DGET am Feierabend…(II)

Hier schon mal für den INTERNEN Gebrauch der Mitschnitt des Webinars…

DGET am Feierabend…

gestern Abend fand wieder eine DGET Veranstaltung am Abend statt:

Thema ENDLICH mal die dentale Traumatologie:

Anmeldungen gab es fast 1000…

tatsächlich waren zu Spitzenzeiten ca 850 Personen online anwesend…

ich fand es war ein sehr gelungenes Event.

Für diejenigen, die es nicht live erleben konnten hier der Hinweis der DGET für einen späteren YouTube-link

Ab 4.Juli wird man das Webinar auch auf YouTube schauen können…

Gott gebe, daß es klebe…

unter diesem Motto haben wir früher in sozialistischen Zeiten mit einem tschechoslowakischen Produkt „Evicrol“ Frobtzähne therapiert. Das Pulver wurde mit einer öligen Flüssigkeit angerührt und härtete nach Schmelzätzung chemisch am Zahn aus. Es war etwas Geschick gefragt, da das Material besser an Matritzen und Spateln klebte als am Zahn. Zu jeder Füllung gehörte bei mir ein kleines Stoßgebet. Ästhetik war nebensächlich.

Wenn ich das mit den heutigen Zeiten vergleiche, dann erscheint mir das, was wir jetzt an Zähnen modellieren und reparieren mit und ohne Kofferdam extrem.

Heute nun die Fortsetzung dieses bereits hier und hier vorgestellten Falles.

Zunächst wurde das Zahnfragment entfernt und intraoperativ der Defekt mit Composite aufgebaut. Das Fragment war nicht wieder implementierbar.


Der präendodontische Aufbau konnte in der Erstsitzung der endodontische Behandlung nicht erfolgen, da die Patientin ihre Schiene vergessen hatte. Im nächsten Behandlungstermin des Zahnes 11 erfolgte dann der Aufbau. Um die adjustierte Schiene, ohne die unsere Patientin auf Grund eines offenen Bisses und einhergehender Kiefergelenksbeschwerden nicht mehr „leben“ kann, wieder weiter nutzen zu können, haben wir den adhäsiven Aufbau der Schneidekante ohne Kofferdam durchgeführt und an die Schiene angepasst. Den Zahn 21 konnten wir daher auch nicht ästhetisch anpassen. Trotzdem war die Patientin überglücklich.
Weiterhin kam es kurz nach dem Erstbehandlungstermin am Zahn 11 zu akuten Beschwerden am Zahn 21. Wie bereits berichtet, konnte keine Sensibilität auf Kälte, bzw. elektronisch gemessen werden. In der Schmerzbehandlung erfolgte bis zum vermeintlichen Bruchpsalt (frühere Wurzelfraktur 21) ein CaOH-Einlage. Ich wollte möglichst kein CaOH in diesen einbringen. Leider passiert es trotzdem. Es gelang uns trotz US und Eddy keine Entfernung des CaOH.

Der fordernde Patient (3)

Teambesprechung.
Wir betrachten alle Fälle des Tages.

Die Schmerzpatientin hat heute, 4 Tage nach Erstbehandlung, ihren Zweittermin.
Wir haben ihr den frühstmöglichen Termin, ein Patient musste krankheitsbedingt absagen, zukommen lassen.

Meine Praxis-Managerin weist mich darauf hin: „Die Patientin muss pünktlich weg! Sie muss zur Arbeit!“ An ihrem Tonfall merke ich, wie eindringlich die Patientin auf diesen Umstand hingewiesen haben muss.

Nach der Behandlung frage ich die Patientin, was sie beruflich macht.
Sie ist selbstständig.

Erstaunliches Recall

Diagnostisch war die Sache klar: Zahn 12 hatte in Folge einer bakteriellen Kontamination über eine Invagination Typ 2 nach OEHLERS eine Pulpanekrose erlitten.

Allerdings imponierte bereits im 2D- Röntgenbild eine sehr weit nach distal ausgedehnte apikale Aufhellung. Der elektrische Sensibilitätstest fiel an den Zähnen 13 und 14 reproduzierbar positiv aus. Zahn 12 reagierte nicht auf den elektrischen Reiz. Klinisch bestanden keinerlei Symptome oder Beschwerdebilder.

Im DVT war das ganze Ausmass der periapikalen Pathologie zu erkennen. Die palatinale Wurzel des 14 war fast vollständig resorbiert worden. Zahn 14 scheint inmitten der apikalen Aufhellung zu stehen.

Nach der initialen endodontischen Behandlung des 12 verlief die knöcherne Ausheilung sehr verhalten, sodass nach Verwerfen der Überlegung, eine Dekompression durchzuführen, der chirurgische Zugang über den Apikalbereich des 12 gewählt wurde. Der histologisch bestätigte Zystenbalg wurde von einem befreundeten MKG-Chirurgen entfernt.

6 Jahre nach Abschluss der kombiniert endodontisch-chirurgischen Therapie ist das Ergebnis im 3D-Bild mehr als zufriedenstellend. Palatinal des 13 bestehen noch kleine, nicht vollständig ossifizierte Bereiche. Die Resorption des 14 ist arretiert und beide Zähne reagieren immer noch positiv auf den elektrischen Reiz.

Starke Dislokation

Liebe WURZELSPITZLER

heute möchte ich einmal wieder die Chance nutzen eure Meinung zu nachfolgendem Fall einzuholen.

Leider ist die Qualität der abfotografierten DVT Aufnahmen mehr als suboptimal. Ich hoffe aber, dass man die grundsätzliche Problematik erkennt…

kurz zu den Hintergründen:

Der heute 31jährige Patient erlitt Mitte November 2021 ein Frontzahntrauma in Sinne einer ausgeprägten palatinalen Dislokation von 12-22 (inkl unkompl. Kronenfrakturen von 11 und 21). 

Die Zähne wurden in einem MKG Notdienst „reponiert“ und geschient.

Drei Wochen später erfolgte eine 3D-Röntgenuntersuchung die trotz mässiger Qualität zeigt, dass es bei Zahn 11 nicht annähernd gelungen war den Zahn in der vormalige Position zu reponieren.

