Kleiner Vulkan (I)

Von Bonald Decker

Die Anfänge der nachfolgenden Krankengeschichte datieren recht weit zurück.

Nach einem in der dritten Klasse (ca. 1991) erlittenen Frontzahntrauma (die genaue Diagnose liess sich nicht mehr erheben) musste Zahn 22 aufgrund einer Pulpanekrose im Jahr 2004 endodontisch behandelt werden. Das damals angefertigte Orthopantomogramm zeigt ein zum Stillstand gekommenes, nicht abgeschlossenes Wurzelwachstum mit apikaler Transluzens.

Zustand nach Trauma

Zustand nach Trauma Zahn 22 vor vielen Jahren mit daraus resultierendem nicht abgeschlossenen Wurzelwachstum und apikaler Transluzens

Die Therapie des damals  22-jährigen Patienten wurde von dessen als Zahnarzt tätigen Vater durchgeführt. Die Wurzelkanalfüllung erfolgte mittels trägerbasierter Obturationstechnik (wohl Thermafil + Sealer). Seitdem war der Zahn symptomfrei. Die letzte radiologische Kontrolle des Zahnes fand 2011 statt.

Alio loco durchgeführte letzte Nachkontrolle  des Zahnes 22 nach endodontischer Behandlung (2011)

Mit Jahresbeginn 2015 beklagte der Patient allerdings zunehmende Beschwerden mit ausgeprägter Klopfempfindlichkeit und erhöhtem Lockerungsgrad (II-III) des Zahnes 22. Auch mit hochdosierten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR = 600mg Ibuprofen alle 4-6h) liessen sich die Schmerzen nicht mehr vollständig in den Griff bekommen. Das von uns angefertigte Einzelzahnröntgenbild bei Erstvorstellung liess vermuten warum…

Aktuell angefertigtes Einzelzahn-Röntgenbild bei Vorstellung mit aktuellen Beschwerden

Aufgrund der ausgeprägten apikalen Osteolyse und dem Resorptionsprozess entschieden wir uns gemeinsam mit dem Patienten für die Anfertigung eines DVTs. Nachfolgend hiervon ein paar Screenshots:

Präoperativ angefertigtes DVT Regio 22

Ca. 10×8 mm grosse Osteolyse, dieVestibulum und Palatum scheinbar verbindet

Nach eingehender Besprechung der Befunde mit Patient und Zuweiser (=Bruder&Zahnarzt) entschieden wir uns zunächst für einen nicht-chirurgischen orthograden Revisionsversuch. Eine ggf. spätere zusätzliche chirurgische Intervention bei unzureichendem orthograden Management der Infektion wurde vorab ebenfalls diskutiert. Die Zahnentfernung oder das primär chirurgische Vorgehen im Sinne einer Wurzelspitzenresektion wurden aufgrund des zu befürchtenden bleibenden Substanzverlustes von allen Beteiligten als Sekundärlösungen angesehen.

Zu Beginn der Revision musste zunächst der (extraaxial eingebrachte) Glasfaserstift entfernt werden.

Intraorale Ansicht vor Revisionsbeginn

Dies gelang relativ zügig mittels Munce Bohrern. Als nächstes galt es den Kunststoffträger des Wurzelfüllmaterials (möglichst in einem Stück!) zu bergen. Hier hat sich nicht nur bei uns die Anwendung von Hedström-Instrumenten (zum Teil mittels Umschlingungstechnik = Braiding-Technique) bewährt.

Entfernter Thermafil-Stift

Radiologisch vollständig entfernte Wurzelfüllmaterialien

Kaum war dies gelungen „präsentierte“ sich der Zahn als kleiner Vulkan…

Spontane Pusentleerung nach Entfernung der Wurzelfüllmaterialien-nach einiger Zeit stoppte der Prozess und der Zahn konnte nach medikamentöser Einlage temporär verschlossen werden. Der Patient berichtete am nächsten Tag von einer nahezu vollständigen Remission seiner Beschwerden.

