Kombinierte Paro-Endo Läsion

Der Patient hatte den Hauszahnarzt (HZA) nach Jahren gewechselt. Sein neuer HZA stellte neben eine schweren P. marginalis auch apikale Veränderungen an mehreren Zähnen im OPTG fest. Der Patient wurde uns zur Therapie des Zahnes 36 überwiesen.
Der Zahn war ohne Beschwerden, lediglich die immer wieder auftauchende Schwellung distal am Zahnfleischrand empfand er als unangenehm. Aus dieser entleerte sich spontan immer wieder mal Pus, laut Patient.
Klinisch stellte sich folgende Situation dar:
Kariesfreier Zahn 36, okklusal Attrition und Spuren einer radikalen Einschleiftherapie, Schmelzrisse, Lockerungsgrad 2-3, keine Schmerz auf Perkussion. Die Sondierungstiefen waren erhöht und lagen distal über 11mm, db 3mm Gingivarezession. Die Sensibilität ist negativ.
Allg. Erkrankungen: Insulinpflichtiger Diabetes mellitus
Diagnose: kombinierte Paro-Endo-Läsion

Dem Patienten haben wir eindringlich eine Behandlung der P. marginalis geraten. Die Extraktion von 48, 18 und 17 wurde ihm bereits empfohlen. Das Implantat 14 hatte er vor einiger Zeit bekommen, weil der Zahn plötzlich wackelte und entfernt werden musste.
36 sollte nach seiner Meinung ebenso ersetzt werden. Der befragte Implantologe lehnte die Behandlung in diesem Zustand ab und empfahl den endodontischen Erhaltungsversuch.
Die Prognose haben wir mit günstig eingeschätzt.

Die Behandlung des Zahnes 36 verlief komplikationslos.
Das Kanalsystem (5WK) haben wir mit aktivierten Spülungen (Ultraschall und Schall) NaOCl 3% und Zitronensäue 10% desinfiziert und gereinigt. Die Wurzelfüllung erfolgte in thermischer Obturation angelehnt an Herbert Schilder mit Guttapercha.

Die Recalls zeigten einen schmerzfreien Zahn 36, der Lockerungsrad ist 0-1. Die knöcherne Regeneration erfolgte apikal im Bereich der Bifurcation ist keine Regeneration zu erwarten.
Die Sondieungstiefen lagen zwischen 4 und 6mm.
Der Empfehlung zu einer spezialisierten PA- Praxis sind HZA und Patient nicht gefolgt.

Ein Künstler der Dental-Transparenz – Holm Reuver

Wenn es eine Blütezeit der endodontischen Weiterbildung gab im Sinne eines Aufbruchs in neue Gefilde, dann war es die Zeit von 1995 bis 2004. Das Internet war neu, in globalen Emailgruppen wurde sich über 5 Kontinente hinweg intensiv ausgetauscht und große Koryphäen der Endo gaben Einblicke in ihre Behandlung. Was die Visualisierung des endodontischen Arbeiten anging, ein – den Besonderheiten der intraradikulären Behandlung geschuldet – nicht ganz einfaches Geschehen. Es gab allerdings zunächst weder DVT noch Micro CT. Dies lag zu Beginn noch in ferner Zukunft oder war auch später nur in homöopathischen Dosen verfügbar.

Einblicke in die Zahnwurzel ermöglichten daher lediglich zweidimensionale Röntgenbilder.
Seit 100 Jahren bekannt und daher ebenso langweilig wie wenig aussagekräftig, wenn es darum ging, die komplexe Anatomie von Wurzelkanalsystemen mehr als nur andeutungsweise zu visualisieren.

Umso beeindruckender waren Fotos von Präparaten transparent gemachter Zähne.
Und die Kollegen überschlugen sich mit Komplimenten und Superlativen, wenn solche Fotos – es gab zwei Kollegen aus USA und Südamerika, die solche Präparate herstellten – in den Weiterbildungs-Foren gezeigt wurden.

Ohne die Leistungen der beiden Kollegen schmälern zu wollen.
Für uns aus Good Old Germany waren die gezeigten Präparate nicht der Rede wert.
Gab es doch, wenn auch nur einem kleinen Kreis bekannt, mit Holm Reuver einen wahren Meister der Dental-Transparenz-Kunst. Der zuhauf solche Bilder in wunderbarer und seinesgleichen suchender Qualität angefertigt hatte.

Holm Reuvers Präparate sind ebenso wunderbar wie einzigartig.
Es gibt – diese Art der Visualisierung betreffend – weltweit keine besseren, kein schöneren.
Ich habe etliche andere Versuche diesbezüglich im Laufe der Jahrzehnte gesehen.
Sie reichen nicht einmal annähernd an die grossartige Ästhetik seines Schaffens heran.

Mit seinen Darstellungen in Foto und Video reiht sich Holm Reuver ein in die Riege großer Anatomen der Medizingeschichte, eines Walter Hess – einem Titan das Zahnmedizin – ebenbürtig. Wohl mit das größte Kompliment, daß man einem zahnmedizinischen Forscher machen kann. Was Frank Paque (dessen Werk ich ebenfalls hohen Respekt zolle) mit modernster Technik einer renommierten Universitätsklinik in seinen Micro CT-Präparaten abgebildet hat, hat Holm Reuver mit einfachsten Mitteln, aber beispielloser Hingabe im Keller seiner Praxis in Neustadt an der Weinstrasse ebenfalls sichtbar werden lassen.

Ich freue mich sehr, dass zukünftig Holm Reuver im Rahmen unseres WURZELSPITZE – Blogs eine Auswahl seines Schaffens präsentieren und die jeweiligen Präparate in ihren Besonderheiten in Wort und Bild darstellen wird.

