Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument ? (3)

Endlich !!!
Neue Aufbereitungsinstrumente!

Die letzten Jahren war es ziemlich ruhig, was neue Endo-Aufbereitungsinstrumente anging. Klar wurde IDS für IDS immer wieder was Neues auf den Markt geworfen. Zumeist jedoch alter Wein in neuen Schläuchen. Die letzte große Revolution – die reziproken Instrumente – wurden der Öffentlichkeit Anfang 2011 vorgestellt. Gab´s danach noch was Neues ? TruNatomy würde ich nennen, mit dem Fokus auf schmale Präparationen im oberen Wurzelkanalbereich. Ein guter Ansatz, aber in meinem Klientel und unserer Praxis mit rund 90 Prozent Revisionen spielt das Instrument de facto überhaupt keine Rolle. Im September hat die Firma Komet ihr Procodile Q System präsentiert. Und ich gebe zu, auf den ersten Blick fand ich die Änderungen gegenüber der ersten Generation ausgesprochen erfreulich. Änderung 1: Es wird nun eine wärmebehandelte NITI – Legierung verwendet. Bedeutet: Höhere Flexibilität, höhere Ermüdungsbruchresistenz und die Möglichkeit des Vorbiegens. Was hätte ich mir noch gewünscht – einen variablen Taper. Aber genau das ist (noch) patentgeschützt und ich vermute mal, das Komet Lizenzgebühren vermeiden wollte oder andere Gründe gegen die Verwendung dieses Designmerkmals sprachen.

Was nun tun, um die wichtige Flexibilität auch im oberen Teil der Instrumentenschneide sicherzustellen ? Die Lösung – Änderung 2 und zugleich eine echte Neuerung – der Kerndurchmesser des Instrumentes wird zu den breiteren Aussenbereichen hin dünner. Das Instrument ist unten innen im Vergleich zum Aussendurchmesser dick, weiter oben wird dann der Innendurchmesser im Vergleich zum Aussendurchmesser immer kleiner.

Klingt nach einer sinnvollen Maßnahme.
Allerdings „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie“, um den Leibhaftigen selbst und Altmeister Goethes bekanntestes Werk zu zitieren. Und so muss sich das neueste Komet – Instrument, welches am Wochenende auf der DGET- Jahrestagung in Berlin den fachkundigen Kollegen präsentiert wurde, aller Vorschusslorbeeren zum Trotz , auch in der Praxis bewähren.

Denn – „Was zählt ist auf ´m Platz“.
Alfred Preißler hat das gesagt. Und sich im Übrigen wie ich auf Goethe bezogen, denn – das korrekte Zitat in voller Länge lautet laut Wikipedia: „Grau is’ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is’ auf’m Platz.“

Was mir nun bei meinen Behandlungen aufgefallen ist – Das Instrument ist deutlich flexibler als die VDW Reciproc R25. Das ist definitiv ein Plus. Und in bestimmten Kanälen gibt das Instrument ein taktiles Feedback zurück, dass einen die benötigte Kraft nach apikal gut dosieren lässt. Dieses „angenehme“ Phänomen gibt es bei der R25 nicht.

Aber damit enden leider für mich schon die Vorteile.
Und ich muss mich, wo Licht ist, ist auch Schatten, mit den Nachteilen herumschlagen:

Nachteil 1: Das Instrument ist zu flexibel. Zu flexibel??? Man mag es nicht glauben, aber zuviel Flexibilität ist auch nicht gut. Gar nicht gut. Denn – die gewohnte bürstende Bewegung nach lateral im Kanal fällt in ihrer Abtragsarbeit deutlich geringer aus.
Ist nicht nur ungewohnt, sondern auch wenig effektiv.

Nachteil 2: Im Gegensatz zur VDW R25 zeigt sich eine deutlich geringere Effizienz, was das Entfernen von WF- Material angeht. Beispiel gefällig? Im angefügten Video war es mir nicht möglich, die (zugegeben harte) Guttapercha maschinell zu entfernen. Erst mit der R25 hatte ich Erfolg.

Nachteil Nr. 3: Der geringere Innendurchmesser des Instrumentes erhöht die Frakturanfälligkeit des Instrumentes. Vielleicht war es wirklich nur Zufall. Aber wenn bereits im dritten Behandlungsfall eine Fraktur sich einstellt und dies auch noch relativ weit oben am Instrument stattfindet, dann werte ich dies zumindest als Indiz für eine mögliche höhere Bruchanfälligkeit. Zum Vergleich: Seit 2008 (2 frakturierte Prototypen mitgezählt) sind mir 4 R25-Instrumente frakturiert. Und jedes Mal in Extremsituationen. Die Procodile Q – ein Arbeitstier a la VDW R25 ? Da wäre ich sehr zurückhaltend, eine solche Einschätzung betreffend. Aber genau so ein Arbeitstier brauche ich. Welches im Übrigen nach der Fragmententfernung ohne Probleme (und ohne Bruch) zum Ziel führte.

Mein Fazit:
Ich bin sicher, bei jemandem, der viele Erstbehandlungen macht, ist es möglicherweise anders, aber für mich ist die Procodile Q kein Trauminstrument. Rein subjektive Wertung – die Procodile Q entspricht nicht meinem Anforderungsprofil und nicht meiner Arbeitsweise.

Was für mich bei dieser Einschätzung um so schwerer wiegt – Ich habe vor kurzem ein neues maschinelles Aufbereitungsinstrument kennengelernt, von dem ich sehr angetan bin.
Und das sich anschickt, aus dem Stand heraus, sich in unserer Praxis zu etablieren.

