Saving Hopeless Teeth (XXXII)

von Ronald Wecker

In dieser Rubrik gehören Zähne die nach ein- oder zweimaliger Wurzelspitzenresektion einer orthograden Revisionsbehandlung unterzogen werden schon fast zum guten Ton.

Der Entfernung aller vorhandener Obturationsmaterialien kommt dabei in große Bedeutung zu, da sie als potentiell kontaminiert angesehen werden müssen. Während die Entfernung intrakanalärer Fremdmaterialien unter dem Dentalmikroskop in der Regel vorhersagbar möglich ist, wird zur Entfernung retrograder Füllungsmaterialien in den meisten Fällen ein genaue räumliche Lagebestimmung benötigt.

In vorliegendem Fall befinden sich die retrograden Füllmaterialien unter der mesialen Wurzel nicht unterhalb der Foramina sondern distal und palatinal derselben. Die hochauflösende präoperative 3D-Röntgendiagnostik versetzt den Behandler in die Lage durch gezieltes Abtragen kleinster Mengen Zahnhartsubstanz die retrograden Materialien zumindest in Teilen zu visualisieren.

Das Entfernen nicht vollständig sichtbarer Anteile kann dann mittels vorgebogener Ultraschallfeilen oder durch stark vorgebogene Handinstrumente wie Microopener oder Microdebrider erfolgen.

In vorliegendem Behandlungsfall bestanden auch 6 Monate nach der zweiten chirurgischen Intervention weiterhin eine deutliche Perkussionsempfindlichkeit sowie rezidivierende Schwellungen im Bereich der mesiobukkalen Wurzel von Zahn 26. In einer alio loco durchgeführten Notfallbehandlung wurden daher die orthograden Materialien entfernt und eine medikamentöse Einlage eingebracht. Da die Beschwerden persistierten wurde vom Vorbehandler ein DVT der gesamten Kieferregion empfohlen, welches die Patientin zum Beratungstermin mitbrachte.

Neben einem Guttapercharest im palatinalen Kanal fällt die Lage der retrograden Füllmaterialien in der mesialen Wurzel auf. Sie befinden sich ausserhalb der Wurzelachse und dichten das Neoforamen mit großer Wahrscheinlichkeit nicht ab.

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. In einer ersten Sitzung wurden nach Entfernung des im palatinalen Kanalsystem gelegenen Guttapercharestes die dort vorhandene intrakanlaäre Stufe überwunden und die retrograden Füllungsmaterialien entfernt. Bereits nach der medikamentösen Einlage mit CaOH2 klangen die Beschwerden innerhalb von 10 Tagen vollständig ab. In der zweiten Behandlungssitzung konnten die Kanäle in den resizierten Wurzeln nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA obturiert werden.

Das 6-Monats-Recall zeigt eine unauffällige Periapikalregion bei gleichzeitigem Fehlen jeglicher klinischer Symptomatik. Zahn 27 musste aufgrund einer irreversiblen Pulpitis in der Zwischenzeit ebenfalls endodontisch behandelt werden.

Sicher ein aufwändiges Vorgehen an einem mechanisch kompromittierten Zahn, dessen Entfernung zugunsten eines Implantates der Patient jedoch nach entsprechender Aufklärung abgelehnt hatte.

 

Do it yourself Microopener

von Hans – Willi Herrmann

Und noch eine Neuerung, die ich vom DGET – Curriculum aus Düsseldorf mitgenommen habe.

Ein Microopener – Griff, der es erlaubt, nach eigenem Gusto Instrumentenschneiden einzuspannen. Mit einem Preis kann ich leider nicht dienen, aber vielleicht hilft ein Blick auf die Hanchadent – Homepage weiter, denn dort ist der Griff erhältlich.

Und falls schon jemand damit gearbeitet hat, sind wir für ein Feedback via Kommentarfunktion dankbar.

Thermafil – Revision (2)

von Donald Becker

Nach Freilegung kann der Carrier mit einer Stieglitzzange (modifiziert) oder einer ähnlich grazilen, aber fest fassenden Zange durch Zug entfernt werden. Dazu sollte die Guttapercha noch erwärmt sein. Im vorliegenden Fall gelang dies nach der geduldigen und schonenden Präparation. Jedoch war ein Rest Guttapercha oberhalb des Foramen apikale im Granulationsgewebe verblieben. Die Entfernung von orthograd erweist sich oftmals als sehr schwierig, jedoch nicht unlösbar. Mittels eines apikalen Gauging sollte annähernd die Foramengröße ermittelt werden. Im vorliegenden Fall betrug diese 0.6 mm. Um den Guttapercharest zu erangeln, habe ich einen Microopener #10 (Maillefer) verwandt. Leider ist das Instrument in seiner Originalform nicht lang genug, um daran vorbeischauen zu können. Deshalb sollte dieses Instrument modifiziert werden.  Mit einer Flachzange wird das Arbeitsende direkt hinter dem Schaft abgebogen. Anschließend kann die vorhandene Krümmung begradigt werden. So erhält man ein deutlich längeres Instrument mit einer Arbeitslänge des Microopeners von 31 mm. Die Spitze habe ich leicht angewinkelt auf 1,5 mm Länge in Richtung der Lage des apikalen Fremdkörpers. Vor dem Einsatz des modifizierten Microopeners trockne ich den Wurzelkanal mit Microabsaugung, Papierspitze und anschließend mit einer Kanüle 30 an einem Stropkoirrigator. Jetzt ist es möglich, unter mittlerer – maximaler Mikroskopvergrößerung den Fremdkörper zu lokalisieren und zu erangeln. Dies sollte mit sehr leichtem Druck auf den Fremdkörper von apikal nach koronal erfolgen. Diese Technik funktioniert bei geringerem Durchmessser des Fremdkörpers zum apikalen Foramen. Nach einigen Versuchen konnte die Guttapercha entfernt werden. Anschließend erfolgte die weitere Aufbereitung und Desinfektion des Kanalsystems. Die abschließende apikale Wurzelfüllung erfolgte mit weißem ProRoot MTA (Densply)  auf 4mm Länge.

Anmerkung: Das Biegen des Microopeners wurde mir von Michael Arnold, Dresden vorgestellt.

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