von Ronald Wecker
Das genaue Studium der präoperativ angefertigten Röntgenbilder hilft in vielen Fällen unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Oftmals jedoch überdeckt das Offensichtliche die durchaus erkennbaren „Nebenbefunde“.
Was fällt bei der Betrachtung der Ausgangsbilder auf? Auch ohne Poll-Daddy-Umfrage bin ich mir sicher, dass die Mehrzahl der Antworten das in Zahn 47 befindliche Instrumentenfragment erwähnen werden.
Beim zweiten Blick dürfte der suboptimale Randschluss der Krone an Zahn 46 sowie die Nähe der Restauration zum distalen Kanalsystem auffallen.
Die genauere Betrachtung von 46 zeigt jedoch, dass das distale Kanalsystem im apikalen Drittel zu verschwinden scheint, ein sicherer Hinweis auf eine tiefe Aufgabelung. Desweiteren kündigen sich bereits präoperativ 3 mesiale Kanalsysteme an. Hilfreich zu wissen, wenn es darum geht das für eine solche Behandlung erforderliche Zeitfenster zu terminieren.
Liest sich toll und lässt vermuten, dass mir all diese Feinheiten bereits im Vorfeld aufgefallen wäre. Sind sie aber nur zum Teil. Leider.
Die tiefe Aufgabelung in der distalen Wurzel hatte ich tatsächlich vermutet. Das Vorhandensein von drei mesialen Kanalsystemen war mir jedoch, zumindest radiologisch, zunächst entgangen.
Klinisch wiesen MB und ML sehr weit an die Aussenkontur der klinischen Krone verlagerte Kanaleingänge auf. Ein feiner Isthmus verband beide Kanäle und konnte nach Bearbeiten mit einem Muncebohrer der Größe 1/4 auf eine kleine gewebegefüllte Grube reduziert werden. Der Eingang zu einem weiteren Kanalsystem.
Häufig konfluieren diese Middle-Mesial-Kanäle mit MB oder ML. In diesem Fall wiesen alle Kanäle eigene Foramina auf.
Ein Fall der mich lehrte, mich in Zukunft noch ausführlicher mit den präoperativen Röntgenbildern zu befassen.
