmerlichen Reste dessen, was früher mal zwei schöne Zähne waren.

Was mich zum Kern der Sache bringt.

Wie wahrscheinlich ist es, das ich Erfolg haben werde ?
Welchen Aufwand muss ich betreiben, um erfolgreich zu sein ?
Was stelle ich dem Patienten in Rechnung für meinen Aufwand bzw. was steht auf dem Heil- und Kostenplan, der der Patientin mitgegeben wurde.

Und was diesen letzten Punkt angeht.
Man möge bitte bedenken, dass die Situation, wie sie sich im vorliegenden Fall widerspiegelt, bei uns nicht äußerst selten, sondern regelmäßig auftaucht. Aus diesem Umstand ergibt sich zwangsläufig irgendwann die Notwendigkeit, solche Behandlungen auch betriebswirtschaftlich adäquat zu betrachten. Herodontics lassen sich nämlich umso einfacher als Non Profit- Maßnahme rechtfertigen, wenn diese eben nur äußerst selten auftauchen. Ein heldenhafter Zahnerhaltungsversuch bei einem Frontzahn eines jungen Menschen einmal pro Jahr ? Da muss ich nicht mal auch nur kurz darüber nachzudenken , „Klar, machen wir !“

Aber wie sieht das aus, wenn Tag für Tag so ein Patient in der Tür steht ?
Bei uns gehören solche Fälle von grundsätzlich schon schwierigen und/oder noch zusätzlich kompromittierten Frontzähnen zum Tagesgeschäft. Und Frontzähne rufen nun mal, weil „einfach“ ein vergleichsweises geringes Honorar auf. Trep, Feile rein, Kanal trocknen, Zentralstiftwurzelfüllung, fertig. Das geht in den sprichwörtlichen paar Minuten möglicherweise, hat aber mit dem, was im vorliegenden Falle gefordert ist, nichts zu tun.

Und da kommt dann zwangsläufig der Moment, dass man überschlägt, wieviel Zeit steckt in einer solchen Behandlung und was bekomme ich dafür ?

In zwei Sitzungen durchgeführt stünden insgesamt 424,3 Euro auf dem GOZ-Abrechnungs- Taxameter. Entspricht diese Summe dem zu leistenden Aufwand, dem zu leistenden Können und Know How, das notwendig ist, um die beiden Frontzähne im Mund zu halten?

Wieviel Zeit müssen wir veranschlagen, um die Behandlung (WF- Revision und orthograder Verschluss eines iatrogenen Neoapex größeren Durchmessers mittels MTA) adäquat durchführen zu können. Und nur so aus Neugier. Wieviele Implantate werden in dieser Zeit gesetzt und was wird dann als Honorar aufgerufen?

Fragen über Fragen.

Wer gibt die Antworten ?

Danke Olaf !

Nach 3 Jahrzehnten praktischen Arbeitens kommt es eher selten vor, dass man seine gewohnten und bewährten Arbeitsweisen noch abändert. Weil Alles hervorragend funktioniert, Tut man es doch, erhebt man beispielsweise ein neues Material zum Standard, muss schon ein ganz besonderer Grund vorliegen. Dank Olaf ist dies bei uns in diesem Jahr passiert.

Worum es geht ?
Für die Abdichtung des Kofferdams haben wir zu Beginn gefühlt mehr als 10 Jahre lang Oraseal von Ultradent verwendet. Bis wir das Material im März 2013 durch Blockout Resin, ebenfalls von Ultradent, ersetzt haben. Das nehmen wir immer noch. Ab und zu. Routinematerial ist aber nun Clip Flow von Voco geworden. Weil es in der Summe der Eigenschaften noch mal besser ist als die vorgenannten Materialien. Wir wollen es nicht mehr missen.

Danke, Olaf!

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

WURZELSPITZE Plus LIVE TALK im Oktober

Am Mittwoch 20.Oktober 2021um 20:00 Uhr findet unser nächster WURZELSPITZE Plus LIVE TALK statt.

Worüber sollen wir reden?
Was interessiert EUCH?
Wir sind gespannt auf eure Themenwünsche.

Das gesamter Spektrum der Endodontie, vom rein Fachlichen hin zum Betriebswirtschaftlichen, aber auch QM und Praxisführung als mögliches Gesprächsthema steht zur Verfügung.

