Das DVT ist eine fast mittlerweile unverzichtbare Hilfe bei der Behandlungsplanung geworden.
Auch, wenn es darum geht, die Erhaltungsfähigkeit als nicht gegeben einzuschätzen.
Interessant, dass das zur Erstberatung mitgeschickte Einzelbild einen ungewöhnlichen Guttaperchaverlauf erkennen ließ, den ich persönlich jedoch nicht mit einem Frakturgeschehen in Verbindung gebracht hätte.
Anfang der Woche stellte sich der 14-jährige Josua in Begleitung seines Vaters erstmals bei uns vor.
Der Junge hatte die Woche davor eine Schwellung mit anschliessender Fistelbildung Regio 11/12 entwickelt.
Das in der Vorwoche im Notdienst angefertigte Röntgenbild stellte die Situation wie folgt dar:
Eine weitere Therapie wurde nicht eingeleitet.
Anschliessend wurde der junge Patient bei seinem Hauszahnarzt vorstellig.
Hier wurde mit einer endodontischen Therapie begonnen.
Nachdem es nicht gelang, dass Kanalsystem zu erschliessen und die Prognose aufgrund dieser Tatsache in Kombination mit der ausgeprägten Osteolyse als sehr schlecht angesehen wurde erfolgte die Überweisung zum Oralchirurgen zur Entfernung des Zahnes…
Zustand nach Trepanationsversuch alio loco – Röntgenaufnahme durch Hauszahnarzt
über Umwege gelangten Patient und Vater schliesslich zu uns…
so stellte sich die Situation radiologisch bei uns dar…
Zustand nach Trepanationsversuch Zahn 11 alio loco; Verdacht auch mögliche Perforation, Verdacht auf mögliche Beteiligung des Zahnes 12
Klinisch imponierte eine Fistel Regio 11/12; Der Sensibilitätstest an Zahn 12 war positiv; weitere pathologische Befunde lagen nicht vor.
Anamnestisch ergab sich keine bekannte Historie eines vormaligen Frontzahntraumas.
Allerdings gab Josua an, sich bereits im Januar 2022 mit moderaten Beschwerden in dieser Region bei seinem Zahnarzt vorgestellt zu haben.
Nachfolgend das damals angefertigte Röntgenbild (das wir auf Nachfrage im Nachgang erhielten)…
welche Gedanken gehen Ihnen bei der Betrachtung der Bilder durch den Kopf?
Welche Therapie empfehlen Sie Josua und seinem Vater?
Ein analoges Röntgenbild zu digitalisieren ist früher eine Kunst gewesen. Erst mit der Sanyo E6 gelang dies reproduzierbar. Diese Kammer (von Michael Logies empfohlen) hat uns bis heute begleitet. Nun werden die unzähligen Exemplare in unserer Praxis immer weniger.
Für eine uns überwiesene Jugendliche nach Frontzahntrauma baten wir die Mutter vorab um die Röntgenbildzusendung. Kein Problem hieß es und kurze Zeit später hatten wir dieses aussagekräftige Handybild. Tolles Ergebnis für die erste Umwandlung von Analog zu Digital.
In New York gefunden. Eine Zahnpasta mit Botschaft. Hippokrates, Gott, das Raumschiff Erde, guter Kapitalismus, gesunde Ernährung, ein Rabbi, Meinungsfreiheit. Alles abgedeckt. Ich habe Anis gewählt.
4 Jahre nach Abschluss der Behandlung werte ich das nachfolgende Ergebnis als ersten Zwischenerfolg.
Der über 70-jährige Patient stellte sich erstmals ca. 4 Jahre nach einem Frontzahntrauma in meiner Praxis vor. Zahn 31 zeigte alle Anzeichen einer externen investiven zervikalen Resorption.
Das präoperative DVT zeigte, dass eine erfolgreiche Behandlung im Bereich des Möglichen lag.
