Gedanken zum Wochenende – It s not about the money, but…

Unser Steri war kaputt.

Genauer der eine der 2. Melag Steris, die wir betreiben.
Beide werden validiert.
Und vorher gewartet.

Früher haben  wir so ein Gerät solange betrieben, bis es defekt war, dann reparieren lassen.

Das geht heute nicht mehr.
Heute MUSS validiert und gewartet werden.
Kaputt gehen die Geräte trotzdem. Beide Steris zeigen, ca. 3 Monate nach Wartung fast zeitgleich die exakt gleiche Fehlermeldung.

Der Mann vom Dentaldepot kommt.
Repariert vor Ort. Tauscht Teile aus. Einen Wasserfilter. Und ich frage mich, warum diese nicht im Rahmen der Wartung getauscht werden.

Egal.
Die Geräte laufen.

Allerdings nicht lange.
Bei Gerät 1 erscheint die gleiche Fehlermeldung fast unmittelbar danach wieder.

Anruf beim Depot.
Dann muss Gerät 1  abgeholt werden.

Gesagt, getan.

Geschätzt 6 Wochen später kommt das Gerät wieder.
Und eine Rechnung fürs Abholen und Bringen. Jeweils 152 Euro.
Mainz ist 40 km entfernt.
Fahrtzeit 30 Minuten. Insgesamt also 1 Stunde. 304 Euro. Das Aufstellen dauerte 2 Minuten.  Sagen wir 5 Minuten.

Szenenwechsel.
Erneuerung einer Kunststoff-Restauration an Zahn 37 vor Endo. Großer Defekt, geringe interokklusale Distanz, schwierige Kontaktpunktgestaltung, sehr schwierige okklusale Verhältnisse, Behandlungszeit 75 Minuten.  Honorar 181 Euro.

Am Tag danach.
Gespräch mit einem Patienten, er hat eine Firma für EDV-Schulungen, wie kommen auf Corona zu sprechen, ich berichte von meiner Referententätigkeit im Bezug auf endodontische Curricula und Arbeitskurse. „Wie machen Sie das ?“ frage ich. Die Antwort. „Wir schulen jetzt online als Alternative zu Präsenzveranstaltungen.  Auch kombiniert, das heisst der Kunde kann wählen ob er vor Ort oder via Internet teilnehmen möchte.“

„Wird das angenommen ?“
„Ja, sehr.  Wir sind ausgebucht.“
„Und was zahlt der Kunde für die Kursteilnahme?“

„250 Euro für einen 2 Stunden – Kurs bei 10 Teilnehmern.
Pro Teilnehmer. Und dann noch ganz einfache Kurse, für Kunden, die gar keine Ahnung von EDV haben, wie man einen Browser bedient, so was in der Art, 150 Euro pro Stunde.“

Ich gehe gefrustet nach Hause.

 

 

 

Und wieder eine horizontale Wurzelfraktur

Von Christoph Kaaden

Der 10-jährige Joshua war Mitte März mit seinem Longboard gestürzt und hatte sich bei dieser Gelegenheit die Wurzel seinen rechten zentralen Schneidezahn frakturiert.

Die Erstversorgung inklusive Repositionierung und Schienung erfolgte alio loco.

Joshua_horizontale Wurzelfraktur.001

Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach Schienung des frakturierten Zahnes 11

Leider zeigten sich vier Wochen nach dem Unfall verschiedene Entzündungszeichen, die eine endodontische Intervention notwendig machten.

Beginnende Schwellung mit Rötung

Beginnende Osteolyse im Bruchspalt

 

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Der Neoapex wurde mittels MTA verschlossen.

In den weiteren Schritten erfolgte das Backfill mit Guttapercha und Sealer sowie der adhäsive Verschluss der Zugangskavität.

– Neoapex mit apikaler Blutung – MTA Verschluss – Guttapercha&Sealer-Backfill

Abschluss-Röntgenaufnahme

In drei Monaten ist die erste radiologische Nachkontrolle und die Schienenentfernung vorgesehen…

Ich werde berichten…

Submuköser Abszess 33 (2)

Wir haben uns für eine 3dimensionale Röntgendiagnostik entschieden. Die befürchteten Artefakte im DVT hielten sich in Grenzen.

Allerdings war die Beurteilung der apikalen Region am Zahn 34 schwierig. Durch die Osteosyntheseschrauben schien der Wurzelzement zumindest verletzt zu sein.
Die Lockerungsgrade und die parodontale Situation versprachen keine gute Prognose. Der Patient wünschte trotzdem einen Erhaltungsversuch.

Unsere Diagnose:  33, 34 P. apicalis, Z.n. Kieferfraktur mit Verdacht der Wurzelperforation nach Osteosynthesetherapie, 35 P. apicalis, biofilmassoziierte Gingivitis, P. marginalis adulta. VD Infektion nach Plattenosteosynthese durch Schraubenlockerung

Unser geplantes Vorgehen:
1. 33 endodontische Therapie, apikaler Verschluss mit PrRoot MTA
2. 34 endodontische Therapie, apikaler Verschluss mit PrRoot MTA, alternativ Extraktion. 35 endodontische Therapie

In Absprache mit dem betreuenden Kieferchirurgen wird die Entfernung der Osteosyntheseplatten nach der endodontischen Therapie eingeplant. Die weitere proth. Therapie wird in Absprache durch dem HZA erfolgen.

 

 

Notwendigkeit von 3D-Röntgen im Frontzahnbereich ? (Teil 2)

Im  vorliegenden Fall, hier besprochen, haben wir mit unterschiedlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zahnmedizinisch wie menschlich ist der Zahn eine Herausforderung. Zahnmedizinisch auf Grund der riesigen Knochendestruktion, das wahre Ausmaß offenbart die 3D DVT – Aufnahme. Dabei ist es nicht die bloße Ausdehnung alleine, vielmehr ist der Verlust der vestibulären Knochenlamelle das prognostisch Limitierende.

Zur Verdeutlichung der Situation, den Patienten gegenüber hat sich in vielen Jahren zahnärztlicher Tätigkeit der Vergleich mit einem Luftballon bewährt.

Ich erkläre die Situation wie folgt:

„Die vorhandene Entzündung hat die Tendenz, sich auszudehnen. Sie kennen das vom Insektenstich. Es bildet sich eine Schwellung aus. Wir haben es mit einer bakteriell bedingten Entzündung zu tun. Die im Zahn vorhandenen Bakterien und die Giftstoffe, die diese produzieren wandern durch den Zahn hindurch, treten im Bereich der Wurzelspitze aus dem Zahn heraus und bewirken eine Zerstörung des Knochens um die Wurzelspitze herum. Der harte Knochen wird durch ein weiches Gewebe aus Abwehrzellen ersetzt, eine natürliche Abwehrreaktion des Körpers. Im Röntgenbild sieht man dies ab einer gewissen Größe als dunklen Bereich, der im Laufe der Zeit zunimmt und immer größer wird.

Wie ein Luftballon, der immer größer wird, wenn man ihn aufbläst. Bis, wie in ihrem Fall zum Schluss ein riesiger Hohlraum und nur noch eine hauchdünne Hülle vorhanden ist.

Unser Ziel ist es, die Bakterien zu eliminieren.
Wenn uns das gelingt, dann schrumpft die Entzündung, fällt in sich zusammen wie ein Luftballon, aus dem man die Luft wieder herauslässt. Und wie ein riesiger Luftballon sich wieder zu einer winzigen Größe  zurückentwickelt, so wird die Entzündung ganz klein werden und anschließend sogar vollkommen verschwinden.

Das funktioniert sehr gut und auch bei sehr großen Knochendefekten vorhersagbar, solange die Entzündung noch vollständig von Knochen umgeben ist.

Wenn dies nicht mehr der Fall ist, dann ändert sich die Situation drastisch.

Genau wie beim prall gefüllten Luftballon, wenn man mit einer Nadel reinsticht.
Der Luftballon platzt und wir haben schlagartig ganz andere Voraussetzungen.

In ihrem Fall ist der stark angeschwollene Luftballon in ihren Kiefer geplatzt.
Die Aussenhülle, der Knochen fehlt.

Und damit fehlt die Voraussetzung für eine geordnete Rückbildung zum Ursprungszustand.

Das heisst nicht, dass es in ihrem Fall nicht doch vollständig heilen kann. Wir haben solche Abheilungen in der Vergangenheit immer wieder dokumentiert.

Aber – wir können keine Prognose abgeben.
Wir können es nur versuchen und abwarten, was passiert.

Letztendlich treffen Sie die Entscheidung, ob Sie einen solchen Versuch des Zahnerhaltes wagen wollen, oder ob sie sich von vorne herein gegen den Zahn entscheiden und für einen  Zahnersatz entscheiden.“

Es folgt die Aufklärung, die Behandlungsalternativen betreffend.

Was sind die Alternativen ?

Ich sehe sowohl die Implantation wie auch die WSR in der gegenwärtigen Situation als problematisch an.  Bei der Implantation ist die Ausgangssituation, den Knochen betreffend als ungünstig anzusehen.  Und die WSR birgt die Gefahr der Devitalisierung des Zahnes 12, der bislang sofort und eindeutig positiv auf den Sensibilitätstest mittels Kältespray reagiert.

Mein Ziel wäre es deshalb, durch eine Wurzelkanalbehandlung dafür zu sorgen,

das

  1. der Zahn im Mund bleiben kann
  2. Sie keine Schmerzen und keine eitrige Entzündung mehr erleiden.
  3. sich der Knochen vollständig oder zumindest teilweise wieder regeneriert. Auch eine teilweise Knochenneubildung wäre ein Erfolg, weil es die Chancen der Implantation erhöht und die Risiken der Wurzelspitzenresektion reduziert.

Wie die nachfolgenden Röntgenbilder zeigen, hat die Patientin sich entschlossen , den Versuch der Zahnerhaltes zu wagen.

Auch ich bin das Wagnis eingegangen, die Behandlung durchzuführen.
Wagnis nicht wegen des Falles, da hatte ich schon größere Defekte erfolgreich therapiert, sondern wegen der „besonderen“ Patientin, die uns im Falle des Scheiterns vermutlich die Hölle heiss machen würde.

Was, wenn sie Schmerzen oder einen erneuten Abszess bekäme?
In ihrem Urlaub, fernab der Heimat und unseren Zugriffsmöglichkeiten.

Wie würde Sie reagieren?
Und würde Sie sich noch an die Inhalte unseren langen Erstuntersuchung und unseres langen Aufklärungsgespräches  (allein über 30 Minuten für Letzteres) erinnern ?

Gäbe es Juristische Konsequenzen? Jameda Hass-Kommentare ?

Letztendlich verlief die Erstbehandlung unkompliziert, wenn man davon absieht, dass die Patientin ihre Termine wiederholt kurzfristig absagte oder verschob.
Oder nicht einhalten konnte.

