Schärfeebenenabgleich am Dentalmikroskop bei Verwendung des Carr – Adapters

von Oscar von Stetten

Der Carradapter ist meiner Meinung nach einer der universellsten Adaptationslösungen für die digitale Dokumentation auf dem Markt.
Sicher mit Schwächen, nicht nur mit Stärken.

Die grösste Stärke ist die Möglichkeit, verschiedene Objektive mit all ihren Vorzügen an ein Mikroskop zu adaptieren. Eine funktionierende Belichtungsmessung, funktionierende Blendenautomatik, das sind schon Vorteile, wenn man mit einer dSLR dokumentiert.

Was ist der wirkliche Vorteil?
Die Objektive für dSLR sind auf ganz andere Vorzüge gerechnet und qualitativ konstruiert worden, als die momentan auf dem Markt befindlichen Mikroskopadapter. Weiterer Vorteil: die Blendensteuerung im Objektiv erhöht die Qualität, anstatt sie manchmal deutlich zu verschlechtern, wie es mit den Adapterseitigen Blendenlösungen wie z. B. Accubeam der Fall ist. Weiterer Vorteil des Carradapters: es wird nur der zentrale Teil des Objektives effektiv für die Aufnahme genutzt, der Bereich also, der von bester optischer Güte ist. Die Randbereiche, die aufgrund physikalischer Gegebenheiten einfach schlechter abschneiden, kommen gar nicht zum Tragen. Flexibilität: egal, für welches Objektiv ich mich entscheide, es gibt immer die passenden Adapterringe, um dieses auch an den Carr-Adapter zu befestigen.

Welches Objektiv an welcher Kamera sollte es sein?
Das ist und bleibt Geschmackssache. Nach verschiedenen Rumprobieren und Überlegungen zum Preis/Leistungsverhältnis bin ich bei meiner derzeitigen Kombination Canon 40D Canon f85/1,8 gelandet. Vom Gewicht her erträglich, vom Anschaffungspreis ebenso. Zusätzlich habe ich mir das Zeiss Planar T* f85/1.4 zugelegt. Bilder beider Objektive findet man zum Vergleich am Ende des Artikels.

Es werden weitere Testreihen bei mir laufen, ob die Canon 50D einen Vorteil in der Bildqualität bringt. Die 5D MarkII tut es auf jeden Fall nicht. Nicht so gravierend, als das ich mich gezwungen sehen würde, mir noch eine für das Dokumentieren mit dem Mikroskop zu holen. Zudem ich den Cropfaktor der 40D oder 50D von 1,6 essentiell wichtig empfinde, da mit diese beiden Kamerabodies den Bildwinkel eines effektiven f136-Objektives bringen, das Bild also bereits gezoomt wird. Interessant ist, ob der neuere Sensor der 50D (5MP mehr, bessere Signalverarbeitung) tatsächlich einen Vorteil bringt, der eine Investition rechtfertigt.
Was Nikon angeht, muss ich leider immer noch passen. Die Bilder, die ich von einer D300 laufend sehe, bestärken mich vielmehr in meiner Annahme, dass die vorgesetzte Optik viel wichtiger ist als der Kamerabody hintendran.

Schärfeadaptation

Was mich zuallererst verwirrt hat, war die Tatsache, dass bei einer APS-C Kamera wie der 40D der Schärfepunkt NICHT mit der Unendlichkeitseinstellung des Fokus korreliert. Bei der Vollformatkamera wie der 5D MarkII tut er es. Logisch eigentlich, erstaunlich war es trotzdem. Mit einem EF-S Objektiv von Canon, welches speziell auf APS-C gerechnet wurde, korreliert die Unendlichkeitseinstellung des Objektivs auch wieder mit dem Fokus. Das war also der Grund, der Crop-Faktor der Kamera.

Der optimale Punkt für diese Kombi liegt bei der Entfernungseinstellung von ca. 1,2m. Den optimalsten Punkt gilt es nun heraus zu finden. Das ist aufgrund der LiveView-Fähigkeit der 40D nicht weiter schwer.

Man fokussiert einen schräg stehenden Gegenstand durch die Okulare, bis ein definierter Punkt auf diesem Gegenstand scharf durch die Okulare zu sehen ist. Dann schaltet man die LiveViewfunktion ein und stellt solange am Objektiv die Entfernung ein, bis der scharfe Punkt auch im Liveview scharf zu sehen ist. Wichtig ist es, die Suchbildvergrösserung 5x einzuschalten, erst dann kann man den Effekt, der die richtige Schärfe anzeigt, auch wirklich sehen. Ist die optimale Objektschärfe erreicht, zeigt der Gegenstand eine farbige Korona, auch Farbquerfehler oder Abberation genannt. Ein Effekt, der eigentlich unerwünscht ist, im klinischen Bild aber nicht weiter auffällt.