Recall eines Falls aus der Reihe Herodontics

Dieser Fall wurde  hier vorgestellt.
Man kann diesen Fall sicher in die Kategorie: „Erst hatte sie kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu.“ einordnen.

Wir haben wieder Recallbilder und möchte diese Ihnen nicht vorenthalten. Inzwischen sind einige Jahre vergangen. Die verschiedensten klinischen Fotos entstammen verschiedenster Kameras und Fotografen.

Laurenz – RET nach 10 Monaten

Das nicht alle RE-Therapien den selben (positiven) Verlauf nehmen zeigt der nachfolgende Fall des heute neunjährigen Laurenz.

Der Junge erlitt Ostern 2022 ein Fronttzahntrauma in Form einer unkomplizierten Kronenfraktur mit ausgeprägter Lockerung an Zahn 11.

In der weiteren Folge entwickelte der junge Patient eine ausgeprägte Schwellung in der Region des betroffenen Zahnes.

Die zweizeitige Behandlung konnte im Juli 2022 angeschlossen werden.

In der kürzlich durchgeführten Nachkontrolle zeigt sich ein Fortschreiten des Wurzelwachstums bisher nicht wirklich.

„Positiv“ anzumerken ist ggf., dass auch der vitale Nachbarzahn in der Zeit kaum eine Weiterentwicklung erfahren hat…

die nächste Nachkontrolle erfolgt in sechs Monaten…

Wurzelfrakturen im Recall 24 Monate nach Behandlungsende

An dieser Stelle hatte ich über diesen Fall berichtet.
Das letzte Recall vor 12 Monaten finden sie hier und 2023 stellte sich das ganze so dar.
Keine Symptome, keine Lockerungsgrade der Zähne 22-12, 22 zeigt eine unverändert positive Sensibilität auf Kalt.
22 zeigt im Zahnfilm ein dezent vergrößertes Pulpenlumen apikal, das sehen wir als projektionsbedingt an, da wir von 2020 ein Rö.-Bild mit einer ähnlichen Pulpaabbildung haben.

Ausgeprägte apikale Lyse, Dens invaginatus

Ob dieser Behandlungsfall eines 42 letztlich im Misserfolg enden würde, konnte ich auch nach Behandlungsbeginn nicht einschätzen.

Die Behandlungsalternativen waren neben der folgenschweren Extraktion – der Patient war zu Behandlungsbeginn erst 16 Jahre alt – , und der sehr schwierigen intentionellen Replantation nur die chirurgische endodontische Vorgehensweise.

Nun stellte sich der Patient zum ersten Recall 8 Monate nach zweimaliger Einlage von CaOH2 vor.

Sowohl das Einzelbild, als auch das kleinvolumige DVT zeigten einen erkennbaren Zugewinn an knöcherner Struktur. Daher habe ich mich entschieden, den Zahn in der nächsten Sitzung mit MTA und einem kollagenen Widerlager zu obturieren.

Z.n. Frontzahntrauma von 1984

Die Patientin wurde in unserer Praxis ohne Beschwerden vorstellig.
An dem Zahn 21 wollte niemand mehr etwas machen, die Patientin hatte keine Beschwerden. Erstaunlich was unser Körper aushalten, bzw. kompensieren kann.
An diesem Fall ist (mal wieder) zu sehen, daß die koronale Pulpa nicht vollständig entfernt wurde und und als nekrotisch infizierter Rest verblieb.
Diagnose: infizierte Pulpanekrose, P. apicalis, externe apikale Resorption
Klinische Befunde: keine erhöhte Sondierungstiefen, Lockerungsgrad 0, Sekundärkaries, insuffiziente Füllung.
Die Entfernung der koronalen Pulpareste war unter mikroskopischer Sicht problemlos möglich.
Im apikalen Bereich war ein ausgeprägter Biofilm und gallertartiges Gewebe erkennbar.
nach der Reinigung und Desinfektion ( Zitronensäure 10%, NaOCl 3%, NaCl – Eddy, PIPS mit NaOCl und NaCl ) erfolgte das Einbringen eines Kollagenwiderlagers gegen welches ProRoot MTA appliziert und mit Ultraschall verdichtet wurde.
Die Wurzelfüllung erfolgte mit Guttapercha und koronal wurde der Zahn mit everX Flow Composit und einem Glasfaserstift aufgebaut. Die palatinale Deckfüllung erfolgte mit Beautifil – Composit.


Neu auf dem Markt – Biodentine XP

Letzte Woche – Besuch des Septodent-Aussendienstes.
Die Neuigkeit – Biodentine gibt es nun auch als Biodentine XP.

In einer neuen Darreichungsform.
Eine karpulenartige Mischkapsel, die mittels einer speziellen Applikationspistole das direkte Einbringen des Materials in die Kavität gestattet. Damit entfällt das manuelle Hinzufügen der Flüssigkeit vor Anmischung aus der Tropfpipette, wie wir es vom Original Biodentine her kennen. Das war nicht ganz banal, insbesondere die präzise Zuführung 5 gleich grosser Tropfen war für die zu erzielende Materialqualität von entscheidender Bedeutung, weshalb ich diesen Arbeitsschritt immer selbst vorgenommen habe. Weiterhin entfällt nun das Umfüllen aus der Kapsel und der Transport in die Kavität mittels Spatel, Lee-Instrument, Centrix-Carpule oder was auch immer.

Die Kapseln gibt es in zwei Füllmengen.
XP 200, XP 500.