Klinisch war die Erreichbarkeit des Arbeitsfeldes gegeben, da sich der lingual an Zahn 31 gelegene Defekt im Spiegel gut darstellen ließ und die Schnittführung durch die 25 Grad abgewinkelten Microblades ermöglicht wurde.
Die Eröffnung der Pulpa war vorprogrammiert, jedoch entschied ich mich gegen die Pulpektomie und plante von vornherein eine Pulpotomie.
Dieses Vorgehen habe ich mittlerweile in Resorptionsfällen für mich zum Standard erhoben, wenn eine Pulpanekrose sicher ausgeschlossen werden kann.
Die Pulpa wurde hier mit einem CaOH2-Präparat abgedeckt und der größte Teil des Resorptionsdefektes mit Geristore aufgefüllt. Lediglich die Deckschicht erfolgte mit einem Flowable. Einziger Kritikpunkt: Das Einreißen des Lappens beim Abpräparieren der sehr dünnen Gingiva. Nach Nahtverschluss lässt sich dieses Missgeschick klinisch jedoch im Recall nicht mehr erkennen.
An uns überwiesene Patienten können und/oder wollen zum Teil nicht einsehen und/oder verstehen, warum sie in der Regel nicht direkt zu einer Behandlung kommen können, sondern vorab eine Untersuchung und Einschätzung durch uns notwendig ist…
Anfang dieser Woche hatten wir mal wieder ein gutes Beispiel dafür, warum man niemals von diesem Vorgehen abweichen sollte…
kurz zur Vorgeschichte…
der am Telefon vorab sehr fordernde 39-jährige Patient (Rechtsanwalt in einer sehr grossen Unternehmens/Steuerberatungsfirma) („ich will direkt zur Behandlung kommen; warum eine Voruntersuchung?, mein Arzt hat doch schon…, Dr. Kaaden muss doch „nur noch“…) stellte sich nach einer alio loco begonnenen endodontischen Therapie an Zahn 47 bei uns vor.
Laut seiner Aussage war es dem Hauszahnarzt nicht gelungen, die vorderen Wurzelkanäle zu bearbeiten („Mein Zahnarzt kommt da nicht rein“).
Dieser empfahl daher eine Vorstellung beim Endodontologen.
Die Empfehlung für unsere Praxis kam allerdings von einer Bekannten des Patienten, die selber Zahnärztin ist.
Schon bei der Betrachtung des Ausgangs-OPGs hegte ich gewisse Zweifel an der Erhaltungswürdigkeit dieses Zahnes…
OPG alio loco
ein Einzelzahnröntgenbild existierte nicht.
Klinisch imponierte der Zahn insbesondere durch ein recht liebloses Fermit oder Clip (?)-Provisorium.
Seit der Erstbehandlung war der Patient schmerzfrei.
Diagnose-Röntgenbild nach alio loco begonnener Therapie mit Verdacht auf Instrumentenfragmente
Neben dem hohen Destruktionsgrad und der fraglichen Restaurierbarkeit wies ich den Patienten auf den tatsächlichen Grund der „Probleme im vorderen Zahnabschnitt“ durch den Behandler hin.
Da der Patient weiterhin einen „Zahnerhalt mit allen Mitteln“ wünschte fertigten wir ein DVT der Regio 47 an.
Bei der Betrachtung imponierte die zweite „Überraschung“ dieses Zahnes sehr schnell.
Auch dem Patienten leuchtete spätestens nun ein, dass an zahnerhaltende Maßnahmen nicht mehr zu denken war…
Gut, dass wir für den Patienten nicht, wie von ihm gewünscht und (fast) gefordert direkt einen 90-120 Minuten-Termin eingeräumt hatten…
Der Patient möchte den Zahn, bzw. die Zähne unbedingt erhalten. Im Beratungsgespräch musste ich ihm mitteilen, daß dies in seinem Fall nicht so sicher ist, wie er hofft. Der grösste Pluspunkt bestand in der Abgeschlossenheit der Osteolyse ohne Verbindung zum Sulcus oder Sinus. Meine angegebene Prognose lag bei 60-70%.