Grundvoraussetzung für mich, eine Therapie solch großer bakteriell induzierter Knochendefekte betreffend, ist die lange Liegedauer der medikamentöser Einlage (16 Wochen)  Und für mich kommt aus der jahrelangen extrem positiven Erfahrung heraus hier nur Metapex in Frage. In der abschliessenden kritischen Bewertung werde ich zu gegebener Zeit ( der Fall ist noch nicht abgeschlossen, demnach keine Sonntags- Fall, im Gegenteil eine Trapeznummer- Endo (ohne Sicherheitsnetz) auf die „Zysten“ – Problematik und auf den Problemkreis „Extraradikuläre Infektion“ detailliert eingehen.

Bis dahin sei angemerkt, daß 7 Monate später sich die Patientin  erneut bei uns vorstellte.   Das angefertigte Kontrollröntgenbild zeigt bei optimistischer Interpretation einer Verbesserung der Knochensituation, diese Einschätzung ist vielleicht aber auch nur unserem Wunschdenken geschuldet.

Die Patientin war in all der Zeit beschwerdefrei.

Wie sollte man  weiter verfahren ?

p.s: In den Kommentaren tauchte die Frage auf, ob ich die Patienten in solchen Fällen über das Vorhandensein einer Zyste aufkläre.  Aus aktuellem Anlass kann ich an dieser Stelle anführen, dass es sich im vorliegenden Fall auf gar keinen Fall um eine Zyste handeln kann.

Woher ich das weiss?
Darüber hat mich der Kollege im Wirtschaftlichkeits-Beratungsgespräch Anfang März umfassend belehrt. Ich werde in einem weiteren Beitrag zur Wirtschaftlichkeitsprüfung nächste Woche berichten.

Paro- oder Endoläsion?

von Jörg Schröder

Wer war das Huhn und wer ist das Ei?

Trotz mehrfacher endodontischer Massnahmen des überweisenden Kollegen blieb das klinische Bild an diesem 26 unverändert: es bestand eine disto-bukkale Fistelung und eine deutliche palpatorische Druckdolenz.

Klinisch imponierten sowohl zwischen 26 und 27 als auch zwischen 27 und 28 stark erhöhte parodontale Sondierungstiefen.

Das präoperative DVT zeigte einen sehr starken vertikalen Knochenabbau und eine interradikluäre Lyse an 26 und 27.

Angesichts des erheblichen parodontalen Abbaus distal des 27 erschien mir eine rein endodontische Ursache als eher unwahrscheinlich. Um eine Reinfektion im distobukkalen Kanalsystem zu vermeiden, wich ich von meinem Standardvorgehen bei aktiven Fistelungen ab und obturierte DB bereits in der ersten Behandlungssitzung.

Zum zweiten Termin 4 Wochen später waren die klinischen Symptome vollkommen abgeklungen.

Erfreulich, wie sich die knöcherne Situation 9 Monate später darstellte. Nach der Entfernung des 28 hatte sich der Knochen an 27 interradikulär wieder vollständig eingefunden.

Das 2D-Bild täuscht jedoch über den immer noch bestehenden parodontalen Defekt distal des 27 hinweg, wenngleich sich die bukkale Lamelle wieder vollständig regenerieren konnte. Die Chancen für eine regenerative parodontale Massnahme sind somit erheblich verbessert worden.

Interessant – wie immer -was das 3D-Bild im Vergleich zum 2D-Bild zeigt.

In four U.S. state prisons, nearly 3,300 inmates test positive for coronavirus — 96% without symptoms

(Reuters) – When the first cases of the new coronavirus surfaced in Ohio’s prisons, the director in charge felt like she was fighting a ghost.

“We weren’t always able to pinpoint where all the cases were coming from,” said Annette Chambers-Smith, director of the Ohio Department of Rehabilitation and Correction. As the virus spread, they began mass testing.

They started with the Marion Correctional Institution, which houses 2,500 prisoners in north central Ohio, many of them older with pre-existing health conditions. After testing 2,300 inmates for the coronavirus, they were shocked. Of the 2,028 who tested positive, close to 95% had no symptoms.

“It was very surprising,” said Chambers-Smith, who oversees the state’s 28 correctional facilities.

As mass coronavirus testing expands in prisons, large numbers of inmates are showing no symptoms. In four state prison systems — Arkansas, North Carolina, Ohio and Virginia — 96% of 3,277 inmates who tested positive for the coronavirus were asymptomatic, according to interviews with officials and records reviewed by Reuters. That’s out of 4,693 tests that included results on symptoms.

The numbers are the latest evidence to suggest that people who are asymptomatic — contagious but not physically sick — may be driving the spread of the virus, not only in state prisons that house 1.3 million inmates across the country, but also in communities across the globe. The figures also reinforce questions over whether testing of just people suspected of being infected is actually capturing the spread of the virus.

“It adds to the understanding that we have a severe undercount of cases in the U.S.,” said Dr. Leana Wen, adjunct associate professor of emergency medicine at George Washington University, said of the Reuters findings. “The case count is likely much, much higher than we currently know because of the lack of testing and surveillance.”

Some people diagnosed as asymptomatic when tested for the coronavirus, however, may go on to develop symptoms later, according to researchers.

The United States has more people behind bars than any other nation, a total incarcerated population of nearly 2.3 million as of 2017 — nearly half of which is in state prisons. Smaller numbers are locked in federal prisons and local jails, which typically hold people for relatively short periods as they await trial.

State prison systems in Michigan, Tennessee and California have also begun mass testing — checking for coronavirus infections in large numbers of inmates even if they show no sign of illness — but have not provided specific counts of asymptomatic prisoners.

Tennessee said a majority of its positive cases didn’t show symptoms. In Michigan, state authorities said “a good number” of the 620 prisoners who tested positive for the coronavirus were asymptomatic. California’s state prison system would not release counts of asymptomatic prisoners.

Each state manages multiple prison facilities. Ohio, for instance, has 49,000 prisoners in 28 facilities. A total 3,837 inmates tested positive for the coronavirus in 15 of those facilities. But the state has not yet provided results on symptoms for 1,809 of them and did not identify the total number of tests conducted across the prison system.

Arkansas and Tennessee have also taken a targeted approach by conducting mass testing in several of their facilities. Michigan, North Carolina, California and Virginia have started with one facility each.

Most state prisons did not provide the age or other demographic details of those who tested positive for the coronavirus, which has killed more than 200,000 people globally, including more than 53,000 in the United States.

Kurventechnik

von Jörg Schröder

Ein jeder von uns hat sicher eine oder mehrere Vorgehensweisen, wenn es um die mechanische Aufbereitung star und multiplanar gekrümmter Kanalsysteme geht.

Ich möchte heute eine meiner Techniken vorstellen.

Die Ausgangssituation:

Anbehandelter Zahn 26, nicht aufbereitete MB1 und MB2, Verdacht auf Perforation im Pulpakammerboden.

Im präoperativ angefertigten DVT konnte eine Perforation ausgeschlossen werden. MB1 und MB2 lagen weit mesial unter der medialen Randleiste. Die klinisch anzutreffende Situation – neben MB2 zeigte sich zunächst noch ein möglicher MB3 – war ebenfalls präoperativ zu erkennen. Ab dem oberen Wurzeldrittel konnte nur noch ein MB2 nach apikal verfolgt werden. Es lagen getrennte Foramina für MB1 und MB2 vor.

Mit diesen Eckpunkten versehen war meine Feilenabfolge klar:

ProFile 15/04, 20/04, 15/06 in 21 mm. Warum die kurzen? Die präoperativ bestimmte Arbeitslänge von 20,5 bis 21 mm kann mit diesen, verwendet man wie ich die Silikonstopps, nicht aufbereitet werden. Die kurzen Instrumente lassen sich besser in die Zugangskaität einbringen und können den initialen Kanalabschnitt der weit mesial gelegenen Kanäle MB1 und MB2 achsengerechter aufbereiten, als es mit den 4 mm längeren Feilen möglich wäre. Zudem habe ich eine bessere taktile Rückmeldung, wie sich das Instrument nach apikal vorarbeitet. Auf ein Scouten habe ich aufgrund des Ausschlusses einer lateralen Verzweigung oder einer Kommunikation verzichtet.

Nunmehr beobachte ich das Vorarbeiten der  Instrumente auf meine zuvor bestimmte Ziellänge. Ein Sicherheitsbehalt von je nach Fall 0,5 bis 1 mm ist dabei berücksichtigt. Praktisch bleibe ich vor der ersten endometrischen Messung mit einer ISO 008 der späteren Arbeitslänge bis zu einem Querschnitt von 20/04 fern.

Ist die Arbeitslänge bestimmt und mit einer PF 20/04 erreicht gibt es im Aufbereitungsweg eine Weggabelung: Geht die 27=4 und 15/06 geschmeidig auf die Arbeitslänge, so kommt  in den sehr gekrümmten Kanälen eine HyFlex 15/04 zum Einsatz. Warum keine 20/04 oder gar 25/04? weil die 20/04 ProFile keine  mit der HyFlex 20/04 identische Aussenmasse aufweist. Die ProFile 10/04 ist geringfügig schmaler. Also einen Schritt zurück und mit 15/04 HF auf Arbeitslänge. Dann 20/04 Hyflex. Geschmeidig auf Arbeitslänge?

Ja: 20/06 HF, 25/06 HF, 30/04 HF und 30/06 HF.

Nein: 25/04 HF, 20/06 HF, 30/04 HF, 25/06 HF, 30/06 HF.

Diese, an die „variable tip variable taper-Technik“ (die Älteren erinnern sich vielleicht noch) angelehnte Technik sorgt zusammen mit der Flexibilität der HyFlex-Instrumente dafür, dass die Originalkrümmung sehr gut behalten werden kann.

Bei dieser Art von Krümmungen – auch in DB gibt es apikal eine kleine rückläufige Kurve – ist zudem eine regelmässiges Rekapitulieren der Patency sinnvoll und wichtig. Mir reicht dazu eine ISO 008.

Die endometrische Anzeige, war bei DB bei der Vorbereitung der Messaufnahme nicht ganz reproduzierbar, da die als letzte eingeführte DB-Feile immer wieder Kontakt mirt den anderen, schon inserierten Feilen hatte. Nach erneuter Einzelprüfung wurde die AL um 0,5 mm verlängert und mehrfach endometrisch bestätigt. Den Unterschied erkennt man an DB zwischen der Messaufnahme und der Einprobe der Masterpoints.

