Au revoir Paris ! – Zurück von der ESE- Zwei-Jahres-Tagung (IV) – „« Le roi est mort, vive le roi »“

« Le roi est mort, vive le roi »


So scheint es.
Was unsere Wurzelkanal Sealer angeht.

Der neue König ?
Die sogenannten „biokeramischen“ Sealer.

Der alte König ?
Alle anderen Sealer.
Die von nun an mausetot sind.

So zumindest war für mich der Eindruck nach dem letzten Mittwoch.
In einer hochkarätig besetzten DGET – Abend-Fortbildung waren diese Sealer besprochen worden.

Und – um im königlichen Kontext und einer angemessenen Semantik zu bleiben – es wurde das hohe Lied auf diese neuen Materialien gesungen. Wer dem beiwohnte, der konnte eigentlich nicht umher kommen – sofern er nicht schon längst mit diesen Materialien arbeitete – schleunigst auf diese vielversprechenden Sealer umzusteigen.

„Ist gut für mich gelaufen“, sagte dann auch am nächsten Tag meine Kollegin in der Praxis.
Die, im Gegensatz zu mir, solche Sealer einsetzt. Und sich freute wie eine Schneekönigin.

Ein paar Wochen zuvor, in Paris bei der ESE – 2 Jahres- Tagung hatte ich schon einmal einem Vortrag mit dieser Thematik beigewohnt. Insofern war es für mich interessant, zu erfahren, inwieweit hier entweder unisono oder kontrovers die Thematik gesehen wurde, Der Redner – ein französischer Kollege. Frédéric Bukiet. Sein Vortrag war überschrieben:
Is hydraulic condensation with Calcium Silicate-Based Sealers as Simple as It Seems?

Und auch wenn die Überschrift eine gewisse Skepsis suggerierte, so war auch hier nach wenigern Minuten klar, dass auch dieser Referent ein Befürworter dieser Materialklasse war.
Allerdings.

Im Gegensatz zu den deutschen Kollegen wurde deutlich differenzierter auf die verschiedenen „Reibungspunkte“ eingegangen. Aushärteproblematik, Löslichkeit, Inkompatibilität mit warmen Füllverfahren, Frage der Revidierbarkeit. Vor allem aber auch, das eine gewisse Diskrepanz zwischen den in vitro-Studien und der klinischen Realität besteht. Auch die im Vergleich zu den anderen Sealern teils exorbitant höheren Kosten wurden in Paris (Siehe Foto Vortrags-Folie) angesprochen.

Was zählt letztendlich ? Jörg Schröder würde sagen und Christoph „Nur der BVB“ Kaaden würde zustimmen: „Grau ist alle Theorie – entscheidend ist aufm Platz“

Wie das Ganze also in der klinischen Praxis abschneidet !
Die Studien hierzu: Nicht besser, nicht schlechter.

Am Ende brachte Frédéric Bukiet – ohne das eine Material auf einen ungebührlich hohen Sockel zu setzen und ohne die anderen Materialien schlecht zu reden – die Problematik in 2 Sätzen zusammengefasst auf den Punkt:

Warum einen teuren Sealer verwenden, der die klinische Erfolgsrate nicht verbessert????
Weil´ s Zeit spart und einfacher geht.

Dieser ehrliche Einschätzung kann ich zustimmen.
Warum ich dennoch die Entwicklung zwiespältig sehe und sogar so weit gehe, zu sagen, das das Material der Endodontie nicht zum Vorteil, sondern zum Nachteil gereicht, darüber schreibe ich auf unserer WURZELSPITZE Patreon-Homepage kommenden Freitag…