Gerne untermale ich die Prognose mit dem Vergleich zum Roulette. Ein Eins-zu-eins-Einsatz, wie beispielsweise Rot/Schwarz hat eine Gewinnchance in Prozent ausgedrückt, von ca. 47,37 %.
Trotzdem möchte der Patient unbedingt den Zahn erhalten. Die Diagnose: infizierte Pulpanekrose, P. apicalis, externe apikale Resorption palatinal – DD radikalere Zyste.
In der ersten Behandlungssitzung kam nach Präparation einer geeigneten Zugangskavität und initialem Erschließen des Wurzelkanalsystems eine große Menge an Bus aus dem palatinalen Kanal. Auch nach mehr als 30 minütigem Absaugen war noch eine apikale puride Exsudation erkennbar. Es war keine Zystenflüssigkeit oder kristallartige Anteile erkennbar. Das Kanalsystem desinfizierten wir mit NaOCl 3%, Debris und Smearlayer entfernten wir mit Zitronensäure. Dazu setzen wir den Eddy ein. Zur Einlage verwendeten wir CaOH. Nach 14 Tagen hatten wir den Patienten wieder einbestellt. Die Fistel zeigte sich narbig verschlossen. Im klinischen Bild unter Kofferdam und Mikroskop konnte noch immer eine apikale Exsudation beobachtet werden. Nach weiterer Aufbereitung pal #60, b #35 und Desinfektion erfolgte die erneute Einlage mit J CaOH. Das Präparat wurde mit dem Eddy genau auf die gemessene Arbeitslänge transportiert und danach palatinal noch (mindestens) 0,5-1mm weiter forciert. In der Beobachtung früherer Fälle stellten wir einen positiven Einfluß für eine apikale Regeneration fest. Das von uns verwendete Calcipast +I (Cerkamed) wird vollständig resorbiert. ( Bis zum Februar 2023 konnten wir dies noch in Deutschland kaufen. Jetzt ist es leider nicht mehr lieferbar. )
Den Patienten bestellten wir 3 Monate später wieder ein. Eine Coronainfektion mit anschließendem Longcovid führte zu einer ungeplanten Verlängerung des Zeitraums. 9 Monate nach dem zweiten Termin fertigten wie wieder Röntgenkontrollen an. Diese zeigten einen positiven Heilungsverlauf. Weitere Monate später erfolgte die Wurzelfüllung nach Desinfektion des Kanalsystems mit NaOCl 3% und Zitronensäure 10%. Das palatinal weit offene Forman wurde nach orthograd eingebrachtem kollagenen Widerlager mit ProRoot MTA verschlossen. Eine apikale Exsudation bestand nicht. Buccal wurde mit warm vertikaler Wurzelfülltechnik mit Guttapercha gefüllt. Die postendodontische Versorgung erfolgte nach Sandstarhlung der Kavität mit einem Glasfeserstift und Rebilda. Okklusal wurde die Krone nach Silanisierung mit Composite verschlossen.
Neben der Langzeitapplikation, wie Dr. Hans-Willi Herrmann es beschrieben hat, sehe ich im EINZELFALL, nach entsprechender Indikation (persistierende apikale puride Exsudation) und Entscheidung (Achtung Jodallergie und Hashimoto-Thyreoiditis, M. Basedow) einen weiteren Vorteil der jodhaltigen Präparate, wenn sie resorbierbar sind.
Das dies in meinen Händen nicht immer funktioniert zeigte übrigens bereits dieser Fall.
Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.
Über meinen antiquarischen Fachbuchkauf habe ich hier schon berichtet. Und es ist erstaunlich und bemerkenswert
a was Alles schon vor mehr als 60 Jahren niedergeschrieben wurde und
b mit welchem Engagement und Ernsthaftigkeit in der Sache damals das Wissen auf Papier gebracht wurde.