Fein raus ist derjenige, der ein ProErgo mit Autofokus (Speedfokus) sein eigen nennt. Man hört mehr Schlechtes als Gutes über den Autofokus des Gerätes, aber wenn man halbwegs erfahren hat, wie dieser tickt, macht die Dokumentation viel mehr Spass. Denn die Fotokamera auf den Punkt einzustellen, der auch von der Mikroskopautomatik scharf gesehen wird, ist natürlich viel einfacher, als der Trick mit den Okularen.

Selbstverständlich kann man auch über die LiveView-Fähigkeit moderner Kameras auf ein Abgleich der Schärfebenen verzichten, allerdings dann nicht mehr auf einen Vorschaumonitor. Auf den sollte man sowieso nicht verzichten. Schon alleine aus Mitbeobachtungs- und Motivationsgründen für die Assistenz. Wenn man sich denn keinen Mitbeobachtertubus kaufen möchte, dann bleiben die Kameras das einzige Auge der Asisstenz.

Was jetzt?
Das Zeiss-Objektiv ist in meinen Augen weit aus besser als das Canon, kostet aber ca. das 3-fache. Es hat zudem den Vorteil, das der Verfahrweg des Zeiss bis 2m etwa 3/4 des gesamten Verfahrweges ausmacht, man den Schärfepunkt wirklich sehr gut finden kann.

Letztendlich entscheidet der persönliche Anspruch, was man haben möchte.
Aber eines ist mir in den letzten 4 Jahren deutlich geworden: billig und qualitativ hochwertig am DM dokumentieren, das gibt es einfach nicht.
Es ist nur die Frage, wird mit jedem Euro mehr auch die Qualität gleichzeitig besser?
Nein, es gibt IMHO eine Grenze des Sinnhaften.

Das Dokumentieren mit dem DM ist immer weit entfernt von dem, was ich persönlich als plug´n´play-Lösung bezeichnen würde.
Es bahnt sich aber mit den rasanten Entwicklungen auf dem Kameramarkt nur Gutes für uns an, da bin ich mir sicher.

Verbindungsprobleme

von Oscar von Stetten

Als ich letztens eine Kamera mit HDMI-Ausgang am Mikroskop hatte, wollte ich natürlich DEN Vorteil einer Full-HD-Darstellung am Flachbildschirm nutzen. Also kam nur HDMI in Frage. Leider hat die Kamera einen Mini-HDMI-Stecker-Ausgang. Nix schlimmes, ab zum Fachmarkt des Vertrauens und einen Adapterstecker gekauft. Dieser war von einem renommierten Zubehörhersteller und nicht gerade ein Schnäppchen für einen simplen Stecker.

Eingesteckt und…… es ging nicht. Warum? Der Kamerahersteller hat aus Abdichtungsgründen die Buchsen versenkt. Diese Versenkung verhinderte das vollständige Einführen des Adaptersteckers. Selbst ein liebevolles, forciertes Einführen hat nicht zum Funktionieren geführt. Also ab ins Labor, die grobe Gipsfräse eingespannt und den Adapterstecker wiederum liebevoll modifiziert. Überraschung: es ging wieder nicht…..

Da meine Liebe inzwischen aufgebraucht war, suchte ich im Internet nach einer Lösung. Und fand sie. Ein Adapterkabel mit 20cm Länge, welches perfekt passte. Auch kein Schnäppchen, aber das kauft man sich nur einmal. Der Vorteil: wenn man die Kameras am DM so oft wechselt wie ich, ist es von Vorteil, das passende Kabel bereits durch das DM hindurch gelegt zu haben. Da man sich nie sicher sein kann, welches Kabel-Steckersystem den Herstellern als nächstes in den Sinn kommt, sollte man, um flexibel zu blieben, sich für einen Typ entscheiden. Die HDMI-Kabel und Stecker werden auf längere Sicht so bleiben, wie sie sind. Durch das Adapterkabel habe ich eine flexible Lösung, egal ob Mini-HDMI- Stecker oder normaler HDMI-Stecker. Es kostet mich 2 sec, es auszutauschen, ohne die Not, ein neues Kabel durchs DM ziehen zu müssen.

Und ob das originale Kameraverbindungskabel des Kameraherstellers unbedingt ein Schnäppchen ist und ob es in der von mir benötigten Länge gibt, habe ich nicht einmal erfragt, da ich die Zubehörpreise schon immer etwas überzogen fand. Und sicher ist, dass die digitale Bildübertragung die Zukunft ist, auch wenn wir manchmal noch am Analogen hängen…..