Zahn 32

Mit einer Häufigkeit von circa 2 Prozent aller notwendigen endodontischen Behandlungen zählt die unterer Frontzähne zu den Ausnahmen.

Bei der uns zugewiesenen 75-jährigen Patientin war eine solche Behandlung als Folge einer sehr ausgeprägten Kompositfülllung mit nachfolgender Nekrose notwendig geworden.

Die alio loco begonnene Behandlung wurde abgebrochen, da es nicht gelang einen Wurzelkanal darzustellen.

Die angefertigten Röntgenbilder zeigten, dass es zu einer Fehleinschätzung der Trepanationsrichtung und Tiefe gekommen war.

Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach Trepanationsversuch

Eine Perforation lag nicht vor.

Dafür zählte dieser Zahn aber zu den 40%, die zwei Kanalsysteme in dieser grazilen Radix aufweisen.

Gesucht und gefunden haben wir die fehlenden Strukturen (wie eigentlich immer) deutlich weiter lingual…

In ingesamt zwei Terminen a einer Stunde konnten wir die Behandlung gestern abschliessen.

Bei aller Freude über das Ergebnis bin ich recht froh, dass diese Zahngruppe selten bei uns behandelt werden muss. Auf Grund der grazilen Strukturen und der undankbaren Zugänglichkeit zählen Unterkiefer-Frontzähne zu den eher ungeliebteren Kandidaten bei mir…

hoffentlich war es der letzte für dieses Jahr…

Entscheidungen

Den Fall hatte ich bereits als Recall vorgestellt.

Zufällig bemerkten wir, daß der Zah 14 nicht extrahiert wurde, wie wir vor knapp10 Jahren empfohlen hatten. Nun mussten wir unsere damalige Empfehlung überdenken.
Im Röntgenbild war allerdings der Zahn 15 auffällig und es wurde ein DVT angefertigt.

Die Befunde des DVT möchte ich nun vorstellen und zur Diskussion stellen. 14 zeigt apikal einen verbreiterten Desmodontalspalt und 15 lässt eine P. apicalis mit unvollständiger WF vermuten. Distocoronal imponiert eine Sekundäkaries, buccal eine Karies oder Resorption.

15 ist nicht eihaltbar und damit ist die Zukunft von 14 abhängig von der nun neu zu erstellenden ZE Planung.
Hier die Bilder des DVT.

Als Nebenbefund ist ein P. apicalis am Zahn 21 zu erkennen. Die Patientin erwähnte, daß bereits 2013 oder 14 ein DVT erfolgte, in dem man diesen ´Zahn sah. Nun haben wir nach 7 Jahren eine Verlaufskontrolle. Die apikale Osteolyse zeigt sich dezent vergrößert. Die Patientin hat keine Beschwerden, es besteht kein Lockerungsgrad und die Sondierungstiefen sind nich erhöht. Die Kronenversorgung ist suffizient und optisch nicht zu bemängeln. Wir haben der Patientin die Situation vorgestellt, an Hand der zwei DVT die Entscheidung an heim gestellt, die Therapie der P. apicalis von orthograd durchzuführen oder die Situation unter Beobachten mit jährlichen Röntgenkontrollen zu behalten.

Nun meine Frage:
Wer würde angesichts der Befunde und Zeitverläufe zu einer Behandlung sofort plädieren und wer wäre für ein abwartende Haltung?