Blick über den Tellerrand- Ohrenschmerzen unklarer Genese

Von Bonald Decker

Die Schmerzen fingen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nach dem Fussball-Weltmeisterschaftsspiel gegen Cristiano Ronaldo et al. an. Anders als mir (insbesondere aus der Kindheit) bisher bekannte Ohrenschmerzen lag die Schmerzstelle nicht innerhalb des Ohres bzw. Gehörganges sondern schien primär die (linke) Ohrmuschel zu betreffen. Auf einer Skala von 0 -10 lag die gefühlte Intensität bei 6-7 und führte dazu, dass ich wiederholt aufwachte.

Die (stechenden) Schmerzen steigerten sich innerhalb des Freitags und schlossen nun auch das Ohrinnere mit ein. Subjektiv war das Hörvermögen nicht beeinträchtigt. Eine Erklärung für die Entstehung der Beschwerden hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich stellte jedoch innerhalb des Tages fest, dass Wäreeinwirkung eine sehr gute Linderung bewirkte.

Im Laufe des Samstags kam ein weiteres Hauptsymptom hinzu. Die Kopfhaut links war nun (plötzlich) extrem berührungsempfindlich, so dass zum Beispiel das Kämmen der Haare beträchtliches Missempfinden verursachte. Auch schienen die Oberkiefer-Seitenzähne im 2. Quadranten zu schmerzen. Die Ohrenschmerzen persistierten auch in dieser Zeit und konnten durch die Einnahme von Schmerzmitteln (Ibuprofen 600mg) nur für wenige Stunden reduziert werden. Die positive Wirkung von Wärmeinwirkung in der Region nahm (leider) stetig ab.

Montagfrüh fielen mir dann am Hals links (Kehlkopfbereich) erstmals rötliche Pusteln auf. Deren Anzahl steigerte sich im Laufe des Tages und zum Abend hin hatte ich einen sehr starken Verdacht, was die Ursache meiner Schmerzen in der linken Gesichtshälfte war.

Meine Verdachtsdiagnose wurde am Dienstagmorgen von der Dermatologin bestätigt:

Herpes Zoster 

Als Therapie wurden mir ein orales Virostatikum (Aciclovir 800mg-5x tägl.) sowie Analgetika (Ibuprofen) verschrieben. Kurzfristig stand auch eine stationäre Aufnahme mit systemischer Gabe des Aciclovirs im Raum. Ich war froh, dass diese Hiobsbotschaft aber nicht eintrat. Auch die empfohlenen Untersuchungen bei Augen- und Ohrenarzt (u.a. zum Ausschluss einer Beteiligung des Sehnerven) blieben zum Glück (!) ohne pathologische Befunde.

Bis Donnerstag verschlechterte sich mein „Erscheinungsbild“ zunehmend und ich sah aus wie ein pubertierender Jugendlicher mit Akne.

Herpes Zoster in linker Gesichtshälfte

Herpes Zoster in linker Gesichtshälfte

Gut zwölf Tage nach meinen ersten Symptomen waren die grössten „Spuren“ der Herpes-Zoster-Erkankung abgeklungen. Was jedoch deutlich länger persistierte war die postherpetische Neuralgie. Eine subjektiv empfundene Mischung aus Juckreiz und starkem Sonnenbrand (Skala 8). Glücklicherweise war auch dieser Spuk einige Zeit nach dem Ende der Fussball-Weltmeisterschaft komplett verflogen. Ob der Gewinn des Fifa-Pokals damit etwas zu tun hatte halte ich für unwahrscheinlich. Geschadet hat er aber sicher nicht ;-)

Wenn ich jedoch im Vorfeld gewusst hätte, dass eine mögliche Herpes-Zoster-Impfung diese „Erfahrung“ verhindert (oder deutlich gelindert) hätte, so wäre diese Massnahme für mich definitiv in Frage gekommen. Eine solch beeinträchtigende Erkrankung (in diesem Fall nur temporär) führt einem sehr deutlich vor Augen, wie kostbar die (eigene) Gesundheit ist.   Vielleicht sprechen Sie diese Thematik also bei Ihrem nächsten Hausarztbesuch an und klären, ob die Impfung für Sie in Frage kommt…

Anders als den 4. Stern kann man eine Herpes-Zoster-Erkrankung nämlich nicht wirklich  „gebrauchen“.