Ein Kapitel des 1967er Bandes „Praxisorganisation“ befasst sich mit der Person und dem Wesen des Zahnarztes und den Auswirkungen auf den Erfolg der Praxis. Ich halte es für unbedingt lesenswert. Ein Sittengemälde. Auch wenn einige der beschriebenen Gegebenheiten als historisch anzusehen sind, so bleibt der aktuelle Bezug dennoch erhalten. Man ersetze Diaprojektor durch TV-Gerät und Praxisbroschüre durch Social Media, schon stimmt es wieder…
5 Typen werden beschrieben. Ich habe die Benennung der Charaktere versucht, einzudeutschen. Wie immer im Leben gibt es Mischformen, aber es ist schon interessant, zu lesen, das bestimmte Wesenszüge die Menschheitsgeschichte hinweg erhalten bleiben.
The Super Sales Man – Der Starverkäufer
The Strong Silent One – Der schweigsame Präzise
The Unsecure – Der Unsichere
The Ultra Professional – Der Wichtigtuer
The Real Professional – Der wirklich gute Zahnarzt
Während ich von der 1974 er Ausgabe der Dental Clinics of North America mit Herbert Schilders „Cleaning and shaping root canals“ im Laufe der Jahre einige Exemplare erwerben konnte
4 um genau zu sein. Ich weiss, das macht wenig Sinn, aber ich habe auch auf den Flohmärkten der Welt von allen Schallplatten für die einsame Insel jede Doublette, die ich zu einem halbwegs akzeptablen Preis kriegen konnte, mit nach Hause genommen
so fehlte bis vor kurzem in meiner Sammlung eine Originalausgabe der 1967er Dental Clinics. Und damit der Artikel, mit dem moderne Endodontie anfing, damals im November 1967.
„Filling root canals in three dimensions.“
Gut, es gab vor ein paar Jahren eine Wiederveröffentlichung im JOE. Und ja, ich – als „junger“ Zahnmediziner – habe mich sehr gefreut, schon Jahre zuvor – vielen Dank Michael Pascal – 2001 einen von Herb himself autorisierten Nachdruck geschenkt bekommen zu haben.
Aber nur das Original ist das Original, das weiss jeder, der einmal Taylor Swifts Coverversion von September by Earth, Wind and Fire gehört hat.
Ebay sei Dank hat man von Zeit zu Zeit die Chance, solche Bücher erwerben zu können. Nun war es auch mit Schilders Erstlingswerk soweit. Und wie immer in solchen Fällen antiquarischer Dentalliteratur ist der Preis erstaunlich günstig. Ich habe dieses Mal 8.95 Dollar bezahlt, wobei der Preis für 3 Ausgaben des 1967 Jahrgangs war, die beiden anderen Bücher neben der November Ausgabe zum Thema Endodontics widmen sich dem Thema Praxisorganisation und Dentaler Ästhetik. Warum in alten Buchschinken schmökern? Weil es erstaunlich ist, was Alles schon vor langer Zeit in der Zahnmedizin bekannt war, unsere Altvorderen schon alles wussten und es traurig bis tragisch ist, wieviel Wissen von Generation zu Generation wieder verschüttet geht und mühsam neu erfunden werden muss.
Genau der Grund im Übrigen, weshalb wir am 07. Oktober DIE 3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER machen. Wir wollen unser gesammeltes Wissen weitergeben, statt es am Ende unseres Berufslebens vergessen zu sehen.
Attend now or cry later pflegt Chris K in seiner lässigen part time Texaner Natur zu sagen. Es sind weniger als 85 Tage bis dahin. Allen denen, die sich schon angemeldet haben, rufen wir zu: Wir freuen uns drauf!
Heute möchte ich so einen Fall vorstellen, bzw. gern Ihre Meinung, bzw. Gedanken dazu hören..