Aufgrund der verstrichenen Zeit wurde darauf verzichtet einen neuen Repositionierungsversuch zu unternehmen.

Das jetzt im April erneut angefertigte DVT zeigt die aktuelle Situation.

Zahn 11 steht insbesondere apikal komplett ausserhalb des Knochens. Es liegt ein Lockerungsgrad I-II vor. Ferner weissen die Zähne 21 und 22 eine dezente apikale Aufhellung auf.

Zahn 12 reagiert auf elektr. Stimulation und ist apikal o.p.B

Wie die klinischen Bilder hoffentlich zeigen ist die ästhetische Situation recht stark kompromittiert (Zahnstellung/-verfärbung, schwarze Dreiecke interdental… ).

Jetzt würde mich euer Vorgehen interessieren! Insbesondere hinsichtlich des Zahnes 11.

Was tun?  

Und wieder ein UK Frontzahn (Recall)

An dieser Stelle bereichteten wir letztmals über den Fall. Die Patientin war zum Recall nach 4 Jahren bei uns.

Hier das aktuelle Röntgenbild und Verlaufsbilder.

Der fordernde Patient (Teil 2)

Man sieht es den Patienten immer schon an den Augen an.
Als ich am nächsten Tag, an besagtem Freitag morgen um kurz vor 8 in die Praxis komme, sitzt die Schmerzpatientin schon da.

Und obwohl sie Mundschutz trägt, sehe ich schon vom weitem, wie es ihr geht. Die Augen, die sooft bei Schmerzpatienten trübe und ausdruckslos sich darstellen, sie funkeln.

Ich weiss augenblicklich. Alles ist gut!!!

„Sie haben meinen Zahn gerettet!“ Sagt die Patientin. „Meine Schmerzen sind weg!“

Adäsiver Resorptionsverschluss

Dieser Zahn 11 zeigt die für eine externe Resorption typischen radiologischen Befunde.

Die klinische Krone zeigt unregelmässig begrenzte Aufhellungen. Im DVT sind zwei Eintrittspforten und die resorptionsresistente Dentinschicht zu erkennen.

Klinisch imponiert innerhalb der Krone ein den palatinalen Schmelz unterminierendes Weichgewebe.

Die 35-jährige Patientin erinnerte weder Trauma noch kieferorthopädische Therapie . Die Sensibilität war reproduzierbar positiv. Die parodontalen Sondierungstiefen waren physiologisch. Ausser der palatinal veränderten Oberfläche bestanden keine Beschwerden oder Symptome.

Die Patientin wurde im Beratungsgespräch über die mögliche Eröffnung der Pulpa aufgeklärt. Im Falle einer Eröffnung sollte dann eine Pulpotomie durchgeführt werden.

Nach Mobilisierung der palatinalen Weichgewebe konnte der Defekt vollumfänglich dargestellt werden. Das Resorptionsgewebe wurde mit einem scharfen Löffel herausgelöst und die Dentinoberfläche anschliessend mit einem Munce-Bur von kleinen Weichgewebsanhaftungen befreit. Die Pulpa schimmerte zwar durch das PRRS (Pericanalar Resorption Resistant Sheet) hindurch, war jedoch nicht eröffnet.

Ebenfalls mittels Munce-Burs wurde die etwas weiter apikal gelegene Eintrittspforte versäubert.

Das Anätzen und Konditionieren der Zahnoberfläche gelang aufgrund der sehr guten Hämostase problemlos. Nach Rekonstruktion der tiefgelegenen Defektränder wurden in einem zweiten Durchgang die fern des Knochens gelegenen Ränder zum adhäsiven Füllen vorbereitet. So minimiert sich das Risiko, dass eine leichte Blutung den adhäsiven Verbund kompromittiert, da die erste Lage Komposit eine gewisse Schutzwall-Wirkung hat.

Bleibt zu hoffen, dass die weiteren Verlaufskontrollen eine weiterhin vitale Pulpa zeigen werden.

Was würde ich nächstes Mal anders machen? Präoperativ die Schmelzoberfläche von den Genussmittelverfärbungen befreien!

Zahn 48 -zehn Jahre später (II)

Vor Kurzem habe ich hier über unsere Behandlung eines Zahnes 48 berichtet.

Hier noch das Abschluss-Röntgenbild dieser Woche.

Wie es (prothetisch) mit dem Zahn weitergeht entzieht sich meiner Kenntnis…

Mal schauen, ob sich unsere endodontischen Wege in Zukunft nochmals kreuzen…

Ich würde sicher wieder darüber schreiben… ;-)

Trauma nach Radunfall mit Déjà-vu (VI)

Und wieder ist ein Jahr seit dem letzten Recall vergangen.

Weiterhin sieht die Situation positiv aus.

Radiologisches Recall Juni 2022

Bei der klinischen Untersuchung fiel uns auf, dass sich an einem der Nachbarzähne weiterhin Kompositreste befunden haben.

Bei der sicheren Entfernung dieser hat uns die hier beschriebene Technik geholfen.

Danke Jörg für diesen Hinweis.

Und wieder ein Recall (2)

Hier und hier berichteten wir über diesen Fall.
Die junge Patientin konnten wir nun über 10 Jahre in unserem Recall begleiten.

Der Zustand zeigte sich stabil, bis vor 2 Jahren ein neuer Unfall geschah. Der Zahn 21 bekam während eines Umzugs einen Schlag von einem hochkant stehenden Sofa, welches umkippte… Danach hatte die Patientin Beschwerden im Bereich des gebrochenen Zahnfragmentes labial subgingival. Klinisch zeigte sich eine Exsudation aus diesem Bereich mit Rötung und dezenter Schwellung.

Im klinisch mikrochirurgischem Eingriff konnte ein weiteres fakturiertes Stück Wurzeldentin entfernt werden und adhäsiv repariert werden. Leider war damit einhergehend ein weiterer Verlust an Papillenhöhe 21/11.

Anbei die Bilder

WURZELSPITZE Plus Live Talk 2 2022 Mittwoch 22. Juni 2022 20:00 Uhr

Nächste Woche Mittwoch 20 Uhr ist es soweit. Der 2. WURZELSPITZE Plus Live Talk in diesem Jahr findet statt.

