Von Bonald Decker
Nicht zu findende „Kanäle“ stellt eine der Hauptgründe dar, warum Patienten an uns verwiesen werden. So auch im nachfolgenden Fall:
Mit der Aussage ihres Zahnarztes:
„Ich komme nicht weiter und finde nur zwei Kanäle. Wenn jemand die „Restlichen“ behandeln kann, dann ein Spezialist“
stellte sich die Patientin erstmals bei uns vor.
Nachfolgend die präoperative Röntgenaufnahme des Zahnes 36, die uns mit der Zuweisung der Patientin übermittelt wurde.
Aus der Vergangenheit haben wir (zum Teil „schmerzlich“) gelernt, dass es „immer gut„ ist, vor Beginn der zugewiesenen Behandlung ein eigenes „präoperatives“ Röntgenbild zu machen…
diese „Regel“ sollte sich in diesem Fall bewähren.
Nachfolgend unsere präoperative Röntgenaufnahme (nach endodontischer Erstbehandlung inklusive Entfernung der Krone alio loco).
Anhand dieser Aufnahme bestand der „begründete“ Verdacht, dass es bei der endodontischen Erstbehandlung (möglicherweise) zu einer Perforation des Pulpakammerbodens gekommen war.
Diese radiologische Verdachtsdiagnose konnte klinisch (leider) bestätigt werden und bedeutete eine Modifikation des zunächst angedachten Behandlungsprotokolls.
Neben der chemo-mechanischen Aufbereitung erfolgte daher im ersten Behandlungstermin auch der Verschluss der Perforation mittels MTA.
Im zweiten Behandlungstermin konnte der Zahn dann bei Beschwerdefreiheit mittels Guttapercha & Sealer obturiert und mittels Komposit-Füllung verschlossen werden.
postoperative Röntgenaufnahme nach endodontischer Behandlung inklusive Perforationsdeckung an Zahn 36
Unser Fazit dieses Behandlungsfalles lautet daher:
Komplikationen einer zahnärztlich-endodontischen Behandlungen lassen sich nicht zu 100% Prozent vermeiden. Glücklicherweise erlauben aktuelle Therapieansätze ggf. auch solche Komplikationen vorhersagbar zu behandeln, um den Zahnerhalt zu ermöglichen. Es ist jedoch immer gut, wenn man vorab (anhand diagnostischer Massnahmen) möglichst wenige Überraschungen erlebt…

Hallo Herr Decker,
haben Sie bei der Perforationsdeckung ein Kollagenwiderlager benutzt?
Mit freundlichen Grüßen
Damian Köllner
Hallo Herr Köllner, es handelte sich um eine ganz frische Perforation und daher hat Herr D auf ein kollagenes Widerlager verzichtet.
vg ck & Dr. D
Hallo Herr Decker,
gibt es grundsätzlich eine „Maximalgröße“ an Pulpakammerperforation die noch gedeckt werden kann? Konkret: Ich habe von einer Kollegin einen Fall überwiesen bekommen, Zahn 16 endodontisch anbehandelt. Den Kammerboden fand ich perforiert vor, großflächig (für meinen Geschmack). Zentral zwischen den Kanälen war auf etwa 2x2mm perforiert. Ist hier noch eine MTA/Composite-Deckung zu verantworten? Leider kann ich kein Bildmaterial liefern (ich hatte mich nach Entfernung des PV und Darstellung der „Bescherung“ mit der Überweiserin telefonisch kurzgeschlossen und sie hat mir den Fall wütend „entzogen“ – ob ich etwa andeuten wolle, sie hätte den Zahn perforiert…)
Grüße von
Till Herffs
Hallo Herr Herffs,
Ohne die Situation selbst gesehen zu haben tue ich mir mit einer Einschätzung schwer.Hier trotzdem ein paar Gedanken.
Die Größe der Perf ist für mich nicht zwangsläufig _das_Kriterium, sondern vielmehr der verstrichene Zeitraum bis zur Deckung und die mögliche Indikation für MTA ja/nein (=Kommunikation zum Sulkus ja/nein)
2×2 mm grosse Verletzung wäre bei guten Umständen (zeitnahe MTA Reparatur) für mich definitiv eine Behandlungsoption.
Vg ck