Der Preis sei in etwa gleichgeblieben, so die Info.
Stimmt, die XP 200 Packung ist sogar etwas günstiger als Biodentine 1.0, die XP 500er Packung etwas teurer. Ich kann es im Zeitalter „Gefühlt 20 Prozent+ Inflation“ kaum glauben. Auf mein Nachfragen stellt sich heraus, es sind nun nur noch 10 Kapseln in einer Packung, gegenüber 15 Kapseln bei der ursprünglichen Version.

Doch ein Aufpreis.
Wäre auch zu schön gewesen…

Wäre es mir aber dennoch wert, wenn die neue Darreichungsform, wovon ich ausgehe, gegenüber der Version 1.0 sich im Praxisalltag als vorteilhaft erweist.

Jetzt das Aber.
Für die Kapseln anzumischen bedarf es einer speziellen Anmischpistole und eines speziellen Kapselmischers. Wie bislang unseren aus Amalgam- und Glasionomer-Zeiten vorhandenen Capmix-Mischer zu nutzen, das geht leider nicht mehr. Das Einführungsset (Mischer, Applikationspistole, 1 Packung XP 200, 1 Packung XP 500) schlägt mit 750 Euro netto zu Buche.

Ich bin gespannt, wie auf Grund dieser, ich sach mal „Investitionshürde“, das Biodentine XP von der KollegInnenschaft angenommen werden wird. Biodentine 1.0 wird zumindest eine gewisse Zeit noch weiterhin parallel zu Biodentine XP im Handel erhältlich sein.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Mit System

Beim Blick auf das von der überweisenden Kollegin angefertigte Einzelbild waren zeitgleich zwei Gedanken in meinem Kopf. 1. Tolle Herausforderung. 2. Und wenn’s nicht klappt?

Klinisch stellte sich die Situation so dar, dass Zahn 45 bereits in eine viergliedrige Vollkeramikbrücke einbezogen war. Nach Abnahme derselben zeigte sich, dass Teile der mesialen und die gesamte bukkale Wand nicht mehr vorhanden waren.

Somit galt es die erste Hürde zu nehmen und den Zahn kofferdamfertig umzuformen. Dazu habe ich ca. 1 mm koronal der definitiven Präparationsgrenze zunächst einen zirkumferenten Kompositbauch gestaltet um dann eine Butterflyklammer anzubringen.

Aus dem präoperativen DVT ging hervor, dass Zahn 45 rotiert war und über eine beeindruckende Krümmung nach mesial, sowie eine deutliche Krümmung nach bukkal verfügte.

Die sekundäre Zugangskavität wurde daher nach lingual und distal extendiert, um mit einer vorgebogenen ISO 008 Handfeile das Foramen zu erreichen. Zwar ließ sich diese über die initiale Krümmung führen, die Endometrie zeigte jedoch noch einen großen Abstand zum Foramen an.

Daher habe ich auf den im TriAutoZX2 verbauten OGP-Modus zurückgegriffen. Dabei wird die Feile -eine EndoWave 10/02- mit 500 U/min bewegt und zwar in einer Bewegung in der nach 90 Grad rechts, 90 Grad links, 90 Grad rechts eine 180 Grad Linksdrehung erfolgt.

Im ab Juni erhältlichen TriAutoZX2+ wird der OGP2-Modus verfügbar sein, der ein sicheres Aufbereiten enger und stark gekrümmter Kanäle noch einmal deutlich vereinfacht.

Nachdem die 10/02 auf 19 mm eingebracht werden konnte, habe ich endometrisch die Arbeitslänge kontrolliert und siehe da: Patency!

Nun galt es diesen Pfad allmählich zu erweitern. Mein Konzept dabei: 10/02, 15/02 EndoWave im OGp-Modus. Dann 15/03 HyFlex, 15/04HF, 20/04 HF, 25/04 HF bis auf ersten Widerstand, 20/06 HF bis AL, 25/04 HF bis AL und abschliessend die 25/06 HF auf AL. Zwischen jeder Feile miit der ISO 008 Handfeile die Durchgängigkeit sichergestellt.

Blieb abschliessend, nach erfolgter Obturation, nur noch der adhäsive Aufbau zu modifizieren, damit die Brücke wieder korrekt in situ gebracht werden konnte.

Die Zukunft der dentalen Fortbildung ist virtuell ? Ich bin nicht sicher …

Diese Woche habe ich eine Fortbildung via Zoom – Konferenz gegeben.
Eine Fortbildung, die ich vermutlich in echt nie gehalten hätte.

Weil der Tagungsort in der realen Welt 200 KM von meinem Zuhause entfernt gelegen hätte. Und ich mich an einem Dienstagabend, nach Praxisschluss, mangels Zeit nie auf den Weg machen würde.

Statt also 4 – 5 Stunden auf der Autobahn zu verbringen, musste ich zu Hause nur meinen Computer einschalten. Auch den ZuhörerInnen blieben An-und Abreise erspart.

Alles Eitel Sonnenschein also ?
Nicht ganz.

Denn die Interaktion in der Sache ist eine ganz andere.
Was im direkten Gespräch mit seinem direkten Gegenüber oder in einer Kleingruppe unproblematisch sich darstellt (Zoom hat den Traum des Video-Telefonats Wirklichkeit werden lassen), lässt in größerem Rahmen und als Fachvortrag Probleme sichtbar werden. Das fängt schon damit an, dass das Vortragsmedium „Apple Keynote“ nicht wie gewohnt eingesetzt werden kann. Bei einem konventionellen Vortrag gibt es zwei Bildschirme. Die „Leinwand“ für das Auditorium, die den eigentlichen Vortrag wiedergibt. Und den Moderator-Monitor. Er zeigt mir die Redezeit bzw. die zur Verfügung stehende Restzeit des Vortrags an. Zeigt zusätzliche Notizen für den Vortrag. Die nächste Folie im Sinne einer Vorschau, so dass ich meinen Redefluss anpassen kann. Es fehlt die Möglichkeit, auf der Präsentationsleinwand mittels Laserpointer Dinge hervorzuheben. Auch erläuternde Gesten sind im Minivideobild des Vortragenden nicht wirklich gut zu erkennen, zumal die Videokamera ohnehin nur ein weitwinkliges, perspektisch verzerrtes Porträt des Redners präsentiert. Zeichnungen an der Flipchart ? Auch Fehlanzeige.