Darüber berichte ich nächste Woche.
Und was die Procodile Q angeht – bis zur Markteinführung wird noch einige Zeit vergehen und vielleicht ändert sich ja noch was. Ich bin gespannt. Und drücke beide Daumen.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Kuhfuß

Der Kuhfuß oder auch Nageleisen genannt ist ein Werkzeug, mit dem sich trefflich hebelnd arbeiten lässt und mit dem Nägel entfernt, oder aber auch widerspenstige Türen und Fenster auch ohne Schlüssel geöffnet werden können. Entscheidend für die Effizienz und das geschmeidige Arbeiten ist dabei die Rundung am kurzen Ende des Nageleisens.

Dieses Prinzip lässt sich auch beim Entfernen alter Guttaperchaspitzen einsetzen. Ich bevorzuge, sofern es die Kanalgeometrie erlaubt, die zu entfernenden Guttapercha nicht zu zerspanen, sondern, wenn möglich, in toto zu entfernen.

Sobald die Guttapercha nicht im Kanal schwimmt, sondern eine Klemmung aufweist und der Kanal auch noch eine Krümmung aufweist, kann die Friktion der Guttapercha im Kanal so groß sein, dass reine Handkraft nicht ausreicht, um die auf EFL= 0,0 eingebrachte Hedströmfeile (ich dazu hier bei Wurzelspitze schon mehrfach berichtet) zu entfernen.Ein grobe Zerren am Instrument wird zudem vom Patienten in den seltensten Fällen als besonders elegant und angenehm empfunden.

Ich nutze daher ab der Hedströmfeile ISO 25 eine über die Fläche gebogene Arterienklemme, um Guttapercha und Hedströmfeile recht geschmeidig zu entfernen.

Zunächst wird die Hedströmfeile unter endometrischer Kontrolle an der Aussenkurvartur des Kanals an der Guttapercha vorbei bis zum Foramen eingebracht. (Silikonstop-Kontrolle) Dannn wird der Stop nach oben zum Handgriff hin geschoben, die Arterienklemme angesetzt und die Hedströmfeile in der höchsten Klemmstufe (3.Raster) gefasst. Die runde Fläche der Arterienklemm nutzt dann die Okklusalfläche bzw. die Randleiste des Zahnes als Hypomochlion. Unter Umständen muss die Klemme ein oder zwei Mal gelöst und wieder – diesmal tiefer -angesetzt werden, um ein gutes Widerlager zu ermöglichen.

In vorliegendem , zweizeitig behandeltem Fall, gelang das Entfernen der Guttapercha sehr vorhersagbar. Beeindruckend, wie lange aus der Periapikalregion im ersten Termin eine pulssynchrone Exsudation persistierte, die erst am Ende des Behandlungstermins aussetzte.

Dentapen (III)

Der Dentapen kommt mittlerweile seit gut sechs Wochen jeden Tag bei uns zum Einsatz.

Für mich DIE Anschaffung des Jahres 2021 für unsere Praxis.

Insbesondere dessen Anwendung bei der palatinalen Anästhesie finde ich besonders bemerkenswert und erzielt in meinen Händen deutlich (deutlich!) bessere Anästhesie-Ergebnisse als durch die von uns bisher angewandte Techniken.

Das nachfolgende Video verdeutlicht die palatinale Wirkung durch die rasch einsätzende Ischämie eindrucksvoll.

Mit dem Pen ist es schlicht möglich druckarmer höhere Mengen des Anästhetikums zu applizieren, um somit eine tiefere Wirkung zu erzielen…

Try it… you’ll like it…

;-)

P.S.: Vor der endodontischen Therapie (und nach der Anästhesie) wurde bei dem Zahn noch eine Zahnreinigung durchgeführt.

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Externe Wurzelresorptionen (VII)

Circa acht Jahre ist es her, dass ich den Fall von Sophia erstmals u.a hier, hier bzw. hier vorgestellt habe.

Heute ein weiteres klinisch-radiologisches Update zu der erfreulichen Entwicklung der Situation…

OPG alio loco
alio loco
Klinische Situation – vorher – nachher – alio loco

Ich werde weiter berichten…

Latente Beschwerden seit Jahren (2).

Über diesen Fall haben wir hier erstmals berichtet.

Im angefertigten Zahnfilm ist die laterale Aufhellung im mittleren Wurzeldrittel, approximal mesial zu erkennen. Im Wurzelkanal imponiert eine inhomogene hyperdense Struktur, die im apikalen Drittel unterdimensioniert erscheint. Der Kronenrand erscheint röntgenlogisch nicht suffizient.

Eine Bereich hat mich allerdings bewogen, zusätzlich zum erhobenen Palpationsbefund auf eine Wurzelfraktur oder unbekannte Wurzelanatomie zu schließen.
(Siehe Bild.)

Meine Indikation lautete:
– komplexe Zahn/Wurzelanatomie 11, DD Wurzelfraktur

Die Darstellung im DVT zeigt einen zweiwurzeligen Zahn 11.
In der Horizontalen Ebene am Zahn 11 im ersten Bild ein Art „Ausstülpung“ erkennen. Ob dies im Zusammenhang mit der Intrusion von 51 steht ist unklar. Man hat keinen wirklichen Interpretationsspielraum da genauere Angaben zu dem Unfall fehlen, bzw. nicht mehr ermittelbar sind.

Behandlungsplanung:
Krone entfernen, Darstellung der Kanaleingänge, präendodontischer Aufbau, Wurzelkanalbehandlung, Wurzelfüllung, postendodontische Restauration mit Glasfaserstift, prov. Krone.

Quintessenz:
Zur Indikationsstellung für ein DVT ist eine hochauflösende und vergrößerbare Einzelaufnahme des Zahnes Voraussetzung.