Kein Thema ist zu groß, kein Detail zu klein, als dass es sich nicht lohnen würde, im WURZELSPITZE Plus LIVE TALK darüber sich auszutauschen.

Schreibt eure Ideen in die Kommentare.

Geschichten aus dem Endozän 20210928 – „Ist das Wasserstoffperoxid ?“

„Ist das Wasserstoffperoxid ?“ fragt die Patientin, nachdem sie vor der Behandlung eine Minute lang mit der Desinfektionslösung gespült hat. Wir bejahen.

„Und stellen Sie das auch dem Patienten in Rechnung?“ fragt die Patientin weiter.

„Es gibt in der Coronapandemie eine Hygienepauschale, die wir dem Patienten für den erhöhten Aufwand in Rechnung stellen“, antwortet meine Assistentin.

„Sind das die 6 Euro 19 ? Die meine ich nicht“ sagt die Patientin. „Mein Zahnarzt berechnet zusätzlich 16 Euro für die Spüllösung.“

Wir stutzen.
Die Patientin wurde vor 1,5 Jahren von einer Kollegin an uns überwiesen.

„Haben Sie ihren Hauszahnarzt gewechselt ?“ fragen wir nach.

„Ja, ich bin jetzt in einer anderen Praxis. Meine Zahnärztin war zweimal nicht da, als ich sie aufsuchen musste. Einmal war sie in Urlaub und beim zweiten Mal war sie aus irgendeinem anderen Grund auch nicht da. Da habe ich gewechselt.
Jetzt bin ich in einer Praxis, das sind 3 Zahnärzte. Die haben von morgens 7 bis abends 21 Uhr geöffnet. Und sogar Samstags, wenn ich das möchte!“ In der Stimme der Patientin schwingt Anerkennung.

„Meine Krankenkasse (Postbeamtenkasse) will die 16 Euro nicht zahlen. Aber der Zahnarzt berechnet sie trotzdem. Das interpretiert wohl jeder anders. Ich habe dem Zahnarzt gesagt, „Meine Krankenversicherung zahlt das nicht, ich bringe mein eigenes Wasserstoffperoxid mit“.

„Das ginge nicht“, hat der Zahnarzt geantwortet.

Eigentlich wollte ich heute berichten, wie es im „Hier ist guter Rat teuer“ Fall weiterging.
Aber die Geschichte von gestern morgen passte so gut zu unserem „Mittwochabend Endodontie“ – Gespräch von letzter Woche, dass ich diese Geschichte hier einschieben musste.

Hat die Tante Emma – Zahnarztpraxis noch eine Chance ?
Es wird zunehmend enger. Wenn selbst 16 Euro für eine Spüllösung die Patientin nicht davon abhält, der bisherigen Zahnarztpraxis, die sie seit vielen Jahren besucht, den Rücken zuzuwenden.

Wir machen auch Wurzelkanalbehandlungen!“ hat der neue Zahnarzt gesagt. „Auch“ im Sinne von „da müssen Sie nicht ausser Haus“.
Aber die Patientin hat energisch darauf bestanden, uns in der Sache aufzusuchen.

Immerhin.

IDS 2021 – Eröffnungstag

So sah es heute morgen um 10 Uhr in den Eingangshallen der IDS aus.
Auch die Besucherparkplätze waren ziemlich leer.

Das endodontische Mittwochabend-Gespräch 22. 09.2021 20:00 Uhr

Morgen abend ist es soweit.

Der zweite Teil des endodontischen Mittwochabend-Gespräch – „Zukunft Zahnarztpraxis“.

Der Plan. 30 Minuten Vortrag zum Thema. Danach Gedankenaustausch und Diskussion.

Anbei wieder ein Trailer zum Thema.

Und die Zugangsdaten für Alle.

Mittwochabend Endodontie Gespräch 3 2021

Zukunft Zahnarztpraxis Teil 2
Mi., 22. Sep. 2021 20:00 Uhr

Nehmen Sie an meinem Meeting per Computer, Tablet oder Smartphone teil.
https://global.gotomeeting.com/join/579402245

Zugangscode: 579-402-245

Hier ist guter Rat teuer…

Ein Reitunfall in der Kindheit.
Das war 2008 und die heute 21 jährige Patientin war acht Jahre jung damals. Die Zähne 11 und Zahn 21 erlitten eine Schmelz- Dentin – Fraktur ohne Pulpabeteiligung.
Ein paar Jahre später erfolgte die Wurzelkanalbehandlung der symptomatisch gewordenen devitalen Zähne durch die Hauszahnärztin. Eine Zeitlang war Ruhe, dann traten erneut Probleme auf. Es folgte eine WSR durch den Chirurgen, allerdings ohne dauerhaften Erfolg, weshalb ca. 2 Jahre später erneut reseziert wurde. Jetzt stellt sich die Patientin mit einer Beschwerdeproblematik (starkes Druckgefühl OK – Front im Kieferbereich) und vorhandener Fistel bei uns vor.