Der Patient (70 Jahre ) stellte sich mit dem Wunsch des Erhaltes des Zahnes 24 in unserer Praxis vor. Klinisch zeigte sich kein Lockerungsgrad, die Sondierungengstiefen waren nicht pathologisch erhöht und der vorhandene Zahnersatz ist suffizient. Ein chronische Fistelung vestibulär am Zahn 24 bestand seit einem längeren Zeitraum Röntgenologisch zeigte sich eine erhebliche apikale Osteolyse am Zahn 24, eine apikale Resorption der palatinalen Wurzel. Der Pfeilerzahn 22 zeigt im DVT ebenso eine apikale Veränderung im Sinne einer P. apicalis.
Macht der Erhaltungsversuch Sinn? Ja, wenn der vorhandene ZE erhalten werden kann.
Wie wahrscheinlich ist die apikale Regenration? Das ist die Frage die im Vorfeld schwer beantwortet werden kann. Zunächst ist die medizinische Anamnese von großer Wichtigkeit. Stoffwechselstörungen, Immunsupressionen etc. werden die Heilungswahrscheinlichkeit reduzieren. Im vorliegenden Fall gibt der Patient eine Gerinnungsstörung an, ansonsten keine weiteren Allgemeinerkrankungen. Die zahnmedizinische Anamnese ergab, daß die Brücke aus den Jahren 1992-1994 stammt. Röntgenkontrollen erfolgten nach Angaben des Patienten erst als er einen Behandlerwechsel vornahm. Diese aktuellen Bilder stellten die jetzige Situation dar.
In diesem Fall muss man mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem manifesten periapikalen Biofilm auszugehen.
Nicht einsehbare Aufgabelungen obturiere ich mit der Squirting-Technik.
Tiefe Aufgabelungen die ich einsehen kann, obturiere ich, indem ich zunächst im geradliniger verlaufenden Abschnitt den Masterpoint einprobiere und denselben dann, nach Ausmessen der Wegstrecke im DVT, den Masterpoint um ca. 0,5 mm mehr kürze, als die apikale Strecke des geradliniger verlaufenden Kanals gemessen vom Abzweig bis zum Foramen lang ist.
So ist gewährleistet, dass der schräge Abzweig nicht versehentlich mit Guttapercha verlegt werden kann. Sodann wird das apikale Guttapercha-Stück auf einen verlängerten Microopener aufgespiesset und nach Benetzen mit einem Sealer in den ersten der beiden Kanäle eingebracht.
Wenn dieses Guttapercha-Stück perfekt eingekürzt werden konnte, ist das Einbringen des zweiten Masterpoints geradezu ein Kinderspiel, da der bereits gefüllte Abschnitt als Leitplanke dient.
In diesem Beitrag hatten wir 3 Fälle und Literaturhinweise zum Dens invaginatus vorgestellt.
Nach der erfolgten Schmerzbehandlung, welche wir hier beschrieben haben erfolgte im zweiten Behandlungstermin die vollständige Entfernung der Invagianation. Die Patientin war vollkommen schmerzfrei. Zur Entfernung von Debris verwendeten wir Zitronensäure 10% und die Desinfektion erfolgte mit NaOCl 3% in Schall- und Ultraschallanwendung. Apikal wurde nach Applikation eines kollagenen Widerlagers das Foramen mit ProRoot MTA verschlossen. Nach der Wurzelfüllung mit Guttapercha erfolgte der postendodontische Aufbau mit EverX Flow, Beautifil BW Plus und einem Glasfaserstift.
Reparative endodontische Behandlungen können immer wieder Erstaunen hervorrufen.
Beinahe unglaublich zu welcher Leistung die bereits deutlich affektierte Pulpa in der Lage sein kann.
6,5 Jahre nach der putriden Teilnekrose der koronalen Pulpa dieses 21 zeigt sich, dass die gesetzten Ziele vollkommen erreicht wurden. Wurzellängen- und Wurzeldickenwachstum sind voran geschritten und die apikale Pathologie ausgeheilt.