 

 

Submuköser Abszess 33

Dem Patienten wurde angeraten sich bei uns vor zu stellen. Eine Überweisung hatten wir nicht.
Klinisch zeigte sich ein Zustand nach Inzision eines Abszesses Regio 32-34 mit Pusaustritt. Die Schwellung und die Beschwerden waren, laut Aussage des Patienten zurück gegangen.
Am Zahn 34 imponierte eine multiple Fistelung und im gesamten UK Bereich eine plaque-assoziierte Gingivitis.

Das OPTG zeigt mehrere Osteosyntheseplatten im Unterkiefer links. Diese wurden in Folge einer Unterkieferfrakltur vor 20 Jahren inseriert. Der Patient gibt ein Taubheitsgefühl in der Lippe bis zum Kinn ca. pflauemngroße Ausdehnung im Bereich des N. mentalis seit dem Unfall an. Röntgenbilder und Unterlagen zu dem Unfall waren nicht mehr auffindbar.

Die Sensibilitätsprüfung der Zähne 31-35 erfolgte elektronisch und auf Kälte. Die Ergebnisse waren durchweg negativ.
Die Zähne 32, 33, 35 zeigten erhöhte Sondierungstiefen und einen Lockerungsrad von I-II, 34 von II-III. Vor 2 Jahren wurde eine Osteosyntheseschraube Regio 33 von einem Oralchirurgen entfernt.

Und nun?

DVT – Stellen die Osteosyntheseplatten eine Artefaktgefahr dar, die die apikale Situation unzureichend darstellt?

Oder Probetrepanation?

 

Notwendigkeit von 3D-Röntgen im Frontzahnbereich ?

Ein Zahn 11.
Das Einfachste überhaupt.

Braucht´s überhaupt ein Röntgenbild???
Könnte man ketzerisch fragen.
Naja, zumindest kein neumodisches dreidimensionales für einen Routinefall wie ihn nunmal ein Oberkieferfrontzahn darstellt.

3D-Röntgen ist Übertherapie. Geldmacherei. Körperverletzung.

Das Dumme ist nur.
Wer dentale DVT´s von Berufs wegen immer wieder routinemäßig betrachtet und darüber hinaus nicht nur den zu behandelnden Zahn, sondern auch rechts und links davon schaut, der wird (eine adäquate Qualität des DVT´s vorausgesetzt) Tag für Tag eine Menge Dinge sehen, welche die konventionelle 2D- Röntgendiagnostik nicht erkennen lässt. Und das können auch jede Menge Besonderheiten oder therapierelevante Details sein an einem ach so einfachen mittleren Schneidezahn.

Apikale Aufhellungen, Wurzelresorptionen, Seitenkanäle. Und dann wäre noch die Frage der Behandlungsplanung, der prognostischen Einschätzung, unterschiedliche Therapiekonzepte betreffend.

Im vorliegenden Fall erlitt die Patientin, heute 28 Jahre alt, mit 8 Jahren einen Unfall.
Die letzten 20 Jahre blieb der Zahn klinisch unauffällig.

Vor ca. 5-6 Wochen Vorstellung beim Hauszahnarzt wegen vestibulärer Schwellung in Regio 11, 12. Dort erfolgte eine Inzision und eine antibiotische Abdeckung. Der parallel behandelnde Kieferorthopäde, bei dem die Patientin seit 3 Jahren mit einer Invisalign- Therapie anhängig ist, empfahl einen ortsansässigen endodontischen Spezialisten. Dieser riet zur Trepanation als zeitnahe Sofortmaßnahme (ein Urlaub, nicht des Behandlers, sondern der Patientin stand kurz bevor) und nachfolgender WSR.

Und jetzt (der Urlaubstermin und die damit verbundene Flugreise war noch näher gerückt) saß die Patientin (ein prototypisches Millenial-Exemplar, selbstbewusst, fordernd) bei uns zur Beratung.

Fordernd heißt in dem Zusammenhang, es handelt sich um eine Patientin, die jede Leistung und den garantierten Behandlungserfolg als selbstverständlich ansieht, aber wehe, es gestaltet sich nicht so, wie gewünscht, wie vorgestellt. Selbstverständlich möchte die Patientin auch auf die Minute genau drankommen, wenn sie selbst sich aber um 25 Minuten verspätet ist das lediglich einen knappen Nebensatz wert. Und natürlich ohne auch nur ein  floskelhaftes „Tut mir leid“. Wozu auch, tut es ja auch nicht, insofern konsequent.

So, das wär geklärt. Nur damit der werte Leser im Bild ist.

Wir betrachteten zusammen das angefertigte DVT.
Und ich gebe die Frage der Patientin an das Auditorium  weiter ?

Was tun?
Und worauf ist besonders zu achten?
Bei der Durchführung der Therapie, gegebenenfalls auch im Rahmen der Aufklärung vorab?

 

Unvollendete

von Jörg Schröder

Ein Patient, zwei Prämolaren mit unterschiedlicher Ausgangssituation.

Gemeinsamkeit bestand nur hinsichtlich der Anbehandlung in einer Universitätszahnklinik.

Während die beiden Kanalsysteme des 14 im koronalen Drittel instrumentiert waren, stellten sich die weiteren Kanalverläufe als multiplanar gekrümmt und extrem obliteriert dar.

Meine Lieblingsvorgehensweise: die beinahe schon antiquiert zu bezeichnenden ProFile-Instrumente in der Abfolge 15/04, 20/04 15/06. Nach Erreichen des Foramens erfolgte die finale Aufbereitung mit HyFlex CM. Da die erste Messaufnahme zeigte, dass das in P eingebrachte Instrument (bei mir in P oder L immer eine M2-Feile) bei der Aufnahme dissoziiert worden sein könnte, wurde eine zweite Aufnahme mit um eine ISO-Größe größerer ProFile angefertigt. Mehr Durchmesser, besserer Halt.

Auch 15 wies 2 Kanalsysteme auf. Die Obturation endete am Beginn der nach mesiopalatinal verlaufenden aikalen Krümmung. Angesichts der an dieser Stelle konferierenden Kanalsystem keine Überraschung, konnte doch der apikale Kanalabschnitt erst nach „Auflösen“ der Dentinbrücke zwischen B und P instrumentiert werden. Zudem wurde die Zugangskavität nach distal erweitert. Der ebenfalls stark eingeengte apikale Kanalabschnitt konnte so wiederum mit der ProFile-Sequenz aufbereitet werden.

Zuvor wurde der merkwürdigerweise nur in P vorhandene Thermafill-Carrier mit der „Braiding-Technik“ entfernt.

 

 

COVID-19-Sterbezahlen bilden Auswirkungen der Pandemie nur unvollständig ab

Norditalien

COVID-19-Sterbezahlen bilden Auswirkungen der Pandemie nur unvollständig ab

Einer Untersuchung der Charité zufolge sind in der norditalienischen Gemeinde Nembro allein im März 2020 mehr Einwohner gestorben als im gesamten vergangenen Jahr. Nur rund die Hälfte der im Frühjahr verstorbenen Menschen waren jedoch als COVID-19-Todesfälle gemeldet. Die Studie unterstreicht, dass die gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie deutlich über die offiziellen COVID-19-Sterbezahlen hinausgehen können – und ein Blick auf die Gesamtsterblichkeit zur Einschätzung der Situation wichtig ist. Die Untersuchung ist im Fachmagazin The BMJ* veröffentlicht.

Die Gesamtsterblichkeit in Nembro (mit ISTAT-Daten).
© Piccininni & Gutwasser / Charité

Die Lombardei in Norditalien gehört zu den am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Regionen in Europa. Trotz der hohen offiziellen COVID-19-Sterbezahlen zum Höhepunkt der Infektionswelle entstand vor Ort der Eindruck, dass diese Zahlen die beobachtete Belastung des Gesundheitssystems nicht vollständig erklären konnten. So auch in Nembro, einer Gemeinde mit rund 11.500 Einwohnern in der Provinz Bergamo. Um die tatsächlichen Auswirkungen der Pandemie auf das dortige Gesundheitssystem besser zu quantifizieren, hat ein Forschungsteam unter Leitung von Prof. Tobias Kurth, Direktor des Instituts für Public Health (IPH) der Charité, die lokale Sterblichkeit unabhängig von der Todesursache untersucht. Das Ergebnis der in Zusammenarbeit mit dem Mailänder Centro Medico Santagostino entstandenen Studie: Während des stärksten Infektionsgeschehens im Frühjahr 2020 starb noch einmal dieselbe Anzahl an Menschen, wie bekanntermaßen im Zusammenhang mit dem Virus verstorben waren.

Für die präzise epidemiologische Berechnung der ursachenunabhängigen Sterberate – der sogenannten Gesamtsterblichkeit – nutzten die Wissenschaftler Daten aus dem Zeitraum zwischen Anfang 2012 und Mitte April 2020, die aus mehreren Quellen stammten: dem Italienischen Statistikamt (ISTAT), dem Einwohnermeldeamt von Nembro sowie dem COVID-19-Dashboard der Lombardei. „Nembro ist ein kleiner Ort mit einer sehr stabilen Bevölkerungsstruktur und wenig Zu- oder Wegzug“, erklärt Prof. Kurth. „Zusammen mit den sehr guten Datenquellen bot er besonders geeignete Voraussetzungen für eine verlässliche deskriptive epidemiologische Analyse zu der Frage, welche Auswirkungen ein unübersichtliches Infektionsgeschehen während der COVID-19-Pandemie auf die Gesundheit der Bevölkerung haben kann.“

Der statistischen Analyse zufolge waren in den letzten Jahren in der Gemeinde für gewöhnlich etwas mehr als 100 Menschen gestorben. Beispielsweise gab es in den Jahren 2018 und 2019 insgesamt jeweils 128 bzw. 121 Todesfälle. Dagegen starben in den dreieinhalb Monaten zwischen dem 1. Januar 2020 und 11. April 2020 in Nembro 194 Personen, davon allein 151 im März. Umgerechnet ergibt das eine monatliche Gesamtsterblichkeit von rund 154 Todesfällen pro 1000 Personenjahre im März 2020 – das sind fast elfmal so viele Tote wie im März des Vorjahres, als es 14 Todesfälle pro 1000 Personenjahre gab. Der größte Anstieg der Todesfälle während der Infektionswelle wurde bei Personen ab einem Alter von 65 Jahren verzeichnet, insbesondere bei Männern. 14 der Verstorbenen waren jünger als 65 Jahre.