Und ich gebe die an mich gerichtete Frage der Patientin und ihrer als Begleitung anwesenden Mutter an das Auditorium weiter: „Kann man hier noch was machen ?“

Ist man geneigt, an Hand des vorliegenden Zahnfilmes eine Erhaltungsfähigkeit noch unbedingt zu befürworten, zeigt das DVT ein deutlich differenzierteres Bild. Neben den unregelmäßigen schrägen Resektionflächen imponiert vor allem die fehlende vestibuläre Lamelle als Folge der Resektions – OPs.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein konservatives endodontisches Vorgehen eine ausreichende Knochenregeneration bewirken könnte ?

Muss nicht zwingend eine chirurgische Intervention erfolgen und welche Folgen und welche Folgen hätte dies für Restknochen und Restwurzelsubstanz ?

Und die wichtigste Frage: Lebt das Pferd noch oder sollte man nicht besser absteigen anstatt weiter auf es einzuprügeln ? Ist hier nicht die Grenze der Zahnerhaltung längst erreicht oder bereits überschritten, die Implantatversorgung nicht nur aus Kostengründen die bessere Wahl ?

Wie immer der Aufruf – Bitte zahlreich und ausführlich zum Feedback in der Sache die Kommentar – Funktion nutzen !

50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 13: „“Wenn ich etwas ausschliesslich machen möchte, muss ich es ausschliesslich machen !““

„Wenn ich etwas ausschliesslich machen möchte, muss ich es ausschliesslich machen !“

Diesen Satz muss man erläutern.
Denn auf den ersten Blick klingt das jetzt erst mal banal-schwachsinnig, diese Aussage.

Was also ist gemeint?
Endo war immer schon mein Steckenpferd.
Naja, fast die ganze Zeit.

Am Anfang hatte ich einen Höllenrespekt vor jeder Endo (Frontzähne vielleicht ausgenommen, denn die sind ja einfach, wie hier zu sehen. Dycal war mein Freund, wenn es um eine ausgedehnte Karies an Zahn 37 ging.

Irgendwann ging diese Angst vor der Endo verloren.
Kehrte sich ins Gegenteil.
Endo macht Spass.
Aus vielen unterschiedlichen Gründen.
Und wenn etwas Spass macht, dann macht man es mehr und mehr.

Über viele Jahre haben wir in unserer Praxis 80 – 90 Prozent unser Behandlungstätigkeit der Endodontie gewidmet. Wir sind ja als Generalisten- Praxis gestartet und es fiel mir aus sentimentalen Gründen schwer, diese gänzlich aufzugeben. 2013 habe ich dann meine Tätigkeit endgültig auf Endodontie limitiert.

Und seitdem festgestellt: „Wenn ich etwas ausschliesslich machen möchte, muss ich es ausschliesslich machen !“

Denn erst seit dieser Zeit wird offensichtlich, wieviel Zeit dann doch immer noch für endoferne Behandlungen draufgegangen sind.
Es kommt halt immer doch was dazu.
So nebenher.
Und lenkt ab.
Und hält auf.

Am Ende des Tages kommt so einiges zusammen an Zeit, die ich seither zusätzlich – weil ausschliesslich – der Endo widmen kann.

Das bringt zusätzliche Kapazitäten und Entspannung in den Behandlungsablauf. „Herr Dr. Hermann, könnten Sie mal kurz…“ Herr Dr. Herrmann, ich hätte da noch eine Frage…“ Sagt der Patient bei der 01. Herr Dr. Herrmann Frau Müller Maier Schmidt ist die Prothese runtergefallen …“, fragt die Assistentin. Und trägt für alle 3 Ereignisse Behandlungstermine ein.

Alles Sätze, die nun nicht mehr fallen und alles Situationen, die nun nicht mehr aufhalten und ablenken.

Herrlich.

