Ghassan Yared wird seine Reziprok-Technik auf der Jahrestagung der DG-Endo vorstellen. Hier ein Video von der Aufbereitung eines 22. Ein Gleitpfad wurde vollrotierend mit einer Pathfile erstellt.
Es gibt Schmerzfälle, die sind einfach. Andere sind kompliziert und es erscheint schwierig, den richtigen Zahn aus einer Vielzahl potentiell möglicher Kandidaten herauszupicken.
Anbei die Röntgenaufnahme eines Patienten, der letzte Woche mit schlagartig aufgetretenen starken Schmerzen, so dass er direkt von der Arbeit weg einen Zahnarzt aufsuchen musste, in unsere Praxis kam.
Letzten Samstag war die Bayerische Fachdental. In München, wie jedes Jahr.
Was gibt es Neues zu berichten?
Hier eine nicht-repräsentative Auswahl:
Schlumbohm
Der Endo-Pilot von Schlumbohm hat mir immer schon gefallen. Aufbereitung, simultane Längenmessung und Warmabfülltechnik (Downpack und Backfill) in einem kompakten Gerät ist eine äusserst interessante Sache. Es reduziert die Geräte, die rumstehen, gewaltig und es gibt auch nur einen Fussanlasser.
Interessant ist auch die Möglichkeit verschiedene Endo-Boxen zu verwalten, der Endo-Pilot misst für jede ihm einprogrammierte Feile, die aufgetretene Belastung und rät bei Überschreitung der programmierten Lebenszeit zum Feilenwechsel (Feilenalarm).
Die Bedienung und Programmierung des Endo-Pilot erfolgt einfach und angenehm über Touch-Screen.
Zur DG-Endo JT in Berlin wird Herr Schlumbohm noch den Co-Pilot vorstellen. Dieser soll ein Akku-Pack beinhalten um von der Steckdose unabhängig zu werden und noch zusätzlich ein US-Gerät.
Leica Microsystems
Das neue Leica-Mikroskop M320 F12b hab ich mir angesehen. Die Verarbeitung ist teilweise (Arm), wie von Oscar von Stetten hier schon beschrieben (momentan) sehr durchschnittlich, allerdings seien es – wie mir bei KaVo und Henry Schein versichert wurde, Protptypen. Die „richtigen“ Exemplare sollen auf dem gewohnt hohen Standard sein.
Die Optik hat mir ganz gut gefallen, auch bei hohen Vergrößerungen
Das LED Licht ist nicht viel dunkler als die Xenon-Lichtquelle des Zeiss-Pico (zumindest im Vergleichsaufbau auf den Henry Schein-Stand), allerdings hatte das Xenon für mich im direkten Vergleich eine angenehmere Farbtemperatur
Die Feinfokussierung fand ich im Gegensatz zu OvS sehr gut, weil sie mit einem Finger funktioniert.
Die integrierte Video/Foto-Lösung in Kombination mit dem LED-Licht (kein Lichtleiter) gibt es keine störenden Kabel. Foto und Video (Mpeg 4) werden auf einer leicht zugänglichen SD-Karte gespeichert. Über eine Eye-Fi-Karte dürften die Daten auch ohne Umstecken schnell auf dem Rechner zur Weiterverarbeitung sein.
VDW
hat das Mtwo Feilensortiment um 4 Feilen erweitert. Neu sind 30/.06, 45/.04, 50/.04 und 60/.04.
Das Thema Kofferdam ist schier unerschöpflich. Deshalb machen wir an dieser Stelle weiter.
Die Brinkerklammer 4 haben wir im ersten Beitrag vorgestellt. Diese Klammer nutze ich sehr oft auch an oberen Frontzähnen. Dort gestaltet sich die notwendige Befestigung des Kofferdams mit einer „kräftigeren“ Klammer im Prämolarenbereich schwierig, insbesondere wenn noch ein Aufbissblock zur Unterstützung der Mundöffnung eingesetzt wird.
In diesen Fällen bietet sich die Wedjets an. Kurze Latexstückchen lassen den Kofferdam sicher im Aproximalraum halten.
Wedjets sind in drei Größen erhältlich: extra klein (blau), klein (gelb) und groß(orange).
Exakt 4 Wochen sind es noch bis zur Jahrestagung 2010 der DG Endo in Berlin, die dieses Mal im Rahmen des Vortragsprogramms gleich mit 2 Innovationen für den Bereich Wurzelkanalaufbereitung aufwartet: Über die eine, die neue „Reciproc“ – Feile, von Ghassan Yared und VDW entwickelt, ist noch so gut wie nichts bekannt. Ihre Markteinführung erfolgt in dieser Woche bei der IFEA 2010 in Athen.
Das zweite neue Instrument, die SAF -Feile, ist schon etwas länger im Markt zu finden und so liegen auch schon deutlich mehr Informationsmaterial und sogar erste Studien vor. Und zur SAF – Feile gibt es auch eine Digitalpräsentation, die einen ersten Einblick in die Arbeitsweise des Instrumentes gewährt, das offensichtlich mit der Bezeichung „Feile“ treffend beschrieben ist.
Wer darüberhinaus mehr wissen will, der sei auf den Vortrag von Prof. Zvi Metzger am 05.11.2010 in Berlin verwiesen.
Der 10 jährige Patient kam 3 Wochen nachdem in der Notaufnahme die avulsierten Zähne 21 und 22 reponiert und mittels TTS semirigide geschient worden waren erstmalig in unsere Praxis. Die extraorale Verweildauer beider Zähne betrug ca. 40 Minuten.
