Kofferdamgeschichten (2)

von Hans – Willi Herrmann

Jeder hat ja so seine eigene Kofferdam- Geschichten. Letzte Woche hat Olaf Löffler hier dieses Thema aufgetan, das über die hinreichend bekannte Brisanz des Themas „Kofferdam“ in der Zahnmedizin allgemein im Rahmen der Diskussion noch eine ganz andere, politische, weltanschauliche Komponente bekommen hat.

Hier nun meine Kofferdam- Geschichte, die zeigt, dass „diese“ Kofferdam- Problematik dies und jenseits des eisernen Vorhangs existierte:

Kofferdam war nicht mein Ding im Studium.

Ich glaube, dass zu meiner Zeit (Examen 1990) dies vermutlich nahezu  jeder Zahnmedizin- Student so empfunden hat.

Da traf es sich gut, daß, trotz aller im Rahmen der Kons- Vorlesung im großen Hörsaal stattgefundenen Anpreisungen und Lobhudelein, die Vorzüge des Kofferdams betreffend, zwei Stockwerke höher, im Kons – Kurssaal,  keiner mehr davon wissen wollte.

So blieb die Kofferdam – Anwendung während meines Studiums – abgesehen von einer schikanösen Auflage eines Kursassistenten im Hinblick auf eine Kompositfüllung im Frontzahnbereich –   auf die wenigen endodontischen Behandlungen beschränkt, die wir durchführten.

Mit diesen Eindrücken trat ich meine erste Assistentenstelle an.
Dort kam Kofferdam offensichtlich häufiger zum Einsatz. Und zwar grundsätzlich in der Endo und beim Legen von Komposit- Füllungen, vereinzelt auch beim Entfernen von Amalgam – Füllungen.

Natürlich wollte mein Chef wissen, wie dies in Mainz an der Uni gehandhabt wurde.
Ich schilderte meine Erfahrungen, die ich glaubte, in einem Bonmot eines Studienkollegen cool und zutreffend zugleich zusammenfassen zu können: Es lautete: „Dort, wo ich Kofferdam anlegen kann, brauch´ ich ihn nicht, und dort, wo ich Kofferdam brauche, kann ich ihn nicht anlegen.“

Mein Chef erwiderte nur: Ich solle es einfach versuchen, und wenn ich einen Fall hätte, in den ich nicht zurecht käme, dann solle ich ihn rufen.

Mein Ehrgeiz war natürlich geweckt. Falls ich meinen Chef rufen würde, dann nur bei einem Patienten, bei dem er selbst kapitulieren müsste. Er würde kommen, an der Situation scheitern und mir dann eingestehen müssen, dass es eben nicht immer möglich sei, Kofferdam zu legen.

Allzulange brauchte ich nicht zu warten.
Nach einer Woche wurde ich mit einem solchen Fall konfrontiert, von dem ich sicher war, daß auch mein Chef daran verzweifeln würde.

Ich rief ihn, er kam, setzte sich hin – und keine 2 Minuten später war der Kofferdam angelegt.

Und bei mir hatte es „Klick“ gemacht.

Das selbst in Situationen, die unmöglich handhabbar erscheinen, es gelingt, das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Es ist lediglich eine Frage des Wollens, dem das Machen folgt und danach der sich einstellende Übungserfolg, der letztendlich das ganze zur Routine werden lässt.