Blick über den Tellerrand bzw. über Landesgrenzen hinaus

Auch in Italien soll es nun eine elektronische Patientenakte geben.
Wie dies im Einzelnen aussieht, kann ich nicht sagen, aber in einem Punkt unterscheidet sie sich schon einmal diametral von der bestvorbereitesten Digitalanwendung Deutschlands. Der Patient in Italien muss nämlich der Nutzung einer solchen Anwendung ausdrücklich zustimmen. So konnte ich es im „Brixener“, der Zeitung mit Stadtinformationen von Brixen/Südtirol lesen. Dort wird nämlich um Zustimmung geworben.

Im Gegensatz zu Deutschland.

Wo keiner genau informiert wird, was und wie genau diese ePA funktioniert.
Und man aktiv widersprechen muss.
Ansonsten die eigenen hochsensiblen Gesundheitsdaten vielen vielen Leuten zur Einsicht zur Verfügung stehen.

Ich vermute mal, das bislang sich die wenigsten Bürger unseres Landes Gedanken gemacht haben, was das gegebenenfalls für die eigene Person bedeutet, wenn intimste persönliche Daten eines gesamten Lebens (von der Geburt bis zur Totenbahre) abrufbar werden. Und zwar nicht nur für die betreuenden Ärzte, sondern auch für jede Menge anderer Personen, die nichts direkt mit Medizin per se zu tun haben. Von den Begehrlichkeiten für Kriminelle (Computer kann man „hacken“) mal ganz abgesehen. Und natürlich werden – da halte ich jede Wette- in nicht zu ferner Zukunft z.B. Versicherungen diese Daten abfragen. Und dann massgeschneiderte Prämien ermitteln für jeden Einzelnen. Mit individuellem Risikoaufschlag. Und dann heisst es viel mehr zahlen oder einen Ausschluss des betreffenden Krankheitsrisikos akzeptieren. Man dann also die Behandlungskosten aus eigener Tasche zahlen muss.

Und bei Bewerbungen um einen neuen lukrativen Job wird der zukünftige Arbeitgeber Einblick in die Krankenakte fordern vorab. Suchmaschinen liefern dann Sekundenschnelle die toxischen Aktenfundstücke. Alkohol, Drogenkonsum, Burn Out, Bulimie, „Ritzen“, Geschlechtskrankheiten, Abtreibungen, Psychosen, Selbstmordversuche, Aids. Um nur ein paar zu nennen. So gesehen ist der gelangweilte Mitarbeiter der örtlichen Krankenkasse oder der örtlichen Apotheke, der einfach nur wissen möchte, was beim Nachbarn so alles in der Akte steht, noch das kleinste Übel. Allein das schon schlimm genug. „Hast du schon gehört….“

Und wer es immer noch nicht kapiert hat.
Stellen Sie sich vor, das der Kontostand ihres Bankkontos frei einsehbar wäre. Ihre Schulden, ihr Erspartes?

Wollen sie das ?
Denken sie mal drüber nach und dann mulitplizieren sie ihr Unbehagen mit 100.
Willkommen bei der ePA!

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Alle Gesundheitsdaten an einer Stelle gesammelt. Das wäre toll und nützlich.

Aber dann bitte auf einer Chipkarte, die sie bei sich tragen oder in ihrem Smartphone gespeichert.
Und wenn jemand auf diese Daten zugreifen soll, dann erteile ich ihm DANN und nur für DANN meine Zustimmung.

Es wäre so einfach. Warum also nicht so? Ein Schelm, der Arges denkt…