von Ronald Wecker
Eine palatinal auftretende Fistelöffnung war der Grund für die Vorstellung dieses Patienten in unserer Praxis. Der Patientt erinnerte sich an einen einige Jahre zurückliegenden chirurgischen Eingriff. Das präoperative Einzelbild zeigte periapikal gelegenes Fremdmaterial, eine Aufhellung im Bereich der palatinalen Wurzel, sowie eine diffuse Aufhellung interradikulär.
Erst im DVT war die unvollständig durchgeführte Resektion der palatinalen Wurzel zu erkennen. Intraoperativ zeigte sich ein unbehandelter MB2. Die palatinale Wurzelfüllung war sehr stark kontaminiert. Das in die iatrogene Perforation hineingewachsene Gewebe verhinderte anfänglich das Visualisieren des apikalen Obturationsmaterials.
In der zweiten Behandlungssitzung war die Fistelöffnung abgeheilt. Nach ultraschallunterstützter Präparation der Perforationsränder wurde nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers zunächst der palatinale Kanal mit MTA verschlossen. Vor der Aufbereitung der bukkalen Kanalsysteme erfolgte zunächst die Abdeckung des MTA mit einem Flow-Komposit.
Bei der endodontischen Revisionsbehandlung bereits resezierter Zähne ermöglicht das DVT eine wesentlich exaktere Beurteilung der präoperativen Ausgangslage und verbessert somit Planung und Durchführung der vorgesehenen Behandlung.

Lieber Ronald,
um was für einen Befund handelt es sich hier:
https://www.sugarsync.com/pf/D7301881_69889059_6270071
Herzliche Grüße
Marc
Ronald meint, dass es die unvollständige Resektion der palatinalen Wurzel ist. Dazu eine symptomatische chronische apikale Parodontitis an der palatinalen Wurzel. Medial ebenfalls eine CAP. Es zeigt sich ein verbreiteter Parodontalspalt.
LGJ
Lieber Jörg,
die eingezeichnete Läsion läßt mich eine andere Vermutung anstellen. Warum? Die Läsion ist annähernd tunnelförmig und verläuft, beginnend etwa in Höhe des palato-crestalen Alveolarknochens in einem geschätzten 45°-Winkel von mesiopalatinal nach zentrocranial in den Wurzelkanal hinein – oder umgekehrt, wie man es interpretieren will. Schließt man aus diesem Defekt ein iatrogenes Vorgehen, dann hätte der chirurgisch tätige Kollege quasi eine palatinale Perforation gesetzt, ohne jedes Anzeichen für den Versuch eines mesiodistal ausgerichteten „Schneidens“ zum Zweck der Resektion der Wurzel, bzw. Amputation derselben – von einer Wurzelspitzenresektion kann man in diesem Bereich nicht reden. Anders formuliert, für einen Resektionsversuch liegt dieser Defekt zu weit marginal, selbst wenn man chirurgisch ambitionierten KollegInnen viel zutraut und schon die absurdesten Dinge selbst gesehen hat, und entspricht lage- und somit zugangsbezogen auch nicht der üblicherweise gewählten Schnittführung bei derartigen Eingriffen. Folgt man den Scans, dann läßt sich aber durchaus die Durchführung des Versuchs einer Wurzelspitzenresektion lege artis erkennen: vollständige Entfernung, nebst ausgebliebener Regeneration, des Alveolarknochens i. r. der palatinalen Wurzel des Zahnes und deutlich sichtbare abgeschrägte Abflachung und Kürzung (vgl. die Wurzellänge der buccalen Wurzeln) der Wurzel im Sinne einer Resektion. Meine Vermutung ist daher, daß es sich bei dem beschriebenen Defekt um eine Resorption handelt, wahrscheinlich um eine nicht erkannte ECIR. Diese ist wahrscheinlich zum einen Ursache für die ursprünglichen Beschwerden, wie auch Grund für die persistierenden Probleme, die zur WSR geführt haben könnten.
Gruß an Ronald und viel Spaß noch in Salzburg
Marc
Lieber Marc,
eine EICR hatte ich zunächst auch im Kopf, als ich Ronalds Fall gesehen hatte. Ronald beschrieb mir allerdings die Defektränder und die angrenzenden Kanalwände als durchweg glatt. Die bei einer externen Resorption typischen fingerförmigen Vertiefungen die einen porösen Charakter der betroffenen Wurzelanteile verursachen fehlten völlig. Zudem war laut Ronald die Vaskularisierung des eingewanderten Gewebes nicht so hoch, wie es bei externen Resorptionen zu beobachten ist. Dazu der anamnestische Hinweis eines operativen Vorgehens. Letzlich ist sicherlich eine definitive Beurteilung schwierig. Wichtig wäre es allerdings für die Einschätzung der Prognose.
Time will tell.
Herzliche Grüße
Jörg