Die Therapie: Tiefe Pulpotomie mit einer Abdeckung mit MedCem.
Es bleibt zu hoffen, dass der Zahn nunmehr unfallfrei durch’s Leben kommen wird.
Der nachfolgende Fall erinnerte mich an frühere Berichte von uns, wie diesen oder diesen.
Dieses Mal war alio bei einem Zahn 46 im mesiobukkalem Kanalsystem eine RECIPROC blue frakturiert.
Schnell war beim Anblick des Röntgenbildes klar, dass hier keine Schlaufentechnik a la BTR Pen erfolgsvorsprechend sein würde.
Ausgangssituation
Wir entschieden uns für die Hülsentechnik in Kombination mit Rely X Unicem.
Mit am schwierigsten war es zunächst eine Kanüle zu finden, die einen Durchmesser von > 1mm aufweist.
Eine solcher „Prügel“ findet in der Regel bei uns in der Praxis keine Anwendung.
Ich habe die Kanüle wie einen Radschlüssel vorgebogen und über das gut erkennbare Fragment platziert. Eine zeitaufwändige Darstellung war nur bedingt notwendig…
Im zweiten Anlauf gelang es schliesslich das Fragment im Uhrzeigersinn aus dem Kanalsystem zu drehen…
Blick in Kavum mit deutlich erkennbarem FragmentModifizierte Kanüle zum „Radschlüssel“ und entferntem Fragment
nach insgesamt 90 Minuten konnten wir dieses Ergebnis erzielen.
Entscheidender für den bisherigen Misserfolg der Vorbehandlung war ziemlich sicher nicht das Fragment, sondern das übersehene und bisher unbehandelte zweite distale Kanalsystem…
In diesem Beitrag hatten wir 3 Fälle und Literaturhinweise zum Dens invaginatus vorgestellt.
Die Patientin kam mit akuten Problemen von einem Kieferchirurgen. Es sollte den Zahn möglichst erhalten. Er kannte solche Fälle und hat sofort weiter überwiesen…
Am Zahn 22 war ein beginnendes Abszeßgeschehen mit einer Schwellung labial entstanden. Der Zahn war stark aufbissempfindlich und ebenso perkussionssenibel. Der Lockerungrad war 0. Es bestanden keine erhöhten Sondierungstiefen. Das angefertigte Röntgenbild zeigte eine große periapikale Aufhellung und die Invagination (Klasse 2 nach Oehlers). Im angefertigten DVT ist apikal am Zahn 22 eine Konturveränderung der Wurzelspitze im Sinne einer externen apikalen Resorption erkennbar. Kontralateral am Zahn 12 sind eine Invagination Klasse 1 nach Oehlers mit einer beginnenden Karies zu erkennen.
Klinisch zeigte sich am Zahn 22 eine Zapfenform. Inzisal imponierte eine Caries profunda bis zum Zahnschmelz mit Rissbildung im Schmelz. Laut Patientin war dieser Zustand bereits seit Jahren so.
Zum Erhalt des Zahnes muss die Zahnsubstanz der Invagination geopfert werden und nach Desinfektion und Reinigung des Kanalsystems das apikal weit offene Foramen mit MTA und kollagenem Widerlager verschlossen werden.
Auf Grund der akuten Beschwerden der Patientin erfolgte in einer Schmerzbehandlung zunächst die Entfernung der Karies, die die teilweise Entfernung der Invagination und die Desinfektion des Kanalsystems mir NaOCl 3%. Den Invaginationshohlraum hatten wir zuvor mit Sweeps Cleaning für je 2x 30 Sekunden ( 20 mJ/600mW/15Hz ) desinfiziert um möglichst wenig infiziertes Material nach apikal zu transportieren. Der Zahn wurde nach CaOH Einlage adhäsiv verschlossen. Röntgenologisch kontrollierten wir nach Perforation des Invaginationsbodens die Lage des geschaffenen „Durchbruchs“. Anbei die Bilder.