Das Schlimmste aber – Es fehlt jegliche Möglichkeit der Interaktion mit den Teilnehmenden. Wird das, was ich erzähle, verstanden? Sehe ich Zustimmung ? Oder fragende Gesichter? Muss ich Dinge erläuternd ergänzen? Kann ich über Bekanntes schneller hinweggehen?

Rückblickend muss ich sagen – ein solcher Vortrag erinnert mich an eine Vorlesung im Studium. Wissen wird abgespult. Die Teilnehmenden sind bestenfalls Zuhörer, die in der Pflicht stehen, sich Notizen zu machen. Am Ende stehen alle auf und gehen nach Hause, was der einzige aktive Akt ist, das Publikum betreffend, auch wenn nach Ende des Vortrags ein paar Fragen abgearbeitet werden.

Mag ich das ? Will ich das ? Eigentlich nicht. Eigentlich gar nicht.

Wie gut daher, dass wir es bei
DIE 3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER reden über…

ganz anders machen.


Und wie schön, dass ich nun vermelden kann, dass die Anmeldung über die Morita acedemy ab sofort nun möglich ist. Einfach hier klicken, dann geht es zur Homepage.

Was erwartet den die Teilnehmenden ?
Hier noch einmal eine Zusammenfassung:

DIE 3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER reden über…Wurzelkanalaufbereitung.

Eine neue Art der Fortbildung. Ein neues Vortragskonzept. 

Mehr als 90 Jahre Berufserfahrung bringen DIE 3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER ein.
Es wird kontrovers diskutiert. 

In allen Einzelheiten. 

Dinge erzählt, die sie auf einem konventionellen Fortbildungs-Kongress nie hören werden.
Denn allzuoft heisst es dort: „Keine Zeit für die Details“. „Keine innovativen Strategien, wir müssen auf die Studienlage Rücksicht nehmen“. „Nur ein Überblick, um Einsteiger nicht zu überfordern“. 

Am Ende, nach 45 Minuten Tagungsvortrag wurde viel Bekanntes und nur wenig Neues vorgetragen. 

DIE 3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER  finden, das geht besser. 
Werden es Ihnen demonstrieren. 

DIE 3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER gehen neue Wege. 

Im kontroversen Zwiegespräch der Referenten untereinander. Im Dialog mit den Teilnehmern. Kritisch in der Sache. Immer praxisrelevant. Damit Sie den endodontischen Fortschritt in die eigene Praxis tragen können. 

DIE 3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER diskutieren.

“Warum machst Du das so ? Und nicht anders ?“

“Ich zeig Euch jetzt mal, wie ich das mache!“ 

„Hiermit bin ich auf die Nase gefallen…“ „Das hab ich gelernt in all den Jahren !“ 

„Mein Geheimtipp in schwierigen Situationen !“ 

DIE 3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER nehmen sich die Zeit. 

8 Stunden lang. 

Vorgestellt werden drei über viele Jahre hinweg  bewährte und stetig weiteroptimierte Arbeitskonzepte, die Wurzelkanalaufbereitung betreffend. Dabei geht es nicht nur um die Arbeitsvorgänge an sich, sondern vor allem auch darum, wie sich aus vielen kleinen Einzelschritten ein stimmiges Gesamtkonzept entwickeln lässt, welches das endodontische Arbeiten erleichtert und verbessert und obendrein den hohen Anspruch an die Behandlung in der Innen- und Aussenkommunikation sichtbar werden lässt.

Interesse geweckt? 

Dann anmelden
für

DIE 3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER reden…über Wurzelkanalaufbereitung.

Samstag

07. Oktober 2023 09:00 – 17:00 Uhr 

Bad Kreuznach, Haus des Gastes, Rudi-Müller Saal

Und schon abends zuvor mit uns zusammensitzen beim Get Together.

Freitag
06. Oktober 2023, ab 18 Uhr 

In der „Weinwelt im Dienheimer Hof“, Mannheimer Str. 6, Bad Kreuznach.

Um zu essen, zu trinken und zu reden.
Über ENDO. Über Vergangenheit und Zukunft. Über Gott und die Welt. 

Wie man es tut, wenn Gleichgesinnte, wenn Freunde zusammenkommen. Freunde von WURZELSPITZE. Junge Endo-Begeisterte.  Alte Endo-Hasen. 

Dabei sind dann auch Benno der Landmetzger, mit Streetfood aus dem Vespa-Dreirad. Das passt wunderbar zur Weinprobe mit Premium-Weinen von der Nahe.

Lernziele

Wie kann ich erfolgreich Wurzelkanäle auch in schwierigen, herausfordernden Situationen

  • sicher
  • vorhersagbar
  • präzise
  • effizient aufbereiten ?

Welche vorbereitende Maßnahmen für den endodontischen Behandlungserfolg sind obligat ?

