Toleranz

von Ronald Wecker

Ein anderer Begriff fällt mir zum folgenden Behandlungsfall nicht ein.

R6

Die Aufmerksamkeit gilt hier nicht der endodontischen Behandlung der Zähne 22 und 11, sondern vielmehr dem seit mehr als 30 Jahren in Regio 21 befindlichen Fremdkörper.

Klinisch gibt es weder im Vestibulum noch im Kieferkammbereich Auffälligkeiten. Anamnestisch berichtete der Patient über einen lange zurückliegenden schweren Verkehrsunfall, in dessen Folge die Oberkieferfrontzähne prophetisch versorgt wurden. Der im mittleren Drittel verbliebene Rest eines metallischen Wurzelstiftes wurde dabei ebenso toleriert, wie das im unteren Drittel unbehandelt geblieben Kanalsystem des 21 und das zur Augmentation des Kieferkamms eingebrachte alloplastische Material.

Von einer Entfernung des offensichtlich beim Unfall stark intrudierten Wurzelrestes wurde der Patientin aufgrund der mehr als 30 Jahre bestehenden Beschwerdefreiheit und der fehlenden radiologischen und klinischen Symptomlosigkeit abgeraten.

2D vs. 3D

von Bodald Necker

um es gleich vorauszuschicken, bei diesem Fall liegt kein DVT vor.
Jedoch stellten uns die klassischen 2D-Röntgenbilder vor Rätsel.
Zahn 12 und 13 sollten entfernt werden, da sie nicht mehr erhaltungswürdig sind.
Doch woher kommt plötzlich der Wurzelrest in Regio 14?


Auf vorhergehenden Bildern war er nicht als solcher zu erkennen.
Überlagerung?


Möglich. Denn der gegossene Stiftaufbau, der im Zahn 13 zu erkennen ist, scheint nicht unbedingt in der gleichen Achse zu liegen, wie die WF. Könnte als eine Überlagerung sein.

Ein DVT hätte hier Klarheit im Vorfeld geschafft.
Aber was wäre hier, in diesem Fall, der Nutzen gewesen?
Die Zähne 12 und 13 sollten gezogen werden. Dann wird der Wurzelrest 14 mit entfernt.
Meiner Meinung nach brächte das DVT hier keinen Vorteil, denn auch auf dem 2D-Bild ist zu erkennen, dass sich die Überraschungen in Grenzen halten werden, auch wenn plötzlich ein „neuer“ Wurzelrest auftaucht.

Also Lokalanästhesie und Extraktion.
Schon nach der Entfernung des 13 war das Rätsel gelöst.
Längsfraktur der Wurzel an 13 mit Dislokation des Fragmentes um mehr als einen halben Zentimeter.

Da die Zähne sowieso zur Extraktion anstanden war es hier kein Problem, wenn es um Zahnerhaltung gegangen wäre, hätte man mit einem DVT deutlich genauere Informationen erhalten. Ich gehe davon aus, dass aber in diesen Fall zwei zusätzliche exzentrische Bilder Klarheit gebracht hätten.