Von Bonald Decker
Heute möchte ich den Beitrag wieder einmal der Anatomie unterer Molaren „widmen“.
Überwiesen würde uns der Patient, weil das distale Kanalsystem dieses unteren zweiten Molaren laut Überweiser nach seiner ersten klinischen Einschätzung ein Foramen apicale grösser ca. ISO 070 aufwies. Er sah sich daher (vorhersagbar) nicht in der Lage, dieser Anatomie bei Präparation und Wurzelkanalfüllung „gerecht“ zu werden.
Bei Erstbefundung und Behandlung stellte sich der Zahn für uns als unauffällig daher. Es zeigten sich keine Besonderheiten von Taschensondierungstiefen und Lockerungsgrad.
Mit Hilfe des Dentalmikroskops und entsprechender Xenon-Licht-Ausleuchtung erschien mir diese „Laune der Natur“ recht gut beherrschbar zu sein. Präoperativ war daher u.a. der Verschluss der Apikalregion mittels MTA geplant.
Insbesondere die (sehr mühevoll) angefertigte Masterpoint-Aufnahme verdeutlichte jedoch, dass es auch der mesialen Anatomie (mit separat verlaufenden Kanalsystemen) ein besonderes Augenmerk zu schenken galt.
Die Bilder nach MTA-Applikation (distal) und Downpack (mesial) bekräftigen diese Einschätzung.
Neben meiner „Begeisterung“ über das (radiologisch erkennbare) Resultat freut mich besonders die Tatsache, dass mir Tipps und Tricks, die ich im Laufe der Jahre u.a. bei WURZELSPITZE, ROOTS (in dieser „Form“ leider nicht mehr online) und ENDONEWS erfahren durfte, ermöglicht haben, dieses (für mich) sehr erfreuliche Ergebnis zu erzielen.
Hier die Links zu einigen Tipps, die uns bei diesem Fall sehr geholfen haben:
– Wurzelkanalfülltechnik nach Dr. J. Avilion (System A) (-in dem gezeigtem Fall zur Nachverdichtung nach erstem Downpack)
– Aktivierung von Spülflüssigkeiten
Mein Dank gilt daher heute besonderes all den (hier) mitwirkenden Kolleginnen und Kollegen, die bereit sind Ihr Wissen aktiv zu teilen…
Danke dafür
:-)

Lieber Bonald,
das ist großes Kino, wie man so schön sagt und ich ziehe meinen Hut vor dieser Leistung. Aber, das ist die grosse Frage, ist dieses Ergebnis vorhersehbar, sprich planbar, zu reproduzieren? Anders formuliert, was sind die Faktoren, die ein solches Resultat ermöglichen und warum sind nicht all Deine und unsere Fälle bei vergleichbarer Vorgehensweise mit solchen Ergebnissen gesegnet? Entspricht die beschriebene Wurzelkanalfülltechnik Deinem Standardprotokoll oder wurde sie hier selektiv eingesetzt? Die Aktivierung von Spülflüssigkeiten ist in vielen Praxen üblich, ohne dass sie derartige Behandlungsergebnisse regelmäßig zu Tage fördert. Spielt vielleicht der Status der erkrankten Pulpa – vital oder nekrotisch – eine Rolle? Fiel aufgrund der erkennbaren Besonderheit dieser Anatomie die Desinfektion gründlicher aus, als üblicherweise? Oder ist die qua endodontischer Behandlung dargestellte Anatomie letztlich womöglich gar nicht so relevant für das outcome, wie wir visuell geprägten Endofreaks denken ;-)
However, es ist ein großartiges Ergebnis, das aber auch zum Reflektieren einladen sollte und muß.
Herzliche Grüße
Marc
Hallo Marc.
Von Bobalds Seite her unterschied sich das Desinfektionsprotokoll nicht von dem sonst bei ihm „üblichen“ Vorgehen. Es bleibt also leider unklar, warum sich solch „ruddleleskes“ radiologisches Ergebnis erzielen ließ.
Einzig bei dem downpack fiel eine deutliche Kommunikation zw. den beiden mesialen Systemen auf. Dies zeigte sich durch die Sealerbewegungen zw. mesio-bukkal und lingual. Daher erfolgte hier (anderes als sonst) eine weitere Guttapercha-Applikation, um eine bessere Hydraulik zu erzielen. Vielleicht wars ja das?
System A stellt in solchen Fällen der notwendigen Nachkorrektur Bonalds erste Wahl dar. Vor der „Nachahmung“ dieses Vorgehens muss aber darauf hingewiesen werden, dass eine intensive Trainingsphase dieser Technik in-vitro erfolgen sollte!!!
lgc
Wie heißt es schon schön: „Besser geht immer“.
In diesem Fall trifft das definitiv nicht zu, lieber Bonald !
Da wird sich Bonald aber sehr freuen dies aus Deiner Feder zu lesen Ha-Wi. Hat er doch zahlreiche Dinge von Dir lernen dürfen
:-)
Schönes Ergebnis, hoffe der Zahn dankt die ganzen Mühen :D…
Ich habe mich auch immer gefragt wie der Ruddle diese WFs hinkriegt wo die Röntgenaufnahme aussieht wie von einem Weihnachtsbaum mit den ganzen gefüllten Seitenkanälen, vielleicht doch der Zinkoxid-Eugenol-Sealer? Bei dem Microseal Verfahren habe ich immer Angst das die Guttapercha über den Apex gepresst wird, wobei es in der Theorie es eigentlich nicht passieren sollte wenn man die Arbeitslänge nicht überschreitet.
Bezüglich Spülprotokoll: Was ist eigentlich aus dem „Zeppinator“ geworden?
Gruß Gregor
Wunderschön- ein Billd/Fall für die Gallerie! Da geht es gleich wieder hoch motiviert an den nächsten Patienten!
Viele Grüße
Jochen Friedrich