Hier die Themen:

Sebastian Stein zeigt in seiner Fallpräsentation den Versuch, einen Zahn 46 mit jahrelanger unterschiedlich ausgeprägter Schmerzsymptomatik und Fistelungen per Revisionsbehandlung zu erhalten. Prognostisch schwierig erwiesen sich hierbei nicht nur die ausgeprägte apikale Beherdung, sondern auch die weit vorangeschrittene progressive entzündliche Resorption der distalen Wurzel.

Antonio Renatus präsentiert uns das Benex – System. Einfach, schnell und sicher für eine minimalinvasive Zahnextraktion. Er zeigt die Anwendung an Hand kariös zerstörter und frakturierter Zähne. Dabei eigentlich sich das System nicht nur als Grundlage einer nachfolgenden Implantation, sondern auch im Sinne ultimativer Zahnerhaltungsversuche.

Und – sofern die Zeit es zulässt – geht es in meiner Literaturvorstellung um eines der Meilensteine meiner fachspezifischen Bibliothek. Ein zahnmedizinisches Buch, das mich bis heute inspiriert und motiviert, obwohl es schon 1985 geschrieben wurde und zu einem nicht unerheblichen Teil die Zeit vor dem 2. Weltkrieg abhandelt. Es ist aktueller denn je!

Klein, aber sehr fein.

Besser kann ich die Jahrestagung der französischen Gesellschaft für Endodontie (SFE), die dieses Mal in Saint Malo stattgefunden hat, nicht beschreiben.

Neben der hohen Qualität und der sehr starken klinischen Relevanz der Hauptvorträge (und hier waren nicht nur die üblichen Verdächtigen eingeladen) hat mich besonders der extrem freundschaftliche und respektvolle Umgang der Mitglieder untereinander beeindruckt .

Begünstigt wird dies sicher auch ein wenig durch den Umstand, dass es nur 470 Mitglieder sind, die miteinander umgehen müssen. Aber die brennen wirklich fast alle für Endodontie.

Das war besonders am Samstag zu merken, wo ein, wie ich finde, sehr interessantes Format als einziger Programmpunkt stattfand. Klinische Fallpräsentationen der Mitglieder.

Die Qualität der gezeigten Behandlungen? Herausragend. Von der Dekompression, über Dens invaginatus (die Behandlung desselben wurde an einem zuvor anhand des DVT im 3D-Drucker erstellten Modell geprobt) bis hin zu wirklich anspruchsvollen mikrochirurgischen Fällen war alles vertreten.

Bild des 3-D-gedruckten Zahnes

Von 9.00h-10.30h und von 11.00 bis 13.00 Uhr gab es für jede Fallvorstellung 5 Minuten und anschliessend 10 Minuten Diskussion. Für einen mit Literatur und ausführlicher Erläuterung der klinischen und radiologischen Befunde gespickten Fallbericht keine wirklich allzu lange Zeit, wie ich selbst am eigenen Leib erfahren durfte.

Noch nie habe ich in einer Diskussion in einem Kongress derart klar ausgesprochene, jedoch immer konstruktive Kritik erlebt, wie in Saint Malo. Dabei blieben alle immer respektvoll. Und freundlich. Eine geradezu familiäre Atmosphäre. Es ging um die Sache und das Persönliche stand hintenan.

Die Hauptvorträge drehten sich um den Sinus maxillaris und chirurgische Endodontie. Jérôme DeLattre, ein HNO-Kollege, brachte uns den Sinus näher. Endoskopische Videos zeigten eindrucksvoll, wie es im Inneren aussieht.

Roderick Tataryn aus den USA zeigte anhand vieler klinischer Fälle den gegenwärtigen Stand endodontischer Mikrochirurgie. Gestochen scharfe 3-D-Rekonstruktionen und exzellent ausgeführte apikale Chirurgie waren die Highlights seines Vortrages.

Und dann kam Byron Tvisos. Statisch und dynamisch geführte retrograde Chirurgie, die diese Behandlungen auf ein neues Niveau bringen. Schnell und extrem sicher. Interessant dabei, dass Byron nach Mobilisierung des Mukoperiostlappens die Reduktion des bukkalen Knochens und die Resektion mit einem Trepanbohrer in einem Arbeitsschrittund nicht mit einer Fräse ausführt. In einem Zug. Mit Tiefenanschlag. Eine, wie ich finde, überlegenswerte Vorgehensweise.

Nicola Grande und Gianluca Plotino rundeten den ersten Tag ab und zeigten, wie intentionelle Implantationen genutzt werden können, um komplexe endodontische Herausforderungen zu vereinfachen. Die Wurzelspitze wird um 2-3 mm gekürzt. Die retrograde Präparation erfolgt aus Zeitgründen (der extrahierte Zahn sollte nach 10 Minuten wieder replantiert sein) mit einem diamantierten rotierenden Instrument. Sind die unteren 3 mm retrograd gefüllt, erfolgt die Reposition und die Schienung. Der koronale Teil der Aufbereitung erfolgt dann 2 Wochen später, wenn die Schienung entfernt wird. Bei tiefen kariösen Defekten wird der okklusale Zahnanteil reduziert und der Zahn koronal versetzt reponiert und geschient.

Am Donnerstag Abend fand die wohl aussergewöhnlichste Mitgliederversammlung statt, die man sich vorstellen kann. In der Produktionshalle des Austernfischers, der 2022 die Medaille d’Or in Cancale gewonnen hat, wurde von Präsident und Schatzmeister, auf einer Bierbank stehend, Rechenschaft über die vergangenen 2 Jahre abgelegt. Dann begann die Verkostung. ;)

Mitgliederversammlung SFE
2022
Austern aus Cancale
Blick aus dem Kongresszentrum
Strand vor dem Kongresszentrum
Lunch am Strand

Nächstes Jahr wir die Jahrestagung in Lyon stattfinden. Ob ich hinfahren werde? Mais bien sûr!

Schreibt´s in die Kommentare – Der fordernde Patient

Jeder von uns kennt sie, jeder von uns muss mit Ihnen umgehen, aber wie am besten ?
Die Rede ist von den fordernden Patienten.

Darüber möchte ich hier sprechen und von Ihnen, geneigte Leserinnen und Leser, hören – Was sind eure nachhaltig in Erinnerung gebliebenen Erfahrungen mit einem Patienten, einer Patientin dieses Persönlichkeits-Typs ?

