Ein echter Schmerzpatient…Teil 2

Erinnern Sie sich noch an diesen Fall vor ein paar Wochen ?
Die Schmerzpatientin mit Zahn 36 kam im Jahr 2012 in unsere Praxis. Der Zahn war Zustand nach WF alio loco vor ca. einem halben Jahr. Schmerzen, apikale Aufhellungen, Instrumentenfragment. Und ein Happy End. Der Zahn konnte gerettet werden und wurde von uns 6 Jahre lang nachverfolgt. 2019 haben wir die Patientin zum letzten Mal gesehen.

Alles gut.

Dann – vor kurzem – die wortkarge Mail eines Kollegen (m/w/d), die Praxis 70 km entfernt, man möge bitte ALLE Röntgenbilder und DIE GESAMTE Krankengeschichte zusenden.

Was war los ?
War die heute 31 jährige Patientin umgezogen ?
Hatte Sie Beschwerden, unseren Zahn betreffend ?

Da mir der Fall besonders am Herzen lag …

(es war in der Anfangsphase des DVT´s in eigener Praxis und es war der erste Fall, bei dem wir zur Verlaufskontrolle ein DVT angefertigt hatten, ausserdem musste die Kontrolle bereits 3,5 Monate post WF-Revision durchgeführt werden)

…war ich versucht, mit der Patientin Kontakt aufzunehmen.

Aber noch bevor ich das tun konnte, saß sie zur Besprechung bei uns in der Praxis.
Oder sollte ich besser sagen zur Zweitmeinung ?

Die Patientin berichtete über ein seit einiger Zeit vorhandenes „komisches Gefühl“, den Zahn 36 betreffend. Und ihre Mutter hatte ihr empfohlen, besagten Zahnarzt mit ganzheitlichem Behandlungsansatz aufzusuchen. Der für die Entfernung des Zahnes und den Ersatz durch ein Keramikimplantat plädierte. Seine Argumentation ? „Der Körper gebe ihr doch klar zu verstehen, dass mit dem wurzelkanalbehandelten Zahn etwas nicht in Ordnung sei und die Patientin den Zahn loswerden wolle.“

Die klinische Untersuchung, Zahn 36 betreffend, verlief unauffällig. Der Zahn ist einwandfrei belastbar, Klopftest negativ, die Gingiva einwandfrei, Taschentiefen von 1 – 2 mm. Und das (zweidimensionale) Röntgenbild – unauffällig.

Trotzdem war der Patientin nicht wohl mit diesen Befunden.
Fast klang es so, als wäre ihr insgeheim lieber gewesen, auch ich hätte für die Extraktion gestimmt. Ich fragte nach und es stellte sich heraus, dass bei der Patientin eine Vorstufe einer Krebserkrankung festgestellt worden war und der Zahnarzt habe den wurzelbehandelten Zahn als Ursache nicht ausgeschlossen.

Eine Krebserkrankung und sei es auch nur eine Vorstufe davon ist als medizinischer Befund sicherlich für viele wenn nicht sogar für jeden Patienten eine Ausnahmesituation.

Was wiegt schwerer ?
Ein Zahn oder ein Leben?
Sollte man nicht doch in einem solchen Fall die Indikation zur Extraktion weiter fassen, selbst wenn der Zahn sich klinisch unauffällig präsentiert ?

2 Gedanken zu „Ein echter Schmerzpatient…Teil 2

  1. So tragisch eine Krebserkrankung auch ist, die Ursachenforschung sollte doch lieber den Onkologen überlassen werden anstatt von ganzheitlichen Zahnmedizinern, die eventuell sogar noch aus dem SDS-Universum stammen.

    Man kann dem Patienten zuliebe ja ein kleinvolumiges DVT zur Abklärung fahren. Aber gerade bei solch gravierenden Befunden ist Anspannung/CMD ja auch ein Thema. Der Zahn mit gesundem Parodont ist sicher weniger entzündlich als ein Keramikimplantat.

  2. Nachdem ja die Befunde ganz unauffällig sind und es auch nur ein „komisches Gerühl“ ist, würde ich ganz klar von einer Ex abraten, da es ja wohl wirklich keinen seriösen Zusammenhang zur Grunderkrankung gibt.selbst wenn es eine apikale Pathologie gäbe. Wenn die Patientin den Zahn entfernt haben will, wird sie immer jemanden finden, der ihn auch entfernt. Aber menschlich gesehen sicher eine schwierige Situation.

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