  • Häufige Ursachen für den Misserfolg 
  • Wie ich diese Fallstricke von vorneherein vermeide

Entscheidungshilfen Praxisausstattung

  • empfehlenswerte Arbeitsgeräte
  • empfehlenswerte Instrumente
  • empfehlenswerte Arbeitsmaterialien

Der endodontische Workflow am Beispiel dreier praxisbewährter Spezialisten-Konzepte

  • Endodontische Arbeits-Techniken im Detail
    • Konzept Hans-Willi Herrmann vs. 
    • Konzept Christoph Kaaden vs. 
    • Konzept Jörg Schröder

Ergonomie der Wurzelkanalaufbereitung

  • Ergonomie der Arbeitsplatzgestaltung
  • Ergonomie der Arbeitsabläufe
    • Vierhändiges und sechshändiges Arbeiten im Team

Als  Lernziel dieser Fortbildung sollen die Teilnehmer nach Abschluss der Veranstaltung in der Lage sein, Wurzelkanäle in schwierigen, herausfordernden Situationen sicher, vorhersagbar, präzise und effizient aufzubereiten.

Ein weiteres Lernziel ist das Etablieren  obligater vorbereitender Maßnahmen für den endodontischen Behandlungserfolg sowie das Vermeiden häufiger, meist unerkannt bleibender Ursachen für den Misserfolg.

Die Teilnehmer sollen außerdem Entscheidungshilfen für die Praxisausstattung erhalten, indem ihnen empfehlenswerte Arbeitsgeräte, Instrumente und Materialien vorgestellt werden.

Der endodontische Workflow wird am Beispiel dreier praxisbewährter Spezialisten-Konzepte behandelt, wobei der Fokus insbesondere auf die detaillierter Darstellung  einzelner Arbeitsschritte  liegt, damit der Teilnehmer im Nachgang diese Vorgehensweisen in eigener Praxis erfolgreich umsetzen kann.

Die optimale Gestaltung der endodontischen Zugangskavität steht ebenfalls im Fokus der Fortbildung, wobei besonderer Wert auf zahnschonende, mikroinvasive und arbeitserleichternde Techniken gelegt wird.

Ein weiteres Lernziel ist die präzise und zuverlässige Längenbestimmung auch in herausfordernden Situationen, wobei das Patency-Konzept und das Apical Gauging näher erläutert werden.

Abschließend sollen die Teilnehmer lernen, wie sie die Ergonomie der Wurzelkanalaufbereitung verbessern können, indem sie endodontische Arbeitsplatzgestaltung und -abläufe optimieren und effizientes vierhändiges oder sechshändiges Arbeiten im Team praktizieren.

Ablaufplan 

09:00 Uhr

Begrüßung

Skizzierung des Themenkomplex „Wurzelkanalaufbereitung“ 

Zielsetzung der Fortbildung

09:20 – 09:40 Uhr

Einführung Arbeitssystematik System Jörg Schröder

09:40 – 10:10 Uhr

Einführung Arbeitssystematik System Christoph Kaaden

10:10 Uhr – 10:30 Uhr
Einführung Arbeitssystematik System Hans-Willi Herrmann

10:30 Uhr
Kaffeepause

11:00 – 12:30 Uhr
Endodontischer Workflow „Aufbereitung“ im Detail – System Hans-Willi Herrmann

12:30 – 13:30 Uhr
Mittagspause

13:30 – 15:00 Uhr
Endodontischer Workflow „Aufbereitung“ im Detail – System Christoph Kaaden

15:00 – 15:30 Uhr
Kaffeepause

15:30 – 17:00 Uhr
Endodontischer Workflow „Aufbereitung“ im Detail – System Jörg Schröder

17:00 Uhr 

Resümee, abschliessende Diskussion 

Fälle – Fotona SkyPulse Versa (5)

Der Patient kam mit latenten Beschwerden. Der Zahn 45 wurde mit einer suboptimalen Kronenversorgung prothetisch rehabilitiert. Klinisch zeigten sich kein Aufbißbeschwerden und keine Schmerzen auf horizontale und vertikale Perkussion. Der Lockerungsggrad ist 0-1. Die Sondierungstiefen sind erhöht und lagen im Bereich 3-4mm.
Der HZA hatte den Zahn bereits anbehandelt und Ledermix als Med eingebracht.
Wir sollten den Zahn unbedingt erhalten.
Der Fall schien nicht besonders schwer zu sein – vom Schreibtisch aus betrachtet.

In diesem Fall hatten wir das Problem, daß der Patient an Morbus Parkinson leidet und dazu eine eingeschränkte Mundöffnung hat.
Ein angefertigtes DVT war auf Grund von Bewegungsartefakten nicht befundbar. Wir hatten dies in der Behandlung versucht, da multiple Kanalstrukturen sondierbar waren.

Durch den Parkinson typischen Tremor war das Sondieren mit vorgebogenen Instrumenten sehr schwierig, ebenso gelang es nur sporadisch den Eddy und die Spülkanüle „einzufädeln“. Die Sweeps Spitze des Skypulse ließ sich einfacher zusammen mit der Natriumhypochlritspülung in der Zugangskavität halten.
Wir hofften hier auf die Wirkung von Sweeps. Wir setzten Sweeps Cleaning für je 2x 30 Sekunden ( 20 mJ/600mW/15Hz ) / Sitzung mit Zitronensäure 10% und NaOCl 3% ein.

Die Aufbereitung gelang mit Wave One Instrumenten, der Gleitpfad wurde handinstrumentiert.
Die apikale maximale Aufbereitungsgröße betrug #25.
In diesem Fall haben wir auch bereits das erste Recall. Der Patient ist völlig beschwerdefrei.



Zahn 25 Zustand nach WSR – Macht hier die erneute endodontische Behandlung noch Sinn ? (III)

Über den Zahn 25 wurde schon hier und hier berichtet.