Übrigens:
Die Bildaufnahme, Betrachtung, Auswertung und Befundung erfordert Zeit.
Das Honorar dafür beträgt €8,00.
Soviel bezahlt man am Passbildautomaten für 1-2 biometrische Passbilder, beim Fotografen bis €25,00.

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument (2)

von Nils Widera

Anwenderbericht Procodile Q

Seit September diesen Jahres ist die neueste Entwicklung von Komet käuflich zu erwerben. Eine Weiterentwicklung der bekannten Procodile durch eine thermische Behandlung hin zur Procodile Q.
Und tatsächlich ist das nicht alter Wein in neuen Schläuchen, sondern für mich die bisher beste Feile die Komet auf die Beine gestellt hat.
Ganz allgemein handelt es sich um eine Reziprok-linksläufig arbeitende Feile. Das Spektrum der angebotenen Instrumente reicht von 20 bis 50. Der Taper wird mit der Zunahme des Spitzendurchmessers kleiner. 20, 25 und 30 weisen einen 6er Taper auf, 35 und 40 einen 5er und schlussendlich 45 und 50 dann nur noch 4 Prozent.
Ich hatte die Möglichkeit, die Instrumente bereits sechs Monate vor Verkaufsstart regelmäßig einzusetzen und die 06/20 und 06/25 haben sich mittlerweile in mein Standardaufbereitungskonzept „gearbeitet“.

Nun wissen alle, die viel und gerne Endo machen, dass es die eine Feile für alles wie von der Industrie immer wieder versprochen und propagiert nicht gibt. Aber mein Fazit ist, das mit den oben genannten zwei Vertreterinnen sehr viel möglich ist.

Wo liegen nun aus meiner Sicht die Vorteile?
Eine sehr gelungene Balance zwischen „Weichheit „und Wiederstand. Will sagen, Vorbiegen ist gut möglich aber auch laterales Ausbürsten im Zug der Aufbereitung bleibt weiterhin sehr gut machbar.

Ich habe apikal in vielen Fällen bis ISO 12 mit einer Handfeile vorgearbeitet und dann direkt die 06/20 Procodile Q auf Arbeitslänge gebracht. Angewendet im E-Connect-S von Eighteeth (ein Testbericht zum diesem Motor folgt demnächst hier bei WURZELSPITZE ) unter direkter Endometriekontrolle im immer flüssigkeitsgefüllten Kanalsystem kam es so gut wie nie zu Problemen bei Erreichen des endometrischen Apex. Der kabellose Motor ist komplett individuell einzustellen und ich habe als Werte 200 ccw 50 cw bei 300 Umdrehungen und 1 Ncm als Belastungsgrenze gewählt. Wer auf einen kabellosen Antrieb umstellen möchte, dem sei der E-Connect S zum Testen sehr ans Herz gelegt. In den letzten 8 Monaten hat er alle anderen Antriebe (Morita TriAuto ZX2, Schlumbohm, VDW Gold) in unserer Praxis aufs Abstellgleis befördert.
Die weitere apikale Ausformung kann dann so gehandhabt werden, wie es jeder möchte. Wie bereits erwähnt, lässt das System alles bis 50 zu. Aber die für mich wichtigste und leistungsstärkste Feile ist die 20iger. Super frakturresistent, sehr flexibel auf den ersten 3-4 Millimetern, großer Spanraum. Und hier gefällt mir der 6er Konus eben besser als die apikal höheren Werte bei Reciproc oder WaveOne Gold.
Wie stark sich die Feile einschraubt, lässt sich über vollkommen drucklose oder eben leicht kraftvolle Aufbereitung sehr gut steuern.

Zwei aktuelle Fälle, gelöst mit oben erwähnter Sequenz und aufbereitet in mb1, mb2 und d bis 25, palatinal bis 35 habe ich mit angehängt. Als Sealer kam hier CeraSeal zum Einsatz.

Also her mit den Fragen oder Testberichten eurerseits! Ich bin gespannt auf eure Einschätzungen.

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument (1) ?

Am 6. April 1962 trat Leonard Bernstein als Dirigent der New Yorker Philharmoniker zu Konzertbeginn vor das Publikum der vollbesetzten Carnegie Hall. Brahms Klavierkonzert Nr. 1 stand auf dem Programm, der junge Glenn Gould sollte der Solist sein. Statt stumm zum Dirigentenpult zu gehen und den Taktstock zum Auftakt des Stückes zu heben, wandte sich überraschend der Maestro in einer Ansprache an das verblüffte Auditorium. Ein ungewöhnlicher Vorgang. Noch ungewöhnlicher war dann aber, was Bernstein kundtat. Er verkündete:

„Don’t be frightened… Mr. Gould is here. He will appear in a moment. I am not, as you know, in the habit of speaking on any concert (…), but a curious situation has arisen, which merits, I think, a word or two. You are about to hear a rather, shall we say, unorthodox performance of the Brahms D Minor Concerto, a performance distinctly different from any I’ve ever heard, (…) in its remarkably broad tempi and its frequent departures from Brahms‘ dynamic indications. I cannot say I am in total agreement with Mr. Gould’s conception.“

Leonard Bernstein distanziert sich öffentlich von Goulds Interpretationsansatz. Ein Skandal. So nachzulesen und anzuhören bei BR Klassik, für deren Rubrik „Was geschah heute“ ich im Übrigen an dieser Stelle nachdrücklich werben möchte, auch wenn ich, die Geschehnisse jenes Tages beurteilend, mit der Redaktion nicht übereinstimme. Was dem Radiobeitrag nämlich fehlt, der die damalige Situation nur verkürzt und damit sinnentstellend wiedergibt, ist die Aussage Bernsteins ein paar Momente später, welcher auf die rhetorische Frage, warum er denn das Konzert überhaupt dirigiere, wenn er mit Gould nicht übereinstimme, Folgendes anführt.

