Reparative endodontische Behandlungen können immer wieder Erstaunen hervorrufen.
Beinahe unglaublich zu welcher Leistung die bereits deutlich affektierte Pulpa in der Lage sein kann.
6,5 Jahre nach der putriden Teilnekrose der koronalen Pulpa dieses 21 zeigt sich, dass die gesetzten Ziele vollkommen erreicht wurden. Wurzellängen- und Wurzeldickenwachstum sind voran geschritten und die apikale Pathologie ausgeheilt.
Die Therapie: Tiefe Pulpotomie mit einer Abdeckung mit MedCem.
Es bleibt zu hoffen, dass der Zahn nunmehr unfallfrei durch’s Leben kommen wird.
Eine seltene Ausgangslage. Ausgehend von einer tiefen Karies wurde an diesem 14 im Laufe dreier alio loco durchgeführten Füllungstherapien schlussendlich eine Pulpotomie durchgeführt.
Oder vielleicht war es doch eher eine direkte Überkappung. Fakt ist jedoch, dass die Grundlagen für eine erfolgreiche Therapie nie gegeben waren. Die Füllungsränder undicht. Restkaries belassen und das verwendete Überkappungsmaterial war ganz offensichtlich Ultracal oder ein ähnliches fließfähiges CaOH2-Material, in großem Überschuss eingebracht worden war.
Die Pulpa im Bereich des bereits eröffneten Pulpakammerhorns war bereits putride zerfallen. In der Zone der verbliebenen Karies im palatinalen Bereich der Kavität war die Pulpa jedoch noch vaskularisiert.
Der Sensibilitätstest war nicht reizüberdauernd positiv und der Zahn war seit Wochen beschwerdefrei.
Insofern hielt ich die Möglichkeit einer Revision der „Pulpotomie“ für eine erfolgversprechende Therapieoption. Das „Worst-Case-Scenario“ wäre eine nachfolgende Wurzelkanalbehandlung mit vollständiger Pulpektomie.
Nach absoluter Trockenlegung erfolgte das Entfernen der vorhandenen Restauration mittels dimantierter Instrumente. Palatinal wurde die Pulpa dabei punktförmig eröffnet. Im Bereich des ehemaligen Pulpahorns wurde die Pulpa bis kurz vor den Kanaleingangsbereich reduziert. Die Blutung wurde mittels in NaOCl getränkter SurgiTips gestoppt. Um eine Diskolorierung zu verhindern, erfolgte die Abdeckung der Pulpawunde mit MedCem.
Anschliessend folgte eine dünne Schicht Ultrablend und das adhäsive Abdecken der Mischung MedCem/Ultrablend mit einem Flow-Komposit. In Vorbereitung einer definitiven prophetischen Versorgung wurde zwar großer Wert auf eine perfekten Randschluss nebst idealer Ausformung nach distal gelegt, jedoch die okklusale Gestaltung eher sparsam ausgeführt.
Da ist mir mein Herzblut mittlerweile zu schade, denn alle okklusale Mühe verschwindet in absehbarer Zeit als Schleifstaub im Absauger.
Fast 18 Jahre nach der im Jahr 2004 aufgrund einer bukkalen Karies notwendigen Pulpotomie zeigt Zahn 36 keine apikale Pathologie.
Schatten:
Das ehemals den Defekt verursachende Verhalten (Pat. joggt täglich ca. 25-30 km und trinkt über den ganzen Tag verteilt zuckerhaltige Softdrinks) wurde nicht geändert und führt zu einem erneuten Zahnhalsdefekt.
Unter dem Titel „Chance Pulpotomie“ hatte ich Ende 2016 an dieser Stelle eine heiss und fast schon emotional diskutierte Fallvorstellung eingestellt.
Gestern nun das Recall 14 Monate nach der Intervention.
Wurzellängen- und -dickenwachstum sind weiter vorangeschritten. Der Zahn ist seit der Behandlung vollkommen beschwerdefrei. Gutes Ende einer schlechten Story.