Wie war das nun mit der Patientin, die so vehement einforderte, die Anästhesie für die Behandlung wegzulassen ?
Die interessante Vorgeschichte findet sich hier.
Ich hatte 3 Gedanken zur Abstimmung gegeben. Zunächst also das Meinungsbild der WURZELSPITZE – Leser.

Und hier meine Gedanken in der Sache
- Die (mir) sympathische Antwort: Patientin ohne Behandlung nach Hause schicken. Wie verrückt ist das denn? Ich bin jetzt 31 Jahre Zahnarzt und der Patient mit keinerlei Fachkenntnissen kommt und meint, er wisse es besser, wie die Behandlung durchzuführen sei. Man stelle sich vor, selbiger Patient beim Besuch eines Sterne-Restaurants und er gebe als Erstes bei der Bestellung an, der Koch möge bitte die vielen Gewürze, das Fleur de Sel und den seit 4 Tagen auf dem Herd vor sich hin köchelnden Knochenfond weglassen, schliesslich habe die Oma früher mit MAGGI gekocht und das habe doch auch immer lecker geschmeckt. Würde kein Gast tun in der Sterne- Gastronomie. Und wenn doch? Wie würde der Küchenchef antworten ?“ Klar, machen wir. Kein Thema. Der Kunde ist König und irgendwo steht so ne grosse Flasche MAGGI doch ohnehin bei uns im Regal rum?“ Sicher nicht. Die richtige Antwort? My way or the highway ! Dieser sicherlich platte Spruch vom Zahnärzte-Stammtisch, der hier aber passt wie die berühmte sprichwörtliche Faust aufs Auge. Oder, wie einer meiner Studienkollegen vor Jahrzehnten schon sagte. Einmal im Monat trenne ich mich von einem unangenehmen Patienten. Das gönne ich mir für mein Seelenheil !
ABER
was würde passieren im vorliegenden Fall?
Die Patientin würde stinksauer ihren einstündigen Fahrweg nach Hause antreten. Der Hauszahnarzt würde die Behandlung ohne Anästhesie durchführen und egal wie grottig das Endergebnis auch ausfallen würde, für die Patientin wäre der Nachweis erbracht, dass SELBSTVERSTÄNDLICH auch ohne Anästhesie, ohne Kofferdam, ohne OP – Mikroskop, ohne DVT und ohne Laser eine Endo durchgeführt werden kann, mit anderen Worten unsere Behandlung lediglich eine sehr teure Schaumschlägerei ohne praktischen Nutzen darstellt. Eine Negativwerbung vom Feinsten. Eine Katastrophe! - Die pragmatische Antwort: Zur Tagesordnung übergehen, Spritze geben, loslegen und gut ist. Würde ich mir wünschen. Es tun zu können. Da denke ich immer an meinen Steuerberater, ein Klassenkamerad aus Abi- Zeiten. Der erzählte mir, wie er mit solchen Kunden umgeht, von denen er natürlich auch nicht verschont bleibt. Kunden, die NATÜRLICH besser wissen, welche todsicheren steuerlichen Winkelzüge es gibt, sein sauer verdientes Geld legal am Staat vorbei zu schaffen. Er hört sich das immer an, teilt seine Bedenken in der Sache mit, aber wenn der Kunde partout nicht hören will, dann sagt es nur ebenso kurz wie emotionslos. „Gut. Wenn Sie das wollen, dann versuchen wir das! Mal sehen, was das Finanzamt dazu sagt!“.
Und der Kunde ist glücklich und er hat seine Ruhe.
Ich bewundere das, aber ich kann das nicht. - Die anstrengende Antwort: Erklären, warum man eine Spritze gibt. Ist das, was ich letztendlich gemacht habe. Auch wenn ich eigentlich nicht daran glaube, das meine Worte wirklich zur Patienten vordringen. Was habe ich geantwortet ?
Ihr Hauszahnarzt hat ohne Spritze gearbeitet ?
Hat er denn auch eine Kofferdamisolierung angelegt? Nein? Ich frage, weil diese Isolierung mit Klammern am Zahnfleischrand befestigt wird. Und das kann, ich zeig es Ihnen mal an ihrem Finger, auch manchmal ganz schön drücken und schmerzhaft sei. Da hilft die Betäubung, ihnen Schmerzen zu ersparen. Immerhin, die Behandlung dauert ja vielleicht eine Stunde, und da wäre dieser Schmerz auf Dauer schon sehr sehr unangenehm.
Hat ihr Hauszahnarzt eine elektrische Längenmessung durchgeführt?
Die Geräte arbeiten mit Strom, der angelegt wird und es gibt Patienten, die merken dies sogar trotz Betäubung. Ohne Betäubung ist so ein Stromschlag noch viel unangenehmer.
Und hat ihr Hauszahnarzt mit dem Laser gearbeitet?
Auch das kann in bestimmten Siutationen sogar mit Betäubung zu spüren sein, ohne Betäubung ist es dann noch viel unangenehmer.
Sie sehen also.
Das sind schon mal 3 gute Gründe, mit Betäubung zu arbeiten.
Was meinen Sie ?