„I am conducting it, because Mr. Gould is so vaild and serious an artist that I must take seriously anything he conceives in good faith. And his conception is interesting enough so that I feel you should hear it, too.“

Bernstein war also weder skandalös noch ehrverletzend, was die Person Goulds oder sein Schaffen als Künstler anging. Im Gegenteil. Selbstverständlich war sich Bernstein bewußt, mit welchem Ausnahmeinterpret er die Freude und das Vergnügen hatte, musikalisch zusammenzuarbeiten. Zwei Titanen der E – Musik. Wie zwei Maler, die beide konträr unterschiedlich das gleiche Sujet auf der Leinwand festhalten, aber dennoch höchsten Respekt für das Werk des Anderen haben, auch wenn sie niemals im Stil des Gegenübers malen wollten, geschweige denn könnten.

Und was hat das Ganze nun mit der Endodontie und WURZELSPITZE zu tun ?

Ende September hat Komet auf der IDS ihr neues maschinelles NITI System Procodile Q dem Fachpublikum vorgestellt. Ich hatte es kurz zuvor zum Testen bekommen. Zu wenig Zeit, um darüber profund zu berichten. Daher habe ich aus diesem Anlaß Nils Widera (von dem ich wusste, dass er seit längerem schon damit arbeitet) gebeten, über seine Erfahrungen zu berichten.

Nils Bericht möchte ich bei WURZELSPITZE wiedergeben.
Und genau wie Bernstein es damals mit Gould getan hat, ihm – höflich und voller Respekt seines Tuns und seiner Expertise gegenüber – widersprechen. Meine eigenen Erfahrungen ebenfalls hier einstellen. Die – man vermutet es nach Erwähnung jener historischen Anekdote – deutlich anders ausfallen.

Aber wer hat nun recht ?
Dirgent oder Interpret?
Nils oder Ha-Wi?

Keiner von uns.
Oder wir beide.
Denn letztendlich muss jeder Behandler für sich selbst entscheiden, welche Instrumente in seinen Händen und in den Zähnen der jeweils eigenen Patienten, das bestmögliche Ergebnis erzielen. Das ist nämlich von vielen individuellen harten und weichen Faktoren abhängig. Ein arrogantes Beharren auf der eigenen Meinung als der einzig richtigen geht nämlich an der Sache vollkommen vorbei. Das wird umso deutlicher, wenn ich im Nachgang ein weiteres brandneues System vorstelle, von dem ich wiederum ich sehr angetan bin. Ich jenes in ebenso höchsten Tönen lobe wie Nils es zuvor getan hat. Wohlwissend, das vermutlich einer anderer Behandler zu gänzlich anderen Einschätzungen und Ergebnissen kommen wird, voller Ungläubigkeit und Unverständnis wiederum, mein Urteil betreffend.

Es bleibt also spannend.
Was gut ist.
Langweilig – die Instrumentenfrage betreffend – war es nämlich viel zu lange.

Hier gehts zum Erfahrungsbericht.

Großer Dentikel, tiefer Split.

Für einen Oberkiefermolaren weist dieser Zahn 27 eine eher ungewöhnliche Anatomie auf.

Ein massiver Dentikel füllt einen schmal-ovalen Kanalquerschnitt aus. Es gibt immer wieder seitliche Aussackungen zwischen den unregelmässigen Dentinstrukturen, die jedoch keine nach apikal gerichtete Präparation zuließen.

Somit wurde der Dentikel mittels Endosonore-Feile zerkleinert und die einzelnen Partikel herausgespült. Nach einer Erweiterung mittels Gates-Glidden-Bohrern der Größe 1 und 2 konnte der apikale Kanalabschnitt visualisiert werden.

Wie im DVT erkennbar gabelte der weite Kanal dort in zwei kleine Kanalabschnitte auf. Diese wurden initial erweitert, sodass eine Obturation mittels Squirting-Technik durchgeführt werden konnte.

Welch ein Unterschied zum Behandeln ohne DVT. Die Hindernisse sind vorher bekannt und können zielgerichtet adressiert werden. Auch die Obturationstechnik kann vorher ausgewählt werden. Vorhersagbarkeit pur.

In eigener Sache – 3000 Plus

Im November 2008, also nunmehr ziemlich genau vor 13 Jahren sind wir gestartet.

Mit jenem Beitrag, dem Stichwort „Babyschritte“ und dem sprichwörtlichen Slogan „Jede noch so lange Reise beginnt mit einem einzigen Schritt“ ging es los .

Diese Tage haben wir die 3000 Beiträge – Grenze überschritten.
3000 mal haben wir in dieser Zeit über die Endodontie geschrieben und ihre Begleitumstände im Praxisalltag dargestellt.

5 Tage die Woche,
Morgen für Morgen.

Von Fachlich Wertvollem, Interessantem, Lustigem, Skurrilem, aber auch Frustranem haben wir berichtet. Zur Weiterbildung und Unterhaltung des Lesers. Bei einer Lesezeit von nur 2 Minuten pro Beitrag sind das immerhin fast 4 Wochen an Lernzeit für den Leser, permanentes Lesen ohne jegliche Pause vorausgesetzt.

Hätten wir gedacht zu Beginn, dass es so viele Beiträge werden würden?
Nicht eine Sekunde.

Würden wir es wieder tun ?
Ich denke, manchmal, nein, oft ist es gut, wenn man nicht im Vorfeld weiss, was Alles auf einen zukommt. Und auch für uns ist es schwer, sich Woche für Woche neu zu motivieren, einen entsprechenden Beitrag zu verfassen. Im Moment jedoch – das ist für alle unsere Leser die gute Nachricht – sind wir jedoch deutlich überdurchschnittlich motiviert, weiterzuschreiben. 2022 zumindest scheint also schon einmal gesichert.

