Der 52- jährige Patient wurde uns mit dem Verdacht einer Wurzelfraktur an Zahn 36 überwiesen.
Zur Vorgeschichte:
Ursprünglich wollte der Zuweiser eine endodontische Therapie am Zahn 36 (bei irr. Pulpitis nach proth. Neuversorgung) einleiten.
Nach der Leitungsanästhesie und nachfolgender Anfertigung einer Einzelröntgenbild wurde dieses Vorgehen allerdings verworfen, da für den Kollegen radiologisch der starke Verdacht einer Wurzelfraktur bestand.
Tatsächlich könnte man bei ersten Betrachten der alio loco angefertigten Aufnahme diese Vermutung äussern…
Bei genauer Betrachtung fällt allerdings noch weit mehr auf:
Zu sehen ist eine zusätzliche distale Wurzelkontur mit doppeltem
Parodontalspalt- bzw. Lamina-dura-Konturen
Dies bewahrheitete sich auch bei der Betrachtung einer älteren Aufnahme.
Unsere Diagnose lautete daher nicht Wurzelfraktur, sondern das Vorliegen einer zusätzlichen, typischerweise distolingual gelegene Wurzel.
Diese Radix entomolaris (RE) findet sich vor allem an ersten Unterkiefermolaren und ist wegen seiner variablen Kanal- und Wurzelanatomie endodontisch bedeutsam.
Die Prävalenz unterscheidet sich deutlich zwischen Populationen. In europäischen Populationen liegt sie meist zwischen 1–3 %. Eine multinationale CBCT-Untersuchung (2023) mit 12.608 ersten Unterkiefermolaren aus 15 Ländern berichtete eine gepoolte RE-Prävalenz von etwa 3 % . Für zweite Unterkiefermolaren werden insgesamt deutlich geringere Häufigkeiten beschrieben. In ostasiatischen Populationen werden von etwa 5–30 % berichtet. Grundsätzlich kann der Befund ein- oder beidseitig auftreten.
Die endodontische Therapie konnte in gewohnter Weise durchgeführt werden.
Hier die weiteren Impressionen der Behandlung…
Fazit: Kenne die Anatomie und lese das Röntgenbild