Kann man allerdings nur beurteilen, wenn man die Behandlungstätigkeit wirklich limitiert.
Ohne Wenn und Aber.

90 Prozent Endo ?
Das ist wie bei der totalen Sonnenfinsternis.
Das unglaubliche Schauspiel der Corona zeigt sich erst bei vollständiger Abdeckung.

Wenn auch nur wenige Prozent fehlen, dann stellt sich dieser einzigartige Eindruck nicht ein. Natürlich kann auch eine partielle Sonnenfinsternis faszinierend sein. Aber dann doch nicht annähernd so beeindruckend wie die Totale. Sollte man mal in ruhiger Stunde drüber nachdenken …

Das Mittwochabend Endodontie Gespräch (III) Zukunft Zahnarztpraxis – Teil 2 – Lösungen

22. September.
20 Uhr.

Das nächste Mittwochabend Endodontie Gespräch.
Ein wichtiges und spannendes.
Weil es um betriebswirtschaftliche Belange geht.


Beim letzten MAEG habe ich ausführlich über den Status Quo der politischen Willensbildung gesprochen, die Zukunft der Zahnarztpraxen betreffend. In vielen Details. Damit eins klar rüberkommt : Die Politik hat die Medizin (und damit auch die Zahnmedizin) aufgegeben.

Warum ?
Weil man keine Lösung gefunden hat in all den Jahren.
Und die Rahmenbedingungen (für die Politik) immer schlechter und schlechter werden. Immer ältere und damit chronisch kranke Patienten. Teurer medizinischer (Apparate) Fortschritt. Höhere Kosten, immer weniger Beitragszahler.

Ergo. Die Politik hat die Medizin/Zahnmedizin, so wie sie gegenwärtig existiert, innerlich verabschiedet. Punkt.
Heilsbringer ist nun eine Ambulatorien- Staats- oder Ambulatorien-Privatmedizin.

Das ist keine schöne Nachricht.
Aber es ist Fakt.
Und wird sich nicht mehr ändern.

Was tun ?
Jammern? Wehklagen?
Nützt nix.
Interessiert niemanden. NIEMANDEN. „“Hallo ?!?!?! Mc Fly ?!?!?!? Keiner Zu Hause ?????“. Nur für Alle, die es immer noch nicht kapiert haben, das nicht Gutes mehr zu erwarten ist.

Es sei denn – wir nehmen unser Glück selbst in die Hand.

Und darüber möchte ich sprechen.
Im nächsten WURZELSPITZE – Live Talk. An dem noch einmal alle WURZELSPITZE- Teilnehmer teilnehmen dürfen.

Ich möchte 4 Wege zum Praxiserfolg (auch oder gerade) in der Zukunft vorstellen.

Natürlich sprechen wir auch über den einen fünften Weg, der garantiert in den Untergang führen wird. Dummerweise der Weg, der gegenwärtig von fast allen beschritten wird.

Also – spannendes Thema.
Ich wünsche mir eine ausgiebige Teilnahme und eine intensive Diskussion.

Bis dann. Mittwoch in 2 Wochen.
22. September
20 Uhr.

Geschichten aus dem Endozän – Der Blutdruck spinnt

Samstagmorgen.
Mein Nachbar von schräg gegenüber, ein Bäckermeister. Geschätzt 10 Jahre jünger als ich. Eigener Betrieb mit 3 Verkaufsstellen. Er hat Probleme mit dem Blutdruck, wir kommen ins Gespräch. Irgendwie haben die Tabletten nicht mehr richtig funktioniert. Er hatte geschwollene Beine rund um die Socken. Jetzt – mit einem neuen Medikament – ist wieder alles gut. „Aber, wissen Sie was mich erstaunt hat ? Ich war bestimmt eine halbe Stunde im Behandlungszimmer und auf der Rechnung standen 32 Euro. Ich weiss gar nicht, wie das gehen soll. Wenn ich ein Buffet ausrichte, für eine Familienfeier dann kostet das, sagen wir 1300 Euro. Das sind für mich 4 Stunden Arbeit und 300 Euro Materialkosten. Bleiben 1000 Euro für mich übrig. Aber 30 Euro für eine halbe Stunde ? Er schüttelt den Kopf.

„Und jetzt sind sie privatversichert“, antworte ich. „Beim Kassenpatienten gäbe es für die Beratung knapp 11 Euro.“

Er lacht.
Ungläubig.