Auf ein Neues also !

„Abtrittsvorlesung“ eines endodontischen Großmeisters

Einen Hinweis von Oscar von Stetten verdanke ich die Tatsache, dass ich online die „Abtrittsvorlseung“ des endodontischen „Großmeisters“ Dr Gary Carr nachverfolgen konnte.

Hier der Link für alle, die dieses Highlight auch erleben wollen.

Die knapp zwei Stunden sind in meinen Augen wirklich gut investiert und ich habe eine Reihe von Dingen für mich mitgenommen…

Latente Beschwerden seit Jahren.

Die junge Patientin (30) kommt mit Beschwerden am Zahn 11.
Es besteht kein Lockerungsgrad, die Krone auf dem Zahn ist suboptimal von der labialen Gestaltung. Die Sondierungstiefen sind nicht größer als 3mm, circumferent. Labial unter dem Kronenrand ist ein kleine Einziehung sonderbar, ohne erhöhte Sondierunsgtiefe.
Es besteht kein Aufbißschmerz. Die Perkussion horizontal und lateral sind unauffällig. Störend ist ein ständiges Druckgefühl.
Auf Palpation labial gibt die Patientin im mittleren bis apikalen Wurzeldrittel ein Schmerzgefühl an.
Im Kindesalter kam es nach einem Unfall zu einer Infusion der Zahnes 51. Der Zahn 11 hat bereits beim Durchbruch „Beschädigungen“ gehabt berichtet die Patientin.
zunächst wurde ein Veneer aufgeklebt, dann kam es zur Pulpitis, danach zur WKB und Krone. Latente Beschwerden waren seit diesen Jahren immer vorhanden.

 

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50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 14: Der „Murmeltier Tag – Effekt“

Wir Alle lernen.
Tag für Tag.

Aus den Erfahrungen, die wir in der Praxis machen.

Wie im Film „Groundhog Day“.
Bei uns bekannt unter dem Titel „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Der Hauptdarsteller Bill Murray, zu Beginn zynisch und menschenverachtend, durchlebt den gleichen Tag, den 02. Februar, immer und immer wieder.
Und variiert im Verlauf des Filmes seine Tagesabläufe, was am Ende zur Läuterung führt. Ihn zu einem besseren, guten Menschen werden lässt. Und selbstverständlich – es ist Hollywood – endet der Film mit einem Happy End.

Jenseits aller Leinwandklischees – ist das nicht auch eine wunderbare Vorstellung, das Arbeiten in der Praxis betreffend? Dadurch, dass wir nur Endo machen, haben wir Tag für Tag, immer und immer wieder die gleiche Situation vor uns. Nicht wie beim Generalisten, der mit einer bestimmten Problemsituation ( z.B. UK- Prämolaren mit tief abzweigendem lingualen Kanal) nur selten oder gar nicht vertraut ist. Wir hingegen können uns angesichts häufig vorkommender Geschehnisse austoben. Verschiedene Strategien ausprobieren: Wie gehe ich das Problem am Besten an? Hats´geklappt?!? Nicht das gewünschte Ergebnis??? Dann bringt der nächste Tag die Möglichkeit, mit einer geänderten Vorgehensweise auszuprobieren, ob wir auf diese Art und Weise das gewünschte Ergebnis erzielen können. Und das führen wir solange fort, bis wir das optimale Procedere herausgefunden haben.

Der geneigte Leser versteht die Intention ?

Wir hatten diese Woche 2 UK-Prämolaren mit 2 tief aufzweigenden Wurzelkanälen zur endodontischen Behandlung. Ein dritter Zahn mit dieser Kanalkonfiguration wurde uns noch zusätzlich überwiesen, der Patient stellte sich zur Untersuchung vor. Das ist in dieser Häufigkeit zwar nicht die Regel, im Gegenteil, aber immerhin ein Indiz dafür, dass die Situation eine regelmäßig wiederkehrende ist). Und so können wir eine ganze Reihe von unterschiedlichen Vorgehensweisen ausprobieren, so dass sich im Laufe der (überschaubaren) Zeit die erfolgreichen Konzepte herauskristallisieren. In der Generalistenpraxis würde das im Vergleich viel viel länger dauern. Sich möglicherweise der Lerneffekt mangels Gelegenheit gar nicht einstellen.

Und so wird ein Happy End draus.
Wir heiraten zwar nicht Andy Mac Dowell, aber wir verbessern kontinuierlich auch in schwierigen Behandlungssituationen unsere Behandlungsqualität.

Ditt iss Berlin!

Ein in zweierlei Hinsicht trauriges Beispiel was in Berlin so „abgeht“.

Zunächst einmal hatte dieser 18-jährige Patient zu lange in die falsche Richtung geschaut und schon war die Luft fausthaltig.

Das Resultat?

32 und 42 hingen noch in der Alveole und nur der KFO-Retainer hat die Zähne gehalten. 31 war mehr als 2 mm disloziert und 42 hatte eine geringe laterale Dislokation erfahren. Hinzu kamen Riss-Quetschwunden intra- und extraoral im Bereich der Unterlippe.

Die Dokumentation aller Verletzungen im Unfallkrankenhaus und die Nahtversorgung ist als perfekt zu bezeichnen. Dort wurde der Patient ca. 1 Stunde nach dem Ereignis vorstellig.