Schreibt eure Geschichten in die Kommentare ! So entsteht hoffentlich im Laufe der Zeit ein buntes Kaleidoskop der Annekdoten und im Dialog ergeben sich vielleicht auch wertvolle Tipps, wie man sinnvollerweise mit solchen Situationen umgeht.

Der konkrete Anlass ?
Donnerstag von 8:30 Uhr bis 1000 Uhr ist unser wöchentliches Team-Meeting.
Die Praxistür ist verschlossen. An der verschlossenen Tür hängt – unübersehbar ein Schild: Wegen einer praxisinternen Fortbildung ist unsere Praxis heute erst ab 10Uhr geöffnet.

9 Uhr.

Es klingelt.
Nachhaltig.

Vielleicht der Postbote ?
Eine Lieferung für die Praxis?


Nein, es ist ein Patientin, die unangemeldet sich eingefunden hat.

Sie bräuchte sofort einen Termin.
SOFORT.

Zur Behandlung. Heute noch. Sie hätte starke Schmerzen. Ihre Hauszahnärztin habe sie geschickt. Sie solle hierherkommen. „Aber wenn sie heute keinen Termin bekäme, DANN ginge sie in die Schmerzklinik!“ Welche Schmerzklinik? Vielleicht das MVZ, in dem die Endos vom Spezialisten ohne Kofferdam durchgeführt werden ? Ich bin gewillt zu sagen, „Prima! Nur zu!“ Aber – die Überweiserin ist eine unserer guten Zuweisern. Und wir möchten ja helfen. Unseren Zuweisern und den Patienten.

Wie werden helfen.
Natürlich müssen wir improvisieren.
Freie Vakanzen haben wir keine, heute schon belegt durch einen Traumafall – 8 jähriger Junge. OK- Schneidezahn dekapitiert.

Wir bestellen die Patientin für um 11 Uhr ein.
Eine Viertelstunde zwischen 2 Behandlungen, die für die Dokumentation freigehalten ist, wird zweckentfremdet, sie sollte reichen zur Schmerzdiagnostik. Alles andere wird sich dann ergeben.

„Um 11 Uhr also ?“
Ob wir nicht wenigstens ein Röntgenbild machen können, deshalb habe die Überweiserin sie ja schließlich hergeschickt. „Die habe im Übrigen eine Menge Röntgenbilder geschickt, ob die schon angekommen seien?“

Wir schauen nach. Ob der Menge der Röntgenbilder.
Es sind 2. Zwei. Zwei Zahnfilme. Die fast das gleiche zeigen, Zahn 36 und Zahn 37.

„Das Röntgenbild ? Machen wir. Um 11, im Rahmen der Schmerzdiagnostik.“

5 Minuten später, als ich schon dachte, nun meine Behandlung in Ruhe durchführen zu können, kommt meine Assistentin aus der Anmeldung ins Behandlungszimmer. „Die Patientin fragt, ob sie eine Ibuprofen nehmen könne.“ „Klar, kann sie“, antworte ich. Draussen höre ich die Patientin fragen: Könnte ich von Ihnen eine Ibuprofen haben ?“

11 Uhr.
Bei der Untersuchung frage ich: Wie stark auf einer Skala von 0- 10 sind die Schmerzen ? „Also – wenn sie da sind, dann 10. Die Schmerzen sind zeitweilig, sie kommen und gehen.“ Und im Moment ? „Sind sie weg“. Aha. Denke ich. Wann sind die Schmerzen denn zum ersten Mal aufgetaucht ? „Ich mache ja schon eine ganze Zeit damit rum, weil erst war da eine alte Brücke …es folgt eine 2 minütige Krankengeschichte, ihren ZE betreffend. „…und so richtig stark waren die Schmerzen zum ersten Mal heute Nacht!“

Es folgen die klinischen Tests.
„Als Erstes werde ich vorsichtig auf die Zähne klopfen. Um herauszufinden, welcher Zahn für die Beschwerden verantwortlich ist. Die Patientin vermutet den letzten Zahn, aber die Schmerzen ziehen zum Kinn und bis in den Nacken.

„Ich dachte, Sie wollten ein Röntgenbild machen. Ein besonderes Röntgenbild, deshalb hat meine Hauszahnärztin mich doch hergeschickt!“
„Machen wir, zu gegebener Zeit, erst möchte ich mir die Situation aber mal im Mund anschauen. Das Klopfen auf die Zähne ist zwar verhältnismäßig unspektakulär im Vergleich zu einem 3D- Röntgenbild, aber trotzdem ein ganz ganz wichtiges Hilfsmittel!“

Der wertvollste Tipp für den Klopftest. liebe Kolleginnen und Kollegen? Zunächst nur ganz sachte klopfen. Und – immer mit einem Zahn anfangen, der garantiert nicht die Schmerzursache ist.

Ich beginne mit dem füllungs- und kariesfreien Zahn 33. Ich klopfe sanft. Und die Patientin dreht blitzartig mit schmerzverzerrtem Gesicht den Kopf weg. Es folgt ruhig ein vertrauensbildender 2 minütiger Vortrag, warum es wichtig ist, als Patient fein zu differenzieren, falls möglich, um Hinweise zu geben, welcher Zahn denn als Schmerzauslöser in Frage kommen könnte.

Der Kopf wird nun nicht mehr weggedreht.
Allerdings sind Zahn 33 (der füllungsfreie), Zahn 34, Zahn 36 und Zahn 37 klopfempfindlich. Am stärksten 33 und 37. 37 reagiert immerhin eindeutig auf den Kältetest, 33 reagiert schwach.

Das DVT bringt auch kein eindeutiges Ergebnis. An 36 und 37 ist jeweils der PA – Spalt apikal etwas erweitert, an 36 mehr als an 37. Die Patientin hingegen ist sich sicher. Es ist der Zahn 37, der die Schmerzen verursacht.

Wir bestellen einen Nachmittagpatienten ab und die Patientin für 16 Uhr erneut ein. Es klappt, der Patient hat Verständnis und willigt ein. Mittlerweile sind mehr als 45 Minuten vergangen, der reguläre Patient, für 11 Uhr 15 einbestellt, wartet seit einer halben Stunde. Ich hasse das. Und weiss, ich werde nun bis zur Mittagspause um 14 Uhr meinem Zeitplan hinterherlaufen.