„Diese sehr massive Erhöhung der Sterberate im März 2020 können wir vor dem Hintergrund der sonst sehr stabilen Gesamtsterblichkeit in Nembro nur als Folge der Coronavirus-Pandemie werten“, sagt Marco Piccininni, Wissenschaftler am IPH und Erstautor der Studie. Von den während der Infektionswelle (Ende Februar bis Anfang April) gestorbenen 166 Menschen waren aber nur 85 positiv auf das Coronavirus getestet und offiziell als COVID-19-Todesfälle gemeldet worden. „Das ist eine enorme Diskrepanz, die zeigt: Die Folgen der Pandemie für die Gesundheit der Bevölkerung in Nembro waren deutlich gravierender, als die gemeldeten COVID-19-Sterbefälle andeuten“, erklärt Piccininni. Die Gründe für diese Diskrepanz sehen die Autoren der Studie hauptsächlich in zwei Faktoren: Zum einen ist es wahrscheinlich, dass nicht alle Coronavirus-Infizierten als solche erkannt wurden – etwa weil das Testmaterial knapp war und nicht alle Verdachtsfälle labordiagnostisch getestet wurden. Ein zweiter Grund könnte darin liegen, dass Menschen mit anderen Erkrankungen schlechteren Zugang zur Krankenversorgung hatten: entweder weil die Kapazität des Gesundheitssystems schon durch COVID-19-Fälle ausgeschöpft war oder weil sie aus Sorge vor einer Infektion das Krankenhaus nicht aufsuchen wollten.

„Für eine präzise Abschätzung der gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie dürfen wir also nicht ausschließlich auf die bestätigten COVID-19-Sterbezahlen schauen“, betont Prof. Kurth. „Um vor Ort die geltenden Eindämmungsmaßnahmen besser an die Situation anpassen zu können, sollten zusätzlich aktuelle Daten zur regionalen Gesamtsterblichkeit berücksichtigt werden. Leider sind Daten zur Gesamtsterblichkeit nicht überall zeitnah abrufbar. Ich begrüße, dass vorläufige Daten für Deutschland seit Kurzem zur Verfügung stehen.“

*Piccininni M, Rohmann JL et al., Use of all cause mortality to quantify the consequences of covid-19 in Nembro, Lombardy: descriptive study. BMJ 2020;369:m1835. doi: 10.1136/bmj.m1835

Infektionswelle in Nembro
Nembro meldete Ende Februar die ersten Coronavirus-Fälle, ergriff erste Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung und wurde am 8. März Teil einer sogenannten Roten Zone, die niemand betreten oder verlassen durfte. Die Einwohner konnten ihre Wohnungen nur noch in Ausnahmefällen – wie zum Einkaufen von Lebensmitteln – verlassen. Bis zum 11. April stieg die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infizierten auf 218. 85 von ihnen waren bis zum 16. April gestorben. Die Gesamtsterblichkeit nahm im April – vermutlich hauptsächlich durch die strengen Isolationsmaßnahmen – wieder ab.

Seltenere Anomalie – Recall

Von Christoph Kaaden

Letztes Jahr habe ich hier und hier von der Behandlung eines Dens invaginatus berichtet.

Vor Kurzem haben wir von der zuweisenden Praxis das Kontrolle-Röntgenbild sechs Monate nach Abschluss erhalten.

Es sieht aus, als wäre die Behandlung erfolgreich gewesen.

Recall sechs Monate nach Behandlungsabschluß

 

 

 

Ingestion eines Polierers

Von Christoph Kaaden

Ende letzter Woche kontaktierte mich eine unserer treuesten Zuweiserinnen, um mich von einer Komplikation während der Behandlung eines gemeinsamen Patienten (pensionierter Allgemeinmediziner) zu unterrichten.

Laut ihrer Angabe hatte sich bei der finalen Politur der frisch eingesetzten Implantatkrone der Silikonpolierer  aus dem Winkelstück gelöst und sei dann in der Mundhöhle „verschwunden“.

Der Patient wurde daraufhin aufgesetzt und gebeten den Polieren mittels Wasser auszuspülen.

Leider fand sich das Objekt so nicht und es wurde von einer Ingestion ausgegangen (da ansonsten keine weiteren Symptome bestanden).

Vergleichbarer Polierer

 

Aufgrund seines medizinischen Hintergrundes zeigte sich der Patient stark verängstigt und veranlasste selbstständig eine zeitnahe Gastroskopie zur Klärung der näheren Umstände…

 

Ich habe diesen Zwischenfall zum Anlass genommen mich mit der Thematik etwas eingehender zu beschäftigen.

Welches Vorgehen ist obligat? Genau welche Maßnahmen erfordert ein solcher Zwischenfall? Welche weiteren Untersuchungen sind indiziert ?

Ein Blick in die Literatur bringt Aufklärung:

In dem Artikel: Aspiration und Verschlucken von Fremdkörpern“ von Zitzmann et al (Schweiz Monatsschr Zahnmed, Vol 110: 6/2000) heißt es dazu:

Verschlucken von Fremdkörpern

Während einige verschluckte Fremdkörper akuten Handlungsbedarf erfordern, ist bei anderen Objekten ein eher zurückhaltendes Vorgehen indiziert.

Die Entscheidung, ob die Entfernung des Fremdkörpers notwendig wird, hängt im Wesentlichen ab von der Grösse, der äusseren Form, der Art des Objektes und seiner Lokalisation.

Da scharfe, spitze und lange Objekte vielfach die Kurvaturen des Duodenums nicht passieren können, sich dort verkeilen und Perforationen verursachen, ist die rechtzeitige Entfernung dieser Objekte unbedingt vorzunehmen.

Bei Erwachsenen ist die Endoskopie ab einer Objektlänge von etwa 10 cm, bei Kindern ab 6 cm, indiziert.

Stumpfe oder gerundete Objekte, deren Durchmesser 2,5 cm überschreiten, sollten ebenfalls durch Gastro-Duodenoskopie entfernt werden, da sie möglicherweise den Pylorus nicht passieren können. Wird das sofortige Entfernen des Fremdkörpers ver- säumt und kommt es zur Impaktion des Objektes, so können Wochen oder sogar Jahre vergehen, bis Symptome auftreten, die von frühzeitiger Sättigung und postprandialem Erbrechen bis hin zu Gewichtsverlust reichen. Auch die Impaktion im Bereich des Ösophagus, der 4 physiologische Verengungen (oberer Ösophagus-Sphinkter, Kompression durch den Aortenbogen und durch den linken Hauptbronchus, Zwerch- fell-Durchtritt) als mögliche Impaktionsstellen aufweist, indiziert die Entfernung des Fremdkörpers.

Die Komplikation kann sogar zur Notfallsituation eskalieren, wenn das Objekt auf die ventral gelegene Trachea drückt.

Ist der Fremdkörper durch das Heimlich-Manöver nicht zu lösen, so ist unverzüglich die Endoskopie einzuleiten. Der Einsatz flexibler Endoskope, mit Hilfe derer Objekte bis in den distalen Bereich des Duodenums erreicht werden, erlaubt die Fremdkörper-Entfernung beim ambulanten Patienten. Die starre Endoskopie muss unter Anästhesie oder tiefer Sedierung des Patienten durchgeführt werden und kann zur Entfernung scharfer Objekte indiziert sein, um die Gefahr der Perforation zu minimieren. Hat der Fremdkörper bereits das Duodenum erreicht, so passiert das Objekt in der Regel auch den Rest des Intestinaltraktes innerhalb mehrerer Tage oder Wochen. Die röntgenologische Überwachung der Objektbewegung mittels wöchentlicher abdomi- naler Röntgenaufnahmen ist ratsam. Während dieser Zeit sollte der Patient zur Identifizierung des Objektes den Stuhl sammeln. Empfehlungen spezieller Diäten, die die Passage des Fremdkörpers unterstützen oder beschleunigen könnten, sind bislang nicht durch wissenschaftliche Daten belegt. Von der Verwendung von Abführmitteln ist unbedingt abzusehen, da die erhöhte peristaltische Kontraktion des Darms eine mögliche Perforation nur forciert. Entlang des Intestinaltraktes kann es im Bereich physiologischer oder pathologischer Verengungen zur Impaktion des Fremdkörpers in den Schleimhautfalten der Darmmukosa kommen. Häufige Impaktionsstellen sind der Pylorus, das Treitz’sche Ligament, die Ileozökalklappe, die rektosigmoidale Übergangszone und der Anus.

Ist das verkeilte Objekt mittels Rekto- bzw. Kolonoskopie nicht zu erreichen, so kann die chirurgische Intervention notwendig werden. Diese ist auch indiziert, sobald Hämorrhagien, intestinale Obstruktion oder Perforationen nachgewiesen werden. Liegt die Komplikation bereits längere Zeit zurück und wird nicht unmittelbar in Zusammenhang mit dieser gebracht, so ist die korrekte Diagnose der intestinalen Perforation vielfach erschwert und verzögert. Je nach Intensität der Kontamination des Peritonealraumes und der Abwehrbereitschaft des Patienten schreitet die Pathologie der intestinalen Perforation fort und kann zu Abszessen, generalisierter Peritonitis oder Blutungen in den Peritonealraum führen.

Das Fazit des Artikels lautet daher:

 Verschwindet ein Objekt im Oropharynx, so sind mit Hilfe der radiologischen Diagnostik eine Aspiration unbedingt auszuschliessen und die notwendigen Massnahmen durch den Spezialisten zu ergreifen. Den Patienten in dieser Situation nach Hause zu entlassen, im Glauben, das Objekt sei verschluckt worden und finde seinen natürlichen Weg durch den Intestinaltrakt, ist als Unterlassung einzustufen und kann lebensbedrohliche Folgen haben.

Auch das Verschlucken von Fremdkörpern bedarf der korrekten Diagnose und erfordert – abhängig von Form und Kontur des Objektes – ein mehr oder weniger invasives Vorgehen zum Schutz des Patienten.

Nicht zuletzt aus forensischen Gründen ist eine genaue klinische, röntgenologische und administrative Verlaufskontrolle unabdingbar.

Es gilt also alles dafür zu tun, dass eine solche Komplikation möglichst vermieden wird. Zukünftig werde ich also vor dem Start eines Polierers (oder ähnlichem) dessen korrekte und eingerastete Position im Winkelstück kontrollieren.

Sollte es doch zu diesem Zwischenfall kommen empfiehlt sich dieses Vorgehen:

 

Der Volltext zu dieser Thematik finden Sie hier.

Ergebnisse der „Heinsberg-Studie“ veröffentlicht

Bonner Forschungsteam ermittelt Sterblichkeitsrate der SARS-CoV-2-Infektion


Der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen gilt als Brennpunkt für das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2. Nach einer Karnevalssitzung kam es dort zu einer in Deutschland frühen und massenhaften Ausbreitung des Erregers. Im Rahmen der Studie hatte ein Forschungsteam um Prof. Dr. Hendrik Streeck und Prof. Dr. Gunther Hartmann von der Universität Bonn in der Ortschaft Gangelt eine große Zahl von Einwohnern befragt, Proben genommen und analysiert. Dabei wurde unter anderem erstmals die Sterblichkeitsrate der Infektion genau bestimmt. Die Ergebnisse der Studie sind vorab veröffentlicht worden und werden nun der Wissenschaft und der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine Publikation in einem Fachjournal mit Peer-Review-Verfahren folgt.