Die Erstversorgung – berlintypisch – insuffizient, wobei dem jungen MKG-Kollegen, der den jungen Patienten im Nachtdienst versorgte, kein Vorwurf zu machen ist. Keine Assistenz, kein Material (TTS-Splint)und so wurde der KFO-Retainer zur Schienung umgebaut. Mit mässigem Erfolg, denn bei der Erstvorstellung bei mir waren vier der 6 Klebepunkte gelöst. Nur die nicht betroffenen Eckzähne hielten den Draht. Übrigens: keine systemische Antibiose und der Ratschlag die betroffenen Zähne nicht zu putzen.

Bei der Erstvorstellung erfolgte nach klinischer und radiologischer Diagnostik zunächst eine Reinigung der betroffenen Zähne, das Befestigen eines Titan-Trauma-Splintes und die Entfernung des lingualen KFO-Retainers.

Aufgrund der Beinahe-Avulsion von 31 und 32 und der starken Dislokation von 41 wurden diese Zähne 10 Tage nach Trauma endodontisch behandelt. Der klinisch symptomlose, elektrisch allerdings negativ getestete Zahn 42 wird vielleicht noch folgen.

30 Tage nach dem Trauma zeigt er weiterhin keine Reaktion auf den elektrischen Sensibilitätstest sowie Anzeichen eines Resoptionsprozesses im Foramenbereich, der jedoch nicht zwingend eine Indikation für eine endodontische Behandlung ist. Diese Form der Traumabewältigung wird auch als „transient apical breakdown“ bezeichnet.

Das endodontische Mittwochabend-Gespräch IV 15.12.2021 20 Uhr

Noch einmal in diesem Jahr wird es ein endodontisches Mittwochabend – Gespräch geben.
Ich werde sprechen über apikale Aufhellungen.

Grosse apikale Aufhellungen.
Weil – immer noch VIEL VIEL zu VIELE Zähne extrahiert oder wurzelspitzenreseziert werden, obwohl dies gar nicht notwendig wäre.

Ich will Mut machen.
Passt also hervorragend in die Zeit vor Weihnachten.

Also Termin vormerken.
Dabei sein.
Mitmachen.

Hier der Link zur Video-Konferenz

https://global.gotomeeting.com/join/574698293

Erst hatte er kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu…

Wieder ein Fall für diese traurige Überschrift.

Bei der Betrachtung der in unserer Praxis auftauchenden Fälle sind manchmal nicht vermeintlich erklärbare Dinge zu sehen. Wir halten uns mit Urteilen vollkommen zurück. Meine Ansicht ist: Niemand macht mit Absicht etwas schlecht.

In diesem Fall kam der Patient mit akuten Beschwerden und nach Abszeßinzision, Kronenex und offener Trepanation zu uns. Der Zahn 45 sollte entfernt werden und ein „schönes neues Implantat“ gesetzt werden.
Der Zahn 45 hat keine Chance mehr. Er ist austherapiert.
Wir haben die Prognose für den Zahn als gut eingestuft und das verwunderte den Patienten. Er hat sich für den Erhalt entschieden. Wie er mir zum ersten Recall mitteilte, hatte er aber dem Vorhaben keine Chance eingeräumt und niemals an einen Erhalt geglaubt. Der Zahn 36 musste nach einer „solchen Wurzelbehandlung“ über 6 Monate trotzdem nach starken Beschwerden extrahiert werden.

Die endodontische Behandlung des Zahnes war nicht wirklich schwierig. Schwierig war die Darstellung der Präparationsgrenze. Durch die ungünstige extrem konvexe Gestaltung der Mesialfläche der Krone 46 war es unmöglich eine Krone bis zur Präparationsgrenze zu inserieren. 
Den meisten Zeitaufwand benötigten wir für die Provisoriumsherstellung. Dank Thomas Seitners Tipp mit der Liquid Strip Isolation hatten wir nach einigen Verrsuchen ein nichtzerbrochenes Provi. Die Einschubrichtung war von lingual nach bukkal kippend und die Präpgrenze konnten wir mit einem Flow (leider nicht radioopak) nur unvollständig abdecken.
Im vorliegendem DVT war am Zahn 46 ein verbreiterter Desmodontalspalt zu erkennen und anamnestisch traten in der Vergangenheit öfters pulpitische Beschwerden am Zahn 46 auf.
Deshalb riet ich dem Patienten nach der Behandlung des Zahnes 45 noch etwas mit der Kronentherapie an 45 abzuwarten. Die Schwiergikeit hatte ich ihm im Röntgenbild gezeigt.

Bis zum Recall nach 6 Monaten mussten wir nicht warten. Der Patient kam schon eher.
Die Behandlung am Zahn 46 war nicht außergewöhnlich schwierig und wir rieten dem Patienten dann zur Erneuerung beider Kronen.
Zum nächsten Recall war wieder alles überkront.
Schwierig war es für mich die Röntgenbilder dem Patienten gegenüber zu kommentieren.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

 

Hier ist guter Rat teuer (6) – Es ist einfach MTA zu applizieren, wenn…

Im vorliegenden Fall zweier infauster Frontzähne ( hier und hier sowie hier und hier und da bereits vorgestellt) sind wir immerhin soweit gekommen, die Zähne wieder mit einer Wurzelfüllung versehen zu können. Heisst, da die zweimalige WSR ja 2 Neoapices mit großem Durchmesser zurückgelassen hat, das nun MTA zur Anwendung kommt zum orthograden Verschluss der Resektionsstellen.

Und wir werden nun belohnt für unsere Mühen.
Denn die vorhandene apikale Knochenbarriere lässt das Einbringen des MTA zum Kinderspiel werden, müssen wir doch keine Angst haben, das MTA nach periapikal zu überpressen.

Zum Behandlungsablauf der MTA – Applikation nachfolgend ein paar Fotos und ein Video.

Der Schein trog!

