von Ronald Wecker
In nachfolgend dargestellten Behandlungsfall lautete meine erste Empfehlung nach eingehender klinischer und radiologischer Diagnostik wie folgt:
Entfernung Zahn 37 mit anschliessender implantologischen Versorgung und orthograde Revision Zahn 36. Mit ein Grund dafür war, dass die Situation so bereits seit 3 Jahren bestanden haben soll und ich die Möglichkeit einer extraradikulären Infektion an 37 als deutlich erhöht eingeschätzt hatte. Der einzige klinische Pluspunkt war das Fehlen von erhöhten Sondierungstiefen. Ansonsten hatte der 37 alle Merkmale eines Zahnes, der die Erfolgsstatistik in den Keller ziehen wird.
Dass ich dennoch die endodontische Behandlung „gewagt“ hatte war im Umstand begründet, dass für den Patienten eine Zahnentfernung mit der Gefahr einer bis zur implantologischen Versorgung andauernden Arbeitsunfähigkeit einhergegangen wäre:
Er ist Mitglied eines bekannten Symphonieorchesters und spielt ein Blasinstrument, bei dem Ansatz und Druckaufbau nur mit vollständiger Zahnreihe möglich ist.
Die Behandlung erfolgte für jeden der beiden Zähne zweizeitig. In beiden Fällen war die bestehende Kompositrestauration massiv undicht. In beiden Zähnen war das Pulpakammerdach nicht entfernt worden; die Obturationsmassen waren deutlich kontaminiert. Zudem wies 37 einen fast bis apikal hinab reichenden Isthmus auf, der mittels vorgebogener Endosonore-Feilen „instrumentiert“ werden konnte. Genügend Gründe also für die deutliche apikale Aufhellung.
Das während der Liegedauer der medikamentösen Einlage aus 37 ausgetretene CaOH2 schmälert die radiologische Ästhetik ein wenig. Angesichts des bisherigen Heilungsverlaufs, bin ich aber zuversichtlich, dass der Patient damit gut leben kann.
Ich jedenfalls bin mit dem bisherigen Ergebnis sehr zufrieden und hoffe, den weiteren Verlauf verfolgen zu können.

Hallo Ronald,
ein interessanter und schön aufbereiteter Fall – vielen Dank!
Wer sich näher mit dem Thema Blasinstrumente und Zähne beschäftigen möchte, dem sei die Lektüre dieses Beitrags eines Zahnarztes in einem Saxophon-Forum empfohlen: http://www.saxophonforum.de/forum/viewtopic.php?topic_id=14764
Herzlich grüßt Dich
Haya
Spannender Blog-Artikel. Vielen Dank für’s Teilen.
Herzliche Grüße
Jörg Schröder
Ja, wenn das Caoh2 nicht auf dem Rö wäre………. die Extraktion ist ja immer noch ein gangbarer Weg!
Lieben Gruss an Ronald, ein wenig zuviel Selbstkritik ;-)
LGO
:))) aber im Ernst: wie kann man es verhindern?
LGJ
die Selbstkritik? Einfach mal erden und Fälle von anderen anschauen, hilft festzustellen, wo man steht ;-)))))))))
Caoh2-Extrusion? Passiert. Schlimm? Nein. Beim 24 Montsrecall ist es weg. Vor allem da ich weiss dass die Einmessung der Kanüle sehr sorgfältig passiert ist. Manchmal steckst Du nicht drin. Vielleicht ist es auch bei der Applikation des provisorischen Verschlusses passiert. Ein bisschen apikaler Druck und schwups….
LGO
meine Beobachtung ist, da ich in solchen fällen nach med ein Rö anfertige, dass zwar unmittelbar nach erster Sitzung das caoh2 brav im Kanal liegt und es erst in der zweiten Sitzung ausgetreten ist. ich denke es ist die in der periapikalen krypte vorhandene Flüssigkeit, die das caoh2 aus dem kapillaren spalt des wurzelkanalsystems „herauszieht“. das überstopfen beim provisorischen verschluss ist auch eine Möglichkeit hier aber auszuschliessen weil das rö das Gegenteil zeigt.
lgj
hat der Patient da schon draufgebissen? Da war es noch weich. Geht die Härtung schlagartig? ;-) nur so ein Gedanke. Du nutzt aber auch einen adhäsiven Verschluss…. Meine Beobachtung ist, dass ich z.B. „goo“ nur dann sehe, wenn es von apikal her gesuppt hat. Ansonsten nicht….. Ultracal? Ich finde das Zeug sehr schwer aus dem Kanal zu fieseln, mir fällt es schwer zu glauben, dass eine kapillare Saugwirkung das Zeug runterzieht. Spannend!
lgo
weich ist das composite meiner Meinung nach nach der lichthärtung nicht mehr. ;) kein cavit oder gis als deckfüllung. ja ist bei ausgedehnter apikaler lyse mit exsudation und weitem foramen häufig. ultracal ist anfangs recht sahnig. ewiges Rätsel. lgj