Prof. Dr. Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn
Im Zentrum der Studie steht die Sterblichkeitsrate der Infektion (sog. Infektionssterblichkeit, infection fatality rate, IFR), die den Anteil der Todesfälle unter den Infizierten angibt. Diese muss von der Fallsterblichkeit unterschieden werden (case fatality rate, CFR). Die IFR ist aus verschiedenen Gründen der verlässlichere Parameter, und dessen Bestimmung wird international für SARS-CoV-2 gefordert. „Mit unseren Daten kann nun zum ersten Mal sehr gut geschätzt werden, wie viele Menschen nach einem Ausbruchsereignis infiziert wurden. In unserer Studie waren das 15 Prozent für die Gemeinde Gangelt. Mit der Gesamtzahl aller Infizierter kann die Infektionssterblichkeit (IFR) bestimmt werden. Sie liegt für SARS-CoV-2 für den Ausbruch in der Gemeinde Gangelt bei 0,37 Prozent“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn. Mit der IFR lässt sich anhand der Zahl der Verstorbenen auch für andere Orte mit anderen Infektionsraten abschätzen, wie viele Menschen dort insgesamt infiziert sind. Der Abgleich dieser Zahl mit der Zahl der offiziell gemeldeten Infizierten führt zur sogenannten Dunkelziffer. Diese ist in Gangelt rund fünffach höher als die offiziell berichtete Zahl der positiv getesteten Personen. Legt man für eine Hochrechnung etwa die Zahl von fast 6.700 SARS-CoV-2-assoziierten Todesfällen in Deutschland zugrunde, so ergäbe sich eine geschätzte Gesamtzahl von rund 1,8 Millionen Infizierten. Diese Dunkelziffer ist um den Faktor 10 größer als die Gesamtzahl der offiziell gemeldeten Fälle (162.496 am 03.05.2020, 07:20 Uhr).


Prof. Dr. Gunther Hartmann, Leiter des Instituts für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie am Universitätsklinikum Bonn
„Die Ergebnisse können dazu dienen, Modellrechnungen zum Ausbreitungsverhalten des Virus weiter zu verbessern – bislang ist hierzu die Datengrundlage vergleichsweise unsicher“, sagt Co-Autor Prof. Dr. Gunther Hartmann, Leiter des Instituts für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie am Universitätsklinikum Bonn und Sprecher des Exzellenzclusters ImmunoSensation. Die Studie gibt auch wichtige Hinweise für weiterführende Forschung zu SARS-CoV-2, etwa zum Infektionsrisiko in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen, zum höheren Schweregrad der Erkrankung unter den besonderen Bedingungen eines massiven Infektionsereignisses wie in Gangelt, oder zum Infektionsrisiko innerhalb von Familien.

20% der COVID-19 Infektionen verlaufen asymptomatisch

Auch die Symptombeschreibung ist ein Aspekt der Studie. Der für diese Infektion auffälligste Symptomkomplex ist der von Prof. Streeck zuvor beschriebene Geruchs-und Geschmacksverlust. Weiterhin zeigten in Gangelt insgesamt 22 Prozent von allen Infizierten gar keine Symptome. Es fiel auf, dass Personen häufiger Symptome hatten, die an der Karnevalssitzung teilgenommen haben. „Um herauszufinden, ob hier die körperliche Nähe zu anderen Sitzungsteilnehmern und eine erhöhte Tröpfchenbildung durch lautes Sprechen zu einem stärkeren Krankheitsverlauf beigetragen haben, planen wir weitere Untersuchungen in Kooperation mit Spezialisten für Hygiene“, führt Prof. Hartmann aus.

„Dass offenbar jede fünfte Infektion ohne wahrnehmbare Krankheitssymptome verläuft, legt nahe, dass man Infizierte, die das Virus ausscheiden und damit andere anstecken können, nicht sicher auf der Basis erkennbarer Krankheitserscheinungen identifizieren kann“, meint Prof. Martin Exner, Leiter des Instituts für Hygiene und öffentliche Gesundheit und Co-Autor der Studie. Dies bestätige die Wichtigkeit der allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln in der Corona-Pandemie. „Jeder vermeintlich Gesunde, der uns begegnet, kann unwissentlich das Virus tragen. Das müssen wir uns bewusst machen und uns auch so verhalten“, sagt der Hygiene-Experte.

In den untersuchten Mehrpersonen-Haushalten war das Risiko für die Ansteckung einer weiteren Person überraschend gering. „Die Infektionsraten sind bei Kindern, Erwachsenen und Älteren sehr ähnlich und hängen offenbar nicht vom Alter ab“, sagt Prof. Streeck. Es gebe auch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Insgesamt 919 Teilnehmer aus 405 Haushalten

Insgesamt 600 zufällig ausgewählte Haushalte in Gangelt wurden angeschrieben und gebeten, an der Studie teilzunehmen. 1007 Studienteilnehmer aus 405 Haushalten wurden vom 30. März bis 6. April sechs Wochen nach dem Ausbruch der Infektion in Gangelt befragt und getestet. Die Wissenschaftler nahmen Rachenabstriche und Blutproben. In der Akutphase der Infektion in den ersten ein oder zwei Wochen ist der PCR-Test, der den „genetischen Daumenabdruck“ von SARS-CoV-2 erfasst, sehr zuverlässig. Zwei oder drei Wochen nach der Infektion bildet das Immunsystem sogenannte Antikörper gegen das Virus, die der ELISA-Test (Euroimmun) erkennt. „Durch die Kombination von PCR- und ELISA-Test können wir sowohl akute als auch abgelaufene Infektionen erfassen“, sagt Hartmann. Vorstudien zeigten, dass der ELISA-Test sich in etwa einem Prozent der durchgeführten Untersuchungen „irrt“ und fälschlicherweise eine durchgemachte Infektion anzeigt. „Bei einem hohen Prozentsatz an Infizierten wie in Gangelt tritt dieser messtechnische Unsicherheitsfaktor in den Hintergrund“, erklärt Hartmann. Bei aktuell geplanten Deutschland-weiten Studien mit einer geschätzten Infektionsrate von etwa ein bis zwei Prozent sei dieser messtechnische Unsicherheitfaktor jedoch ein Problem.

Welche Schlüsse aus den Studienergebnissen gezogen werden, hängt von vielen Faktoren ab, die über eine rein wissenschaftliche Betrachtung hinausgehen“, sagt Prof. Streeck. „Die Bewertung der Erkenntnisse und die Schlussfolgerungen für konkrete Entscheidungen obliegen der Gesellschaft und der Politik.“

In der Corona-Pandemie gelten auch beim wissenschaftlichen Publizieren andere Regeln als sonst: Renommierte wissenschaftliche Journale verlangen, dass bei der Einreichung von Arbeiten zum Thema COVID-19 das jeweilige Paper zunächst auf einem Preprint Server hochgeladen und so unverzüglich vorab der Wissenschaft und den Gesundheitsbehörden zugänglich gemacht wird (siehe: https://wellcome.ac.uk/coronavirus-covid-19/open-data). Erst dann findet das weitere Publikationsverfahren mit einer Überprüfung durch Experten im sog. Peer Review statt.

Publikation:
Infection fatality rate of SARS-CoV-2 infection in a German community with a super-spreading event Hendrik Streeck, Bianca Schulte, Beate M. Kümmerer, Enrico Richter, Tobias Höller, Christine Fuhrmann, Eva Bartok, Ramona Dolscheid, Moritz Berger, Lukas Wessendorf, Monika Eschbach-Bludau, Angelika Kellings, Astrid Schwaiger, Martin Coenen, Per Hoffmann, Birgit Stoffel-Wagner, Markus M. Nöthen, Anna-Maria Eis-Hübinger, MartinExner, Ricarda Maria Schmithausen, Matthias Schmid and Gunther Hartmann

Download: Infection fatality rate of SARS-CoV-2 infection in a German community with a super-spreading event

Was sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie?

Prof. Hendrik Streeck: „Im Zentrum der Studie steht die Infection Fatality Rate (IFR), die den Anteil der Todesfälle unter den Infizierten angibt. Aus den Daten wurde weltweit erstmalig errechnet, dass die IFR von SARS-CoV-2 bei 0,37% liegt. Je nach mathematischen Korrekturverfahren schwankt sie zwischen 0,24% und 0,43%. Bei etwa 15 Prozent aller untersuchten Personen wurde eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen. Die bisher bekannte Infektionsrate in der Gemeinde Gangelt lag bei 3%. Dies bedeutet, dass fünf Mal so viele Personen in der Gemeinde Gangelt infiziert waren, wie ursprünglich ermittelt. Es wurden neben Einzelpersonen auch Haushalte untersucht um herauszufinden, ob es einen Familienclustereffekt gibt. Die Studie zeigt, dass wenn ein Haushaltsmitglied infiziert ist, die Infektionswahrscheinlichkeit für eine weitere Person abhängig von der Haushaltsgröße über dem durchschnittlichen Infektionsrisiko von 15% liegt, z.B 20% darüber bei 3-Personen Haushalten. Die Infektionsraten sind bei Kindern, Erwachsenen und Älteren sehr ähnlich und hängen offenbar nicht vom Alter ab. Außerdem gibt es in der Studie Hinweise, dass es zu schwereren Krankheitsverläufen kam, wenn die Personen Karneval gefeiert haben.“

Welche Aussagekraft haben die Ergebnisse?

Prof. Gunther Hartmann: „Die Dunkelziffer ist nur auf die Gemeinde Gangelt zu beziehen. Jedoch: Die von uns bestimmte Letalität mit dem Fehlerbereich der Berechnung ist eine Eigenschaft des Virus. Dadurch kann man zum Beispiel mit einem gewissen Fehlerbereich hochrechnen, wie viele Menschen infiziert sein können. Legt man für eine Hochrechnung etwa die Zahl von 6.700 Todesfällen in Deutschland zugrunde, die mit SARS-CoV-2 zusammenhängen, ergibt sich die Zahl von 1,8 Millionen Infizierten. Die Daten können dazu dienen, Modellrechnungen zum Ausbreitungsverhalten des Virus zu verbessern. Bislang war hierzu die Datenlage sehr unsicher.“

Was sagen Sie zu der in den Medien geäußerten Kritik an der Studie?