Betrachtete man sich das mitgebrachte DVT erschien die vorhandene Obturation dicht, wandständig und in der Länge optimal. Dennoch ist der Zahn nunmehr fast 2 Jahrzehnte nach dem Trauma im Kindesalter immer noch/wieder beschwerdebehaftet.

Nach dem Frontzahntrauma mit ca. 12 Jahren erfolgte zunächst eine nicht erfolgreiche endodontische Primarbehandlung und mit im Alter von ca. 20 Jahren einen Resektion der Wurzelspitze. Eine Ausheilung der chirurgischen Zugangskavität erfolgte jedoch nicht.

Zudem imponierten wiederkehrende Schwellungen labial und palpatorische Druckdolenzen.

Nach Anlegen der Zugangskavität zeigte sich eine Obturation des sehr weiten Kanalquerschnittes mittels mehrerer eingebrachter Guttaperchaspitzen.

Die gesamten Wurzelfüllmassen wiesen zwischen Kanalwand und Obturationsmaterial deutliche Kontaminationsspuren auf.

Bereits nach Abschluss der ersten Behandlungssitzung war der zuvor schmerzempfindliche Zahn 21 beschwerdefrei gewesen. Die mechanische Bearbeitung der Kanalwände wurde mit einem XP-Finisher durchgeführt. Nach ausgiebiger Irrigation wurde die Obturation nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA durchgeführt.

Bleibt zu hoffen, dass das Recall eine Ausheilung der apikalen Pathologie zeigen kann.

Übermut tut selten gut.

von Jörg Schröder

Eine der wichtigsten Erkenntnisse meiner über 30-jährigen Praxistätigkeit ist, eine Behandlung nicht durchzuführen oder sie zu unterbrechen, wenn ich meine persönliche Komfortzone verlasse und mir nicht mehr sicher bin, ob ich die Situation noch verbessern kann oder bereits davor stehe, sie durch mein Tun erheblich zu verschlechtern.

Nachdem die für eine erfolgreiche endodontische Schmerzbehandlung notwendigen Behandlungsschritte sicher zahnärztliches Allgemeinwissen darstellen sollten, bin ich über Ausgangssituationen, wie die nachfolgend gezeigten, immer wieder mehr als verwundert.

Hier muss sich jemand unwohl gefühlt haben. Nicht nur, dass eine erhebliche Blutung aus den Zähnen mit erkennbarer Pulpanekrose ein Aufmerksamkeit erregender Umstand sein sollte. Spätestens bei der Beurteilung der Messaufnahme oder der Obturationsbilder muss es doch irgendwo „Klick“ machen. Denkt man. Denke ich. Weit gefehlt.

Nun die Frage an die Wurzelspitzler: Welche der Zähne haben, bei eingeschränkter mechanischer Prognose, noch eine Chance, erfolgreich endodontisch therapiert werden zu können? Welche Probleme sind in den radiologischen Darstellungen zu erkennen?

Hier ist guter Rat teuer (5) Metapex – Alternative

Wie es der Zufall so will…

Vorgestern, am Dienstag

ging hier der Beitrag über die beiden Oberkiefer-Frontzähne mit 2 maliger WSR und dennoch mit großer apikaler Aufhellung und Fistelbildung auf Sendung. Mit sehr erfreulichem Ergebnis. Nämlich Knochenbildung über die Resektionsfläche hinweg, ein Umstand, den ich zu erheblichem Teil dem Einsatz von Metapex (Meta Biomed) zuschreibe. Einem Material, das ich seit vielen Jahren verwende und nicht missen möchte, weshalb ich meine USA-Aufenthalte immer dazu nutze, mir einen größeren Vorrat zuzulegen, der mich übers Jahr bringt. Denn – das Material ist in Deutschland nicht erhältlich. Bis vor kurzem gab es mit Vitapex ein vermutlich ähnliches Präparat, dass, ganz davon abgesehen, dass es empfindlich teurer war, nun auch nicht mehr hierzulande vertrieben wird. Ich griff in Notfällen (die Metapex- Vorräte waren aufgebraucht) darauf zurück, so wie ich auch einmal eine bei WURZELSPITZE in den Kommentaren empfohlene osteuropäische Variante benutzte, die zwar käuflich erhältlich ist, Internet sei Dank, jedoch in ihren physikalischen Produkteigenschaften , ich sach mal, so stark vom Metapex – Original abwich, dass ich nach zweimaligem Einsatz von jeglicher weiterer Verwendung absah.

Was schade ist.
Denn immer nach der Veröffentlichung solcher Beiträge über mit Hilfe von Metapex wundersam gelöster Fälle kommt die Leser-Frage: Wo krieg ich das Zeug her ???? Eine Frage, auf die ich leider keine Antwort geben kann…

Aber dann. Gestern.

Erreicht mich via Email die Nachricht, dass mit Forendo- Paste eine weitere Metapex- Variante offiziell in Deutschland zur Verfügung steht. Vertrieben von der Firma Pulpdent Deutschland, ansässig in Leipzig.

Das wär vielleicht was ?!?!

Wer beisst an?
Wer berichtet?

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Warnung vor dramatischem Personalmangel

Langsam rückt das Problem in dem Mittelpunkt. Jetzt können wir es in der Tagesschau sogar lesen:

Warnung vor dramatischem Personalmangel

Die Lösung mehr Ärzte auszubilden ist schon ein Ansatz, aber trotzdem bleibt noch ein ganz dramatischeres Problem. Im mittleren medizinischem Personal sieht es viel verheerender aus. Ich kenne kaum eine Praxis ohne Personalmangel.

Woran liegt das?

