Hab ich das nicht toll gemacht ?

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

„Und ???  Was sagst Du ?“
Der junge Kollege kam ins Büro und heftete freudestrahlend die Röntgenaufnahme an der Leuchtschirm.
Der Stolz auf das Geleistete war nicht zu übersehen als er seinen Seniorpartner anschaute und mit fragenden Augen das Lob des erfahrenen Behandlers herbeisehnte.
Die Aufnahme zeigte einen  Zahn 14, 2 Kanäle sauber aufbereitet und satt bis unmittelbar vor die Wurzelspitze abgefüllt.
Nichts Aussergewöhnliches, aber von der gezeigten Qualität doch überdurchschnittlich für das Leistungsniveau des Kollegen.
„Sieht gut aus“, sagte der erfahrene Kollege.
„Ja, find ich auch!“ meinte der Behandler und schwebte dabei  förmlich ein paar Zentimeter über dem Boden.
„Aber weisst Du, was merkwürdig war “ sprudelte es euphorisch aus ihm heraus.  „Der Zahn war eigentlich unauffällig. Keine Füllung, keine Karies. Keine Ahnung, warum der Zahn unbedingt wurzelkanalbehandelt werden sollte.“
Der alte Zahnarzt stutzte.
Schaute in die Unterlagen, die vor ihm auf dem Tisch lagen.
Ein Blick auf das Privatrezept, auf dem der Überweisungsauftrag niedergeschrieben war.
Und antwortete: „Vielleicht weil es der Zahn 15 war, den Du eigentlich hättest behandeln sollen ?“

Teamwork

von Olaf Löffler

Die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Praxen auf dem Überweiserprinzip ist eine Herausforderung für alle Beteiligte.

Der spezialisierte Kollege ist bemüht, daß derzeit technisch/zahnmedizinisch Machbare zu erreichen.
Der überweisende Kollege gibt seinen Patienten in die Hand eines Kollegen.
Dies heißt ein gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und eine gemeinsame Strategie zur optimalen Versorgung des Patienten zu finden.

In unserer Praxis wird dies folgendermaßen gehandhabt:

  • Im Mittelpunkt steht immer der Patient.
  • Die eingehende Beratung des Patienten erfolgt durch den spezialisierten Kollegen.
  • Die Therapie wird an Hand einer gründlichen Diagnostik festgelegt und erfolgt in jedem Fall in Absprache mit dem Hauszahnarzt.
  • Der Patient wird lediglich im Rahmen seines Überweisungsauftrages behandelt.
  • Der zu behandelnde Zahn wird (adhäsiv) aufgebaut und ist vorbereitet zur weiteren prothetischen Versorgung. Sollten Stiftversorgungen notwendig sein, werden diese in jedem Fall von uns inseriert um eine Reinfektion auszuschließen.
  • Alle relevanten Behandlungsinformationen werden dem Hauszahnarzt in einem Abschlussbericht mit Epikrise, Röntgen- und Bilderdokumentation zur Verfügung gestellt.
  • Der Patient wird in einem endodontischen Spezialrecall nach 6/12/24/60 Monaten und 10 Jahren nachuntersucht. In einigen Fällen bereits nach 3 Monaten.

Wir wünschen uns  vom überweisenden Kollegen:

  • Eine Diagnose und alle anamnestischen Angaben – Schmerzbeginn, Behandlungsbeginn, Vorbehandlung, gemessene Längen, aufgetretene Probleme, Komplikationen, Instrumentierung, etc..
  • Die Überlassung aller relevanten Röntgenaufnahmen zum  Überweisungsfall.
  • Informationen zur geplanten postendodontischen Versorgung.

Der Patient sollte vom Überweiser über alle vorliegende oder aufgetretene Probleme informiert sein, um zu vermeiden, dass der spezialisierte Kollege den Patienten auf nicht von ihm zu verantwortende Unzulänglichkeiten und Probleme hinweist, die der Patient wiederum als Fehler des  Hauszahnarztes interpretieren könnte.
Als Beispiel habe ich eine bilddokumentierte Behandlungsverlauf angefügt.

Sind alle Voraussetzungen gegeben, so resultiert ein Ergebnis, dessen  Summe deutlich größer ist als die Summe ihrer Einzelteile. Soll heißen, alle Beteiligten profitieren gleichermaßen von der Zusammenarbeit, und dieser Erfolg wird  letztendlich positiv weitergetragen.