Diskussionen und auch Kritik sind ein wesentlicher Teil des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses. Zu der vom SWR verbreiteten Kritik sagt das Forschungsteam: In der Arbeit wird die Infection Fatality Rate (IFR) für den Ort Gangelt bestimmt, nicht für Deutschland. Das von uns errechnete Konfidenzintervall für die IFR in Gangelt ist korrekt. Eine Berechnung des Konfidenzintervalls für die IFR in Gesamtdeutschland müsste zusätzliche statistische Unsicherheiten einbeziehen. Dies war jedoch nicht Ziel der Arbeit und wurde von den Autoren auch nicht als solches formuliert. Bei der im Diskussionsteil der Arbeit aufgeführten Zahl von 1,8 Millionen Infizierten handelt es sich um eine rein theoretische Beispiel-Hochrechnung, die auch ganz klar als solche gekennzeichnet ist. Die Breite des Konfidenzintervalls für die IFR in Gangelt hat keinen Einfluss auf die Beispielberechnung der Zahl 1,8 Millionen. Sie hätte höchstens einen Einfluss auf ein mögliches Konfidenzintervall für die 1,8 Millionen, also auf die Schwankungsbreite der „Punkt“-Schätzung 1,8 Millionen. Eine solche Schwankungsbreite wird im Paper aber nicht aufgeführt. Insofern existieren auch keine Widersprüche in der Arbeit.

 

 

Kontakt für die Medien:
Dr. Andreas Archut
Dezernat für Hochschulkommunikation
Universität Bonn
Tel.: 0228/73-7647
E-Mail: kommunikation@uni-bonn.de

 

Quelle: https://www.uni-bonn.de/neues/111-2020

Spritzschutz für das OP- Mikroskop

Angeregt durch einen Artikel von Tomas Lang habe ich über einen Spritzschutz für unser ZEISS Pro Ergo OP- Mikroskop nachgedacht.

Dieser sollte

  1. nicht nur den Behandler, sondern gleichermaßen auch die Assistenz schützen
  2. Nicht/wenig stören
  3. Leicht zu montieren sein, idealerweise ohne Modifikationen am OPM
  4. Leicht zu entfernen sein, idealerweise während der Behandlung variierbar
  5. Gut/einfach zu reinigen
  6. kostengünstig

Herausgekommen ist das nachfolgende Produkt. Die Fotos zeigen den Aufnehmer für das Assistenz- Modul, der Schutz für die Behandler-Seite wird mit Hilfe eines Stegs montiert. Befestigt wird die gesamte Konstruktion am Strahlenteiler. An- und Abbau nehmen nur ein paar Sekunden in Anspruch. Die Visiere (Klarsichtfolie aus dem Bürobedarf DIN A3) können individuell von Behandler/Assistenz auf die eigenen Belange hin zugeschnitten werden. Sie werden mit Druckknöpfen befestigt, die Lochung erfolgt mittels einer in jeder Praxis vorhandenen geraden chirurgischen Schere. Der Drehknopf dient dazu, das Visier auf der Assistenz- Seite ins Behandlungsfeld rein und rauszuklappen. So kann man beim Arbeiten mit Spraynebel, das Visier weitestmöglich absenken, für die Assistenz in der Regel kein Problem, weil beim Präparieren mit dem Winkelstück ihre Arbeit eine eher statische ist. Klassisches Berufsbild bis in die 80er hinein. Sauger halten und sich langweilen. Was bin ich froh, dass diese Zeiten vorbei sind. Geht es dann an die eigentliche Endo mit vielen Instrumentenwechseln, kann man das Visier hochklappen, so dass es nicht mehr stört.

Wir arbeiten seit 2 Wochen damit und können berichten, dass sich erstaunlich wenig Beeinträchtigungen ergeben, wenn man bereit ist, das Gerät als solches zu akzeptieren. Wir kommen überraschend gut damit zurecht und werden es sicherlich eine ganze Zeit lang erst einmal am Mikroskop behalten.

 

 

Die obigen Bilder zeigen die 7. Generation, denn die zugrundeliegende Idee erhält fortlaufende Änderungen und Anpassungen, die sich aus dem täglichen Arbeiten ergeben und so sukzessiv zu einer Verbesserung führen.

Angefangen hat es so.

 

Und hier die gute Nachricht für alle WURZELSPITZE Plus – Unterstützer.

Wir haben uns entschieden, allen ZEISS Pro Ergo-Nutzern, die es wünschen, diese Schutzschild- Konstruktion zukommen zu lassen.

Kostenlos.
Wir übernehmen die Produktionskosten, Verpackung, Porto.
Als Dank für die Unterstützung dieser Plattform.

Nur die Schutzfolie als Verbrauchsmaterial muss noch von der Praxis besorgt werden, dann kann es losgehen. Wer möchte, der möge bitte seinen Name und seine Postanschrift unter  „Kommentare“ eintragen.

p.s.: Und das hier könnte die nächste Evolutionsstufe darstellen.  Modifiziert für das Arbeiten mit dem OPM.

 

 

Link

von Jörg Schröder

Die Ausgangssituation dieses 11 war 3 Monate nach einer schweren Intrusionsverletzung mehr als ungünstig. Nach chirurgischer Reposition kam es aufgrund der Pulpanekrose rasch zu einer infektionsbedingten externen Wurzelresorption. Der kleine Patient war zum Unfallzeitpunkt fast 8 Jahre alt gewesen.

Umso erfreulicher, dass 10 Monate nach Abschluss der Behandlung keine Anzeichen einer apikalen Pathologie vorhanden sind und die Resorption arretiert erscheint. Der Klopfschall des 11 ist physiologisch und die Beweglichkeit des Zahnes im Vergleich zum 21 nicht erhöht.

Die weiteren Recalls werden zeigen, ob das Primärziel, den Zahn bis zu einem Zeitpunkt zu erhalten, an dem eine prothetische oder gar implantologische Versorgung möglich ist, erreicht werden kann.

Wer hat sich dieses Röntgenbild vom Dienstag dieser Woche genauer angeschaut ?

Wer hat sich dieses Röntgenbild vom Dienstag dieser Woche genauer angeschaut ?

Mich würde nämlich interessieren, wie man hier verfahren sollte.

Eigentlich würde mich sogar vor allem interessieren, was sieht man hier?
Ohne DVT.  So wie wir es ja die letzten100 Jahre in der Zahnmedizin auch geschafft haben. Insbesondere bei Frontzähnen, die ja keine besondere Anatomie aufweisen.  Am Dienstag werde ich über der Fall berichten, also los, überschüttet mich mit euren Mutmaßungen und Therapievorschlägen.

Sturz im Bad (I)

Von Christoph Kaaden

 

Obgleich horizontale Wurzelfrakturen zu den sehr seltenen Zahnverletzungen zählen scheinen Patienten mit dieser Unfallart in dieses Jahr  vermehrt den Weg in unsere Praxis zu finden.

Vor Kurzem war es ja dieser Fall..

Heute möchte ich Ihnen die Situation der 17-jährigen Magdalena vorstellen. Das junge Mädchen erlitt vor einigen Wochen im Badezimmer eine vasovagale Synkope und stürzte in der weiteren Folge.

Das Resultat dieses Traumas verdeutlicht das alio loco angefertigte Röntgenbild.

Der initial behandelnde Zahnarzt überwies die junge Patientin daraufhin in eine implantolgische Praxis der Münchner Innenstadt.

Einer der dort tätigen Implantologen schätze die Situation für eine mögliche „chirurgische Lösung“ aufgrund des Patientenalters und weiterer Begleitumstände (Diabetes Typ I, Bulämie)  als sehr ungünstig ein.

Daher erfolgte die Bitte einer Zweitevaluation durch uns.

Klinisch stellte sich die Situation zwei Tage nach Trauma in unserer Praxis wie folgt dar:

Zustand nach Erstversorgung und Schienung alio loco

Zahn 11 hatte neben der „Wurzelproblematik“ auch eine unkomplizierte Kronenfraktur erlitten. Die Sensibilität des Zahnes war negativ. Die restlichen Zähne reagierten positiv auf Kältestimulation.

In der von uns angefertigten 3D-Darstellung liessen sich die Verläufe der Bruchspalten exakt beurteilen:

Wie sollte es ihrer Meinung nach weitergehen?

Ich weiss, wir wollen alle nix mehr hören zum Thema, aber das hier ist interessant und wichtig

MEHR ALS EINE GRIPPE:Wie Covid-19 tötet

Covid-19 ist weit mehr als eine bloße Atemwegsinfektion. Erste Autopsie-Studien zeigen, worauf klinische Berichte bereits hindeuteten: Das neue Coronavirus greift nicht nur Lungenzellen an, sondern auch das Gefäßsystem und verschiedenste Organe.

»Wir haben sehr schwere, blutgestaute Lungen mit ausgeprägten Ödemen gesehen«, sagt Alexander Tzankov vom Universitätsspital Basel. Der Pathologe hat eine der ersten Autopsie-Studien an Covid-19-Toten durchgeführt. Was er und sein Team fanden, sei erstaunlich, berichtet der Forscher. »Überrascht haben uns auch Verschlüsse der kleinen Gefäße der Lunge, des Darms und der Nieren, die wir unter dem Mikroskop gefunden haben.«

17 Männer und 4 Frauen zwischen 53 und 91 Jahren haben Tzankov und seine Kollegen untersucht. Die Vorerkrankungen der Toten klingen typisch für die Covid-19-Risikogruppen: Alle hatten Bluthochdruck, viele Gefäßschäden (Atherosklerose), etwas weniger als die Hälfte waren Raucher, drei Viertel fettleibig, etwa ein Drittel mit Diabetes, einige mit Leber- oder Nierenschäden, drei mit der Lungenkrankheit COPD. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift »Histopathology« erschienen.

Die Verschlüsse der kleinen Blutgefäße seien besonders auffällig, da alle Patienten mit diesen Mikrothrombosen Gerinnungshemmer bekommen hatten. »Es muss da einen starken Stimulus gegeben haben, der Blutgerinnsel hervorgerufen hat«, sagt Tzankov. Außerdem fanden die Pathologen aus Basel bei sechs Patienten eine Ablagerung abnorm gefalteter Proteine im Herzen, die sonst erst bei Menschen ab 85 Jahren auftreten.

»Der gemeinsame Nenner all dieser Beobachtungen ist eine Schädigung der Endothelzellen«, sagt Tzankov, jener Zellen, die die Blutgefäße von innen auskleiden. Sehr ähnlich liest sich da der Bericht über drei Covid-19-Tote, den Pathologen vom Universitätsspital Zürich am 20. April im Journal »Lancet« veröffentlicht haben. Darin berichten die Autoren von »diffusen Gefäßentzündungen« in Lunge, Herz, Leber, Darm oder Nieren. Außerdem habe man »Virusmaterial in Endothelzellen« gefunden.

