Shit happens. (2)

von Ostidald Wucker

Das Ergebnis der ersten Behandlungssitzung entsprach nicht unseren Vorstellungen. Wir konnten nicht verhindern, daß Wurzelfüllungsmaterial nach periapikal gelang.
Der Patient kam zur zweiten Sitzung mit starken Kiefergelenksbeschwerden. Eine vorhandene Michiganschiene hatte er nicht getragen, da diese nach unserem Verschluss nicht genau passte. Die Schiene hat der Patient in unserer Anamnese nicht angegeben. Wir korrigierten die okklusale Füllung der Zugangskavität und vereinbarten einen neuen Termin.

Zum nächsten Termin war der Zahn und das Gelenk schmerzfrei. Nach Leitungsanästhesie, Kofferdam, Eröffnung der Zugangskavität und Entfernung der medikamentösen Einlage erweiterten wir mit Ultraschall und unter mikroskopischer Kontrolle das apikale Foramen distal. Nach Darstellung der periapikal gelegenen Guttapercha wurde diese mit einem modifizierten Microopener entfernt.

Der apikale Verschluss gelang mit MTA.
In der mesialen Wurzel gelang uns die Entfernung der Guttapercha nicht. Auf Grund der Krümmung der Wurzelkanäle war eine optische Darstellung nicht möglich. Nach 45 Minuten wurde der Entfernungsversuch mit vorgebogenen Hedströmfeilen und Microdebrider ergebnislos abgebrochen und die Wurzelkanäle nach einer abschließenden Desinfektion thermisch obturiert.

Das Ergebnis war für uns nicht zu verbessern. Was waren unsere Konsequenzen aus dem Fall?
Wir sind auch bei locker sitzenden Guttaperchastiften äußerst vorsichtig in der Entfernung. Mittels Hedströmfeilen versuchen wir die Guttaperchaspitzen großflächiger zu fassen und zunächst zu luxieren. Bei locker sitzenden Guttaperchaspitzen, bzw. nicht randständiger Guttapercha im apikalen Bereich vermeiden wir ein initiales maschinelles Instrumentieren und versuchen die Guttapercha zunächst mit Ultraschall zu entfernen.

Den Einsatz von Lösungsmitteln möchten wir vollkommen vermeiden.

7 Gedanken zu „Shit happens. (2)

  1. Hallo Ostidald,ich glaube mit deinem Abschlusssatz legst Du dir selbst ein Endozölibat auf.Gerade in manuell und maschinell schwer zugänglichen Bereichen kann mit hydrodynamischer Präparation ,eingeschlossen die US- Aktivierung von Lösungsmitteln, minimalinvasiv ein besseres und schnelleres Resultat erreicht werden.
    Grüße Martin

    • Wie wird bei US-Aktivierung von Lösungsmitteln verhindert, dass gelöste Guttapercha nicht in Isthmen oder nach periapikal verbracht wird?

      Wie verhindert man vorhersagbar das Verbleiben des bereits periapikal befindlichen Guttapercharestes durch „Ablösen“ in Folge des Lösungsmitteleinsatzes?

      Grüße Jörg

      • Hallo Jörg ,das Auflösen von Guttapercha oder anderen Materialien aus Isthmen und komplexen Stukturen, verhält sich nicht anders als Auflösung von infizierten Debris .
        Wie verhindert man vorhersagbar das Verbleiben des bereits periapikal befindlichen Guttapercharestes durch Ablösen in Folge mechanischer Instrumentierung ?
        Grüsse Martin :)

        • Dass sehe ich anders: ungelöste Guttapercha in fester Form läuft weniger Gefahr in bisher nicht mit Guttapercha gefüllte Anteile des Kanalsystems verbracht zu werden. Durch das Verdampfen des Lösungsmittels lagert sich die vorher gelöste Guttapercha in diesen Bereichen ab. Das in Lösung halten mit Debris wird durch ständiges Fluten der Kanalhohlräume mit z.B. NaOCl erreicht. Wie funktioniert das mit gelöster Guttapercha? Solange den Kanal mit Lösungsmittel fluten? Welches Lösungsmittel setzt Du ein?

    • Hallo Martin,
      auch mit den Lösungsmitteln bleiben sehr wahrscheinlich Rückstände. Welche Schäden hinterlassen Lösungsmittel am und im Dentin, insbesondere im koronalen Bereich? Wie toxisch ist der Austritt von Lösungsmitteln? Welches Lösungsmittel löst Guttapercha optimal auf und welche Toxizität hat dieses.
      Es gibt einige Studien in denen man Veränderungen am Dentin durch die verschiedensten Chemikalien nachlesen kann und wie sich das auf möglicherweise adhäsive Fülltechniken auswirkt.
      Herzliche Grüße
      Ostidald

  2. Hallo Jörg ,die Entfernung von Guttapercha und anderen Materialien aus Isthmen und komplexen Strukturen mittels us aktivierten Lösungsmitteln läuft in gleicher Weise ab , wie die Entfernung von infiziertem Debris.

    Wie verhindert man vorhersagbar das Verbleiben des bereits periapikal befindlichen Guttapercharestes durch Ablösen infolge Instrumentierung ? :)

    Grüsse Martin

    • „Wie verhindert man vorhersagbar das Verbleiben des bereits periapikal befindlichen Guttapercharestes durch Ablösen infolge Instrumentierung ? :)“

      Hallo Martin,

      durch eine gut überlegte Zugangskavität, die das Visualisieren periapikal gelegener Fremdmaterialien ermöglicht, gutes räumliches Vorstellungsvermögen, modifizierte Handinstrumente, reichlich Geduld, ruhigen Händen und viel Erfahrung. ;)

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