Der Herbst bringt neue Instrumente/Geräte/Materialien (5) – RepliDens Übungszähne

von Hans-Willi Herrmann

Jeder Endokurs- Teilnehmer weiss es.
„Üben, üben, üben“ ist das Geheimnis des Kurserfolges.

Aber womit ?
Die üblichen Plastikblöcke sind  vollkommen realitätsfern und für Aufbereitung und Wurzelfüllung (über die Tatsache hinaus, dass sie das im Zahn verborgene Arbeiten  sichtbar machen) nur sehr unvollkommen geeignet. Sie geben zudem ein falsches Bild ab, weil Übungserfolge damit viel viel schwieriger zu erreichen sind als am realen Zahn in vivo oder in vitro.

Wesentlich besser geeignet wäre demnach der natürliche Zahn.
Aber im zahnmedizinischen Zeitalter der Zahnerhaltung ist es (Gott sei Dank) immer schwieriger, geeignete Zähne in ausreichender Zahl zur Verfügung zu haben. Diese wiederum sind höchst individuell, ein Übungseffekt, wie er sich an Plexiglasblöcken durch wiederholtes Bearbeiten einer standardisierten Situation in der Regel schnell einstellt, ist hier in gleichem Maße nicht gegeben. Und allzuoft sind diese Zähne (aus unterschiedlichen Gründen) nicht annähernd so zu gebrauchen, wie wir es uns wünschen würden.

Zwischen diesen beiden Extremen positionieren sich Übungszähne aus Kunststoff wie der 2010 hier schon vorgestellte Übungszahn von VDW oder der „TrueTooth“- Zahn von Steve Buchanan. Gerade letzterer, auf der Basis von Micro CT Daten erstellt, wurde am letzten Wochenende in einem Vortrag auf der 4. Jahrestagung der DGET in Hamburg als wertvolles Hilfsmittel genannt.

Dem ist auch so – allerdings dürfte vermutlich diese Aussage  demnächst eine Relativierung erfahren, denn in Kürze steht mit dem RepliDens der Schweizer Firma Smartodont gewissermassen die 3. Generation solcher Übungszähne zur Verfügung.  Und um es vorwegzunehmen. So nah dem Original war bislang noch kein mir bekanntes nicht natürliches Übungsobjekt.
Mir lag das Modell eines  Unterkiefermolaren in transparenter und opaker Form vor, zum Preis von jeweils 15 Euro. Erstellt auf Basis von MicroCT- Daten und „handwerklich“ hervorragend ausgearbeitet.

RepliDens-1Der Zahn sieht toll aus.
Wäre er farblich in Schmelz und Dentin noch angepasst, er wäre von einem natürlichen Zahn nicht zu unterscheiden. Konnte man am TrueTooth- Zahn (zumindest in den Versionen, die mir bislang vorlagen) noch eine leichte Oberflächenrauhigkeit erkennen, die Aufschluss über die 3D- Print- Herstellung gaben, so sieht der RepliDens, mit etwas Abstand betrachtet, wie ein echter Zahn aus, der lediglich vielleicht ein wenig zu lange in Wasserstoffperoxid gelegen hat. Gratulation an die Macher dieses Produktes für die tolle Umsetzung! Ich hoffe, daß schon möglichst bald noch weitere anatomisch interessante Varianten auf den Markt gebracht werden.

Einen Wermutstropfen gibt es.

Die transparente Variante ist aus relativ weichem Kunststoff gearbeitet.
Nicht nur die ISO 10er -Feile im apikalsten Wurzelkanalbereich, auch die Daumennagelprobe von aussen erzeugt leicht Riefen. Hier würde ich mir für weitere Evolutionsstufen einen etwas festeren Kunststoff wünschen, um die Gefahr von artifiziellen Wurzelkanalbildungen beim Einsatz von WK- Instrumenten im apikalen Bereich des Kunststoff- Wurzelkanals zu minimieren.

Der opake Übungszahn ist aus augenscheinlich härterem Kunststoff gefertigt und scheint nicht betroffen davon.

Von mir noch ein Vorschlag für Handson-Kurse.

Man beginne mit dem opaken Zahn, danach versuche man sich an der transparenten Variante Wer es dann, mit  der zwischenzeitlich gewonnenen praktischen Erfahrung wirklich wissen will, übt abschließend noch mal einen an einem weiteren opaken Zahn.

Viel Spass dabei !

 

 

 

 

Übungszahn – als Werbemittel

von Christian Danzl

letzte Woche findet ein Schreiben eines endodontisch tätigen Kollegen aus dem benachbarten Ausland über Umwege zu mir in die Praxis. Im Schreiben bietet er seine endodontischen Dienste an. Dabei waren natürlich Visitenkarten und auch ein Übungszahn von VDW mit einem 006 Reamer als Anschauungsobjekt.
Der hier beschriebene obere Molar hat 3 eingefärbte (mb, db und p), und einen nicht eingefärbten Wurzelkanal (mb2). Der mb2 ist auch nicht ohne weiteres zu finden und auch nicht zu katheterisieren – wie im richten Leben eben auch so oft.

Ich finde die Idee, einem Schreiben zur Akquise von neuen Überweisern, so ein Anschauungsobjekt beizulegen, gar keine so schlechte Idee, da so ein Übungszahn wahrscheinlich nicht so schnell im Papiermüll verschwindet, wie ein Schreiben alleine, und vielleicht noch ein paar Tage auf dem Schreibtisch liegen bleibt.
Und – sollte sogar etwas damit „herumgespielt“ werden – bleibt er vielleicht auch noch ein wenig im Kopf.

Blick in die Trepanationsöffnung

Blick in die Trep-Öffnung mit dargestelltem mb2

mb2 aufbereitet bis ISO 40

mb2 katheterisiert

mb2 unbehandelt