ACE2 als Türöffner

Zusammen deuten diese Befunde darauf hin, dass das neue Coronavirus neben der Lunge auch die Gefäße und andere Organe befallen kann. Das ist nicht abwegig. Denn Gefäß-Endothelzellen und die Zellen vieler Gewebe tragen einen Rezeptor, der sowohl dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 als auch seinem älteren Cousin Sars-Cov-1 als Türöffner dient: Angiotensin-Converting-Enzyme 2 oder kurz: ACE2. Das Molekül sitzt auf der Oberfläche von Lungenzellen, die das neue Coronavirus befällt. Dockt das Virus an ACE2 an, setzt das eine molekulare Kettenreaktion in Gang, die das Virus in die Zelle zieht, wo es sich dann munter vermehren kann.

Der gemeinsame Nenner all dieser Beobachtungen ist eine Schädigung der Endothelzellen(Alexander Tzankov)

ACE2 spielt aber auch noch eine ganz andere Rolle, die schwere Verläufe bei Covid-19 erklären könnte: Das Molekül ist ein Regulator im Renin-Angiotensin-System, das grob gesagt das Flüssigkeitsvolumen und den Blutdruck im Körper kontrolliert. Eines der wichtigsten Hormone in diesem Systems heißt Angiotensin II. Es verengt Blutgefäße, erhöht den Blutdruck – und damit den Lungendruck –, es erhöht die Gerinnungsneigung des Blutes, provoziert entzündliche Prozesse und führt zu Narbenbildung im Gewebe. Allesamt Effekte, die an die pathologischen Veränderungen in den Covid-19-Toten erinnern, die Tzankov und seine Kollegen beschreiben.

Ob Angiotensin II diese schädlichen Effekte im Körper entfalten kann, hängt aber von zwei Regulatoren im Renin-Angiotensin-System ab: von der Aktivität des Enzyms ACE, das Angiotensin II aus einem Vorläufer herstellt, und von der Aktivität seines Geschwistermoleküls ACE2. Das Molekül ist nämlich von Haus aus ein Enzym, das Angiotensin II schneidet und damit deaktiviert. ACE und ACE2 sind im Renin-Angiotensin-System also direkte Gegenspieler, und ihr Gleichgewicht bestimmt, wie aktiv Angiotensin II ist.

Im Jahr 2002 beschrieb eine Arbeitsgruppe um den österreichischen Arzt und Genetiker Josef Penninger, damals an der University of Toronto, erstmals die Funktion von ACE2 als negativem Regulator von Angiotensin II. Ausgerechnet im Jahr danach zeichnete sich zur Überraschung von Penningers Team ab, dass ACE2 auch der Rezeptor für das erste Sars-Virus war. »Da haben wir uns natürlich gefragt, ob die Interaktion von Sars mit ACE2 der Grund dafür sein könnte, dass das Virus so tödlich ist«, sagt Penninger, der heute an der University of British Columbia in Vancouver das Institute of Life Sciences leitet.

»Also haben wir Mäuse, die kein ACE2 herstellen konnten, an Kollegen in China geschickt und dort mit dem Sars-Virus infizieren lassen.« Und siehe da: Das Virus konnte sich in den Tieren nicht vermehren. In normalen Mäusen dagegen führte die Sars-Infektion dazu, dass das Virus die Expression von ACE2 auf der Oberfläche der Lungenzellen reduzierte. Der Grund sei sofort klar gewesen, sagt Penninger. »Das Virus bindet an ACE2 und zieht den Rezeptor dann mit in die Zelle, die es infiziert.«

Die Folgen bei Covid-19

Nun zeichnet sich ab, dass auch das aktuelle Coronavirus den ACE2-Rezeptor mit in die Tiefen des Zellinneren zieht und damit dessen enzymatische Aktivität unterbindet. Genau dieser Effekt der Infektion könnte die Schäden erklären, die Tzankov und andere in Toten beobachten. So berichtet Penningers Gruppe in einem aktuellen Artikel im Journal »Cell«, dass Sars-CoV-2 gezüchtete Blutgefäße direkt infizieren kann. Das heißt, die mit einer Infektion einhergehende Hemmung von ACE2 könnte in befallenen Gefäßen zu einer Überaktivität von Angiotensin II führen. Die Folge: Gefäßverengung, erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes und Mikrothrombosen.

Wie tödlich ist das Coronavirus? Was ist über die Fälle in Deutschland bekannt? Wie kann ich mich vor Sars-CoV-2 schützen? Diese Fragen und mehr beantworten wir in unserer FAQ. Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktseite »Ein neues Coronavirus verbreitet sich weltweit«.

»Wir denken, dass Sars-Cov-2 Endothelzellen im ganzen Körper befällt und zu einer Dysfunktion dieser Zellen führt«, sagt Tzankov. Denn eine der Hauptaufgaben von Endothelzellen ist es, das Blut flüssig zu halten. Sobald Blut nicht von diesen Zellen umgeben ist, neigt es dazu, zu gerinnen. Sind die Endothelzellen geschädigt, kann es zu jenen Mikrothrombosen kommen, die Tzankov und andere beschreiben. »Das könnte auch erklären, warum viele Covid-19-Patienten ins Nierenversagen rutschen oder Durchfall und andere Darmprobleme entwickeln«, sagt Tzankov. »Und es könnte erklären, warum das Blut von Covid-19-Patienten mit Nierenversagen oft die Dialyse- und ECMO-Geräte verstopft.« Es könnte erklären, warum immer häufiger von Patienten berichtet wird, die ohne Atemnot eine kritisch schlechte Sauerstoffsättigung des Blutes haben – und warum selbst bei manchen jungen Patienten mit Covid-19 von Schlaganfällen berichtet wird.

Dass besonders ältere Menschen an Covid-19 sterben, wäre vor diesem Hintergrund kein Wunder. Denn die Effekte der Zellalterung (Seneszenz) führen nicht nur zu einer verspäteten und schwächeren Antwort des spezifischen Immunsystems in der Lunge, so dass das Virus mehr Zeit hat, in die Gefäße überzuspringen. Zelluläre Seneszenz provoziert auch die typischen Gefäßschäden des Alters.

Hier sieht auch Tzankov einen Grund für die Anfälligkeit von älteren Menschen. »Wir deuten unsere Beobachtungen so, dass die Fähigkeit, Covid-19 zu überstehen, davon abhängt, wie gesund das Gefäßsystem ist, insbesondere die Mikrogefäße«, sagt er. Je mehr Risikofaktoren auf diese kleinsten Gefäße vor der Erkrankung eingewirkt hätten, desto geringer sei die Toleranz gegenüber dem Virus und desto eher sei mit einem schweren oder tödlichen Verlauf zu rechnen.

ACE2 als Bodyguard

Die durch das Virus geschwächte Aktivität von ACE2 steht also womöglich am Beginn einer Kaskade, die Gefäße und Organe in lebensgefährlicher Weise angreift, vor allem wenn sie vorgeschädigt sind. Da kann man auf die Idee kommen, die Enzymaktivität von ACE2 irgendwie wieder hochzufahren. Tatsächlich legen Penninger und seine Kollegen genau diesen Behandlungsansatz in ihrem Artikel in »Cell« nahe. Sie berichten, dass künstlich hergestelltes ACE2 die Infektion der gezüchteten Blutgefäße erfolgreich hemmen konnte. In Zellkultur vermochte die lösliche Form des Rezeptors namens hrsACE2 die Viruslast sogar um das 1000- bis 5000-Fache zu reduzieren. Kann ACE2 also zugleich Türöffner für das Virus sein und als Bodyguard eingesetzt werden?

Die meisten der Patienten, die ich untersucht habe, hätten noch Wochen, Monate oder sogar Jahre gelebt(Alexander Tzankov)

Ganz neu ist die Idee nicht. Tatsächlich arbeitet Penninger seit mehr als 15 Jahren an einem löslichen ACE2-Ersatz als Medikament. Schon im Jahr 2005 hatte seine Gruppe gezeigt, dass ein solcher Wirkstoff bei Mäusen mit akutem Atemwegssyndrom (ARDS) Lungenversagen verhindern kann. Im Jahr 2010 folgte der Nachweis der Wirksamkeit in Ferkeln. Auch an Menschen mit akutem ARDS wurde hrsACE2 in zwei Studien der Phase II getestet. Eine davon aus dem Jahr 2017 zeigte, dass eine Infusion von hrsACE2 keine negativen Auswirkungen auf die Sauerstoffversorgung oder die klinische Prognose hat. Außerdem reduzierte die Behandlung messbar die Konzentration von Angiotensin II und Interleukin-6 im Blut, einem wichtigen entzündungsfördernden Zellbotenstoff.

Da bietet sich ein Test bei Covid-19 geradezu an. Tatsächlich läuft aktuell eine erste Studie an 24 schwer erkrankten Covid-19-Patienten in China. Und nun beginnt eine Phase-II-Studie in Österreich, Deutschland und Dänemark, die die Sicherheit des Ansatzes prüfen soll. Insgesamt sollen 200 Covid-19-Erkrankte in der randomisierten Doppelblindstudie mit hrsACE2 behandelt werden. Dabei könnte der Wirkstoff eine doppelte Wirkung entfalten: als Rezeptor, der Viruspartikel aus der Blutbahn fischt, und als Enzym, das Angiotensin II deaktiviert.

»Man kann nie vorher wissen, ob es funktioniert«, sagt Penninger. ACE2 und das Renin-Angiotensin-System stünden aber klar im Zentrum von Covid-19. »Die Biologie und Wissenschaft sagt uns, dass hrsACE2 eines der rationalsten Medikamente ist. Es macht einfach wahnsinnig viel Sinn«, sagt Penninger. »Es wäre eine Sünde, das nicht zu testen.« Sollte sich die Behandlung als sicher erweisen, könnte die Phase-II-Studie dann so erweitert werden, dass sich die Frage nach der Wirksamkeit schnell beantworten ließe. Fällt die Antwort positiv aus, wäre auch eine Zulassung im Eilverfahren möglich.

Da ist ein gewisser Enthusiasmus verständlich – wirtschaftliche Aspekte spielen hier jedoch ebenfalls mit hinein. Hergestellt wird der Wirkstoff mit dem Namen APN01 von der Firma Apeiron aus Wien. Penninger ist Gründer, Aufsichtsratsmitglied und Shareholder von Apeiron und hat deshalb aus wissenschaftlicher Sicht einen Interessenkonflikt. Ganz allein in seinem Optimismus ist er allerdings nicht. »Also was der Penninger hier macht, das ist genial«, sagt Tzankov. »Ich habe noch keine endgültigen Ergebnisse gesehen. Aber das, was ich aus China höre, macht mir Hoffnung.«

Die pathologischen Erkenntnisse lieferten jedoch noch andere Ideen für die Behandlung von Covid-19-Patienten, sagt Tzankov. »Wir sollten versuchen, die Funktion von Endothelzellen medikamentös zu verbessern.« Leider gebe es dafür keinen spezifischen Wirkstoff. In Frage kämen aber Kandidaten wie Statine oder Stickstoff-Monoxid-Liberatoren wie Arginin. Zudem brauche es Substanzen, die die Fließeigenschaften des Blutes verbessern.