Kurze Rekapitulation. Zweimalige WSR, erneute Fistelbildung, die nach unserer Therapie (WF- Revision, „geduldige Desinfektion mit potenten Desinfektionsmitteln“ um Rüdiger Osswald zu zitieren (kein CHKM…SMILE) als Spülung und medikamentöser Einlage. Die Fistel verschwindet und in den Zahnfilmen zur Nachkontrolle zeigt sich eine knöcherne Regeneration.

Das war der Stand bis zum 09. 03. 2023.
Zwischenzeitlich war der Zahn 26 auf Grund einer Beschwerdeproblematik ebenfalls endodontisch behandelt worden. Auch diese Behandlung verlief komplikationsfrei.

Dann der Anruf des Patienten, er habe Schmerzen.

Bei der persönlichen Vorstellung stellt sich die Situation wie folgt dar: Vor einigen Tagen starke Schmerzen in regio 26. Der Zahn sei stark aufbissempfindlich gewesen. Seine Frau, Oralchirurgin, habe den Zahn 26 eindeutig als Schmerzauslöser identifiziert und auch er sei sich zu 100 Prozent sicher, daß der Zahn 26 der Schmerzauslöser sei. Er selbst habe, da die Schmerzproblematik im Urlaub aufgetaucht sei, 2 mal Antibiotika genommen sowie Ibuprofen.

Beim Klopftest zeigen sich Zahn 25 und 27 ohne Befund. Der Zahn 26 reagiert minimal klopfempfindlich. Der Sensibilitätstest an Zahn 27 zeigt nach 2 Sekunden eine sehr geringe, eher fragliche Reaktion.

Die zweidimensionale Röntgenaufnahme ergab, wie so oft in solch komplexen Fällen keinen eindeutigen Hinweis. Zahn 25 präsentierte sich gegenüber dem Ausgangsbefund wunderbar verbessert, aber angesichts des vorliegenden Zahnfilms die Situation als knöchern vollkommen 0ausgeheilt zu bezeichnen, wäre doch dem Wunsch als Vater des Gedankens zu sehr entsprochen zu haben. Ähnlich die Situation an Zahn 26. Auch dieser erscheint im Zahnfilm unauffällig, aber sollte es man angesichts der geschilderten Schmerzproblematik darauf beruhen lassen ?

Was zeigte nun das DVT ?

Zunächst einmal – sehr erfreulich – dass in der Tat bei Zahn 25 eine vollkommene knöcherne Konsolidierung eingetreten war. Angesichts des ungünstigen Ausgangsbefundes mit zweimaliger erfolgloser WSR und im Hinblick auf den Verlust der vestibulären Knochenlamelle im Resektionsbereich ein bemerkenswerter Befund. Die nächste gute Nachricht. Der Zahn 26 präsentiert sich, die periapikale Knochensituation betreffend, absolut einwandfrei. Eine WSR ist definitiv nicht indiziert und der Zahn 26 kommt sicherlich für die geschilderte Beschwerdeproblematik genauso wenig in Frage wie der Zahn 25. Daran ändert auch nichts, dass der apikale Verschluss mit MTA das untere Ende der Wurzel teilweise nicht ganz erreicht.

Ein eindringliches Bespiel dafür – mein Merksatz aus „The Transporter“ – Der Plan wird nicht geändert ! – sich strikt an das über viele Jahre erprobte eigene Behandlungsprotokoll zu halten. Wie schon erwähnt hatte ich beim Patienten aus religiösen Gründen auf ein porcines Kollagen als apikales Gegenlager verzichtet und dann, angesichts des großen periapikalen Knochendefektes, um eine massive Überpressung zu vermeiden, zu behutsam, mit zu wenig Druck das MTA nach apikal befördert.

Ohne Frage – Geheilt ist geheilt !
So what ? Ich müsste mir also keine Gedanken machen. Tu ich aber trotzdem. Und sicherlich werde ich beim nächsten Mal in ähnlicher Situation mit viel mehr Vehemenz auf die Verwendung einer apikalen Barriere pochen.

Zurück zur Frage: Wo kamen den nun die Schmerzen her ?
Im neuesten Zahnfilm ist erstaunlicherweise relativ wenig zu sehen, aber der Zahn 27 zeigte in den früheren Aufnahmen eine nicht unerhebliche Aproximalkaries distal. Ich war froh, dass ich in der Behandlungsdokumentation schon vor Jahren diese Karies erwähnt und dem Patienten eine zeitnahe Therapie bei der Hauszahnärztin angeraten hatte. Auf Nachfragen gab der Patient zu, er habe meine Ermahnung nicht vergessen, es aber aus Zeitgründen bislang versäumt, den Zahn 27 konservierend behandeln zu lassen.

Meine Vermutung: Nicht der Zahn 26, sondern der Zahn 27 war für die Beschwerdeproblematik verantwortlich. Zum Zeitpunkt der Untersuchung war der Patient schmerzfrei. Ich bin gespannt, ob er nun zeitnah den Zahn 27 einer adäquaten Therapie zuführen wird.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Horizontalfraktur Zahn 15

Mitunter fördert das DVT auch sehr seltene Befunde zu Tage.

Der 60-jährige Patient gab an, vor wenigen Wochen für etwa 5-6 Tage eine deutliche Missempfindung im Bereich von Zahn 15 erlebt zu haben, die mittlerweile vollkommen abgeklungen sei.

Das alio loco angefertigte Einzelbild ließ bereits ein Frakturgeschehen vermuten, dessen Ursache in einer sehr engen okklusalen Beziehung des Zahnes 15 zu seinem Gegenüber liegen muss.

Klinisch imponierten massive Mesio- und Laterotrusionsfrühkontakte, jedoch weder eine erhöhte Sondierungstiefe noch eine erhöhte Mobilität.

