Misserfolg bei -Grossbaustelle- Ursachenforschung (I)

Von Bonald Decker

Vor einiger Zeit berichtete ich hier über den bisherigen Behandlungsmisserfolg eines Oberkiefer-Prämolaren nach Revision bei unserer „Grossbaustelle

Über die grosse Resonanz auf den Beitrag (immerhin 45 Kommentare!) habe ich mich gefreut. Obwohl ich bisher noch keine „wirkliche Auflösung“ für die Gründe des Misserfolges liefern kann möchte ich in diesem Zuge versuchen einige Punkte kurz zu „beantworten“ und ferner eine wissenschaftliche Untersuchung anzuführen, die ich als mögliche Ursache für die Progredienz der apikalen Parodontitis heranziehe.

Die nach sechs Monaten angefertigte 2D-Recall-Aufnahme zeigte eine zunehmende apikale Parodontitis. Persönlich sehe ich den Mehrnutzen einer möglichen daraufhin zusätzlich angefertigten DVT-Aufnahme bei unauffälligen klinischen „Parametern“ (wie „forcierter“ Taschensondierung etc.) in diesem Fall nicht. Insbesondere deshalb, weil ich mir daraus keine weitere therapeutische Konsequenz erwarte.

Meine Empfehlung hinsichtlich des weiteren Vorgehens an die Patientin lautete daher:

– Extraktion

oder

– explorative chirurgische Darstellung Region 14 mit nachfolgender möglicher minimalinvasiver Wurzelspitzenresektion inklusive retrogradem Verschluss.

Eine Entscheidung der Patientin steht noch aus.

Aber warum kam es zu dem Misserfolg…?

Eine (absolute) Antwort habe ich (bisher) nicht.  Aber die nachfolgende Untersuchung liefert für mich eine  mögliche (iatrogene) Ursache…

Die Revision hat evtl. zu Rissbildungen innerhalb der Wurzel geführt und damit den Misserfolg begünstigt:

Bau.001

Ich werde über den weiteren Verlauf der Behandlung berichten und hoffe diesen im Weiteren“aufzuklären“…

5 Gedanken zu „Misserfolg bei -Grossbaustelle- Ursachenforschung (I)

  1. Guten Morgen Bonald,

    danke für das Update. Du hast Dich also gegen das DVT entschieden – die Frage in meinem Post zum Ausgangsfall hat sich also erledigt.

    Du schreibst, dass ein DVT für Dich keine weitere therapeutische Konsequenz hätte? Warum kommt für Dich eine Rerevision nicht in Betracht? Falls das eine Option wäre, könnten die Erkenntnisse aus dem DVT doch eventuell hilfreich sein, oder?

    Die Beeinträchtigung der WK-Wände durch die Revision könnte auch möglicherweise durch ein DVT verifiziert werden. Das wäre natürlich nur ein Nebeneffekt eines DVT, das nur angefertigt werden sollte, wenn ein therapeutischer Nutzen auf diesen Erkenntnissen aufgebaut werden soll (s.o.).

    Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende

    H.H.

    • Hallo Haya,
      Es gibt hier berufenere Kollegen zum Thema DVT als mich. Meine Einschätzung lautet indes, dass man mögliche apikale rissbildung auch im DVT nicht darstellen kann.
      Bei einer re-revision würde sich für mich die frage stellen, was der selbe Behandler bessern könnte?
      Daher in meinen Augen: wenn re-revision , dann durch einen anderen Behandler…
      Vgc

      • Lieber Christoph,
        Deine Einschätzung ist völlig korrekt. Landläufig heisst es, auch ich habe diese Auffassung zeitweilig vertreten, dass die kleinste in einem DVT darstellbare Struktur gleich Voxelgrösse mal zwei entspricht – zumindest theoretisch und in vitro. Tatsächlich können wir davon ausgehen, dass sich dieses Verhältnis unter Berücksichtigung der Strahlengeometrie und (algorithmischen) Degradation selbst in vitro eher bei Voxelgröße mal drei bewegt. Rechnet man dann noch Bewegenungsartefakte hinzu, unter günstigsten Bedingungen 0,45 mm bis > 2 mm über den Scanverlauf, dann kann man sich vorstellen, dass die Darstellung initialer Infrakturen oder Mikrorissen ausserhalb der Darstellbarkeit dieser Systeme, wie auch anderer klinischer bildgebender radiographischer Systeme liegen. Gleichwohl dies in der Regel leider auch für die Darstellbarkeit mit dem DM liegt, wenn wir über das apikale Wurzelkanaldrittel sprechen. Hier bleibt letztlich nur die chirurgische Evaluation als diagnostisches Mittel der Wahl.
        Herzliche Grüße
        Marc

  2. Welches Füllverfahren kam zur Anwendung? Laterale Kompaktion mit kalter Guttapercha? Wie wurde aufbereitet? ProTaper maschinell betrieben? Welche Sequenz wurde benutzt? Wie wurde bei den Hedströmfeilen aufbereitet? Wieviel Spüllösung wurde eingesetzt? Haben die Retreatmentfeilen die gleiche Geometrie, wie die normalen PT? Wie rasch erfolgte der Vorschub der Retreatmentfeilen im Vergleich zu den normalen PT? Wie kann der Einfluss der im kanal befindlichen durch die Instrumentierung nach lateral verdrängten guttapercha quantifiziert werden?

    Das das zweimalige Aufbereiten des gleichen Zahnes diesen mechanisch schwächt ist wohl verständlich. Am Ende ist es aber unter Umständen das Wie und weniger eine bestimmte Feile.

    Lgj

    • Hallo Jörg. In meinen Augen geht es nicht darum eine „spezielle“ Feile bzw Instrument zu „verdammen“ sondern mögliche Erklärungen für Misserfolge zu finden. In dem gezeigten Fall hat (imho) etwas, was durch die Behandlung entstanden ist, den Misserfolg getriggert. Die Lit zeigt in meinen Augen, dass die Präparation von Wks zu solchen „Cracks“ führen kann. Leider

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