»Bei uns und in anderen intensivmedizinischen Einrichtungen wird dazu bereits Blutplasma eingesetzt«, sagt Tzankov. Das enthalte alles, was man für die Kontrolle der Blutgerinnung brauche. Hinter solchen neuen Ansätzen stehen die pathologischen Erkenntnisse, mit denen Fachleute die Mechanismen der schweren Verläufe besonders bei sehr alten Menschen erklären. Für Tzankov zeigen sie allerdings auch: »Ohne Covid hätten die meisten der Patienten, die ich untersucht habe, noch Wochen, Monate oder sogar Jahre gelebt.«

Lateraler Kanal (3)

Den Fall habe ich hier und hier bereits vorgestellt.
Im letzten Artikel habe ich bewusst einen Cut gemacht. Wir freuen uns über besonders toll aussehende Röntgenbilder. Hier z.B. ein mit der medikamentösen Einlage gefüllten Kanal. Schwieriger Strukturen mit geringerem Durchmesser, wie der apikal gelegene weitere laterale Kanal zu füllen. Spannend wird es dann bei der Entfernung des Materials.

Für mich war dieser Fall besonders interessant. Erstmals habe ich Metapaste eingesetzt und wusste eigentlich nicht, wie gut entfernbar ist das Material.
Metapaste ist ein provisorischer Calciumhydroxid-Zement mit deutscher Zulassung von der Firma Meta. (Calciumhydroxid nenne ich jetzt der Einfachheit halber im Artikel CaOH.)

Der laterale Kanal zeigte ein größere horizontale Ausdehnung. Sollten Reste der Med verbleiben ist die weitere Desinfektion im Rahmen der Wurzelkanalaufbereitung ggf. auch geringer. Der laterale Kanal war in meinen Händen nicht instrumentierbar.

CaOH entferne ich mit Zitronensäure, die mit dem Eddy „bewegt“ werden.
Die SAF konnte sich bei mir nicht auf Dauer behaupten, da ich erhebliche Qualitätsmängel der Instrumente beobachten musste. Lange Zeit habe ich aber die SAF für CaOH-Enternungen favorisiert.
Ultraschall empfinde ich weniger effektiv bei der Entfernung als Schall, zumal die Arbeitslänge eingeschränkter ist durch die Starrheit und den Durchmesser der eingesetzten Feilen. Hinzu kommt die Einschränkung der Wirkung bei Wandkontakt.

In diesem Fall gelang es mir mit dem Eddy einen Großteil des CaOH zu entfernen. Die vermutlich extraradiculär liegenden Rest waren nicht entfernbar.

Nach Aufbereitung und abschließender Desinfektion haben wir thermoplastisch mit Guttapercha gefüllt und eine provisorische Krone inseriert. Diese einzupassen war fast unmöglich, da die distale Präparationsgrenze unter der Schmelzrandleiste des 46 lag und die Einschubrichtung durch 44 stark eingeschränkt wird.

Reden wir über M…

In Michael Logies Zahnmed-Email- Liste wurde gestern zum ersten Mal das M – Wort genannt. M wie Metapex.  Anlass war eine mittlerweile nur noch selten auftauchende CHKM – Diskussion, die, nachdem sich Rüdiger Osswald in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat, nur noch andeutungsweise, fast ist man versucht zu sagen, in homöopatischen Dosierungen geführt wird.

Das Schema ist aber immer noch das gleiche.
Kaum wird das Wort CHKM eingebracht, kommt fast schon reflektorisch zu nennend, von irgendwo her die Antwort, besagtes Mittel seit obsolet/nicht mehr zeitgemäß/unnötig. Fatalerweise (Anfängerfehler) am gestrigen Tage ergänzt vom Hinweis, es gäbe Besseres. Die postwendend sich anschließende Frage, was denn bitte besser sei, blieb zunächst unbeantwortet.

Wie immer.
Was sollte man auch nennen?

Nicht weil CHKM so gut ist.
Sondern vielmehr, weil die üblichen Verdächtigen auch nicht besser sind.

Wir haben Aufbereitung und WF in den letzten 30 Jahren  extrem vorangebracht.
Aber was hat sich im Bereich Keimreduktion getan?
Wo sind die Innovationen ?
Wo bleibt der Durchbruch?

Machen wir uns nichts vor. Endodontische Desinfektion, das sind zumeist Konzepte, die auf Lister/Walkhoff (Phenole) zurückgehen, demnach 150 Jahre alt sind. Oder Hermann (mit einem „r“)  (CaOH2) (100 Jahre) oder Schroeder (auch nicht verwandt) (Ledermix) (60 Jahre).

Uralt also. Alle drei.
Und das eine wie das andere mit Nachteilen behaftet.
Ein Patentrezept fehlt bis heute.

Und dann wurde – zum ersten Mal – Metapex erwähnt.
Ein neuer Herausforderer betritt den Ring.

Wobei, so neu ist Metapex jetzt auch nicht.
Wir haben das Material in unserer Praxis seit ca. 2009 vorrätig. Vielleicht auch schon länger.

Ich hatte es in den USA auf einer Messe kennengelernt.
Es war mir bis dato unter anderem Namen nur aus der Kinderzahnmedizin bekannt.  Als Vitapex. Eine Calciumhydroxid-Jodoform-Paste, die als Milchzahn- WF- Material dient.

Und um Legendenbildung vorzubeugen möchte ich ein wenig berichten.
Was mir gut gefällt an diesem Material.
Was weniger gut ist.
Was man unbedingt beachten und was man unbedingt vermeiden sollte.

Zunächst  das Gute.
Es heilt wunderbar mit Metapex. Ich erwähne gerne wieder an dieser Stelle, ich liebe apikale Aufhellungen. Warum ? Ganz einfach. Man macht seinen Job und die apikale Aufhellung verschwindet. Piff Paff Puff. Kann es einen besseren Beweis für den Erfolg und die Sinnhaftigkeit einer endodontischen Behandlung geben als eine vorhandene Knochendestruktion, die sich vollständig zurückbildet? Das dauert bei größeren Defekten eine Zeit lang und in dieser Zeit dient mir Metapex als temporäre WF. Gewissermaßen als Verschluss und Langezeitdesinfektionsmittel. Bei Letzterem müssen nämlich die 3 Platzhirsche Ledermix, Calciumhydroxid und CHKM allesamt kleinlaut passen.

12 oder 16 Wochen Wartezeit? Mit Metapex oder Vitapex kein Problem. Im Gegenteil. Es erstaunt immer wieder die rasche Knochenneubildung. Und noch etwas fällt auf. Metapex/Vitapex im periapikalen ossären Raum wird erstaunlich rasch resorbiert. Was gut ist, denn –

Das Material überpresst sich leicht. Oder sagen wir besser. Ein Restrisiko besteht, auch wenn man noch so vorsichtig agiert. Womit wir aber auch schon beim Thema (Achtung-Vorsicht Nachteil Gefahr) wären. Interessanterweise resultieren aus solchen Überpressungen kaum (eigentlich so gut wie nie manifeste Nachbeschwerden. Aber man sollte unbedingt einen adäquaten Sicherheitsabstand von sensiblen Strukturen wir z. B. dem Nervus alveolaris inferior halten. Um Schaden vom Patienten und sich selbst abzuwenden. In diesem Zusammenhang ein wichtiger Hinweis. Metapex hat keine Zulassung für Deutschland. Im Gegensatz zu Vitapex. Wer also juristisch auf der sicheren Seite sein möchte, entscheidet sich für das baugleiche Original. Egal wie gut und kostengünstig der koranische Zwillingsbruder auch sein mag.

Und noch  2 Tipps.
Erstens. Unbedingt eine mögliche Jodoform- Unverträglichkeit anamnestisch ausschliessen.

Und zweitens. Langzeiteinlagen funktionieren nur, wenn die Kavität nach okklusal und zur Seite  hin hermetisch bakteriendicht verschlossen ist und dies auch über die gesamte Liegedauer so bleibt. Also – Karies und alte Füllungen, insuffiziente Kronen  raus. Danach dentinadhäsiv verankerte Composit- Restaurationen und keine provisorischen Füllungen zum Kavitätenverschluss.

Aus aktuellem Anlass 3 Beispiele. Von heute, sowie Donnerstag und Dienstag letzter Woche. Daily business also. Nix Ausgesuchtes.

Zahn 46, starke Schmerzproblematik, Bild 1 vor Endo, Bild 2 16 Wochen post Initilabehandlung

Zahn 11,  vor kurzem vestibuläre Schwellung. 18 mm apikale Aufhellung, Bild 1 vor , Bild 2 16 Wochen post Initialbehandlung. Bild 3 nach erneuter Applikation der medikamentösen Einlage am gleichen Tag.

Zahn 46, Schmerzsymptomatik bei relativ neuer WF, Bild 1 vor WF – Revision, Bild 2 massive Überpressung von Calciumhydroxid, Bild 3 Zustand nach WF 16 Wochen nach medikamentösr Einlage, Calciumhydroxid vollsätndig resorbiert, man beachteden 2. Kanal in der distalen Wurzel als Ursache der apikalen Knochendestruktion.

Fährtensuche

von Jörg Schröder

Das präoperative Einzelbild mit in einer auf Höhe des mittleren Wurzeldrittels dieses 45 in das dort gelegene Fistelmaul eingeführten Guttaperchastange ließ mich sofort an einen lingualen Seitenkanal denken.

Das präoperative DVT konnte dies bestätigen. Zudem ermöglichte es mir, nach Abmessen der Distanz vom koronalen Referenzpunkt, die bei 20 mm auftretende „Erfolgsmeldung“ der Endometrie als falsch positiv einzuschätzen. Die gesamte Arbeitslänge betrug 26 mm.

Die ersten beiden zum Trocknen eingebrachten Papierspitzen liessen zudem 6 mm fern der Arbeitslänge eine rötlich-braune Einfärbung der Papierspitze erkennen, die in ihrer Lage dem Abzweig des Seitenkanals entsprach. Ein gutes Gefühl, wenn sich die im DVT herausgearbeitete Anatomie klinisch verifizieren lässt.

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Zum zweiten Behandlungstermin 8 Wochen nach der Erstintervention war der Zahn beschwerdefrei und die Fistelung vollständig abgeheilt. Die periapikale Aufhellung bereits deutlich reduziert.

Nach ausgiebiger Schall- und laseraktivierten Spülung gelang es offensichtlich auch den Seitenkanal zu obturieren. Schön zu sehen, dass auch das die Strecke vom Ende der Guttaperchaspitze präoperativ mit der Strecke von der Kanalmitte bis zum Ende des obturierten Seitenkanals übereinstimmt.