Das DVT zeigt, dass die Horizontalfraktur sich im Bereich der palatinalen Wurzel ereignet hatte und dass dieser Bereich frei jeglicher Pathologie ist. Meine Empfehlung an den Patienten: Harmonisierung der dynamischen Okklusion und abwartendes Verhalten.

RET – Recall nach 11,5 Jahren

Im Verlauf unseres letzten DGET-Studiengruppentreffens kam die Sprache auf RET-Behandlungen. Die Meinungen dazu gingen ein wenig auseinander. Unter anderem wurde erwähnt, dass eine sehr bekannte niederländische Kollegin – die ich im übrigen sehr schätze – der RET gegenüber eher ablehnend gegenüber stünde. Daraus wurde eine Skepsis gegenüber der Massnahme an sich abgeleitet.

Da passte es doch gut, dass gestern diese Patientin, die im Alter von 7,5 Jahren ein Frontzahntrauma erlitten hatte, bei uns zum Recall vorstellig wurde.

11,5 Jahre nach der Behandlung aus meiner Sicht ein vollständiger Erfolg. Die ehemals vorhandene infektionsbedingte externe Resorption arretierte, das Wurzeldickenwachstum schritt voran und der Zahn wurde vollkommen unproblematisch kieferorthopädisch bewegt.

Wie Christoph schon anmerkte: „Geht schlechter, würde ich sagen…“

Schwellung und RET in bewegten Bildern – Recall

Erinnern Sie sich noch an die hier beschriebenen Behandlungen von Vincent?

Gestern war der nun Zehnjährige zur von allen mit Spannung erwarteten Nachkontrolle bei uns…

aber sehen Sie selbst…

Geht schlechter, würde ich sagen…

:-)))

Verlaufskontrolle mal anders…

Eine Patientin stellte sich bei uns mit der Problematik einer Pansinusitis links vor.

Der Zahn 26 wurde vor 2020 bereits endodontisch behandelt, zeigt eine unvollständige Wurzelfüllungen und mesial apikal eine hyperdense, weichteildichte, abgegrenzte Struktur im Sinne einer P. apicalis.
Der Zahn 27 imponiert 2023 mit einer P. apicalis palatinal apikal mit Verbindung zum Sinus maxillaris.
Das erinnert mich an die Darstellungen von Meeresbewohnern die an Korallen anhaften.
Ein Kopf DVT von 2020 zeigte bereits vor einigen Jahren die Befunde in geringerer Form. Die HNO Ärzte hatten den Befund nicht weiter gegeben, bzw. nicht erkannt. Es wurde zwar ein Kieferchirurg konsultiert, der erkannte angeblich keinen pathologischen Befund an den Zähnen.

CHAT GPT und Zahnmedizin – Ist der Hype um die KI gerechtfertigt ? (II)

Was sehen wir hier ? Weiss die KI die Antwort ?

Spät am Abend.
Die Zeit ist fortgeschritten auf der Geburtstagsfeier, als das Thema auf KI und ChAT GPT kommt. Der anwesende Informatiker kommt ins Schwärmen. Er habe kürzlich für einen Kunden, einen Spa-Betreiber, den Text für dessen Homepage von CHAT GPT erstellen lassen. Ein paar Textbrocken nur habe er vorgegeben und Augenblicke später habe die KI einen fein formulierten Werbetext ausgespuckt, den er ohne Korrektur habe übernehmen können. Mindestens eine halbe Stunde habe ihm das gespart, zumal er ohnehin nicht so gut im Formulieren sei.

Er führt es vor.
Und ich gebe zu, es ist sehr beeindruckend.
Live zu verfolgen, wie aus dem Nichts heraus, nach kurzem Innehalten – nach 3 Sekunden- das gewünschte Ergebnis auf dem Bildschirm erscheint.

Der IT´ler schwärmt weiter.
Die KI sei auch in der Lage, Fotomaterial für die Homepage zu erstellen.
Bald müsse man nicht mehr irgendwelche Lizenzen für Fotos erwerben. Oder teure Fotografen beauftragen. Sondern man könne sich das gewünschte Bild generieren lassen. Ein Paar Hand in Hand. Das vor einer Bergkulisse am Horizont und dem Schwimmteich im Vordergrund in den Sonnenuntergang schaut. Dalli Klick. Ein Kinderspiel.

Klingt toll.
Ich berichte von meinen Erfahrungen mit CHAT GPT.
Erzähle von der Vielzahl falscher, erfundener Antworten.

Der IT´ler weiss, warum.
Wurzelkanalbehandlung sei nun mal ein Spezialthema.
Und die KI greift auf in ihrer Datenbank gespeicherte Informationen zurück.
Wenn also ein Thema nunmal selten sei ….

Ich antworte: „Dann erwarte ich, das die KI mir als Ergebnis zurückgibt, ich habe nicht genügend Wissen, um eine verlässliche Aussage treffen zu können.“

Der ITler erwidert: „Aber genau so sei die KI eben nicht angelegt. Sie sei programmiert, immer eine Antwort zu geben. Und wenn eben nicht genügend verlässliche Informationen in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, dann greift die KI halt auf das zurück, WAS ihr zur Verfügung steht.

Jetzt wird mir klar.
Mit dieser Vorgehensweise kann die KI immer eine Antwort geben.
Denn egal, wie spärlich die Datenlage nunmal sich darstellt – eine Antwort und sei sie noch so unvollkommen, ist immer besser als keine Antwort. So denkt der Informatiker. Ohne Antwort kann ich nicht weitermachen. Also BRAUCHE ich eine Antwort.