HEPI – Index (2) – Im täglichen Ablauf

Ich möchte auf 2 Dinge eingehen, die im Nachgang der Vorstellung des HEPI – Index angesprochen wurden.

Zunächst, der HEPI-Index erhebt nicht den Anspruch ein wissenschaftlicher Index zu sein.

Ich verstehe die Intention, eine endodontische Situation in all ihren Facetten abbilden zu wollen. Natürlich wäre es möglich, einen detaillierten, 30 Punkte umfassenden Index zu erstellen.

Aber – was würde es im Alltag bringen?
An tatsächlichem Nutzen für den Behandler ???

Leute, nicht mal der Nutzen des Kofferdams ist in der Zahnmedizin zweifelsfrei belegt. Es ist an der Zeit, die althergebrachten Denkstrukturen zu hinterfragen, wenn diese seit Jahrzehnten offensichtlich keinen oder einen nur sehr geringen, den Aufwand nicht rechtfertigenden Grenznutzen liefern. Von daher stimme ich zwar den Überlegungen von Andras Csoegor vollkommen zu. Es wäre interessant, einen Prognose-Index zu haben, der möglichst viele Parameter beinhaltet. Allerdings – dies ist (nicht nur in unserer Praxis) nicht durchführbar. Der benötigte Zeitaufwand für die aufgeführten Parameter ist schlicht und einfach zu groß.

Ich suche etwas anderes.
Mittwoch ist unser Untersuchungstag.
Ich sehe in der Zeit von 8 Uhr bis 13 Uhr 10 -12 Personen zur Diagnose/Beratung. Da ist es zwingend notwendig, effizient und resourcenschonend zu verfahren, was die Beratungszeit angeht. Und genau da setzt der HEPI – Index an. Als Screening- Instrument, das problematische und damit beratungsaufwändige Situationen herausfiltert, und in diesen Fällen eine Hilfestellung in der Beratung darstellt.

Betrachten wir erläuternd die 10 Fälle von letztem Mittwoch.

Patientin 1 CG Zahn 26 – 2 Kanäle nicht gefunden

Zahn 26


Prognose 90
Aufwand 60

Überschlag => HEPI Index größer 1
Patient will Behandlung
Behandler will Behandlung

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin 2 SSch Zahn 16

Zahn 16


Prognose 90
Aufwand 60

Überschlag => HEPI Index größer 1
Patient will Behandlung
Behandler will Behandlung

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin 3 JPF 25 26 Zweitmeinung

Zahn 25 26


Prognose 60
Aufwand 120

Überschlag HEPI Index kleiner 1
Patient will Behandlung 8
Behandler will Behandlung 1

Überschlag HEPI Index > 1

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin möchte unbedingt Versuch Zahnerhalt => in der ersten Behandlungssitzung soll die Erhaltungsfähigkeit des Zahnes hergestellt werden

Patient 4 UW Zahn 25

Zahn 25

Prognose 90
Aufwand 60

Überschlag HEPI Index größer 1 –
Patient will Behandlung
Behandler will Behandlung

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin 5 AF 27


Prognose 60
Aufwand 120

Überschlag => HEPI Index kleiner 1
Patient will Behandlung? 10
Behandler will Behandlung 1

Überschlag HEPI Index größer 1

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin 6 EF 26 27


Prognose 90
Aufwand 90

Überschlag HEPI Index gleich 1
Patient will Behandlung
Behandler will Behandlung

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin 7 UD Zahn 24

Zahn 24

Prognose 90
Aufwand 60

Überschlag HEPI Index größer 1
Patient will Behandlung
Behandler will Behandlung

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin 8 SA Zahn 17


Prognose 60
Aufwand 60

Überschlag HEPI Index gleich 1
Patient will Behandlung
Behandler will Behandlung

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin 9 BH Zahn 14


Prognose 30
Aufwand 90

Überschlag => HEPI Index kleiner 1
Patient will Behandlung? 10
Behandler will Behandlung -10

Überschlag HEPI Index kleiner 1

=> Genaue Erörterung der Situation notwendig unter Zuhilfenahme des HEPI – Index
Gegenüberstellung HIPI – Index (Herrmann Implantologie Prognose Index)


Prognose 90
Aufwand 30

0,33 vs 3

Patientin möchte unbedingt Versuch Zahnerhalt => in der ersten Behandlungssitzung soll die Erhaltungsfähigkeit des Zahnes hergestellt werden