In einer Mail laß ich letztens diese Zeilen:
36% der ZFAs überlegen, ganz aus ihrem Beruf auszusteigen und fast 37% der Teilnehmer einer Umfrage des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. denken darüber nach, den Arbeitgeber zu wechseln. Eine der Hauptursachen für den ZFA-Fachkräftemangel ist Stress.
Meiner Meinung ist der Beruf zudem unattraktiv geworden. Neben Stress sind lange Arbeitszeiten mit Überstunden und keine adäquate Bezahlung ebenso zu erwähnen.

Inzwischen verlangt das Berufsbild medizinisch sehr gut ausgebildete IT Kräfte, die Kenntnisse im Planungs- und QM Management haben, die Hygienevorgaben des RKI kennen müssen und dann noch Kommunikationsexperten sind.

Diese Mitarbeiter brauchen Anerkennung für diese verantwortungsvolle Tätigkeit. Diese Mitarbeiter müssen in der Lage sein, mit ihrem Job ihre Familie gut zu versorgen.

Was nützt uns eine Ärzteschar, wenn das mittlere medizinische Personal weg ist.
zu Krankenkassen, Dentaldepots, Unternehmensberatern etc. sind die Mitarbeiter gewechselt.

Wir müssen JETZT den Beruf attraktiv machen und bewerben.

Wir müssen JETZT Möglichkeiten schaffen Quereinsteiger schnell in den Beruf zu bringen und auszubilden.

Wir müssen JETZT Personalzuschüsse zu JEDER abgerechneten Leistung vereinbaren und diese müssen 100% den Praxismitarbeitern zu Gute kommen.
Alternativ die Honorare betriebswirtschaftlich realen Bedingungen anpassen.

Sonst wird es auch für uns ein mehr oder weniger baldiges Problem geben. Wer soll uns im Alter behandeln?

Hier ist guter Rat teuer (4)

Die Vorgeschichte des Falles findet sich hier und hier und hier.

Am Ende der 2.endodontischen Behandlungssitzung (01.12.2020) erfolgte die Applikation der medikamentösen Langezeiteinlage (Metapex, Meta Biomed).

Danach warte ich in der Regel 12 -16 Wochen ab. Dies erscheint mir als die kürzeste Zeitspanne, in der sich eine Verbesserung zum Positiven hin im konventionellen Röntgenbild, sprich Zahnfilm, eindeutig diagnostizieren lässt. Die Applikation des Calciumhydroxid überprüfe ich im Röntgenbild. Im vorliegenden Fall war ich sehr bemüht, nicht versehentlich zu viel Calciumhydroxid zu überpressen, angesichts des grossen Knochendefektes und vor allem der Tatsache, dass auf Grund der vorangegangenen Wurzelspitzenresektionen nach vestibulär hin kein Knochen mehr vorhanden ist und eine Überpressung ins Weichgewebe hinein zu Gingivanekrosen führen könnte.

Das Resultat war dann prompt eine inhomogene Füllung. Ärgerlich.

Fast forward.
16 Wochen später.

Kontrolle der apikalen Situation am 19.04.2021

Die Wiedereinbestellung der Patientin erfolgte zur Kontrolle der apikalen Situation. Gegenüber der Ausgangssituation zeigt sich das röntgenologische Erscheinungsbild verbessert an beiden Zähnen, jedoch nicht so eindeutig, dass eine Fehlinterpretation auf Grund der unterschiedlichen Projektionswinkel der Aufnahmen ausgeschlossen werden konnte.

Aus diesem Grund wurde in der nächsten Sitzung am 20.05.2021 erneut ausgiebig schall – und laseraktiviert gespült und die Metapex-Einlage erneuert.

Weitere knapp 16 Wochen später.
Die erneute Wiedervorstellung fand Anfang September 2021 statt. Eine eindeutige beginnende Knochenregeneration war nun festzustellen. Daher wurde am 07.09.2021 (Applikation von MTA als apikale Barriere) und am 09.09.2021 (Wurzelkanalfüllung mit Guttapercha und Sealer) die endodontische Behandlung abgeschlossen.

Kontrolle medikamentöse Einlage am 20.05.2021
Kontrolle MTA am 07.09.2021
WF – Kontrolle 09.09.2021

Das Erfreuliche – an beiden Zähnen hatte sich apikal ein knöcherner Verschluss des Periapex gebildet. Eine Applikation des MTA ohne Gefahr des Überpressens war somit leicht durchzuführen. Worauf die Knochenneubildung ausgerechnet in diesem Bereich zurückzuführen ist, bleibt letztendlich ungeklärt, aber man hätte doch bei der bestehenden Ausgangssituation eher ein langsames Wachstum von den Rändern des Defekts zum Zahn hin vermuten dürfen. So ist es aber natürlich noch viel besser und macht Mut für die weitere Entwicklung.

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Zugang, Zugang, Zugang.

von Jörg Schröder

Apikale Probleme entstehen koronal. Marginale Probleme auch.

Angesichts der Ausdehnung der bei der Erstbehandlung erstellten Zugangskavität könnte das Wirken des Kollegen beinahe bewundernswert genannt werden, lag er doch beim Versuch, die Kanalsysteme zu erschließen nur knapp daneben.

Mesiobukkal bestand eine iatrogene Perforation, die jedoch kurioserweise in einem ausgedehnten keilförmigen Defekt mündete und von extrakoronal visualisiert werden konnte. Nachdem dieser Defekt, nebst der Perforation, präoperativ adhäsiv verschlossen wurde, konnten nach Modifizierung der Zugangskavität die vorhandenen Kanaleingänge dargestellt werden.

Kurios war der bereits im DVT erkennbare, abrupt nach distobukkal abzweigende Seitenkanal in D.

Die Behandlung der apikalen Pathologie an Zahn 45, die sich als Zufallsbefund zeigte, wird in getrennter Sitzung erfolgen.