Das Problem ist nur: Wann weiss man, ob man sich auf die Antwort der KI verlassen kann oder nicht ?
Es scheint, dass bei Themen, bei denen die Antwort offensichtlich ist, die KI zwar zuverlässig antwortet, wir die Antwort aber gar nicht benötigen, weil diese auf der Hand liegt.Und das bei den schwierigen Themen, also gerade dort, wo wir die Hilfe benötigen, die KI uns keine zuverlässige Antwort geben kann. Dies aber trotzdem tut.

Auf die Medizin übertragen sieht das dann möglicherweise so aus: In den einfachen medizinischen Diagnosen liegt die KI richtig, aber wenn es um seltene Besonderheiten geht, dann spinnt sich die KI eine Diagnose zurecht, generiert eine Fehldiagnose. Anstatt zu sagen, „Moment einmal, hier stimmt möglicherweise was nicht…“

Was hingegen zeichnet den erfahrenen Kliniker aus ?
Das er sich in ungewöhnlichen Situation an Besonderheiten erinnert, die von der Norm abweichen. Und damit sein menschlicher Algorithmus sich vollkommen konträr zur KI verhält.

Ich spanne den Bogen zur Endodontie.
Elektrische Längenbestimmung, Apexlokatoren.

Wir wissen, dass die Geräte heutzutage sehr genau messen.
Aber es seltene Situationen gibt, in denen das Gerät falsch misst.
Kommt 2 oder 3 mal im Jahr vor, wo das Gerät richtig viel daneben liegt.

Der erfahrenen Kliniker merkt dies.
Und die KI ?
Interpretiert die unterschiedlichen Messwerte als gegeben und bildet einen Mittelwert.
Aber ist das die korrekte Länge ?
Wenn ich 10 mal 4 mm zu lang messe, dann weiss ich, die Messungen sind nicht zu gebrauchen. Was sagt die KI in einem solchen Fall?

Neben mir sitzt mein Freund Benno, der Landmetzger.
Er erzählt, das grosse Bäckereien jetzt auch auf die KI setzen.
Die ihnen sagt, wieviele Brötchen sie zwischen 12 Uhr und 13 Uhr backen sollen.
Benno lacht: „Dafür brauche ich keine KI. Ich weiss selbst, wieviele Würste pro Tag ich in den Geschäften haben muss. Das nennt man Berufserfahrung!


Und birgt genau das Alles nicht zwei grosse Gefahren, die KI in der Medizin betreffend ?
Berufserfahrung erlangt man durch „Machen“.
Es liegt auf der Hand, dass jemand, der eine bestimmte Tätigkeit nicht (mehr) ausübt, Fähigkeiten nicht erlangt oder diese verliert.

Ein Gehirn verhält sich im übertragenen Sinne wie ein Muskel.
Der atrophiert, wenn er nicht benutzt wird.

Kopfrechnen ?
Vor 60 Jahren verinnerlicht, dann kamen die Taschenrechner.
Rechtschreibung ? Kommasetzung?
Mit den Smartphones hinfällig geworden. Das sehen wir mittlerweile Tag für Tag. Überall. Schreibfehler in den Tageszeitungen. Im Fernsehen in Schaubildern der Tagesschau.

Und jetzt die KI als medizinischer Diagnostiker.
Herbeigesehnt von all denen, die nicht (mehr) in der Lage sind, eine klinische Anamnese durchzuführen und die richtige Diagnose zu stellen. Zum einen, weil man eine Diagnose bekommt, die man selbst nicht stellen kann. Zum anderen – wer keine adäquate Diagnose mehr stellen kann, weil er die Fähigkeiten dazu nicht erworben hat oder meint, diese nicht erwerben zu müssen, der ist natürlich froh, wenn ihm die KI nicht nur diese Diagnose per se, sondern damit auch die Verantwortung für die Entscheidung abnimmt: Gott sei Dank – ich muss keine eigenen Entscheidungen mehr treffen. Und eventuelle Fehlentscheidungen? Hab nicht ich, sondern die KI getroffen.

Eine Abwärtsspirale.
Je weniger Entscheidungen getroffen werden müssen, umso mehr gehen die Fähigkeiten, die benötigt werden, um solche Entscheidungen überhaupt treffen zu können, verloren. Und umso abhängiger werden wir von denen, die solche Entscheidungen für uns treffen.

Irgendwann kommt dann der Tipping Point.
Das wir Fehlentscheidungen der KI hinnehmen müssen, weil es keine Möglichkeiten mehr gibt, eigene Entscheidungen zu treffen. Oder niemand mehr da ist aus Fleisch und Blut, der diese Entscheidungen treffen kann. Könnte in naher Zukunft schon passieren: Wenn es auf dem Land keinen Hausarzt mehr gibt, der in der Nacht Hausbesuche macht, wenn jemand dringend krank ist. Und wenn die befragte KI dann angibt, der Erkrankte möge wegen der heftigen Kopfschmerzen erst mal Ibuprofen nehmen, weil das in 99,8 Prozent der Fälle hilft, dann stehe Gott dem Patienten mit dem gerissenen Hirmaneurysma bei.

Die KI für belanglose Werbetexte und lustige Bildchen ?
Habt Spass damit !

Für alle kritischen Entscheidungen des menschlichen Lebens – es wäre vermessen und naiv zu glauben, das dies funktioniert.
Und auf Anhieb schon gar nicht.

Der kluge Mann – setzt all dies extrem zurückhaltend und restriktiv ein.
Was macht unsere Politik ?

Ich vermute mal, das genaue Gegenteil. „Ach, was soll schon schiefgehen …“

„Das ist also das Schiff, von dem es heißt, es sei unsinkbar.“ – „Es ist unsinkbar! Gott selbst könnte die „Titanic“ nicht versenken!“