Patient 10 VT Zahn 15

Zahn 15

Prognose 30
Aufwand 150 (Revision + obliterierte Kanäle + Fragment + besondere Anatomie)

Überschlag => HEPI Index kleiner 1
Patient will Behandlung? 3
Behandler will Behandlung -10

HEPI – Index 0,06

=> Genaue Erörterung der Situation notwendig unter Zuhilfenahme des HEPI – Index
Gegenüberstellung HIPI – Index (Herrmann Implantologie Prognose Index)

Prognose 90
Aufwand 30

0,06 vs 3

Patient möchte zunächst Versuch Zahnerhalt => in der ersten Behandlungssitzung soll die Erhaltungsfähigkeit des Zahnes hergestellt werden

Interessant bei den letzten beiden Fällen. Ähnliche Situation, zumindest auf den ersten Blick im Zahnfilmvergleich. Aber deutlicher Unterschied im HEPI. Viel wichtiger jedoch. Von den 10 Fällen sind 7 auf Grund des HEPI- Screenings unproblematisch in der Patientenaufklärung. Das spart viel Zeit und Mühen. Die Beratungstage sind sehr anstrengend und gegen Ende des Vormittags wird es zunehmend zäher und zäher. Letztendlich waren es 3 Patientengespräche, in denen die vorliegende Situation eine besonders aufwändige Aufklärung bedurfte, die Risiken und die Behandlungsalternativen betreffend. Der HEPI – Index hilft hier, daß man sich auf die schwierigen Situationen fokussiert und er illustriert den Sachverhalt für den Patienten und beschleunigt so ebenfalls die Beratungssituation.

Weiter geht es nächste Woche.
Mit der Frage, inwieweit der HEPI – Index bei unterschiedlichen Behandlern variiert, ob es überhaupt eine gemeinsame Basis geben kann und falls nicht, was dies für die Anwendbarkeit solch eines Indices in der Praxis bedeutet.

Taktikbesprechung (2) – Der HEPI-Index in der Patientenberatung

Es ist noch gar nicht solange her, da hätte ich mir die Röntgenbilder der gestrigen „Taktikbesprechung“ angeschaut und dann, man nenne es Intuition oder auch klinische Erfahrung, aber letztendlich aus dem Bauch heraus meine Aussage getroffen:

Behandlung => Ja oder Nein ?

Dann kam Thomas Seitner und gab – hier bei WURZELSPITZE – zu bedenken, es wäre gut, es gäbe eine auf fallbezogenen Faktoren beruhende Beurteilung, die endodontische Behandlung betreffend.

Kennen Sie das ?
Wenn einer mit einer Idee rüberkommt, die so klar und auf der Hand liegend ist, dass man sich fragt, warum man nicht selbst und vor allem nicht schon viel viel früher selbst drauf gekommen ist.

So ging es mir damals.
Eine blitzartige Erkenntnis, dass wir genau so etwas wirklich gut gebrauchen könnten. Eine Möglichkeit der Kommunikation mit dem Patienten, einen komplexen Sachverhalt auf möglich einfache Art und Weise herunterzubrechen.

Ich fing, an mir Gedanken zu machen.
Wie müsste so etwas aussehen ?

Einfach, schnell und unkompliziert durchzuführen sollte es sein.
Am Behandlungsstuhl.
Mit einem Ad Hoc-Ergebnis, dass ohne grosse Rechenoperationen (kein Rechner, kein Blatt Papier, keine Tabellen, im Kopf demnach) erstellt und dem Patienten sofort und gegebenenfalls ohne grafische Hilfsmittel das Resultat präsentiert werden kann und er ad hoc in der Lage ist, die Situation zu bewerten und danach stande pede seine Entscheidung treffen zu können.

Herausgekommen ist das Nachfolgende. Und Jörg Schröders Fall ist ein schöne Möglichkeit, meine Vorgehensweise am konkreten Beispiel vorzustellen:

Prinzipiell gilt es zwei Dinge miteinander in Relation zu stellen. Die Prognose des Zahnes auf der einen Seite und der zum Zahnerhalt notwendige Aufwand auf der anderen.

Das Ergebnis ist ein Index, der dem Patienten präsentiert werden kann. Als einfach zu kommunizierendes Hilfsmittel zur Entscheidungsfindung pro/contra Zahnerhalt.