Im zweiten Teil dieses Beitrags berichte ich über unser weiteres Procedere…

stay tuned

;-)

Blick über den Tellerrand- Ohrenschmerzen unklarer Genese

Von Bonald Decker

Die Schmerzen fingen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nach dem Fussball-Weltmeisterschaftsspiel gegen Cristiano Ronaldo et al. an. Anders als mir (insbesondere aus der Kindheit) bisher bekannte Ohrenschmerzen lag die Schmerzstelle nicht innerhalb des Ohres bzw. Gehörganges sondern schien primär die (linke) Ohrmuschel zu betreffen. Auf einer Skala von 0 -10 lag die gefühlte Intensität bei 6-7 und führte dazu, dass ich wiederholt aufwachte.

Die (stechenden) Schmerzen steigerten sich innerhalb des Freitags und schlossen nun auch das Ohrinnere mit ein. Subjektiv war das Hörvermögen nicht beeinträchtigt. Eine Erklärung für die Entstehung der Beschwerden hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich stellte jedoch innerhalb des Tages fest, dass Wäreeinwirkung eine sehr gute Linderung bewirkte.

Im Laufe des Samstags kam ein weiteres Hauptsymptom hinzu. Die Kopfhaut links war nun (plötzlich) extrem berührungsempfindlich, so dass zum Beispiel das Kämmen der Haare beträchtliches Missempfinden verursachte. Auch schienen die Oberkiefer-Seitenzähne im 2. Quadranten zu schmerzen. Die Ohrenschmerzen persistierten auch in dieser Zeit und konnten durch die Einnahme von Schmerzmitteln (Ibuprofen 600mg) nur für wenige Stunden reduziert werden. Die positive Wirkung von Wärmeinwirkung in der Region nahm (leider) stetig ab.

Montagfrüh fielen mir dann am Hals links (Kehlkopfbereich) erstmals rötliche Pusteln auf. Deren Anzahl steigerte sich im Laufe des Tages und zum Abend hin hatte ich einen sehr starken Verdacht, was die Ursache meiner Schmerzen in der linken Gesichtshälfte war.

Meine Verdachtsdiagnose wurde am Dienstagmorgen von der Dermatologin bestätigt:

Herpes Zoster 

Als Therapie wurden mir ein orales Virostatikum (Aciclovir 800mg-5x tägl.) sowie Analgetika (Ibuprofen) verschrieben. Kurzfristig stand auch eine stationäre Aufnahme mit systemischer Gabe des Aciclovirs im Raum. Ich war froh, dass diese Hiobsbotschaft aber nicht eintrat. Auch die empfohlenen Untersuchungen bei Augen- und Ohrenarzt (u.a. zum Ausschluss einer Beteiligung des Sehnerven) blieben zum Glück (!) ohne pathologische Befunde.

Bis Donnerstag verschlechterte sich mein „Erscheinungsbild“ zunehmend und ich sah aus wie ein pubertierender Jugendlicher mit Akne.

Herpes Zoster in linker Gesichtshälfte

Gut zwölf Tage nach meinen ersten Symptomen waren die grössten „Spuren“ der Herpes-Zoster-Erkankung abgeklungen. Was jedoch deutlich länger persistierte war die postherpetische Neuralgie. Eine subjektiv empfundene Mischung aus Juckreiz und starkem Sonnenbrand (Skala 8). Glücklicherweise war auch dieser Spuk einige Zeit nach dem Ende der Fussball-Weltmeisterschaft komplett verflogen. Ob der Gewinn des Fifa-Pokals damit etwas zu tun hatte halte ich für unwahrscheinlich. Geschadet hat er aber sicher nicht ;-)

Wenn ich jedoch im Vorfeld gewusst hätte, dass eine mögliche Herpes-Zoster-Impfung diese „Erfahrung“ verhindert (oder deutlich gelindert) hätte, so wäre diese Massnahme für mich definitiv in Frage gekommen. Eine solch beeinträchtigende Erkrankung (in diesem Fall nur temporär) führt einem sehr deutlich vor Augen, wie kostbar die (eigene) Gesundheit ist.   Vielleicht sprechen Sie diese Thematik also bei Ihrem nächsten Hausarztbesuch an und klären, ob die Impfung für Sie in Frage kommt…

Anders als den 4. Stern kann man eine Herpes-Zoster-Erkrankung nämlich nicht wirklich  „gebrauchen“.