„Dann sehen wir uns um 16 Uhr!“ sage ich.
Die Patientin antwortet: „Ja, und vielen Dank noch mal für Alles!“

Nein, sagt sich nicht.
Sie sagt. „Ich hatte noch nie eine Wurzelkanalbehandlung. Können Sie mir sagen, was sie da machen ????“

Ich antworte in kurzen Sätzen und sage zu meiner Assistentin. Bitte gebt der Patientin unsere Informationsbroschüre. Da steht alles drin, zum Durchlesen. „Hat sie schon bekommen, gleich heute Morgen um 10 Uhr!“, antwortet meine Assistentin. Aha, denke ich.

„Ich kann davon ausgehen, das ich um 16 Uhr pünktlich drankomme?“, sagt die Patientin bevor sie die Praxis verlässt.
Es ist eine Frage, die aber keine Frage ist.

Um Punkt 16 Uhr, also keine Minute früher erscheint die Patientin.
„Die Schmerzen sind immer noch da!“. Sagt sie. Höre ich da einen Vorwurf heraus ? Auch wenn die Patientin nicht den Eindruck macht, das sie in der Zwischenzeit stark gelitten hat. Man bekommt ja im Laufe der Jahrzehnte einen feinen Blick dafür, ob ein Patient sich wirklich mit einem Zahn quält.

„Ich bin dann doch nach Hause gefahren!“. Sagt die Patientin. Höre ich da einen Vorwurf heraus ? „Ach, sie sind gar nicht von hier?“ Ich schaue aus Interesse auf die Adresse. Wie weit die Patientin wohl fahren muss ??? 30? 40? 50? Kilometer eine Strecke ?

„Doch, doch, ich wohne in der Rheingrafenstrasse“. Sagt sie. Das ist gerade mal 10 Minuten entfernt, den Weg zum Parkhaus mit eingerechnet. „Ich bin mit dem Fahrrad da!“. Sagt sie. Dann sind es 8 Minuten. Denke ich.

Wir beginnen die Behandlung.
Welcher Zahn ist es nun ?
36 reagiert beim Klopfen stärker als 37 und reagiert wieder nicht auf den Kältetest. Die Auffälligkeit, den PA- Spalt betreffend, ist auch stärker. Ich entscheide mich für Zahn 36, da 37 auf den Kältetest reproduzierbar nach 0.75 Sekunden sich meldet und der Kältereiz nach zwei bis drei Sekunden wieder verschwunden ist.

Keine Probleme mit der Anästhesie.
Aber natürlich hat die Patientin Probleme mit dem Kofferdam.
Sie fühlt sich unwohl. Ihre Zunge stört sich daran und sie bekommt keine Luft.

Die Patientenaufklärung, wie wir sie normalerweise machen, ist natürlich aus Zeitmangel nicht erfolgt. Daran denke ich erst wieder, als ich den Bohrer auf die Kaufläche der Vollkeramikbrücke aufsetze. Warum mache ich nur so einen Scheiss ? Warum lasse ich mich nur immer wieder auf solche Patienten ein?

Es wird übel enden, bestenfalls keinen Spass machen das Ganze.
Immerhin.
Die Kaufläche bleibt heil.

Die Behandlung hingegen erweist sich als sehr schwierig.
Sie wird, ich nehme es vorweg, 85 Minuten dauern.

Wir sind wieder in Verzug.
Wenigstens wirkt die Anästhesie. Wenngleich die Patientin auch die kleinste Schmerzsensation mit Betätigung des Kommukikationskrokodils quittiert.

Natürlich müssen wir auch immer wieder unter dem Kofferdam absaugen.

Zwischendrin klingelt ein Handy.
Irgendwann hört es auf.

Um ein paar Minuten später wieder zu läuten. „Ich muss da jetzt drangehen“, sagt die Patientin. Der Satz hat eher informativen Charakter. Sie hat ich schon aufgerichtet. Falls sie nun erwarten, sie würde ihren unsichtbaren Gegenüber mit den Worten begrüssen: „Tut mir leid, ich kann jetzt nicht telefonieren ich bin mitten in der Behandlung…“ Irrtum, weit gefehlt.

2 Minuten später.
„Entschuldigen sie bitte, ich hab das Handy jetzt aus gemacht!“ Sagt die Patientin.
Nein, sagt sie nicht. Sie sagt: „Wir können jetzt weitermachen!“

Wir fahren fort mit unserer Behandlung.
Die irgendwann zu Ende ist.

Was folgt normalerweise? Wir rufen immer am nächsten Tag an.
Um uns zu erkundigen, wie es dem Patienten geht.

Allerdings.
Morgen ist Freitag.
Und ich weiss, wie es enden wird. Um 5 vor Zwölf wird diese Patientin in der Praxis stehen und sagen, das ihre Schmerzen immer noch da sind, noch stärker sind, wieder stärker sind. Da hilft nur eins, nicht anrufen, sondern von vorne herein die Patientin morgen früh sicherheitshalber zur Kontrolle in die Praxis einbestellen.

„Vielen Dank, das sie mir so toll und vor allem so zeitnah geholfen haben, sie haben das alle ganz herausragend gemacht!“, sagt die Patientin. Nein, sagt sie nicht.

„Bis morgen dann“, sagt die Patientin, bevor sie uns verlässt.

Und jetzt ihr.

Wer kennt´s ?
Was habt ihr erlebt ?
Wie geht ihr mit solch (heraus)fordernden Patienten um ?

Getinge Claro (2)

Hier berichteten wir zuletzt über unsere Erfahrungen mit Getinge und dem Claro.

Dank der guten Zusammenarbeit mit GKE lief der Claro bis zum Sommer 2020 täglich im Praxisalltag ohne Probleme. Im Februar 2020 erfolgte die Wartung durch die Firma Sendzik.