Wie es geht ?

Wir beurteilen zunächst die Prognose des Zahnes. Einfacher Zahn, Erstbehandlung. Dann würde ich (nicht 100%, das wäre aus strategischer Sicht unklug, aber doch minimal) 95 (Prozent) als Wert voraussetzen.

Als nächstes geht es um die Beurteilung des Arbeitsaufwandes, der zum Zahnerhalt notwendig ist. Hier gehe ich in 30er Schritten vor und addiere die jeweiligen Schwierigkeiten. OK -Frontzähne 30, Molaren 60. Eine Revision ? Weitere 30 Punkte. Wie auch jede weitere Schwierigkeit. Extreme Obliterationen oder exotische Anatomieen ? + 30 Perforation ? + 30. Frakturiertes Instrument ? + 30. Sie verstehen das Prinzip.

Setzt man nun beide Werte – Prognose und Aufwand – in Bezug zueinander,

Prognose
_________

Aufwand

erhält man im positiven Falle eine Verhältniszahl, die gleich/größer als Eins ist. Im negativen Fall ist die Verhältniszahl kleiner als 1.

Das bedeutet nicht, dass der Zahn nicht zu erhalten ist, aber für die weitere Beurteilung ist es nun wichtig, zu wissen, welchen Aufwand und welches Risiko des Misserfolges der Patient mitzutragen bereit ist.

Dies gilt es im nächsten Schritt zu erfragen. „Wie sehr (auf einer Skala von 1 – 10) hängen Sie an diesem Zahn?“ lautet folgerichtig unsere Frage an den Patienten.

Gleiches gilt für den Behandler. Dieser hat auf einer Skala von + 10 bis – 10 die Möglichkeit, eine subjektive strategische Einschätzung vorzunehmen. Hier fliessen alle „weichen“ Faktoren ein, die einen einer Behandlung in all ihrem Facettenreichtum innerlich zustimmen oder gegebenenfalls auch davon Abstand nehmen lassen.

Beispiel gefällig ?
Ein sehr netter Patient, der seit vielen Jahren in die Praxis kommt und ein strategisch wichtiger Zahn, der eine vorhandene Zahnersatzversorgung stabilisiert? Eine glatte +10. Ein sehr unangenehmer Patient, der gleich bei seinem ersten Besuch in der Praxis an Allem etwas herumzumeckern hat, der Meinung ist, die Behandlung sei für ihn, weil Privatpatient, sofort und kostenfrei durchzuführen, im Vorfeld schon eine mannigfaltiger Schriftverkehr mit den Kostenträgern notwendig war, und es um einen Zahn geht, der eigentlich unter die Rubrik „Herodontics“ fällt? Im schlimmsten Fall ist das eine – 10!

Wie geht das Alles nun in die Formel ein ?

Die Einschätzungen werden mit dem Quotienten aus Prognose und Aufwand multipliziert.

Prognose.
_________ * Einschätzung Patient * Einschätzung Behandler

Aufwand

Und letztendlich soll – wie der Volksmund sagt – unterm Strich – als Resultat ein positives Ergebnis herauskommen. Was immer dann der Fall ist, wenn der ermittelte Wert => 1 ist.

Nehmen wir als Positiv-Beispiel einen endodontisch zu behandelnden Oberkieferfrontzahn bei einer 21 Jährigen. Prognose? 99 Prozent. Aufwand? 30 Prozent. Ergibt 3,3. Die Patientin mit sehr gepflegtem, kariesfreiem, kfo – reguliertem Gebiss möchte den Zahn auf jeden Fall erhalten. Eine glatte 10. Das sehe ich genauso und ziehe, meine Einschätzung in die Waagschale werfend, ebenfalls die Höchstnote 10. Ergibt einen Index-Wert von 330. Ab einem Index- Wert von 1 würden wir behandeln, 330 ist exorbitant höher, man sieht also sofort, dass wir hier es mit einem extrem erhaltungswürdigen Zahn zu tun haben.

Wie sieht es nun mit Jörg Schröders Taktikbesprechungszahn aus ? Klar kann ich sagen, lohnt sich nicht mehr, aber geht es auch ein wenig weniger eminenzbasiert?

Betrachten wir zunächst den zu veranschlagenden Aufwand

Molar 60
Revision 30
Wurzelstift 30
Perforation 30
Fehlender Ferrule 30
herausforderende Anatomie 30

Und wie sieht es mit der Prognose (Erfolgswahrscheinlichkeit in Prozent) aus ?