 

6 Gedanken zu „Blick über den Tellerrand- Ohrenschmerzen unklarer Genese

  1. Hallo Bonald,

    zum Glück geht’s Dir wieder gut. Aber neben der Impfung wäre es sicherlich gut gewesen, wesentlich früher zum Arzt zu gehen und nicht bis Dienstag (!) zu warten. Möglicherweise hätte er die Krankheit schon am Freitag diagnostiziert, so dass die medikamentöse Therapie früher hätte begonnen werden können und Du Dich nicht solange mit den Schmerzen geplagt hättest.

    Herzliche Grüße

    Haya

      • Möglicherweise hätte der Arzt die Ohrenschmerzen nicht zuordnen können, denn die Bläschen sind ja erst viel später aufgetreten. Die Gabe von Aciclovir zu diesem Zeitpunkt scheint mir auch nicht mehr sinnvoll. Zum Einem war sie viel zu spät und zum Anderen ist die Verfügbarkeit peroral zu niedrig. Brivudin hätte da wahrscheinlich mehr gebracht.
        Aber zum Glück ist ja alles wieder o.k.. Gab es Nervenausfälle (Zoster oricus?)? Und sind Narben zurückgeblieben?

        Viele Grüße

        • Vielen Dank für den Hinweis auf Brivudin, diese Arznei kannte ich bisher nicht.
          Das Unerfreuliche am H. zoster ist ja, dass er leider immer wieder kommt und man lernen muß, die ersten Symptome als H. zoster zu diagnostizieren, um möglichst rasch eine Virustatikum einzunehmen um das „Aufblühen“ vielleicht noch zu verhindern

        • Bonald sagt, dass nichts zurückgeblieben ist. Ausfälle gab es in der Zeit nicht.
          Die HNO-Ärztin hat Bonald am Dienstag wörtlich gesagt:“gut,dass Sie nicht gleich am Freitag da waren, da ich zu diesem Zeitpunkt keine Ursache für Ihre Beschwerden gefunden hätte“…
          Zur Dosierung und Wahl des
          Virostatikums kann B. leider nichts
          sagen; er musste sich auf die Empfehlung der Dermatologin verlassen und ist dieser gefolgt …

          • Hallo Bonald,

            zum Hausarzt natürlich! Es ist doch nicht anders als mit den Zähnen: Wenn Du einen Patienten mit Zahnschmerzen im Bereich 6 – 7 hättest, würdest Du ihm auch nicht raten, nicht zum Zahnarzt zu gehen, sondern lieber noch 5 Tage zu warten, oder?

            Selbstverständlich kann dem Patienten niemand garantieren, dass der konsultierte Mediziner (ob Zahn oder andere Bereiche des Körpers) auch die Schmerzursache findet und beseitigen kann, aber den Versuch sollte man immer wagen, meine ich. Starke Schmerzen sollte man nicht ignorieren. Ein erfahrener Hausarzt, der den Patienten und seine Krankengeschichte kennt, hätte meines Erachtens auch schon am Freitag, spätestens aber am Montagfrüh durchaus zutreffend diagnostizieren können – so selten ist H. Zoster ja nicht und die von Bonald beschriebenen Symptome scheinen klassisch und nicht untypisch zu sein.
            Und dann ist es auch mit Humanmedizinern nicht anders als mit Zahnmedizinern: Es gibt durchaus individuelle Unterschiede des Könnens, des Wissens und der Erfahrung, nicht jede/r kann immer alles zutreffend diagnostizieren und richtig behandeln. Dasselbe gilt auch für Fachärzte, da habe ich selbst schon sehr große Unterschiede erlebt. Insofern würde ich meinen Hausarzt / Zahnarzt gut auswählen und ihn, wenn ich stärkere Schmerzen hätte, immer erst einmal zu Rate ziehen. Wenn er mir nicht weiterhelfen kann, muss ich weitersuchen, aber es ist m.E. der zielführende Umgang mit einer solchen Situation.

            Liebe Grüße

            Haya

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