Im Juli/August 2020 fiel die Sicherung des Thermodesinfektors im Sicherungskasten ab und zu aus. In der ersten Augustwoche kam dann die Fehlermeldung A02 in ein Sicherungsausfall zusammen. Daher haben wir die Firma Sendzik angerufen und die Reparatur des Thermodesinfektors beauftragt. Nach der Kontrolle vor Ort wurde von Sendzik Dental entschieden das Gerät in die Werkstatt mit zu nehmen.
Wir wurden dann informiert, daß Reinigungsmittel ausgetreten sei und der Kabelbaum erneuert werden muss. Dies wurde später wieder korrigiert. Es müssten Ersatzteile bestellt werden und die Gesamtkosten werden 2000,00 Euro nicht überschreiten.

Im Oktober habe ich mehrfach bei Sendzik angerufen und darauf hingewiesen, daß wir Personalmangel haben und ich nicht ewig weiter auf den Thermo warten kann. Nun wurde mir mitgeteilt, daß in mehreren Probeläufen weiter Reinigungsschaum sichtbar ist.
Es muß ein Kondensor bestellt werden. Trotzdem sollten die Kosten nicht mehr werden.
Es sei alles reparabel und würde dann funktionieren.

Im November wurde mir gesagt jetzt muss noch eine Pumpe erneuert werden. Diese sei auch nicht dicht. Es entstehen nochmal Kosten von 650 Euro.
Auf meine Nachfrage ob sich das lohnt, wurde gesagt: Das Gerät wäre jetzt fast neu.

Im November 2020 wurde das Gerät in die Praxis gebracht.
Herr Sendzik sagte mir, daß die beschädigten Teile des Kabelbaums hätte man durch baugleiche Stecker ersetzen können.
Am Nachmittag gab es dann Probleme mit Wasseraustritt aus dem Thermo. Danach verschwand die Firma Sendzik wieder mit dem Thermo.
Mir wurde mitgeteilt, daß die Ursache der Wasserhahn sei, an welchem der Thermo angeschlossen ist. Dieser ist defekt, genauer gesagt die Gummidichtung isr defekt und hat das Magnetventil beschädigt. Ich müsste diese Kosten übernehmen und sollte den Hahn tauschen lassen. Dieser Hahn wurde zuletzt von Sendzik selbst beim Abbau des Thermodesinfektors im August so hinterlassen. Damals wurde uns kein Defekt mitgeteilt.
Wir haben unseren Klempner informiert und gebeten den Hahn zu tauschen. Dies konnte er nicht, da die Osmoseanlage des Thermodesinfektors den Zugang stark behinderte. Er hat den Hahn belassen und zusätzliche Eckventile gesetzt. Zum neu geplanten Termin des Einbaus im Dezember sollte der Klempner mit vor Ort sein, damit Reparaturen sofort gemacht werden konnten, wenn notwendig.
Der Thermo wurde installiert. Unser Klempner war dabei und fragte mich später, was das sollte? Der Thermodesinfektor wäre jetzt wieder am kaputten Hahn angeschlossen, ohne das er daran etwas gemacht hätte…

Am nächsten Tag habe ich die Firma Sendzik wieder angerufen, da wir bei der dem ersten Betrieb einen unbekannten starken Plastikgeruch bemerkt hätten.
Dazu kennt mir niemand etwas sagen. Ob es verbrannt rieche. Das habe ich verneint. Wir sollten abwarten. Dieser Geruch fiel uns nicht mehr weiter auf.
Im Januar erhielten wir die Kündigung der Firma Sendzik zur weiteren Zusammenarbeit. Man werde noch die Garantie abwickeln (6 Monate), danach erfolgte keine weitere Betreuung.
Wir hatten jetzt einen „fast neuen“ Claro und keine technische Betreuung.

Der Claro wurde von uns im Januar 2022 still gelegt, da wieder Reinigungsmittel am Boden austrat.
Die Gesamtkosten von 2013 bis 2022 für den Getinge inkl. Wartung OHNE Validierung betrugen knapp € 28.000,00.

Jetzt arbeitet ein Miele 8581 in unserer Praxis. Ich werde berichten.

Falls irgend ein Leser jemanden kennt der Enzymatisch Reinigungsmittel für Getinge braucht, das liegt bei uns gratis bereit. Nur abholen müsste es jemand.

Zusammenfassend muss ich feststellen, daß Getinge ein gravierendes Serviceproblem hat.



Im Nachhinein ist es immer einfach, zum richtigen Ergebnis zu kommen, allerdings…

Im Nachhinein ist es immer einfach(er), zum richtigen Ergebnis zu kommen, aber dieser Fall ist ein schönes Beispiel dafür, ein paar Grundregeln der Diagnostik sowie den gesunden zahnärztlichen Sachverstand nicht aus den Augen zu verlieren. Der Fall – ein zum Zeitpunkt der Erstvorstellung 15 jähriges Mädchen wird vom Hauszahnarzt überwiesen, weil sich der in Wurzelkanalbehandlung befindliche Zahn 13 als therapieresistent erweist, die vorhandene Schmerzproblematik sich nicht bessern möchte. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob wir wirklich als Problemlöser und Helfer fungieren sollen oder er einfach nur froh ist, die Patientin loswerden zu können. Darauf deutete schon sein Überweisungsschema in der Vergangenheit hin, aber das ist ein anderes Thema.

Zahn 13 bei Erstvorstellung

Zahn 13 ist füllungsfrei. Die erfreulicherweise sehr geringe Trepanationsöffnung ist nicht verschlossen. Das übliche Spiel – der Zahn schmerzte wiederholt nach endodontischer Behandlung und wurde schlussendlich offengelassen. In der von uns angefertigten Röntgenaufnahme ragt der Zahn 11 (Zustand nach WSR) ins Bild. Ein apikales Geschehen an Zahn 11 ist im Gegensatz zu Zahn 13 (sic!) erkennbar und bestätigt sich im angefertigten Zahnfilm.

Unsere initiale Behandlung erfolgt zwangsläufig an Zahn 13. Es findet sich bei der Inspektion des Zahnes keinen Anhaltspunkt, der die unklare Schmerzsituation erklären könnte, weshalb die Revision der Wurzelkanalfüllung an Zahn 11 vorgeschlagen wird. Die Patientin bzw. die anwesende Mutter – die Familie stammt aus Russland, lebt aber schon seit vielen Jahren in Deutschland, die Deutschkenntnisse sind sehr gut – stimmt zu, zumal die Patientin berichtet, sie habe initial den Zahnarzt darauf hingewiesen, das die Beschwerden von ihrem Frontzahn ausgehen.