Revision 80
Perforation – 30
mangelhafter Ferrule – 30

Dann sind wir bei einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 20 Prozent, der ein Arbeitsaufwand von 210 Prozent gegenübersteht. ergibt 0,095 als Index-Wert. Und bei Alles unter 1 gehe ich als Behandler auf Distanz. The odds are against us – die Gewinnchancen sind gegen uns.

Das heisst jetzt nicht, dass wir solche Fälle grundsätzlich niemals nicht behandeln. Was noch fehlt, sind die Einschätzungen von Patient und Behandler. Wie sehr hängt der Patient an diesem Zahn ? Wie stufe ich als Behandler den Zahn ein ? Unbedingt behandlungswürdig oder würde ich leichten Herzens auf diesen Zahn verzichten? Wenn Patient und Behandler gleichermaßen Höchstnoten vergeben, kämen wie immerhin auf einen Wert von 11.

Auf der anderen Seite würde im vorliegenden Fall selbst ein Patient mit Höchstbewertung 10 keine ausreichende Punktewertung erzielen können, sofern der Behandler nicht von der Sinnhaftigkeit der Behandlung überzeugt ist. Eine Minuswert bei seinen Beurteilungen bedeutet nämlich, dass der entsprechende Wert vom Zähler in den Teiler der Gleichung rückt.

20/210*10*10 = 9,5

Im vorliegenden Fall bin ich persönlich stark gegen eine endodontische Behandlung dieses Zahnes. Ich kenne nicht alle Faktoren, aber von dem, was ich sehe, wäre mein Votum eine -8.

Bedeutet

20/210*10/8 = 0,12

Klingt das jetzt kompliziert ?

Das ist es aber nicht.

Im Gegenteil.

Seit das Thema (Danke Thomas!) aufkam, nutze ich dieses Hilfsmittel für mich selbst, um in wenigen Sekunden in Gedanken mich klar aufzustellen, ob es für mich (und den Patienten) Sinn macht, eine endodontische Behandlung durchzuführen. Das geht rasend schnell. Molar, Revision, grosse apikale Aufhellung, stark obliterierte Kanäle. Aufwand 120. Prognose? 60 Prozent ?

Und schon kommst darauf an, was der Patient sagt: Wie sehr hängen Sie an diesem Zahn, „Naja wenns sein muss, muss er raus. Sagen wir eine 3.“

60/120 = 0,5* 3 Ergibt 1,5. Also ganz knapp schon an der unteren Grenze. Und wie beurteile ich den Fall ? Im günstigsten Fall *10, dann wären wir bei 15, im schlechtesten Fall /10, dann wären wir bei 0,15

Alles im Kopf leicht zu rechnen.

Und wir sind gerüstet für die Kardinalfrage des Patienten. Was tun mit dem Zahn ? In einer Reihe von Fällen nutze ich nun den HEPI-Index auch zur Patienteninformation. „Schauen Sie Herr Müller Maier Schmidt, zur Verdeutlichung ihrer speziellen Situation ist es hilfreich, den sogenannten HEPI – Index heranzuziehen. Wir müssen lediglich 4 Parameter zur Beurteilung in Bezug setzen. Die Überlebenswahrscheinlichkeit des Zahnes, den Arbeitsaufwand, der notwendig ist, ihr persönlicher Wille zum Zahnerhalt und die zahnmedizinisch-strategische Einstufung. Alles über 1 ist okay, je höher der Wert umso besser und alles unter 1 ist so, dass sie ihr Geld besser sparen und in etwas anderes investieren sollten.

Meine Erfahrung soweit: Mehr als mit vielen Worte erkennt der Patient sofort, wo er steht mit seinem Zahn. Und ist beeit, dem fachlichen Rat zu folgen. Gerade die Zauderer (die ewig lange im Stuhl hin und her überlegen, sind mit dem HEPI – Index viel schneller als bisher in der Lage, einer Entscheidung zu treffen.

Mein Tipp.
EInfach ein paar Mal ausprobieren.
Ich verspreche.
Es hilft.

Achja.
HEPI steht für Herrmann Endodontie Progose Index, aber das bleibt unter uns.
Auch das ist Psychologie. Man muss dem Kind einen Namen geben, das beeindruckt subliminal und verstärkt die Wirkung.