Nicht das ich mich drum schlagen würde, ganz im Gegenteil, aber eine Woche nach dieser Fragment-Begegnung der unheimlichen Art landete das nächste extrem festsitzende Instrument auf unserem Behandlungsstuhl. Eine ISO 15 Hedstrom- Feile, die so brutal in den Kanal hineingeschraubt worden war, dass sich hier nix, aber auch wirklich gar nix bewegen liess.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, natürlich galt nach Freilegung der cervicalen 3 Millimeter des Instrumentes mittels Ultraschall der erste Griff dem FragRemover. Aber keine Chance, was abzusehen war.
Daher – weil noch unmittelbar und in guter Erinnerung – schlug jetzt wieder die Stunde des COXO Fragmententfernungs-System. Das erneut zum Erfolg führte. Das Fragment konnte in toto entfernt werden. War aber ein hartes Stück Arbeit. Kein Vergleich zur letzter Woche, wo es lediglich eines Einspannen, Fixieren des Fragmentes bedurfte, um das Fragment zu lösen.
Diesmal konnte ich erst nach vielen mühsamen Versuchen das Fragment durch Rausdrehen entfernen.
Die wichtigste Frage daher immer an den Überweiser ? Was ist es für ein Instrument ??? Denn davon ist abhängig, in welche Richtung , ob Uhrzeiger- oder Gegenuhrzeigersinn man drehen muss, um das Fragment aus dem Wurzelkanal heraus- und eben nicht versehentlich noch weiter in den Kanal hineinzuschrauben.
Und nicht versuchen, bei solch festsitzenden dünne Fragmenten, mittels Ultraschall das Fragment lockern zu wollen. Das endet IMMER mit der Fraktur des in die Kavität hineinragenden Fragmentanteils und man muss im Nachgang erneut mühsam den oberen Teil des Fragmentes freilegen. Aber auch hier ging es nicht ohne Probleme ab. Die verwendete dünnste Kanüle (0.8 mm Druchmesser) brach in Folge der Drehversuche, die nächstgrössere (0.9 mm) hielt stand. Schließlich konnte in gefühlt 20 Anläufen, in denen das Fragment nach hoffnungsvoller 180 Grad Rotation immer aus der Hohlnadel rutschte, das Instrument initial soweit gelöst werden, das es sich danach immer weiter aus dem Kanal herausdrehen liess und schliesslich ganz entfernt werden konnte.
Der erste Versuch endete mit der Fraktur der HohlnadelDie ausgebrochene Fensterumrahmung blieb in der Kavität zurück und konnte mittels Luftpuster einfach entfernt werdenDas 9 mm lange Fragment liess sich mit dem COXO – Fragmententfernungs- System in toto entfernen
Das 9 mm lange Fragment liess sich mit dem COXO – Fragmententfernungs- System in toto entfernen
Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.
Eigentlich waren die Ausgangsvoraussetzungen Bein Behandlungsbeginn eher ungünstig.
Der junge Patient – zum Zeitpunkt der Erstvorstellung 10 Jahre alt – hatte 2 Jahre zuvor ein Frontzahntrauma erlitten, welches zu einer Pulpanekrose in Zahn 11 und 21 geführt hatte. Erst als klinische Beschwerden am 11 auftraten, wurde der Patient an uns überwiesen.
Zahn 11 zeigte zu diesem Zeitpunkt bereits erste Anzeichen einer infektionsbedingten externen Resorption.
Nach Trepanation entlud sich eine Mischung aus Pus und Blut aus Zahn 11. Die Behandlung wurde mittels Double-Mix-Antibiotikum und zweizeitig ausgeführt.
Der MTA Plug im 21 ist mir nicht so gut gelungen, jedoch zeigt sich 5 Jahre nach der Behandlung eine erfreuliches klinisches und radiologisches Bild.