Die Behandlung sowohl von Zahn 13 wie auch von Zahn 11 verläuft in unseren Händen unauffällig im positiven Sinne. Nach initialer Behandlung des Zahnes 11 verschwindet die Beschwerdeproblematik und taucht, soviel sei vorweggenommen, bis zum heutigen Tage nicht mehr auf.

Vorgestern nun stellt sich die Patientin nach 19 Monaten zur WF- Kontrolle wieder in unserer Praxis vor. Beide Zähne 13 und 11 sind klinisch unauffällig, an Zahn 11 zeigt sich eine vollständige knöcherne Konsolidierung der apikalen Defektsituation.

Ein erfreuliches Ergebnis.
Bleibt nur die Frage, ob der kariesfreie und füllungsfreie sowie periapikal unauffällige Zahn 13 wirklich für die Schmerzproblematik in Regio 11 verantwortlich war…

„Feierabend“-Trepanation (I)

ist ein Begriff, den ich sehr eng mit meiner langen Tätigkeit in der Münchner Zahnklinik und dem damit verbundenen „Dienst“ in der Ambulanz“ verbinde…

entstanden ist der Ausdruck damals, weil der letzte Patient des Tages mit „schöner“ Regelmässigkeit diese Behandlung benötigte…

gestern war unser letzter Arbeitstag vor unserer einwöchigen Pfingstferien-Woche ( und ja, in Bayern sind sogar ZWEI Wochen Schulferien ;-)) und…

unsere letzte Patientin war die 17-jährige Rosa-Florentine…

sie musste vor einigen Tagen ihr Schulpraktikum in Brandenburg abbrechen, weil sie massive Schmerzen an Zahn 12 entwickelt hatte.

Ihr daraufhin aufgesuchter Hauszahnarzt in München verschrieb ihr nach klinisch-radiologischer Untersuchung eine Antibiotikum und verwies sie für eine zeitnahe Behandlung an uns…

unsere Diagnose:

Dens emboliformis nach ästhetischer (Komposit)-Korrektur mit Pulpanekrose und ausgeprägter apikaler Parodontitis inkl. vestibulärer Schwellung…

wie aber mit dieser Situation praxistechnisch umgehen?

Zunächst eine Erst-Untersuchung und ein späterer Behandlunsgtermin?…

wie aber damit umgehen, dass wir in der nächsten Woche im Urlaub sind?

Allerdings sind die Schmerzen aufgrund der alio loco verschriebenen Antibiose rückläufig…

wie geht man man mit der Patientenaufklärung um und wie mit dem notwendigen HKP, der bei uns bei einer Frontzahn-Behandlung in der Regel einen Steigerungsfaktor über den 3,5x-Satz bedeutet…?

wie handhabt ihr eine solche Situation?

hier abschließend für heute ein paar Impressionen der „Feierabend“-Trepanation…

Die Papierspitze als Diagnostikum.

Papierspitzen nutze ich nicht nur zum Trocknen der Kanalsysteme sondern häufig als diagnostisches Hilfsmittel.

Der nachfolgend vorgestellte Zahn 21 wies neben einer arretierten internen Resorption eine ausgeprägte apikale Lyse auf.

Aufgrund des weiten Foramens entschied ich mich für eine Obturation mittels MTA. Die Resorptionslakune wurde mittels XP-Finisher bearbeitet und nach Anlegen des MTA-Plugs in Squirting-Technik mit AH26 und erwärmter Guttapercha obturiert.

Die zum Einsatz kommende Vorgehensweise (Instrumententyp, Obturationsart, im Fall mehrwurzeliger Zähne welchen Kanal zuerst etc.) wird nach Auswertung des präoperativen DVT festgelegt. Dabei ist es geradezu erstaunlich, wie selten ich intraoperativ davon abweichen muss.

Nur die Bestimmung der Arbeitslänge wollte anfangs nicht so gelingen, wie gedacht. Während die EFL zunächst 22,5 mm anzeigte lag die endometrisch bestimmbare Länge nach Aufbereitung bis ISO 60 plötzlich reproduzierbar nur noch bei 22,0 mm.

Der Abgleich des DVT mit der angefertigten Messaufnahme (Instrument auf 22,5 mm) erschien plausibel.

Jedoch zeigt die ELM bei 22,5 mm bereits an, dass das Instrument den Kanal verlassen habe. Die auf 22,5 mm eingebrachte Papierspitze zeigte einen Blutungspunkt, sodass die ELM plausibel erschien.

Erst nach einigen Spüldurchgängen passte es dann wieder. ELM 22,5 mm und die Papierspitze war nicht mehr rot.

Meine Erklärung: Durch den Einstrom von Flüssigkeit aus der apikalen Aufhellung wurde die ELM falsch positiv beeinflußt. Wäre ich beständig im periapikalen Gewebe unterwegs gewesen, hätte die Papierspitze immer dieselbe Art der Färbung gezeigt.

Um das vom Überweiser durchzuführende Aufhellen des leicht diskolorierten Zahnes zu erleichtern, habe ich nach adhäsivem Abdecken der Guttapercha, den Raum, der das Aufhellmittel einnehmen soll, mit CaOH2 aufgefüllt.

Darüber wurde ein Schaumstoffpellet und Cavit eingebracht und der Zugang mit einer dünnen Schicht eines Flow-Komposits verschlossen.

Getinge Claro

GETINGE WD15 CLARO
DER KLARE FAVORIT UNTER DEN REINIGUNGS- UND DESINFEKTIONSGERÄTEN

Diesem Satz aus der Werbung für den Getinge Clara können wir als langjähriger Anwender nicht nachvollziehen.

Seit 2013 nutzen wir den Getinge RDG.
Gekauft habe ich das Gerät auf der Fachdental in Leipzig. Frau Ulrike Neckermann hat mir das Gerät vorgestellt. Miele war als Alternative im Gespräch.
Mein Anspruch war: Keine Nachreinigungs- oder Putzarbeiten an den gereinigten Instrumenten. Miele hatte mir auf der IDS vorgerechnet, daß mich das dann knapp € 30000,00 brutto kosten würde, da ich eine Wasseraufbereitung benötigen würde.
Frau Neckermann von Getinge meinte auf der Fachdental der Claro schafft das auch so.
Wir haben diesem Versprechen geglaubt und en Claro gekauft.

