Späte Apexogenese

von Ronald Wecker

Vor fast 4 Jahren erlitt der damals 8-jährige Patient bei einem Fahrradsturz eine laterale Dislokation des Zahnes 11. Die Erstversorgung erfolgte im nicht-europäischen Ausland und bestand neben einer medikamentösen Einlage in einem Offenlassen des Zahnes nach Trepanation.

R1

Aufgrund der langen Kontaminationsdauer hatte ich von der ursprünglich geplanten Revitalisierungstherapie Abstand genommen und mich für einen Verschluss mit MTA entschieden. Noch während des Platzieren des ersten MTA-Plugs bemerkte ich ein „Hineinrutschen“ des MTA. Das Kontrollbild gab keinen Anlass zur Freude, zeigte es doch eine deutliche Extrusion in den Periapikalbereich. Die Anästhesie liess nach, der junge Patient und der Behandler wurden etwas unruhig und so wurde die Wurzelfüllung fertiggestellt.

Bereits die ersten Röntgen-Recalls zeigten eine Resolution der apikalen Entzündung. Allerdings „sonderte“ sich das extrudierte Material räumlich etwas von der intrakanalären Wurzelfüllmasse ab. Klinisch war der Zahn vollkommen beschwerdefrei.

Gestern nun das in jeder Hinsicht unerwartete Recall nach 3,5 Jahren. Einen Tag zuvor beim Skateboardfahren gestürzt stellte sich der Patient mit einem Zahn 21 vor, der neben einer kleinen Schmelzfraktur auch einen Zustand nach Konkussion aufwies. Der Klopfschall und die Beweglichkeit war physiologisch. Der Pa-Spalt ist lateral dezent erweitert. Die Sensibilitätsprobe an 21 fiel positiv aus.

Das angefertigte Röntgenbild zeigt aber an Zahn 11 Erstaunliches:

Das Wurzelwachstum war trotz des periapikal gelegenen MTA weiter vorangeschritten. Eine Wurzelspitze mit normalem Parodontalspalt ist vorhanden. Offensichtlich steckt im Periapikalbereich mehr regeneratives Potential als bisher angenommen. Denn dem derzeit gültigen Behandlungsprotokoll für eine Revitalisierung hat der durchgeführte Therapieansatz nur teilweise entsprochen.

Comeback nach horizontaler Wurzel-Fraktur

Von Bonald Decker

Vor längerer Zeit lieferte dieser Beitrag einige Hintergrundinformationen zum Thema horizontale Wurzel-Fraktur. Dort war u.a. zu lesen, dass der Altersgipfel dieser traumatischen Zahnverletzung in der Regel zwischen dem 11. und 20. Lebensjahr liegt.

Was natürlich nicht ausschliesst, dass auch „jüngere“ Zähne betroffen sein können. So wie bei der (zum Unfallzeitpunkt) 8-jährigen Filippa. Das junge Mädchen war beim Spielen frontal gegen eine Glasscheibe gelaufen und hatte sich eine Verletzung an Zahn 21 zugezogen. Wie die Diagnose-Aufnahme zeigte erlitt sie eine Wurzelfraktur im mittleren Drittel.

Horizontale Wurzelfraktur bei einer 8-jährigen Patientin nach Frontzahntrauma

Zum Erstuntersuchungszeitpunkt war die Sensibilität des betroffenen Zahnes positiv. Gemäß der internationalen Richtlinien nach Frontzahntrauma erfolgte daraufhin eine 4-wöchige Schienung mit Nachkontrollen in den folgenden Wochen und Monaten.

Bereits acht Wochen später deutete nur noch sehr wenig auf das erlittene Trauma hin.

Radiologische Nachkontrolle 8 Wochen nach Trauma

Noch erfreulicher ist die Situation neun Monate nach dem Unfall zu bewerten.

Recall 9 Monate nach Zahnunfall mit ehemals erlittener Wurzelfraktur

Das Wurzelwachstum schreitet weiter voran und der (ehemalige) Frakturspalt ist in meinen Augen nur noch zu erahnen.

Ein tolles Comeback nach horizontaler Wurzelfraktur, bei dem das nicht abgeschlossene Wurzelwachstum und das vorhandene Regenerationspotential hierfür wohl hauptverantwortlich zeichnen.

 

Stillstand (?)

von Bonald Decker

Wieder handelt unser Beitrag heute über das Thema Frontzahntrauma.

Es scheint, als wurde uns der Stoff für diese Art WURZELSPITZE-Artikel nicht ausgehen….

Leider!

Heute berichte ich Ihnen von dem 11-jährigen Rudy.

Auch er erlitt ein Frontzahntrauma in Form einer Avulsion des Zahnes 21.

Alio loco angefertigtes OPG nach Avulsion des Zahnes 21

Leider wurde der Zahn nach dem Auffinden initial nicht physiologisch (z.B.in einer Zahnrettungsbox) gelagert.

Somit musste von einer zusätzlichen (irreversiblen) Schädigung der Wurzelhaut ausgegangen werden. Über die genaue extraorale Verweildauer des Zahnes vor Replantation durch eine kieferchirurgische Klinik liessen sich leider keine genauen Aussagen einholen.

Leider nicht förderlich für den weiteren Heilungsverlauf war ferner die Tatsache, dass auf eine endodontische Intervention verzichtet wurde. Grund hierfür war die Hoffnung der Eltern (und der Behandlerin), dass ggf. eine Revitalisierung des Zahnes vonstatten gehen könnte.

Leider ein (zu erwartender) Trugschluss (wie das Alter des Patienten und der Stand des Wurzelwachstums vermuten lassen).

Radiologisch erkennbare Entzündungsprozesse nach unterlassener Wurzelkanalbehandlung nach Avulsion

In der weiteren Folge wurden wir daraufhin gebeten die Behandlung fortzuführen.

Glücklicherweise scheinen die durchgeführten endodontischen Massnahmen dazu beigetragen zu haben, dass es im Nachuntersuchungszeitraum von gut neun Monaten zum Stillstand der Resorptionsprozesse gekommen ist.

Radiologische Kontrollen nach endodontischer Therapie und medikamentöser Ca(OH)2-Einlage

Daraufhin erfolgte gestern der (vorläufige) Behandlungsabschluss mit MTA-Apexifikation (bei einer Foramengrösse von ca. ISO 060) und Guttapercha/Sealer Backfill.

Vorläufiger Behandlungsabschluss nach Avulsion des Zahnes 21 mit MTA Plug und Guttapercha&Sealer Wurzelkanalfüllung incl. koronaler adhäsiver Restrauration

Nachdem im bisherigen Untersuchungszeitraum für uns keine (weiteren) klinischen und radiologischen Anzeichen einer progredienten (Ersatz)Resorption zu erkennen waren sind wir für die Prognose des Zahnes guter Hoffnung.
Manchmal ist Stillstand nicht gleichbedeutend mit Rückschritt
;-)
P.S.: Zahn 11 reagierte in der gesamten Zeit auf wiederholt durchgeführte Sensibilitätsprüfungen (Kälte und EPT) durchweg positiv.