Die Zähne 11-22 waren nicht sensibel auf Kälte und EPT. 11 hatte zumindest eine Subluxation erfahren und war leicht diskloriert. Die Zähne 11-22 waren achsial perkussionsempfindlich. 12 war beschwerdefrei und reagierte normal auf Kälte und EPT.
Nach Entfernung der TTS wurde zeitnah die endodontische Behandlung der Zähne 21 und 22 eingeleitet, da eine Pulpanekrose bei der Dauer der extraoralen Lagerzeit (ca. 40 Minuten) sehr wahrscheinlich war und Zahn 21 im Apikalbereich bereits Anzeichen einer Resorption vermuten liess.
Nach einer CaOH2-Einlage erfolgte aufgrund der großen Foraminadurchmesser die Obturation mit MTA. Ein periapikales Widerlager wurde nicht angelegt. An 21 kam es bei der ultraschallunterstützten Verdichtung des MTA-Plug zu einer unbeabsichtigten Extrusion von MTA in den Periapikalbereich. Bei der Messaufnahme fällt distal an 22 bereits ein resorptive Veränderung auf.
Klinisch zeigte sich in den folgenden Wochen eine langsam wiederkehrende Sensibilität auf elektrischen Reiz sowie eine Rückbildung der Zahnverfärbung an Zahn 11.
21 imponierte mit einem metallischen Klopfschall, der jedoch beim 3-Monats-Recall vollkommen verschwunden war.
Röntgenologisch erscheint im mittleren Wurzeldrittel von 22 nach 3 Monaten das resorptives Geschehen bereits vergrößert. Das 6-Monats-Recallbild zeigt eine fast vollständige Zerstörung der Wurzel von Zahn 22. Der Bereich des mit MTA gefüllten Apex bleibt davon völlig unberührt.
Ob es eine nur durch das Ausmass der Schädigung der Wurzeloberfläche verursachte Resorption oder eine Kombination aus beschädigter Wurzeloberfläche und Durchbruchsbegehren von Zahn 23 war, wird wohl ein Rätsel bleiben.
Es bleibt zu hoffen, dass Zahn 21 von Ähnlichem verschont bleibt.
Cliff Ruddle war einer der Redner bei der VDZE Jahrestagung 2010 am letzten Wochenende in Wiesbaden.
Diejenigen, welche ihn zum wiederholten Male gehört haben, waren „wieder“ oder „immer noch“ begeistert. Und diejenigen, welche ihn zum ersten Mal hörten, waren dies sowieso.
Für alle anderen, die nicht in Wiesbaden waren, gibt es hier im Netz die Möglichkeit, eine ganze Reihe von Cliff´s Artikeln als PDF herunterzuladen.
Das kann die Gelegenheit, den Meister live zu erleben, nicht ersetzen, aber ist nichtdestotrotz ebenfalls interessant anzuschauen. Und was die in den Artikeln gezeigten Fälle angeht, gilt für mich immer noch, 17 Jahre nach meiner ersten „Begegnung“ mit einer seiner Publikationen, dass wohl niemand für seine endodontischen Behandlungsfälle den Titel „The Art of Endodontics“ mehr verdient als Cliff.
Nach Freilegung kann der Carrier mit einer Stieglitzzange (modifiziert) oder einer ähnlich grazilen, aber fest fassenden Zange durch Zug entfernt werden. Dazu sollte die Guttapercha noch erwärmt sein. Im vorliegenden Fall gelang dies nach der geduldigen und schonenden Präparation. Jedoch war ein Rest Guttapercha oberhalb des Foramen apikale im Granulationsgewebe verblieben. Die Entfernung von orthograd erweist sich oftmals als sehr schwierig, jedoch nicht unlösbar. Mittels eines apikalen Gauging sollte annähernd die Foramengröße ermittelt werden. Im vorliegenden Fall betrug diese 0.6 mm. Um den Guttapercharest zu erangeln, habe ich einen Microopener #10 (Maillefer) verwandt. Leider ist das Instrument in seiner Originalform nicht lang genug, um daran vorbeischauen zu können. Deshalb sollte dieses Instrument modifiziert werden. Mit einer Flachzange wird das Arbeitsende direkt hinter dem Schaft abgebogen. Anschließend kann die vorhandene Krümmung begradigt werden. So erhält man ein deutlich längeres Instrument mit einer Arbeitslänge des Microopeners von 31 mm. Die Spitze habe ich leicht angewinkelt auf 1,5 mm Länge in Richtung der Lage des apikalen Fremdkörpers. Vor dem Einsatz des modifizierten Microopeners trockne ich den Wurzelkanal mit Microabsaugung, Papierspitze und anschließend mit einer Kanüle 30 an einem Stropkoirrigator. Jetzt ist es möglich, unter mittlerer – maximaler Mikroskopvergrößerung den Fremdkörper zu lokalisieren und zu erangeln. Dies sollte mit sehr leichtem Druck auf den Fremdkörper von apikal nach koronal erfolgen. Diese Technik funktioniert bei geringerem Durchmessser des Fremdkörpers zum apikalen Foramen. Nach einigen Versuchen konnte die Guttapercha entfernt werden. Anschließend erfolgte die weitere Aufbereitung und Desinfektion des Kanalsystems. Die abschließende apikale Wurzelfüllung erfolgte mit weißem ProRoot MTA (Densply) auf 4mm Länge.
Anmerkung: Das Biegen des Microopeners wurde mir von Michael Arnold, Dresden vorgestellt.