Alles klang wirklich gut und uns wurde schwedische Stabilität versprochen. So ähnlich, wie Volvo. ( Anmerkung: Volvo ist wohl inzwischen chinesischer Hand und ebenso Getinge )
Empfohlen wurde mir ebenfalls von Frau Neckermann, die Firma Sendzik Dental aus Freiberg als Serviceunternehmen.
Sendzik lieferte das Gerät und baute es in unsere Praxis ein.
Hier, hier und hier berichtete ich bereits.

Das Gerät konnte im Praxisalltag die Aussagen der Getingevertreterin nicht bestätigen.

Nach einigen Problemen am Anfang und einem Hin- und Her mit Frau Neckermann haben wir eine Umkehrosmoseanlage Vewmed Modellreihe C-ep zusätzlich eingebaut. Dies erfolgte durch die Firma Paul Grah in Düsseldorf. Getinge übernahm die Fahrtkosten und wir die gesamte Installation.

Die Kosten:
RDG  Getinge Claro  € 9429,38
Vewamed C-ep        € 5396,67
Absaugkanülen- und Übertragungsinstrumentenrampe MediDes L. Sager:  1815,58

Es begann eine Zeit mit ständigen Reparaturen, inkompetenter Zusammenarbeit mit Getinge, die dann in beleidigender Mail gipfelte.

Damals habe ich das Problem der Geschäftsführung Firma Getinge mitgeteilt:

Zitat aus meiner Mail 2019

Die Firma Sendzik ist unser Ansprechpartner für den Thermodesinfektor.

Im Januar waren plötzlich unsere Washchecks nicht mehr so gereinigt, wie zur Validierung und bei der vorhergehenden Wartung von Sendzik Dental.

Wir hatten zu dieser Wartung auf den enzymatischen Reiniger umgestellt, da zu viele Instrumente bei uns eloxiert sind und durch die alkalischen Reiniger zerstört wurden.

Zuerst haben wir Sendzik kontaktiert. Uns wurde gesagt, daß wir die falschen Washchecks verwenden. Wir müssten statt der 3 farbigen von GKE, die gelben Washchecks verwenden. Nur hat Sendzik selbst die Wartung und Umstellung mit diesen Washchecks dokumentiert. Deshalb wurde die Validierung ebenso durchgeführt.

Wenn wir nun erfahren, daß die Washchecks falsch sind, dann stimmt etwas nicht und deshalb habe ich mich an Getinge gewandt um diese Frage zu lösen.

Ich habe keinen Ansprechpartner bei Getinge gefunden, der dies beantworten konnte!

Deshalb wurde mir gesagt, daß man einen Techniker vorbei schickt. In Leipzig wird jemand angelernt und das wird der Techniker aus Berlin Herr Hoffmann durch führen.

Bis dieser Termin zustande kam vergingen mehr 2 Monate und viele Telefonate mit Getinge, da sich Herr Hoffmann nie zur Terminabsprache bei uns meldete.

Dann hatten wir einen Termin am Freitag, den 08.03.2019 um 09.00 Uhr.

Der Techniker Herr Hoffmann kam um 10.30 Uhr und nur, weil wir ihn telefonisch in unsere Praxis leiteten!

Die genannten Problematik war Herrn Hoffmann neu und er sagte mir als erstes, daß er keine Erfahrung mit enzymatischen Reinigern hat. 

Aber genau das war unser Problem. Durch das 1,5 stündige zu spät zum Termin kommen hat eine MItarbeierin und ich 1,5 Stunden länger in der Praxis verbracht als geplant. Einen wichtigen Arzttermin musste ich absagen.

Ein Testlauf mit Beladung konnte aus Zeitmangel nicht mehr stattfinden.

Einen Wartungsbericht/ Servicebericht haben wir nie erhalten und wurde auch nicht von uns unterschrieben.

Am Montag nach dem Technikerbesuch waren die Washchecks unverändert, also nicht dem Validierungsergebnis entsprechend!

Daraufhin habe ich mich mit der Firma GKE zusammengesetzt und die Ursachen versucht zu ermitteln. Die Ursache ist der falsch eingesetzte Washcheck. Mit den gelben Washchecks der Firma GKE wird ein abgewaschener Washcheck erreicht.

Die Rechnung für den Einsatz des Getingetechnikers hat uns dann sehr überrascht (siehe Anhang). Eine Fahrtkostenabrechnung, wie von Getinge habe ich in 30 Jahren Berufsleben noch nicht gesehen.

Ich habe bei Getinge Einspruch erhoben. 

Die Antwort von Getinge wurde mir indirekt als Mail im Juni 2020 neben einem nun vorhandenen Servicebericht und den Rechnungskorrekturen weitergeleitet.
Der angeschriebene Manager schrieb an seine Mitarbeiterin:


Hallo xxx,
anbei die Email von Herrn Dr. Löffler.
Bitte trete doch mal mit Ihm hierzu in Kontakt, damit Er sieht das wir als Getinge kundenorientiert arbeiten.
Ich würde Ihm einmalig eine Fahrtpauschale von 400 € anbieten und den Fall dann somit abschließen.
Wir werden aber hier den Kunden von unserer Seite her nicht weiterbetreuen.
Gib uns dann bitte wieder Bescheid, ob Er damit einverstanden ist, ich werde dann die Rechnung Neu Ausstellen lassen.

Nach Absprache mit einem Rechtsanwalt haben wir dem dann zugestimmt.
Der Servicebericht wurde auch nachgereicht, auf dem gibt es aber keine Unterschrift von uns, weil der uns bis zu unserem Einspruch nie vorlag.

Auf der Webseite von Getinge zum Thema Service ist zu lesen:

Getinge Care – Ihr Partner rund um Service
Getinge bietet ein umfassendes Angebot an Service- und Kundendienstleistungen zur Erreichung maximaler Verfügbarkeit und zum nachhaltigen Wert Ihrer Investitionen.

Und die Geschichte geht leider noch weiter…